Predigt aus dem Jahre 1987/ 88





22.04.2019

Ostermontag (B)

“Wir aber hatten gehofft.“ (2. Teil von Lk. 24, 11-35)

Ostern - das Hochfest des Lebens!

Und doch umsäumen Schmerz und Trauer, Tränen und Klagen den Ostermontag früh und spät, am Anfang und am Ende. Doch wo am Ostertag Menschen traurig sind, wird ihre Trauer bald in Freude gewandelt, in die Freude erfüllter Hoffnung.

Auf der Wanderung der beiden Emmausjünger gesellt sich ihnen ein Fremder zu. Es ist er, den sie im Grabe glauben. „Doch sie waren mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: 'Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Wege miteinander redet?“
Ja, das können sie nicht verstehen, dass es auch nur einen einzigen Menschen geben kann, der nicht weiß um den Mord an dem Mann, der die Zukunft ihres Lebens werden sollte; des Propheten „der mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volke“ war; des Wundertäters, den „unsere Hohenpriester und Führer haben zum Tode verurteilen und an das Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft.“

Lange hatte der Fremde geschwiegen. Er konnte nicht begreifen, wie schwer es fällt, „alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.“
Und nun beginnt er, sie behutsam zu führen durch die Geschichte des auserwählten Volkes, angefangen bei Moses, Zug um Zug bis auf diese Stunde, die im Chaos zu enden schien. „Doch musste nicht der Messias all das leiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen?“
Und wie wenn ein Windhauch hineinfährt in ein unter der Asche glimmendes Feuer, so brechen die fest erstorbenen Hoffnungen wieder auf.

„Wir hatten gehofft.“ - Ist das nicht das Klagelied, das wir ungezählte Male hinaufschreien zu Gott, wie eine Anklage, als die Mutter sterben musste in dem Augenblick, da sie Leben schenkte, das der Mutterliebe bedarf; als die Kinder dem Elternhaus den Rücken kehrten, ohne jeden Dank für alle Elternliebe; als Blitz, Hagel und Unwetter unsere ganze Ernte hinwegspülte?

Lasset uns beten:
„Herr, ich weiß nicht, um was ich bitten soll.
Nur du weißt, was ich brauche. Du liebst mich mehr als ich mich selbst zu lieben weiß.
Ich wage nicht zu bitten. Ich bringe einfach mein Herz dir dar und öffne es für dich."

(Francois Fenelon)



21.04.2019

Ostern (B)

In den Tagen, da die Natur ihre Auferstehung aus dem Todesschlaf des Winters zu einem neuen Leben findet und in den warmen Strahlen der Frühjahrssonne der Schnee in ungezählten Bächlein zu Tale rinnt; die Vögel in einem tausendstimmigen Chor ihre Lieder singen; die ersten Blüten freudig ihre Köpfchen zum Licht erheben, feiert die Kirche ihr größtes Fest: die Auferstehung des Herrn. Die Kirchenglocken rufen diese Frohbotschaft über Berg und Tal hin hinein in jede Stadt, jedes Dorf: „Alleluja, Christus ist erstanden, alleluja!“

Welch eine herrliche Botschaft bringt uns doch das Osterfest! Wir erleben das einmalige herrliche Schauspiel, dass jenseits des Toten Meeres ein Ufer auftaucht und an das Land ER aufsteigt, den der Mensch nicht in sein Eigentum eintreten ließ, sondern verdammte in das Reich der Toten, indem er ihn am Kreuz verbluten ließ.
Dass das unübersehbare Gebirge von Totengebeinen nun eine Krönung gefunden hat in IHM, der „alles anziehen wollte, wenn ER erhöht sein werde“ , sodass über allen Totenstätten der Welt nun Auferstehungsluft weht und die Verheißung erklingt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, und jeder der an mich glaubt, auch Leben findet.“ Dass die erschreckende Lebensgeschichte eines jeden Menschen mit der eintönigen Melodie: „Und er starb.“, nun plötzlich in der Frohbotschaft ausklingt: „Christus lebt, so werden auch wir leben.“

Mit diesem Ostertage schreiten die Füße des Herrn seiner ewigen Heimat zu, von der er ausgegangen war, der Menschheit den Frieden zu bringen; greifen seine von den Nägeln durchbohrten Hände nach dem Zepter der Weltregierung; schmückt nun sein dornengekröntes Haupt die Krone eines ewigen Königtums aus den Händen des Vaters.

Der furchtbare Kampf zwischen Leben und Tod endete nicht mit dem Sieg des Todes, sondern des Lebens, sodass wir jubeln können „Tod, wo ist dein Sieg, Tod wo ist dein Stachel?“
Das furchtbare Sterben auf dem Opferaltar des Kreuzes endete im Sieg des Lebens, sodass wir vertrauen dürfen, an diesem Leben teilhaben zu können. Der Schandpfahl des Kreuzes hat sich gewandelt in einen Quell immer sprudelnden göttlichen Lebens, aus dem wir schöpfen können Gnade um Gnade.
Ja: „Der Sünde Sold ist der Tod, aber die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben in Jesus Christus, unserem Herrn.“, sagt Paulus.

Wenn wir in diesen Tagen einander immer wieder begrüßen mit den Worten „Frohe Ostern!“, dann wollen wir doch einsehen, dass es eine Freude sein muss, die uns bis in die Tiefe unseres Herzens erfüllt, sodass wir mit Cyrillus von Alexandrien das Lied singen: „Wahr ist es, einmal reißt es uns alle hinauf, aus Zerfall in ewige Jugend, aus Sterben ins Leben, aus Siechtum in siegende Kraft, aus Kleinheit in Glorie, aus engen Zeiten in ewige Weiten. So wird es sein, ja so, wenn wir ewig daheim sind bei Christus.“

Was am Ostermorgen geschah in Jesus Christus, ist bereits auch unsere Lebensgeschichte. Sie heißt: unser Leben auf dieser Erde endet gewiss durch den Tod, den Vollstrecker der Strafgerichtsbarkeit Gottes. Aber es geht über in ein anderes Leben, das ewig währt, ein Leben, das begann mit der Auferstehung des Herrn, der als erster teilhaben darf an der Herrlichkeit Gottes und sich fortsetzt in all seinen Brüdern und Schwestern, die bereit sind, mit ihm den Weg durch dieses Leben zu gehen.
Doch wie traurig ist es in unseren Tagen um so viele Christen bestellt, deren Augen gefangen bleiben in dieser Zeitlichkeit und gegen ihre Sehnsucht des Herzens, den Blick hinüber nicht wagen; die im Tod eine Mauer sehen, an der das Leben zerschellt und meinen, mit dem Tode wäre alles aus; die sich fürchten vor einer ewigen Zukunft, da sie auf einen Himmel nicht hoffen können und ein Fegefeuer bereits hier auf Erden durchwandern.
Unser Herz soll voller Freude sein über die Botschaft des Ostertages, die da heißt: „Nach jedem Karfreitag kommt der Ostertag. Alles Leid ist doch auch Quelle des Segens: „Im Tod ist das Leben.“

So wollen wir beten:

„Herr, lass mich inne werden, wie aus jeder tapfer durchkämpften Leidensstunde die Seele stärker hervorgeht; aus jeder durchschrittenen Finsternis ein Strahl Osterlicht hervorleuchtet; dass, wer mit dir lebt und leidet, auch in der Bitterkeit teilhat an deinem Frieden.“

(Romano Guardini)