Predigt aus dem Jahre 1986/ 87





16.12.2018

3. Adventssonntag ( B )

„Gaudete!“

„Wir sagen euch an den lieben Advent. Sehet die dritte Kerze brennt. Nun tragt eurer Güte hellen Schein weit in die dunkle Welt hinein.“
Mit diesen Worten ruft uns die Kirche heute auf, mit einem Herzen voller Freude unseren Brüdern und Schwestern zu begegnen.
„Gaudete“ heißt dieser dritte Adventssonntag: „Freuet euch!“
Vielleicht denkt so mancher unter uns: „Kann man der Freude gebieten?“ Bisweilen stellt sie sich wohl ein, sodass wir froh sind, vielleicht sogar himmelhochjauchzend.
Weit öfter aber liegt der Schatten der Trauer auf unserem Herz, sodass wir zu Tode betrübt uns fühlen.
Doch von dieser Freude spricht Paulus nicht, denn diese irdische Freude heißt Vergnügen. Dieses Vergnügen ist nur ein Elendwerk, das uns über alle Enttäuschungen unseres Lebens hinwegheben soll, ist nur ein Mantel, der alle innere Leere und Armseligkeit zudecken soll.
Die wahre Freude ist ER, auf den Johannes hinweist, das „Licht, das in der Finsternis leuchtet“ und uns die Zuversicht schenkt, auf dem Wege zum Licht der ewigen Herrlichkeit zu sein.
Ja, wie schön hatte es einmal doch begonnen mit Adam und Eva, unserem Menschenelternpaar:
Ihr Daheim war das Paradies, der Garten Gottes. Der Lebensbaum inmitten dieses Friedens stillte ihren Hunger und Durst mit köstlichen Früchten. Gottes Gegenwart schenkte ihnen Freude und Geborgenheit.
Doch dann kam der Tag der Reifeprüfung:
Sie sollten sich würdig erweisen der herrlichen Gabe der Willensfreiheit, der Entscheidung für Gott oder den Satan und ihre Antwort war: „Non serviam!“ Ja, sie entschieden sich für den Verführer.
Und so kam die Strafe, die Verstoßung aus dem Paradies und die Bitternis der fluchbeladenen Erde.
Aber auch in diesem Tal der Tränen war Gott bereit, dem Menschen täglich den Tisch zu decken. Aber nun muss er sein täglich Brot „im Schweiße seines Angesichtes“ unter „den Dornen und Disteln“ sich mühsam erarbeiten.
Und wie steht es um den Menschen unserer Tage hier im einstigen christlichen Abendland?
70 Jahre lang tobte im Osten Europas die militante Gottlosigkeit, der jede religiöse Betätigung mit sibirischer Verbannung, ja sogar mit dem Tode bestrafte.
Unter dem Slogan: „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.“, machte er das einzige autarke Land Europas zum größten Armenhaus.
Es war schon erschütternd, die alte russische Frau bei dem Auspacken eines Carepaketes aus Deutschland sagen zu hören: „So müssen sich die Sieger von den Besiegten beschenken lassen. Ja, Gott lässt seiner nicht spotten!“
Und was geschah nun in unserem westlichen Europa, besonders in unserem Vaterland, nachdem wir nach dem verlorenen Krieg ein Trümmerfeld in das reichste Land umgewandelt hatten mit Händen, die Gebet und Arbeit unermüdlich zu regen wussten?
Mit unserer Experimentiersucht haben wir unser Land in eine Wüste verwandelt, die keinen Weg und auch kein Ziel mehr kennt. Jede Zeitung, die wir lesen, jede Nachricht, die wir hören, jede Tagesschau, die wir sehen, berichten von neuen Schrecken:
Der saure Regen lässt den Wald sterben, der Meeresgrund wird durch Unrat und Chemikalien vergiftet, gewisse Tierarten werden durch Gaumenlust, Putzsucht, Experimentiertätigkeit in den Laboratorien ausgerottet.
Ja, es ist schon furchtbar, wie der Mensch sich an Gottes Schöpfung vergreift. Aber Gott hält sie schon noch in seinen Händen. Ja, er kommt auf sie herab, um den undankbaren Menschen, der vor ihm flieht, zurückzuhalten und ihm zuzurufen: „Fürchtet euch nicht! Diese Erde hat auch ihre Oasen, in denen ihr Zuflucht finden könnt.
Und so ruft uns in diesen Adventstagen Christus zu: „Ich bin der gute Hirte“, der dich durch die Wüste auf dem rechten Weg geleiten will zu der Oase, wo der Quell göttlichen Wassers sprudelt. Der den Durst deiner Seele stillen kann, wo der Tisch dir gedeckt ist mit dem Brot, das vom Himmel herabgekommen ist als Speise der unsterblichen Seele. Wo dein Herz den Frieden erlebt, den die Welt dir niemals zu geben vermag. Wo die Angst aus dem Herzen weicht und die Freude einkehren kann. Wo ein Licht leuchtet wie einst der Dornbusch in der Wüste, aus dem Gott zu Moses sprach. Wo das Leben zu finden ist, das der Tod nicht zerstören kann.
Das ist die herrliche Botschaft, die uns an diesem Sonntag Johannes zuruft: „Gott kommt, das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, und allen, die ihn aufnehmen gibt er Kraft, Kinder Gottes zu werden.“
So wollen wir beten:
„Herr, lass Weihnachten werden auch in meiner Welt, dass hier Friede, Freundlichkeit und Güte unsern Alltag so behüte, wie es dir gefällt.
Herr, lass Weihnachten werden bei den Lieben mein, lass uns gern aneinander denken, gegenseitig Freude schenken und auch gütig sein.
Herr, lass Weihnachten werden auch im Herzen mein, dass ich dich erkenne und erlebe und dir meine Liebe gebe und kann fröhlich sein.“