Gebete in ursprünglicher Form





Vater unserGebete in ursprünglicher Form




12.03.2019

Prof. Klaus Berger: Was heißt: nicht in Versuchung führen?
https://www.gloria.tv/video/diPucHnorxUV1d9bEoSJ9ZoZv


16.11.2015

Vaterunser — Das Herrengebet / Betrachtungen Thomas v. Aquin


Möge die Allerseligste Jungfrau uns hierbei an der Hand nehmen und uns hineinführen in das Geheimnis dieser Worte, die alles enthalten, was ein Gebet braucht (Thomas v. Aquin).

Thomas verknüpft das Vaterunser mit den sieben Gaben des Hl. Geistes, jede Bitte mit einer Gabe. Die sieben Gaben stellen die Fülle des Hl. Geistes dar und somit wird deutlich, dass auch dieses Gebet insgesamt einen gewissen Gesamtheitsanspruch erhebt. Seine Frucht ist die Fülle Gottes, die Fülle des Hl. Geistes, deren Erlangung das Ziel des christlichen Lebens ist (hl. Seraphim v. Sarov). So dürfen wir bei jeder Bitte die Gedanken von Thomas ins Herz nehmen und erwägen und uns auch nach dem Heiligen Geist ausstrecken, Ihn erbitten, Seine jeweilige Gabe erwägen und ersehnen.

http://www.marienforum.net/showthread.php?309-Vaterunser
-Das-Herrengebet-Betrachtungen-Thomas-v.-Aquin

Sechste Bitte: UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG

Gabe des Hl. Geistes: Verstand!!!

Es ist ein Widerspruch, wenn wir einerseits unsere Sünde beweinen und bereuen (und sie beichten), auf der anderen Seite aber durch fortgesetztes Sündigen Grund zu neuer Reue geben. Wir erflehen in dieser Bitte, dass wir die Sünde meiden können, dass wir also nicht in Versuchung geführt werden. Versuchung bedeutet nichts anderes als die Tugend des Menschen zu prüfen bzw. zu erproben. Geprüft werden die beiden Richtungen der Tugend: das Gute tun und das Böse meiden.

Das Wesen der Versuchung:

- Die Versuchung in der Ausübung des Guten. Hier zeigt sich, ob wir bereit sind zur Ausübung der guten Handlung (z.B. Fasten). Die Tugend wird zur erprobten Tugend und so zum Vorbild für den Mitmenschen (z.B. Abraham, Ijob), auch schreiten wir dadurch in der Tugend voran.

- Die Versuchung durch Anreizung zum Bösen. Widerstehen wir dabei tapfer und willigen nicht ein, dann hat sich unsere Tugend bewährt. Derartige Versuchungen stammen niemals von Gott, sondern vom eigenen Fleisch, dem Teufel und der Welt.

Art und Weise der Versuchung: Wir werden versucht ...

- vom Fleisch:


> Es reizt uns zum Bösen an, indem es immerzu nach sinnlichen Genüssen sucht. Die sinnlichen Vergnügungen und Begierden aber lassen uns das Geistige vernachlässigen.

> Es will uns vom Guten abziehen. Der Geist für sich fände immer Freude an geistigen Gütern, aber das Fleisch hindert uns und zieht uns nach unten. Sehr beschwerlich ist es, mit diesem Feind unentwegt verbunden und ihm stets ausgesetzt zu sein. Immer müssen wir gegen das Fleisch auf der Hut sein. („Wachet und betet ...“)

- vom Teufel: Haben wir das Fleisch niedergerungen, erhebt sich dieser mächtige Feind gegen uns; wir haben sehr hart zu kämpfen. Er ist sehr schlau und versucht uns da, wo wir am schwächsten sind, zumeist in den Sünden des Geistes (z.B. Zorn, Stolz). In seiner Schläue führt er uns nicht ein Übel, sondern ein scheinbares Gut vor Augen, um uns vom guten Vorsatz abzubringen, zeigt sich also als Engel des Lichts. Weichen wir ab, ist es für ihn ein leichtes, uns zu Fall zu bringen. Hat er uns zu Fall gebracht, setzt er alles daran, uns in der Sünde wie in einer Falle festzuhalten, damit wir uns nicht mehr erheben.

- von der Welt:

> durch unmäßiges Verlangen nach zeitlichen Gütern:
„Die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.“ (1 Tim 6,10)

> durch Schreckmittel von Verfolgern: Wir sollen aber nichts und niemand fürchten, was dem Leib schaden kann, aber der Seele nichts anhaben kann.

Jesus lehrt uns zwar beten, dass wir nicht in Versuchung geführt werden oder gar in sie einwilligen, was jedoch keineswegs bedeutet, dass wir überhaupt nicht versucht werden sollen. Wer die Versuchung siegreich besteht, verdient sich eine Krone. Versucht werden ist menschlich, in die Versuchung einwilligen ist teuflisch. Gott führt nie selbst in Versuchung, er entzieht uns höchstens durch unsere eigene Sünde Seine Gnade.

Gott hilft uns gegen die Versuchung / in der Versuchung:

- durch das Feuer der Liebe: Jeder Funke der Liebe vermag der Sünde Widerstand zu leisten.

- durch Erleuchtung des Verstandes: Gott erleuchtet uns, was wir tun sollen (jede Sünde geht auf Verblendung zurück). Dies wird verliehen in der Gabe des Verstandes, sodaß wir der Versuchung widerstehen und ein reines Herz bewahren, um einst Gott schauen zu dürfen. Frucht dieser Bitte: die selige Anschauung Gottes.

Siebte Bitte: SONDERN ERLÖSE UNS VOM BÖSEN

Gabe des Hl. Geistes: Weisheit!!!

Wir bitten hier um Abwendung aller Übel, Sünden, Krankheiten, Leiden und Bedrängnisse. Nun geht es insbesondere um die Leiden und Widerwärtigkeiten der Welt, denn über die Sünden und Versuchungen wurde bereits gesprochen.

Es mag sein eine Bitte um ...

- Bewahrung vor dem Leiden: Eher seltener werden wir hiervor bewahrt, denn es ist das übliche Los der Gerechten auf Erden, manche Trübsal und Leiden erdulden zu müssen, im Maß je nach Schwäche oder Stärke der heimgesuchten Seele. Im Himmel jedoch werden wir hiervon gänzlich befreit und erlöst sein!

- Trost im Leiden:
Ohne die Tröstungen und die Gnade Gottes könnten wir gar keine Leiden erdulden, da wir so armselig sind.

- Erweis von Wohltaten, bei denen wir die Leiden vergessen: Die Leiden dieser Welt sind wegen ihrer kurzen Dauer und der göttlichen Tröstungen leicht zu ertragen. Sie schaffen uns einen großen Schatz im Himmel und erwirken uns das ewige Leben.

- Verwandlung von Leid in Freude: Die Heiligen rühmen sich ihrer Trübsale und Leiden, denn diese haben ihnen eine Krone im Himmel beschert. Gott wendet die Drangsale zum Guten. Diese Erkenntnis ist ein Ausdruck höchster Weisheit. Nur mit Geduld können wir hier bestehen, die wiederum allein durch Leiden erworben wird. Alle (übrigen) Tugenden brauchen zu ihrer Ausübung das Gute, die Geduld jedoch die Widerwärtigkeiten. Der Hl. Geist lehrt uns in der Gabe der Weisheit um eben diese Geduld bitten, mittels derer wir zur Seligkeit des Friedens (im Glück und im Unglück) gelangen. Wir werden wahre Kinder Gottes, denen nichts etwas anhaben kann.

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VATER UNSER Thomas selbst gibt noch eine Zusammenfassung

-> Dieses Gebet enthält alles, wonach wir verlangen oder was wir meiden sollen.

Geheiligt werde Dein Name:

Wir bitten um die Verherrlichung Gottes, der am meisten begehrenswert uns liebenswert ist.

-> Nun erbitten wir von Gott für unsere eigene Person dreierlei:

Dein Reich komme: („SUCHET DAS REICH GOTTES...“)

Wir bitten um das ewige Leben.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden: („UND SEINE GERECHTIGKEIT...“)

Wir bitten, dass wir den Willen Gottes und seine Gerechtigkeit erfüllen mögen.

Unser tägliches Brot gib uns heute: („UND ALLES ANDERE WIRD EUCH HINZUGEGEBEN.“)

Wir bitten um das für unser Leben Notwendige.

-> Meiden und fliehen wir alles, was dem Guten entgegensteht. Verlangen wir nach dem vierfachen Gut:

1. Gut: Verherrlichung Gottes — Sie wird durch Gutes gefördert. Sie kann durch Böses nicht beeinträchtigt werden

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern:

2. Gut: Wir bitten um Vergebung, damit uns durch unsere Sünde das ewige Leben nicht verloren geht.

Und führe uns nicht in Versuchung:

3. Gut: Der Gerechtigkeit und dem guten Werk ist die Versuchung entgegengesetzt, die uns am guten Werk hindern will. Wir bitten um deren Abwendung.

Sondern erlöse uns vom Bösen:

4. Gut: Den notwendigen zeitlichen Gütern sind die Widerwärtigkeiten und Leiden entgegengesetzt. Diese wollen wir hier ausschließen


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16.11.2015

Mein Anliegen warum ich heute schreibe, ist bzgl. dem „Vater unser” in der ursprünglichen Form!

Ich habe vor einiger Zeit das Buch „Mein Leben in Nazareth” gelesen, Botschaften der Jungfrau Maria an Giuliana Buttini. Hier ist folgendes zu lesen auf Seite 95 in Botschaft 39: (Maria) Eines Abends im Garten hatten wir bei Mondlicht die Lampe gelöscht, um ein wenig Öl zu sparen. Da sprach Jesus zum ersten mal das Gebet, dass VATER UNSER. Er war zwanzig Jahre alt. Josef war schon dorthin vorausgegangen, wo Jesus auf ihn wartete. Jesus war wunderschön, in seinem weißen Gewand, mit erhobenen Armen und leuchtendem Blick und seiner Stimme, die sprach:

„Vater unser, der Du bist im Himmel. Gepriesen und geheiligt sei Dein Name. Dein Reich komme in die Herzen herab, damit die Menschen Deinen Willen tun. So geschieht es bereits im Himmel und so sei es auch auf Erden! Gib uns Brot, um uns zu ernähren und Brot für unseren Geist. Vergib uns unsere Sünden. Gib uns die Kraft und die Liebe, um vergeben zu können. Hilf der Menschheit, dass sie nicht in Versuchung kommen möge und befreie sie vom Bösen!”

In dieser Form des Vater Unser ist ganz deutlich ausgedrückt, was in der jetzigen Form nicht vorhanden ist: ... führe uns nicht in Versuchung ... sollte es nicht heißen. Jesus gibt hier eindeutig vor: ... dass sie (die Menschheit) nicht in Versuchung kommen möge ....

Gott führt uns niemals in Versuchung, die Versuchung kommt nicht von Gott. Gott prüft uns nur, einen jeden von uns, daher ist die Formulierung über die Versuchung in diesem Gebet nicht wirklich gut definiert. In dieser einfachen und gut verstehenden Form des Vater Unser, die uns Maria in dieser Botschaft bekannt gab, ist ganz besonders eine Liebe, Barmherzigkeit und Wärme vorhanden.


Liebe Grüße und Gottes reichen Segen wünscht, Rudi

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15.05.2014

Das Vaterunser aus dem Heft 1943 von Valtorta:

Vater unser.doc

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25.04.2014

„Ehre sei dem Vater“

Liebenswerte Brüder und Schwestern,

hiermit gebe ich die richtige Übersetzung des sogenannten „Ehre sei dem Vater“ zur Veröffentlichung frei:

Herrlichkeit sei Vater und Sohn und Heiligem Geist,

wie es war in einem Anfang, auch jetzt und immer und in Ewigkeit! Amen.


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18.03.2014

Das "Vater Unser" in der wörtlichen Übersetzung aus dem Text des griechischen Evangeliums

wichtige Unterschiede unterstrichen:



Unser Vater in den Himmeln,

Dein Name soll heilig gemacht werden,

Deine Königsherrschaft soll kommen,

Dein Wille soll geschehen,

wie in einem Himmel, auch auf der Erde,

unser Brot, dass Dein Wesen birgt, gib uns heute,

und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir erlassen haben unseren Schuldnern,

und lass uns nicht in Versuchung geraten,

sondern ziehe uns weg von dem Bösen! Amen

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Das "Vater Unser" in der ursprünglich altgriechischen Form

25.02.2014

Unser Vater in den Himmeln,

Dein Name soll heilig gemacht werden,

Deine Königsherrschaft soll kommen,

Dein Wille soll geschehen,

wie in einem Himmel, auch auf der Erde,

unser Brot, dass Dein Wesen birgt, gib uns heute,

und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir erlassen haben unseren Schuldnern,

und lass uns nicht in Versuchung geraten,

sondern ziehe uns weg von dem Bösen! Amen



Liebenswerte Brüder und Schwestern,

als Altphilologe möchte ich hier einige Gedanken zur Übersetzung des Herrengebetes aus dem Griechischen äußern! Leider ist die deutsche Übersetzung, wie wir sie im deutschen Sprachraum aus den gängigen Ausgaben des NT kennen und in jeder Heiligen Messe beten, falsch! Die uns geläufige Übersetzung geht, soweit ich das bisher zurückverfolgt habe, auf Martin Luther zurück, der bekanntlich aufgrund seiner psychischen Erkrankung die Heilige Schrift an sehr vielen Stellen nach seinen theologischen Vorstellungen übersetzt hat. Ich möchte hier nur Folgendes kurz anmerken: Auch die lateinische Übersetzung, die übrigens nicht (!) kanonisch ist, weist Fehler auf. Rezeptionsgeschichtlich lässt sich z.B. bei dem Kirchenlehrer Augustinus (De sermone in monte II) sehr schön nachweisen, dass das Herrengebet zur damaligen Zeit in der lateinischen Fassung anders gelautet hat. So die umstrittene und zu Recht angezweifelte Stelle: „… und führe uns nicht in Versuchung, …“. Die Luther und auch uns bekannte lateinische Übersetzung entspricht nicht dem griechischen Urtext und lautet: „… et ne nos inducas in tentationem, …“. Augustinus aber teilt uns aber mit, dass nur „einige Handschriften“ diese lateinische Übersetzung aufweisen. Die Mehrheit der altertümlichen Handschriften dagegen bieten folgende lateinische Übersetzung, die übrigens dem griechischen Urtext vollkommen entspricht: „… et ne nos inferas in tentationem, …“. Das griechische Verb „enpherein“, das an dieser Stelle des Herrengebetes verwendet ist, muss von der medialen Verbform „enpheresthai“ mit seiner Bedeutung „hineineilen, hineinstürzen, hineingeraten“ übersetzt werden und kann sinnvoll nur mit „(hinein-)stürzen lassen, (hinein-)geraten lassen“ wiedergegeben werden, so dass dann die Stelle richtig heißt: „… und lass uns nicht in Versuchung geraten, …“. Der Sinn dieser Bitte ist ziemlich einfach: Der himmlische Vater soll nicht zulassen, dass die betende Kirche vom Teufel, dem „Vater der Lüge und Menschenmörder von Anfang an“, nicht in Versuchung geführt wird, damit sie nicht aus Schwäche der Versuchung erliegt und zu Fall kommt. Man darf dabei nicht vergessen, dass der Teufel die Menschen an Intelligenz bei weitem übertrifft und so tatsächlich zu befürchten ist, dass Menschen (ohne innige Verbindung mit dem Dreifaltigen Gott) bei einer Versuchung durch den Teufel fallen. Zur lateinischen Übertragung der letzten Bitte des Herrengebetes ist dies zu sagen: Die Befehlsform „libera“ entspricht erstens nicht dem griechischen „rysai“ und heißt zweitens auch nicht „erlöse“, was im Lateinischen „redime“ lauten müsste, sondern „befreie“. Das griechische Verb „ryesthai“ aber bedeutet „an sich ziehen, wegziehen“ – und zwar aus einer gefährlichen oder bedrohlichen Lage. Und genau diese Bedeutung passt in den Zusammenhang des Textes! Der himmlische Vater soll die betende und streitende Kirche aus der Gefahr einer vom Teufel eingefädelten Versuchung liebevoll an sich ziehen und so dem schädlichen Einfluss des Versuchers entreißen! Was für ein schönes und zugleich tröstliches Bild von Gott Vater! Und auch so menschlich! Denn welcher liebender Vater würde sein Kind nicht an sich ziehen, wenn er es in einer bedrohlichen Lage sähe! Bei der Brotbitte ist anzumerken, dass die lateinische Fassung in der Vulgata folgendermaßen lautet: „…, panem nostrum supersubstantialem (!) da nobis hodie, …“. Eine wirklich gelungene Übersetzung des griechischen Urtextes! Und das griechische Adjektiv „epiousios“ heißt alles, nur nicht „täglich“ (lat. „cottidianus“)!!! Eine wortwörtliche Übersetzung dieses griechischen Adjektivs ist schwer. Es lässt sich wohl am besten mit „überwesentlich“ wiedergeben, was jedoch kein schönes Deutsch ist, so dass die umschreibende Übersetzung mit „…, dass Dein Wesen birgt, …“ ziemlich gut und jedenfalls eine treffende Anspielung auf das eucharistische „Brot des Lebens“, d.h. das Fleisch des Herrn Jesus Christus, ist. dass hier nicht in erster Linie das Brot als tägliches Nahrungsmittel gemeint sein dürfte, wie man aufgrund der allgemein verbreiteten deutschen Übersetzung meinen möchte, liegt auf der Hand. Denn Jesus fordert Seine Schüler einmal auf, zuerst die Königsherrschaft des Gottes und ihre Gerechtigkeit zu suchen, der Rest würde ihnen dann noch dazugegeben werden. Und für diese Königsherrschaft braucht die Kirche eher das „Brot des Lebens“, also den lebenden Herrn Jesus Christus selbst, als ein Stück Brot aus dem Brotschrank!



02.03.2014

Betreff: Neues zur Übersetzung des Herrengebetes

Liebenswerte Brüder und Schwestern!

Als Altphilologe möchte ich weitere Gedanken zur richtigen Übersetzung des Herrengebetes äußern! Die Bitte „... Dein Reich komme, ...“ ist leider falsch. Denn weder das Hauptwort „Reich“ noch die Verbform „komme“ entspricht dem griechischen Urtext. Ich vermute, dass die deutsche Übersetzung, die ja seit Martin Luther weit verbreitet ist und leider auch in der katholischen Kirche Anerkennung gefunden hat, auf die lateinische Übersetzung des Herrengebetes zurückgeht. Dort heißt es: „...., adveniat regnum tuum, ...“. Schon die dort verwendete Verbform „adveniat“ gibt den griechischen Urtext nicht richtig wieder. Die griechische Verbform „eltheto“ ist eine Befehlsform, die in den jeweiligen Augenblick hinein ausgesprochen wird und die Erwartung einer unmittelbare Umsetzung des Befehls durch den Befehlsempfänger ausdrückt. Richtig übersetzt wird diese griechische Verbform nur mit „er, sie, es soll kommen!“, was im Lateinischen „veniat“ und eben nicht „adveniat“ heißen müsste! Die deutsche Übersetzung der griechischen Befehlsform mit dem an dieser Stelle unzureichenden, ja falschen Konjunktiv „komme“ ist irreführend, da sie dem deutschen Beter an Stelle eines scharfen Befehls lediglich einen Wunsch wiedergibt. So wird aus einem unbedingten Muss ein abgeschwächtes Kann. Diese falsche Übersetzung im Deutschen geht, wie bereits gesagt, wahrscheinlich auf den lateinischen Konjunktiv „adveniat“ zurück, den man sowohl als Befehlsform, eben als Jussiv, oder als Wunschform, eben als Optativ, auffassen kann. Übrigens, sowohl das griechische Verb „erchesthai“ als auch das lateinische Verb „venire“ haben die Nebenbedeutung „anbrechen“. Die deutsche Übersetzung des griechischen Hauptwortes „he basileia“ ist zwar möglich, aber nicht richtig. Dieses griechische Hauptwort bezeichnet nämlich in erster Linie eine Tätigkeit bzw. eine Handlung und bedeutet „die Königsherrschaft“. Gemeint ist also an dieser Stelle des Herrengebetes das königliche Handeln des himmlischen Vaters, dass „auch auf der Erde“ kommen bzw. anbrechen soll. Dass das griechische Hauptwort „he basileia“ an dieser Stelle eher mit „die Königsherrschaft“ als mit „das Königreich“ übersetzt werden muss, ergibt sich aus der Tatsache, dass das zugrunde liegende hebräische Hauptwort „malkud“ ebenfalls nur eine Tätigkeit bzw. eine Handlung bezeichnet und deshalb „Königsherrschaft“ bedeutet. Die zweite Bitte, oder besser gesagt, der zweite Befehl des Herrengebetes heißt also richtig: „..., Deine Königsherrschaft soll kommen, ...“. Was meint aber diese Bitte bzw. dieser Befehl? Zunächst einmal ist zu sagen, dass die Königsherrschaft des himmlischen Vaters in unserem Herrn Jesus Christus auf der Erde vollkommen verwirklicht worden ist. Aber der Befehl gilt auch der betenden und streitenden Kirche. An sie ist dieser Befehl ganz zurückhaltend, ganz vornehm gerichtet! In ihr, mit ihr und vor allen durch sie soll das königliche Handeln des himmlischen Vaters in die Welt hineingetragen werden und so zu den Menschen kommen, die Jesus Christus und Seine gute Botschaft noch nicht kennen oder anerkennen. Dieser Befehl ist also eine scharfe Aufforderung an alle (!) Stände der katholischen Kirche, so wie der Herr Jesus Christus königlich zu handeln und zu leben. Was für ein hoher Anspruch an die Lebensführung aller Getauften!!! Aber Jesus Christus selbst hat ja Seine Schüler gewarnt: Die Nachfolge ist kein Spaziergang!!! Nicht umsonst sind Seine Worte überliefert: „Wer Mein Schüler sein will, soll sein Kreuz auf sich nehmen!“ oder „Wer Mein Schüler sein will, soll sich verleugnen!“ Was bedeutet aber diese Selbstverleugnung für Menschen, die Jesus Christus nachfolgen wollen? Es bedeutet, dass eigene Ich mit seinen Wünschen und Vorstellungen hinter den Willen des dreifaltigen Gottes anzustellen, ja Ihm unterzuordnen. Und zwar so, dass man mit dem Hl. Paulus sagen kann: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir.“ Genau das ist der tiefe Sinn der zweiten Bitte bzw. des zweiten Befehls im Herrengebet! Das königliche Handeln des dreifaltigen Gottes soll in den Getauften Gestalt annehmen und so unter den Menschen verwirklicht, also gelebt werden. Demnach will der dreifaltige Gott aus dem Inneren des einzelnen Christen heraus in die Welt hinein handeln. Und das ist genau das Gegenteil von dem, was seit Martin Luther im deutschen Sprachraum gebetet wird. Nach der Übersetzung Luthers erwartet der Christ ein Reich, also äußere Umstände, die auf ihn zukommen. Auf diese Weise wird der Christ, was die Verwirklichung des göttlichen Willens betrifft, zunehmend passiv und eben nicht mehr aktiv!!! Ob das nicht auch ein Grund für den zunehmenden Schwund eines wirklich christlichen Lebens im deutschsprachigen Raum seit der sogenannten Reformation ist?