Predigt aus dem Jahre 1986/ 87





14.10.2018

28. Sonntag im Jahreskreis 1987

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König“

Hochzeit - eine hohe Zeit! Eine Zeit herausgehoben, aus den Niederungen des Alltags. Wer freut sich nicht, zu solch einer Hochzeitsfeier geladen zu sein? Da ist man für Stunden ein freier Mensch, lässt die Arbeit ruhen und legt ein Festgewand an. Da freut man sich, an einem festlich gedeckten Tisch zu sitzen und besonders ausgewählte Speisen zu genießen. Da lässt man alle Sorgen hinter sich, weil der Brautvater für alles Sorge trägt.
Von solch einer Hochzeit erzählt das heutige Evangelium: Ein König, „der die Hochzeit seinem Sohn vorbereitete", schickt seine Diener aus, die Geladenen zum Fest zu holen. „Alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!". „Sie aber wollten nicht kommen.“
Da macht er seine Einladung dringender: „Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet."
Doch auch jetzt kommen sie nicht, denn anderes, Alltägliches ist ihnen wichtiger: Dem Landwirt der Acker, dem Kaufmann das Geschäft und so hat ein jeder seine Ausrede. Ja, einige werden sogar ausfällig. Sie fühlen sich belästigt. Sie weisen den Boten die Tür. Sie misshandeln sie. Ja, sie schrecken sogar vor einem Mord nicht zurück.
So hart es uns auch trifft, wie der König über diese Menschen Gericht hält, so können wir doch seinen Schmerz und strafenden Zorn verstehen.
Und so schenkt er die von den Freunden verschmähte Liebe denen, die auf den Straßen und Plätzen untätig herumstehen, um durch sie den Hochzeitssaal zu füllen.
Es ist schon erschütternd, was wir da hören. Und dies ist nicht nur eine Geschichte, nein, es ist eine bittere Wahrheit.
Gott ist der König, der Himmel ist der Hochzeitssaal, die Menschen sind die Geladenen.
Welches ist unsere Antwort auf Gottes Einladung: „Alles ist bereit, kommt zur Hochzeit?“ Gehören wir zu denen, die dem Maulwurf gleich an die Erde verloren sind, taub sind für jedes „Wort, das aus dem Munde Gottes kommt“, blind sind gegenüber allen Warnungen am Rande des Lebenswege, die den Hunger und Durst ihres Herzens glauben stillen zu können durch die Sickerwasser und Pfützen dieser Erde? Oder gehören wir zu denen, die bereit sind die „Straßen und Plätze“ dieser Erde jederzeit zu verlassen, wenn die Boten zur Hochzeit einladen, zu einem Hochzeitstag, über dem die Sonne niemals untergeht, in einen Hochzeitssaal, durch dessen Türen und Fenster keine Sorge und Not Eingang finden, an einen Hochzeitstisch, an dem Gott selbst die Geladenen bewirten wird?
Kann es denn etwas Herrlicheres geben, als nach der Last und Qual dieser Erdentage ein solches Hochzeitsfest zu feiern? Kann Gott uns Menschen, die wir ihn oft so bitter enttäuschen, denn mit solch einer Liebe und Güte beschenken?, so fragen wir vielleicht.
Nun, so müssen wir nicht fragen, wir haben ja bereits diese Liebe und Güte erlebt in dem Hochzeitsmahl am Gründonnerstag, das sein Sohn mit seinen Jüngern feierte. Dort nahm er Brot und sagte: „Esset!“ Dort nahm er den Kelch mit Wein und sagte: „Trinket!“, und fügte hinzu: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!"
Dieses „letzte Abendmehl", diese erste Eucharistiefeier gibt uns hier bereits einen Vorgeschmack des ewigen Hochzeitsmahles.
In diesem Hochzeitsmahl ruft uns Christus am Beginn jeder Woche zu: „Wer mein Fleisch isst, mein Blut trinkt, hat ein Anrecht auf das ewige Hochzeitsmahl. Denn hier gilt es, das Kleid zu weben, das ihr bei dem, ewigen Hochzeitsmahl tragen sollt, die Lebenslampe immer neu mit Öl zu füllen, damit eure Seele in hellem Licht erstrahlt, wenn ihr den Hochzeitssaal betretet.
Ja, Gott erwartet uns in dem Hochzeitskleid der göttlichen Gnade, die Seele voll des göttlichen Lebens, damit uns nicht der Vorwurf trifft: „Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen?"