Tagesheiliger, Spruch des Tages





Das Leben Jesu
Betrachtungen ab 2020






21.07.2020
245. Von der Wachsamkeit
(Lk 21, Mk 13)

I Jesus warnt Seine Jünger vor den Gefahren, die ihrem Seelenheil drohen
Jesus fuhr fort: «Seid achtsam, wachet und betet, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. — Habt acht, dass ihr eure Herzen nicht mit Schwelgerei und Trunkenheit und mit irdischen Sorgen beschwert und dass jener Tag nicht unversehens über euch kommt.»
Horche auf die Belehrungen des göttlichen Meisters und gib wohl acht, welche Schlussfolgerungen Er daraus zieht. «Wachet!» sagt Er und macht uns damit auf eine der wichtigsten Pflichten des christlichen Lebens aufmerksam. Lerne vom Heiland, wie du dieser Forderung gerecht werden sollst.
«Seht zu!» spricht Er zuerst. «Merkt euch, was ich soeben gesagt habe. Verliert meine Worte nicht aus dem Gedächtnis und nehmt euch Zeit, um sie zu betrachten und zu erfassen! Wenn ihr euch Meiner Mahnung nicht erinnert, geht ihr traurigen Enttäuschungen entgegen.»
Was fügt Er hinzu? «Haltet die Augen offen, denn euch drohen mancherlei Gefahren! Ihr habt Feinde, die euch zu verderben suchen.» — Du kennst diese Feinde, und der Heiland zeigt dir ihre tödlichen Schlingen, damit du auf der Hut seiest. Dazu gehören die sinnlichen Vergnügen, die Weichlichkeit, das Wohlleben und die Fleischeslust. Wer sich darin verstrickt, vergisst die Lehren des Evangeliums und verliert die übernatürliche Auffassung und die Liebe zur Tugend. Sein Verstand wird verdunkelt, sein Wille entkräftet, sein Gemüt verhärtet. Er lebt unbekümmert um sein ewiges Heil, und wenn ihn der Tod so überrascht, stürzt er ihn ins ewige Unglück.
Eine andere Art verderblicher Schlingen sind die zeitlichen Sorgen, die den Geist gefangen nehmen und von der Betrachtung der ewigen Wahrheiten abhalten. Wer gierig nach irdischen Gütern hascht, verliert die Wertschätzung der himmlischen. Er trägt kein Verlangen mehr danach und denkt nicht einmal daran. Er lebt, als ob mit diesem Leben alles für ihn aufhörte. «Seid auf der Hut», sagt Jesus. Christliche Seele, der Heiland wendet Sich mit diesen Mahnungen an dich. Wie wirst du vor Ihm bestehen an jenem lag, da Er als Richter vor dich hintritt, wenn du dich jetzt nicht den Sorgen für das Irdische entreißt und dein Sinnen auf die Ewigkeit richtest? Wie groß würde deine Bestürzung sein, wenn Jesus dich heute noch abriefe!



20.07.2020
244. Die Weissagung über das Ende der Welt
(Lk 21, Mt 24, Mk 13)

II Jesus will, das Seine Jünger vertrauensvoll dem Jüngsten Gericht entgegensehen
«Wenn das eintritt, dann richtet euch auf und erhebt euer Haupt! Eure Erlösung naht. — Himmel und Erde werden vergehen, aber Meine Worte werden nicht vergehen. — Jenen Tag aber und die Stunde kennt niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern nur der Vater allein.»
Versetze dich im Geist an das Ende der Zeiten, da die Weissagungen des Heilands sich erfüllen werden. Die Stunde des Letzten Gerichts ruft auch dich vor den Richterstuhl des Gottessohnes. Da siehst du das Kreuz, das jetzt mehr denn je deine einzige Hoffnung ist.
Du stehst zu den Füßen des Richters im Strahlenglanz Seiner Herrlichkeit. In diesem Licht sollst du gerichtet werden. Lass es jetzt schon die geheimsten Falten deiner Gedanken, deiner Neigungen, deiner Werke, deines ganzen Lebens durchleuchten.
Welches Urteil verdienst du? Der Richter, Der über dein ewiges Los entscheiden wird, ist streng und Sein Urteil ist unwiderruflich. Am Jüngsten Tag wird Jesus unerbittlich sein. Erwecke in deinem Herzen eine heilsame Furcht vor deinem Gott, Der beim Letzten Gericht um so strenger sein wird, je barmherziger Er heute gegen dich ist. Bitte um einen letzten Aufschub, da es noch Zeit ist, um der furchtbaren Beschämung zu entgehen. Weihe dein Leben dem Dienst des barmherzigen Heilands, Der alsdann jenen Schreckenstag in einen Tag unendlicher Freude und Glorie für dich umwandeln wird.



19.07.2020
244. Die Weissagung über das Ende der Welt
(Lk 21, Mt 24, Mk 13)

I Jesus beschreibt die Umstände, die Seine zweite Ankunft begleiten werden
«Es werden Zeichen sein an Sonne, Mond und Sternen. Dann wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen, und alle Völker auf Erden werden wehklagen. Sie werden den Menschensohn kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit.»
Verweile in tiefer Sammlung zu den Füßen Jesu. Seine Jünger fragten Ihn: «Was wird das Zeichen Deiner Ankunft sein?», und Jesus antwortet ihnen mit der Voraussage neuer Schrecken. Die Welt müsse ganz umgewälzt werden; auf den Trümmern alles Vergänglichen wird Jesus Sein ewiges Siegesfest feiern. Der Menschensohn wird kommen mit großer Macht und Herrlichkeit.
Freue dich, dass Jesus den Seinen versichert, dass sie Ihn nicht immer in Niedrigkeit schauen werden. Einst wird die Herrlichkeit, die Er jetzt unter der Knechtsgestalt verbirgt, erstrahlen, und alle Seine Widersacher müssen verstummen. Alle werden Ihn sehen, Ihn hören und Ihn verstehen. Er wird die Pläne Seiner Weisheit enthüllen, den Werken Seiner Gerechtigkeit Anerkennung verschaffen und dem ganzen Weltall die Wunder Seiner Güte verkünden. Die Menschen werden staunen, wenn sie die Größe und Herrlichkeit Dessen sehen, Der einst so klein und demütig unter ihnen weilte.
Die Stunde kommt, die der Wahrheit und der Gerechtigkeit zum endgültigen Sieg verhelfen wird. Alsdann wird Jesus herrschen. Freue dich und lebe stets in der Erwartung der Ankunft Jesu Christi!



18.07.2020
243. Die Weissagung über die Zerstörung Jerusalems
(Mt 24, Mk 13, Lk 21)

III Jesus sagt das göttliche Strafgericht über Jerusalem und das jüdische Volk voraus
«Wenn ihr Jerusalem von Kriegsheeren eingeschlossen seht, dann wisset, dass seine Zerstörung nahe ist. Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden abgelaufen sind.»
Erwäge, welch traurigem Verhängnis die Völker ausgesetzt sind, die das Evangelium verwerfen, und wie unerbittlich Gott die Beleidigungen rächt, die Seinem eingeborenen Sohn zugefügt werden!
Vergegenwärtige dir einen Augenblick den trauernden Propheten Jeremias, wie er auf den Trümmern Jerusalems die Sünden seines Volkes beweinte. Er fragte sich, wie auf solch erhabene Größe solch tiefe Erniedrigung folgen konnte; er flehte zu Gott um Erbarmen und bot sich selbst zum Opfer an, — leider vergebens.
Es kommt also ein Augenblick, da Gott Sich unerbittlich zeigt. Unermesslich wie Seine Güte ist auch Seine Gerechtigkeit. Die Güte geht voran, die Gerechtigkeit folgt. Hat Gottes Erbarmen all Seine Mittel erschöpft, so muss Er die Gerechtigkeit walten lassen.
Hast nicht auch du den Untergang unsterblicher Seelen zu beweinen, wie einst Jeremias den Fall Jerusalems beklagte? Wodurch kannst du zur Rettung der Unglücklichen beitragen, denen das göttliche Strafgericht droht? Wer kann ermessen, welchen Segen eine einzige Seele durch Gebet, Eifer und Opfermut auf ein ganzes Volk herabziehen kann. Bemühe dich, zu jenen heiligen Seelen zu gehören, deren einziges Streben dahin geht, dem göttlichen Heiland für die Sünden der Menschen Sühne zu leisten, Seine Gerechtigkeit zu besänftigen und der sündigen Welt immer wieder eine neue Gnadenfrist zu erlangen.
Dein Herz muss überströmen von Mitleid für alle, die sich weigern, aus dem unendlichen Erbarmen und dem Kreuzestod des göttlichen Meisters Nutzen zu ziehen. Zeige dich bereit, für das Seelenheil der Menschen jegliches Opfer zu bringen. Es ist so schön, etwas beizutragen, um das Reich Jesu Christi in den Menschenherzen zu begründen. Wenn du recht betest, so wird die göttliche Allmacht aus den Trümmern ein neues Jerusalem erstehen lassen, und deine Leiden und Opfer werden Gottes Segen darauf herabziehen.



17.07.2020
243. Die Weissagung über die Zerstörung Jerusalems
(Mt 24, Mk 13, Lk 21)

II Jesus sagt Seinen Jüngern Leiden und Verfolgungen voraus
Sie fragten Ihn: «Meister, wann wird das geschehen, und welches ist das Zeichen, wann dies eintreten wird?» Er antwortete: «Seht zu, dass ihr euch nicht irreführen lasst. Denn viele werden unter Meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es und: Die Zeit ist gekommen. Lauft ihnen nicht nach!»
Die Jünger sind über die Antwort Jesu bestürzt und verlangen, mehr zu wissen. «Wenn das am Tempel geschehen wird, welches Schicksal wird dann uns und Jerusalem und die ganze Welt treffen?» Vernimm die Antwort des Herrn: «Es wird ein Tag kommen, da Gott es zulassen wird, dass furchtbare Stürme über Seine getreuen Kinder hereinbrechen werden, um die Treue, die sie Ihm geschworen haben, zu erproben.» Der Sohn Gottes will wissen, wie weit ihre Wachsamkeit, ihr Mut und ihre Hingabe reichen. Dem Zeugnis ihrer Werke sollen sie das Zeugnis ihres Blutes hinzufügen. Es wird ein Kampf um die Gewissensfreiheit sein, ein Kampf gegen die gottlosen Mächte der Welt, ein Kampf gegen die Weltweisheit und die falsche Wissenschaft und ein Kampf gegen die Sittenverderbnis; nichts wird ihnen erspart bleiben.
Andererseits wird das göttliche Strafgericht über die Bösen hereinbrechen. Auch die Guten werden davon betroffen werden, aber zu ihrem Heil. Was für die einen zur Züchtigung dient, gereicht den anderen zur Erlösung. Die Jünger Christi haben also nichts zu fürchten, sie können getrost in die Zukunft schauen und ihre Seele in Frieden bewahren.
Ziehe Nutzen aus diesen Mahnungen! Das Evangelium stößt überall auf Widerspruch, und auch in dir wird man es anfeinden. Auch du kannst, wie die ersten Jünger, dein Heil nur durch Geduld wirken. Aber die Seligkeit, die Gott uns bereitet, ist aller Mühen und Kämpfe wert. Ermutige dich durch den Gedanken, daß in allem Kampf und Leid Jesus dir zur Seite steht. Er hat es dir versprochen. Und wenn Er dein Licht und deine Stärke ist, was hast du zu fürchten?



16.07.2020
243. Die Weissagung über die Zerstörung Jerusalems
(Mt 24, Mk 13, Lk 21)

I Jesus sagt die Zerstörung des Tempels voraus
Jesus verließ den Tempel und ging weg. Da traten Seine jünger zu Ihm und machten Ihn auf die Tempelbauten aufmerksam. Er sprach zu ihnen: «Seht ihr das alles? Wahrlich, Ich sage euch: Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht niedergerissen wird.»1
Huldige dem Heiland als deinem göttlichen Lehrmeister und habe acht auf das Gespräch, das Seine Jünger mit Ihm führen! Sie preisen die Schönheit des Tempels und die Stärke seiner Mauern. Dabei gedenken sie all der Wunder der Barmherzigkeit und Güte, die Gott an dieser heiligen Stätte gewirkt hat. Hier hat der Herr Sein Volk heimgesucht und ihm Seinen Willen kundgetan, hier hat Er es mit Gnaden und Segnungen überhäuft, hier wollte Er auch die Huldigung Seines Volkes entgegennehmen.
Jesus unterbricht die Bemerkungen Seiner Apostel mit den ernsten Worten: «Kein Stein wird auf dem anderen gelassen werden.» Erkenne daraus, welch strenges Strafgericht über Jerusalem ergehen wird! Wenn die Stunde gekommen ist, dann zerstört die Gerechtigkeit Gottes sogar die Meisterwerke Seiner Güte. So gibt es nirgends Sicherheit für jene, die durch ihre Schuld dem göttlichen Strafgericht verfallen sind.
Wende diese ernste Mahnung Jesu auch auf dich an. Seine Vorhersage hat sich an Jerusalem längst erfüllt. Gottes Gerechtigkeit aber bleibt sich stets gleich und straft noch heute jede Untreue in Seinem Dienst.



15.07.2020
242. Das Scherflein der Witwe
(Mk 12, Lk 21)

II Jesus erklärt, worin der Wert der Opfergabe besteht
Da rief Er Seine Jünger herbei und sprach: «Wahrlich, Ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingelegt als alle andern. Denn alle warfen von ihrem Überfluss zu den Gaben Gottes hinein, sie aber legte von ihrer Armut alles hinein, was zu ihrem Lebensunterhalt diente.»
Wer hat am meisten gegeben? Jene arme Witwe; denn Gott sieht bei unseren Opfern mehr auf unsere Absicht, als auf den äußeren Wert der Gabe. Da Gott unserer Gaben an sich nicht bedarf, so kann Er daran nur die Gesinnungen unseres Herzens schätzen. Es entspricht der höchsten Gerechtigkeit, den Wert einer Handlung nach ihren Beweggründen zu bemessen.
Die Menschen täuschen sich oft in ihrem Urteil, denn sie sehen nur das Äußere. Gott aber, der das Innere sieht, hat gewollt, dass alle Menschen, trotz der Verschiedenheit ihrer Lebensstellung, sich die gleichen Verdienste erwerben können; so hat der Reiche keinen Grund, sich zu erheben, und der Arme nicht, sich zu beklagen. Freue dich, dass es nur von dir abhängt, Gott reiche Gaben darzubringen.
«Sie warf von ihrer Armut hinein», sagt Jesus. Dadurch offenbart Er die wahre Größe der geringen Gabe und die edle Gesinnung dieser armen Frau. Unter diesem unscheinbaren Äußeren zeigt dir der Heiland einen Schatz von Frömmigkeit, Eifer für die Ehre Gottes, Selbstlosigkeit, Glauben, Demut sowie der Gottes- und Nächstenliebe. Bitte die arme Witwe, dich zu lehren, wie man mit geringen Mitteln Großes vollbringen kann. Gib wie sie dem Herrn das Beste, was du hast: gib Ihm dein Herz und weihe Ihm dein Leben.



14.07.2020
242. Das Scherflein der Witwe
(Mk 12, Lk 21)

I Jesus bemerkt die arme Witwe inmitten der Gläubigen
Als Er aufblickte, sah Er, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten warfen. Er sah auch, wie eine arme Witwe zwei Heller hineinlegte.
Verweile mit dem göttlichen Meister einige Augenblicke in der Nähe des Opferkastens und beobachte, was sich dort zuträgt. Versuche in die Gedanken des Heilands einzudringen. Es ist am Abend eines arbeitsreichen Tages; Jesus möchte sich ein Weilchen durch den Anblick guter Werke erfrischen. Nichts erquickt Ihn mehr, als zu sehen, wie die Seinigen Gutes tun.
Er beobachtet aufmerksam, hat Er doch versprochen, das geringste zur Ehre Gottes verrichtete Werk zu belohnen. Wer unter dieser großen Menge wird wohl Gott am meisten verherrlichen? Jesus will Seine Jünger darüber belehren, und deshalb bleibt Er einen Augenblick länger im Tempel. Inmitten der Vornehmen, die reiche Almosen geben, bemerkt Er plötzlich eine arme Witwe, die nur wenig zu opfern hat. Beachte wohl, wieviel Bewunderung ihre einfache Tat im Herzen des Heilands hervorruft! Daraus magst du erkennen, dass in den Augen Gottes der Wert des Menschen nur auf seiner Frömmigkeit und Gottesliebe beruht.
Freue dich bei dem Gedanken, dass unserem göttlichen Meister auch das kleinste Werk nicht verborgen bleibt, das du aus Liebe zu Ihm tust. Er ist bei allem, was wir tun, zugegen. Er durchschaut die Beweggründe, die unsere Handlungen veranlassen, die Umstände, die sie begleiten, die Gesinnungen, die ihren Wert vermehren, und die selbstgefälligen Gedanken, die ihn mindern. Nichts entgeht Ihm, Er sieht alles und wägt alles ab.



13.07.2020
241. Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern
(Mt 23, Mk 12, Lk 20)

II Jesus ermahnt Seine Apostel, ihre Vollmacht in Demut zu gebrauchen
«Hütet euch vor den Schriftgelehrten. Sie lassen sich gern auf dem Markt grüßen und von den Leuten Rabbi nennen. Ihr aber lasst euch nicht Rabbi nennen, denn einer ist euer Meister, ihr aber seid Brüder.»
Nimm dir den Rat zu Herzen, den der Heiland Seinen Jüngern und Aposteln erteilt; alle, die irgendeine Autorität auszuüben haben, sollten öfters über diese Worte nachdenken. «Lasst euch nicht Rabbi nennen. Tragt eure Gewalt nicht zur Schau, sondern bedenkt, dass ihr als Christen Brüder derjenigen seid, denen ihr zu befehlen habt.»
Der wahre Jünger Christi fühlt sich eins mit seinen Brüdern und zeigt es durch seine Liebe und Hingabe. Um in den Menschenseelen das Werk Gottes zu vollbringen, bemüht er sich, allen alles zu werden und sich unter allen geringzuschätzen. Hat doch Christus gerade durch Seine Erniedrigung so viel Gewalt und Einfluss erlangt! Darum rühmt sich der Jünger Christi der Verdemütigungen, statt sich ihrer aus Eitelkeit oder Herrschsucht zu schämen. Er betrachtet sich als den letzten, gerade weil die Vorsehung ihn auf den ersten Platz gestellt hat. Je mehr er von anderen geschätzt wird, desto kleiner ist er in seinen eigenen Augen.
Von solchen Gesinnungen müssen die Vorsteher der Kirche Christi und alle, denen Gott irgendeine Gewalt anvertraut hat, beseelt sein. Bemühe dich, einen guten Gebrauch von deiner Amtsgewalt zu machen, die Lasten, die du anderen auflegst, zu erleichtern, die Tugenden, die du verlangst, selbst auszuüben, und allen, die du leiten musst, auf dem Weg der Pflicht voranzuschreiten. Bessere dein bisheriges Verhalten!



12.07.2020
241. Warnung vor den Schriftgelehrten und Pharisäern
(Mt 23, Mk 12, Lk 20)

I Jesus verurteilt die Heuchelei und den Stolz der Gesetzeslehrer
Dann richtete Jesus an das Volk und an Seine Jünger folgende Rede: «Die Schriftgelehrten und die Pharisäer sitzen auf dem Lehrstuhl des Moses. Tut und befolgt alles, was sie euch sagen. Aber nach ihren Werken richtet euch nicht».
Geselle dich dem Volk zu, das sich um den Heiland geschart hat, unbekümmert um die Schriftgelehrten und Pharisäer. Jesus will das Volk über den wahren Charakter jener Männer belehren, die sich anmaßen, andere zu unterrichten und zu leiten. Sie haben ihren Pflichten zuwider gehandelt. Man könnte mit Recht Hilfe von ihnen erwarten, statt dessen ist ihr Beispiel ein Hindernis für das Gute und bringt das Volk in Verwirrung. Der Sohn Gottes tadelt ihr Verhalten auf das strengste. Aber beachte wohl, dass Er ausdrücklich sagt: «Was sie immer euch sagen, das haltet und tut!» Wenn auch der Lebenswandel einzelner Stellvertreter Gottes manches zu wünschen übrig lässt, so muss doch die Lehre, die sie im Namen Gottes überliefern, die Richtschnur unseres Lebens sein. In der Kirche Christi müssen sich die Gläubigen ihren Hirten unterordnen. Wenn sie dir auch vielleicht in mancher Hinsicht nicht zum Vorbild dienen können, so musst du trotzdem ihre Autorität anerkennen. Alles Zuwiderhandeln wäre verwerflich. — Erforsche dich, ob du diese Lehre des Heilands bisher treu befolgt hast! Achtest du nicht zu sehr auf das, was deine Oberen tun, als auf das, was sie dir sagen? Legst du nicht bisweilen ihre Handlungsweise böswillig aus, um deine Verstöße gegen ihre Vorschriften zu rechtfertigen? Der Gehorsam gegen ihr Wort würde dich retten, während ihre Fehler deinen Ungehorsam nicht entschuldigen.
Vernimm, was Jesus den Schriftgelehrten und Pharisäern besonders vorwirft: «Sie binden schwere und untragbare Lasten und legen sie den Menschen auf die Schultern. Sie selbst aber wollen sie mit keinem Finger heben. All ihre Werke tun sie, um von den Menschen gesehen zu werden.»
Aus den Worten Jesu magst du ersehen, wie sehr es Gott beleidigt, wenn Menschen die Ehre für sich in Anspruch nehmen, die Er Sich allein vorbehalten hat.



11.07.2020
240. Die Abstammung des Messias
(Mt 22, Mk 12, Lk 20)

II Jesus bringt Seine Gegner unter dem Beifall des Volkes zum Schweigen
Darauf konnte niemand Antwort geben. Und von diesem Tage an wagte niemand mehr, eine Frage vorzulegen. — Das Volk aber hörte Ihn gerne.
Keiner kann dem Heiland antworten, alle schweigen. So ehre auch du in dem Schweigen der Anbetung die Aussprüche der ewigen Weisheit, die sich soeben wieder angesichts Ihrer Feinde behauptet hat.
Das Schweigen der Feinde Jesu ist nur das Schweigen der Beschämung. Ihr Stolz ist zwar bezwungen, aber ihr Herz ist nicht gewonnen. Da sie den Herrn nicht widerlegen können, ziehen sie sich im Gefühl ihrer Ohnmacht erbittert zurück. Das Samenkorn des göttlichen Wortes ist auf unfruchtbaren Boden gefallen. Jesus wollte ihren Glauben wecken und stellte ihnen die Wahrheit vor Augen, sie aber wenden sich von Ihm ab und verharren in ihrer Verblendung.
Sage dich für immer von ihnen los und geselle dich den einfachen Seelen zu, die den Sohn Gottes gläubig anhören. Einfalt des Geistes und Reinheit des Herzens befähigen den Menschen, die Schönheit und Wahrheit der göttlichen Lehre zu erfassen. Befleißige dich einer reinen Meinung, lass dich vom Heiland unterrichten und öffne Seinen Worten bereitwillig deinen Geist und dein Herz.



10.07.2020
240. Die Abstammung des Messias
(Mt 22, Mk 12, Lk 20)

I Jesus nimmt die Ehre göttlichen Ursprungs für Sich in Anspruch
Als die Pharisäer beisammen waren, richtete Jesus an sie die Frage: «Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?» Sie antworteten Ihm: «Davids Sohn.»
Siehe, wie der Heiland die Pharisäer um Sich versammelt und ein Wortgefecht mit ihnen beginnt. «Was haltet ihr von Christus? Wessen Sohn ist Er?» fragt Er sie. «Was haltet ihr von Seiner Person, Seiner Abstammung, Seinem Ursprung?» Die Pharisäer erklären einstimmig: «Er ist Davids Sohn.» Sie haben aus der Heiligen Schrift die Anfangsgründe der Kenntnis des Messias gelernt. Oberflächlichen Geistern genügt das, nicht aber denen, die die ganze Wahrheit wollen, um dadurch zur Vollkommenheit zu gelangen. Jesus erhebt gegen ihre Antwort Einspruch: «Wenn David Ihn Herr nennt, wie kann Er da sein Sohn sein?» Der Messias ist der Herr der Könige.
Denke über jene Stelle der Psalmen nach, in der David die Würde des künftigen Messias preist. Jesus bezieht alles, was der Psalmist vom Erlöser vorhersagt, auf Sich. Er verkündet laut vor allem Volk Seine göttliche Erhabenheit und ohne Stolz stellt Er Sich über alle irdische Größe. Erkenne freudig Seine Rechte an und huldige Ihm. Versenke dich in die Betrachtung der göttlichen Größe des Heilands! Suche dich in die Stimmung zu versetzen, die das Herz Davids beseelte, als er der Welt den Messias verkündete!
Es genügt jedoch nicht, Jesus unseren Herrn zu nennen; wir müssen Ihn auch durch die Tat wirklich als Herrn anerkennen und in völliger Abhängigkeit von Ihm leben. Bitte den Heiligen Geist, in deinem Herzen und in den Herzen aller Menschen der Herrschaft des eingeborenen Sohnes Gottes zum Sieg zu verhelfen.



09.07.2020
239. Das größte Gebot
(Mt 22, Mk 12)

II Jesus lehrt, dass das Gebot der Nächstenliebe mit dem der Gottesliebe eng verbunden ist
«Das zweite ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.»
Jesus spricht von einem zweiten Gebot, das mit dem ersten eng verbunden ist. «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» Wenn du Gott liebst, dann musst du auch alles lieben, was Gott angehört. Die Menschen sind Kinder Gottes und deine Brüder; in ihnen liebst und ehrst du deinen himmlischen Vater.
Was Gott vereinigt hat, soll der Mensch nicht trennen. Gott schulden wir die Liebe, die Er für unsere Mitmenschen fordert; auf Ihn müssen wir jeden Akt der Gerechtigkeit, des Wohlwollens, der Verzeihung, der werktätigen Liebe, alles, was die Schuldigkeit verlangt und was das Herz eingibt, beziehen. Ich habe die Pflicht, das gleiche zu geben, was ich von den anderen erwarten darf. Ich muss so lieben, wie ich wünsche, geliebt zu werden.
Dieser Regel muss ich folgen, wenn ich an den Nächsten denke oder von ihm spreche, wenn es heißt, seine Schwächen zu ertragen, seine Fehler zu entschuldigen oder ihm in seiner Not beizustehen.
Erbitte dir vom göttlichen Meister die Gnade, in jedem deiner Mitmenschen das Ebenbild des himmlischen Vaters zu erkennen und Ihn durch Werke wahrer Nächstenliebe zu ehren.
Der Schriftgelehrte sprach zu Ihm: «Gut, Meister, ganz richtig hast Du gesagt: Es gibt nur einen Gott, und außer Ihm gibt es keinen anderen.» Jesus sprach zu ihm: «Du bist nicht weit vom Reiche Gottes.» — Es ist wahr, dass man der Hingabe an Gott sehr nahe ist, wenn man einmal begriffen hat, dass Gott nichts von uns verlangt, als unsere Liebe. Möchten alle, die die Wahrheit dieser göttlichen Lehre erkennen, sie auch in die Tat umsetzen. Erneuere dich selbst in diesem Entschluss!



08.07.2020
239. Das größte Gebot
(Mt 22, Mk 12)

I Jesus erklärt das Gebot der Liebe Gottes als das wichtigste
Und einer der Gesetzeslehrer stellte Ihn auf die Probe und fragte: «Meister, welches ist das größte Gebot im Gesetze?»
Ein Schriftgelehrter tritt an den göttlichen Meister heran mit der Frage: «Welches ist das größte Gebot im Gesetz? — Das Gesetz umfasst eine Menge von Geboten, ist keines darunter, das alle anderen in sich schließt? Gibt es keinen Weg, der uns unmittelbar zur Vollkommenheit führt? Bietet die Heilige Schrift keine kurze und doch vollständige Anleitung zur Heiligkeit für Deine Jünger?» Und Jesus antwortet ihm, wie Er es früher schon getan hat: «Du sollst den Herrn deinen Gott lieben.» Er sagt nicht, tötet euch ab, betet, seid gehorsam, verdemütigt euch. All das ist eingeschlossen in der einen Forderung: «Du sollst den Herrn deinen Gott lieben.» Lieben und alles aus Liebe tun, das ist das ganze Gesetz. Freue dich also und nähre in deiner Seele die zuversichtliche Hoffnung, zur Vollkommenheit zu gelangen, da nur Liebe dazu erforderlich ist und somit der Erfolg ganz von dir abhängt.
Aber es handelt sich hier um die Liebe zu Gott. Wie will Gott von uns geliebt werden? Betrachte den Wortlaut des Gebotes! Du siehst, Gott begnügt sich nicht mit einer geteilten Liebe. Die Liebe Gottes muss in unserem Inneren Ordnung schaffen und erhalten, sie muss sich äußern in Akten der Anbetung, der Unterwerfung, der Dankbarkeit, des Vertrauens und der Hingabe.
Der unendlich vollkommene, unendlich gütige, freigebige und barmherzige Gott, die Quelle alles Guten, der Inbegriff aller Liebenswürdigkeit und das einzige Wesen, das die Sehnsucht unseres Herzens stillen kann, verdient wahrlich unsere ganze Liebe. Gott ist dein Schöpfer und du bist Sein Geschöpf; Er ist der Herr, du bist Sein Knecht, Er ist Dein Wohltäter, du der Beschenkte, Er ist Dein Vater und du Sein Kind. Du siehst, dass Er Anspruch auf deine Liebe hat, und dein ganzes Wesen soll sich freudig dem Gebot der Liebe unterwerfen.
Wie hast du bisher dieses Gebot beobachtet? Wem hast du bisher deine Liebe geschenkt? Bedenke, dass es Torheit ist, dein Herz einem Menschen zu schenken und das Geschöpf dem Schöpfer vorzuziehen. Weise mit Entschiedenheit alles von dir, was der vollkommenen Gottesliebe widersteht und bereue die Fehler der Vergangenheit!



07.07.2020
238. Von dem Leben der Seligen im Himmel
(Mt 22, Mk 12, Lk 20)

II Die Lehre von der Auferstehung
«Und was die Auferstehung von den Toten betrifft, habt ihr da nicht im Buch Moses an der Stelle vom Dornbusch gelesen, wie Gott zu ihm sprach: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Er ist doch nicht Gott über Tote, sondern über Lebende. Ihr seid also sehr im Irrtum.»
Folge aufmerksam der Belehrung des Herrn. Was Er uns sagt, ist durchaus wahr; denn als Sohn Gottes kennt Er die Pläne Seines himmlischen Vaters. Auch die menschliche Natur birgt für Ihn kein Geheimnis, Er weiß, dass sie fähig ist, ewig zu leben. Selbst der Tod stellt Seinen Absichten kein Hindernis entgegen, denn Christus ist gekommen, den Tod zu überwinden und ihm alle seine Opfer zu entreißen.
Jesus sagt: «Gott ist nicht ein Gott der Toten.» Gott ist in Ewigkeit der Gott Abrahams, daraus folgt, dass Abraham ewig leben wird. Wenn der Mensch beim Tod in das Nichts zurückfiele, welche Ehre könnte Gott daraus ziehen, Sich den Gott des Nichts zu nennen? Wenn Er sich nun Gott der Toten nennt, so bedeutet dies, dass die Toten leben. Ihre Seelen sind nicht gestorben, und auch ihr Leib wird wieder auferstehen. Lass das Licht der göttlichen Wahrheit, das Jesus angesichts Seiner Feinde so hell erstrahlen lässt, in deine Seele dringen, und glaube fest, dass es nicht Gottes Absicht ist, die Werke Seiner Allmacht zu zerstören. Er wird den Menschen, den Er ins Dasein gerufen, den Er durch das Blut Seines eingeborenen Sohnes erlöst und durch die Wirkungen Seiner Gnade geheiligt hat, nicht zugrunde gehen lassen. Gott nimmt Seine Gaben nicht zurück.
Bete Ihn an und danke Ihm! Denke an alle, die der Tod dir entrissen hat. Er ist auch ihr Gott; sie leben Ihm und du wirst sie dereinst bei Ihm wiederfinden. Was kannst du tun, um dich des ewigen Lebens würdig zu erweisen? Lass dich in der Sorge für deinen Leib von dem Gedanken leiten, dass er eines Tages glorreich auferstehen wird; wenn du ihn wahrhaft liebst, so wirst du kein Mittel unbenutzt lassen, ihm das ewige Glück des Himmels zu verschaffen.



06.07.2020
238. Von dem Leben der Seligen im Himmel
(Mt 22, Mk 12, Lk 20)

I Die irrige Auffassung der Sadduzäer
Dann kamen einige Sadduzäer, die behaupteten, es gebe keine Auferstehung. Jesus erwiderte ihnen: «Seid ihr nicht deshalb im Irrtum, weil ihr weder die Schrift versteht noch die Macht Gottes?»
Sammle dich wiederum, um eine neue und wichtige Lehre zu erfassen. Der Heiland benutzt eine Frage Seiner Feinde, um Seine Jünger im Glauben an die Auferstehung zu stärken.
Sie sprachen: «Meister! Moses hat gesagt: Wenn jemand stirbt, ohne Kinder zu haben, so soll sein Bruder das Weib desselben heiraten und seinem Bruder Nachkommenschaft erwecken. Nun waren bei uns sieben Brüder. Und der erste nahm ein Weib und starb; und da er keine Nachkommenschaft hatte, hinterließ er sein Weib seinem Bruder. Gleicherweise tat auch der zweite und der dritte bis zum siebten. Zuletzt aber von allen starb auch das Weib. Wem nun von den sieben wird das Weib bei der Auferstehung angehören? Denn alle haben sie gehabt.»
Vernimm die lächerlichen Zweifel, die jene oberflächlichen Menschen dem Heiland vortragen und die weit mehr Spott als sachliche Gewissensbedenken ausdrücken. Die Sadduzäer glauben zwar an Gott; aber sie sind der Meinung, daß Er sich nicht um das Menschengeschlecht kümmere. Sie sind Materialisten und sagen: Mit dem Tod hört alles auf. Für sie ist das Leben eine Kette sinnlicher Vergnügungen, deren Genuss sie nicht zum Bewusstsein ihrer unsterblichen Seele kommen lässt. Der Lehre von der Unsterblichkeit stellen sie entweder fade Scherze oder nichtssagende Einwendungen gegenüber. Hast du nicht hin und wieder solch ungläubige Spötter gefürchtet und dich durch ihre Reden in deinem Glauben erschüttern lassen?
In welcher Weise verhandelt Jesus mit ihnen? Er macht ihnen vor allem den Vorwurf, dass sie die Heilige Schrift nicht genug kennen. In der Heiligen Schrift erschließen sich uns die unerschöpflichen Quellen der Allmacht und Weisheit Gottes. Glücklich, wer sich darin versenkt und ihren wahren Sinn erfasst. Das richtige Verständnis der Heiligen Schrift wird aber nur durch den Geist der Einfalt und Demut erlangt, vergiss das nicht.
Betrachte alsdann, was der Heiland über den Zustand der Auserwählten im Himmel lehrt. Der Ungläubige bemisst die Macht des Allerhöchsten nach seiner schwachen Vernunft und glaubt, der Allmächtige vermöge es nicht, die Menschen über ihre fleischliche Natur zu erheben. Jesus hingegen lehrt: «Sie werden sein wie die Engel Gottes im Himmel.»
Freue dich dessen! Du wirst nicht immer die schimpfliche Last der bösen Begierlichkeit zu tragen haben. Der Tag kommt, da du rein wie die Engel sein wirst. Bereite dich jetzt schon durch wahre Herzensreinheit auf diesen erhabenen Zustand vor. Erforsche dich, welches Hindernis sich deiner Umwandlung entgegenstellt, und wenn du es entdeckt hast, dann setze deine ganze Kraft daran, es zu beseitigen. Tu der göttlichen Barmherzigkeit gleichsam Gewalt an, um die Gnade zu erlangen, mit jeder ungeordneten sinnlichen Liebe zu brechen!



05.07.2020
237. Von unseren Pflichten gegen die weltliche Obrigkeit
(Mt 22, Mk 12, Lk 20)

II Jesus belehrt Seine Zuhörer über ihre Pflichten gegen die weltliche Obrigkeit
Jesus durchschaute ihre Arglist und antwortete: «Ihr Heuchler, was versucht ihr Mich? Zeigt mir die Steuermünze!» Sie reichten Ihm einen Denar. Jesus fragte sie: «Wessen Bild und Aufschrift ist das?» Sie antworteten Ihm: «Des Kaisers.» Da sprach Er zu ihnen: «Gebt also dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, und Gott, was Gott gebührt.»
Jesus stellt das Verhältnis zwischen der staatlichen und der kirchlichen Gewalt fest und räumt der Staatsgewalt die angemessene Stellung ein. Nach Seiner Lehre gehört die Ehrfurcht vor der gesetzlichen Autorität zur Gottesverehrung, und die Autorität Gottes und die rechtmäßige Obrigkeit der Menschen verschmelzen zu einem einheitlichen Ganzen. Wer sich der weltlichen Obrigkeit unterordnet, unterwirft sich der Herrschaft des Allerhöchsten, von Dem alle Macht ausgeht. Nimm diese Lehre über die Grundlage aller gesellschaftlichen Ordnung an, berichtige deine bisherige Auffassung und bringe alle Einwände zum Schweigen.
Jene Obrigkeiten, für die der Heiland hier eintritt, sind gerade die Männer, die Ihn wenige Tage später zum Tod verurteilen. Obgleich Er weiß, dass sie ihre Gewalt gegen Seine Person missbrauchen werden, achtet Er ihre Würde. Wohl dürfen wir gegen die Staatsgewalt auftreten, um unsere Rechte zu verteidigen, nicht aber, um die Autorität in Verruf zu bringen und zu vernichten.
Bewundere die Weisheit des Herrn in Seinem Reden und Handeln. Alle geraden und einfältigen Seelen werden tief davon ergriffen. Erbitte dir vom Heiland diesen geraden einfachen Sinn, der dich in den Vertretern der staatlichen und kirchlichen Macht immer Gott selbst erblicken lässt, auch wenn sie ihre Gewalt zu deinem Nachteil missbrauchen sollten! Übrigens liegt der Hauptgrund zu allen Ausschreitungen irdischer Machthaber in unserer Sündhaftigkeit. Weil wir uns so oft gegen die göttliche Majestät empören, lässt Gott es zu, dass die Fürsten dieser Welt bisweilen hart und grausam werden. Schreiben wir uns also selbst die Leiden zu, die wir in dieser Hinsicht zu ertragen haben.
Bemerke wohl, welche Mahnung bezüglich der göttlichen Autorität Jesus hinzufügt: «Gebt Gott, was Gottes ist!» Da du nun Gott, Der dich erschaffen hat, ganz angehörst, so darfst du auch nichts von allem, was du bist und hast, Ihm vorenthalten. Erneuere deine Gelöbnisse und deine vollkommene Hingabe!



04.07.2020
237. Von unseren Pflichten gegen die weltliche Obrigkeit
(Mt 22, Mk 12, Lk 20)

I Jesus wird von Seinen Feinden aufgesucht
Darauf gingen die Pharisäer hin und berieten miteinander, wie sie Ihn in einem Ausspruch fangen könnten. Sie schickten also ihre Schüler zusammen mit den Herodianern zu Ihm und ließen sagen: «Meister, sage uns deine Meinung: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?»
Der Heiland ist wiederum Gegenstand gehässiger Verschwörungen. Seine Feinde sind fest entschlossen, Ihn zugrunde zu richten und Ihn in den Augen des Volkes herabzusetzen. Menschlicher Stolz führt Krieg gegen die ewige Weisheit und maßt sich an, Sie zum Schweigen zu bringen. Betrachte, wie die Feinde Jesu zu Werke gehen! Jedes Mittel ist ihnen recht, auch das der Verstellung. So wenden sie sich mit Lobeserhebungen an Jesus: «Meister, wir wissen, Du bist wahrhaft, Du lehrst den Weg Gottes der Wahrheit gemäß und fragst nach niemand; denn Du siehst nicht auf das Ansehen der Menschen.»
Wäre es ihnen ernst mit diesen Worten, warum folgen sie dem Herrn nicht? Auf ähnliche Weise verfährt die Welt auch noch heutzutage gegen den Heiland in der Person Seiner Stellvertreter. Man rühmt sie, um sie zu erniedrigen; man verhandelt mit ihnen, um sie bloßzustellen. Lerne daraus, den Schmeicheleien der Welt zu misstrauen. Wenn du immer wüsstest, warum man dich lobt, so würdest du dir nichts darauf einbilden können. Der Heiland kennt die Kinder dieser Welt und will dir im Verkehr mit ihnen Vorbild sein. Vor allem ermahnt Er dich zur Vorsicht. Bitte Ihn, dich zu erleuchten, um das Gift zu erkennen, das sich nicht selten unter übertriebenem Entgegenkommen verbirgt, und meide allen Umgang, der dir schaden könnte!



03.07.2020
236. Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl
(Mt 22)

III Die ewige Seligkeit ist an gewisse Bedingungen geknüpft
«Dann sprach Er zu Seinen Knechten: Das Hochzeitsmahl ist zwar bereitet, doch die Geladenen waren seiner nicht wert. So geht denn hinaus an die Ausgänge der Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr nur findet.»
Du siehst, daß die göttliche Weisheit Mittel und Wege findet, Ihre Pläne auszuführen, auch wenn das Geschöpf seine Willensfreiheit dazu missbraucht, sich den Absichten Gottes zu widersetzen. Gottes Ehre ist der Zweck der Schöpfung; auch der Mensch hat sein Leben nur erhalten, um Gott zu verherrlichen. Wenn der eine sich weigert, so tritt ein anderer an seine Stelle, wie es im Gleichnis heißt: «Der Hochzeitssaal füllte sich mit Gästen.»
Betrachte diese Menschen, denen plötzlich die Ratschlüsse Gottes offenbart wurden! Sie haben das Ziel ihres Lebens erkannt und eilen herbei. Nimm teil an ihrer Freude und Dankbarkeit.
«Alsdann trat der König ein, um sich die Gäste anzusehen. Sein Blick fiel auf einen, der kein hochzeitliches Gewand trug. Er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen ohne hochzeitliches Gewand? Er aber verstummte.» Jesus will uns durch dieses Beispiel zeigen, dass es nicht genügt, äußerlich dem Ruf Gottes Folge zu leisten und Sein Haus zu betreten, um zu den Auserwählten zu gehören. Man muss sich auch der Heiligkeit Gottes würdig machen. Alle Makel, die die Seele beflecken, müssen durch aufrichtige Reue und Buße abgewaschen werden, denn beim Hochzeitsmahl muss sie das weiße Gewand kindlicher Unschuld und jungfräulicher Reinheit tragen.
Einer der Geladenen hat diese Wahrheit nicht verstanden, und deshalb spricht der König zu seinen Dienern: «Werft ihn hinaus in die Finsternis!» Jener Unglückliche wird auf ewig der Freuden des Himmels beraubt. Ziehe Nutzen aus diesem Gleichnis, das der Heiland dir zur Warnung vorträgt. Rufe durch wahre Demut und Reue Sein Erbarmen auf dich herab!




02.07.2020
236. Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl
(Mt 22)

I Gott hat den Menschen für eine ewige Glückseligkeit erschaffen
Jesus fuhr fort, in Gleichnissen zu reden. Er sprach: «Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn Hochzeit hielt.»
Der Heiland befindet sich abermals im Tempel, um voll Liebe das Volk zu unterrichten. Wohl weiß Er, dass sich unter Seinen Zuhörern viele befinden, die nur auf Seinen Tod sinnen; Jesus aber kennt kein anderes Verlangen, als sie zu retten. Er vergleicht die Seligkeit des Himmels mit einem Hochzeitsmahl, und alle, die Er zur Vollkommenheit beruft, sind zu diesem Mahl eingeladen. Dieses Fest wird im Himmel gefeiert; unser irdisches Leben ist die Vorbereitung dazu. Hienieden findet die Verlobung statt, dort oben die unauflösliche Vereinigung. Auch dir ist beim Hochzeitsmahl ein Platz bestimmt, du sollst Anteil haben an den Freuden des Festes. Gott will sich durch Seinen Sohn mit dir vereinigen, durch den Heiland gehörst du zu den Auserwählten der göttlichen Liebe. Vernimm den Ruf des himmlischen Vaters! Wenn du Ihm nicht folgst, so wird jemand an Seiner Tafel fehlen. Weißt du die Ehre dieser Einladung gebührend zu schätzen und den Wert der himmlischen Reichtümer zu ermessen? Folge freudig dem Ruf der Gnade, und wenn du deswegen auf vieles verzichten musst, so ist das, was du dabei gewinnst, schöner, besser und dauernder als irgendein Gut dieser Welt.



01.07.2020
235. Das Gleichnis von den ungetreuen Winzern
(Mt 21, Mk 12, Lk 20)

III Jesus sagt Seinen Feinden die ewige Verdammnis voraus
« Wenn nun der Herr des Weinberges kommt, was wird er mit diesen Winzern anfangen? Sie erwiderten ihm: Er wird die Elenden elend umbringen und seinen Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm den Ertrag zur rechten Zeit abliefern. Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.»
Jesus lässt die Juden selbst das Verhalten jener Winzer verurteilen. «Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird, was wird er diesen Männern tun? Welche Strafe haben sie eurer Ansicht nach verdient?» Was verdienen alle, die Gott und Seinen Gesalbten verschmähen, die sich hartnäckig weigern, dem Gesetz des Evangeliums zu gehorchen, und die alle Vorschriften der göttlichen Autorität mit Füßen treten? Was verdienen jene, die behaupten, dass nur der gegenwärtige Augenblick das Leben des Menschen ausmache, dass die zeitlichen Angelegenheiten das einzig Wesentliche seien und dass man nur sich selbst Rechenschaft von seinem Tun und Lassen schulde? «Er wird sie elend umbringen», antworten Ihm seine Zuhörer. Diese Elenden verdienen wirklich, von dem geheiligten Boden, den sie geschändet haben, vertrieben zu werden. Es geschieht ihnen recht, wenn sie auf ewig der Kindschaft Gottes beraubt werden ohne Aussicht, jemals die verlorene Gnade wiederzugewinnen. Du musst zugeben, dass dieses Urteil gerecht ist. Es wird sich in alle Ewigkeit an den unglücklichen Seelen vollziehen, die der Tod in ihrer Auflehnung gegen Gott überrascht.
Der Verdammte gleicht den Winzern, von denen der göttliche Meister spricht. Alle Güter sind ihm entzogen und anderen gegeben worden, er sieht sich jeder Hoffnung beraubt, und keine Macht des Himmels und der Erde kann ihm das verlorene Paradies zurückgeben. Er ist zerschellt an dem Eckstein, der allen, die sich auf Ihn stützen, ein sicherer Halt ist, allen aber, die sich an Ihm stoßen, zum Verderben gereicht.
Erwecke in deinem Herzen eine heilsame Furcht vor den göttlichen Strafgerichten, damit, wenn deine Liebe zum Heiland nicht stark genug ist, dich vom Bösen abzuschrecken, wenigstens die Furcht vor Gottes Gerechtigkeit dich vom Sündigen abhalte!




30.06.2020
235. Das Gleichnis von den ungetreuen Winzern
(Mt 21, Mk 12, Lk 20)

II Jesus wirft den Juden ihre Treulosigkeit und ihre schändlichen Pläne vor
«Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen, indem er sagte: Vor meinem Sohn werden sie Scheu haben. Als aber die Winzer den Sohn erblickten, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, lasst uns ihn umbringen und sein Erbgut in Besitz nehmen. Sie ergriffen ihn also, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und töteten ihn.»
Betrachte die Güte des himmlischen Vaters, Der in dem Augenblick, da Seine abtrünnigen Geschöpfe sich der schwersten Strafe schuldig machen, nur daran denkt, wie Er sie bekehren und wieder auf den rechten Weg bringen kann.
Welches Wunder der Allmacht und Barmherzigkeit hat die unendliche Weisheit noch aufbewahrt, um Seine verblendeten Geschöpfe zur Einsicht zu bringen? «Ich will Meinen geliebten Sohn senden.» Der himmlische Vater ist bereit, Seinen vielgeliebten, eingeborenen Sohn zu senden, diesen Sohn, Dessen Leben Ihm überaus teuer ist, gleichen Wesens mit dem Vater, dem Erben all Seiner Güter. Und doch ist Er Entschlossen, das Leben dieses eingeborenen Sohnes preiszugeben, um Seinen Hoheitsrechten über die Menschen zum Sieg zu verhelfen. So weit geht Gott, um Sein Geschöpf zu bewegen, zu seiner Pflicht zurückzukehren.
Der Sohn bietet Sich Selbst dem Vater an und übernimmt mit heiligem Eifer die Ihm anvertraute Sendung. So erscheint Er auf dem Kampfplatz, um Sich der Schmach und dem Tod auszuliefern. In diesem Augenblick spricht Er zu Seinem Volk und macht einen letzten Versuch, das drohende Verderben von ihm abzuwenden. Doch von allen Seiten ertönt das Geschrei des Hasses und Neides. Schon hat sich eine Verschwörung gegen Sein Leben gebildet; nur noch wenige Tage, dann wird sich der furchtbare Gottesmord vollziehen. Nimm innig teil an den Leiden des Heilands, und opfere dich Ihm ganz auf zur Sühne für das, was Ihm bevorsteht. Sei fest entschlossen, Seinen Tod an dir selbst zu rächen!



29.06.2020
235. Das Gleichnis von den ungetreuen Winzern
(Mt 21, Mk 12, Lk 20)

I Jesus belehrt Seine Zuhörer über die Hoheitsrechte Gottes
«Vernehmt noch ein anderes Gleichnis: Ein Hausherr legte einen Weinberg an. Er umgab ihn mit einem Zaun, grub darin eine Kelter und baute einen Turm. Dann verpachtete er ihn an Winzer und ging außer Landes.»
Mische dich unter die Volksmenge, die sich im Vorhof des Tempels um den Heiland drängt. Bemühe dich, deinen göttlichen Meister zu verstehen und den wahren Sinn dieser Parabel zu erfassen. Es handelt sich wieder um die Hoheitsrechte Gottes über den Menschen. Jesus kommt so oft auf diesen Gegenstand zurück, damit wir nach Seinem Hingang dieser Wahrheit besonders eingedenk seien.
Was bedeutet jener Weinberg, der mit so viel Sorgfalt gehegt und gepflegt worden ist? Das bist du selbst. Von Gott bist du erschaffen, Ihm gehörst du mit all deinen Kräften und Fähigkeiten. — Der Hausvater verpachtet Seinen Weinberg gegen eine gewisse Entschädigung. Bemerke wohl, dass Gott uns Sein Eigentumsrecht an den geschaffenen Dingen nicht abtritt, wenn Er sie uns zur Verfügung stellt, damit wir mit ihnen unser ewiges Heil erwirken. Die Frucht von allem, was Gott uns anvertraut hat, verlangt Er für Sich, und diese Forderung Gottes ist durchaus gerecht.
«Als aber die Zeit der Weinlese kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um den Ertrag in Empfang zu nehmen. Die Winzer jedoch fielen über seine Knechte her; den einen erschlugen sie, den andern töteten sie, einen dritten aber steinigten sie.» Was der Hausvater durch seine Boten von den Winzern verlangt, ist gerecht und billig. So sind auch die Forderungen, mit denen die göttliche Majestät an die Menschen herantritt, immer angemessen und vernünftig. Aber nicht selten lassen wir uns durch unsere Leidenschaft verblenden, sie für ungebührlich zu erklären.
Vielleicht bist du entrüstet über die Misshandlung jener Knechte, denen als Boten ihres Herrn eine gute Aufnahme gebührte, und doch ist in sehr vielen Fällen dein Verhalten gegen Gott nicht weniger ungerecht und kränkend. Erfülle deine Seele mit Abscheu gegen einen solchen Undank und sei fest entschlossen, dich nie wieder gegen die göttliche Majestät aufzulehnen!



28.06.2020
234. Das Gleichnis von den zwei Söhnen
(Mt 21)

II Jesus belehrt Seine Zuhörer, welche Gesinnungen ihnen den Himmel öffnen
Da sprach Jesus zu ihnen: «Wahrlich, Ich sage euch: Die Zöllner und Buhlerinnen kommen noch vor euch in das Reich Gottes.»
Nimm teil an dem Kummer, der das Herz Jesu drückt! Viele, denen reiche Gnaden zuteil geworden sind, missbrauchen die Langmut Gottes; statt sich Seinem Willen zu unterwerfen, lehnen sie sich in freiwilliger Verblendung gegen Gott auf. Manche, denen Gott einen hohen Platz in Seinem Reich zugedacht hatte, laufen Gefahr, des Himmels ganz verlustig zu gehen.
Hüte dich, so dass Jesu Worte auf dich keine Anwendung finden. Vielleicht erlangen die Unwissenden, die du so geringschätzig betrachtest, einen höheren Grad der Glorie als du. Vielleicht haben die Seelen der Armen und Niedrigen, denen du so stolz begegnest, in den Augen Gottes einen höheren Wert als die deinige. Die Sünder und Sünderinnen, die du mit großer Strenge verurteilst, sind vielleicht der Gnade Gottes würdiger als du. So lege denn alle Überheblichkeit ab!
Jesus Christus ist gekommen, um uns den Weg zum Himmel zu zeigen. Wandle festen Schrittes auf diesem Pfad, und lass dich von niemand mehr überholen. Du hast viel verlorene Zeit wieder einzubringen, eile dem Gipfel zu, den du noch zu ersteigen hast.



27.06.2020
234. Das Gleichnis von den zwei Söhnen
(Mt 21)

I Jesus verurteilt die falsche Gerechtigkeit der Pharisäer
«Was dünkt euch? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute in meinem Weinberg. Der antwortete: Ja, Herr, ging aber nicht hin.»
Verweile mit dem Heiland im Tempel und denke über das Verhalten der beiden Söhne nach, von denen Er Seinen Zuhörern berichtet!
Was tut der eine? «Dieser aber antwortete und sprach: Ja, Herr. Ich gehe. Und er ging nicht.» Der Vater sagte: «Gehe!», und voller Eifer antwortet ihm sein Sohn: «Ja, ich gehe!», und dabei lässt er es bewenden. Er fährt in seiner Beschäftigung fort, und indem er die Vollziehung des Befehls immer wieder hinausschiebt, verliert er alle Energie. In seinem Streben nach Vollkommenheit kommt er niemals über Gefühlswallungen und gute Vorsätze hinaus. Vergleiche dich mit ihm! Zähle die Versprechen, die du Gott gemacht und nicht erfüllt hast, die guten Entschlüsse, die nicht zur Ausführung gekommen sind. — Gleichst du nicht dieser Seele, die ihr Joch nicht tragen will, oder erkennst du vielleicht in diesem Sohn dein eigenes Bild?
«Er ging aber zu dem andern Sohn und sprach ebenso. Der antwortete: Ich mag nicht.» Er weigert sich, dem Befehl seines Vaters nachzukommen und ist voller Unmut, weil er seine Freiheit beeinträchtigt sieht. Ohne darüber nachzudenken, wer mit ihm spricht, antwortet er mit einem harten «Nein!». Er bedenkt nicht, dass er der Autorität seines Vaters Gehorsam schuldet und dass dieser bei all seinen Anordnungen nur das Beste seiner Söhne im Auge hat. Er fühlt nur das eine: man schickt ihn an die Arbeit, während er seinem Vergnügen nachgehen möchte. Er betrachtet die Unabhängigkeit als sein höchstes Gut, und der Gedanke, man wolle sie ihm rauben, ist ihm unerträglich. Dann aber besinnt er sich, und es tut ihm leid. Er geht schlussendlich doch hin, den Auftrag des Vaters zu erfüllen.
Vielleicht findest du, dass du mit beiden Söhnen Ähnlichkeit hast. — Jesus fragt die Juden: «Welcher von den beiden hat den Willen des Vaters getan?» Sie sprachen zu Ihm: «Der zweite». Jedenfalls ist der zweite weniger schuldig als der erste; denn nachdem er seinen Fehler eingesehen hat, sucht er ihn wiedergutzumachen. Aber auch er war schuldig, denn wir dürfen unserem Herrn und Gott, der das Recht hat, unbedingte Unterwerfung von uns zu verlangen, keinen Augenblick den Gehorsam verweigern. Jesus ist der Gütigste aller Herren, darum suche durch aufrichtige Reue wiedergutzumachen, dass du dich oft geweigert hast, Seinen Willen zu tun. Beweise in Zukunft, dass du nicht nur in Gefühlen und Worten, sondern auch im Werk Sein wahrer Jünger sein willst!



26.06.2020
233. Eine unbeantwortete Frage
(Lk 20, Mt 21, Mk 11)

II Jesus weigert sich, die Frage zu beantworten
Jesus erwiderte ihnen: «Ich will euch auch eine Frage vorlegen. Wenn ihr mir diese beantwortet, so will Ich euch sagen, mit welcher Vollmacht ich dies tue. Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von Menschen?»
Wie bewunderungswürdig sind die Antworten Jesu. Er offenbart Sich nicht, ohne Bedingungen zu stellen; doch diese Bedingungen sind einfach und leicht zu erfüllen. Aber der Stolz erträgt nicht, dass man ihm Vorschriften macht. Der Hochmütige glaubt, unserem Herrn eine große Ehre zu erweisen, wenn er sich herbeilässt, Ihn anzuhören, darum stößt er sich an der kleinsten Bedingung und verhärtet sich beim geringsten Widerspruch. Und doch ist es umgekehrt. Jesus Christus erweist dem Menschen eine überaus große Ehre, wenn Er sich herablässt, ihm die ewigen Wahrheiten zu offenbaren.
Diesmal wird Jesus nicht antworten, weil Er weiß, dass Seine Worte fruchtlos bleiben werden. Das Licht der Wahrheit kann dem nichts nützen, der sich ihm freiwillig verschließt. Es kommt für den verblendeten Sünder eine Zeit, da Gott seine Fragen nicht mehr beantwortet und nicht mehr in seinem Innern redet. Der Himmel verschließt sich ihm, und dieses Schweigen der göttlichen Wahrheit ist die furchtbarste Strafe, die den Sünder hienieden treffen kann; mit ihr beginnt sich die ewige Verwerfung anzubahnen.
Auf welches Vergehen hat die göttliche Gerechtigkeit diese schwere Strafe gesetzt? Erinnere dich, wie die Hohenpriester und Ältesten sich dem Heiland und Seiner Lehre gegenüber verhalten haben, und du wirst dir diese Frage selbst beantworten können. Du wirst erkennen, dass du besonders deinen Stolz bekämpfen musst, um deinen Fortschritt und dein ewiges Heil zu sichern. Sei streng gegen dich selbst, und im Hinblick auf das schreckliche Los, das die Hoffärtigen erwartet, rüste dich zu einem heftigen und entscheidenden Kampf gegen Stolz und Eigenliebe!
Beachte das Ende dieser fruchtlosen Unterredung. Sie antworteten Jesus und sprachen: «Wir wissen es nicht.» Da erwiderte Er ihnen: «Auch ich sage euch nicht, in welcher Gewalt Ich dies tue.» — So überlässt der Heiland alle Stolzen der Ungewissheit und dem Zweifel. Sie haben die Wahrheit nicht erkennen wollen und werden niemals den Frieden des Herzens finden. Von Gott und den Menschen verlassen, gehen sie ihren eigenen Weg. Bedauere sie, und sage dich von ihnen los. Fasse den festen Entschluss, in demütigem, rückhaltlosem Glauben den Frieden der Seele zu suchen!



25.06.2020
233. Eine unbeantwortete Frage
(Lk 20, Mt 21, Mk 11)

I Die Feinde Jesu fordern Aufschluss über Seine Sendung
Dann ging Er in den Tempel und lehrte. Da traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes an Ihn heran und fragten: «Mit welcher Vollmacht tust Du dies? Wer hat Dir die Vollmacht dazu gegeben?»1
Finde dich bei Jesus im Vorhof des Tempels ein. Seine Widersacher treten mit einer Frage an Ihn heran. Da sie die Wahrheit in den engen Grenzen ihrer Vernunft suchen, können sie die Überfülle der übernatürlichen Wahrheit, die Jesus ihnen verkündet, nicht fassen. In gereiztem Ton fragen sie Ihn: «Wer bist Du? Woher kommst Du? Wer hat Dir die Macht gegeben, die Werke zu vollbringen, die Du tust?» Wie töricht ist eine solche Frage! Jesu Werke haben schon lang Zeugnis für Ihn abgelegt. Während der ganzen Dauer Seines öffentlichen Lebens hat Jesus die Demütigen erhöht, die Unglücklichen geliebt, die Sünder bekehrt, die Betrübten getröstet, die Schwachen ermutigt, die Kranken geheilt und die Unwissenden belehrt. Jetzt schickt Er sich an, für diejenigen zu sterben, denen Sein ganzes Leben gewidmet war. Woher kann eine solche Macht, eine solche Güte, eine solche Hingabe kommen, wenn nicht von Gott? Trotz all dieser Liebesbeweise wird die Vatergüte Gottes, der uns den Heiland gesandt hat, von so vielen Menschen nicht erkannt. Mache du es dir zur heiligen Pflicht, die Güte Gottes in all Seinen Fügungen zu verherrlichen.



24.06.2020
232. Der unfruchtbare Feigenbaum
(Mt 21,Mk 11)

II Jesus preist die Macht des Glaubens
Am andern Tag kamen sie in der Frühe an dem Feigenbaum vorbei und sahen, wie er bis auf die Wurzel verdorrt war. Als die Jünger das sahen, fragten sie voll Verwunderung: «Wie konnte der Feigenbaum auf der Stelle verdorren?»
Tritt mit den Jüngern hinzu, um die furchtbare Folge des göttlichen Fluches zu betrachten. Auf das Wort Jesu hin ist der unfruchtbare Baum sofort erstorben.
Mahnt der verdorrte Baum dich nicht an die ewige Unfruchtbarkeit der Verdammten, die keine Macht wieder zum Leben erwecken kann, nachdem Gottes Urteilsspruch sie dem ewigen Tod überliefert hat?
Die Jünger rufen voller Staunen: «Wie ist er so schnell verdorrt!» Jesus benützt diese Gelegenheit, ihren Glauben zu stärken, da jegliche Fruchtbarkeit im geistlichen Leben von der Kraft des Glaubens abhängt. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: «Wahrlich, Ich sage euch, wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur das zustande bringen, was an dem Feigenbaum geschehen ist, sondern wenn ihr zu dem Berg dort sagt: Heb dich und stürze dich ins Meer! so wird es geschehen.» — Durch den Glauben wird der Mensch allmächtig, denn Gott kann einem starken Glauben nichts versagen.
Die Worte des göttlichen Meisters geben dir Aufschluss über den Grund deiner Schwäche und deines Unvermögens zum Guten. Du glaubst zwar; aber dein Glaube ist zu menschlich, ihm fehlt das Übernatürliche. Der übernatürliche Glaube stützt sich einzig auf das Wort Gottes, der menschliche sucht allzu sehr nach Vernunft- und Wahrscheinlichkeitsgründen, die nur eine schwankende gebrechliche Grundlage sind. Bitte Jesus um den Glauben, der Berge versetzt. Demütige dich wegen aller Zweifel, durch die du je Sein göttliches Herz betrübt und sein belebendes Wort unfruchtbar gemacht hast.
Ein weiterer Grund deines geringen Vertrauens ist dein Mangel an kindlicher Liebe, der Gott nichts versagen kann. Wie würdest du glauben und vertrauen, wenn du dich so ganz als Kind Gottes fühltest.



23.06.2020
232. Der unfruchtbare Feigenbaum
(Mt 21,Mk 11)

I Jesus verflucht den unfruchtbaren Feigenbaum
Als Er frühmorgens in die Stadt zurückkehrte, hungerte Ihn. Da sah Er am Weg einen Feigenbaum. Er ging auf ihn zu, fand aber nur Blätter an ihm, denn es war gerade nicht die Zeit der Feigen.
Jesus begibt sich von Bethanien nach Jerusalem. Ihm steht ein arbeitsreicher Tag bevor, und Er beginnt ihn damit, dass Er Seinen Jüngern eine geheimnisvolle Lehre erteilt.
Wie kommt es, dass Jesus hungert und dass Er Sich nicht scheut, es offen zu bekennen? Er will uns zeigen, dass Er als Mensch auch unsere Bedürfnisse teilt. Da Er wirklich arm ist, ist Er mit den Entbehrungen, denen die Armen ausgesetzt sind, vertraut. Sein Seeleneifer hat Ihn schon in früher Morgenstunde hinausgetrieben, unbekümmert um Speise und Trank. Die Sorge um unsterbliche Seelen lässt Ihn alles andere vergessen.
Betrachte den Feigenbaum, dem der Heiland sich nähert! Bedenke, dass auch deine Seele gleich dem Feigenbaum Gott wohlgefällige Früchte bringen soll. Aber der Baum, an dem Jesus Früchte sucht, bringt nur Blätter, und deshalb spricht Er den Fluch über ihn aus: «In Ewigkeit soll an dir keine Frucht mehr wachsen!» Und alsbald verdorrte der Baum. Du siehst, wie Jesus in heiliger Entrüstung das Geschöpf, welches Seinen Erwartungen nicht entsprochen hat, verflucht. Reicher Blätter- und Blütenschmuck schützt den Feigenbaum nicht vor dem Fluch Gottes, da er seine Bestimmung, Früchte zu tragen, nicht erfüllt.
Der Feigenbaum in seinem reichen Blätterschmuck ist ein Bild jener Menschen, die ihre Lebenskraft in müßigen Wünschen und Vorsätzen erschöpfen. Nicht dazu gibt und erhält die göttliche Weisheit den Menschen das Leben. Es genügt nicht, von der Vollkommenheit zu träumen, wir müssen energisch danach streben. Das will uns Jesus durch seine symbolische Handlung lehren. Auch uns erwartet ein gleiches Schicksal, wenn wir uns diese Warnung nicht zu Herzen nehmen. Er straft den Baum, um den Menschen zu schonen.



22.06.2020
231. Jesu letzter Versuch, die Juden zu bekehren
(Joh 12)

III Jesus warnt vor der Verstocktheit
« Wer Mich verachtet und Meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter. Das Wort, das Ich verkündet habe, das wird ihn am Jüngsten Tag richten. Denn Ich habe nicht aus Mir selbst geredet, sondern der Vater, Der Mich gesandt hat, hat Mir geboten, was Ich reden und verkünden soll. Und ich weiß, Sein Gebot ist ewiges Leben.»
Jesus erteilt Seinen Zuhörern eine ernste Warnung, aus der auch du Nutzen ziehen sollst. Der Mensch muss dereinst Rechenschaft ablegen über alle Gnaden und Belehrungen, die ihm während seines Lebens zuteil wurden. Wohl kann man das Wort Gottes hören ohne Frucht; aber niemals wird es ohne Folgen bleiben. Die Sünder, die es nicht annehmen wollen, und die feigen Seelen, die nicht nach der erkannten Wahrheit leben, sind in den Augen Gottes Verräter und werden als solche verdammt werden.
«Ihr werdet gerichtet werden nach dem, was ihr gehört habt», sagt der Heiland. «Wenn ihr vor dem Richterstuhl Gottes steht, wird man nach dem Wortlaut des Evangeliums untersuchen, ob ihr die Gebote gehalten, die Heilsmittel benützt und die christlichen Tugenden geübt habt. Die Antwort auf diese Fragen wird eure Ewigkeit entscheiden. So wählt!«
Und Jesus fährt fort: «Ich habe nur das zu euch geredet, was Mein himmlischer Vater Mich reden hieß.» Die Wahrheit und das Leben sind in der Lehre Jesu über die Nächstenliebe, die Geduld, die Demut und Selbstverleugnung enthalten. Versichere dem göttlichen Meister noch einmal deiner Treue und zeige dich in Worten und Werken Seiner besonderen Liebe würdig.



21.06.2020
231. Jesu letzter Versuch, die Juden zu bekehren
(Joh 12)

II Jesus bezeugt nochmals Seine göttliche Sendung
Jesus verkündete laut: «Wer an Mich glaubt, der glaubt nicht an Mich, sondern an Den, Der Mich gesandt hat. Und wer Mich sieht, der sieht Den, Der Mich gesandt hat. Ich bin als das Licht in die Welt gekommen, damit niemand, der an Mich glaubt, in der Finsternis bleibe.»
In diesen letzten Worten liegt eine Mahnung, die du dir zu Herzen nehmen musst. «Kommt zu Mir alle, die ihr nach Wahrheit und nach dem ewigen Heil verlangt», sagt Jesus. «Ich werde euch Demjenigen zuführen, Der Mich in diese Welt gesandt hat; denn Er ist euer letztes Ziel und Ende. Ich will euch eurer Finsternis entreißen, eure Seelen retten und sie dem himmlischen Vater übergeben.»
Entsprich dem Ruf des Heilands, und du wirst empfinden, wie trostreich die Wahrheit ist, die der Sohn Gottes verkündet. Warum solltest du sie fürchten; du bedarfst ihrer, und zwar in ihrer ganzen Fülle, wenn sie dein Glück ausmachen soll. Nur wenn die Wahrheit das Menschenherz ganz erfüllt, bringt sie der Seele Ruhe und Frieden. Bemühe dich, ganz das zu werden, was Jesus aus dir machen will, und bitte Ihn, dass das reine Licht des Evangeliums in deinem Herzen jedes andere Licht überstrahle.



20.06.2020
231. Jesu letzter Versuch, die Juden zu bekehren
(Joh 12)

Die Menge widersteht hartnäckig dem Einfluss der Gnade
Obwohl Er so viele Wunder vor ihnen gewirkt hatte, glaubten sie doch nicht an Ihn. So sollte das Wort des Propheten Isaias in Erfüllung gehen: «Herr, wer glaubt unserer Botschaft?»
Komm wiederum zum Tempel und suche deinen göttlichen Meister. Viel Volk umgibt Ihn, und doch ist die Zahl Seiner wahren Jünger sehr beschränkt, während Seine Feinde zahlreich sind. Woher kommt die beklagenswerte Verblendung so vieler Seelen? Kann ihr nicht abgeholfen werden? Erwecke in dir ein lebhaftes Verlangen, auch die verstocktesten Herzen für die Lehre des Heilands zu gewinnen, und denke zu deiner Ermutigung oft an die Wahrheit, dass der Zustand eines Sünders niemals ganz hoffnungslos ist. Wenn Gott auch den hartnäckigen Sünder bis zu einem gewissen Grad seiner Verblendung überlässt, so entzieht Er ihm doch niemals alle Hilfe. Vielleicht verlangen in diesem Augenblick viele Seelen, die sich in äußerster Gefahr befinden, nach deinem Gebet und den Verdiensten deiner guten Werke, in denen sie ihren letzten Hoffnungsstrahl erblicken. Denke daran, und es wird dir leicht fallen, apostolisch zu beten und zu opfern!
Aber vielleicht gehörst du selbst noch zu jenen Furchtsamen, von denen der Evangelist sagt, dass sie zwar glauben, jedoch ihren Glauben nicht zu bekennen wagen, weil sie das Urteil der Menschen mehr fürchten als die strengen Gerichte Gottes. Wenn dem so ist, dann mache dir klar, wie töricht ein solches Verhalten ist. Gib acht, dass nicht auch dich die Strafe trifft, die Jesus den Ungläubigen androht!



19.06.2020
230. Der Sieg des Kreuzes
(Joh 12)

III Jesus sagt Seinen endgültigen Sieg über die Feinde Gottes voraus
«Jetzt ergeht das Gericht über die Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen. Ich aber werde, wenn Ich von der Erde erhöht bin, alles an Mich ziehen.» Mit diesen Worten wollte Er andeuten, welchen Todes Er sterben werde. Folge den Worten deines Meisters! Die entscheidende Stunde naht. Jesus wirft einen Blick in die Zukunft und sagt dir, was Er schaut. Er sieht die höllischen Gewalten gefesselt und die Welt besiegt; Er sieht, wie die Völker ob Seines Triumphes frohlocken, und Sein göttliches Herz jubelt. Nimm teil an dieser Freude!
«Jetzt ergeht das Gericht über die Welt», sagt der Heiland. «Alle Irrtümer und alle verderblichen Grundsätze der Welt werden verurteilt werden. Von Meinem Licht erleuchtet, werdet ihr die Welt beurteilen, wie sie es verdient, und ihre lügnerische Bosheit und Verderbnis in ihrer ganzen Hässlichkeit erkennen. Dann wird es euch nicht mehr schwerfallen, mit ihr und ihren Anhängern zu brechen.» Das ist die Frucht seines Todes, die Jesus uns am Baum des heiligen Kreuzes zeigt. Und Er fährt fort: «Ich werde alles an Mich ziehen.» — Im Augenblick Seiner größten Schmach wird der göttliche Meister durch Seine Liebe dich so an Sich ziehen, dass du Ihm nicht widerstehen kannst. Freue dich also auf den Augenblick, da du mit Ihm den Kalvarienberg hinaufsteigen wirst. Bereue es nicht, den steilen Pfad gewählt zu haben, der dort hinaufführt. Eile seinem Gipfel zu, und suche Schutz unter dem Freiheitsbaum des Kreuzes, den Jesus dort aufrichtet. Sprich zu Ihm im Namen aller, die dir lieb und teuer sind: «O heiliges Kreuz, lass auch auf uns jene himmlische Kraft ausströmen, die alle Seelen zu Dem hinzieht, Der an dir stirbt.»



18.06.2020
230. Der Sieg des Kreuzes
(Joh 12)

II Der himmlische Vater verherrlicht Seinen Sohn vor allem Volk
Da erscholl eine Stimme vom Himmel: «Ich habe ihn verherrlicht und will Ihn noch weiter verherrlichen.» Das Volk, das dabeistand und dies hörte, meinte, es habe gedonnert. Andere sagten: «Ein Engel hat mit Ihm geredet. Jesus aber sprach: «Nicht Meinetwegen erscholl diese Stimme, sondern euretwegen.»
Horche auf die Stimme vom Himmel, die den Zweifelnden und Schwankenden Gewissheit bringt. Gott ist bereits in Seinem eingeborenen Sohn verherrlicht worden durch die Lehre und Wunder Seines öffentlichen Lebens, aber Er wird Sich in noch augenscheinlicherer Weise in Ihm offenbaren. In dem geheimnisvollen Tod des Sohnes soll die Ehre des Vaters im hellsten Glanz erstrahlen, und in diesem Licht betrachtet die ewige Weisheit alle Verdemütigungen und Leiden. Wenn wir den Kreuzestod des Herrn recht beurteilen wollen, müssen auch wir uns auf diesen Standpunkt stellen. Die Umstehenden vernehmen die geheimnisvolle Stimme und verstehen sie nicht. Sie fragen einander, was geschehen sei, und in dem Lärm und der Aufregung erfasst keiner den Sinn der Worte. Erhebe dich über dieses unruhige Treiben und lausche, denn Gott der Vater spricht für uns, um die Kleinmütigen zu ermutigen und die Eifrigen anzuspornen. Vor allem aber will Gott die Herzen vorbereiten, Frucht aus dem Leiden Jesu zu ziehen und Ihm dadurch neue Triumphe sichern. Die Stimme Gottes will die Stimme des Hochmuts zum Schweigen bringen und alle Herzen rückhaltlos für Christus erobern.



17.06.2020
230. Der Sieg des Kreuzes
(Joh 12)

I Jesus bittet Seinen himmlischen Vater um Beistand zu dem Werk der Erlösung
«Jetzt ist Meine Seele tief erschüttert. Was soll ich sagen! Vater, bewahre Mich vor dieser Stunde. Doch gerade deshalb ist diese Stunde über Mich gekommen. Vater, verherrliche Deinen Namen.»
Vernimm die Klage des göttlichen Meisters! Beim Gedanken an Seine kommenden Leiden bemächtigen sich Schmerz und Trostlosigkeit Seiner Seele. Jesus hat soeben den Weg des Fortschritts im geistlichen Leben gezeigt. In Seiner Nachfolge muss man sterben, um zu leben und anderen das Leben zu vermitteln. Aber der Heiland weiß auch, wie schwer es ist, zu sterben, und zwar in Schmach und Schmerz zu sterben. Er nimmt die Last, die Er uns auferlegt, zuerst auf Seine eigenen Schultern und findet sie so schwer, dass Er uns Seine Erschöpfung nicht verheimlicht. Er zeigt uns aber auch durch Sein Beispiel, wie wir erfolgreich gegen alle Erschlaffung und Entmutigung ankämpfen können. Was tut Jesus? Er betet; Er erhebt Seine Augen zu Seinem himmlischen Vater, Der ja die Stärke der Schwachen ist. Er wirft sich vertrauensvoll in Seine Arme, denn Er weiß, dass Sein Vater Ihn liebt, und dass Er Ihn nicht verlassen wird, wenn es sich darum handelt, Seine Sendung zu erfüllen. Er bestärkt Sich in dem Entschluss, Seine Aufgabe ganz zu erfüllen, und Er bietet sich bereitwilliger denn je zum Opfer an. So sollst auch du in Stunden der Entmutigung handeln



16.06.2020
229. Jesus, der Heiland der Völker
(Joh 12)

II Jesus bezeichnet Seinen Zuhörern den Weg des wahren Fortschritts
Jesus sprach zu ihnen: «Die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn verherrlicht wird. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es für sich allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viele Frucht.»
Jesus erklärt, dass die Stunde gekommen ist, in der der Glaube triumphieren soll. Unaussprechliche Freude durchströmt Sein Herz bei dem Gedanken, dass heidnische Völker Ihn kennenlernen, sich taufen lassen, Seine Gesandten aufnehmen und sich zu Seinem Evangelium bekennen wollen. Du sollst dazu beitragen, die Freude des göttlichen Herzens zu erhöhen. Hast du Ihm nicht versprochen, unsterbliche Seelen für den wahren Glauben zu gewinnen? Denke an alle Menschen, die dir nahestehen, und erforsche dich, ob du deinem Versprechen treu geblieben bist? Was wirst du in Zukunft tun? Du hast versprochen, für die Ehre Gottes und das Heil deiner Mitmenschen zu arbeiten, und Jesus zeigt dir, wie du dabei vorgehen sollst. Wie das Weizenkorn erst durch sein Absterben fruchtbar wird, so geht auch auf übernatürlichem Gebiet aus dem Tod neues Leben hervor. Der Mensch muss sich gleichsam selbst vernichten durch Abtötung und Verdemütigung, um Gott zu verherrlichen und Ihm Seelen zu schenken. Erfülle dich mit dem Geist dieser erhabenen Lehren. Kämpfe energisch gegen deine Selbstsucht, und hüte dich, Bequemlichkeit, Vergnügen, Reichtum und Ansehen den Interessen Gottes vorzuziehen.
«Wer Mir dienen will, der folge Mir!» ruft Jesus aus. Der Sohn Gottes will dich überall in Seiner Begleitung finden, um immer bei dir zu sein. Freue dich über Seine Liebe zu dir und bringe Ihm alles zum Opfer, was dich bisher von Seiner vollkommenen Nachfolge abgehalten hat. Versprich deinem Heiland Treue in jeder Prüfung!



15.06.2020
229. Jesus, der Heiland der Völker
(Joh 12)

I Die Jünger bitten den Heiland, Sich auch den Heiden zu offenbaren
Unter denen, die hinaufgepilgert waren, um am Fest anzubeten, befanden sich auch einige Heiden. Diese wandten sich an Philippus, der aus Bethsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: «Herr, wir möchten gern Jesus sehen.» Philippus ging hin und besprach sich mit Andreas. Andreas und Philippus sagten es Jesus.
Stelle dir vor, du seiest mit dem Heiland im Vorhof des Tempels in dem Augenblick, da Philippus zu Ihm hintritt und Ihm den Wunsch der Heiden vorträgt. Diese Heiden möchten den göttlichen Meister sehen, aus Seinem eigenen Mund das Wort Gottes vernehmen und in unmittelbaren Verkehr mit Ihm treten. Sie möchten Ihm näher treten, um sich durch eigene Erfahrung von Seiner Sendung zu überzeugen und um über ihre höchsten Interessen mit Ihm zu sprechen.
Erhebe deine Gedanken zum himmlischen Vater, Der Seinem Sohn ein neues Volk zuführt. In der Mitte dieser Heiden, die zum Herrn hintreten, offenbart sich das Verlangen aller Völker, die um Erlösung flehen. Unzählige Seelen sind noch nicht vom Licht des Evangeliums erleuchtet worden. Was kannst du tun, um ihnen zu helfen und sie zum Heiland zu führen, damit sie Ihn erkennen und lieben lernen? — Was könntest du tun, und was tust du in Wirklichkeit? Suche in deinem Herzen Gefühle teilnehmender tätiger Nächstenliebe zu erwecken! Lass kein Mittel unbenutzt, um Gott zu bewegen, deinen heidnischen Brüdern zum wahren Glauben zu verhelfen.



14.06.2020
228. Die Tempelreinigung
(Mt 21, Mk 11)

III Jesus wirkt neue Wunder zugunsten der Armen und Demütigen
Im Tempel kamen Blinde und Lahme zu Ihm, und Er heilte sie. Als die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die Er wirkte, und die Kinder, die im Tempel laut riefen: «Hosanna dem Sohne Davids!» wurden sie unwillig.
Betrachte den Heiland inmitten der Leidenden und der Kinder. Das sind Seine Auserwählten, die in Seinem Herzen einen Ehrenplatz einnehmen. Er ist wahrhaft die göttliche Güte, die für unser Heil Mensch geworden ist.
Weshalb drängen sich die Verlassenen und Demütigen zu Ihm hin? Sie flehen um Sein Erbarmen, sie unterwerfen sich Seinem heiligen Willen, denn sie haben erkannt, dass Er alle Macht im Reich der Natur und der Gnade besitzt. Von Seiner Allmacht erwarten sie das Licht der Augen und neue Kraft des Leibes und der Seele, und ihre Erwartungen sollen nicht getäuscht werden.
Durch ihre Anwesenheit wird der Tempel wahrhaft ein Bethaus, aus dem unaufhörlich Bitte und Dank zum Himmel emporsteigen. Sie sind herbeigeeilt, um sich vor ihrem Herrn und Gebieter niederzuwerfen, um Ihm ihre Not zu klagen und laut zu bekennen, dass Seiner Güte alles möglich ist. Da aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Knaben sahen, die im Tempel riefen und sangen: «Hosanna dem Sohne Davids!» da wurden sie unwillig und sprachen zu Ihm: «Hörst Du, was diese sagen?» Jesus aber sprach zu ihnen: «Habt ihr niemals gelesen: Aus dem Munde von Kindern und Säuglingen lässt Du Dein Lob verkünden?» Vereinige deine Stimme mit jenen der unschuldigen Kinder, die laut das Lob Gottes verkünden. Erwecke glühende Akte des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe!



13.06.2020
228. Die Tempelreinigung
(Mt 21, Mk 11)

II Jesus begibt Sich zum Tempel und vertreibt die Verkäufer
Darauf ging Jesus in den Tempel Gottes, trieb alle Käufer und Verkäufer im Tempel hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und sprach zu ihnen: «Es steht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus genannt werden. Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht.»
Begleite Jesus in den Tempel! Er gebraucht Sein Ansehen dazu, die Ehre Seines himmlischen Vaters zu vermehren, und da Er diese Ehre beeinträchtigt sieht, entzündet Ihn heiliger Eifer. Unbekümmert um die Zahl und Stärke Seiner Feinde, schreitet Er gegen die Verunehrungen des Tempels ein und beschließt Sein öffentliches Leben, wie Er es begonnen hat, im Kampf für die Interessen Gottes.
Sieh, welche Unziemlichkeiten im Vorhof des Tempels stattfinden und wie man durch lärmendes Treiben die Heiligkeit des Ortes schändet. Wer kann beschreiben, welche Entrüstung das Herz des Heilands erfüllt beim Anblick dieser Menschen, die über irdischen Sorgen den Gedanken an ihre ewige Bestimmung aus dem Auge verlieren. Dieses Haus ist ein Bethaus, das der Andacht, der Herzensreinheit, der Selbstlosigkeit und der Gerechtigkeit offensteht.
Alles soll hier der Gegenwart Gottes würdig sein und Seiner Erhabenheit und Heiligkeit entsprechen. Aber die Menschen, die dort weilen, denken nur an sich; sie bringen in das Heiligtum ein Herz mit, das ganz von niedrigem Interesse erfüllt ist, und überlegen nur, wie sie ihren Besitz vermehren können. Bei ihnen muss selbst das Heilige den irdischen Zwecken dienen.
Denke über das Empörende dieser Handlungsweise nach. Nimm dir die Lehre zu Herzen, die Jesus in ungewohnter Strenge jenen Menschen mitteilt. Wenn schon der steinerne Tempel so rein sein soll, wie viel reiner muss der geistige Tempel Gottes, deine Seele sein!



12.06.2020
228. Die Tempelreinigung
(Mt 21, Mk 11)

I Jesus zieht im Triumph in Jerusalem ein
Bei Seinem Einzug in Jerusalem geriet die ganze Stadt in Aufregung. «Wer ist Dieser?» fragte man. Die Volksscharen sagten: «Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa!»
Jesus betritt Jerusalem als Sieger, und die ganze Stadt gerät in Aufregung: Neugierde bei den einen, Überraschung bei den anderen; Furcht vor der Herrschaft Jesu bei denen, die Ihn hassen, unsägliche Freude, heilige Zuversicht und Begeisterung bei denen, die an Ihn glauben und Ihn als Herrscher aller Menschen ersehnen.
Sieh, wie die Menge von allen Seiten herbeiströmt! Einer ruft dem andern zu: «Wer ist Dieser? Wie kommt es, dass man Seinetwegen so viel Aufsehen macht und dass sein Erscheinen einen solchen Sturm der Begeisterung entfesselt?»
Beachte, dass das Volk diese Frage am besten beantwortet, indem es sagt: «Dies ist Jesus, der Prophet von Nazareth.» Während die Gelehrten nichts von Jesus und Seiner Sendung wissen wollen, erkennen Ihn die demütigen, einfachen und gelehrigen Seelen. Er ist die Weisheit der Demütigen, die Wissenschaft der Unwissenden, der Reichtum der Armen. Bete Ihn an, und verkünde laut Sein Lob!



11.06.2020
227. Jesus beklagt den Widerstand Jerusalems
(Joh 12, Lk 19)

II Jesus weint beim Anblick Jerusalems und sagt das traurige Schicksal dieser Stadt voraus
Als Er näherkam und die Stadt erblickte, weinte Er über sie und sprach: «Möchtest du es doch erkennen an diesem deinem Tage, was dir zum Heile dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.»
Der Heiland trauert beim Anblick Jerusalems. Vernimm Seine Klage und tue dein möglichstes, Ihn zu trösten! Hinter jenen Mauern, die sich vom Horizont abheben, erkennt Sein durchdringendes Auge verblendete, undankbare Menschen, die der erkannten Wahrheit hartnäckig widerstehen, und schmerzerfüllt ruft Er aus: «Wenn doch auch du es erkannt hättest, was jenen klar geworden, die Mir hier zujubeln. Hättest doch auch du gläubig Meiner Lehre gelauscht und sie mit reinem, demütigen Herzen aufgenommen!»
Aber Jerusalem versteht Ihn nicht, es hat vom göttlichen Meister nicht lernen wollen und deshalb wird es verworfen. Sieh, welch trauriges Schicksal jene ereilt, welche die Autorität Christi nicht anerkennen wollen. Die Stunde kommt, in der die Langmut Gottes erschöpft ist und die hartnäckig Widerstrebenden der Gerechtigkeit überliefert werden. Die unendliche Weisheit lässt es zu, dass alle, die ihre Herzen ganz bewusst der erkannten Wahrheit verschließen, am Ende der Verblendung anheim fallen.
«Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen.» — Nicht als ob das himmlische Licht sich den Augen der Menschen entzöge, aber die Augen der Menschen entziehen sich dem Licht Gottes, und die Folge davon ist, dass sie den herannahenden Feind nicht rechtzeitig erkennen werden. «Denn es werden Tage über dich kommen, da deine Feinde dich mit einem Wall umgeben, dich ringsum einschließen und dich von allen Seiten einengen werden. Sie werden dich und deine Kinder, die in dir sind, zu Boden schmettern und werden in dir keinen Stein auf dem andern lassen, deshalb, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.» — Eile der Zeit voraus, und während Jesus die unglückliche Stadt beweint, denke an das Schicksal, das sie wenige Jahre später ereilt. So wird es jedem ergehen, der wie sie der Gnade widerstrebt; darum sorge beizeiten dafür, dass nicht ein ähnliches Schicksal dich erreiche. Tritt zum Heiland hin und bitte Ihn, Sich dir vollkommen zu offenbaren, damit du dich nicht länger weigerst, Ihm vollkommen anzugehören. Bitte Ihn, dir durch Seine Tränen vom himmlischen Vater Gnade und Barmherzigkeit zu erlangen und niemals zuzulassen, dass du verlorengehst!



10.06.2020
227. Jesus beklagt den Widerstand Jerusalems
(Joh 12, Lk 19)

I Jesus tadelt die Eifersucht der Pharisäer
Die Pharisäer aber sagten zueinander: «Da seht ihr, dass ihr nichts ausrichtet. Alle Welt läuft Ihm nach!» Da sagten einige Pharisäer aus der Volksmenge heraus zu Ihm: «Meister, verbiete das deinen Jüngern.» Er entgegnete ihnen: «Ich sage euch, wenn diese schweigen, werden die Steine rufen!»
Sieh, wie einige Pharisäer sich mit einem Vorwurf an den Heiland wenden. Sie haben sich den wahren Jüngern Christi beigesellt und gleichen dem Unkraut unter dem Weizen. Damit wir uns nicht in falscher Sicherheit wiegen, zeigt der Herr uns durch diese Begebenheit, dass hier auf Erden Sein Triumph niemals vollkommen sein wird. «Verweise es Deinen Jüngern», rufen die Pharisäer in ihrer Unvernunft und Gottlosigkeit aus. «Lass es nicht zu, dass Deine Jünger Dein Lob verkünden, dass sie Dich als den verheißenen Messias, den Sohn Davids und die Erwartung aller Völker preisen. Weise sie zurecht und zeige, dass eine solche Sprache dir missfällt!»
So spricht verwundeter Stolz. Jesus antwortet den Pharisäern, dass die Wahrheit allen Menschen offenbar werden muss. Die Demut besteht nicht darin, die Wahrheit zu verschweigen, sondern sie so kundzutun, dass alle Ehre Gott allein erwiesen wird. «Wenn diese schweigen, werden die Steine rufen!» Jesus will damit sagen: «Wenn die Menschen sich weigern, Meine Gottheit anzuerkennen, dann wird die unvernünftige Natur von Mir Zeugnis ablegen. Ihr wollt, dass ich Meinen Jüngern Schweigen gebiete, aber Ich werde sie im Gegenteil reden heißen und durch sie reden. Sie werden das verkünden, was Ich ihnen offenbare, und ich werde ihnen Beredsamkeit verleihen zur Verkündigung der göttlichen Macht und Glorie. Ich selbst habe ihnen jenen heiligen Eifer eingeflößt, an dem ihr Anstoß nehmt. Ich ziehe sie an, und sie folgen, Ich wirke verborgen in ihren Herzen, die sich Mir ganz hingeben.»
In dieser Sprache zeigt sich die unumschränkte Autorität Dessen, Den der himmlische Vater zu deinem Lehrer und Führer bestimmt hat. Eile in Seine Nähe und erkläre dich bereit, dem Sohn Gottes durch deine Liebe und Treue Genugtuung zu leisten.



09.06.2020
226. Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem
(Mt 21, Mk 11, Lk 19, Joh 12)

III Die Jünger, die Ihn begleiten, verkünden laut das Lob des Herrn
Schon näherte Er sich dem Abhang des Ölberges, da begann die ganze Schar Seiner Jünger, voll Freude Gott laut zu preisen ob all der Wundertaten, die sie gesehen hatten. Sie riefen: «Gesegnet sei der König, Der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und Ehre in der Höhe!»
Betrachte die Volksmenge, die dem Heiland entgegeneilt, und nimm dir ein Beispiel an ihrem lebendigen Glauben, ihrer begeisterten Frömmigkeit und ihrer überströmenden Freude.
Von allen Seiten dringen jubelnde Zurufe an das Ohr des Herrn. Die Wahrheit Seiner Lehre, die Erhabenheit Seiner Person, die Heiligkeit Seines Lebens und die Schönheit Seiner Werke scheinen plötzlich mit überwältigender Beredsamkeit zum Volk zu sprechen, und in heiliger Begeisterung ruft es aus: «Der Friede mit dem Himmel ist geschlossen, das Reich der Gerechtigkeit ist wieder hergestellt, die Bande der Knechtschaft sind gesprengt und Israel ist gerettet.»
Nimm den grünen Palmzweig in die Hand als Zeichen des Sieges, den du über deine bösen Neigungen davontragen willst, und schließe dich dem Triumphzug an. Der Heiland zieht als Sieger einher und weckt Jubel und Freude überall, wohin Er kommt. Seine Jünger erzählen sich von den Wundern, die sie gesehen haben. Sie genießen miteinander das Glück, das man in der Nachfolge Christi empfindet, und gedenken der Wohltaten, womit Er die Seinen überhäuft. Nimm teil an ihren Entschlüssen, und glaube fest, dass auch du unter seiner Herrschaft das Glück finden wirst. Rufe Ihm freudig entgegen «Hochgelobt sei, Der da kommt im Namen des Herrn», und gib dich Ihm ganz hin!



08.06.2020
226. Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem
(Mt 21, Mk 11, Lk 19, Joh 12)

II Jesus erscheint als König vor dem Volk, das Ihm entgegeneilt
Die Abgesandten gingen hin und fanden es, wie Er ihnen gesagt hatte. So brachten sie das Füllen zu Jesus, legten ihre Kleider darauf und hoben Jesus hinauf, damit erfüllt würde, was durch den Propheten gesagt ist, der da spricht: Sagt der Tochter Sion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig reitend auf einer Eselin, auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttieres.
Bewundere die erhabene Schönheit der Größe des Herrn, Der sich demütigt. Jesus erfüllt eine Prophezeiung, indem Er diesen Triumph feiert. Sein himmlischer Vater selbst hatte es so bestimmt; schon vor Jahrhunderten fand Gott unendliches Wohlgefallen an Seinem Sohn, wie Er auf Seinem Weg die Huldigungen einfacher aufrichtiger Herzen entgegennimmt.
«Sieh, dein König kommt», hatte der Prophet verkündet. Und so ist Er wirklich gekommen, und Er verlangt danach, dass du Ihn anerkennst. Er ist der Sohn Gottes, der König der Könige, der Herr der Engel und Menschen und der unumschränkte Gebieter des Weltalls. Er ist die Gerechtigkeit, die Weisheit, die Güte und Heiligkeit.
Die Gerechten finden in Ihm ihren Lohn, die Armen und Kleinen einen Beschützer. Er stützt die Schwachen und macht Sich zum Anwalt der Bedrückten.
All Seine Untertanen sind vor Ihm gleich, und jeder hat freien Zutritt zu Ihm. Er bietet allen Seine Gnaden an, Er nimmt Anteil an dem Schicksal eines jeden, ohne auf den Stand oder Reichtum zu achten. Er kommt denen zuvor, die sich fürchten, sich an Ihn zu wenden, Er ist der Freund und Bruder Seiner Untertanen. Sein Herz umfasst sie mit unendlicher Liebe, und Er wird sein Leben für sie hingeben. Wirf dich Ihm zu Füßen und jauchze Ihm «Hosanna» zu, kommt Er ja auch, um von deinem Herzen Besitz zu ergreifen. Lass diesen Tag zu den schönsten deines Lebens zählen!



07.06.2020
226. Der feierliche Einzug Jesu in Jerusalem
(Mt 21, Mk 11, Lk 19, Joh 12)

I Jesus sendet zwei Seiner Jünger voraus, um die Vorbereitungen zu treffen
Als Er in die Nähe von Bethphag und Bethanien an den Berg kam, der Ölberg heißt, entsandte Er zwei Seiner Jünger mit dem Auftrag: «Geht in das Dorf, das vor euch liegt. Dort werdet ihr am Eingang ein Füllen angebunden finden, auf dem noch niemand gesessen hat. Bindet es los und führt es her.»
Schließe dich dem Heiland an auf Seinem Weg von Bethphage nach Jerusalem! Er hat die Absicht, auf die Mordanschläge Seiner Feinde mit einem glänzenden Triumphzug zu antworten. Biete Ihm zur Ausführung Seines Planes deine Mitwirkung an; verdient Er doch alle Verherrlichung. Bedenke, dass Sein feierlicher Einzug in die jüdische Hauptstadt nur ein Vorbild und gleichsam das Vorspiel jener Siege ist, die Er in den Menschenseelen erringen wird. Dein Herz ist jene Stadt, in die der Heiland als Sieger einziehen will, um dort als König zu herrschen, und Er wünscht, dass du Ihm weit die Tore öffnest.
Beachte, dass Jesus Seine Befehle erteilt wie einer, der Gewalt besitzt: «Geht, bindet sie los, führt sie zu Mir und sagt, der Meister bedürfe ihrer. Dem Sohn Gottes gehört alles, denn Er hat alles geschaffen, und deshalb hat kein Mensch das Recht, sich Seinen Forderungen zu widersetzen. Aber ist es nicht erstaunlich, dass Er, Dem alles gehört, Sich mit so wenigem begnügt? Seine Herrschaft hat eben nichts gemein mit irgendeiner weltlichen Machtentfaltung. Die Könige dieser Welt sind nur Menschen und müssen deshalb ihrer Regierung den Stempel einer Macht aufdrücken, die ihnen in Wirklichkeit fehlt; Jesus aber ist die Allmacht und bedarf keines äußeren Glanzes. Je weniger Wert Er bei seinem Triumphzug auf Äußerlichkeiten legt, um so glänzender wird Seine Herrlichkeit erstrahlen. Er wird sich um so eindrucksvoller als der unendlich gerechte, sanftmütige und demütige König Sions offenbaren.
Beteilige dich an den Vorbereitungen zu Seinem Triumph! Bitte Ihn, Er möge dir sagen, durch welche Gabe und welchen Schmuck du Ihn am besten ehren kannst. Bringe alles herbei, was Ihn erfreuen kann, und stelle es Ihm großmütig zur Verfügung.



06.06.2020
225. Das Gastmahl zu Bethanien
(Joh 12, Mt 26, Mk 14)

III Jesus tadelt Seine Jünger und lobt Maria
Jesus erwiderte: «Was kränkt ihr diese Frau? Lasst sie! Sie hat ein gutes Werk an Mir getan. Denn indem sie Salbe über Meinen Leib ausgoss, hat sie es zu Meinem Begräbnis getan.»
Jesus Selbst verteidigt die zarte Frömmigkeit Seiner Dienerin. «Was betrübt ihr diese Frau?» fragt Er. «Sie hat Mich besser verstanden als ihr, und ihre Tat ist Mir wohlgefälliger, als all eure Träume von Werken der Nächstenliebe. Sie verehrt bereits Geheimnisse, die ihr noch nicht ahnt. Sie schreitet euch voran auf dem Weg zum Kalvarienberg und wird sich dort stärker zeigen als ihr. Ihr findet sie zudringlich, Ich aber heiße sie willkommen.»
Denke über die Worte des göttlichen Meisters nach. Eine arme, schwache Frau, eine reuige Sünderin hat in der Schule des Heilands mehr gelernt als Seine Jünger. Warum? Weil ihr Herz bei dem ist, was Jesus sagt, und weil ihre Liebe alle menschlichen Vernunftgründe zum Schweigen bringt. Ihr Herz nimmt die göttliche Lehre tief in sich auf. Wenn es sich darum handelt, Jesus in ihrem Haus zu empfangen, Ihm zu folgen, mit Ihm zu sprechen und Ihn zu ehren, so befragt sie ihr Herz um Rat und befolgt dessen Weisung. Sie kann dich lehren, im geistigen Leben Fortschritte zu machen.
Jesus begnügt sich nicht damit, Marias Liebeswerk zu verteidigen. Er lobt sie vor allen Anwesenden und fordert alle kommenden Geschlechter auf, sich an ihr ein Beispiel zu nehmen. «Wahrlich, ich sage euch: Überall in der ganzen Welt, wo dieses Evangelium verkündet wird, wird man auch zu ihrem Andenken erzählen, was sie getan hat.» — Gott hat das Weltall geschaffen um der Menschen willen, die Ihn lieben, und deshalb verdient eine Tat reiner Liebe das Lob des göttlichen Meisters und unsere Bewunderung und Nachahmung.



05.06.2020
225. Das Gastmahl zu Bethanien
(Joh 12, Mt 26, Mk 14)

II Die Gäste nehmen Anstoß an der Handlungsweise Marias
Einer der Jünger, Judas Iskariot, der Ihn verraten sollte, sagte: «Warum hat man dies Salböl nicht für dreihundert Denare verkauft und diese unter die Armen verteilt?»
Die Jünger murren. Wer weniger liebt, der hat auch weniger Verständnis, wer gar nicht liebt, hat überhaupt kein Verständnis für diese Art der Gottesverehrung. Aber die wahrhaft fromme Seele lässt sich durch den Tadel der Menschen in ihrem Tun nicht beirren. Was sie unter der sterblichen Hülle des Heilands entdeckt, ist so erhaben, dass sie Seinetwegen gern allen Tadel, alle Kritik und allen Spott auf sich nimmt. «Wozu diese Verschwendung?» rufen die Jünger aus. Sie verstehen nicht, wie diese Salbung zeigen soll, dass unserem göttlichen Meister alle Ehre gebührt und dass Er gern die Huldigungen annimmt, die unsere Liebe Ihm bereitet. Wenn wir durch dergleichen gute Werke die wirkliche Gegenwart des Herrn in unserer Mitte feiern, so schädigen wir damit keineswegs die Armen. Marias Handlung soll uns ferner lehren, dass wir unsere Pflicht tun, wenn wir uns im Dienst Jesu Christi auszeichnen. Durch die Gaben, die wir Ihm darbringen, geben wir Ihm nur, was Ihm gebührt; denn alles, was wir besitzen, ist sein Eigentum.
Trenne dich von denen, die murren, und erkläre dich völlig einverstanden mit dem, was Maria tat, noch ehe der Heiland das Wort ergreift, um sie zu verteidigen.



04.06.2020
225. Das Gastmahl zu Bethanien
(Joh 12, Mt 26, Mk 14)

I Maria Magdalena bringt dem Heiland ihre Huldigung dar
Sechs Tage vor dem Osterfest kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus wohnte, den Jesus von den Toten auferweckt hatte. Dort bereitete man Ihm ein Gastmahl. Martha bediente, und Lazarus gehörte zu denen, die mit Ihm zu Tisch saßen.
Martha bedient den Herrn. Ihr Herz fließt über von Dankbarkeit gegen Jesus, der ihren Bruder, den sie als tot beweinte, wiedergegeben hat. Lazarus, der noch vor wenigen Tagen im Grab ruhte, befindet sich unter den Geladenen. Er ist ein lebendiges Zeugnis für die Allmacht des Sohnes Gottes.
Da nahm Maria ein Pfund echten, kostbaren Nardenöls, salbte damit die Füße Jesu und trocknete sie mit ihren Haaren. Dann zerbrach sie das Alabastergefäß und goss das Salböl über Sein Haupt aus. Der Duft des Salböls erfüllte das ganze Haus. Sieh Maria zu den Füßen Jesu! Der Heiland selbst sagt von ihr: «Sie hat ein gutes Werk an Mir getan.» Sie lehrt dich die Werke der Frömmigkeit, der die Liebe immer neue Mittel und Wege zeigt, Gott zu huldigen und Ihn zu ehren. Nicht die Mannigfaltigkeit religiöser Übungen macht die Frömmigkeit aus, sondern die Gesinnung der Liebe, der unsere Werke entspringen. Der Heiland sieht, wie Marias Herz vor Liebe überströmt und beim Gedanken an Seinen bevorstehenden Tod leidet. Sie zeigt dir, dass Jesus in unseren Gaben vor allem unsere Liebe sucht, ohne die Ihm kein Opfer gefallen kann.
Maria opfert dem Heiland das Beste, was sie hat, und sie opfert es in der zartesten Weise. Sie behält nichts für sich, und um nur ja alles zu geben, zerbricht sie sogar das Alabastergefäß. Hoher Wert der Gaben und Zartgefühl im Geben, das sind die Merkmale großmütiger Liebe. Das Herz des Heilands frohlockt. Ist Er nicht vom Himmel gekommen, um die vollkommene Gottesverehrung zur Blüte zu bringen? Vermehre Seine Freude, indem du Maria nachahmst. Vertiefe deine mangelhafte und oberflächliche Frömmigkeit!



03.06.2020
224. Die Heilung eines Blinden nahe bei Jericho
(Mk 10, Mt 20, Lk 18)

II Jesus ruft den Blinden zu Sich und gibt ihm das Licht der Augen wieder
Da blieb Jesus stehen und sprach: «Ruft ihn her!» Sie riefen den Blinden heran, und Er fragte ihn: «Was willst du von mir?» «Meister», bat der Blinde, «mach, dass ich sehen kann.» Jesus sprach zu ihm: «Geh hin, dein Glaube hat dich gesund gemacht.» Sogleich konnte er sehen und folgte Ihm auf dem Weg.
Der Blinde wird zum Heiland geführt. Jesus fragt ihn: «Was willst du, dass Ich dir tun soll?», und der Blinde ruft aus: «Meister, dass ich sehend werde!» Er weiß besser als du, den Wert und die Wohltat des Lichtes zu schätzen.
Hegst du nicht für dich selbst und die deinigen den gleichen Wunsch wie jener Blinde? Möchtest nicht auch du den göttlichen Meister bitten: «Gib, dass ich Dich sehe, damit ich die Schönheit Deiner menschlichen Natur, die Erhabenheit Deiner göttlichen Würde, die Zärtlichkeit Deines Erbarmens und die Wunder Deiner Weisheit erkenne. Gib, dass ich in einem neuen Licht den Weg erkenne, den ich wandeln muss, um im Tugendleben Fortschritte zu machen. Gib, dass ich sehe.» — Wenn du es willst, so wird der Heiland Selbst das Licht deiner Seele werden, Er wird dir deinen Lebensweg erhellen und dir die Gnade verleihen, alles Irdische vom Standpunkt der Ewigkeit aus zu beurteilen. Er erhört alle, die zu Ihm rufen.
«Öffne die Augen!» befiehlt Jesus dem Blinden. Suche dir eine Vorstellung von dem Glück dieses Mannes zu machen, der seine Augen dem Licht öffnet und Jesus vor sich sieht. Was tut er? Wie sucht er seinem Wohltäter zu danken? Was bietet er Ihm als Gegengabe? Die Menge vereinigt sich mit dem Geheilten, um Gott zu loben und zu preisen; stimme auch du in ihre Dankesbezeugungen ein und folge mutig und entschlossen dem Heiland auf dem Weg, den Er dir vorangeht.



02.06.2020
224. Die Heilung eines Blinden nahe bei Jericho
(Mk 10, Mt 20, Lk 18)

I Jesus hört die Bitte des Blinden
Sie kamen nach Jericho. Als Er mit Seinen Jüngern und einer zahlreichen Volksmenge von Jericho aufbrach, saß ein blinder Bettler am Weg, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, Jesus von Nazareth sei da, rief er laut: «Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner!»
Jesus verlässt Jericho, wo Er neue Jünger gewonnen hat. Begleite Ihn mit der Menge! Er ist das Licht der Welt, und Er kommt, um den Menschen dieses Licht mitzuteilen.
Der Blinde am Weg hört die vorbeiziehenden Scharen und fragt, was der Lärm zu bedeuten habe. Man antwortet ihm: «Jesus von Nazareth geht vorüber!» Sogleich erwacht in seinem Herzen die Hoffnung: «Jesus kommt und wird mich heilen.» Das Licht naht sich ihm, der Blinde fühlt Seine Nähe. Er sehnt sich nach dem Licht, wie nur ein Mensch sich danach sehnen kann, der es lange Jahre hat entbehren müssen. Er beneidet alle, die das Glück haben, Jesus zu sehen. Er ist überzeugt, dass der Heiland, Den man als so gütig geschildert hat, nicht vorübergehen wird, ohne ihm das zu geben, was ihm fehlt. Deshalb fleht er so inständig: «Jesus, Du Sohn Davids, erbarme Dich meiner!»
Wer sind jene, die den Blinden zurückhalten wollen und ihm Schweigen gebieten? Es sind Menschen, die sich für einsichtiger halten als die übrigen und die glauben, die beste Art, von Jesus die Erfüllung einer Bitte zu erlangen, sei nur ihnen bekannt. Sie sind die wahrhaft Blinden, denn das Verständnis des Evangeliums ist nur der Anteil der einfältigen Seelen. Der Blinde lässt nicht nach, und er tut wohl daran. Wer den aufrichtigen Wunsch hat, Jesus zu sehen, der wird Ihn sehen. Du musst nur ernstlich wollen, und alles, um was du bittest, wird dir gegeben werden.



01.06.2020
223. Das Gleichnis von den zehn Pfunden
(Lk 19)

III Die Strenge Jesu
«Der dritte kam und sagte: Herr, hier ist Dein Pfund. Ich habe es im Schweißtuch aufbewahrt. Ich fürchtete mich nämlich vor Dir, weil Du ein strenger Mann bist. Du nimmst, was du nicht angelegt, und erntest, was Du nicht gesät hast.»
Beobachte den ungetreuen Knecht vor dem Thron des göttlichen Richters. Wie sucht er sich zu verteidigen? Er sagt: «Ich gebe Dir wieder, was ich von Dir empfangen habe.» Aber der Richter antwortet: «Das genügt nicht.» Wenn Gott uns Gnaden und Talente gibt, dann verlangt Er von uns, dass wir sie in Seinem Dienst gebrauchen, und es hieße Gottes Ehre schmälern, wenn wir Seine Talente vergraben wollten. Die Unterlassung des Guten ist in Seinen Augen schon strafbar. Der unglückliche Knecht hat seinen Herrn nicht verstanden. Er fasst sein Verhältnis zu Gott nicht richtig auf, schätzt Seine Gnaden nicht, wie es sich gebührt, und weiß nicht, den rechten Gebrauch davon zu machen. «Ich weiß, daß Du ein strenger Mann bist», sagt er, «und deshalb habe ich es vorgezogen, anderen Herren zu dienen.»
Das Urteil der göttlichen Gerechtigkeit lautet: «Nehmt ihm das Pfund und gebt es dem, welcher die zehn Pfunde hat!» So geraten alle, welche die Talente, die Gott ihnen anvertraut hat, nicht in der rechten Weise verwerten, in die äußerste Not. Erforsche dich über dein verflossenes Leben, und sieh zu, wieviel Gnaden du unbenutzt gelassen hast! Erbitte dir vom Heiland Verständnis für die Anforderungen des Lebens, Gehorsam gegen Sein Gesetz, großmütige Treue in Seinem Dienst und einen starken, unbesiegbaren Mut. Bitte Ihn besonders, daß Er sich dir offenbare; denn viele Menschen gehen verloren, weil sie den Heiland gar nicht oder nicht genügend kennen.


31.05.2020
223. Das Gleichnis von den zehn Pfunden
(Lk 19)

II Der Großmut Jesu
«Als er nun doch mit der Königswürde heimkehrte, ließ er die Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu sich rufen, um zu erfahren, wieviel ein jeder erworben habe. Der erste kam und sagte: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund hinzu gewonnen.»
Die Zeit der Arbeit ist verstrichen, und der Herr über Leben und Tod kommt, um uns nach unseren Werken zu richten. Das Schicksal derer, die vor Seinen Richterstuhl berufen werden, wird für alle Ewigkeit entschieden. «Was habt ihr für Mich getan?» spricht Er zu ihnen. «Ihr wisst, dass Ich kein Opfer gescheut habe, um euch die Pforten des Paradieses aufzuschließen, habt nun auch ihr eure ganze Kraft eingesetzt, der ewigen Seligkeit würdig zu werden?»
Vernimm die Antwort der Diener, die einer nach dem andern vor ihren Herrn hintreten. — «Ja!» rufen sie aus, «ja, Meister, wir haben für Dich gelebt; wir sind des Wortes eingedenk geblieben, das Du uns beim Abschied sagtest. Wir haben gearbeitet, gekämpft und gelitten und sind nie vom Weg deiner Gebote abgewichen. Es war unser beständiges Streben, die Tugenden zu üben, die Du uns durch Dein Beispiel lehrtest, und wir haben den Freuden und Verführungen der Welt tapfer widerstanden. Unsere Hoffnung ruhte in dir, denn Du hattest uns versichert: Ich werde wiederkommen. Und so haben wir Dich erwartet. Wohl schien die Zeit uns lang, aber wir harrten mutig aus. Sieh hier, was wir während deiner Abwesenheit erworben haben.»
So berichten die getreuen Diener von ihren Siegen. Sieh, wie sie dem göttlichen Meister die Huldigung eines ganzen Lebens der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit und der Treue darbringen, und wie Er ihnen den verdienten Lohn erteilt. «Wohlan ihr guten und getreuen Knechte», wird Er zu ihnen sagen, «ihr habt auf Erden eure Pflicht getan; nun geht ein in die ewige Seligkeit. Ihr habt mir treu gedient und sollt jetzt mit mir herrschen.»



30.05.2020
223. Das Gleichnis von den zehn Pfunden
(Lk 19)

I Die Hoheitsrechte Jesu
Weil Er nahe bei Jerusalem war und weil die Leute meinten, jetzt müsse alsbald das Reich Gottes erscheinen, trug Er seinen Zuhörern noch ein Gleichnis vor.
Geselle dich den Jüngern zu, die den Herrn umgeben und Ihn nach Jerusalem begleiten. Viele sind immer noch der Meinung, dass Er dort ein neues irdisches Königreich gründen werde. Sie erwarten, an Seiner Seite irdischen Ruhm und Ehren zu finden, wie die Welt sie gibt. Als Lohn für ihre Treue erhoffen sie Ruhe, Wohlleben, Ansehen bei den Menschen und Befreiung von jeder lästigen Fessel. Zwar hat Jesus ihnen noch soeben gezeigt, daß Ihm einzig daran liegt, Seelen zu retten, Sünden zu verzeihen, jeden Schaden wiedergutzumachen und Gott Genugtuung zu leisten. Aber die Jünger haben davon nichts verstanden; Er muss ihre Anschauungen berichtigen und ihre Luftschlösser niederreißen.
Er sprach also: «Ein Mann von edler Abkunft zog in ein fernes Land, um sich die Königswürde zu holen und dann heimzukehren. Er rief darum seine zehn Knechte zu sich, übergab ihnen zehn Pfund und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich wiederkomme.» Durch ein Gleichnis wird der Heiland Seinen Zuhörern erklären, welcher Art das Reich ist, das Er auf Erden gründen will, welche Rechte Er selbst in diesem Reich besitzt und welche Pflichten für einen jeden Menschen daraus entspringen.
Jesus legt Sich Selbst den Königstitel bei, auf den Er ein Anrecht hat sowohl durch Seine Geburt als durch Sein Wirken und Leiden für die Menschen. Er ist König, und als solcher will Er herrschen. Seine Untertanen sollen sich Seinen Gesetzen unterwerfen und treu Seine Gebote halten. «Arbeitet mit den Talenten, die Ich euch anvertraut habe», befiehlt Er ihnen, «denn Ich werde kommen und Rechenschaft von euch fordern.»
Jesus bezeichnet damit die Lebensaufgabe des Menschen. Er sagt: «Ihr seid die Verwalter, die für die Güter des himmlischen Vaters verantwortlich sind.» Jesus ist unser König, der die Verwaltung leitet und Seine Untertanen lehrt, ihre Talente recht zu verwerten. Erforsche dich, welche Gaben dir Gott um Seines Sohnes willen verliehen hat und welchen Gebrauch du von diesen Gütern machen musst.



29.05.2020
222. Die Bekehrung des Zachäus
(Lk 19)

III Jesus kehrt in das Haus des Zachäus ein
Alle, die das sahen, murrten und sagten: «Bei einem Sünder ist Er eingekehrt.» Zachäus aber trat vor den Herrn hin und sprach: «Herr, die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich jemand betrogen habe, so erstatte ich es vierfach.» Jesus sprach zu ihm: «Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist.»
Sei Zeuge des Empfangs, der dem Herrn im Haus des Zachäus zuteil wird. Wer sind die übrigen Gäste? Arme Sünder wie du; und Jesus, Der den Ehrenplatz beim Mahl einnimmt, ist der Freund der Sünder. Von Ihm strömt Freude aus in jedes Herz, gibt es doch auf Erden keine größere Freude, als Den zu empfangen, der die Freude des Himmels ist.
Aber es genügt nicht, die Gegenwart des Herrn zu genießen, wir müssen auch etwas tun, um Ihn zu erfreuen. Seine Ankunft muss in unserem Leben eine Veränderung bewirken. Zachäus hat das verstanden, und deshalb spricht er zum Heiland: «Ich will um jeden Preis wieder gerecht werden, ich will Nächstenliebe üben, ich will wiedererstatten und freigebig spenden.» Vereinige dich mit dieser großmütigen Gesinnung und staune ob der durchgreifenden Umwandlung, die eine einzige Begegnung mit dem Heiland in einem wohl vorbereiteten Herzen bewirkt. Strebe auch du ernstlich nach wahrer Lebensbesserung.
Zachäus beschränkt sich nicht darauf, seine Vergehen zu beklagen, er benützt die nötigen Mittel, um das begangene Unrecht wieder gutzumachen. Wollen heißt, die geeigneten Mittel ergreifen, um seine Vorsätze auszuführen. So lerne denn wollen!
«Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren war.» — Er hat auch dich gesucht, Er ist zu dir gekommen und hat dich mit Wohltaten überhäuft. Was willst du Ihm zum Dank geben? Leiste Ihm wie Zachäus Ersatz für die Ehre, die deine Sünden Ihm geraubt haben. Löse die Bande, die dich noch an die Erde fesseln, gib Ihm das Beste, was du hast, und aus Furcht, Ihm nicht genug zu geben, gib Ihm alles, indem du großmütig alles opferst, was deinem Herzen teuer ist.



28.05.2020
222. Die Bekehrung des Zachäus
(Lk 19)

II Jesus äußert den Wunsch, in das Haus des Zachäus einzukehren
Als Jesus an die Stelle kam, schaute Er hinauf und sprach zu ihm: «Zachäus, steig schnell herab, denn Ich muss heute in deinem Hause weilen.» Er stieg schnell herab und nahm Ihn mit Freuden auf.
Jesus wendet Sich an den Zöllner und ruft ihn mit Namen. Er kennt seine Wünsche und schätzt seinen Eifer. Zachäus ist freudig überrascht. Er verlangte, den Herrn nur einen Augenblick zu sehen, und jetzt wird ihm das Glück zuteil, in aller Ruhe Seine heilige Gegenwart zu genießen. Er suchte Ihn draußen auf der Landstraße und ahnte nicht, dass der Herr sein Heim betreten würde. Er hielt sich für unwürdig, den Heiland anzureden, und nun wird ihm gar die Ehre, Jesus Gastfreundschaft zu erweisen. Die Größe einer so unverdienten Güte setzt sein Herz in Erstaunen, und bestürzt ruft er aus: «Meister, Du willst zu mir kommen? Weißt Du denn nicht, wer ich bin? Ist dir mein Vorleben unbekannt? Ich bin ein armer Sünder, der große Schuld auf sich geladen hat, ich verdiene weniger als alle anderen, Dich in meinem Haus zu beherbergen. Wenn indes der Wunsch, Dich zu sehen, Dir zu lauschen, mit Dir zu sprechen in Deinen Augen etwas gilt, dann kommt es mir mehr als allen anderen zu, Dir Gastfreundschaft zu erzeigen. Auch findest Du nirgends besser als bei mir die Gelegenheit, Barmherzigkeit zu erweisen, zu verzeihen und zu retten. Komm zu mir, Meister, und säume nicht!»
Lass dich von Zachäus belehren, wie man sich auf die Ankunft Jesu vorbereitet. Begleite ihn in sein Haus, und du wirst sehen, dass dieser Zöllner es versteht, den Herrn des Himmels und der Erde gastlich zu empfangen.



27.05.2020
222. Die Bekehrung des Zachäus
(Lk 19)

I Beim Durchzug durch Jericho bemerkt der Heiland den Zachäus
Er kam nach Jericho und zog durch den Ort. Da war ein Mann mit Namen Zachäus. Er war Oberzöllner und war reich. Gar gern hätte er Jesus von Angesicht gesehen, aber wegen der Menge Volkes konnte er es nicht, denn er war klein von Gestalt. Darum lief er voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Ihn sehen zu können, denn dort musste Er vorbeikommen.
Betritt mit Jesus die Stadt Jericho und erfreue dich über das Herbeiströmen der Menge! Erwecke in deinem Herzen die Glut heiliger Wünsche! Jetzt ist der Augenblick gekommen, den Heiland besser kennen- und inniger liebenzulernen, denn Er kommt, um sich denen zu offenbaren, die Ihn nicht kennen oder nur das wissen, was unbestimmte Gerüchte ihnen zugetragen haben.
Betrachte den Zachäus unter der Volksmenge! Er hat mehr als alle anderen den Wunsch, Jesus zu sehen. Was tut er, um diesen Wunsch zu verwirklichen? Er verliert keinen Augenblick, er entreißt sich den zeitlichen Geschäften und Interessen, er beeilt sich, um den anderen zuvorzukommen, und er sucht einen günstigen Platz, ohne sich daran zu stören, was man von ihm sagen wird. Man wird sicherlich über sein Benehmen spotten, aber ein Blick aus dem Auge des Herrn wiegt allen Spott auf.
So lehrt Zachäus dich, alle Trägheit und alle Menschenfurcht abzuschütteln. Was dir dein Heiland bringen wird, ist in der Tat wert, dass du tapfer gegen Lauheit, Zerstreuungen und sündhafte Gewohnheiten ankämpfst. Wenn du willst, dass Jesus dich unter der Menge bemerke und dich Seines vertrauten Umgangs würdige, so musst du dich vor allen auszeichnen.



26.05.2020
221. Vom Ehrenplatz im Reich Christi
(Mt 20, Mk 10)

III Jesus tadelt bei Seinen Aposteln das Streben nach Vorrang
Als die übrigen zehn das hörten, wurden sie über die beiden Brüder unwillig. Jesus rief sie darum zu Sich und sprach: «Ihr wisst, die Herrscher gebieten über ihre Völker und die Großen lassen sie ihre Macht fühlen. Unter euch soll es nicht so sein. Wer vielmehr unter euch groß sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht. So ist der Menschensohn auch nicht gekommen, Sich bedienen zu lassen, sondern vielmehr um zu dienen, ja Sein Leben hinzugeben als Lösepreis für viele.»
Beherzige die Worte des Heilands, Der die Gelegenheit benützt, Seine Jünger zur Demut zu ermahnen. Er wiederholt ihnen immer wieder, dass der wahre Ehrenplatz eines Apostels zu den Füßen Seiner Mitmenschen ist, dass Sein Ruhm darin besteht, den Armen und Hilfsbedürftigen, welche die göttliche Vorsehung ihm zuführt, zu dienen.
In der Kirche Jesu Christi ist die höchste Stelle die Stelle eines Dieners. Wer über seine Brüder erhoben wird, ist auch verpflichtet, ihnen zu dienen. Nach der christlichen Lehre besteht die Ausübung der rechtmäßigen Gewalt nicht darin, andere seine Macht fühlen zu lassen, sondern vielmehr darin, ihnen in Demut und Geduld Beweise der Liebe und Aufopferung zu geben.
Erforsche dich und sieh, wie tief du dich noch erniedrigen mußt, um den Forderungen des göttlichen Meisters gerecht zu werden.



25.05.2020
221. Vom Ehrenplatz im Reich Christi
(Mt 20, Mk 10)

II Jesus stellt den Eifer der beiden Brüder auf die Probe
Jesus entgegnete: «Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?» Sie antworteten Ihm: «Wir können es.»
Der Heiland antwortet auf die Bitte der Mutter, indem Er zu ihren Söhnen sagt: «Ihr wisst nicht, um was ihr bittet.» Sie stimmen mit den Wünschen ihrer Mutter überein, haben sie vielleicht gar zu der Bitte veranlasst. In dieser Familie wollen alle dem Heiland angehören und alle streben nach den Gütern, die Er vom Himmel auf die Erde gebracht hat.
Aber in ihre Bitte mischt sich noch menschlicher Ehrgeiz, deshalb stellt der göttliche Meister sie sanft zur Rede: «Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Ihr denkt an Ruhe, während euch noch schwere Kämpfe bevorstehen, und ihr verlangt gekrönt zu werden, bevor ihr noch gekämpft habt. Ihr träumt von Auszeichnungen und bedenkt nicht, dass ihr erst den Weg der Demütigungen gehen müsst.» So weist Jesus sie zurecht, ohne sie zu entmutigen.
Die Ehre eines Menschen besteht nicht darin, eine bevorzugte Stelle einzunehmen oder ein wichtiges Amt zu bekleiden, sondern vielmehr darin, dem himmlischen Vater Beweise von starker und großmütiger Liebe zu geben. Diese Wahrheit will der Herr ihnen ins Gedächtnis rufen, als Er sie fragt: «Könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinken werde? Ihr verlangt, die ersten zu sein unter den Fürsten des himmlischen Hofes, ich biete euch aber noch Besseres an: wollt ihr Märtyrer werden? Ich gehe zum Kalvarienberg; wollt ihr mit Mir gehen? Ich habe Anrecht auf alle Ehren, aber Ich erwähle die Schmach. Wollt ihr Meinem Beispiel folgen? Könnt ihr es?» «Wir können es und wollen es», antworten die beiden Jünger. Was denkt und empfindet die fromme Mutter bei diesen Worten? Sie ist tief ergriffen und vereinigt sich aus ganzem Herzen mit dem Opfer ihrer Söhne. Der Gedanke, dass der Heiland ihre Kinder zu Seiner Nachfolge erwählt hat, erfüllt sie mit dankbarer Freude.
Jesus sprach zu ihnen: «Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, den Platz aber zu meiner Rechten oder Linken habe nicht Ich zu verleihen; der gebührt denen, für die er von Meinem Vater bereitet ist.» — Ihr wollt Mir dienen, und ihr werdet es tun, und ich werde euch zu dem machen, wozu Ich euch von vornherein bestimmt habe. Überlasst die Sorge für alles übrige Meinem himmlischen Vater.»
Freue dich mit den Aposteln, an die der Heiland diese Worte richtet! Was würdest du antworten, wenn auch an dich die Frage erginge: «Kannst du den Kelch trinken, den Ich trinken werde? Bist du fähig, für die Ehre Jesu Christi etwas zu leiden?» Wer danach strebt, dereinst an den ewigen Freuden des Himmels teilzunehmen, der muss hienieden den Mut haben, den Leidenskelch zu trinken. Erbitte dir vom göttlichen Meister diesen Mut und vertraue fest auf Seinen mächtigen Beistand.



24.05.2020
221. Vom Ehrenplatz im Reich Christi
(Mt 20, Mk 10)

I Die Mutter des Jakobus und Johannes nähert sich Jesus mit einer Bitte
Da kam die Mutter der Söhne des Zebedäus mit ihren Söhnen zu Ihm und fiel vor Ihm nieder, um Ihm eine Bitte vorzutragen. Er fragte sie: «Was willst du?» Sie antwortete Ihm: «lass meine beiden Söhne in Deinem Reich den einen zu Deiner Rechten und den andern zu Deiner linken sitzen.»
Tritt mit der frommen Frau und ihren beiden Söhnen vor den Heiland hin. Glücklich die Mutter, welche die Glorie des Himmels dem irdischen Ruhm vorzieht und ihren mütterlichen Ehrgeiz einzig auf dieses Ziel richtet. Jesus fragt sie: «Was wünschst du, dass Ich für deine Kinder tun soll?» Er bietet ihr Seine Hilfe an, wie Er stets bereit ist, uns bei einem schwierigen Werk zu unterstützen. Vernimm die Antwort der Mutter: «Herr, berufe meine Söhne an Deine Seite, wenn Du von Deiner Herrlichkeit Besitz genommen hast. Sie gehören dir, ich habe sie Dir gegeben, ich habe ihnen erlaubt, Dir nachzufolgen, ich gebe sie Dir heute unwiderruflich. Weise ihnen an Deinem Thron einen Ehrenplatz an, damit sie glücklicher seien als alle anderen bevorzugten Seelen. Gib ihnen mehr als Du allen übrigen gegeben hast!»
Mit Freude lauscht der Heiland dem Gebet einer Mutter. Er unterbricht sie nicht, denn ihre Wünsche gefallen Ihm. Trotzdem kann Er sie nicht erhören, denn die Gnade, die sie erbittet, ist schon anderen auserlesenen Seelen bestimmt. Aber ihr Mutterherz soll dennoch zufriedengestellt werden. Selbst die besten Wünsche müssen sich dem Willen des himmlischen Vaters unterordnen, erst dann haben sie wahre und dauernde Freuden im Gefolge.



23.05.2020
220. Jesus sagt nochmals seine Leiden voraus
(Mt 20, Mk 10, Lk 18)

II Jesus lässt zu, dass Seine Jünger Seine Worte nicht verstehen
Sie verstanden aber nichts davon. Diese Rede war für sie dunkel, und sie begriffen nicht, was Er damit meinte.
Die Jünger verstehen ihren göttlichen Meister nicht. Nachdem sie drei Jahre lang Seinen Belehrungen gelauscht haben, bleibt ihnen die Notwendigkeit der Buße und der blutigen Sühne ein undurchdringliches Geheimnis. Sie können es nicht begreifen, dass Gott in das Leiden die Kraft gelegt hat, die Sünden der Menschen zu sühnen. Immer wieder stellen sie die gleiche Frage: «Wozu all die Leiden, wozu all die Schmach?» Ihnen fehlt der wahre Glaubensgeist. Ihr Glaube ist noch ganz befangen in menschlichem Denken. Sie beurteilen das Übernatürliche vom natürlichen Standpunkt aus, und dadurch werden sie irregeleitet. — Das Wort des Heilands allein muss die einzige feste Grundlage unseres Glaubens sein, denn es bringt unserem Geist Licht und Verständnis. Diese Wahrheit haben die Jünger noch nicht begriffen.
Ihnen fehlt ferner die innere Sammlung. Sie haben die Lehren des Herrn nicht genügend durchdacht, und deshalb sind sie so schnell ihrem Gedächtnis entschwunden. Die Übung der Abtötung und Selbstverleugnung ist ihnen nicht genügend vertraut, und daher erfassen sie die wohltätige Kraft des Kreuzes nicht.
Erbitte dir vom Heiland das Verständnis, das seinen Jüngern mangelt. Erflehe den Beistand des Heiligen Geistes, um die göttliche Lehre in dich aufzunehmen. Willst du nicht endlich die Großmut Jesu Christi nachahmen, die sich zu allen Opfern für das Heil der Seelen anbietet? Nimm wenigstens aus Seiner Hand dankbar dein tägliches Kreuz an; Er hat es gesegnet und reicht es dir hin.



22.05.2020
220. Jesus sagt nochmals seine Leiden voraus
(Mt 20, Mk 10, Lk 18)

I Jesus spricht zu seinen Jüngern von seinem bevorstehenden Leiden
Er nahm die Zwölf beiseite und sprach zu ihnen: «Wir ziehen hinauf nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben.»
Wenn du dich dem Heiland auf Seinem Weg näherst, so wird es dir auffallen, wie schnell Er voranschreitet, und du fragst dich unwillkürlich, welchem Ziel Er so eifrig zustrebt. Er geht, um für uns zu leiden und zu sterben. Noch einmal sagt Er es Seinen Jüngern voraus, damit sie sich daran erinnern, wenn für sie selbst der Augenblick gekommen sein wird, Sein Los zu teilen. Er versammelt sie um Sich. Nähere dich dem Heiland mit ihnen und lausche Seinen Worten: «Alles, was von Mir geschrieben steht, wird sich erfüllen. Was ihr in den Propheten gelesen habt und was euch mit Entsetzen erfüllte, wird sich vor euren Augen verwirklichen.»
Jesus spricht mit aller Bestimmtheit von Seinem bevorstehenden Leiden. «So wird es sich zutragen und in einem solchen Zustand werdet ihr Mich sehen; es muss so sein. Ich habe freiwillig diese Leiden und diesen Tod gewählt und Ich sehne mich danach, sie zu erdulden.» Suche das Geheimnis dieser Sehnsucht zu ergründen. Was lässt den Herrn die Schmerzen und die Schmach des Kreuzes so bereitwillig und mutig auf sich nehmen? Es ist die Liebe Seines Herzens. Über dem Kalvarienberg erstrahlt die Ehre Seines Vaters, und durch alle Schrecken und Leiden hindurch fällt Jesu Blick auf die Seelen, denen Sein Tod das Leben schenkt. Für Gott und für die Menschen; das ist die Ursache für Seine Entschlossenheit.
Man gibt sich im selben Grad hin, wie man liebt. Weil der Heiland unendlich liebt, ist Seine Hingabe ohne Maß. Die Liebe Seines Herzens schlägt Jesus ans Kreuz, und diese Liebe enthüllt Er uns, wenn Er von seinem Leiden spricht. Sage Ihm Dank und entzünde dein Herz an der Glut Seines göttlichen Herzens.



21.05.2020
219. Die letzte Reise des Herrn
(Lk 9)

II Jesus wird von den Samaritern abgewiesen
Allein man nahm Ihn nicht auf, weil Er auf der Wanderung nach Jerusalem war. So zogen sie denn in eine andere Ortschaft.
Betrachte den Heiland, wie Er vor den Toren der Stadt steht, in die man Ihn nicht einlassen will. Warum wollen die Einwohner nichts von Ihm wissen und warum weisen die Menschen Ihn zurück, Der gekommen ist, sie zu erlösen? Sie kennen Ihn nicht, sie wissen nicht, woher Er kommt, wohin Er geht und welches Seine Lebensaufgabe ist. Wenn sie dem Herrn nur ein wenig Zeit ließen, zu ihnen zu sprechen, wenn sie Ihm für kurze Zeit in ihrem Haus Gastfreundschaft gewährten, um Seiner Lehre zu lauschen, dann würden sie Ihn erkennen und lieben. Aber statt dessen verschließen sie ihre Türe vor Ihm wie vor einem lästigen oder gefährlichen Menschen. Sie weisen Ihn ab, weil sie sich selbst nicht kennen und nicht wissen, wie sehr sie eines Erlösers bedürfen. Ihr geistiges Elend kommt ihnen gar nicht zum Bewusstsein. Sie halten sich selbst für gerecht und es kümmert sie nicht, ob es noch einen höheren Begriff von Gerechtigkeit gibt. Wie beklagenswert sind diese Menschen.
Wirf einen Blick in dein Inneres! Gleicht deine Seele nicht jener ungastlichen Stadt, welche die entgegenkommende Liebe des Heilands abweist? Wenn du dir in dieser Beziehung Vorwürfe machen müsstest, so bitte Gott demütig um Verzeihung. Mache es dir zur heiligen Pflicht, Ihn durch deine Liebe zu trösten für die Kälte, mit der so viele Seelen Ihm begegnen, und versuche, Ihm durch sanfte Überredung in den Herzen derer, die du liebst, gastliche Aufnahme zu bereiten. Leiste deinem himmlischen Vater für die verletzte Ehre seines eingeborenen Sohnes Genugtuung durch Akte innigster Liebe.



20.05.2020
219. Die letzte Reise des Herrn
(Lk 9)

I Jesus begibt Sich auf den Weg nach Jerusalem und bittet die Samariter um Gastfreundschaft
Die Tage Seiner Aufnahme kamen näher heran. Da hatte Er fest im Sinn, nach Jerusalem zu reisen, und sandte Boten vor Sich her. Diese machten sich auf den Weg und kamen in eine Ortschaft der Samariter, um eine Herberge für Ihn zu bereiten.
Für den Heiland ist die Stunde gekommen, den Weg zum Kalvarienberg einzuschlagen. Er weiß, was Seiner wartet. In der Einsamkeit hat Er sich auf die Schmach Seines Leidens vorbereitet, und Er sieht allem mit Fassung entgegen. Er bietet Sich dem himmlischen Vater zum Opfer an und erneuert Seinen Entschluss, für uns zu sterben.
Begleite den Heiland auf Seinem Leidensweg! Du lernst da, der Eigenliebe abzusterben und dein Blut für die Ehre Gottes zu vergießen. Dort weiht Jesus die Seinigen in das unaussprechliche Glück eines heroischen Opferlebens ein. Jesus durchwandert auf Seiner Reise das Land der Samariter, wo die bloße Tatsache, dass Er nach Jerusalem geht, Ihn unerwünscht macht. Sobald die Bewohner dieser Gegend sehen, dass man gewissenhaft in der Erfüllung seiner religiösen Pflichten ist und mehr an die Ewigkeit als an das Zeitliche denkt, verschließen sie ihre Türen. Trotzdem schlägt der Heiland keinen anderen Weg ein, sondern betritt kühn ihr Gebiet. Bist auch du bereit, schweigend die Verachtung derjenigen zu ertragen, mit denen du zusammenleben musst, und dich durch nichts von dem Weg abbringen zu lassen, der zur Vollkommenheit führt.



19.05.2020
218. Jesus zieht sich in die Stadt Ephrem zurück
(Joh 11)

III Jesus entgeht den Nachstellungen Seiner Feinde
Darum bewegte sich Jesus nicht mehr öffentlich unter den Juden, sondern zog sich von dort in die Gegend nahe der Wüste in eine Stadt mit Namen Ephrem zurück.
Folge dem Herrn in die Einsamkeit, wohin Er sich zurückzieht, und verkoste das tiefe Glück des vertrauten Umgangs mit dem Heiland.
Bewundere in Vereinigung mit Ihm die göttliche Vorsehung, die selbst die Anschläge der Gottlosen ihren geheimnisvollen Absichten dienstbar macht. Der himmlische Vater hat um unseres Heils willen in den blutigen Tod Seines vielgeliebten Sohnes eingewilligt. Bringe Ihm den Dank der ganzen Menschheit dar, und bitte Ihn, dass deine Seele und die Seelen aller, die dir anvertraut sind, durch die sühnende Kraft des Blutes Jesu Christi gerettet werden. Sei bereit, gleich deinem Erlöser Hass und Verfolgung zu ertragen, und opfere dich ganz zur größeren Ehre Gottes auf.



18.05.2020
218. Jesus zieht sich in die Stadt Ephrem zurück
(Joh 11)

II Kaiphas und die Mitglieder des Hohen Rates beschließen, Jesus zu töten
Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, erwiderte ihnen: «Ihr versteht nicht und bedenkt nicht, dass es für euch besser ist, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht. Von diesem Tag an waren sie entschlossen, Ihn zu töten.
Der Hohepriester ergreift das Wort und ruft voller Stolz den Mitgliedern des Rates zu: «Ihr wisst nichts.» Sie sind seiner Ansicht nach zu ängstlich. Keiner von ihnen wagt es offen, von einer Hinrichtung Jesu zu sprechen. Nicht, als ob ihr Gerechtigkeitsgefühl sie davon abgehalten hätte; sie fürchteten nur, das Unternehmen möchte misslingen. Es liegt ihnen wenig am Leben des Heilands, aber sie sind sich bewusst, daß Sein Tod vielleicht ernstliche Unruhen heraufbeschwören würde. Kaiphas wird über ihr Zögern ungeduldig: «Versteht ihr denn nicht, dass es besser ist, wenn ein Mensch für das ganze Volk stirbt?» ruft er ihnen zu. Nein, sie begreifen es nicht, und er selbst ist nicht imstande, die Bedeutung seiner Worte zu erfassen.
Erhebe deine Gedanken zum himmlischen Vater, Der bei jeder Beratung den Vorsitz führt, Dem alle Pläne und Beschlüsse bekannt sind und Der die Herzen der Menschen lenkt. Hätten der Hohepriester und seine Ratsherren begriffen, dass es eines Sühnopfers bedurfte, um für ihre eigenen Sünden und die Sünden des Volkes Genugtuung zu leisten, dann hätten sie wohl in Jesus dieses Opfer erkannt und Gott gedankt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn für sie dahingab. Sie hätten ein Bußgewand angelegt und wären Jesus voll Andacht und Liebe zum Opferaltar gefolgt. Aber sie sind zu stolz, um ihre Sünden zu erkennen und einzugestehen. In ihren Augen ist Jesus der Schuldige. Die ewige Weisheit wird trotzdem ihre barmherzigen Absichten ausführen. Alle, die daran glauben, werden das Heil erlangen. Bete für die Bekehrung der Ungläubigen!



17.05.2020
218. Jesus zieht sich in die Stadt Ephrem zurück
(Joh 11)

I Jesus wird im Hohen Rat angeklagt
Da beriefen die Hohenpriester und Pharisäer den Hohen Rat und sagten: «Was fangen wir an, da dieser Mensch so viele Wunder wirkt? Lassen wir Ihn so gewähren, dann werden alle an Ihn glauben. Alsdann kommen die Römer und nehmen uns Land und Volk.»
Die Feinde des Heilands beschließen endgültig Seinen Tod. Ihr Beispiel zeigt dir, wohin Stolz, Eifersucht, Ehrgeiz und Parteilichkeit den Menschen führen können. Diese ungerechten Richter machen dem Herrn einen Vorwurf daraus, dass Er Wunder wirkt und durch Sein Wort die Seelen an sich zieht. Hätte nicht der gewaltige Einfluss der Lehre Jesu, die selbst widerstrebende Herzen zur Übung der schwersten Tugenden bewog, und die Fülle der von Ihm gewirkten Wunder sie von der Göttlichkeit seiner Sendung überzeugen müssen?
Aber wenn Er die Menge für Sich gewinnt, so werden diejenigen, die bisher das Volk täuschten, ihren Einfluss verlieren. Wenn Er die Demütigen erhöht, muss Er die Stolzen erniedrigen; wenn Er dem Reich der Ungerechtigkeit ein Ende macht, so müssen die Vertreter dieser Herrschaft das Feld räumen. Zwischen Jesus und Seinen Feinden entfesselt sich ein Kampf auf Leben und Tod. Daher fragen sie sich: «Was sollen wir tun? All unsere Versuche, Seine Anhänger von Ihm abwendig zu machen, sind fehlgeschlagen, Er ist in der Achtung des Volkes nur gestiegen. Alle Zweifel, die wir gegen Seine Wunder vorbrachten, haben nur dazu gedient, sie noch glaubwürdiger zu machen. Das Volk ist für Ihn, und wenn wir nicht rechtzeitig einschreiten, wird es sich gegen uns empören. Was sollen wir tun?»



16.05.2020
217. Die Auferweckung des Lazarus
(Joh 11)

III Jesus erweckt den Lazarus
Jesus gebot: «Hebt den Stein weg!» Martha, die Schwester des Verstorbenen, entgegnete Ihm: «Herr, er riecht schon. Er liegt ja bereits vier Tage.» Jesus erwiderte ihr: «Habe Ich dir nicht gesagt: Du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du glaubst?»
Verfolge das große Wunder der Totenerweckung in all seinen Einzelheiten. Der himmlische Vater will Seinen eingeborenen Sohn vor allem Volk verherrlichen. Die göttliche Allmacht ist bereit, das Werk, das der Tod vernichtet hat, wieder herzustellen. Die Betrübten sollen getröstet werden, denn der Tote wird auferstehen. Er wird die Stimme des Menschensohnes vernehmen, Der im Auftrag Seines Vaters spricht.
Jesus befiehlt den Juden: «Hebt den Stein weg!» Und Jesus beginnt zu beten, um uns zu zeigen, dass alle Wunder, die Er wirkt, alle Kraft und alles Leben, die von Ihm ausströmen, eine Frucht des Gebets sind. — «Vater, Ich danke Dir, dass Du Mich erhört hast. Ich aber wusste, dass Du Mich allezeit erhörst. Aber wegen des Volkes, das dabeisteht, habe Ich es gesagt, damit es glaube, dass Du Mich gesandt hast.» Jesus lehrt dich, wie du beten sollst, wenn du von der göttlichen Allmacht ein Wunder begehrst. Ehe Er Seine Bitte stellt, bringt Er der göttlichen Güte Seine Huldigung dar. Beachte ferner, dass der Heiland durch dieses Wunder uns im Glauben befestigen will! Die Bedeutung der Wunder besteht darin, uns von Seiner Gottheit zu überzeugen. Er wirkt sie keineswegs, um die Neugier der Menschen zu befriedigen.
Als Er dies gesagt hatte, rief Er mit lauter Stimme: «Lazarus, komm heraus!» Und sogleich kam der Verstorbene heraus, gebunden mit Grabtüchern an Händen und Füßen, und sein Angesicht war mit einem Schweißtuch bedeckt. Da sprach Jesus zu ihnen: «Macht ihn los und lasst ihn gehen.» — Vernimm die Stimme des göttlichen Meisters, die dem Tod gebietet, und betrachte denjenigen, der von den Gefilden der Ewigkeit zurückgerufen wurde! Noch ist sein Haupt mit einem Schweißtuch umhüllt, und seine Hände und Füße sind in Grabtücher eingebunden, aber in sein Antlitz kehrt das Leben zurück, er erhebt seine Stimme, um seinem Wohltäter zu danken. So steht Lazarus vor denen, die sein Hinscheiden so sehr beweint haben. Seine Auferstehung soll deinen Glauben beleben und dich bestärken in der Gewissheit, dass auch du einst zu ewigem Leben erstehen wirst. Nimm teil an der allgemeinen Freude und bitte den Sohn Gottes, dass Er dich heute noch von der Lauheit zu neuem Leben erwecken möge.



15.05.2020
217. Die Auferweckung des Lazarus
(Joh 11)

II Jesus am Grab des Lazarus
Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, wurde Er innerlich tief ergriffen und erschüttert. Er fragte: «Wo habt ihr ihn hingelegt?» Sie erwiderten Ihm: «Herr, komm und sieh!» Jesus brach in Tränen aus. Da sagten die Juden: «Seht, wie lieb Er ihn hatte!»
Trauer herrscht in den Herzen aller, die bei Jesus weilen. Betrachte deinen Heiland im Umgang mit den Betrübten. Da ist Er so ganz an seinem Platz; denn Sein himmlischer Vater hat Ihn auf die Erde gesandt, um allen Trauernden Trost und Hilfe zu bringen. Er blickt sie an, Er hört ihnen zu, und Er empfindet mit ihnen. Jesus ist wahrhaft einer der Unsrigen geworden und hat unsere Schmerzen zu den Seinen gemacht.
«Wo habt ihr ihn hingelegt?» fragt Er die Juden. «In dem Verstorbenen, den ihr so schmerzlich beweint, habe auch Ich einen Freund verloren.» Und sie fordern Ihn auf: «Komm und sieh.»
Geh mit Jesus zum Grab. Zeige Ihm, was der Tod aus dem Menschenleben macht, wie grausam er uns diejenigen entreißt, die wir lieben, und mit welcher Geringschätzung er alle Größe, alle Schönheit, allen Reichtum in Staub und Fäulnis verwandelt. Erinnere den Heiland an all die Tränen, die Schmerz und Leid den Menschen erpresst, an all die Klagen, die unaufhörlich aus gequälten Menschenherzen zum Himmel steigen. Sprich zu Ihm: «Meister, komm und sieh, heile unsere Wunden und trockne unsere Tränen.»
Und Jesus brach in Tränen aus. Das ist Seine Antwort. Seine Tränen sollen dir beweisen, dass Er an deinem Kummer innigen Anteil nimmt und deinen Schmerz lindern will. Du möchtest, dass Er dich und die Deinen vor dem Tod, dieser Folge der Sünde bewahre. Jesus hingegen bittet dich durch seine Tränen, der Sünde, dieser Ursache des Todes, zu entsagen.
Sieh wie Er weint! Knie schweigend vor den Heiland hin, lass Seine Tränen einem erquickenden Tau gleich in deiner Seele alles Gute beleben. Frohlocke, weil du die Gewissheit hast, dass das reinste und zärtlichste aller Herzen dich liebt! So wie Er Lazarus und seine Schwestern liebte, so liebt Er dich.



14.05.2020
217. Die Auferweckung des Lazarus
(Joh 11)

I Die Klage der Maria
Mit diesen Worten ging sie weg, rief ihre Schwester Maria und sagte ihr leise: «Der Meister ist da und ruft dich.» Kaum hatte jene das gehört, da erhob sie sich rasch und ging zu Ihm. Sobald Maria an den Ort kam, wo Jesus war, und Ihn sah, fiel sie Ihm zu Füßen mit den Worten: «Herr, wärest Du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben.»
Martha eilt zu ihrer Schwester Maria, um ihr schnell die frohe Nachricht von der Ankunft des Herrn zu bringen und ihr zu versichern: «Seine Liebe zu uns hat nicht abgenommen, Seine Wunderkraft ist nicht geschwächt. Er hat von der Auferstehung der Toten gesprochen. Er lässt dich rufen; Er weiß, wie sehr du leidest, und will dich trösten.» Teile die Freude Marias über diese Worte! Es wurde ihr gewiss nicht schwer, sich den menschlichen Trostworten ihrer Freunde zu entreißen. Begleite sie auf ihrem Weg zum Heiland, und sieh, wie sie sich demutsvoll Ihm zu Füßen wirft, Ihn anbetet und mit Ihm spricht. Zur Zeit des Trostes begnügte sie sich damit, Ihm zuzuhören; aber jetzt, da die Trübsal über sie hereingebrochen ist, spricht sie Ihn an: «Herr, wärest Du hier gewesen!» Sie redet gerade wie ihre Schwester. Obgleich der Heiland sie größerer Vertraulichkeit gewürdigt hat, so bleibt diese Prüfung doch ein Geheimnis für sie. Sie begreift nicht, wie Jesus sie so leiden lassen kann, und klagend fragt sie: «Meister, warum bist Du nicht gekommen?» Jesus antwortet nicht, Er ist gerührt und nimmt teil an ihrem Schmerz. Vereinige dich in schweigender Anbetung mit Maria, deren Herz um den verstorbenen Bruder weint und dennoch weder in Worten noch in Tränen Bitterkeit äußert. Trotz ihres Kummers sind ihr Glaube und ihr Vertrauen stark und lebendig, ihre Liebe glühend. Suche aus ihrem Beispiel für deine Seele Nutzen zu ziehen!



13.05.2020
216. Der Tod des Lazarus
(Joh 11)

III Jesus prüft Marthas Glauben
Jesus sprach zu ihr: «Dein Bruder wird auferstehen.» Martha entgegnete Ihm: «Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.» Jesus sprach zu ihr: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an Mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. Und jeder, der im Glauben an Mich lebt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das?» Sie antwortete Ihm: «Ja, Herr, ich glaube, dass Du der Messias bist, der Sohn des lebendigen Gottes, Der in die Welt kommen soll.»
Martha beklagt sich, wie sich die Heiligen beklagen, und Jesus tröstet sie, wie nur der Sohn Gottes zu trösten vermag: «Dein Bruder wird auferstehen.» Nimm dieses Wort tief in dich auf und erfreue dich daran! Was du verloren glaubst, ist nicht verloren, was du als tot betrachtest, wird leben.
Merke, wie einfach und bestimmt Jesus die zukünftige Auferstehung vorhersagt. Die Zukunft birgt für Ihn kein Geheimnis. Wohl wird es großer Wunder bedürfen, um Ssein Versprechen wahrzumachen, aber Gott ist ja allmächtig und gibt ebenso leicht das Leben wieder, wie Er es nimmt. Ein Wort genügt, um wieder herzustellen, was durch ein Wort geschaffen wurde.
Wie nimmt Martha die göttliche Verheißung auf? Es ergeht ihr wie so vielen Menschen, denen Gott zu lange zu zögern scheint. Wohl lebt in ihren Herzen die Hoffnung; aber die Erfüllung scheint noch fern. — «Ich weiß, dass mein Bruder auferstehen wird», sagt sie. «Ich weiß, dass all unsere Leiden ein Ende haben und alle Zweifel eine Lösung finden werden; aber dieser Zeitpunkt ist noch ferne.» Höre nun, wie der Heiland antwortet: «Ich bin die Auferstehung und das Leben. Meine Ankunft soll der Welt das Leben bringen, die Toten werden auferstehen, und alle Trauernden und Weinenden werden Trost finden.» Und dann fügt Er hinzu: «Glaubst du das?»
Bringe dem Heiland mit Martha die Huldigung eines vollkommenen Glaubens dar und vertraue Seiner Liebe alle deinen Hoffnungen und Wünsche an.



12.05.2020
216. Der Tod des Lazarus
(Joh 11)

II Jesus kommt nach Bethanien und begegnet Martha
Als Jesus ankam, fand Er ihn schon vier Tage im Grab liegend. Sobald Martha von der Ankunft Jesu hörte, ging sie Ihm entgegen. Maria aber blieb im Haus.
Schlage mit dem Heiland und Seinen Jüngern den Weg nach Bethanien ein. Für Den, Der alles kann, ist es nie zu spät. Jesus hat Sein Kommen nur aufgeschoben, weil Er entschlossen ist, ein Wunder zu wirken. Das Tote wird in größerer Schönheit durch Ihn wieder erstehen. Bitte Ihn, dein Vertrauen zu stärken.
Wohne im Geist dem Zusammentreffen des Herrn mit Martha bei und höre, wie jene ausruft: «Herr, wärst Du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Doch auch jetzt weiß ich, dass Gott Dir alles gewährt, worum Du Ihn bittest.» Von Martha kannst du lernen, wie du dem lieben Gott dein Leid klagen kannst, ohne dich über Seine Anordnungen zu beklagen. Martha leidet, aber sie klagt in sehr zarter, liebevoller Weise, ohne zu murren und ohne ihrem göttlichen Meister Vorwürfe zu machen. Sie unterwirft sich dem geheimnisvollen Walten der göttlichen Vorsehung. Ihre Klage drückt tiefes Erstaunen, aber kein Misstrauen aus. Im größten Schmerz vergisst sie nicht der zahlreichen Wohltaten, die sie von Jesus empfangen, und ihre Liebe und Dankbarkeit kann durch nichts vermindert werden. — «Ich weiß, dass Du alles kannst», versichert sie dem Herrn. «Es ist mir zwar nicht verständlich, warum Du diese Prüfung zugelassen hast, aber ich weiß, dass Du uns ebenso sehr liebst wie in den Tagen des Glücks. Du hast Dich nicht verändert, und was Du damals konntest, das ist Dir auch jetzt noch möglich.»
Lausche, wie Martha spricht; betrachte Jesus, wie Er zuhört. Eröffne auch du Ihm dein Herz, wie sie es tut.



11.05.2020
216. Der Tod des Lazarus
(Joh 11)

I Jesus erhält Mitteilung von der Krankheit des Lazarus
Da war ein Kranker, Lazarus von Bethanien, dem Flecken Marias und ihrer Schwester Martha. Maria war es, die den Herrn mit Öl gesalbt und Seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hatte.
Begib dich mit den Boten Marias und Marthas zum göttlichen Meister. Es handelt sich darum, Sein Herz zum Mitleid zu bewegen. Denn Lazarus ist erkrankt, und seine beiden Schwestern, die Jesus ebenso liebt wie ihren Bruder, bitten Ihn, dem Kranken zu helfen. Schwere Trübsal ist über das Haus hereingebrochen, in dem der Herr so innig geliebt wird und wo Er schon so manches Mal gastfreundlich aufgenommen wurde. So werden auch die Freunde Jesu von Leid nicht verschont. Aber ist nicht Jesus die unerschöpfliche Quelle wahren Trostes für alle Leidenden?
Da schickten seine Schwestern zu Ihm und ließen Ihm sagen: «Herr, den Du liebhast, der ist krank.» Vernimm, wie die Abgesandten der beiden Schwestern ihre vertrauensvolle Bitte dem Heiland wortgetreu überbringen: «Herr, den Du liebhast, der ist krank!» Gott verlangt von uns nicht viele Worte. Er liebt uns, und da genügt es, Ihm demütig unsere Not zu klagen. Wenn du eine schwere Arbeit zu leisten hast, wenn irgendein Leid dich drückt, wenn in deinem Herzen eine unerträgliche Leere entstanden ist, wenn es sich darum handelt, einen Sieg zu erringen oder gar ein Wunder zu wirken, dann sprich ganz einfach und kindlich zum himmlischen Vater: «Der, den Du liebhast, ist krank. Du hast schon so sehr viel für ihn getan, aber Du siehst, dass Dir noch etwas zu tun übrigbleibt.» Und dann harre vertrauensvoll auf die Erhörung deiner Bitte.
Wie lautet die Antwort des Herrn? «Diese Krankheit ist nicht zum Tod, sondern zur Ehre Gottes, damit der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde.» — Jesus erklärt den Sinn des Leidens. Wie der Mensch zur Ehre Gottes lebt, so soll er auch zur Ehre Gottes leiden. Die Ehre Gottes ist der Zweck der ganzen Schöpfung, aller Freuden und aller Leiden. Von diesem Standpunkt aus betrachtet der Gerechte seine irdische Laufbahn, und deshalb murrt er niemals. Wenn Gott einerseits unsere Leiden zu seiner Ehre gereichen lässt, so dient andererseits Seine Ehre unserem Glück und unserer Seligkeit. Lass also Jesus machen, lass Ihn verfahren, wie Er will, um dein Glück zu gestalten.



10.05.2020
215. Die Verheißung des Hundertfachen
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

II Jesus verspricht denen, die alles um Seinetwillen verlassen, hundertfachen Lohn
«Wahrlich, Ich sage euch: Niemand verlässt um des Reiches Gottes willen Haus, Eltern, Brüder, Frau oder Kinder, ohne dass er dafür in dieser Welt viel mehr empfängt und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.»
Jesus verspricht Seinen Jüngern feierlich: «Ich werde euch in dieser und der anderen Welt das Hundertfache wiedergeben. Was ihr Mir gegeben habt, hatte wenig Wert, aber was ich euch wiedergeben werde, ist unschätzbar. Ihr verlangt nach Ehre, ihr sollt sie finden, ihr verlangt nach Glück, ihr sollt es genießen.» Stelle dir die Freude der Apostel vor, als sie diese ermutigenden Worte vernehmen und freue dich, dass dieses Versprechen auch dir gilt!
Jesus sagt: «Jetzt, in dieser Zeit.» Beachte dieses Wort! Frage alle, die Ihm nahestehen, ob der Sohn Gottes sie getäuscht habe. Nach der Himmelfahrt des Herrn war ihr Leben zwar eine Kette von blutigen Verfolgungen, harten Kämpfen und heldenmütiger Entsagung. Sie wurden mit Schmach überhäuft und starben in qualvollen Martern. Und doch wird jeder einzelne dir versichern, dass er wirklich das Hundertfache erhalten habe. So lerne denn, worin das wahre Glück, der wahre Ruhm und das wahre Leben besteht! Willst du nicht nach dem Beispiel der Apostel im Hinblick auf die göttlichen Verheißungen dem Heiland folgen und die Sorgen um irdischen Besitz und irdisches Wohlergehen fahrenlassen? Willst du nicht endlich diese schwere Last abwerfen, die deinem Streben nach Vollkommenheit hinderlich ist? Mache dein Herz frei, und erhebe deine Gedanken zu den Belohnungen, die der himmlische Vater allen großmütigen Seelen bereitet! Denke an die Zukunft, und wirf die kleinlichen Sorgen der Gegenwart hinter dich! So will es der Heiland.



09.05.2020
215. Die Verheißung des Hundertfachen
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

I Jesus spricht mit den Aposteln von dem Lohn, der ihrer harrt
Da sagte Petrus: «Wir haben unser Eigentum verlassen und sind Dir nachgefolgt. Was wird uns dafür zuteil werden?»
Erinnere dich an das vorangegangene Ereignis! Eine Seele, die Jesus zu Seiner vollkommenen Nachfolge berief, hat nicht den Mut gehabt, Ihm zu folgen. Da tritt Petrus an den göttlichen Heiland heran mit der Frage: «Was wirst Du uns geben, die wir alles verlassen haben, um Dir zu folgen?» Als Petrus sich dem Heiland anschloss, war es ihm nicht nur um Hingabe zu tun, er wollte auch etwas empfangen. «Welchen Nutzen habe ich von all den Opfern und Entbehrungen, die ich auf mich genommen habe? Mein Wille braucht einen mächtigen Ansporn, um das Werk, das ich aus Liebe begonnen, glücklich durchzuführen. Ich muss eine Belohnung als Preis für meine Mühen in Aussicht haben. Was wirst Du uns geben?» Und er hat recht, diese Frage zu stellen. Petrus, wie auch die anderen Apostel, verdienen aus dem Mund des Heilands eine ermutigende Antwort zu erhalten. Sie haben wirklich alles für Ihn verlassen. Wenn sie auch nicht vieles zu verlassen hatten, so haben sie doch alles verlassen, und zwar aufrichtig und von ganzem Herzen. Freilich bleibt ihnen noch, sich selbst zu verlassen. Sie sind noch schwach, leicht entmutigt, schwankend und unbeständig in ihren Vorsätzen und Ansichten, aber sie haben den guten Willen, auf dem Weg der Vollkommenheit voranzuschreiten. Sie lieben ihren Meister, und sie setzen ein unbegrenztes Vertrauen in Ihn, so wird der Erfolg nicht ausbleiben.



08.05.2020
214. Von der christlichen Vollkommenheit
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

III Jesus beklagt die Willensschwäche des reichen Jünglings
Als der Jüngling dieses Wort gehört hatte, ging er traurig davon. Er hatte nämlich viele Besitztümer. Jesus aber sprach zu Seinen Jüngern: «Wahrlich, Ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich eingehen!»
Der Jüngling wird traurig bei den Worten des Heilands. Er hat zwar den Wunsch, vollkommen zu werden, aber ihm fehlt das ernste Wollen. Die Furcht vor dem Opfer hält ihn zurück auf dem Weg, den alle wandern, und er verzichtet darauf, sich auszuzeichnen.
Sieh, wie er seine Schwäche beklagt! Er erkennt besser als zuvor die Schönheit eines vollkommenen Lebens, aber er findet nicht den Mut, sich mannhaft dafür zu entscheiden. Er schämt sich seiner Feigheit, wie denn Trauer und Selbstvorwürfe stets der Anteil schwacher Seelen sind, die Freude entflieht zugleich mit dem Mut. Folge dem Jüngling mit den Blicken, und vergleiche die Reichtümer dieser Erde, die er nicht opfern will, mit den ewigen Schätzen, die er sich entgehen lässt. Er hat sein Herz an seine Güter gehängt und kann es nicht davon losreißen. Nur was man ohne Anhänglichkeit besitzt, verlässt man ohne Bedauern. «Wahrlich Ich sage euch, ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich eingehen.» Lerne also beizeiten, den rechten Gebrauch von den Gütern zu machen, die Gott dir verliehen hat! Sie sollen dir, wie alles in der Welt, dazu dienen, das ewige Leben zu erwerben. Sie sollen dir ein Mittel sein, mache kein Hindernis daraus! Einigen auserwählten Seelen werden sie zum Gegenstand eines großmütigen Opfers, durch das sie Gott auf ganz vorzügliche Weise ehren und den unermesslichen Reichtum Seiner Liebe und Gnade auf sich herabziehen.



07.05.2020
214. Von der christlichen Vollkommenheit
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

II Jesus zeigt ihm den Weg zur Vollkommenheit
Jener erwiderte: «Das alles habe ich von meiner Jugend an beobachtet.» Als Jesus das hörte, sagte Er zu ihm: «Eines fehlt dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge Mir!»
Die erste Antwort des Herrn genügte dem Jüngling nicht. Er besteht darauf zu erfahren, was ihm an der Vollkommenheit noch mangelt, und voller Eifer beteuert er: «Die Gebote habe ich stets gehalten. Aber ich fühle in mir das Verlangen und die Kraft, mehr zu tun. Was alle tun müssen, genügt mir nicht. Gibt es keine vollkommenere Lebensweise, als ich sie bisher geführt habe?»
Dem Heiland gefällt diese Rede, und liebevoll ruht Sein Blick auf dem Jüngling. Sein Herz weitet sich vor Freude bei dem Gedanken, dass sich inmitten der Menge eine auserwählte Seele befindet, die großmütiger gesinnt ist als die übrigen, und Er ruft aus: «Mein Kind, wenn du wirklich danach verlangst, vollkommen zu werden, so will ich dir sagen, was du tun musst.» — Das geistliche Leben nimmt seinen Ursprung in der treuen Beobachtung der Gebote, es entwickelt sich durch die Befolgung der evangelischen Räte und gelangt so zur Vollkommenheit. Die großmütige Seele legt sich freiwillig Fesseln an.
Höre, wie der göttliche Meister den ersten der evangelischen Räte in Worte kleidet und dessen Befolgung als Grundbedingung aufstellt für alle, die sich im Dienst Gottes auszeichnen wollen. «Sei arm.» sagt Er. «Löse dich von allem, was du besitzt, und dann folge Mir. Wenn du dieses Opfer gebracht hast, dann werde Ich dich weiterführen.» Das also fordert Jesus beim ersten Schritt auf dem Weg der Vollkommenheit. Hegst auch du das Verlangen, weiter darauf fortzuschreiten?



06.05.2020
214. Von der christlichen Vollkommenheit
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

I Jesus zeigt dem reichen Jüngling den Weg zum Himmel
Ein Vornehmer richtete an Ihn die Frage: «Guter Meister! Was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?» Jesus antwortete ihm: «Du kennst doch die Gebote.»
Merke auf die Frage, die jener junge Mann dem Heiland stellt: «Was muss ich tun, um in den Himmel zu kommen? Du sprichst vom Himmelreich, und ich möchte gern dorthin gelangen, um das ewige Leben zu besitzen. Was muss ich tun, um dieses Ziel zu erreichen?»
Die Besorgnis um das ewige Heil sollte auch in uns alle anderen Interessen überwiegen. Die wahre Weisheit fragt nicht: «Was muss ich tun, um reich zu werden, um bei meinen Arbeiten und Geschäften Erfolg zu haben?» Sie begehrt nur zu wissen, welches der sicherste und kürzeste Weg zum Himmel ist. Über allen irdischen Sorgen dürfen wir das zukünftige Leben nicht vergessen. Da ich den Himmel besitzen will, muss ich auch für den Himmel arbeiten. Jesus Selbst, Der uns zum Himmel führen will, lehrt uns, was wir zu tun haben. Er sagt: «Halte die Gebote!» Diese Antwort zeigt uns, dass der Weg, der zur ewigen Seligkeit führt, leicht zu erkennen ist. Es handelt sich nur darum, die Gebote zu halten, die von einer rechtmäßigen Obrigkeit den Menschen gegeben worden sind. Diese Gesetze sind weder die Äußerungen tyrannischer Launen noch ein lästiger Zwang für die menschliche Freiheit, sondern der Pfad, auf dem wir zum Leben gelangen.



05.05.2020
213. Jesus und die Kinder
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

II Jesus ermahnt Seine Jünger, klein und demütig zu werden
Jesus aber sprach zu ihnen: «Lasset die Kinder zu Mir kommen und wehret es ihnen nicht, denn für solche ist das Reich Gottes.» Dann legte Er ihnen die Hände auf und zog weiter.
Des Heilands ganze Seele liegt in den Worten: «Lasset die Kindlein zu Mir kommen!» Er hat ihnen etwas zu sagen und etwas zu schenken. Der himmlische Vater Selbst führt sie zu Ihm. Darum haltet sie nicht zurück. Der Zug nach Gott ist ein natürlicher Drang der Kinderseele, nichts weckt in höherem Grad die Aufmerksamkeit eines Kindes, als wenn ihm vom lieben Heiland erzählt wird.
Siehe, wie die Kleinen zu Jesus eilen, Der sie seinen Jüngern als Vorbild hinstellt und uns ermahnt: «So müsst ihr werden, wenn ihr in das Himmelreich eingehen wollt. Wer Mich finden will, muss Mich mit der Einfalt und der Geradheit eines Kindes suchen.»
Glaube fest an dieses Wort des Menschensohnes und erbitte dir von Ihm die Gnade kindlicher Einfalt. Alle, denen diese Gnade zuteil wird, werden durch den Geist und das Wort Gottes erneuert und erlangen eine große Liebe zur reinen, unverfälschten Wahrheit. Sie hassen die Lüge und Doppelzüngigkeit, sie sind demütig, sanft und bescheiden. Sie bewahren ihr Herz rein von aller ungeordneten Liebe und fliehen selbst den Schatten der Sünde. Die Schliche der Eigenliebe sind ihnen fremd, ihre Handlungsweise wird nicht durch Selbstsucht bestimmt, und Menschenfurcht hält sie nicht zurück. Sie vermuten bei anderen nichts Böses, weil sie selbst das Böse nicht kennen oder nicht kennen wollen.
Wahre Kindlichkeit ist mit der größten Gelehrsamkeit vereinbar, denn wir brauchen nicht dem Verstand nach klein zu werden. Der Jünger Jesu soll danach streben, die Heilswahrheiten vollkommen kennenzulernen, aber er soll sie mit Einfalt im Licht des Glaubens studieren. Der Glaube ist gleichsam die Milch, die der kindlichen Seele alle Lebenskraft gibt. Glückselige Einfalt, welche die einzig wahre Reife der christlichen Lebensanschauung in sich schließt! Bitte den Erlöser inständig, dass Er auch dir diese Gnade zuteil werden lasse.



04.05.2020
213. Jesus und die Kinder
(Mt 19, Mk 10, Lk 18)

I Jesus segnet die Kinder
Man brachte die Kinder zu Ihm, damit Er ihnen die Hände auflege und sie segne. Als die Jünger das sahen, wiesen sie die Leute ab. Jesus aber rief die Kinder zu Sich.
Eile zum Heiland, um Augenzeuge dieses lieblichen Schauspiels zu sein. Fromme Mütter erflehen Seinen Segen für ihre Kindlein. Mit den Augen des Glaubens erkennen sie in Jesus ihren mächtigsten Helfer beim wichtigen Amt der Erziehung, das die Vorsehung ihnen anvertraut hat. Sie glauben, dass Er die göttliche Weisheit ist, die sie erleuchten kann, und die unendliche Güte, die ihnen helfen wird. Sie glauben, dass Er die Quelle aller Heiligkeit ist und dass ein Wort Seiner Allmacht die Seele von allem Zweifel und aller Not befreit und ihre Zukunft sicherstellt.
Wie freuen sie sich, als sie hören, dass Jesus in der Nähe weilt! Sie eilen herbei, sie bringen Ihm ihr Liebstes, ihre Kinder, und bitten Ihn inständig, zu ihnen zu sprechen, für sie zu beten und sie zu segnen. Schließe dich den frommen Müttern an, und erflehe den Segen des Heilands für die heute so gefährdeten Kinder und für alle, welche deiner Sorge anvertraut sind. Erflehe auch für dich selbst den Segen, den der Heiland jenen glücklichen Kindern zuteil werden ließ! Um ihn wirklich mit Nutzen zu empfangen, musst du klein werden. Alsdann wird unter der segnenden Hand des Herrn der Stolz in dir ersterben, und alles Gute wird sich entfalten und zur Reife gelangen. Empfiehl dich deiner himmlischen Mutter, um durch ihre Fürsprache den Segen des Heilands für dich und dein Wirken zu erlangen.
Erinnere dich auch aller Anliegen der heiligen Kirche und bitte den himmlischen Vater, dass Er ihr helfe, die jungen Seelen recht zu leiten, die so großen Gefahren ausgesetzt sind! Der Unglaube tut alles, um in den Kinderherzen, die ihm vielfach wehrlos preisgegeben sind, die Erkenntnis der ewigen Wahrheit zu verdunkeln. Bitte Gott, dass Er ihnen unter den Jüngern Seines Sohnes zahlreiche mutige Verteidiger erwecke. Biete dich selbst dem Herrn an zu diesem apostolischen Werk, das dem Herzen Jesu so teuer ist!



03.05.2020
212. Von der Ehe und der Jungfräulichkeit
(Mt 19, Mk 10, Lk 16)

II Die Vorzüge der Jungfräulichkeit
Zu Hause fragten Ihn die Jünger nochmals darüber: «Wenn die Sache des Mannes mit seiner Frau sich so verhält, so ist es nicht gut zu heiraten.»
In dieser Bemerkung der Jünger zeigt sich ihre Unvollkommenheit. «Wenn man das, was man gegeben hat, nicht zurücknehmen darf, wenn die Bande der Ehe unauflöslich sind, dann ist es ja besser, sich nicht zu binden.» So sprechen Menschen, die noch sehr irdisch gesinnt sind. Es scheint ihnen, als ob Selbstverleugnung und Glück unvereinbar seien. Sie möchten sich die Freiheit vorbehalten, diese Verbindung nach Belieben zu lösen. Höre, wie Jesus sie zu höheren Anschauungen und Wünschen führt! «Nicht alle fassen dies, sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es gibt Menschen, die vom Mutterschoß an zur Ehe unfähig sind. Es gibt solche, die von Menschen unfähig gemacht sind, und es gibt solche, die um des Himmelreiches willen der Ehe entsagen. Wer es fassen kann, der fasse es.» — Gewiss ist es schön, vereint zu arbeiten, zu kämpfen, zu leiden und sich zu freuen. Es ist ein erhabener Beruf, neuen Geschöpfen das Leben zu schenken und ihnen unsere Erkenntnis, unsere Hoffnungen und unser Streben nach dem höchsten Gut mitzuteilen, aber es gibt noch Höheres. Nur auserwählte Seelen verstehen die Schönheit dieses höheren Berufs; mit ihnen hat Gott andere Absichten. Er behält sich ihre Herzen vor, um unumschränkt darin zu herrschen. Er flößt ihnen das Verlangen ein, sich großmütig Ihm zum Opfer zu bringen. Diese Herzen geben der Welt nichts und nehmen nichts von ihr an, sie kosten schon hienieden die Freuden des Himmels. Sie entsagen dem Fleisch, um nach dem Geist zu leben; in einem menschlichen Leib führen sie das Leben der Engel.
Suche das Verständnis für diese letzten Worte des Heilands in dir zu vertiefen! Gehörst du zu jenen, die Gott mit Verständnis für das jungfräuliche Leben begnadigt hat? Ist dir die göttliche Schönheit der Jungfräulichkeit offenbart worden und liebst du sie, oder hegst du wenigstens das Verlangen, sie zu schätzen, wie sie es verdient?
Gib dir Rechenschaft über deine geheimsten Neigungen! Opfere dem göttlichen Heiland dein Herz auf mit der inständigen Bitte, alle ungeordnete Lust darin abzutöten und es ganz mit Seiner Liebe zu erfüllen!



02.05.2020
212. Von der Ehe und der Jungfräulichkeit
(Mt 19, Mk 10, Lk 16)

I Die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe
Da traten Pharisäer zu Ihm mit der Frage, ob es einem Mann erlaubt sei, seine Frau zu entlassen. Damit wollten sie Ihn auf die Probe stellen. Er sprach zu ihnen: «Was hat euch Moses geboten? Im Anfang der Schöpfung hat Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die beiden werden ein Fleisch sein.»
Komm zum göttlichen Meister und lass dich von Ihm belehren, wie heilig die eheliche Liebe sein soll! Man fragt Ihn, ob es aus irgendeinem Grund erlaubt sei, das Eheband zu lösen. Jesus beantwortet diese Frage, indem Er auf die Absicht Gottes bei der Einsetzung der Ehe hinweist. Es ist Gottes Wille, dass die leibliche Vereinigung zur innigsten Lebensgemeinschaft führe. Gott bezweckt eine vollkommene Verschmelzung der Interessen und Übereinstimmung der Grundsätze, Er legt ihnen gleiche Pflichten gegeneinander und eine gleiche Verantwortung auf. Diese von Gott gewollte Vereinigung ist ihrem innersten Wesen nach unlöslich. Sie ist die feste Grundlage, auf der das Familienleben ruht. Denke über diese Lehre nach und danke dem himmlischen Vater, dass Er dich in einer christlichen Familie aufwachsen ließ!
«Was nun Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen.» Die Ehe soll Halt und Stütze finden in der Liebe, die alle Geschöpfe ihrem Schöpfer schulden. Gott ermahnt die Menschen: «Bedenkt, dass Ich euch zusammengefügt habe und dass eure Verbindung nur durch Mich Bestand hat!» Ohne den Beistand der göttlichen Gnade ist eine reine, heilige Liebe unmöglich, sie allein bewahrt das Menschenherz vor Fehltritten und Verführung. Wenn meine Liebe nicht in Gott und aus Gott ist, so kann das höchste Erdenglück die Sehnsucht meines Herzens nicht stillen.
Die Ehe ist also göttlich in ihrem Ursprung und daher ein heiliger Stand. Jesus Christus hat diese Vereinigung zur Würde eines Sakramentes erhoben, um die Grundlage der Familie unter allen Verhältnissen sicherzustellen. Die sakramentale Gnade gibt den Eheleuten Kraft, in allen Lebenslagen ihre Pflicht zu erfüllen. Die Seelen, die sich in Gott lieben, werden in ihrer Liebe nie erkalten, ihre Eintracht und ihr Glück werden beständig zunehmen.



01.05.2020
211. Von der Ankunft des Reiches Gottes
(Lk 17, Mt 24)

II Die zweite Ankunft Jesu zum Gericht
Weiter sprach Er zu Seinen Jüngern: «Es werden Tage kommen, da ihr gern nur einen von den Tagen des Menschensohnes sehen möchtet, aber ihr werdet Ihn nicht sehen. Man wird zu euch sagen: Hier ist Er, dort ist Er! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitzstrahl von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird es auch mit dem Menschensohn sein an Seinem Tage.»
Denke über diese großartige letzte Ankunft des Menschensohnes nach! Er wird alsdann einen Triumph feiern, der all Seine Leiden und Verdemütigungen voll und ganz aufwiegt, und an dieser Siegesfeier, die der himmlische Vater Selbst Ihm bereitet, wirst auch du teilnehmen. An jenem Tag werden alle Geschöpfe Jesus Christus als ihren höchsten Herrn anerkennen müssen. Der Glanz Seiner Gottheit, den Er während Seines Erdenlebens verbarg, wird herrlich erstrahlen und durch diese Offenbarung allein wird die göttliche Weisheit und Vorsehung gerechtfertigt werden. Jesus gibt Seinen Jüngern zu verstehen, dass sie bis zur Ankunft jenes Tages viel Geduld werden üben müssen. «Die Tage nach Meinem Hinscheiden werden überaus schmerzlich für euch sein. Der Halt, den Meine sichtbare Gegenwart euch bietet, wird euch entzogen, und ihr werdet den schweren Lebenskampf allein kämpfen müssen. Aber verliert deshalb den Mut nicht! Seid stark im Glauben und achtet nicht auf die Stimme der Verführer, die euch das Vertrauen rauben wollen! Ich werde einst wiederkommen, und alsdann werden alle Menschen sich vor Mir beugen müssen. Wohl jenen, die unbeirrt an Mich geglaubt haben!»
So spricht der Sohn Gottes, unterwirf dich Seinem Wort! Es bleiben dir nur wenige Jahre, vielleicht wenige Tage, um dich auf die Ankunft des göttlichen Richters vorzubereiten und dir ein gnädiges Gericht zu sichern. Welches Schicksal harrt deiner und jener, die dir nahestehen? Was siehst und hörst du in deiner Umgebung? Ist nicht Grund genug zu fürchten, dass der Zorn Gottes sich bald über diese sündige Welt entladen werde? Flehe den göttlichen Heiland an, in Seiner Kirche beredte Stimmen und großmütige Herzen zu erwecken, um die leichtsinnige Menge, die der Hölle zustrebt, auf den Weg des wahren Lebens zurückzuführen! Bete vor allem für jene, die dir lieb sind!


.04.2020
211. Von der Ankunft des Reiches Gottes
(Lk 17, Mt 24)

I Die erste Ankunft Jesu in der Verborgenheit
Die Pharisäer fragten Ihn, wann das Reich Gottes komme. Er antwortete ihnen: «Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerem Gepränge. Man kann nicht sagen: Hier ist es oder dort. Das Reich Gottes ist in euch.»
Erwecke in deinem Herzen den Wunsch, das Reich Jesu Christi über die Mächte der Finsternis triumphieren zu sehen, und von diesem Verlangen beseelt, wende dich an Ihn mit der Frage, die auch die Pharisäer lebhaft beschäftigt: «Wann kommt das Reich Gottes? Du hast schon so oft davon geredet, wann wird Deine Verheißung in Erfüllung gehen?»
Vernimm die Antwort des Herrn: «Das Reich Gottes ist in euch. Ihr verlangt zu wissen, wann Meine Herrschaft ihren Anfang nehmen wird, und Ich antworte euch: Ich habe schon lang von Meinem Reich Besitz ergriffen und herrsche darin.»
Das Königtum Jesu Christi hat also nichts gemein mit weltlicher Machtentfaltung. Jesus will einzig über die Seelen herrschen, und dazu bedarf es keines äußeren Glanzes. Er kommt, um den Geist der Menschen der Wahrheit und ihr Herz der Gerechtigkeit zu unterwerfen, Er kommt, um die Menschen aus der Sklaverei des Teufels und der Sünde zu befreien. Dazu bedarf es keiner Heeresmacht, Er trägt den Sieg durch Sein bitteres Leiden und Sterben davon. Im vertrauten Verkehr mit Ihm sollen die Menschen die Tugend üben lernen, darum meidet Er allen äußeren Glanz, der Ihm die Herzen entfremden könnte.
Mein König beraubt sich aller Ehre, Er erniedrigt sich, um mir gleich zu werden. Er strebt nach keinem anderen Ruhm, als mein Herz zu erobern, und so neigt Er sich zu meiner Niedrigkeit herab, kommt mir unauffällig und einfach auf meinem Lebensweg entgegen, damit ich vertrauensvoll meinen Blick zu Ihm erhebe, gern Seinen Worten lausche und mich Ihm freudig unterwerfe.
Versenke dich in diese Gedanken! Besuche im Geist die heiligen Stätten, wo der Heiland bei Seiner ersten Ankunft geweilt hat: Bethlehem, Nazareth und all die Ortschaften, die Er durchwandert hat, um zu dir zu kommen, und all die stillen Plätze, wo Er für dich gebetet hat! Huldige deinem König und entsage angesichts Seiner tiefen Erniedrigung jedem Wunsch nach Ehre vor den Menschen!



29.04.2020
210. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
(Mt 20)

III Jesus beweist uns, dass das Urteil Gottes gerecht ist
«Freund, erwiderte er einem von ihnen, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir eins geworden? Nimm, was dein ist, und geh.»
Der Hausvater antwortet den Unzufriedenen, ohne sich in einen Wortwechsel einzulassen, die Beschlüsse der göttlichen Weisheit sind über jede Erörterung erhaben. Gott behauptet Sein Hoheitsrecht: «Ich will es so. Es steht mir frei, Meine Güter auszuteilen, wie es Mir gefällt.» In der Tat, wenn Gott unsere Werke belohnt, so krönt Er damit nur Seine Gaben. Er ist nicht nur unser Vater, sondern auch unser höchster Herr, Dessen Anordnungen wir uns in Demut zu fügen haben. Zudem ist es eine Ehre, für Gott, den besten Herrn, und Sein Reich arbeiten zu dürfen.
Aber Gott nimmt Rücksicht auf unsere Schwäche und beweist uns die Gerechtigkeit Seiner Ratschlüsse. «Ich erfülle den Vertrag, den Ich geschlossen habe», sagt Er zu den Unzufriedenen. «Hier ist der Lohn, um den wir übereingekommen sind, ihr habt also keinen Grund, euch zu beklagen. Und ist dieser Lohn, den Ich euch gebe, nicht unendlich mehr wert als eure Arbeit?»
Mit väterlicher Milde fügt Gott hinzu: «Oder ist es Mir nicht erlaubt zu tun, was Ich will? Ist etwa dein Auge darum böse, weil Ich gut bin? — Warum nimmst du Anstoß an Meiner Güte, die ihre Freude darin findet, Meine Kinder zu erheben und die Unterschiede unter ihnen möglichst auszugleichen? Keiner leidet Schaden dadurch, dass Ich großmütig bin, denn, was Ich dem einen gebe, entziehe Ich dem anderen nicht.»
Ziehe Nutzen aus der Lehre, die Gott dir hier erteilt! Er ist gut, gerecht und treu. Unterwirf dich Ihm als deinem höchsten Herrn, liebe Ihn als deinen besten Vater und eifere für Seine Ehre. Er gibt dir die Zeit und bietet dir Seine Gnade an. Darum begib dich an die Arbeit und lasse dich von niemand an Großmut in Seinem Dienst übertreffen!



28.04.2020
210. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
(Mt 20)

II Jesus sagt uns, wie Gott beim Jüngsten Gericht verfahren wird
«Am Abend sagte der Herr des Weinberges zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn aus, von den letzten bis zu den ersten. Da kamen die von der elften Stunde, und jeder erhielt einen Denar.»
Der Heiland versichert uns, dass Gott jene, die für Seine Ehre arbeiten, nicht vergisst. Er beobachtet sie, Er nimmt regen Anteil an ihren Mühen und Sorgen und zählt die Stunden, die sie Seinem Dienst weihen. Am Abend ihres Lebens wird Er Sich ihnen offenbaren, und sie werden staunend das Geheimnis Seiner Güte erkennen. Wohl dir, wenn du geduldig diese Stunde erwartet hast, ohne jemals dem Zweifel Raum zu geben!
«Ruft die Arbeiter», wird Gott dann zu Seinen Engeln sprechen, und im selben Augenblick wird alle Arbeit ruhen. Die Zeit, Verdienste zu sammeln, ist vorbei und jedem wird nach dem gegenwärtigen Verdienst vergolten. Stelle dir vor, du würdest in dieser Stunde vor den göttlichen Hausvater gerufen. Wärest du würdig, unter die ersten eingereiht zu werden?
Warum lässt Gott an erster Stelle jene vortreten, die zuletzt in die Arbeit gekommen sind? Jedenfalls haben sie mit mehr Eifer gearbeitet als die übrigen. Man kann sich also im Dienst Gottes in kurzer Zeit einen hohen Grad der Seligkeit erwerben.
Die Arbeiter der ersten Stunde murren: «Diese letzten haben nur eine einzige Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt, die wir die Last und Hitze des Tages getragen haben.» Aber vergebens berufen sie sich auf die längere Dauer ihrer Arbeit. Sie haben mehr Gnade erhalten als andere, aber sie haben nicht so treu mitgewirkt. Sie haben zwar die Last und Hitze des Tages ertragen, aber sie suchten es sich möglichst bequem zu machen, sie haben viel Zeit verloren und sich viele Unvollkommenheiten zuschulden kommen lassen. Sie haben sich keineswegs im Dienst Gottes ausgezeichnet, sondern seine Interessen vernachlässigt. Der Tadel ihres Herrn trifft sie nicht unverdient.



27.04.2020
210. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg
(Mt 20)

I Jesus versichert uns, dass die Seligkeit für alle Menschen erreichbar ist
«Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Hausherrn, der am frühen Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu dingen. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Taglohn von einem Denar und schickte sie in seinen Weinberg.»
Geselle dich den Zuhörern des Heilands zu und bemühe dich, Seine Worte recht zu verstehen. Es handelt sich in diesem Gleichnis um dich selbst, um die Arbeit an deiner eigenen Seele und um den Erwerb der ewigen Glückseligkeit.
Betrachte den Hausvater, wie er ausgeht, um Arbeiter für seinen Weinberg zu werben. Jesus schildert unter diesem Bild den himmlischen Vater, Der alle Menschen zu Seiner Ehre erschaffen hat und Der früher oder später an die einzelnen herantritt mit der Aufforderung, ihre Kräfte und Fähigkeiten in Seinen Dienst zu stellen. Glücklich die Seelen, die frühzeitig Seine Stimme hören und dem ersten Ruf ohne Zögern folgen!
Worin besteht der Lohn, den der himmlische Vater Seinen Arbeitern verspricht? Er bietet ihnen Seinen Himmel als Entgelt an für ihre Arbeit in Seinem Dienst. Seine eigene Glückseligkeit soll einst dir gehören, wenn du hier auf Erden ganz für Ihn leben willst. Gott verpflichtet sich, uns durch einen unwiderruflichen Vertrag mit übernatürlichen Gütern zu belohnen, auf die kein Geschöpf sonst Anspruch erheben könnte.
Worin besteht die Arbeit, zu welcher der Hausvater Seine Tagelöhner verwendet? Gibt es überhaupt eine Arbeit, mit der wir Gott einen Dienst leisten können? Ja, dazu gehört alles, was wir nach dem Willen Gottes tun: die Erfüllung unserer täglichen Pflichten, der Kampf gegen unsere Eigenliebe und unsere Leidenschaften, die Betätigung der Geduld, der Sanftmut und der Nächstenliebe. Alles, was den Nächsten erbaut, sein Seelenheil fördert und ihn Gott lieben lehrt, verherrlicht Gott und ist Ihm wohlgefällig.
Gott sucht unaufhörlich Seelen, die bereit sind, Ihm zu dienen. Wie der Hausvater in der Parabel, so geht Er um die dritte, um die sechste und um die neunte Stunde aus, um neue Arbeiter zu suchen. Noch um die elfte Stunde bietet Er den Müßiggängern Arbeit an. Es ist Seine ganze Sorge, all Seine Geschöpfe zur ewigen Seligkeit zu führen, und zu jeder Zeit ist Er bereit, sie in Seinen Dienst aufzunehmen. Frohlocke ob solcher Güte und bemühe dich, ihr treu zu entsprechen!



26.04.2020
209. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner
(Lk 18)

II Gottes Wohlgefallen an der Demut
«Der Zöllner aber blieb von ferne stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug an seine Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht. Denn wer sich erhöht, wird erniedrigt, wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.»
Nähere dich dem betenden Zöllner und höre, wie demütig er betet! «Gott sei mir armem Sünder gnädig!» Das ist alles, was er zu sagen weiß. Beim Eintritt in den Tempel denkt er nur an die Heiligkeit dessen, Den er anbeten will, und erkennt die Sünden seines vergangenen Lebens in ihrer ganzen Abscheulichkeit. Es liegt ihm fern, sich mit irgend jemand zu vergleichen, denn in seiner eigenen Meinung ist er der Geringste von allen. Am liebsten möchte er sich ganz vernichten. Durch diese Demut wird seine Seele dem himmlischen Vater überaus wohlgefällig, denn wenn der Mensch in seinen eigenen Augen klein wird, so wird er groß in den Augen Gottes.
Betrachte die ehrerbietige und demütige Haltung des Zöllners. Er wagt es nicht, die Augen zu erheben, sondern schlägt sich reuig an die Brust, bekennt seine Sünden und bittet um Verzeihung. Und er tut gut daran, so zu handeln, denn er ist in Wirklichkeit ein Sünder und bedarf der Lossprechung. Aber Gott verzeiht gern den Demütigen, Er lässt sich voll Huld zu denen herab, die sich vor Ihm erniedrigen, Er nimmt sie auf und segnet sie. Warum sieht Jesus die Demütigen so gern unter Seinen Zuhörern? Warum ist Er ihnen ein so gnädiger Richter? Er weiß, dass sie Seine treuesten Jünger sind, die Ihm Ehre machen werden, da sie in all ihren Werken nur die Verherrlichung Gottes suchen. Der Demütige sieht sich vor Gott und weiß, dass er immer Sünder ist. Der Hochmütige schaut nur auf die Menschen, er vergleicht sich mit anderen und tut auch seine Werke nur vor den Menschen anstatt vor Gott.
In der Demut liegt der Keim zu allen übrigen Tugenden, darum legt Jesus so großen Wert darauf. Die Demütigen kann Er zur wahren Armut im Geist und zum echten Gehorsam heranbilden. Innige Frömmigkeit, vollkommene Reinheit, Selbstlosigkeit im Dienst des Nächsten, standhafte Treue, kraftvoller Mut und grenzenlose Hingabe an Gott gehen hervor aus der Demut. Wenn sie in einer Seele Wurzel fasst, so zieht sie den Segen Gottes herab. Sobald der Demütige seine Stimme erhebt, neigt Gott sich zu ihm, um alle seine Wünsche zu gewähren.
Wie schuldbeladen und elend ich auch vor Gott hintrete, so wird Er mir verzeihen, wenn ich mich aufrichtig demütige. Lege daher mutig das Bekenntnis deiner Sünden im Sakrament der Buße ab. Ahme das Beispiel des Zöllners nach. Bitte den Heiland, Seine Lehren in deinem Herzen zu befruchten und dir die Demut Seiner wahren Jünger zu verleihen.



25.04.2020
209. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner
(Lk 18)

I Gottes Abscheu vor dem Hochmut
Zu einigen, die sich voll Selbstvertrauen für gerecht hielten und die andern verachteten, sprach Er folgendes Gleichnis: «Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten. Der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.»
Unter den Zuhörern des Heilands befinden sich Männer, deren übertriebenes Selbstvertrauen Ihm missfällt, und Er beschließt, ihren stolzen Sinn aufzudecken und zu demütigen. Hochmut und Anmaßung sind der göttlichen Gerechtigkeit unerträglich, und Jesus will diesen selbstgerechten Menschen durch ein Gleichnis klarmachen, worin die wahre Gerechtigkeit eines Menschen besteht. Sie erheben sich nämlich über alle anderen und wissen nicht, dass diejenigen, die sie verachten, in den Augen Gottes weit über ihnen stehen.
Bemühe dich, in den Gedankengang des Herrn einzudringen, indem du den beiden Männern, von denen Er redet, zum Tempel folgst und sie dort beim Gebet beobachtest. «Der Pharisäer stellte sich hin und betete bei sich: Gott, ich danke Dir, dass ich nicht bin wie die übrigen Menschen, wie die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder wie der Zöllner da. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich erwerbe.» — Wieviel Hochmut klingt aus diesem Selbstlob! Er hält sich für tugendhafter als alle seine Mitmenschen und begründet diese Behauptung folgendermaßen: «Ich verrichte Gebete, die sie nicht verrichten, ich übe Bußwerke, die sie nicht üben, ich beobachte Zeremonien, die sie nicht beobachten. Ich bin besser als die anderen weil ich mehr tue als sie!»
So urteilt der Stolz, der nicht auf den inneren Wert einer Handlung, sondern auf den äußeren Schein sieht und dabei wähnt, Gott selbst betrachte unsere Werke von diesem niedrigen, menschlichen Standpunkt aus. Der Pharisäer ist in einer traurigen Täuschung befangen, in den Augen Gottes ist seine vorgebliche Frömmigkeit sündhafter Götzendienst. Denn während die wahre Frömmigkeit Gott die Ihm gebührende Ehre erweist, verrichtet der Hochmütige seine guten Werke nur, um sich selbst zu verherrlichen. Der Mensch ist zur Verherrlichung Gottes erschaffen, aber der Stolze lebt und arbeitet für seine eigene Ehre. So widersetzen sich die Hochmütigen der Wirksamkeit Jesu Christi und sind Seine schlimmsten Gegner. Zudem ist der Hochmütige durch einen grundlegenden Irrtum verblendet: Er vergleicht sich mit Sündern anstatt mit Gott. Vor dem heiligen Gott ist auch der vollkommenste Mensch ein Sünder. Darum entrüstet Sich der Heiland, wenn Er Hochmütige in Seinem Heiligtum und unter Seinen Zuhörern antrifft. Erforsche dich, ob der Tadel des Heilands nicht auch dich trifft!



24.04.2020
208. Das Gleichnis vom ungerechten Richter
(Lk 18)

II Jesus warnt Seine Jünger vor Mutlosigkeit
«Dann aber sprach der Richter bei sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und frage nach keinem Menschen. Weil aber diese Witwe mir lästig fallt, will ich ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst kommt sie noch am Ende und schlägt mich ins Gesicht.»
Freue dich, dass die arme Witwe endlich erhört wird! Sie hat es verdient, denn sie war unermüdlich in ihrem Eifer und hat doch geduldig jeden Aufschub ertragen. Wie demütig und bereitwillig nahm sie alle Bedingung an und brachte großmütig alle Opfer. Sie war der festen Überzeugung, dass sich hinter der scheinbaren Gleichgültigkeit und Härte des Richters Wohlwollen verbarg, und ihren beharrlichen Bemühungen ist es wirklich gelungen, den Richter günstig zu stimmen. So wird Vertrauen mit Erfolg gekrönt.
Der Herr aber sprach: «Hört, was der ungerechte Richter sagt! Und Gott sollte Seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu Ihm rufen, nicht zu ihrem. Recht verhelfen?» Fasse neuen Mut bei diesen tröstlichen Worten! Nenne deinem himmlischen Vater deine Widersacher, gegen die du Klage erhebst und sage Ihm, welches Hindernis dir am meisten im Weg steht! Wenn du Erleuchtung, Mut, Vertrauen Freude und Frieden nötig hast, so tritt getrost zum Thron Gottes, und lege all dein Flehen in das eine Wort: «Vater!» Wiederhole es so oft, bis Er dir antwortet: «Mein Kind!» und dir den Reichtum Seiner Gnade erschließt!
«Gott aber sollte Seinen Auserwählten nicht Recht schaffen?» spricht der Erlöser. Jesus ist schmerzlich erstaunt, dass man daran zweifeln kann. «Geduldet euch nur, so wird euch Gerechtigkeit widerfahren.» Beherzige diese Lehre, die der Sohn Gottes dir erteilt, und erbitte dir von Ihm die Gnade, mutig und treu in der Hingabe an die göttliche Vorsehung auszuharren!



23.04.2020
208. Das Gleichnis vom ungerechten Richter
(Lk 18)

I Jesus mahnt Seine Jünger zur Ausdauer im Gebet
Er zeigte ihnen in einem Gleichnis, dass man allzeit beten müsse und nicht nachlassen dürfe. Er sprach: «In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und nach keinem Menschen fragte. In derselben Stadt lebte auch eine Witwe. Die ging zu ihm und bat: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher. Lange Zeit wollte er nicht.»
Der göttliche Meister will Seine Jünger im Vertrauen auf Gott und in der gänzlichen Hingabe an die göttliche Vorsehung stärken. «Lasst nicht nach im Gebet», sagt Er, «Gott hört euch und hat acht auf all eure Bemühungen, mit väterlicher Liebe nimmt Er Anteil an euren Wünschen und Sorgen.»
Diese Wahrheit tritt uns hier in einem Bild entgegen. Wir müssen daran glauben, weil Jesus Selbst es gesagt hat. Suche keinen anderen Beweis als Seine Wahrhaftigkeit. Er hat unsere Einwände vorausgesehen und im voraus widerlegt.
Betrachte diese Frau, die den Richter mit Bitten bestürmt! Sieh, wie sie mit Eifer und Lebhaftigkeit ihr Anliegen vorträgt und keine Tränen spart, um ihrer Sache zum Sieg zu verhelfen! Wer ist jener Feind, gegen den sie Schutz sucht? Wie kommt es, dass sie ihm so schwach und hilflos gegenübersteht? Forsche in deinem Inneren, und du wirst eine Antwort auf diese Frage finden. Bist du nicht in ähnlicher Lage wie diese Frau? Lerne von ihr, was du tun musst, um in deinen Anliegen erhört zu werden.
Diese Frau hat begriffen, dass das Gebet auch eine Waffe zum Kampf ist. Der betende Christ ist in der Tat ein Kämpfer. Wenn wir uns zum Gebet begeben, so haben wir einen Kampf auszufechten und bedürfen der ganzen Kraft unseres Glaubens, um uns den Sieg zu sichern. Wir müssen uns in diesem Kampf mit Tugenden wappnen, denen das Herz Gottes nicht widerstehen kann, mit Demut, Vertrauen, Liebe, Eifer und Hingabe.
Das Gebet der Witwe ist in der Tat ein solches Ringen, das ihr zu immer größerem Ruhm gereicht, je länger sie darin ausharrt. Wie in allen anderen Dingen, so sucht Gott Vater auch in unserem Gebet Seine Ehre. Er erhört diejenigen, deren Gebet zu Seiner Verherrlichung gereicht.



22.04.2020
207. Das Gleichnis vom reichen Prasser
(Lk 16)

III Mittel, der Verdammung zu entgehen
«Jener fuhr fort: Dann bitte ich dich, Vater, sende ihn in mein Vaterhaus. Ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.»
Was muss man tun, um vor den ewigen Höllenqualen bewahrt zu bleiben? Das wird dir klar werden, wenn du über die Antwort nachdenkst, die dem reichen Prasser zuteil wurde. Er bat um Erbarmen für seine Brüder und möchte ihnen gern einen Boten senden, um sie zu warnen. Aber er erhält zur Antwort: «Sie haben Moses und die Propheten, auf die sollen sie hören.» Gott hat ihnen Mittel genug an die Hand gegeben, um selig zu werden, wenn sie guten Willen hätten. In den Büchern des Gesetzes finden sie mit untrüglicher Klarheit den Weg vorgezeichnet, dem sie folgen müssen, um nicht in den Abgrund der Hölle zu stürzen.
Könnte denn das Zeugnis eines Auferstandenen mehr Beweiskraft haben, als das Zeugnis des menschgewordenen Gottes, Der den Himmel verließ, um uns zu belehren und zu leiten? Der wahrhaft christlichen Seele genügt das Evangelium als Richtschnur ihres Lebens. Preise die Weisheit Gottes, die sich in dem furchtbaren Geheimnis Seiner strafenden Gerechtigkeit offenbart! Sage Seiner unendlichen Barmherzigkeit Dank, dass sie dich bisher verschont hat, und schreite mutig voran auf dem steilen Pfad, der zum Himmel führt!



21.04.2020
207. Das Gleichnis vom reichen Prasser
(Lk 16)

II Die Qualen des Verdammten
«Da rief er: Vater Abraham! Erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser tauche und meine Zunge kühle, denn ich leide große Qual in dieser Feuersglut!»
Was leidet man in der Hölle? Sieh, welches Los den Verdammten für alle Ewigkeit bereitet ist! Betrachte zuerst die Schmach der Hölle! Welchen Platz nimmt der Verdammte in der Schöpfung ein? Er ist tief unter die niedrigsten Geschöpfe herabgesunken. Wenn er den Blick hebt, so gewahrt er unermesslich hoch über sich den armen Bettler, auf den er einst so stolz herabgeblickt hat und den er für nichts geachtet hat. Jetzt hat er mit ihm die Rolle getauscht und gehört nun selbst zum Auswurf der Schöpfung. Das ist die Strafe für seinen Stolz.
Was bleibt ihm übrig von allen Gütern, die er auf Erden besaß? Damals hatte er an allem Überfluss, jetzt leidet er in jeder Hinsicht Mangel. Flehentlich bittet er um einen Tropfen Wasser. Suche die Pein dieser äußersten Entblößung zu erfassen! Wer auf dieser Welt nichts hat, hat immer noch den lieben Gott, und somit fehlt ihm eigentlich nichts, denn in Gott findet man Ersatz für alles andere. Dem Verdammten aber bleibt gar nichts, für ihn ist alles verloren, weil er Gott verloren hat. Gott hat Seine Güte, Seine Liebe und Barmherzigkeit von ihm weggenommen, ihn gleichsam aus Seinen Gedanken ausgestoßen. Damit sind alle Quellen des Glücks für den Verdammten versiegt. Das ist die Strafe für seine Selbstsucht und seine Ausschweifungen.
Was hat er gegen die sündhaften Freuden eingetauscht? Durch die Sünde hat er sich von Gott losgesagt und der ewigen Seligkeit beraubt. Er hat sich selbst das Urteil der Verwerfung gesprochen. Aber der Verlust Gottes ist nicht die einzige Strafe, welche die göttliche Gerechtigkeit dem Schuldigen auferlegt. Höre sein Schmerzensgeschrei: «Ich leide große Pein in dieser Flamme.» Er ist zum ewigen Feuer verdammt, und Gott erhält ihm das Dasein nur, um ihn diese furchtbare Qual erdulden zu lassen. Das ist die Strafe für seine Gottlosigkeit.
Vergeblich sinnt er auf ein Mittel, seinem Schicksal zu entrinnen, aus dem Abgrund der Hölle steigt kein Verdammter je wieder empor. Der Himmel selbst bezeugt die Ewigkeit der Höllenstrafe, da Abraham dem unglücklichen Prasser zuruft: «Zu alledem starrt zwischen uns und euch eine weite Kluft, so dass keiner von hier zu euch hinübergehen noch einer von dort herüberkommen kann, auch wenn er wollte.» Die furchtbarste Strafe der Verdammten ist die ewige Dauer ihrer Qualen. Das nach dem Tod gefällte Urteil bleibt für alle Ewigkeit in Kraft, es gibt nur ewige Glückseligkeit oder ewige Verdammnis.
Beklage den Unglücklichen, dessen Schicksal Jesus schildert, und nimm dir die ernste Lehre, die dieser Parabel zugrunde liegt, tief zu Herzen!



20.04.2020
207. Das Gleichnis vom reichen Prasser
(Lk 16)

I Der Weg zur Hölle
Jesus sprach: «Es war ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und hielt alle Tage glänzende Gelage. »
Habe wohl acht auf die Worte des Herrn, erinnere dich, dass Er nur das schildert, was Er selbst gesehen hat. Jesus spricht von der Hölle und zeigt, wie man dahin gelangt, welche Qualen die Verdammten erdulden und was wir tun müssen, um vor diesem schrecklichen Schicksal bewahrt zu bleiben. Bemühe dich, die Bedeutung der Parabel zu erfassen, damit, wenn jemals die Liebe zu Gott nicht mehr hinreichen sollte, dich auf dem rechten Weg zu bewahren, wenigstens die Furcht vor der ewigen Verdammnis dich darauf zurückhalte oder zurückführe! Auf welchem Weg gelangt man in die Hölle? Auf dem Weg der Abkehr von Gott. Im Taumel der Vergnügungen, der Sinnenlust und der eitlen Ehre vergisst man die Gebote Gottes. Wirf einen Blick in das Haus des reichen Prassers, von dem Jesus redet. Da zeugt alles von Luxus und Wohlleben, jeder Lust wird dort gefrönt. Das sind die Netze, in denen der Teufel seine Opfer fängt, um sie mit sich in das ewige Verderben zu reißen.
«Ein Armer aber mit Namen Lazarus lag voller Geschwüre krank vor seiner Tür. Gern hätte er sich mit den Abfällen vom Tisch des Reichen gesättigt, aber niemand gab sie ihm. SeIbst die Hunde kamen und leckten an seinen Geschwüren.» — Vergleiche eingehend dieses Leben der Wollust mit dem Elend, den Leiden und der Verlassenheit des armen Lazarus. Betrachte aber auch das Ende ihres Lebens. Den einen beraubt der Tod, den anderen beschenkt er mit Gütern.
«Da starb der Arme und wurde von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen. Aber auch der Reiche starb und wurde in der Hölle begraben.» — Im Augenblick des Todes treten die höllischen Geister an das Prunkbett des reichen Prassers, während Engel das Sterbelager des armen Lazarus umgeben. Wer beschreibt die entsetzliche Enttäuschung des einen und die unaussprechliche Freude des anderen? Der Gedanke daran wird dir helfen, das Irdische richtig zu beurteilen.



19.04.2020
206. Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
(Lk 16)

III Jesus gibt uns ein Mittel, unser ewiges Heil sicherzustellen
«Auch Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie euch, wenn es einmal zu Ende geht, in die ewigen Wohnungen aufnehmen.»
Beachte, welchen Schluss Jesus aus dem Gleichnis zieht! Es ist gerecht und vernünftig, dass wir auf das Erlangen der ewigen Güter wenigstens ebenso viel Sorgfalt verwenden, wie die Bösen auf den Gewinn oder die Bewahrung irdischer Reichtümer. Deshalb sagt Jesus: «Macht euch Freunde mittels des ungerechten Reichtums! Verteilt euer Besitztum an die Armen und Bedürftigen, seid barmherzig, um dadurch die Gnade der Rechtfertigung zu erlangen!»
Der Heiland bezeichnet also die Werke der Barmherzigkeit als ein vortreffliches Rettungsmittel sündenbeladener Seelen, die vor den Werken der Buße zurückschrecken. Die Linderung des menschlichen Elends wird solchen Seelen gleichsam zum Sakrament, das ihnen den Himmel erschließt. Die göttliche Gerechtigkeit wird besänftigt und gewährt dem Sünder eine neue Frist zur Bekehrung. So werden die Armen zu Mittlern zwischen Gott und ihren Wohltätern und erstatten mit Zinsen, was man ihnen gegeben hat. Darum sei gut und freigebig gegen sie, und Gott wird auch dir einst gnädig sein!


18.04.2020
206. Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
(Lk 16)

II Jesus mahnt uns, dem drohenden Strafgericht zuvorzukommen
«Da dachte der Verwalter bei sich: Was soll ich anfangen, da mein Herr mir die Verwaltung nimmt? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tue, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich der Verwaltung enthoben bin.«
Alles, was man dem Verwalter vorwirft, ist wahr. Er hat wirklich das Vermögen seines Herrn verschwendet. Er hat mehr zu seinem eigenen Nutzen als zum Vorteil seines Herrn gewirtschaftet. Er hat das Vertrauen seines Herrn missbraucht, um sich Dessen Rechte anzumaßen und sich Seine Güter anzueignen. Aber so hoffnungslos seine Sache auch scheint, er lässt sich nicht entmutigen, sondern sucht nach einem Ausweg. Lerne vom ungerechten Verwalter, wie man sich scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber zu verhalten hat! Gewiss ist seine Handlungsweise verwerflich, aber die Idee, die ihr zugrunde liegt, verdient Beachtung.
Der Verwalter denkt mit Schrecken an die Schande, die ihm bevorsteht. «Zu betteln schäme ich mich. Ich kann es nicht ertragen, als Bettler dort aufzutreten, wo ich bisher in größtem Ansehen stand.» Er kennt die Strenge seines Herrn, er glaubt an die Gefahr, und deshalb beschließt er, sofort zu handeln, ohne sich darauf zu verlassen, dass durch irgendein unerwartetes Ereignis seine Lage sich vielleicht bessern werde.
Er sinnt auf ein Mittel, dem drohenden Strafgericht zu entgehen. Er überlegt, fragt andere um Rat und scheut keine Mühe, da es gilt, seine Zukunft sicherzustellen. Als Ergebnis seiner Überlegung erkennt er, dass es am besten ist, sich diejenigen zu Dank zu verpflichten, die ihm später nützlich sein könnten. Daher lässt er alle Schuldner seines Herrn kommen und trifft mit ihnen ein trügerisches Abkommen. Lass diesen Betrug außer acht, merke dir nur, wie sehr er für seine Zukunft besorgt ist! «Ich habe ein Mittel gefunden, um mein Soll und Haben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ich weiß nun, was ich zu tun habe, um meinen Verlust zu decken und den schlimmen Folgen zu entgehen, die der Zorn meines Herrn nach sich ziehen wird. Meine Zukunft ist gesichert.» Wende diese Erwägung auf dein eigenes Leben an!
«Anerkennend sprach sein Herr: Er hat klug gehandelt, denn die Kinder dieser Welt sind ihresgleichen gegenüber klüger als die Kinder des Lichtes.» Ja, bedenke, mit welchem Eifer die Weltmenschen sich abmühen, um einen vergänglichen und sehr unsicheren Gewinn zu erhaschen. Beschämt es dich nicht, dass du Gott so nachlässig dienst, obwohl Er dir einen unendlich kostbareren und ewigen Lohn verheißt?



17.04.2020
206. Das Gleichnis vom ungerechten Verwalter
(Lk 16)

I Jesus warnt vor dem Missbrauch der Gaben Gottes
Ferner sprach Er zu Seinen Jüngern: «Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter. Dieser wurde bei ihm angeschuldigt, er vergeude sein Vermögen. Er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was muss ich von dir hören? Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter bleiben.»
Schließe dich den Jüngern des Heilands an, und höre in Sammlung das Gleichnis, das der göttliche Meister ihnen vorträgt! Er will ihnen durch diese Erzählung nochmals die Lebensaufgabe des Menschen und sein Verhältnis zu Gott klarmachen.
Du selbst bist jener ungerechte Verwalter, der vor den Richterstuhl seines Herrn gerufen wird. Man hat am Thron Gottes Klage gegen dich erhoben. Alle Seelen, denen du jemals Ärgernis gegeben, der Teufel, der dich so oft besiegt, dein Schutzengel, den du manches Mal betrübt, und das Blut Christi, dessen Wirksamkeit du vereitelt hast, sind die Ankläger, die dich beschuldigen. Alsdann wird der Herr zu dir sprechen: «Ich habe erfahren, dass du Meine Güter verschleuderst. Du missbrauchst zu deiner eigenen Befriedigung die Gaben, die Ich dir zur Beförderung Meiner Ehre anvertraute. Anstatt mit Eifer Meine Interessen wahrzunehmen, verbringst du deine Tage in Leichtsinn und Müßiggang. Du lässt Meine Güter verkommen und schädigst Mein Ansehen. Gib Rechenschaft von deiner Verwaltung!»
Diese Worte sollen dir zum Bewusstsein bringen, dass der Mensch auf Erden nur der Verwalter der Güter Gottes ist. Gott verlangt von ihm die Treue eines Verwalters, und dafür will Er ihn einst belohnen. Erforsche dein Gewissen und bereite dich vor, deinem Herrn Rechenschaft abzulegen!


16.04.2020
205. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (III)
(Lk 15)

II Der Anteil der Gerechten in dieser Welt
«Er erwiderte ihm: Mein Sohn, du bist immer bei mir, und all das Meinige ist dein. Es galt aber, ein Freudenmahl zu halten und fröhlich zu sein. Denn dieser dein Bruder war tot und lebt wieder. Er war verloren und ist wiedergefunden worden.»
Vernimm die Rechtfertigung des Vaters! «Mein Sohn, du bist immer bei mir! In der Arbeit, im Gebet, im vertrauten Umgang, im Erfolg und im Missgeschick, in Freude und Leid bist du bei mir, und ich bin bei dir. Ich bin dein Führer und dein Beschützer, ich segne dich und helfe dir, des Tages Mühen und Last zu tragen, und keines deiner Opfer bleibt unbelohnt. Mein Haus ist dein Haus und alles, was ich besitze, gehört dir.»
Denke über diese Worte nach! In der Vereinigung mit Gott besteht schon hier auf Erden das Glück der Gerechten, und ihr Los gleicht dem der Seligen des Himmels. Hast auch du, wie dieser zweite Sohn, oft wieder vergessen, was für eine Gnade es ist, im Hause des himmlischen Vaters wohnen und Ihm nahe sein zu dürfen?
Du bist auf Erden, um hienieden schon das Leben der Auserwählten zu beginnen und dich durch deine Treue Ihrer Seligkeit würdig zu machen. Das Glück der treuen Seelen besteht gerade in ihrer Treue. Dieser Gedanke soll dir deine Lebenstage zum Fest gestalten. Gott ehrt dich, indem Er deine Dienste annimmt und deine Mühen segnet. Dies soll deine Freude sein, eine Freude, die Gott dir täglich von neuem schenkt, das einzige Gut, das du nur durch eigene Schuld verlieren kannst.
Erzeige dich deinem himmlischen Vater dankbar für das glückliche Los, das Er dir bereitet hat! Aller irdische Trost vergeht, aber die Freuden der auserwählten Kinder Gottes sind ewig. Dein einziger Ehrgeiz soll sein, dem lieben Gott sagen zu können: «Seitdem Du mir meine Sünden vergeben hast, habe ich nicht nachgelassen in Deinem Dienst und habe keines Deiner Gebote freiwillig übertreten. Dein heiliger Wille war stets die Richtschnur meines Handelns, und ich kann mich in Wahrheit Dein treues Kind nennen.»


15.04.2020
205. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (III)
(Lk 15)

I Der Unwille des älteren Sohnes
«Sein älterer Sohn war gerade auf dem Feld. Als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz. Er rief einen von den Knechten und erkundigte sich, was das zu bedeuten habe. Dein Bruder ist heimgekommen, antwortete ihm dieser. Nun hat dein Vater das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn gesund zurückerhalten hat. Da ward er zornig und wollte nicht hineingehen.»
Komm und nimm deinen Platz bei dem Freudenmahl ein! Der reumütige Sohn sitzt an der Seite seines Vaters und genießt das Glück der wiedergewonnenen Unschuld. Er hat erfahren, wo Wahrheit, Glück und Frieden zu finden sind, er wird sich nicht mehr täuschen lassen. Die Vergangenheit ist abgetan. Er soll sich ihrer nur erinnern, um die Güte seines Vaters zu preisen, der ihm so großmütig verziehen hat.
Doch die Festfreude wird gestört durch das Murren und den Widerspruch des älteren Bruders. Er versteht die Güte seines Vaters nicht und begreift nicht, warum er die Rückkehr seines Bruders so festlich begeht. Er sieht mit Neid und Ärger die Freigebigkeit seines Vaters gegen den unwürdigen Sohn. Höre, wie er sich beklagt, da der Vater nicht ihm zu Ehren Feste veranstaltet hat; er meint, als Lohn für seine Pflichterfüllung den ersten Anspruch darauf zu haben. Er fühlt sich in seinen Rechten verletzt, ihm erscheint es, als ob alles, was man seinem Bruder gibt, ihm selbst entzogen werde. Es kränkt ihn, dass sein Vater dem verlorenen Sohn die Versöhnung so leicht gemacht hat.
Dieser selbstgerechte Sohn ist in seinem Urteil streng;, hart und unerbittlich, weil er sich nicht in die Gefühle seines Vaters hineinzudenken vermag. Er weiß nicht, was es heißt, ein Kind zu verlieren, dem man selbst das Leben geschenkt hat, und er kann sich nicht vorstellen, welche Freude das Vaterherz erfüllt, als er den totgeglaubten wieder findet. Wir dürfen auch hier wieder erkennen, wie sehr Gott uns liebt!



14.04.2020
204. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (II)
(Lk 15)

III Die Aufnahme des verlorenen Sohnes im Vaterhaus
«Schon von weitem sah ihn sein Vater und ward von Erbarmen gerührt. Er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sagte zu ihm: «Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.»
Sei Zeuge des Wiedersehens zwischen Vater und Kind, und du wirst die Größe der göttlichen Liebe erkennen. Seitdem der Sohn das Vaterhaus verlassen, hat der Vater unaufhörlich an ihn gedacht, er zählt die Tage und die Stunden und sehnt sich nach dem kleinsten Zeichen der Reue, um dem Verlorenen beim ersten Schritt zur Aussöhnung seine Liebe wieder zu schenken und ihn mit neuen Gütern auszustatten.
Sieh, wie der verlorene Sohn nach seiner Rückkehr am Vaterherzen ruht! Da bekennt er seine Schuld und Unwürdigkeit. Er hatte sich vorgenommen zu sagen: «Vater ich habe gesündigt», und er hält Wort. Sein Vater wünscht dieses Schuldbekenntnis, und dem reuigen Sünder ist es ein wahres Bedürfnis, diesem Wunsch zu entsprechen. Er verlangt nach einem teilnehmenden Herzen, dem er sich ganz anvertrauen kann. Und wo fände er mehr Liebe und Verständnis als bei seinem Vater? Höre, wie er sein Geständnis ablegt! Es befreit ihn von dem Druck seiner Schuld und bringt ihm Erleichterung, wie dem Kranken das Heilmittel. Sein Vater aber wird durch dieses reumütige Bekenntnis versöhnt. Gott verzeiht nur denen, die ihre Schuld erkennen und eingestehen. Dieses Geständnis soll die Aufrichtigkeit ihrer Reue beweisen, denn durch die Verdemütigung der Anklage wird der Stolz, die letzte Ursache jeder Sünde, gebrochen.
«Doch der Vater befahl seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an. Gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße. Dann holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen ein Freudenmahl halten und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wiedergefunden. Und sie fingen an, ein Freudenmahl zu halten.» Nimm teil an der Freude des Vaters und an der Freude des Heimgekehrten, dem sein Vaterhaus wieder offen steht und der in alle Rechte der Kinder Gottes wieder eingesetzt wird! Bitte den himmlischen Vater, dir alles wieder zu geben, was du durch die Sünde verloren hast, und erfreue dich im Gedanken an die Glückseligkeit, die Er dir bereitet.


13.04.2020
204. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (II)
(Lk 15)

II Die Heimkehr des verlorenen Sohnes
«Ich will mich aufmachen, zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Behandle mich wie einen deiner Tagelöhner. Er machte sich also auf und ging zu seinem Vater.»
Der Sünder möchte gern ins Vaterhaus zurückkehren. Wird aber der himmlische Vater ihn wieder aufnehmen? Diese Frage ist von der größten Bedeutung. Es genügt nicht, sich zu fragen, ob man seine Sünden bereut und wünscht, sie nie begangen zu haben. Es handelt sich vor allem darum, zu erfahren, ob der Fehler wieder gutgemacht werden kann, ob Gott bereit ist, unsere Reue anzunehmen, und ob Seine Güte und Barmherzigkeit Seiner Macht und Heiligkeit gleichkommen.
Das Gleichnis bringt dir diesen tröstlichen Beweis. Der verlorene Sohn verabscheut seinen Fehler und entschließt sich, ihn wieder gutzumachen. «Ich will mich aufmachen!» ruft er aus. «Was es auch kosten mag, ich will mein Unrecht wieder gutmachen, mein schändliches Leben aufgeben und mit meinen schlechten Gewohnheiten brechen. Ich will die Leidenschaften, die mich ins Verderben stürzten, bekämpfen und den Gelegenheiten zur Sünde entsagen. Offen und mutig will ich auf den Weg der Pflicht, der Tugend und Frömmigkeit zurückkehren.»
Wo wird er die Kraft zu diesem überaus schwierigen Unternehmen finden? In der Hoffnung, dass sein Vater ihm verzeihen wird! — «Ich will zu ihm eilen, ich will ihm meine Schuld bekennen und Besserung versprechen. Ich kenne ihn, ich weiß, wie gut er ist; er wird mich aufnehmen und diesem Elend entreißen.»
Danke dem verlorenen Sohn, dass er dich lehrt, mit Vertrauen dem himmlischen Vater entgegenzutreten, den du so oft beleidigt hast! Betrachte den Verirrten auf dem Rückweg zum Vaterhaus! Er ist so schwach, und der Weg ist so weit, seine Schritte wanken, aber er hofft, und die Hoffnung ist seine Stärke. Wenn er auch manches Mal fällt, so beharrt er doch bei seinem Entschluss. Folge seinem Beispiel!



12.04.2020
204. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (II)
(Lk 15)

I Die Reue des verlorenen Sohnes
«Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, und ich komme um vor Hunger!»
Suche noch einmal den verlorenen Sohn auf, dessen Undankbarkeit und Torheit du schon betrachtet hast! Erinnere dich, wie er in leichtsinniger Weise die Gaben Gottes missbraucht und sich selbst ins größte Elend gestürzt hat! In diesem Zustand ruft er aus: «Ich gehe durch Hunger zu Grunde. Als ich hierher kam, träumte ich davon, in Reichtum und Überfluss zu leben und all meinen Neigungen und Liebhabereien frönen zu können, statt dessen habe ich nur Enttäuschungen und die äußerste Armut gefunden.»
Der verlorene Sohn hat Gott verlassen und sich von ihm entfernt. Was bleibt dem, der Gott verloren hat? Habe Mitleid mit dem Unglücklichen! Sieh, in welchen Abgrund er durch eigene Schuld gestürzt ist! Mache dir seine traurigen Erfahrungen zunutze, und lerne von ihm aufrichtige Reue über deine Sünden! Die Reue besteht darin, dass man seine Sünden verabscheut und wünscht, sie nie begangen zu haben. Das tut der verlorene Sohn. Das Übermaß seiner Leiden und Enttäuschungen ist der erste Anstoß dazu.
«Wie viele Tagelöhner im Haus meines Vaters haben Überfluss an Brot?» — Seine Gedanken schweifen zurück zum Vaterhaus, und es regt sich in ihm der Wunsch, es niemals verlassen zu haben. Es reut ihn, dass er den Lügenstimmen Gehör geschenkt, die ihn in die Fremde lockten. Er beginnt, seine Handlungsweise zu verabscheuen, und die wahre Reue bricht sich Bahn. — So geht es vielen Sündern; sie erinnern sich der Vergangenheit mit ihren reinen Freuden. Sie denken zurück an ihr stilles Glück, an den Frieden der Seele und an die Sorglosigkeit bezüglich der Zukunft. Das alles möchten sie wiederfinden und von neuem ihr Herz der Hoffnung erschließen.



11.04.2020
203. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (I)
(Lk 15)

III Das Unglück des verlorenen Sohnes
«Als er alles durchgebracht hatte, entstand in jenem Land eine große Hungersnot, und er fing an zu darben. Da ging er hin und verdingte sich bei einem Bürger jenes Landes. Dieser schickte ihn auf seine Felder, die Schweine zu hüten. Gern hätte er seinen Hunger mit den Schoten gestillt, die die Schweine fraßen. Aber niemand gab sie ihm.»
Nachdem er allen seinen Leidenschaften gefrönt hat, erfährt der Sünder endlich, dass das Glück nicht in der Trennung von Gott zu finden ist, denn Gott ist das wahre Leben der Seele, und ohne dieses Leben kann der Mensch nicht glücklich sein. Noch niemand hat das Glück in der Befriedigung niedriger Leidenschaften gefunden.
Das Schicksal des verlorenen Sohnes bestätigt diese Wahrheit. Er hat das gesicherte Leben im Vaterhaus gegen eine ungewisse Zukunft eingetauscht, er hat trügerischen Stimmen Gehör geliehen, die ihn von seiner Pflicht abwendig machten und ihm vorgaukelten, das Glück sei in der Ferne. Aber was er fand, entsprach nicht seinen Erwartungen. Statt der ersehnten Befriedigung wurde ihm Überdruss zuteil. Er suchte Reichtum und leidet nun Hunger, er träumte von Unabhängigkeit und ist zum Knecht geworden, er sehnte sich nach Ehre und Ansehen vor den Menschen und wird mit Schmach und Schande überhäuft. Alle Gründe, auf die er sein Handeln stützte, beruhten auf Trugschlüssen und seine Träume waren Hirngespinste.
So tief fällt der Mensch, der sich von seinem himmlischen Vater lossagt. Welches Schicksal verdient er? Was verdienst du, wenn du die gleiche Torheit begehst? Denke in aller Demut über dein vergangenes Leben nach und vergleiche die unendliche Größe und Majestät Gottes mit der abgrundtiefen Niedrigkeit des Sünders! Lerne Selbsterkenntnis und Demut!



10.04.2020
203. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (I)
(Lk 15)

II Der Missbrauch, den der verlorene Sohn mit seinen Gütern treibt
«Wenige Tage später packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort verschwendete er sein Vermögen durch ein ausschweifendes Leben.» Folge dem missratenen Sohn! Er hat sein Erbteil in Händen, aber er weiß es nicht zu schätzen. Er vergisst, dass sein Vater diesen Reichtum durch harte Arbeit und große Beschwerden erworben hat. Vergessen wir nicht auch allzu oft, dass unser himmlisches Erbteil den Schweiß und das Blut des Heilands gekostet hat? Was tut der Sünder mit diesen Gütern? Er benutzt sie, wie der verlorene Sohn, zur Befriedigung seiner Leidenschaften und sinnlichen Begierden und lässt seinem Verlangen nach Unabhängigkeit die Zügel schießen. Er will das Leben genießen, ohne an die Vergangenheit zu denken. Er zieht weit fort, um nur nichts zu hören oder zu sehen, was ihn an das Vaterhaus erinnert. Er will in der Ferne alles vergessen, was ihm ans Herz gelegt wurde, alle Wahrheiten, alle Warnungen und alle Lebensregeln. So handelt der Sünder. Sein Herz ist für die Liebe Gottes geschaffen und er entzieht es Ihm. Er gebraucht Gottes Gaben, um Ihn zu beleidigen. Liegt darin nicht der Höhepunkt menschlicher Undankbarkeit, und verdient ein solches Verhalten nicht die schwersten Strafen?



09.04.2020
203. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (I)
(Lk 15)

I Das Unrecht und die Undankbarkeit des verlorenen Sohnes gegen seinen Vater
Dann fuhr Er fort: «Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zum Vater: Vater, gib mir den Anteil am Vermögen, der mir zukommt. Er verteilte also das Vermögen unter sie.»
Bewundere vor allen Dingen die uneigennützige Güte des Vaters, von dem der Heiland redet, seine Freigebigkeit und liebevolle Sorge für seine Kinder. Dieser Vater hat alles hingegeben, bevor seine Söhne noch das Geringste verdienen konnten. Seine Gaben sind von höchstem Wert und haben ihn selbst viel gekostet. Er hat nichts gespart, um seine Kinder reichlich zu versehen.
Vergleiche die Undankbarkeit des Sohnes mit dieser übergroßen Güte, und verabscheue ein solches Betragen! Gib mir, was mir zukommt», sagt der Sohn. Er will mit seinem Vater, dem er alles verdankt, brechen. Er ist der Freuden des Vaterhauses überdrüssig geworden, die täglichen Pflichten scheinen ihm eintönig und die Arbeit ist ihm unerträglich. Seine Gedanken schweifen in die Ferne, das Unbekannte lockt seine Neugierde, die Leidenschaften sind erwacht und haben über alle besseren Regungen die Oberhand gewonnen. «Vater, gib mir mein Erbteil und meine Freiheit! Ich will mir mein Leben nach meinem Geschmack einrichten, da ich das Glück daheim nicht finde.» Diese Forderung schlägt dem Herzen des Vaters eine tiefe Wunde. Trotzdem hört er seinen Sohn an und erfüllt seinen Wunsch. Warum? Ja, warum lässt der himmlische Vater es zu, dass Seine Kinder Fehltritte begehen, wenn nicht, um den Triumph Seiner Barmherzigkeit um so glänzender zu gestalten?



08.04.2020
202. Das Gleichnis von der verlorenen Drachme
(Lk 15)

II Jesus schildert die Mühe, die Er aufwendet, um die verirrten Seelen wiederzufinden
«Zündet sie dann nicht ein Licht an, kehrt das Haus aus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet? Und hat sie die Drachme gefunden, so ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir! Ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.» Was tut der Heiland, um den verlorenen Schatz wiederzufinden? Er zündet ein Licht an, um die Finsternis der Lüge und der Heuchelei, der unredlichen Absichten und der schwarzen Treulosigkeit zu erhellen. Alle diese Abscheulichkeiten müssen an den Tag, alles was sich verbirgt, muss ans Licht gebracht werden.
Jesus selbst ist jenes Licht, das von oben kommt, um alle Menschen zu erleuchten und sie auf den rechten Weg zu leiten. Er erniedrigt Sich bis zu dir und beleuchtet auch dein Sündenelend. Verstehst du die Wahrheit nicht, die aus Seinen Worten spricht? Verbirg dich nicht länger, lass dich von deinem göttlichen Meister finden! Erkenne im Licht der göttlichen Lehre den Sündenstaub deiner Seele und bitte den Heiland, sie davon zu reinigen! Es ist an der Zeit, alle ungeordneten Neigungen aufzugeben und dem Zustand der Lauheit, in dem sich deine Seele befindet, zu entrinnen. Jesus hat alles für dich getan und erwartet jetzt von dir den Lohn für Seine Mühen und Leiden. «Freuet euch mit Mir!» sagt der Heiland, und der ganze Himmel bereitet sich, den glücklichen Erfolg des Herrn festlich zu begehen. Gilt diese Feier auch deiner Seele?



07.04.2020
202. Das Gleichnis von der verlorenen Drachme
(Lk 15)

I Jesus offenbart Seinen Jüngern, wie hoch Er die Seelen einschätzt
«Oder wenn eine Frau zehn Drachmen besitzt und eine davon verliert, zündet sie dann nicht ein Licht an, kehrt das Haus aus und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet?»
Fahre fort, der ergreifenden Unterweisung deines Erlösers zu lauschen! Er stellt Sich selbst unter dem Bild dieser armen Frau dar, die durch den Verlust ihrer Drachme in so viel Trauer und Unruhe gestürzt wird.
Deine Seele gleicht der Drachme, die in den Augen Jesu einen überaus hohen Wert hat. Bedenke was jede einzelne Seele Jesus an Arbeiten, Verdemütigungen und Leiden gekostet hat, Er hat sie um den Preis Seines Blutes erkauft und glaubte nicht, sie zu teuer zu bezahlen. Was tat Er in Bethlehem, in Nazareth, im Ölgarten, auf dem Kalvarienberg? Er kaufte diesen Schatz, deine Seele. Deshalb gehörst du Ihm mit allem, was du bist und hast, was aber Ihm gehört, muss auch Seinen Absichten dienen. Jesu Absichten mit uns sind von der höchsten Weisheit und liebevollsten Güte eingegeben, und es liegt Ihm vor allem deshalb viel an ihrer Ausführung, weil es sich dabei um die Ehre Seines himmlischen Vaters handelt.
Was ist denn an dem Tag geschehen, da du dich in den Staub fallen ließest? Du hast dich in den Augen des Heilands erniedrigt, du hast den Erfolg Seiner Arbeiten beeinträchtigt, du hast Seinen Absichten zuwidergehandelt und Sein Erlöserblut verachtet. Wundere dich nicht, dass der Heiland Sich keine Ruhe gönnt und alle Mühen auf Sich nimmt, um deine Seele zurückzugewinnen, die Ihm durch die Sünde verlorenging. Sein Herz hängt an ihrem Besitz, und Er wird nicht ablassen, bis Er sie wiedergefunden hat.



06.04.2020
201. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
(Lk 15)

III Die Freude im Himmel über die Bekehrung eines Sünders
«Ebenso wird im Himmel größere Freude sein über einen Sünder, der sich bekehrt, als über neunundneunzig Gerechte, welche der Bekehrung nicht bedürfen.»
Richte deinen Blick nach oben und sieh, wie der Sohn Gottes dich dem ganzen himmlischen Hof vorstellt mit den Worten: «Hier ist die Seele, die Ich verloren hatte. Sie hat ihre Sünde beweint, ich durfte die Frucht Meiner Arbeiten und Meines Blutes wiederfinden. Darum freut euch mit Mir!» Die Seligen des Himmels freuen sich über die Tränen des Sünders, die ihm das Anrecht auf einen Platz bei ihnen schenkt, sie beginnen jetzt schon das Fest seiner einstigen Seligsprechung. Bleibe nun dem Herrn treu, und halte fest am Geist der Buße, der zum ewigen Glück hinführt.
Bedenke auch, dass die Bekehrung einer einzigen Seele den ganzen himmlischen Hof in solche Freude versetzt. Dies zeigt, wie kostbar jede Seele in den Augen Gottes und der Heiligen ist. Du wirst deshalb deine Seele sorgfältig vor jeder Gefahr der Verunreinigung durch die Sünde bewahren.



05.04.2020
201. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
(Lk 15)

II Jesus beschreibt Seine Freude über die Bekehrung eines Sünders
«Er geht dem verlorenen nach, bis er es findet. Hat er es gefunden, so nimmt er es voll Freude auf seine Schultern. Und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.»
Betrachte den guten Hirten auf dem Weg, den er einschlägt, um das verlorene Schaf wiederzufinden. Es ist der Weg, auf dem der Teufel unvorsichtige Seelen ins Verderben führt. Bist nicht auch du diesen Weg gewandelt, und hast du dadurch nicht mehr als einmal dein Seelenheil aufs Spiel gesetzt?
Der gute Hirt erzählt gleichsam die Geschichte deiner Bekehrung. Deine Undankbarkeit hatte dich Seiner liebevollen Sorge ganz unwürdig gemacht, aber trotzdem hat Er sich sogleich auf den Weg begeben, um dich um jeden Preis zum Schafstall zurückzuführen, ungeachtet deines langen Widerstandes, deines häufigen Rückfalls und deines kränkenden Verrats. Nichts konnte Ihn entmutigen!
Erinnere dich, mit wie viel Liebe Sein Blick auf dir ruhte, mit welch zärtlicher Sorge Er das erste Zeichen deiner Reue erwartete und wie Er Sich dann mit väterlicher Liebe dir zuneigte, deine Wunden verband und deine Hoffnung neu belebte! Das alles war noch nicht genug. Der Heiland suchte dir die Rückkehr in den Schafstall in jeder Weise zu erleichtern und deine Anstrengungen zu unterstützen, damit du in Zukunft den Forderungen der Pflicht nachkommst trotz aller Lockungen der Leidenschaft. Darum ist Er in den Beweisen Seiner Liebe bis zum äußersten gegangen. Er hat dich auf Seinen Schultern getragen, dich an Seinem Herzen ruhen lassen und mit unwiderstehlicher Liebe dich an Sich gelockt. Durchlebe im Geist noch einmal jene Stunden, in denen der Herr dir Seine Barmherzigkeit offenbarte, und lass die Freude wieder aufleben, die dich erfüllte, als Er dir all deine Sünden verzieh!
Vollende das Werk deiner Bekehrung, damit deine Freude voll werde! Eile dem guten Hirten entgegen und erkläre dich besiegt! Bekenne deine Fehler und bitte Ihn, dich wieder in Seinen Schafstall aufzunehmen!



04.04.2020
201. Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
(Lk 15)

I Jesus erklärt sich bereit, alles zu tun, um die Sünder zu bekehren
Allerlei Zöllner und Sünder nahten sich Ihm, um Ihn zu hören. Darüber murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sagten: «Dieser nimmt die Sünder auf und isst mit ihnen.» Da trug Er ihnen dieses Gleichnis vor: «Wenn einer von euch hundert Schafe besitzt und eins davon verliert, lässt er nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?»
Geselle dich den Zöllnern und Sündern zu, die sich dem Heiland nahen! Bei ihnen ist wirklich dein Platz, du bist sündhaft und armselig wie sie.
Jesus weilt gern bei den Sündern, das kleinste Zeichen ihres guten Willens und ihrer Reue erfreut Sein göttliches Herz. Er selbst versichert, dass Er, um ein verirrtes Schaf zu Seiner Herde zurückzuführen, Seine ganze Weisheit und die ganze Liebe Seines Herzens einsetzt.
Warum so viel Großmut? Versuche die Beweggründe des Heilands zu verstehen. Das Schaf, das sich von Seiner Herde entfernt hat, bereitet dem göttlichen Hirten einen tiefen Schmerz. Der Erfolg mühevoller Arbeit und erkämpfter Siege ist mit einem Schlag vereitelt. Wenn Er es sich selbst überlässt, ist sein Verderben besiegelt. Deshalb wundere dich nicht, dass der gute Hirt über diesen Verlust sehr betrübt ist und dem Unheil um jeden Preis abhelfen will. Er sinnt auf Mittel und Wege, um Sein Ziel zu erreichen. Seiner göttlichen Weisheit scheint keine Mühe zu groß, wenn es gilt, eine verirrte Seele ihren Täuschungen zu entreißen, ihr die Hässlichkeit ihrer Fehler zu zeigen und sie die Schwere ihrer Verantwortlichkeit fühlen zu lassen. Der göttliche Heiland beschäftigt Sich mit ihr, als ob sie ganz allein in der Welt wäre. Denke über diese Wahrheit nach, und du wirst im Gottvertrauen erstarken.



03.04.2020
200. Von der Losschälung des Herzens
(Lk 14)

II Jesus verlangt, dass wir uns die Verpflichtungen, die wir auf uns nehmen wollen, vorher klar machen
«Wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich nicht zuvor hin und berechnet die Kosten, ob er auch die Mittel zur Ausführung hat?»
Es ist wichtig, dass du diese Mahnung des Heilands wohl beachtest. Jesus fordert alle, die Ihm nachfolgen wollen, auf, sich diesen Entschluss vorher gut zu überlegen. Nicht einer vorübergehenden Begeisterung folgend sollen sie sich zu Seinem Dienst verpflichten, sondern sie sollen die Opfer ins Auge fassen, die von ihnen gefordert werden. Den steilen Weg, den sie wandeln, die Hindernisse die sie besiegen, und die Mittel, die sie ergreifen müssen. Daher sagt Jesus: «Berechnet die Kosten!»
Wie hoch soll dein Turm werden? Wie weit reichen deine Mittel? Welches Maß von Arbeitskraft willst du einsetzen, um das Gebäude deiner Vollkommenheit, zu dem der Heiland den Plan gezeichnet hat, zu fördern? Erinnere dich an das, was du dir in den Stunden heiligen Eifers vorgenommen hast, nimm nichts davon zurück! Jesus verdient es, dass du alle deine Fähigkeiten in Seinen Dienst stellst. Er verdient tausendmal, dass du um Seiner Ehre willen zu jedem Kampf bereit bist.
Um aber zu siegen, musst du vor allem die Kampfesweise deines Gegners genau kennen, damit du nicht kopfüber in die Fallen stürzt, die er dir stellt. Du musst ferner lernen, die Waffen zu gebrauchen, die der Heiland dir zur Verfügung stellt, und dich bemühen, einflussreiche, heilige Verbündete zu erwerben. Sei überzeugt, dass wir unter dem Banner Christi und durch Seine Gnade gestärkt, keine unbesiegbaren Feinde haben. Darum biete dich freudig dem Heiland als Streiter für Seine gerechte Sache an und sei ganz Sein, so wie Er ganz dein ist. Hänge dein Herz an nichts, was dich von Ihm trennen könnte. Der wahren Liebe wird kein Opfer zu schwer.



02.04.2020
200. Von der Losschälung des Herzens
(Lk 14)

I Jesus stellt die Bedingungen zu Seiner Nachfolge fest
Große Volksscharen folgten Ihm. Da wandte Er sich um und sagte zu ihnen: «Wenn jemand zu Mir kommt, aber Vater und Mutter und Frau und Kind und Bruder und Schwester, ja auch sich selbst nicht hasst,1 so kann er nicht Mein Jünger sein.»
Eile mit der Volksmenge zum Heiland. Alle, die Seinem Banner folgen wollen, müssen genau wissen, was Er von ihnen verlangt. Viele möchten Ihm folgen, wollen es sich aber nichts kosten lassen. Dies ist eine ganz verkehrte Vorstellung, die der Heiland berichtigen muss.
Durch Opfer, die der Natur schwer fallen, sollen wir Ihm unsere Treue beweisen. In strengen Worten stellt der Heiland diese Forderung. Wundere dich nicht darüber, der Sohn Gottes hat Anspruch auf die ganze Liebe, deren du fähig bist, und auf den ersten Platz in deinem Herzen.
Jesus verlangt nicht, dass wir die Mitmenschen, die uns lieb sind, aus unserem Herzen ausschließen, Er lässt jede geordnete Zuneigung und Liebe bestehen. Liebt Er doch alle, die du liebst, mehr, als es dir selbst möglich ist. Er hat mehr für sie getan, als du jemals für sie tun kannst, und im Himmel bereitet Er ihnen ein Glück, größer als deine Liebe es nur zu ersinnen vermag.
Aber vielleicht kommt einmal ein Tag, wo du zu wählen hast zwischen dem Heiland und deinen Freunden und Verwandten, zwischen Seinen Geboten und ihren schlechten und sündhaften Ratschlägen. Hüte daher beizeiten dein Herz vor einer übertriebenen, blinden Anhänglichkeil an die Menschen und lass deine Liebe nicht in eine verhängnisvolle oder gar strafwürdige Leidenschaft ausarten. Wenn deine Zuneigung dir Anlass zur Sünde wird, so ist sie vom Bösen. Es ist deine Pflicht, sie zu bekämpfen und zu besiegen, ob auch dein Herz dabei blutet.
Nimm diese Lehre in der rechten Weise an! Je mehr du darüber nachdenkst, um so besser wirst du ihre Bedeutung verstehen.
1 Der Heiland ermahnt uns, dass wir nichts Geschaffenes und keinen Menschen Ihm vorziehen dürfen und allen verkehrten Neigungen und allem Sündhaften in uns widersagen sollen.


01.04.2020
199. Das Gleichnis vom großen Gastmahl
(Lk 14)

III Das traurige Schicksal derer, die im Widerstand gegen Gott verharren
«Da wurde der Hausvater zornig und befahl seinem Knechte: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und hole die Bettler und Krüppel, die Blinden und Lahmen herein! Ich sage euch aber: Von jenen Männern, die geladen waren, soll keiner mein Mahl verkosten.»
Betrachte das Schicksal, das jene trifft, welche die Einladung Gottes zurückweisen! Seine Gerechtigkeit erzürnt sich gegen sie. Gottes Absichten müssen über den schlechten Willen der Menschen den Sieg davontragen. Seine Weisheit darf nicht unterliegen und Sein Entgegenkommen nicht wirkungslos bleiben. Was der eine nicht gewollt hat, wird ein anderer erhalten. Gott lässt den Strom Seiner Gnade nicht versiegen, Er ändert nur dessen Lauf.
Höre den Befehl, den der Hausvater seinem Knecht gibt: «Die Großen dieser Erde, die sich etwas einbilden, die hochmütigen Gelehrten und Weltklugen haben meine Güter nicht gewollt, darum biete sie den Kleinen, den Armen, den Kranken und allen von der Welt Verachteten an. Suche meine Auserwählten in den entlegensten Gassen und in den Schlupfwinkeln des Elends zusammen! Ich werde sie erheben, sie umwandeln und zu Ehren bringen.»
So spricht auch dein himmlischer Vater. Sei nicht taub gegen Seine Mahnung, erwache aus deiner Erstarrung und eile herbei! Die Tür steht dir noch offen, warte nicht, bis sie verschlossen ist. Scheue keine Mühen, um dir die himmlischen Güter zu erwerben, solange es dir noch möglch ist. Bete für alle, die in Gefahr sind, sie auf immer zu verlieren!


31.03.2020
199. Das Gleichnis vom großen Gastmahl
(Lk 14)

II Der Widerstand der Menschen gegen Gott
«Da fingen alle einmütig an, sich zu entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe ein Landgut gekauft und muss hingehen, es zu besichtigen. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und gehe hin, sie zu erproben. Ich bitte dich, halte mich für entschuldigt.»
Die Handlungsweise der Eingeladenen ist sehr verwerflich und verdient streng bestraft zu werden. Im ersten Eifer hatten sie die Einladung angenommen, als aber die Stunde gekommen ist, da ziehen sie sich zurück.
«Kommt!» sagt ihnen der Bote Gottes, «kommt, alles ist bereit!» Welche Entschuldigungen bringen sie vor? «Ich kann nicht», sagt der eine, «meine Geschäfte nehmen mich in Anspruch.» — «Ich kann nicht», sagt der andere, «meine Arbeiten und meine häuslichen Angelegenheiten erlauben es mir nicht.»
Der Mensch ist für den Himmel geschaffen und doch möchte er auf der Erde verweilen. Er ist nur vorübergehend auf dieser Welt und lebt doch, als ob er ewig da bliebe. Mit den zeitlichen Gütern soll er die ewigen erkaufen und doch gibt er all seine ewigen Güter für den geringsten zeitlichen Vorteil hin. So weit geht die Verblendung des Menschen, wenn ihm das Licht des Glaubens fehlt.
Hast du dich nicht ähnlicher Vorwände bedient, um dich dem Ruf Gottes zu entziehen? Bitte den Heiland, Er möge Sein Wort bis in das Innerste deiner Seele dringen lassen und dich so davon überzeugen, dass du endlich den Mut findest, Ihm zu folgen.



30.03.2020
199. Das Gleichnis vom großen Gastmahl
(Lk 14)

I Die zuvorkommende Liebe Gottes gegen die Menschen
Als einer von den Tischgenossen das hörte, sagte er zu Ihm: «Selig, wer am Mahle im Reiche Gottes teilnimmt!» Da sprach Er zu ihm: «Ein Mann veranstaltete ein großes Gastmahl und lud viele dazu ein. Als die Stunde des Mahles gekommen war, sandte er einen Knecht aus, um den Geladenen zu sagen: Kommt, es ist schon alles bereit.»
Verweile in der Gegenwart Jesu! Höre, wie sich die Tischgenossen die himmlische Seligkeit ausmalen! «Selig, wer im Reiche Gottes speisen wird!» ruft einer von ihnen. Jesus knüpft an diese menschlichen Vorstellungen an, um die Gedanken Gottes klarzulegen. Wende deinen Blick nicht von Ihm ab und lausche Seinen Worten!
Wer ist der Hausvater, von dem Er spricht? Zu welchem Fest ergeht seine Einladung, und an wen ist sie gerichtet? Der Sohn Gottes lädt die Menschen im Namen Seines Vaters zu den ewigen Freuden des Himmels ein. Gott bietet dir einen Platz in Seinem Reich an, du sollst Sein Gast, Sein Tischgenosse und der Erbe Seiner Güter sein, das ist dein letztes Ziel. Um den Menschen diese gute Nachricht zu verkünden, ist Gottes Sohn zu uns herabgestiegen.
Du bist geschaffen, um glücklich zu sein, aber wo wirst du das Glück finden? Nicht an den Tischen der Reichen dieser Welt, nicht in den Genüssen der Sinnlichkeit. Das Glück ist dort oben beim Gastmahl der Heiligen, wo Gott SeIbst unser Herz erfüllen und sättigen wird.



29.03.2020
198. Von der wahren Demut
(Lk 14)

II Jesus fordert Seine Gastgeber auf, sich vor allem der Armen und Geringen anzunehmen
Zu dem Gastgeber aber sprach Er: « Wenn du ein Mittag- oder ein Abendmahl gibst, so lade weder deine Freunde noch deine Brüder, Verwandten oder reiche Nachbarn ein, sonst laden auch sie dich ein und vergelten es dir. Nein, wenn du ein Gastmahl gibst, so lade Bettler, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Wohl dir alsdann! Denn diese können es dir nicht wiedervergelten, es wird dir aber vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.»
Seiner Unterweisung über die Demut fügt Jesus noch einen wichtigen Rat hinzu. Er möchte Seine Jünger mit Seiner eigenen Liebe beseelen, und Er gibt ihnen zu verstehen, dass, um wahrhaft gut zu sein, man selbstlos sein muss. «Widmet euch mit Vorliebe den Verlassenen, den Armen und den Kleinen», sagt Er.
Nur der Demütige hört solche Worte gern, nur wer in Seinen eigenen Augen klein ist, wird sich von Herzen der Kleinen annehmen. Um sich hinzugeben, muss man lieben, und um das zu lieben, was dem Stolz widerstrebt, muss man den Stolz besiegt haben und demütig sein.
Höre, was der Heiland beifügt! Er zeigt dir die Menge der von dieser Welt Enterbten und fordert dich auf, ihnen in deinem Herzen und an deinem Tisch einen Ehrenplatz einzuräumen. Er sagt: «Glücklich bist du, wenn du ihnen Gutes tust, weil sie es dir nicht vergelten können!»
Betrachte dieses Wort, in dem sich die ganze Schönheit der Lehre Jesu enthüllt: Glücklich bist du, denn sie können es dir nicht vergelten! Was könnten sie dir geben, wenn sie wohlhabend wären? Dasselbe, was du ihnen gegeben hast: ein wenig glänzenden Erdenstaub, der das Auge blendet. Nun wirst du Besseres bekommen, denn Gott macht Sich zum Sachverwalter Seiner Armen. Wer dem Armen gibt, leiht Gott. Du verlierst nichts, wenn du auch warten musst. Gott vergilt mit ewigen Gütern das Wenige, das man aus Liebe zu Ihm für die Seinigen tut. Wenn du bei dem, was du anderen erweist, nichts für dich selbst suchst, so findest du in jeder Wohltat den Himmel. Glücklich bist du, glücklicher wirst du sein! Lass dich durch diese Gedanken anspornen und genieße das Glück der Selbstlosigkeit!



28.03.2020
198. Von der wahren Demut
(Lk 14)

I Jesus mahnt zur Demut und zur Verachtung aller zeitlichen Ehre
Da Er bemerkte, wie die Geladenen sich die ersten Plätze auswählten, trug Er ihnen folgendes Gleichnis vor: «Wenn du von jemand zu einer Hochzeit geladen bist, so setze dich nicht an den ersten Platz, sondern geh und setz dich an den letzten Platz. Denn jeder, der sich erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, wird erhöht werden.»
Nachdem Jesus Seine Zuhörer über die Barmherzigkeit belehrt hat, will Er sie in der Demut unterweisen. Beobachte, in welch lächerlicher Weise die Eitelkeit der Pharisäer nach Befriedigung hascht! Jeder der Geladenen strebt danach, bei Tisch den ersten Platz einzunehmen, und hofft, durch solche Äußerlichkeiten in der Achtung seiner Mitmenschen zu steigen. Höre, wie Jesus Seine Jünger dagegen lehrt: «Nehmt den letzten Platz ein! Benützt freudig jede Gelegenheit, euch zu verdemütigen, und jeder betrachte sich als den geringsten aller Menschen!» Wenn du über dich selbst nachdenkst, wirst du erkennen, daß du allen Grund hast, wahrhaft demütig zu sein.
Frage dich: «Wer bin ich und was verdiene ich?» Wer bist du? Um über dich selbst ein richtiges Urteil zu fällen, musst du dich nicht mit deiner Umgebung vergleichen. Du bist aus dem Nichts hervorgegangen. Das Nichts aber kann sich weder über ein anderes Nichts erheben noch kann es mit irgend etwas anderem verglichen werden.
Erhebe deine Augen zum Himmel, und indem du die unendliche Größe und Erhabenheit Gottes betrachtest, wird dir deine Armseligkeit bewusst werden. Du wirst alsdann eingestehen, daß dir der letzte Platz in Wahrheit gebührt.
Ist es nicht an der Zeit, auf die Unterweisungen des Heilands zu achten und allen trügerischen Ehren der Welt zu entsagen? Wähle aus freiem Antrieb den letzten Platz, und du wirst seinen wahren Wert erkennen. Wenn du deiner Wahl treu bleibst, wirst du dort ungeahnten Frieden finden. So werde denn demütig!



27.03.2020
197. Heilung eines Wassersüchtigen
(Lk 14)

II Jesus heilt den Kranken und bringt seine Gegner zum Schweigen
Da fasste Er ihn an, heilte ihn und hieß ihn gehen. Dann sprach Er zu ihnen: «Einem von euch fällt sein Ochs oder Esel in eine Grube. Zieht er ihn nicht sofort heraus, auch an einem Sabbat?» Darauf konnten sie Ihm nichts erwidern.
Der Kranke wird vom Heiland liebreich aufgenommen, denn bei seiner Heilung handelt es sich um die Ehre Gottes. Jesus heilt und entlässt ihn. Mit einer einzigen Gebärde, einem einzigen Wort vollzieht Er dieses Wunder der göttlichen Allmacht.
Merke dir, welche Bedeutung Jesus den Werken der Liebe und Barmherzigkeit beilegt! Er lehrt uns, dass die Gottesliebe mit der Nächstenliebe unzertrennlich vereinigt ist. Alles Gute, das wir unseren Brüdern tun, ehrt Gott ebenso sehr wie die Opfergaben, die wir auf Seinen Altar legen. Wenn die Frömmigkeit nicht in unseren Herzen wahre Nächstenliebe wachruft, wenn sie in uns nicht das Feuer selbstloser Hingabe zu entzünden vermag und wenn wir Übungen der Frömmigkeit vorschützen, um uns unseren leidenden Brüdern zu entziehen, so sind wir keine Jünger Jesu Christi und der Geist Seines Evangeliums fehlt uns.
Gibt es eine erhabenere und schönere Lehre? Setze volles Vertrauen in deinen göttlichen Lehrmeister! Öffne Ihm dein Herz und zeige Ihm all das Sündenelend, von dem Er dich schon so oft befreit hat und dessen Keim dennoch in dir fortlebt. Er ist bereit, auch an dir Seine Barmherzigkeit zu zeigen; komm, um von Ihm geheilt zu werden, wenn Er vorübergeht!



26.03.2020
197. Heilung eines Wassersüchtigen
(Lk 14)

I Jesus zeigt sich geneigt, den Kranken zu heilen
Als Er an einem Sabbat in das Haus eines vornehmen Pharisäers ging, um zu essen, gaben sie genau auf Ihn acht. Da stand ein Mann vor Ihm, der die Wassersucht hatte. Jesus fragte die Gesetzeslehrer und Pharisäer: «Ist es erlaubt, am Sabbat zu heilen oder nicht?» Sie schwiegen.
Woran denkt Jesus? Wen will Er belehren? Er weilt inmitten Seiner Feinde, die Ihn mit Eifersucht und Abneigung betrachten. Bewundere Ihn, wie Er mit wahrer Seelenstärke auch in dieser Umgebung die Ehre Gottes verteidigt!
Es bietet sich Ihm Gelegenheit, ein Werk der Barmherzigkeit zu üben, aber alle Umstände sprechen dagegen. Der Ort ist ungünstig; alles steht im Widerspruch mit Seiner Denk- und Handlungsweise. Jesus weiß es. Allein diese Schwierigkeiten kümmern Ihn wenig, wenn es gilt, durch Wort und Tat die Ehre Seines himmlischen Vaters zu fördern. Auch die Zeit ist ungelegen; denn es ist Sabbat, und Jesus könnte sich an diesem Tag Ruhe gönnen. Aber in Seinem Herzen tönt die göttliche Mahnung: Arbeite! Einer Deiner leidenden Brüder fleht zu Dir um Hilfe, und dieses Werk der Barmherzigkeit duldet keinen Aufschub. Geh und hilf ihm! Und Jesus hat die Stimme Seines Vaters vernommen und ist herbeigeeilt.
Böswillige Menschen umgeben Ihn, und das Werk, das Er vollbringen will, wird von ihnen misstrauisch und abfällig beurteilt werden. Man wird dem Heiland bei Seinem Handeln rein menschliche Absichten unterschieben, obgleich Er sich nur von übernatürlichen Beweggründen leiten lässt. Aber was liegt Ihm daran, ob man Ihn falsch beurteilt, wenn nur die göttliche Majestät verherrlicht wird! Er überlässt dem himmlischen Vater alle Sorge für Seinen guten Ruf. So handelt wahre Frömmigkeit, wahre Liebe und wahrer Eifer. Fühlst du dich angeregt, diesem edlen Beispiel zu folgen?



25.03.2020
196. Die Feinde Jesu
(Lk 13)

II Jesus trauert über den hartnäckigen Widerstand der Juden
«Jerusalem! Jerusalem! Du mordest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft wollte Ich deine Kinder sammeln wie eine Henne ihre Küken unter den Flügeln, aber ihr habt nicht gewollt!»
Höre die ergreifende Klage Jesu! Sein Herz ist voller Schmerz über die Unbußfertigkeit Jerusalems, und Er ruft aus: «Wie oft habe ich gewollt, ... und du hast nicht gewollt.» Ich habe dir die Wahrheit, die Verzeihung, das Heil, die Auferstehung und das Leben angeboten, doch du hast nicht gewollt. Ich wollte deine Kinder segnen und retten, die Betrübten trösten, den Armen Hoffnung bringen und aller Knechtschaft ein Ende machen, doch du hast nicht gewollt. Du hast mich von dir gestoßen und hartnäckig nein! gesagt.»
Gleicht nicht auch deine Seele dem undankbaren Jerusalem, über das der Heiland weint? Er will in dir herrschen, und du lässt Ihn nicht ein. Er tut alles, um dir Seine Lehre, Seine Tugenden und Sein Kreuz lieb zu machen, du aber wendest dich verächtlich ab und vergisst Ihn.
Und warum hat Jerusalem nicht gewollt? Welche verführerischen Stimmen haben es betört? Die selben Stimmen werden auch in deiner Seele laut, die selben Feinde belagern dich und befinden sich sogar innerhalb deiner Mauern. Sie verbergen sich, um dich leichter zu verderben. Nimm mutig die Verfolgung auf, treibe sie hinter ihre letzte Verschanzung zurück und bringe ihnen eine vollständige Niederlage bei, damit dein Herz fortan vor ihnen sicher sei und der Sohn Gottes unumschränkt darüber herrsche.
Jesus lässt Seiner Klage eine ernste Drohung folgen. Siehe, euer Haus wird euch verwüstet! Ich sage euch aber: Ihr werdet Mich nicht mehr sehen, bis die Zeit kommt, da ihr sagen werdet: Gesegnet sei, Der da kommt im Namen des Herrn.» Erwäge diese Worte! Sie offenbaren dir, zu welch schrecklichem Ende der Stolz und die Verhärtung führen. Jesus Christus wird früher oder später über jede Seele triumphieren. Zögere also nicht länger, dich Ihm zu unterwerfen, und lass dich durch den Gedanken an die Untreue Jerusalems zu größerer Treue aneifern! Wirf dich dem Herrn zu Füßen, flüchte unter die Flügel Seiner Barmherzigkeit und bemühe dich durch liebende Hingabe, Sein verwundetes Herz zu trösten.



24.03.2020
196. Die Feinde Jesu
(Lk 13)

I Jesus ist entschlossen, Sein Werk bis zum Ende durchzuführen
Noch in der gleichen Stunde kamen einige Pharisäer und sagten zu Ihm: «Geh weg und entferne Dich von hier, denn Herodes will Dich töten.»
Eile zu Jesus hin! Die Menschen wollen sich Seiner entledigen; die Bedrücker des Volkes können es nicht länger ertragen, dass Er den Unterdrückten die Freiheit bringt. Daher sagen sie Ihm: «Herodes will dich töten.» Aber sie selbst wünschen Seinen Untergang noch mehr als Herodes. So groß ist die Ungerechtigkeit irdischer Machthaber gegen den Herrn. Der ganze Schwarm von Gesetzeslehrern ruft Ihm zu: «Geh weg von hier! Wir wollen von Deiner Glaubens- und Sittenlehre nichts mehr hören. Kümmere Dich nicht mehr um unsere Gesetze und Einrichtungen, sondern wende Dich an andere mit Deinen Offenbarungen!»
Führt man nicht auch in deiner Umgebung solche Reden, und verbündet sich nicht auch dort die falsche Frömmigkeit mit dem bösen Feind, indem sie mit geheuchelter Sorge für das Leben des Heilands Ihm sagt: «Hüte Dich vor der Gefahr, die Dir droht; man will Dich töten. Es wird besser sein, Dich zu entfernen!»
Wie lautet die Antwort des Herrn? «Gehet und sagt diesem Fuchs: Siehe, Ich treibe die bösen Geister aus und wirke Heilungen heute und morgen, und am dritten Tag werde ich vollendet. — Ich werde Meine Absichten durchführen, und niemand vermag mich daran zu hindern, das Werk zu vollbringen, um dessentwillen Ich auf die Erde gekommen bin. Die Zukunft gehört Meinem himmlischen Vater. Ich bin bereit, alles, was menschliche Bosheit gegen Mich ersinnt, zu ertragen, wenn nur das Werk der Erlösung vollendet wird.» — So denkt Jesus, und das ist Sein unabänderlicher Entschluss. Wirst du dich endlich eines so mutigen Führers würdig zeigen und dich Seinen tapfersten Streitern in den vordersten Reihen zugesellen? Bedenke, dass Seine Güte gegen dich dem Heiland so viele Feinde erweckt! Darum strebe eifrig, dich in Seinem Dienst auszuzeichnen!



23.03.2020
195. Vom Eingang zur ewigen Seligkeit
(Lk 13)

III Jesus wird anderen die Gnaden geben, die von den Sündern missbraucht werden
«Da wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes seht, während ihr davon ausgeschlossen seid. So gibt es Letzte, die Erste, und gibt es Erste, die Letzte sein werden.»
Denke über diese ernste Warnung nach, die Jesus an Seine Zuhörer richtet! Er sagt einigen von ihnen die ewige Verdammnis voraus. Manchen, die einst zu den Auserwählten Seines Herzens gehörten, gilt die Drohung: «Ihr werdet den Himmel, den ich euch zudachte, nur vom tiefsten Abgrund der Hölle aus erahnen, während die kindlichen Seelen, die ihr auf Erden wegen ihres einfältigen Glaubens verachtet habt, frohlockend in die ewige Herrlichkeit eingehen. Ihr werdet in der Wut der Verzweiflung aufschreien, aber auf ewig in der Hölle Qual und Schmach versenkt bleiben.»
Jesus hat recht, diejenigen zu verwerfen, die Ihn hier auf Erden nicht anerkennen wollten. Er hat recht, alle Gnaden, die jene verscherzten, anderen Seelen zuzuwenden. Es entspricht der göttlichen Gerechtigkeit, dass für jeden Menschen einmal der Augenblick kommt, in dem er unwiderruflich gerichtet wird. Welchen Entschluss wirst du aus diesen Erwägungen ziehen? Bitte den Heiland in aller Demut, dich hierüber zu erleuchten und dich so in Seiner Gnade zu befestigen, dass du nie von jener Höhe herabstürzest, zu der Seine unendliche Güte dich erhoben hat.



22.03.2020
195. Vom Eingang zur ewigen Seligkeit
(Lk 13)

II Jesus ermahnt Seine Jünger, die Zeit gut zu benützen, um sich den Himmel zu verdienen
Denn ich sage euch: «Viele werden einzutreten suchen, es aber nicht vermögen. Hat sich der Hausherr einmal erhoben und die Türe geschlossen, dann werdet ihr draußen stehen, an die Türe klopfen und rufen: Herr, mach uns auf. Doch Er wird euch entgegnen: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Alsdann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit Dir gegessen und getrunken; auf unsern Straßen hast Du gelehrt. Er aber wird euch erklären: Ich sage euch, Ich weiß nicht, woher ihr seid.»
Jesus warnt uns vor der Selbsttäuschung. Auch dir gilt Sein Wort: «Hütet euch!» Die Zeit der Gnade vergeht schnell, und wenn sie verstrichen ist, dann vermag unser Erlöser uns nicht mehr zu helfen. Jetzt kann die geringste Anstrengung uns den Himmel erwerben; aber die Stunde wird kommen, da uns auch die heroischsten Taten nicht mehr retten können.
Der Heiland beschreibt Seinen Zuhörern die Verzweiflung, die sich der Verdammten bemächtigt. Stelle dir vor, du seiest Augenzeuge jener furchtbaren Szene und hörtest das Verzweiflungsgeschrei der Unglücklichen, welche die göttliche Gerechtigkeit für immer von den Freuden des Himmels ausschließt. Um den Herrn gnädig zu stimmen, werden sie zu Ihm sagen: «Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und Du hast auf unseren Straßen gelehrt.» Und Er wird sagen: «Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weichet von mir alle, ihr Übeltäter!»
So gibt es Verworfene selbst unter jenen, die sich nach außen hin zur wahren Religion bekennen. Um in den Himmel zu gelangen, genügt es nicht, den Herrn auf Erden gekannt und in Seinem Heiligtum gelebt zu haben. Gott nimmt in Sein ewiges Reich nur jene auf, die hier auf Erden ganz zu den Seinigen zählten. Zu allen anderen spricht Er: «Ich kenne euch nicht, denn ihr habt euer Leben nicht dem Meines Sohnes gleichförmig gemacht. Ihr habt wohl in Seiner Kirche gelebt, aber nicht danach gestrebt, Ihm ähnlich zu werden. Seine Lehre und Sein Beispiel sind in eurer Seele unfruchtbar geblieben, deshalb könnt ihr nicht in die ewige Glückseligkeit eingehen.»



21.03.2020
195. Vom Eingang zur ewigen Seligkeit
(Lk 13)

I Jesus lehrt uns, was wir tun müssen, um zum ewigen Leben zu gelangen
So wanderte Er lehrend durch Städte und Dörfer und zog weiter nach Jerusalem. Da fragte Ihn jemand: «Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?» Er sprach zu ihnen: «Bemüht euch, durch die enge Pforte einzutreten!»
Folge dem Heiland auf dem Weg nach Jerusalem und vernimm die Frage, die Ihm ein Vorübergehender stellt! Dieser Mann ist in Sorge für sein ewiges Heil, und so drängen sich ihm die Fragen auf: «Sind es wenige, die selig werden? Werden meine Angehörigen und ich einst zu den Auserwählten zählen?» Quält nicht auch dich eine ähnliche Unruhe? Bitte Gott, dass Er deinen Zweifeln ein Ende mache, denn Sein Sohn ist ja in die Welt gekommen, um uns zu erleuchten und zu belehren.
Jesus antwortete: «Bemüht Euch mit aller Anstrengung, durch die enge Pforte einzugehen», und in dieser Antwort liegt die Bedingung, um unsere Seele zu retten. Der Lohn, der unser in der Ewigkeit harrt, wird unseren Arbeiten und Mühen entsprechen. Überlasse dich keiner Täuschung, sondern fange mutig an, dir selbst Gewalt anzutun und recht klein zu werden. Ohne Anstrengung und Selbstverleugnung gelangen wir nicht zur Seligkeit, in die der Heiland uns einführen möchte.
In den Himmel kommen jene Seelen, die sich nicht fürchten, ihren Stolz zu verdemütigen und ihre Sinnlichkeit zu bekämpfen, die bereitwillig alles opfern, was mit dem göttlichen Gesetz in Widerspruch steht. Erforsche dich eingehend, ob du den rechten Weg wandelst, ob du wahrhaft nach Tugend strebst und deinen Mitmenschen ein gutes Beispiel gibst! Hast du deinem Leben die Richtung zum Himmel gegeben? Bitte Gott um die Gnade, niemals vom rechten Weg abzuweichen.



20.03.2020
194. Die Rückkehr an den Jordan
(Mt 19, Mk 10, Joh 10)

II Das Volk bekennt, dass Er wirklich der Messias ist
Sie sprachen: «Johannes hat zwar Wunder gewirkt, alles aber, was Johannes von Diesem gesagt hat, ist wahr gewesen.» Und viele glaubten an Ihn.
Erinnere dich, wie an dieser Stelle Johannes der Täufer auf den Heiland gewiesen hatte mit den Worten: «Seht das Lamm Gottes!» Und der himmlische Vater legte Zeugnis für Ihn ab: «Dies ist Mein geliebter Sohn.» Hier war es auch, dass sich die ersten Jünger dem Heiland näherten mit der Frage: «Meister wo wohnst Du?» Himmel und Erde vereinigen sich, um die Gottheit des Heilands zu verkünden. «Alles, was Johannes von Diesem gesagt hat, ist wahr gewesen», so lautet das Urteil des Volkes.
Erkenne auch du den Sohn Gottes an! Er ist wirklich der Erlöser, der von den Propheten vorhergesagt wurde, der Gesandte des Vaters, der uns Menschen Lehrer und Vorbild sein soll. Er kommt zu dir, um dich von neuem an die unschätzbare Wohltat der Erlösung zu erinnern. Öffne Ihm dein Herz und preise mit Ihm die Wundertaten Gottes! Bezeuge laut, dass die göttliche Vorsehung immer nur das Heil der Menschen im Auge hat und dass sogar Verdemütigungen und Leiden dazu dienen, uns glücklich zu machen.



19.03.2020
194. Die Rückkehr an den Jordan
(Mt 19, Mk 10, Joh 10)

I Jesus begibt sich in das Gebiet des Jordan
Er begab sich wieder über den Jordan in die Gegend, wo Johannes zuerst getauft hatte. Dort blieb Er. Viele kamen zu Ihm und glaubten an Ihn.
Begib dich mit dem Heiland an den Jordan, zum Schauplatz Seiner ersten Tätigkeit und Seiner ersten Offenbarungen. Erinnere dich an die Zeit, als Er hier Sein öffentliches Leben begann. Hier hat Er von Johannes die Taufe empfangen, um durch Sein Beispiel die Menschen Demut und Buße zu lehren. In dieser Gegend weilte Er, als Er dem Teufel eine entscheidende Niederlage beibrachte, um uns im Kampf gegen die Versuchungen zu stärken und zu ermutigen. An den Ufern des Jordan berief Er Seine ersten Jünger, den Petrus, Andreas und Philippus, und hier trat Er zum ersten Mal als Erlöser auf.
Die Volksmenge eilt Ihm voll Freude und Dankbarkeit entgegen und begrüßt Ihn als ihren großen Wohltäter. Stimme ein in ihre Lobpreisungen! Deine Huldigung wird dem Heiland in etwa Ersatz leisten für die Schmach, mit der so viele Menschen Ihn kränken.



18.03.2020
193. Das Fest der Tempelweihe
(Joh 10)

III Jesus erklärt feierlich Seine Wesensgleichheit mit dem Vater
«Ich und der Vater sind eins.» Wiederum hoben die Juden Steine auf, um Ihn zu steinigen. Jesus entgegnete ihnen: «Viele gute Werke habe Ich in der Macht Meines Vaters vor euch gewirkt. Um welches dieser Werke willen wollt Ihr mich steinigen?» Jesus bestätigt Seinen göttlichen Ursprung. «Ich und der Vater sind eins.» Bete Ihn voll Ehrfurcht an und weihe Ihm deine ganze Persönlichkeit! Rufe alle Geschöpfe des Himmels und der Erde herbei, um Seiner unendlichen Majestät zu huldigen!
Die Juden erheben sich gegen den Heiland. So empört sich zu allen Zeiten der Stolz gegen die rechtmäßige Gewalt und die Irrlehre gegen die Wahrheit. Hast nicht auch du aus Stolz mehr als einmal deinen Herrn verraten, obgleich du klar erkanntest, dass Er der Sohn Gottes ist?
Es ist noch Zeit, den Schaden wieder gut zu machen. Entschließe dich zum mutigen Kampf für die heilige Sache und setze für deinen Heiland freudig deine Ehre und dein Leben ein! Kümmere dich nicht um den Spot der Welt, und du wirst erfahren, wie gerade in Verfolgungen dein Glaube, deine Frömmigkeit und dein Mut erstarken.


17.03.2020
193. Das Fest der Tempelweihe
(Joh 10)

II Jesus schildert die Glückseligkeit Seiner Jünger in der Zeit und in der Ewigkeit
«Meine Schafe hören auf Meine Stimme, Ich kenne sie und sie folgen Mir. Ich schenke ihnen das ewige Leben. Sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie Meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist mächtiger als alle, niemand kann sie der Hand Meines Vaters entreißen».
Glücklich die Seelen, die sich dem Heiland ganz hingegeben haben, die Ihn kennen und Ihm folgen, sie werden einst mit Ihm in Seine Herrlichkeit eingehen! Das Toben der Eifersucht und des Hasses wird übertönt von der Stimme des guten Hirten, der Seinen Schafen den Weg der Wahrheit und der Pflicht zeigt, auf dem allein sie zum Reich Gottes gelangen. «Meine Schafe kennen Meine Stimme», versichert Jesus. Und wie könnte es anders sein? Gibt es doch keine Stimme, die so tief in unsere Herzen dringt, die uns so liebevoll belehrt und warnt, tröstet und stärkt. Eile zu deinem Hirten, Der dich ruft! Alle, die Seinen Ruf hören und verstehen, folgen Ihm. «Meine Schafe hören Meine Stimme, und sie folgen Mir.»
Folge dem Heiland bereitwillig, wohin Er dich auch führen mag! Wenn Er dir den Weg zum Tabor weist, so folge Ihm freudig, und führt Er dich auf den Kalvarienberg, so zögere nicht, Ihn auch dorthin zu begleiten. In der Vereinigung mit Jesus findet man selbst auf dem Kalvarienberg Frieden und Glück. Wie herrlich ist der Lohn, den Christus Seinen getreuen Dienern bereitet hat! «Ich gebe dir das ewige Leben», wird Er zu jedem einzelnen sprechen. «Als Entgelt für alle Opfer, die du gebracht, gebe Ich dir Meine Herrlichkeit, die niemand dir rauben kann.»
Versuche, dir eine schwache Vorstellung von dem Glück zu machen, das Jesus dir für die ganze Ewigkeit schenken will! Nutze mit Eifer jeden Augenblick, um dir himmlische Schätze zu erwerben, die Seine Güte dir zugedacht hat!



16.03.2020
193. Das Fest der Tempelweihe
(Joh 10)

I Jesus macht den Juden klar, dass ihr Stolz sie daran hindert, zum Glauben zu gelangen
Man beging in Jerusalem das Fest der Tempelweihe. Es war Winter. Jesus wandelte im Tempel in der Halle Salomons. Da umringten Ihn die Juden und fragten: «Wie lange hältst Du uns noch in Spannung? Bist Du der Messias, so sag es uns frei heraus.»
Begleite den Heiland zum Tempel, und verfolge mit Aufmerksamkeit alles, was sich da zuträgt! Die heuchlerischen Juden umringen Ihn und fragen: «Bist Du Christus?» Bemerke wohl, in welch boshafter Absicht sie diese Frage stellen! Sie wollen nur sich selbst und andere täuschen; aber Jesus wird ihnen die Antwort geben, die sie verdienen, und ihnen klar machen, welches Schicksal jener wartet, die hartnäckig im Unglauben verharren.
Er antwortet ihnen: «Ich sage es euch, und ihr glaubt nicht. Die Werke, welche Ich tue im Namen Meines Vaters, diese geben Zeugnis von Mir. Aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht zu Meinen Schafen gehört.» Gott entzieht den freiwillig Blinden Sein Licht. Für sie verliert die göttliche Offenbarung allen Glanz und alle Kraft der Überzeugung, die Wohltat der Erlösung bleibt für ihre Seelen unwirksam. «Ich spreche zu euch», sagt Jesus, «und ihr glaubt nicht: Ich tue Wunder und ihr glaubt trotzdem nicht. Da ihr nichts von Mir wissen wollt, so will Ich auch von euch nichts wissen.»
Befinden sich nicht in deiner Umgebung solch verblendete Seelen, die der Heiland nicht zu den Seinigen zählen kann, die Seine Stimme nicht vernehmen und zu denen Er traurig spricht: «Ihr gehört nicht zu Meinen Schafen.» Bedenke die erschütternde Bedeutung dieses Wortes und wie sehr du verpflichtet bist, durch Gebet und Opfer jenen Unglücklichen zu helfen!



15.03.2020
192. Die Heilung der gebückten Frau
(Lk 13)

II Jesus ruft die Kranke zu Sich und heilt sie
Als Jesus sie erblickte, rief Er sie zu sich und sprach zu ihr: «Frau, du bist von deinem Siechtum erlöst.» Dabei legte Er ihr die Hände auf. Sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.
Der Heiland ruft die Kranke zu sich, obgleich sie Ihn um nichts gebeten hat. Sie wartete geduldig und schwieg; aber gerade geduldiges Schweigen wird vor Gott zum Gebet. Er bietet uns Seine Wohltaten an, ehe wir Ihn darum bitten.
«Komm zu Mir», sagt Jesus, «Ich kenne dich, deine demütigende Hilflosigkeit und die lange Dauer deiner Schmerzen. Nur der Allmächtige kann dich heilen. Ich bin es und bin gekommen, um dir zu helfen.» Sieh, welche Rührung das Herz des Erlösers ergreift beim Anblick dieses Elendes, für das die Menschen kein Heilmittel kennen, und wie gern Er die Seelen, die mühselig zur Erde niedergebeugt sind, wieder aufrichtet, um ihnen den Ausblick auf den Himmel zu erschließen! Nahe dich Ihm vertrauensvoll wie jene Kranke, und die Berührung Seiner Hände wird auch dich gesund machen. Sobald Er das Wort der Heilung gesprochen, schwindet die Krankheit. — Die arme Frau richtet sich plötzlich auf und erhebt Augen und Herz voll Dankbarkeit zum Himmel. Folge ihrem Beispiel, denn Jesus verlangt, deinen Blick und dein Herz himmelwärts zu lenken. Wirst du dort endlich jene unvergleichliche Schönheit entdecken, die deine Seele auf ewig fesselt und alle irdischen Bande zerreißt? Das Wunder bewirkt bei den Feinden Jesu neue Ausbrüche der Eifersucht und des Hasses. Man beschuldigt Ihn der Sabbatschändung. Jesus aber erklärt feierlich, daß die Ausübung von Werken der Barmherzigkeit und Liebe auch Gottesdienst sei. Dies ist der Grundsatz, nach dem du leben sollst, dein göttlicher Meister hat ihn zuerst befolgt. Er liebt auch dich inniger, als dein armes Herz je zu lieben vermag. Sage Ihm Dank, und weihe dich Ihm aufs neue!



14.03.2020
192. Die Heilung der gebückten Frau
(Lk 13)

I Jesus entdeckt unter seinen Zuhörern eine kranke Frau
An einem Sabbat lehrte Er in einer Synagoge. Da war eine Frau, die schon achtzehn Jahre einen Geist des Siechtums hatte. Sie war ganz verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten.
Betritt mit dem göttlichen Meister die Synagoge, und du wirst Zeuge eines neuen Beweises Seiner Barmherzigkeit sein. Das Auge des Heilands sucht in der Menge die Leidenden, die Seiner ja besonders bedürfen. Da entdeckt Er jene Kranke, die zur Erde gebeugt ist und nicht aufwärts blicken kann. Erkennst du in ihrer Krankheit nicht deinen eigenen Zustand, deinen aufs Irdische gerichteten Geist, deine den niedrigen Genüssen zugewandte Begierlichkeit, die rein natürlichen Neigungen deines Herzens und deinen niedergebeugten Willen, der sich nicht zu erheben vermag? Im Drang weltlicher Geschäfte ist der Gedanke an dein letztes Ziel und Ende immer mehr in den Hintergrund getreten. Du hast schon lange nicht mehr das Glück verkostet, das in dem großmütigen Streben nach Vollkommenheit liegt. Wer gern an irdische Dinge denkt und gewohnheitsmäßig seinen natürlichen Neigungen folgt, verliert die Richtung der Seele aufs Übernatürliche und den Aufblick zu Gott.
An die Stelle der früheren Lust und Leichtigkeit in der Ausübung des Guten tritt jetzt Widerwille, Überdruss und Entmutigung. Alle Mahnungen des Himmels lassen das Herz kalt und unberührt. Ein solches Übel bedarf dringend der Heilung, und wenn du dir bewusst bist, dass deine Seele daran krankt, dann zögere nicht, dich an den göttlichen Arzt zu wenden, den dir dein himmlischer Vater sendet. Bitte Ihn, Er möge dich wiederum jenes Glück empfinden lassen, das dich erfüllte, als dein Blick noch aufwärts gerichtet war und all dein Sehnen nach dem Himmel ging.



13.03.2020
191. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
(Lk 13)

III Jesus zeigt, wie die göttliche Barmherzigkeit uns immer wieder entgegenkommt
Jener erwiderte ihm: «Herr, lass ihn noch dieses Jahr stehen. Ich will um Ihn herum aufgraben und Dünger einlegen. Vielleicht bringt er dann künftig Frucht. Andernfalls magst du ihn umhauen lassen.»
Den Sündern wird eine letzte Gnadenfrist gewährt. Der Menschensohn selbst erwirkt sie uns, indem Er zum himmlischen Vater fleht: «Noch für ein Jahr, nur noch für kurze Zeit Barmherzigkeit!»
Frage deinen Heiland, um welchen Preis Er diesen Aufschub erlangt hat! All Seine Gebete, die ganze Bitterkeit Seiner Todesangst, die unbeschreiblichen Schmerzen und Qualen Seines Todes und alle Schmach, die Ihm zuteil wurde, hat Er dafür aufgeopfert. Kannst du bei so viel Liebe gefühllos und gleichgültig bleiben? Wenn du dem Ruf des Erlösers nicht folgst, dann hat Er für dich sein Blut umsonst vergossen. Der Tod kommt, und wohin der Baum fällt, da bleibt er liegen. Vielleicht sind die Erleuchtungen, die du jetzt empfängst, und die Regungen der Gnade, die dich drängen, eine letzte Mahnung, von deren Benutzung dein ewiges Heil abhängt. Schenke ihr Gehör! Wirf dich dem Heiland, der so großmütig für dich eintritt, zu Füßen und lege deine Zukunft vertrauensvoll in seine Hände! Fasse den festen Entschluss, Seiner Geduld und Sorgfalt von jetzt an treu zu entsprechen!



12.03.2020
191. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
(Lk 13)

II Jesus fordert die Juden nachdrücklich auf, ihre Bekehrung nicht länger aufzuschieben
Dann trug Er folgendes Gleichnis vor: «Jemand hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt. Er kam und suchte Frucht an ihm, fand aber keine.»
Durch das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum zeigt der Heiland Seinen Zuhörern, wie groß die Gefahr ist, in der sie schweben.
Stelle dir den Baum vor, von dem Jesus spricht, der trotz des fruchtbaren Bodens, trotz der liebenden Sorge, die man ihm angedeihen ließ, und trotz der Geduld, mit der man sich immer wieder um ihn bemühte, unfruchtbar geblieben ist! Findest du nicht, dass du ihm gleichst?
Der Herr des Weinbergs kommt, um Früchte von dem Baum zu pflücken, den Er gepflanzt hat. So macht Gott auch über dich Sein Hoheitsrecht geltend. Du bist erschaffen, um Gott zu verherrlichen, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen. Du wirst diesen Anforderungen nur dann gerecht, wenn du in vollständiger Abhängigkeit von Gott lebst, die Werke Seiner Barmherzigkeit und Liebe förderst und dich bestrebst, in allem Seinem göttlichen Sohn ähnlich zu werden. Das sind die Früchte, die Gott von dir verlangt. Jeder Same muss Frucht bringen. Die Blüten allein genügen nicht, Gott fordert die reifen Früchte echter Tugenden.
Wie steht es mit dir? Hast du durch deine Tugenden und deine guten Werke wirklich die göttliche Ehre gefördert oder bist du durch Vergnügungssucht, Pflichtvergessenheit, durch allzu große Freiheit im Reden und Handeln oder durch ständige Selbstsucht unfruchtbar geblieben? Bemühe dich, die Gefahr, in der deine Seele schwebt, zu beseitigen! Denn der Augenblick wird kommen, da Gottes Langmut seiner Gerechtigkeit weichen muss.
Da sprach er zum Winzer: «Nun komme ich schon drei Jahre und suche Frucht an diesem Feigenbaum, finde aber keine. Hau ihn um! Wozu soll er noch den Boden wegnehmen?» Der Herr zählt die Stunden, die Tage und Jahre deiner Unfruchtbarkeit und wird im gegebenen Augenblick sagen: «Ich werde dieser widerspenstigen Seele nicht länger nachgehen, sondern ihr meine Gnade entziehen Dieser Baum soll umgehauen werden und verdorren.» Hüte dich vor diesem Schicksal!



11.03.2020
191. Das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum
(Lk 13)

I Jesus betont die Notwendigkeit der Buße
Zu eben der Zeit kamen einige zu Jesus und erzählten Ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus vergossen hatte, während sie gerade opferten. Er sprach zu ihnen: «Meint ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als alle übrigen Galiläer, weil sie das erlitten haben? Nein, sage Ich euch. Aber wenn ihr euch nicht bekehrt, werdet ihr alle gleichfalls umkommen.»
Höre, wie man dem Heiland die Botschaft überbringt, an die Er so heilsame Lehren anknüpft! Jesus arbeitet beständig am Heil Seiner Zuhörer, aber es ist sehr schwer, sie von der Notwendigkeit ihrer Bekehrung zu überzeugen.
Was hatte sich in Jerusalem zugetragen? Die göttliche Gerechtigkeit hatte zugelassen, dass eine Anzahl Galiläer im Tempel überfallen und getötet wurden. Die Juden sind im ersten Augenblick sehr erregt über den Vorfall. Sie beklagen die unglücklichen Opfer, machen aber keine Anwendung auf sich selbst, und so würde das ganze Ereignis bald vergessen sein. Doch Jesus sucht Seine Zuhörer zum Nachdenken zu bringen. Sind sie etwa besser als ihre ermordeten Brüder, und haben sie nicht ein gleiches Strafgericht verdient? Wenn die göttliche Barmherzigkeit sie bisher verschonte, dann geschah das sicher nicht ihrer Unschuld wegen. Darum warnt sie der Herr: «Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auf gleiche Weise umkommen.»
Denke über diese ernste Drohung nach und nimm sie dir zu Herzen! Wenn du aufrichtig dein Gewissen erforschest und dich an alle beschämenden Einzelheiten deiner Vergangenheit erinnerst, so wirst du genügend Grund finden, dich tief zu verdemütigen, und du wirst erkennen, dass Gott dich nur aus Barmherzigkeit verschont hat. Der Augenblick ist gekommen, dich endgültig zu bekehren. Wer unbußfertig stirbt, ist rettungslos verloren, und wer seine Bekehrung aufschiebt, setzt sich der Gefahr aus, in seinen Sünden zu sterben.



10.03.2020
190. Vom Heldenmut der göttlichen Liebe
(Lk 12)

II Jesus sehnt sich danach zu sterben, um Sein Erlösungswerk zu vollenden
«Aber Ich habe erst eine Taufe auf Mich zu nehmen, und wie drängt es Mich, bis sie vollzogen ist!»
Jesus begnügt Sich nicht, uns über die Forderungen heldenmütiger Liebe zu unterrichten; Er bekräftigt Seine Worte durch Sein Beispiel. Höre, wie Er von der Bluttaufe spricht, die Seiner wartet! Er empfindet im voraus alle Schmach und alle Qualen des Kreuzestodes und die schmerzliche Verlassenheit Seiner letzten Stunden. Und trotzdem ruft Er aus: «Es drängt Mich! Ich werde erst dann Ruhe finden, wenn Ich alles erlitten habe, was ein Mensch nur leiden kann!» In diesen Worten offenbart sich die glühende Liebe des göttlichen Herzens.
Versenke dein Herz in das Seinige, und alle selbstsüchtigen Triebe, alle Unruhe und Kälte werden daraus verschwinden. Das Beispiel Jesu zeigt dir, zu welchen Opfern wahre Liebe fähig ist. In der Liebe beruht das Geheimnis der Stärke. Nur weil du nicht recht zu lieben verstehst, bist du so schwach und unbeständig. Strebe danach, dem Heiland ganz anzugehören, wie auch Er ganz dein ist.



09.03.2020
190. Vom Heldenmut der göttlichen Liebe
(Lk 12)

I Jesus ist gekommen, um das Feuer der göttlichen Liebe in den Herzen zu entzünden
«Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie gern möchte ich, es loderte schon empor!»
Der Heiland will in den Herzen der Jünger das Feuer der Liebe entzünden, das in Seinem Herzen brennt. Nahe dich voll Verlangen, um dich an dieser Glut zu entflammen. «Was will Ich anderes, als dass es brenne!» Hörst du diesen Ruf des Heilands, und verstehst du, was er bedeutet? Er ist eine Aufforderung zu heldenmütigem Tugendstreben. Jesus verlangt von dir eine Demut, die bis zur Selbstverachtung geht, und eine Treue, die auch das Liebste freudig opfert. Du sollst stark werden wie die Märtyrer und so keusch, dass selbst der Schatten der Sünde dich schreckt. Deine Nächstenliebe soll sich in äußerster Hingebung und Selbstlosigkeit betätigen.
Jesus will das Feuer des Großmuts entzünden. Entziehe dich Seiner Einwirkung nicht, sondern lass dich zu heiliger Begeisterung für die Sache Gottes entflammen! Bedenke wohl, dass Er ein Recht hat, streng von dir zu fordern, worum Er dich liebevoll bittet! Erkenne die Rechte Seiner göttlichen Majestät freudig an und erhebe dich über alle Mittelmäßigkeit in Seinem Dienst! Das Feuer des Eifers verzehre in deinem Herzen alles, was der göttlichen Liebe widerstrebt!



08.03.2020
189. Von den Folgen eines unvorhergesehenen Todes
(Lk 12, Mt 24)

II Jesus verkündet das Schicksal derer, die der Herr bei Seiner Ankunft im Zustand der Sünde findet
«Dann wird Er ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz bei den Heuchlern anweisen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.»
Wohne im Geist der Verurteilung des ungetreuen Knechtes bei! Welche Entschuldigung wird er vorbringen, da die lange Abwesenheit des Herrn nicht als Entschuldigung gilt. Die Untreue, die der Lauheit entspringt, ist noch strafbarer als jene, die im Rausch der Leidenschaft begangen wird. Jener Knecht zog sich den Zorn Gottes zu, da er dem Zweifel sein Herz öffnete, und er trägt die volle Verantwortung für seine Handlungsweise. Vernimm das Urteil des göttlichen Richters! Welch schreckliches Los ist den Treulosen für die Ewigkeit beschieden! Sieh ihre Tränen, höre ihre Klagen, denke an die Bitterkeit ihrer Reue und ermesse die Tiefe ihres Falles! Der Gedanke an dieses schreckliche Geschick, vor dem kein Sünder sicher ist, wird in den Stunden der Ermüdung, wenn du nahe daran bist zu erliegen, deinen Mut und deinen Glauben neu beleben.
Wie steht es in diesem Augenblick um dich? Wie würde sich dein Schicksal gestalten, wenn der Herr dich noch heute abberiefe? Flieh die Wege, die zur ewigen Verdammnis führen, und benutze die reichen Gnaden, die Jesu Güte dir verliehen hat, zur Förderung der Ehre Gottes und zum Heil deiner Seele! Empfiehl dich der Barmherzigkeit des Heilands!



07.03.2020
189. Von den Folgen eines unvorhergesehenen Todes
(Lk 12, Mt 24)

I Jesus tadelt jene, die, des Wartens müde, nachlässig werden
«Wenn aber jener Knecht bei sich denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht; wenn er Knechte und Mägde misshandelt, isst und trinkt und sich berauscht, so wird der Herr dieses Knechtes an einem Tag kommen, da er es nicht erwartet, zu einer Stunde, die er nicht kennt.»
Der Heiland bezeichnet den Mangel an Treue als eine der größten Gefahren im geistlichen Leben. «Mein Herr wird nicht kommen», ruft der ungetreue Knecht aus, und dieses Wort enthüllt uns die Hauptursache der Lauheit. Man erwartet lange vergeblich die Erfüllung der göttlichen Verheißungen, und das Eintönige und Regelmäßige der täglichen Pflichterfüllung wird immer drückender. Es scheint auf die Dauer unerträglich, immer die gleichen Gebete zu verrichten, dieselben Vorschriften zu beobachten und dieselben Tugenden zu üben. Was ist die Folge davon? Der Zweifel dringt in die Seele ein und der Glaube wankt. Man sagt sich: «Der Meister hat mich vergessen, Er nimmt sich meiner nicht mehr an. Ich bete zu Ihm, aber Er erhört mich nicht.»
Der Glaube ist das Fundament des übernatürlichen Lebens, und wenn er wankt, gerät das ganze Gebäude in Gefahr. Liebe, Vertrauen und Treue schwinden, die inneren Erleuchtungen bleiben aus, das Gewissen stumpft ab und man findet keinen Geschmack mehr an geistlichen Dingen. Wenn der Mensch des göttlichen Wortes nicht mehr eingedenk ist, dann scheut er jede Anstrengung und ist jeder Sünde fähig.
Denk an den Knecht, von dem Jesus spricht! Seine ursprüngliche Treue ist dem törichten Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit gewichen. «Mein Herr wird nicht kommen. Ich will keinen Herrn mehr anerkennen!» Mit diesem Entschluss setzt er sich über alle Pflichten der Gerechtigkeit und Liebe hinweg. Hüte dich vor einer ähnlichen Verblendung! Unser Leben ist eine Wartezeit, und wenn Gott es zulässt, dass uns manche Stunden unerträglich lang erscheinen und dass schwere Kämpfe über uns hereinbrechen, dann geschieht das nur, um unseren Glauben und unsere Treue auf die Probe zu stellen. Nach diesen Stürmen wird uns die Hoffnung auf den Himmel um so tröstlicher erscheinen. Vertiefe dich in diese Gedanken und bemühe dich, in der Furcht Gottes und im Vertrauen zu wachsen!



06.03.2020
188. Von der Vorbereitung auf den Tod
(Lk 12, Mt 24)

III Jesus ermutigt die Seinigen zur Beharrlichkeit durch den Hinweis auf die ewige Belohnung
«Wohl dem Knecht, den der Herr bei Seiner Heimkehr in solcher Tätigkeit antrifft! Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle Seine Güter setzen.»
Höre, wie der Heiland das Glück der Wiedervereinigung mit Ihm preist, und du wirst Seine Rückkehr nicht mehr fürchten. Er wird Seine Auserwählten zum Festmahl einladen und sie selbst bedienen. Er wird ihnen die Herrlichkeit Seines Reiches zeigen und ihnen sagen: «Ihr seid daheim.»
Du wirst einwenden: «Er wird als Herrscher wiederkommen, und ich fürchte Seine Strenge.» Fürchte dich nicht, Jesus ist der mildeste aller Herrscher. Wenn du Ihm in diesem Leben treu gedient hast, dann kannst du gewiss sein, aus Seinen Händen einst eine herrliche Krone zu empfangen.
Jesus wird dich richten, aber bedenke, dass es sich dabei um den Preis Seines kostbaren Blutes handelt. Der Heiland liebt die Seelen, die Er so teuer erkauft hat, und es wird dir nicht schwer fallen, ein günstiges Urteil zu erwirken.
Blicke der letzten Stunde, die dir bisher so viel Schrecken verursachte, mit gläubiger Zuversicht entgegen. Am Sterbelager eines treuen Dieners Jesu findest du nichts, was beunruhigt oder erschreckt. Du erkennst nur, wie die Pläne der göttlichen Weisheit sich verwirklichen, wie der Meister kommt, um Sein Werk liebend zu vollenden. Wie trostreich ist dieses Ende, das hinüber führt in die ewige Seligkeit! Was bleibt uns da noch zu fürchten?


05.03.2020
188. Von der Vorbereitung auf den Tod
(Lk 12, Mt 24)

II Jesus betont die Notwendigkeit, immer auf den Tod vorbereitet zu sein
«So haltet auch ihr euch bereit, denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht vermutet.»
Wir müssen wachsam sein, da der Meister unerwartet wiederkommen wird. Die Stunde ist uns unbekannt, niemand kann sie uns anzeigen. Wir sollen sie nicht wissen, denn der Herr, der dem Sünder bereitwillig verzeiht, sichert uns nicht den kommenden Tag zu, um uns durch diese Ungewissheit anzutreiben, beständig zu wachen und eifrig und neu auf dem Weg zum Himmel voranzuschreiten.
Zögere also nicht länger! Vielleicht schlägt auch für dich ganz unerwartet schnell die Stunde, und es wäre Torheit, auf die Zukunft zu vertrauen. Fürchte einen unvorhergesehenen Tod, der dir zum Verderben gereichen könnte! Du hast noch einen anderen Grund zur Wachsamkeit: der Meister wird auf Seinem Weg zu dir nicht zögern. Wenn wir in unserer letzten Stunde noch auf einen Aufschub rechnen könnten, wenn uns ein zweites Leben geschenkt würde, um die Untreuen des ersten zu sühnen, dann könnten wir uns der Sorglosigkeit überlassen. Aber dem wird nicht so sein. Ein einziger Augenblick wird über unsere Ewigkeit entscheiden. Der Meister will uns bereit finden, wenn Er kommt, um uns ins ewige Leben einzuführen.



04.03.2020
188. Von der Vorbereitung auf den Tod
(Lk 12, Mt 24)

I Jesus lehrt Seine Jünger, sich auf den Tod vorzubereiten
Jesus sprach: «Eure Lenden seien umgürtet, und haltet brennende Lampen in euren Händen: So sollt ihr Menschen gleichen, die auf ihren Herrn warten, bis Er von der Hochzeit heimkehrt, um Ihm sogleich zu öffnen, wenn Er kommt und anklopft.»
Komm, um fern vom Getriebe der Welt den Unterweisungen des Heilands zu lauschen! Er spricht über einen Gegenstand von der größten Wichtigkeit, nämlich über die Vorbereitung auf den Tod. «Bereitet euch vor und erwartet mich, denn Ich werde wiederkommen», ermahnt Jesus Seine Jünger.
Verstehst du die Tragweite dieser Mahnung? Jesus wird wiederkommen, und wir sollen Seiner Rückkehr harren; darin besteht unser Leben hienieden. Die Erde ist nur ein vorübergehender Aufenthaltsort, wo dein Herz niemals volles Genügen finden wird, denn das wahre Glück ist im Himmel. Der Heiland entfernt sich von dir, um dir Zeit und Gelegenheit zu geben, dieses Übermaß von Glück zu verdienen, aber Er wird wiederkommen, um dich in Seine Herrlichkeit einzuführen. Jede Stunde, jeder neue Tag und jeder Schmerz, der dich heimsucht, mahnen dich an die Worte des Heilands: «Ich werde wiederkommen.»


03.03.2020
187. Von der göttlichen Vorsehung
(Lk 12)

III Jesus ermahnt seine Jünger, ihre Hauptsorge auf ihr ewiges Heil zu richten
«Sucht vielmehr zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugegeben werden.»
Willst du das Geheimnis des Friedens und der Sicherheit hienieden wissen, so höre den Rat des göttlichen Meisters, in allem nur das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit zu suchen. Bemühe dich, durch all dein Denken, Reden und Tun die Ehre Gottes zu fördern! Gott wird Sich an Großmut nicht übertreffen lassen und liebevoll für deine Bedürfnisse sorgen.
Befolge entschlossen diese Lebensregel und begib dich ans Werk! Suche bei all deinen Beschäftigungen die Interessen Gottes zu fördern. Der Mensch ist ein Werkzeug in der Hand der göttlichen Weisheit. Lass dich von Gott einsetzen und schone dich nicht! Wenn du ganz Sein bist, so wird Er auch dir ganz angehören.
Wirf dich vertrauensvoll vor deinem Gott nieder und lege in Sein Herz alle Sorgen und Befürchtungen, die dich bedrücken und deinen Glauben zu ersticken drohen!



02.03.2020
187. Von der göttlichen Vorsehung
(Lk 12)

II Jesus weist Seine Jünger auf die Vaterliebe Gottes hin
«So fragt denn nicht, was ihr essen und was ihr trinken sollt, und beunruhigt euch nicht. Um all das sorgen sich die Heiden. Euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft.»
Höre auf die Worte des Heilands: «Dein himmlischer Vater kennt all deine Bedürfnisse. Er weiß alles, Er kann alles und Er liebt dich.» Freue dich dieser tröstlichen Worte! Muss es uns nicht genügen, dass Gott unser Elend kennt, um es ergeben zu tragen? Er weiß, was wir leiden, was uns bedrückt und beunruhigt. Die Vergangenheit steht klar vor Ihm, die Gegenwart birgt für Ihn kein Geheimnis und die Zukunft liegt gleich einem offenen Buch vor Seinem Blick. Er kennt den Weg, den wir wandeln, die Hindernisse, die sich uns entgegenstellen, und alle Feinde, die wir zu bekämpfen haben, und als unser Vater wird Er immer bei uns sein. Entledige dich also aller überflüssigen Sorgen und weise allen Kleinmut von dir!



01.03.2020
187. Von der göttlichen Vorsehung
(Lk 12)

I Jesus fordert Seine Jünger auf, dem himmlischen Vater alle Sorge für das Irdische zu überlassen
Dann sprach Er zu Seinen Jüngern: «Darum sage Ich euch: Seid nicht ängstlich besorgt für das Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt.»
Öffne deine Seele weit dem Vertrauen, zu dem der göttliche Heiland Seine Jünger auffordert! Er weiß, wie sehr wir des Vertrauens bedürfen, das sich auf Gottes Vaterliebe stützt. Betrachte, wie der himmlische Vater das ganze Weltall mit unendlicher Weisheit regiert und auch das geringste Seiner Geschöpfe nicht vergisst! Er gibt ihnen alles, was sie zum Leben brauchen, und auch die armseligsten Geschöpfe sind reich durch Seine Vorsehung. «Betrachtet die Raben, sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Keller noch Scheune, und Gott ernährt sie! Wieviel mehr wert seid ihr als die Vögel!»
Warum erweist uns Gott soviel herablassende Güte? Jesus beantwortet uns diese Frage. Gott sorgt für euch, weil Er euer Vater ist. Er hat Seinen Kindern als Wohnung die Erde angewiesen, und mit wahrhaft väterlicher Sorge schmückt und befruchtet Er sie. Im Gedanken an dich überwacht Er die Ordnung in der Natur und gibt allen Wesen Gedeihen. So überlasse dich denn getrost Seiner Liebe!
Wie weit soll nun unser Vertrauen gehen? Jesus verlangt, dass es grenzenlos sei. Unser himmlischer Vater kann alles und Er liebt uns, das genügt. Wenn das Gefühl deiner Schwäche und deines Unvermögens dich bedrückt, so bedenke, dass Jesus gesagt hat: «Wenn ihr also nicht einmal das Geringste vermögt, warum seid ihr um das Übrige so ängstlich besorgt?»
Blicke himmelwärts und rufe zu Gott um Hilfe, anstatt dich entmutigen zu lassen! Was uns unmöglich ist, vermag Er durch einen einzigen Akt seiner Allmacht zu bewirken. In Ihm und durch Ihn können wir alles. Überlasse dich Seiner Fürsorge mit grenzenlosem Vertrauen!


29.02.2020
186. Jesus warnt vor der Habsucht
(Lk 12)

III Jesus zeigt seinen Jüngern, wie der irdische Besitz die ewige Seligkeit in Gefahr bringt
«So will ich es machen, sagte er, ich breche meine Scheunen ab und baue größere. Darin kann ich all meinen Ertrag und alle meine Güter unterbringen. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Meine Seele, du hast großen Vorrat an Gütern auf viele Jahre. Setz dich zur Ruhe. Iss und trink und lass es dir wohl sein. Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, noch diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern! Wem wird dann das gehören, was du aufgespeichert hast?»
Überdenke das tragische Geschehen, das der Heiland beschreibt! Die Seele dieses Mannes ist für die Ewigkeit verloren; dahin führte die Sucht nach Reichtümern. Je mehr irdische Güter man besitzt, um so weniger denkt man an die himmlischen. Man verliert die richtige Wertschätzung, das Gewissen stumpft ab und aus dem Herzen schwinden alle höheren Ideale. Bald erwacht der Hochmut, die Leidenschaften verlangen ungestüm nach Befriedigung und die Gebote Gottes werden mit Füßen getreten. Kommt dann der Tod, so wird eine unglückliche Ewigkeit einem solchen Leben folgen. Stelle dir den bitteren Schmerz des Unglücklichen vor, dem der Tod in einem Augenblick alle Güter entreißt, die er Gott vorgezogen hat! Wer kann das Elend einer Seele schildern, der im Augenblick des Todes nichts anderes bleibt als die Erinnerung an die Reichtümer, die sie einst besessen? Wer vermag ihre Angst und ihre Gewissensbisse und ihre Verzweiflung zu schildern? Schöpfe aus dieser Betrachtung den Entschluss, mutig die Fesseln zu brechen, in denen der Teufel dich festhält! Schätze die Güter des Himmels nach ihrem wahren Wert, und alle irdischen Reichtümer werden dir nichtig vorkommen. Reiße dein Herz davon los, und weihe es ausschließlich deinem Gott!



28.02.2020
186. Jesus warnt vor der Habsucht
(Lk 12)

II Jesus betont, dass die irdischen Reichtümer nicht unser Lebensglück ausmachen
Jesus sprach zu ihnen: «Habt acht und hütet euch vor aller Habsucht! Mag einer auch Überfluss haben, sein Leben ist durch seinen Besitz doch nicht gesichert.»
Jesus benützt die Gelegenheit, um Seinen Jüngern eine wichtige Lehre zu erteilen. Was nützt es, sein Herz an Güter zu hängen, die kein wahres Glück bieten können? Wie oft entfesselt der Reichtum Feindschaft zwischen den Gliedern derselben Familie! Betrachte den Mann, der um die Vermittlung des göttlichen Meisters bittet! Er ist das Opfer des Kampfes um seine persönlichen Interessen. Haben dergleichen Streitigkeiten nicht auch bisweilen ihre Schatten in dein Leben geworfen?
Überdies rauben die vielen Sorgen, die das Streben nach irdischen Gütern mit sich bringt, dem Menschen die Ruhe und die Fähigkeit, das wahre Glück zu genießen. Das lehrt dich die Parabel, die der Heiland vorträgt: «Ein reicher Mann hatte einen Acker, der reichliche Früchte trug. Da dachte er bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun, ich habe keinen Platz, meine Feldfrüchte unterzubringen?»
Sieh, wie dieser Sklave der Habsucht sich quält mit der Frage: «Was soll ich tun?» Er verlangte nach Ruhe und hat nichts als Aufregung gefunden, da er von Gefahren aller Art umringt ist; tausend Feinde bedrohen ihn. Er weiß, daß er der Eifersucht ausgesetzt ist, und fragt sich voller Unruhe: «Was soll ich tun?» In seinem Haus herrscht der Überfluß, aber ihm fehlt der Friede, ohne den der Reichtum nicht beglücken kann.
Zu all den Sorgen gesellen sich noch bittere, unvermeidliche Enttäuschungen. Wer sein Glück genießen will, muß vor allem seine Zukunft sicherstellen. Denn wer nicht imstande ist, für den folgenden Tag vorzusorgen, den kann man in Wahrheit arm nennen. Nun gibt es aber erst im Himmel ein sicheres «Morgen», und der Himmel wird nur jenen zuteil, die ihn der Erde vorgezogen haben. Wehe den Unglücklichen, die das Leben anders aufgefasst haben!



27.02.2020
186. Jesus warnt vor der Habsucht
(Lk 12)

I Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um den Menschen zur Erwerbung vergänglicher Reichtümer behilflich zu sein
Einer aus dem Volk sagte zu Ihm: «Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.» Er entgegnete ihm: «Mensch, wer hat Mich zum Richter oder Erbteiler über euch gesetzt?»
Vernimm die Bitte, die man an den Heiland richtet, und freue dich über Seine abweisende Antwort! Er will uns begreiflich machen, dass Er nicht gekommen ist, um uns mit irdischen Gütern zu bereichern. Das ist der Sinn Seiner Antwort. «Meine Sendung erstreckt sich nicht auf dieses Gebiet; Ich bin nicht gekommen, um in Erbschaftsangelegenheiten zu entscheiden. Was Ich euch biete, ist mehr wert als alle irdischen Güter.»
Bemühe dich also zu erfassen, was du bei der Nachfolge Jesu vor allem erstreben sollst! Wohl darfst du von Ihm auch zeitliche Güter und Erfolg in deinen Unternehmungen erbitten, aber Er wird dir deine Bitten nur dann gewähren, wenn du deine Hauptsorge und deine innigsten Gebete auf die Erlangung der ewigen Güter richtest. Bekenne dich von ganzem Herzen zu dieser Gesinnung! Willst du noch länger zu jenen unwürdigen Christen gehören, die ihre Treue gegen den Heiland von dem Erfolg ihrer zeitlichen Angelegenheiten abhängig machen?



26.02.2020
185. Mahnungen an die Jünger
(Lk 12)

III Jesus verheißt Seinen Jüngern den Beistand Seines himmlischen Vaters
«Kauft man nicht fünf Sperlinge für zehn Pfennige? Und doch ist keiner von ihnen bei Gott vergessen. Fürchtet euch also nicht, ihr seid mehr wert als viele Sperlinge!»
Jesus ermutigt und stärkt Seine Jünger zum Kampf, indem Er ihnen großes Gottvertrauen einflößt. Die Jünger dürfen wirklich voller Vertrauen der Zukunft entgegensehen, denn sie werden auf dem Kampfplatz nicht allein sein. Gott wacht über sie.
«Da das christliche Leben ein beständiger Kampf ist», sagt Jesus, «so seid stets eingedenk, dass Gott mit euch kämpft und den Ausgang entscheidet.» Alles, was wir verlieren, wird uns dereinst strahlend im Glanz unsterblicher Schönheit von Gott wieder gegeben. So sei denn ohne Furcht, da reicher Lohn deiner harrt! Du sollst die köstliche Unabhängigkeit einer Seele genießen, die alle Menschenfurcht abgestreift hat. Beklage es, dass du so lange ein Sklave deiner Feigheit gewesen bist! Erhebe die Fahne Christi, brich deine Ketten und erringe deiner Seele die wahre Freiheit!



25.02.2020
185. Mahnungen an die Jünger
(Lk 12)

II Jesus ermahnt seine Jünger alle Menschenfurcht abzulegen
«Euch aber, meinen Freunden, sage Ich: Fürchtet nicht jene, die den Leib töten können, aber weiter nichts vermögen.»
Jesus weist den Seinen den Weg, den sie zu gehen haben. Er warnt uns vor der Menschenfurcht. Verfolge Seinen Gedankengang! Fürchte dich nicht, deine innere Überzeugung offen zu bekennen! Jesus macht uns zu Aposteln Seines Wortes. Seine Lehre soll der Sonne gleich die Welt erleuchten und ihre Strahlen sollen in jede Menschenseele dringen. Verkünde sie also furchtlos, suche die Seelen auf, die ihrer bedürfen, und offenbare ihnen die Schönheit, Erhabenheit und Notwendigkeit dieser Lehre für alle, die zum Besitz des ewigen Lebens kommen wollen! Belehre und überzeuge die Unwissenden, unbekümmert um das spöttische Lächeln des Unglaubens und den Widerspruch der falschen Wissenschaft!
Fürchte dich nicht zu handeln! Jene, die dein Wort nicht gewinnen konnte, wird dein Beispiel überzeugen und fortreißen. Gib deinem Erlöser auch das Bekenntnis deines Glaubens durch die Tat! Sei eifrig, unermüdlich und opferwillig überall, wo es sich um die Ehre Gottes und um das Heil der Seelen handelt!
Fürchte dich nicht, zu leiden! Danke dem Heiland für diesen erhabenen Beruf. Seine Jünger sollen auf die Welt einen hervorragenden Einfluss ausüben. Aber nur die Starken, die das Leid nicht niedergebeugt und die kein Kampf entmutigt, sind imstande, andere mitzureißen.
Fürchte dich nicht zu sterben! Jesus stellt jenen, die Er zur Treue ermahnt, Verfolgungen in Aussicht. Aber Er ruft ihnen zu: «Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten!» Die Verfolger werden kommen, doch wer sie auch sein mögen, du brauchst sie nicht zu fürchten. Mögen sie aus Hass gegen den Heiland dich deines Reichtums, deiner Freiheit, deiner Ehre und deines Lebens berauben, deine einzig wahren übernatürlichen Güter vermögen sie nicht anzutasten, da Gott selbst sie dir aufbewahrt.
Sei also unerschrocken und tapfer im Kampf für die göttliche Ehre und bereue es, wenn ehemals vielleicht ein Blick, ein Wort oder die Furcht, Menschen zu missfallen, dich bewogen hat, das göttliche Gesetz zu übertreten!



24.02.2020
185. Mahnungen an die Jünger
(Lk 12)

I Jesus befiehlt Seinen Jüngern, sich von den Pharisäern loszusagen
Inzwischen hatten sich so zahlreiche Volksscharen angesammelt, dass sie einander auf die Füße traten. Da sprach Er, zunächst zu Seinen Jüngern: «Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei.»
Mische dich unter die Volksmenge, die den Heiland umdrängt! Er warnt Seine Jünger nochmals vor der falschen Frömmigkeit der Pharisäer. Der Sauerteig des Stolzes bringt uns dazu, bei allem, was wir tun, nur unsere eigene Ehre zu suchen, und verwandelt so unseren Gottesdienst in Lüge und Heuchelei. Davor warnt Jesus Seine Umgebung.
Sodann ermutigt Er sie zum freimütigen Bekenntnis ihres Glauben. «Denn nichts ist verborgen, was nicht offenbar, nichts geheim, was nicht bekannt würde.» Damit fordert Er seine Jünger auf, freimütig zu zeigen, dass sie entschlossen sind, den Forderungen des Evangeliums zu entsprechen. — Wie viele Feiglinge sind in der großen Volksmenge, die den Herrn umgibt, welche nie wagen würden, für die Lehre Jesu einzutreten! Wie viele suchen ihren eigenen Vorteil weit mehr als die Ehre Gottes, oder Gott nur so lange, als sie dabei nichts zu verlieren fürchten?
Gehörst du zu ihrer Zahl? Hast du dich im Augenblick der Gefahr nicht feig in ihren Reihen versteckt gehalten? Halte von nun an offen zu Jesus, erhebe mutig das Banner des Glaubens, so dass es weithin sichtbar wird! Jesus befiehlt dir, dich in den bevorstehenden Kämpfen auszuzeichnen, denn nichts hat der zu befürchten, der nur Gott fürchtet.


23.02.2020
184. Jesus ruft das Wehe über die Gesetzeslehrer
(Lk 11,Mt 23)

III Jesus bedroht jene, die die Barmherzigkeit Gottes missbraucht haben, mit der Strenge der göttlichen Gerechtigkeit
«So macht ihr das Maß eurer Väter voll. — So soll über euch kommen alles gerechte Blut, das auf Erden vergossen wurde. Wahrlich, Ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen!»
Vernimm mit heiligem Schrecken die Drohungen der göttlichen Gerechtigkeit! «Gott wird Rechenschaft fordern von aller Sünde und Ungerechtigkeit. Jerusalem geht seinem Untergang entgegen, und das gottesmörderische Volk wird in alle Welt zerstreut werden.» Das Gottesgericht hat sich an ihnen vollzogen; aber auch für uns bleibt Gottes strenge Gerechtigkeit bestehen, und wir sind ihren Schlägen ausgesetzt. Hast nicht vielleicht auch du die Stellvertreter Gottes abgewiesen und ungerecht behandelt? Bitte den Heiland um Erbarmen! Decke Ihm den innersten Grund deiner Seele auf und lass Ihn Einblick tun in all die Sünden, all die Heuchelei und Schlechtigkeit, die du bisher so geschickt zu verbergen suchtest. Tritt deinen Stolz in den Staub, verachte dich und sprich dir selbst das Urteil!
Du hast durch deine Falschheit die Lehre Jesu entehrt und Seine Rechte verachtet; du hast Ihn mit Schmach und Bitterkeit gesättigt und Ihn mit Wunden bedeckt. Bitte den Heiland um Verzeihung und flehe zur allerseligsten Jungfrau, sie möge den Zorn Ihres Sohnes von dir abwenden! Opfere das Blut Jesu und der heiligen Märtyrer auf als Sühne für deine Sünden, und brich endgültig mit allen Fehlern der Vergangenheit, um so vom lieben Gott Verzeihung und Gnade zu erlangen!



22.02.2020
184. Jesus ruft das Wehe über die Gesetzeslehrer
(Lk 11,Mt 23)

II Jesus beschuldigt sie feiger Nachgiebigkeit
«Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr baut den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt: Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, so hätten wir uns an dem Blut der Propheten nicht mitschuldig gemacht. Damit bezeugt ihr selbst, dass ihr die Söhne von Prophetenmördern seid.»
Vernimm diesen neuen Vorwurf, der vielleicht auch dich trifft! Gehörst du nicht zu jenen, die alles Unrecht streng tadeln, die aber zu keinem Opfer bereit sind, um den angerichteten Schaden wieder gutzumachen? Es heißt gewissermaßen in die Schuld anderer einwilligen, wenn man deren Vergehen nicht hindert und sich ihnen nicht mit Freimut widersetzt. Wie verhältst du dich, wenn du erfährst, dass Unrecht geschehen ist und dass schweres Ärgernis gegeben wurde, durch welches unsterbliche Seelen Gefahr laufen, auf ewig verlorenzugehen? Bist du kühn genug, das Böse freimütig zu verdammen, unbekümmert darum, wer dessen Urheber war; oder hüllst du dich in feiges Stillschweigen? Durch diese schmähliche Nachgiebigkeit unterstützt du den Einfluss des Bösen. Wie oft hast du nicht andererseits im innersten Herzen Dinge und Vorkommnisse entschuldigt, die du niemals öffentlich zu verteidigen gewagt hättest? Gott weiß das, und deshalb verlangt der Sohn Gottes von dir, fortan ein solches Verhalten ernstlich zu verabscheuen.



21.02.2020
184. Jesus ruft das Wehe über die Gesetzeslehrer
(Lk 11,Mt 23)

I Jesus wendet sich gegen die heuchlerische Strenge der Gesetzeslehrer
Ein Gesetzeslehrer entgegnete Ihm: «Meister, mit diesen Worten schmähst Du auch uns.» Da sprach Er: «Weh auch euch, ihr Gesetzeslehrer! Ihr bürdet den Menschen unerträgliche Lasten auf, selbst aber rührt ihr die Lasten nicht mit einem Finger an!»
Die Entrüstung des Heilands hat ihren Höhepunkt erreicht, denn Sein Blick hat neue Schuldige entdeckt. Kühne Stimmen wagen zu sagen: «Mit diesen Reden schmähst Du auch uns.»
Wer sind jene, die so reden? Es sind wissenschaftlich gebildete Männer, die eine rechtmäßige Autorität ausüben und sich großen Einflusses auf das Volk erfreuen. «Ja», antwortete Jesus, «wehe auch euch! Gott hat euch Verständnis der Heiligen Schrift, Autorität und Einfluss auf das Volk gegeben, damit ihr den Kindern Gottes ihre Lasten erleichtern sollt, und ihr macht sie ihnen im Gegenteil unerträglich, während ihr sie selbst nicht tragen wollt. Auch eure Frömmigkeit ist nur Heuchelei.» Nach Gottes Absicht sollen die Untergebenen in der Autorität ihrer Vorgesetzten eine Stütze finden, um sich im Guten zu befestigen und es leichter und freudiger zu üben. Auf dem Weg zum ewigen Leben soll die Autorität der einen den anderen Kraft und Schutz gewähren. So will es die göttliche Weisheit, aber diese unbarmherzigen Gesetzeslehrer haben dafür kein Verständnis. Statt den Seelen das Himmelreich zu eröffnen, verschließen sie es vor ihnen.
Hast du dir in dieser Hinsicht keine Vorwürfe zu machen? Erinnere dich an die Gelegenheiten, die Gott dir gegeben hat, um anderen den Weg der Tugend zu zeigen. Verlangst du trotz deiner eigenen Schwäche von deinen Mitmenschen nicht manchmal übermäßige Anstrengungen? Rufst du nicht durch allzugroße Strenge in den Herzen derer, die von dir Kraft und Ermutigung erwarten, tiefe Niedergeschlagenheit hervor?



20.02.2020
183. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (II)
(Mt 23)

III Jesus tadelt öffentlich die Heuchelei der Pharisäer
«Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gleicht übertünchten Gräbern. Von außen sehen sie zwar schön aus, inwendig aber sind sie voll von Totengebein und allem Unrat.»
Man tut einem Heuchler kein Unrecht, wenn man ihn entlarvt. Man verhilft nur der Tugend, die er entehrt, wieder zu ihrem Recht, indem man sie vor Verwechslung mit dem Laster schützt. Deshalb verfährt auch Jesus mit den Heuchlern so streng.
Höre wie der Heiland Seinen Unwillen äußert! Nähere dich diesen übertünchten Gräbern, atme den Modergeruch ein, der ihnen entströmt, und du wirst in etwa verstehen, welch grenzenloser Abscheu Gott erfüllt, wenn Er gewahrt, wie die Verderbnis eines solchen Lebens sich mit dem Schein der Tugend umgibt. Diese Menschen tragen Religion zur Schau, um ihren Mitmenschen erdrückende Lasten auflegen zu können, und entehren gleichzeitig die Religion, indem sie im Geheimen dem Laster frönen. Gott durchschaut sie, darum wehe ihnen!
Verstehe die Entrüstung des Heilands recht! Er beschuldigt nicht jenen der Heuchelei, der, von seinen Leidenschaften hingerissen, in die Sünde fällt. Über diesen ruft er kein Wehe aus. Er ruft ihn vielmehr liebevoll zurück und reicht ihm die Hand, damit er sich von seinem Fall erhebe. Er schickt ihm Seine Engel, um ihn zu beschützen und auf den rechten Weg zurückzuführen. Was aber Jesus nicht dulden kann und was Er aufs Schärfste verurteilt, ist der Stolz eines Elenden, der mit der Tugend prahlt, während er sich wissentlich der Sünde hingibt. Es ist die Maske der Heiligkeit auf einem durch Laster entstellten Antlitz. Seine Heuchelei wird allen aufrichtigen Seelen zum Stein des Anstoßes, dessen sich Satan bedient, um sie irrezuführen und vom Heiland zu entfernen.
Die falsche Frömmigkeit geht Hand in Hand mit der Gottlosigkeit. Darum duldet Jesus sie nicht, und deshalb sollst auch du sie verabscheuen. Wenn dein Gewissen dir in dieser Beziehung etwas vorwirft, so beginne sogleich damit, an deiner Besserung zu arbeiten!



19.02.2020
183. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (II)
(Mt 23)

II Jesus verdammt die willkürliche Gesetzesauslegung der Pharisäer
«Weh euch, ihr blinden Führer! Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so gilt das nicht. Schwört er aber beim Gold des Tempels, so ist er gebunden. Ihr Toren und Blinden, was steht denn höher: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heiligt?»
Woraus schöpfen die Pharisäer die Vorschriften, die sie anderen aufdrängen wollen? Wie dürfen sie sich anmaßen, den Wortlaut und den Sinn des Gesetzes zu erklären? Jesus überführt sie, dass sie dabei nicht für die göttliche Ehre eifern, sondern einzig für ihre Meinungen und Interessen. Nur was ihnen im Licht ihrer falschen Wissenschaft wahr erscheint, hat Wert für sie, und sie verwerfen rücksichtslos alles, was ihrer Denkart widerspricht. Sie sind nicht zu bekehren, und deshalb wehe ihnen! — Es ist Gott unmöglich, Seinen heiligen Willen durch den Willen eines Geschöpfes verdrängen zu lassen oder zu dulden, dass rein menschliche Anordnungen an die Stelle des göttlichen Gesetzes treten.
Bitte den göttlichen Meister, dass du niemals das Opfer falscher Lehrer werdest, die durch angemaßte Autorität leichtgläubige Menschen verwirren und ins Verderben stürzen. Nimm deine Zuflucht zu den wahren Gesetzeslehrern, die Christus selbst in unserer Mitte erweckt.



18.02.2020
183. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (II)
(Mt 23)

I Jesus bedroht die Pharisäer mit der Strenge der göttlichen Gerechtigkeit
«Weh euch, ihr Gesetzeslehrer! Ihr verprasst die Häuser der Witwen und sagt dafür lange Gebete her. Darum werdet ihr ein strengeres Gericht zu erwarten haben.»
Höre aufmerksam den Vorwurf, den Jesus hier den Pharisäern und Schriftgelehrten macht. Diese Menschen benutzen das Gesetz und die Religion, um sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen. Sie erstreben zeitlichen Gewinn bei Dingen, die einzig zur Ehre Gottes gereichen sollten, und verfolgen selbst bei den Werken der Frömmigkeit nur ihren eigenen Vorteil. Wehe jenen, die Gott also dienen, wehe ihnen, die durch solches Verhalten den Feinden Gottes Gelegenheit bieten, Seinen Dienst und Sein Gesetz in Verruf zu bringen! Alle, die in ihre Fußstapfen treten, sind Verräter, die Christus nicht als Seine Jünger anerkennt.
Jesus beschuldigt die Pharisäer ferner, dem Volk unerhörte, drückende Lasten aufzulegen. Darin erkennen wir einen weiteren Charakterzug falscher Frömmigkeit. Jesus sagt: «Dadurch, dass ihr den Gläubigen endlose Gebete, überflüssige Vorschriften und ungesetzmäßige religiöse Übungen aufbürdet, erschwert ihr ihren Weg zum Himmel und setzt eure Herrschsucht an die Stelle der wahren Religion.»
Es ist Gottes Wille, dass die Religion unsere Seele erquicke, unsere Sorgen erleichtere und uns in unseren Leiden tröste. Die Pharisäer aber hatten sie durch ihre unvernünftige Strenge zum Schrecken der Gläubigen und zum Überdruss der Schwachen gemacht. Wehe ihnen!
Wende auch du dich entrüstet von ihrer Lehre ab und fasse den festen Entschluss, niemals unberechtigte Forderungen an andere zu stellen!



17.02.2020
182. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (I)
(Lk 11, Mt 23)

II Jesus verweist den Pharisäern, dass sie die Erfüllung wesentlicher Pflichten vernachlässigen
«Aber weh euch, ihr Pharisäer! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Raute und jeglichem Gartengewächs, aber um Recht und Liebe zu Gott kümmert ihr euch nicht.»1
Jesus lehrt, dass die Tugenden der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit, Liebe, Güte und Barmherzigkeit die wesentliche Grundlage des neuen Gesetzes und aller wahren Gottesverehrung sind. Durch Übung dieser Tugenden gibt der Mensch dem lieben Gott die Verehrung, die sein Schöpfer von ihm verlangt. Gott will, dass wir Ihm unser Herz und unseren Willen schenken durch aufrichtige Unterwerfung und Opferfreudigkeit, und diese äußern sich in der Pflege jener Tugenden, die der Heiland anführt. Die Werke der Übergebühr sollen nur ein Schmuck der wesentlichen Pflichterfüllung sein. Denke über diese Lehre nach! Jesus wendet sich damit an die Pharisäer aller Zeiten. Findest nicht auch du in deinem Herzen zuweilen etwas, was an die Untugenden der Pharisäer erinnert? Wie äußert sich deine Frömmigkeit Gott gegenüber? Liebst du die Gerechtigkeit, die jedem gibt, was ihm zukommt? Bist du barmherzig gegen alle Unglücklichen, liebreich gegen Arme und Schwache? Beweist du durch deine Treue im Kleinen vor allem, daß es dir mit der Erfüllung jeder Pflicht und mit der Hochschätzung wahrer Tugend ernst ist? Beantworte aufrichtig alle diese Fragen unter dem Beistand des Heiligen Geistes! Verdemütige dich zu Füßen deines Erlösers und versprich Ihm gründliche Besserung!

1 Der Heiland spricht von Gemüsen, die im Garten wachsen, und von denen man deshalb nicht den Zehnten zu geben brauchte. Dem Gesetz und dem jüdischen Gebrauch gemäß gab man den Zehnten nur von den Feldfrüchten.



16.02.2020
182. Jesus ruft das Wehe über die Pharisäer (I)
(Lk 11, Mt 23)

I Jesus tadelt die Pharisäer, weil ihre Frömmigkeit nur Schein ist
Während Er noch redete, bat Ihn ein Pharisäer, bei Ihm zu speisen. Er ging hin und setzte sich zu Tisch. Der Pharisäer sah zu und wunderte sich, dass Er sich vor der Mahlzeit nicht erst wusch.
Betritt mit dem Heiland das Haus des Pharisäers und bereite deine Seele vor, um die Unterweisungen Jesu recht zu erfassen! Er ist umgeben von Menschen, die sich vorzugsweise auf die Beobachtung gesetzlicher Zeremonien und liturgischer Vorschriften verlegen, die beständig von Gott und Seinen Geboten reden. Man lobt ihr häufiges Fasten, ihre Freigebigkeit gegen die Armen und ihren Eifer im Besuch des Tempels. Wegen ihrer genauen Kenntnis der heiligen Bücher sind sie der Stolz ihres Volkes. «Nun denn, ihr Pharisäer, das Äußere von Becher und Teller reinigt ihr. Euer Inneres aber ist voll Raubgier und Bosheit.»
Warum ergreift den Heiland eine solche Entrüstung über die Pharisäer? Er erkennt, dass ihre Gottesverehrung rein äußerlich ist. «Wenn ihr Gott nur den Schein der Frömmigkeit bietet, missfallt ihr Ihm und zieht Seinen Fluch auf euch herab.» Die wahre Frömmigkeit ist innerlich. Das Lob, das wir unserem himmlischen Vater aufopfern, soll aus dem Innersten unseres Herzens kommen.
«Reinigt zuerst das Innere des Bechers», sagt Jesus. Der Geist muss von allen unreinen Gedanken, von stolzer Selbstüberhebung, kindischer Eitelkeit und unnützen oder schädlichen Interessen gereinigt werden. Was nützt es, in den Augen der Menschen rein zu erscheinen, wenn das Innere voller Fäulnis ist? Was nützt alles Händewaschen, wenn die Seele befleckt bleibt? Man kann die ewige Weisheit nicht täuschen. — Erforsche dich im Licht dieser ernsten Mahnung! Verdienst nicht auch du die Zurechtweisung, die Jesus seinen Tischgenossen gibt?



15.02.2020
181. Jesus lehrt seine Jünger beten
(Lk 11)

III Jesus versichert Seinen Jüngern, dass Gott all ihren Anliegen väterliches Interesse entgegenbringt
«Wenn einer von euch seinen Vater um Brot bittet, gibt er ihm dann etwa einen Stein? Und wenn er um einen Fisch bittet, gibt er ihm statt des Fisches eine Schlange? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird der himmlische Vater den Heiligen Geist denen geben, die Ihn darum bitten?»
Die Apostel müssen im Vertrauen befestigt werden, und auch du kannst aus den Unterweisungen Nutzen ziehen, die ihnen der Heiland in dieser Hinsicht erteilt. Jesus übernimmt die Rechtfertigung Seines himmlischen Vaters gegenüber den Zweifeln, die unser mangelhafter Glaube gegen Ihn vorbringt. Bedenke, dass du im Gebet zu dem besten aller Väter sprichst! Zu jeder Stunde ist man Ihm willkommen, und wir können die hohe Ehre, in vertrauten Verkehr mit Ihm treten zu dürfen, niemals genügend schätzen. Wird es dir im Gedanken an diese Tatsache nicht leichter werden, Ihm in Seinem stillen Heiligtum all deine Gedanken und Wünsche anzuvertrauen? Seine väterliche Vorsehung wacht über dich, und Seine unendliche Güte wird dir helfen. Im Vaterunser lehrt dein Herr und Meister dich das vorzüglichste Gebet. Lerne nur, es in der rechten Gesinnung zu verrichten! Vereinige dich dabei mit Jesus, und sprich Ihm jede Bitte nach! Je mehr du dich als Sein Jünger und als Kind des himmlischen Vaters fühlst, desto leichter und besser wirst du beten.



14.02.2020
181. Jesus lehrt seine Jünger beten
(Lk 11)

II Der Heiland lehrt Seine Jünger das Vaterunser
Da sagte Er zu ihnen: «Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, geheiligt werde Dein Name. Es komme Dein Reich. Unser tägliches Brot gib uns heute. Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben allen unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung.»
«Lehre uns beten!» sagten die Apostel. Suche die tiefe Bedeutung dieser Bitte zu erfassen! In ihr sind manche Fragen enthalten, die sich auch dir immer aufdrängen: Was heißt beten? Nach welcher Methode soll man vorgehen? Welcher Formel soll man sich dabei bedienen? Jesus wird all diese Schwierigkeiten lösen. Was heißt beten? Beten heißt, Gott anbeten. Denke über den ersten Teil des Vaterunsers nach! Jesus verlangt darin, dass wir Gott loben, Seinen Namen verherrlichen, die Ausbreitung Seines Reiches sowie die vollkommene Erfüllung seines Willens erflehen. Erwecke also beim Gebet Gesinnungen, die Gott wirklich zur Ehre gereichen! So handelte Jesus selber und dazu leitete Er Seine Jünger an.
Gehörst du nicht vielleicht zu jenen eigennützigen Christen, die im Gebet nur an sich denken und den Interessen Gottes sozusagen gleichgültig gegenüberstehen? Und doch muss Gott fordern, dass, wie alles auf Erden, so auch unser Gebet zu Seiner Verherrlichung beitrage. Ein Gebet, das die Ehre Gottes nicht fördert, wird fruchtlos sein.
Beten heißt ferner, Gott um die Kraft bitten, deren wir bedürfen. Wenn du die zweite Hälfte des Vaterunsers betrachtest, dann wird es dir klar, daß wir darin für alle Lebenslagen die Hilfe Gottes erflehen. Mag es sich nun um Bedürfnisse des Leibes oder der Seele handeln, wir brauchen Ihn nur zu bitten, und Er wird uns beistehen, wie Jesus uns versichert.
Jedoch hilft Er nicht bedingungslos. Das Gebet ist nach der Lehre Jesu vor allem ein Akt kindlichen Vertrauens. In deiner Anbetung und in deinen Bitten sollst du zum lieben Gott sprechen wie das Kind zum Vater. Wenn der Stimme, die zu Ihm ruft, der Ton kindlichen Vertrauens fehlt, dann kann Er unmöglich als Vater antworten.
Wenn Gott bei deinen Gebeten manchmal taub zu sein scheint, dann ist gewiss dein Mangel an Vertrauen die Ursache. Du zweifelst an Seiner Liebe und glaubst, dass Er an deinen Leiden keinen Anteil nehme. Weise alles Misstrauen von dir und sprich mit wahrer Kindesliebe: «Vater».



13.02.2020
181. Jesus lehrt seine Jünger beten
(Lk 11)

I Die Jünger bitten den Heiland, sie beten zu lehren
Einst verweilte Er an einem Ort im Gebet. Als Er damit zu Ende war, bat Ihn einer von Seinen Jüngern: «Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.»
Begib dich mit den Jüngern zum göttlichen Meister in die Einsamkeit, um vom Heiland beten zu lernen! Jesus ist der große Lehrmeister des Gebets, und du bedarfst Seiner Unterweisung, denn wer nicht zu beten versteht, der wird auf dem Weg zur Vollkommenheit keine Fortschritte machen. Betrachte vor allem, wie Jesus selbst betet! Welche Lehren ziehst du aus dem Umstand, dass der göttliche Meister sich in die Einsamkeit begibt und sich in das tiefste Schweigen versenkt, wenn Er mit seinem himmlischen Vater reden will?
Der Anblick des betenden Heilands wird auch in dir den lebhaften Wunsch erwecken, im Gebetsleben ernstliche Fortschritte zu machen.



12.02.2020
180. Maria und Martha
(Lk 10)

III Jesus tadelt Martha und rechtfertigt ihre Schwester
Martha aber machte sich viel zu schaffen mit der Bedienung. Sie trat hinzu und sagte: «Herr, kümmert es Dich nicht, dass meine Schwester mir allein die Bedienung überlässt? Sag ihr doch, sie solle mir helfen.» Der Herr entgegnete ihr: «Martha, Martha, du sorgst und kümmerst dich um gar viele Dinge. Nur eines ist notwendig. Maria hat den besten Teil erwählt. Er soll ihr nicht genommen werden.»
Martha beklagt sich; sie hat für die Absichten des Herrn noch nicht das rechte Verständnis und weiß nicht, dass der Herr, wenn Er um Gastfreundschaft bittet, vor allem eine Gelegenheit sucht, uns zu bereichern. Hüte dich vor einer ähnlichen Täuschung! «Meister, sag ihr doch, dass sie mir helfe!» ruft sie ungeduldig aus. Aber der Heiland gewährt ihre Bitte nicht. Seine Unterredung mit Maria ist zu wichtig, um sie zu unterbrechen. Die Zeit zur Arbeit wird schon kommen, man muss nicht die Gnadenstunden des Gebets dafür verkürzen.
Nicht um sich ihren Alltagspflichten zu entziehen, hat Maria sich in die wunderbare Schönheit der göttlichen Unterweisungen versenkt; sie dienen ihr im Gegenteil dazu, ihre Pflichten besser zu erkennen und tiefer in ihre Größe und Tragweite für die Ewigkeit einzudringen. Sie wird sie fortan viel vollkommener erledigen können.
O meine Seele, wirst du aus diesen Unterweisungen den rechten Nutzen ziehen? Wie kommt es, dass du beim Anhören des göttlichen Wortes so leicht ermüdest und dass dir im Verkehr mit Jesus nicht selten die Zeit so lang erscheint? Gehört nicht all deine Zeit Ihm, und sollte nicht jede Arbeit eine Frucht des Gebets sein? Zu den Füßen Jesu wirst du Kraft und Anregung zu verdienstvoller Erfüllung deiner Pflichten finden.
Das hat Maria besser verstanden als ihre Schwester, und deshalb lobt sie der Herr. «Sie hat den besseren Teil gewählt, denn sie hat hienieden schon von jenen Schätzen Besitz ergriffen, die andere erst im Himmel genießen werden.» Ahme Maria nach und du wirst die Wahrheit der Worte Jesu an dir selbst erfahren. Nimm dir täglich die Zeit, in der Betrachtung die Worte und Gnaden Jesu als kostbaren Schatz zu sammeln, und lasse dich durch nichts davon abhalten!



11.02.2020
180. Maria und Martha
(Lk 10)

II Maria zu den Füßen Jesu
Martha hatte eine Schwester, die Maria hieß. Warum hat der Heiland Seine Wanderung unterbrochen und an diese Tür angeklopft? Er will eine suchende Seele in den ewigen Wahrheiten unterrichten. Er ist ja eigens vom Himmel auf die Erde gekommen, um uns über das Glück zu belehren, das unser in der Ewigkeit harrt.
Wie damals zu Maria, so spricht Jesus auch zu uns in der Betrachtung: «Ich lade dich zu den Freuden des ewigen Lebens ein; bedenke, dass das gegenwärtige Leben die Vorbereitung dazu ist. Ich selbst will mit dir sein und dir den Weg erhellen, dein Herz reinigen und deinen Mut beleben. Du wirst durch Mich die Wahrheit und Gerechtigkeit lieben lernen.» So folge denn der göttlichen Einladung!
Vergleiche die eitlen, leeren Unterhaltungen der Weltleute mit den Belehrungen des göttlichen Meisters! Entledige dich aller überflüssigen Sorgen, und benütze alles Irdische nur, um zum ewigen Ziel zu gelangen! Mit welcher Freude lauscht Maria dem Heiland! Was Er sagt, ist so schön und trostreich. Wie klein ist alles irdische Leid und alle irdische Freude im Verhältnis zu dem, was im Himmel unser wartet! Versenke dich in diese Betrachtungen, und ruhe von den Kämpfen des Alltagslebens aus in dem Gedanken an die ewigen Freuden! Wenn auch du gleiches Glück verkosten möchtest, so suche dir darüber klar zu werden, wie nichtig alles Leid und alle Freude der Gegenwart im Vergleich zu den ewigen Gütern ist.
Maria folgt den Belehrungen ihres Meisters mit großer Sammlung. Ihr Geist ist still, und Herz und Sinn ruhen; so kann das göttliche Wort in das Erdreich ihrer Seele eindringen und dort reiche Frucht hervorbringen. Größer noch als Freude und Sammlung ist im Herzen der Büßerin die Liebe. Sie ist der Freundschaft Jesu vollständig unwürdig, und nun würdigt Jesus sie sogar des vertrautesten Umgangs mit Ihm. Sie darf in stiller, seliger Verbundenheit mit Ihm schon hienieden das Glück des Himmels verkosten und hat in Wahrheit den besten Teil erwählt



10.02.2020
180. Maria und Martha
(Lk 10)

I Maria und Martha nehmen den Heiland in ihr Haus auf
Auf der Wanderung kehrte Er in einem Flecken ein. Eine Frau namens Martha nahm Ihn in ihr Haus auf.
Tritt mit Jesus in das Haus Seiner Freunde ein! Wer sind jene, die Ihm Gastfreundschaft gewähren? Wen beglückt der Heiland am liebsten mit Seiner Gegenwart? Er Selbst wird es dich lehren, wenn du dem Bericht mit Aufmerksamkeit folgst.
Begrüße die beiden Schwestern und wünsche ihnen Glück, dass die Wahl des göttlichen Meisters auf sie gefallen ist! Bedenke, welche Freude das Herz des Heilands erfüllt, dass er bei aller Verfolgung und allem Widerspruch noch liebende Seelen findet, die bereit sind, Ihn aufzunehmen, und die alles tun, um Ihn würdig zu bewirten und Ihm ihre Liebe zu beweisen. Bemühe dich, auch zu diesen auserwählten Seelen zu gehören, und lerne von Maria und Martha, wie man aus der Gegenwart des Heilands Nutzen zieht.



09.02.2020
179. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
(Lk 10)

III Jesus fordert Seine Jünger auf, dem Vorbild des Samariters zu folgen
«Er goss Öl und Wein in seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Lasttier, brachte ihn in eine Herberge und sorgte für ihn. Am andern Tag zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirt mit den Worten: «Sorge für ihn! Was du noch darüber aufwendest, werde ich dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.»
Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunden. Er versteht es, die Schmerzen zu stillen und die Bitterkeit zu versüßen. Sieh, mit welcher Liebe er sich des Unglücklichen annimmt, den die göttliche Vorsehung ihn hat finden lassen; er betrachtet ihn als einen der seinigen. So sollen auch wir im Geist der Liebe alle Hilfs- und Trostbedürftigen, denen wir auf unserem Lebensweg begegnen, als unsere Brüder betrachten.
Damit glaubt der Samariter noch nicht, seiner Pflicht genügt zu haben; er bringt den Verwundeten in eine Herberge. Es genügt auch wirklich nicht, sich nur wenige Augenblicke dem Dienst der leidenden Menschheit zu weihen. Wenn deine Bemühungen, den Unglücklichen zu helfen, nicht gleich Erfolg haben, dann heißt es ausharren. Opfere gern deine Zeit, und Gott wird dich reichlich belohnen.
Als der Samariter zur Weiterreise genötigt ist, da beauftragt er den Wirt bis zu seiner Rückkehr für den Kranken zu sorgen. Beachte wohl, er wird wiederkommen und inzwischen lässt er sich vertreten. So macht es die wahre Nächstenliebe. Was sie selbst nicht mehr tun kann, lässt sie durch andere fortsetzen. Aus der Ferne nimmt sie noch liebevollen Anteil. So sollst auch du in Zukunft handeln.
Im Anschluss an die Erzählung fragt Jesus: «Welcher von diesen dreien scheint dir der Nächste für den gewesen zu sein, der unter die Räuber gefallen war?» Jener aber sprach: «Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat.» Jesus sprach zu ihm: «Gehe hin, und tue du desgleichen!» Diese Worte des Heilands sind auch an dich gerichtet. Auch du sollst deinen Brüdern Gutes erweisen und dich der Leidenden annehmen. Präge dir dieses Gleichnis tief ins Herz. Das ganze Evangelium ist in dieser Unterweisung zusammengefasst, und der Sohn Gottes lehrt dich immer wieder: «Sei liebreich!»



08.02.2020
179. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
(Lk 10)

II Jesus zeigt Seinen Jüngern ein Vorbild wahrer Nächstenliebe
«Auch ein Samariter kam auf seiner Reise in seine Nähe. Als er ihn sah, wurde er von Mitleid gerührt. Er trat zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie.»
Der barmherzige Samariter kann dir zum Vorbild dienen. Er wendet sich nicht gleichgültig von diesem Bild des Elends ab unter dem Vorwand, dass er nichts besitze, nicht helfen könne, oder dass es ihm an Zeit mangle. Er weiß, daß kein Geschäft und keine Pflicht so dringend ist als diejenige, den Leidenden beizustehen. Deshalb unterbricht er seine Reise, eilt zu dem Unglücklichen hin und beugt sich voller Mitleid nieder, um zu sehen, wie er seinen Schmerzen abhelfen kann. Komm und schau auch du mit den Augen des Glaubens auf den armen Verwundeten und erinnere dich dabei jener Mahnung des Heilands, dass wir im Dienst der Nächstenliebe den lieben Gott in den geringsten unserer Brüder erkennen sollen! Erprobe die Wahrheit dieser Worte an dir selbst! Neige dich zu dem Verwundeten hin und verbinde seine Wunden. Du wirst zum Lohn den Kuss der göttlichen Gnade empfangen, denn in der Person dieses Unglücklichen leidet der Sohn Gottes Selbst und fordert dich auf, dich mit Seiner Schmach und Seinen Schmerzen zu vereinen.



07.02.2020
179. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
(Lk 10)

I Jesus ermahnt Seine Jünger zur Nächstenliebe
Jener aber wollte sich rechtfertigen und fragte Jesus: «Wer ist denn mein Nächster?»
Als Jesus dem Gesetzeslehrer sagt: «Du sollst Gott über alles lieben», da ist dieser ganz einverstanden, und er verlangt keine Erklärung. Aber als Jesus hinzufügt: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst», da zögert er und scheint im Zweifel, wen er als seinen Nächsten zu betrachten habe. In unserer Umgebung finden wir immer Menschen, die in ihren Ideen und Grundsätzen von uns sehr verschieden sind und deren Charakter, Erziehung und Lebensweise uns abstoßen. «Sind Menschen, von denen mich so vieles trennt, auch meine Nächsten?» möchten wir da manchmal mit dem Gesetzeslehrer fragen.
Der Heiland antwortet mit einem Gleichnis, durch das Er die Wahrheit veranschaulicht, dass alle Menschen ohne Ausnahme unsere Brüder sind, denn alle sind Kinder des himmlischen Vaters. Somit bildet die übernatürliche Liebe zu allen Menschen einen wesentlichen Bestandteil der Gottesverehrung.
Verfolge mit Aufmerksamkeit die Erzählung des Heilands! «Ein Mann ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter Räuber. Die plünderten ihn aus, schlugen ihn wund, ließen ihn halbtot liegen und gingen weg. Zufällig ging ein Priester denselben Weg hinab. Er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam ein Levit dorthin, sah ihn und ging vorüber.»
Nähere dich dem armen Verwundeten, auf den der Heiland deine Aufmerksamkeit lenkt! Für die Vorübergehenden ist er ein Unbekannter, ein Fremdling. Sie gehen gleichgültig an ihm vorüber und halten sich nicht für verpflichtet, ihm in seinem Unglück beizustehen. Du aber sollst in ihm den Bruder erblicken. Frage nicht nach seinem Namen, seinem Volkstum, seiner Religion und stelle keine Nachforschungen an, die für ihn demütigend wären! Lass dich nur von deinem Herzen und von wahrer Gottesliebe leiten und nähere dich ihm voll Güte! Sprich ihm Trost zu, bringe Öl herbei, um seine Schmerzen zu lindern, und Wein, um seine Kraft neu zu beleben. Bitte den Heiland, dir den Geist seiner göttlichen Liebe einzuflößen!



06.02.2020
178. Das Gebot der Liebe
(Lk 10)

II Jesus belehrt Seine Jünger über die Eigenschaften der wahren Gottesliebe
«Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit allen deinen Kräften und mit deinem ganzen Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst.» Da sprach Jesus zu ihm: «Du hast recht geantwortet; tue dies, so wirst du leben!»
Gott will als Gott geliebt sein. Er ist dein höchster Herr und will in deinem Herzen die höchste Stelle einnehmen. Wie kann man sich einreden, Gottes Herrschaft genügend anzuerkennen, wenn man Ihm, der aller Liebe unendlich würdig ist, nur eine untergeordnete Stelle im Herzen einräumt? Wer ist denn dieser Gott, für Den Jesus so gebieterisch die vollkommenste Liebe verlangt? Er ist der erhabenste Herr, unbegrenzt in Seiner Güte, Freigebigkeit und Barmherzigkeit. Von Ihm stammt alle wahre Liebe, in Ihm muss sie wurzeln und Früchte des ewigen Lebens tragen. Alles, was wir in den Geschöpfen lieben, ist nur ein Abglanz Seiner Schönheit, Kraft und Weisheit.
Ist es nicht erstaunlich, dass Gott auf deine Liebe Wert legt, da du doch nur Staub, Elend und Schwäche bist? Erkenne dankbar die Ehre an, die der himmlische Vater dir erweist, und vernichte die Götzen, die nur zu lange Seine Stelle in deinem Herzen eingenommen haben!
Wann lieben wir Gott von ganzer Seele? Wenn wir bereit sind unser Leben für Ihn hinzugeben, alle Prüfungen geduldig zu ertragen und lieber auf alle Freuden zu verzichten, als Ihn zu beleidigen.
Wann lieben wir Gott aus all unseren Kräften? Wenn wir mit Aufwand all unserer Kraft den Feinden Gottes widerstehen und so der heiligen Sache zum Sieg verhelfen. Überlege diese Erklärungen, die in gedrängter Kürze die ganze Heilslehre enthalten, und merke dir wohl den Zusatz zum höchsten aller Gebote: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» Wie kannst du glauben, Gott zu lieben, wenn du nicht alles liebst, was Ihm gehört? Du wirst erst dann ein wahres Kind deines himmlischen Vaters sein, wenn du mit großer Liebe alle umfängst, die Er dir als Brüder gegeben hat.
«Du hast recht geantwortet», spricht Jesus zu dem Gesetzeslehrer, «das ist der Weg zum Himmel.» Betritt auch du mutig diesen Weg, und scheue weder Zeit noch Mühe, um auf demselben fortzuschreiten! Du wirst dabei das wahre Glück finden, denn je mehr man liebt, um so glücklicher wird man, und je würdiger der Gegenstand unserer Liebe, desto echter ist unser Glück. Übergib dem himmlischen Vater durch die Hände Seines göttlichen Sohnes freudig dein ganzes Herz!



05.02.2020
178. Das Gebot der Liebe
(Lk 10)

I Jesus erklärt die Liebe als Grundbedingung des ewigen Heils
Da erhob sich ein Gesetzeslehrer, um Ihn auf die Probe zu stellen. Er fragte: «Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?» Er sprach zu ihm: «Was steht im Gesetz geschrieben? Wie liest du?» Jener antwortete: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben.»
Die Frage, die man jetzt dem Heiland stellt, übertrifft alle anderen an Wichtigkeit. «Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?» Jesus legt dem Fragesteller selbst die Antwort in den Mund, indem Er Seinerseits fragt, was in der Heiligen Schrift darüber geschrieben steht: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben.» Der Heiland bestätigt diese Antwort. Er hätte den Gesetzeslehrer veranlassen können zu antworten: «Um zum ewigen Leben einzugehen muss man beten, sich abtöten, keusch, gerecht und gottesfürchtig leben usw.» Er will aber vor allem die Pflicht der Liebe betonen.
Die Liebe ist die Seele aller Tugenden, und ohne sie können wir nichts Gott Wohlgefälliges tun. Die Liebe zu Gott ist das Gesetz des ewigen Lebens, und der Grad unserer Seligkeit hängt von der Größe unserer Liebe ab. Gott gibt uns Seinen Himmel als Lohn für unsere Liebe. Zu Beginn unserer Lebenswanderung müssen wir unser Herz auf Gott richten und diese Richtung trotz aller Schwierigkeiten des Weges festhalten. So oft wir uns bewusst werden, dass wir vom rechten Weg abgewichen sind, müssen wir demütig wieder darauf zurückkehren, nur so werden wir das Heil erlangen.
Danke der göttlichen Vorsehung, die ein solches Glück an so leichte Bedingungen geknüpft hat! Warum erscheint dir das Joch des Gesetzes so schwer, die Prüfung so bitter, die Pflicht so drückend? Woher kommt es, dass dich Kämpfe und Leiden meist unentschlossen und mutlos finden? Das hat seinen Grund in deiner geringen Liebe zu Gott, für Den du arbeitest. Der wahren Liebe wird alles leicht; darum zögere nicht, den Weg der Liebe einzuschlagen!



04.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

IV Jesus ruft die Leidenden zu Sich und lehrt die wahre Demut
«Kommt zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und Ich werde euch erquicken. Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn Mein Joch ist süß und Meine Bürde leicht.»
Erwäge diese trostreichen Worte! Bist du müde, ohne Trost zu leiden und ohne Erfolg zu arbeiten, so gehe zum Heiland, Der dich tröstet und ermutigt. Vertraue dich Ihm ganz an und lege all dein Leid und deine Sorgen in Sein heiligstes Herz! Beuge dich freudig dem Joch Seiner Gebote, und Kummer und Schmerzen werden dir erträglich werden!
Der Herr zeigt sich uns hier als Vorbild der Sanftmut und Demut. Die Menschen wollen machtvoll erscheinen, um sich Geltung zu verschaffen, anderen Furcht einzuflößen und oftmals auch um Böses zu tun. Unser Heiland will uns die Größe der Demut lehren. Er ist demütig von Herzen, nicht nur in Seinen Worten. In Seinem Leiden hat Er um unseres Heiles willen schmerzlichste Demütigungen gleichmütig auf Sich genommen. Lerne von diesem Beispiel! Es ist leicht, äußerlich demütig zu erscheinen, aber in der Schule Jesu lernt man, wahrhaft demütig zu sein von Herzen. Wenn du demütig bist, ist der Herr bei dir und erleichtert dir das Joch deines Kreuzes und versüßt die Last deiner Bürde.



03.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

III Jesus preist Seine Jünger selig, weil ihnen solche Gnade zuteil wird
Dann wandte Er sich an Seine Jünger und sprach: «Selig die Augen, die sehen, was ihr seht! Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und sahen es nicht. Wollten hören, was ihr hört, und hörten es nicht.»
Der Ausspruch Jesu möchte dir zum Bewusstsein bringen, wie glücklich du bist, Jesus zum Meister zu haben. Unter Seiner Leitung wird dir nichts mangeln. Hast du schon einmal bedacht, wie groß die Zahl jener ist, die nicht gesehen haben, was du siehst, und die nichts von dem wissen, was Jesus dich gelehrt hat? Wenn dein Seeleneifer sich ihrer nicht annimmt, so werden sie niemals die Güter besitzen, deren du auf so unverdiente Weise teilhaftig geworden bist. Angesichts der Göttlichen Freigebigkeit kannst du nichts Besseres tun, als großmütig den Ruf des Heilands zu hören und das zu befolgen, was Er dich lehrt.



02.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

II Jesus dankt dem Himmlischen Vater, dass Er Sich den Kleinen und Demütigen geoffenbart habe
In jener Stunde frohlockte Er im Heiligen Geist und sprach: «Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass Du dies vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geoffenbart hast. Ja, Vater, so hat es Dir gefallen.»
Vereinige dich mit der Danksagung deines Erlösers! Er kann Seine Freude nicht zurückhalten beim Gedanken daran, daß Seine Jünger zu den Auserwählten des Himmlischen Vaters gehören. Es sind ungelehrte und einfache Männer von niedrigem Stand, aber gerade sie sind von Gott erwählt; ihnen hat Er die Erkenntnis und die Güter des ewigen Lebens zugesichert. Armut des Geistes, Einfalt des Glaubens und Gelehrigkeit des Herzens machen den Menschen fähig, die Erleuchtungen und Gnadengaben Gottes in der rechten Weise zu gebrauchen. Den Demütigen will der Himmlische Vater Seine Geheimnisse offenbaren. Der Stolz verdunkelt unseren Verstand, die Seele wird durch ihn gehindert, das Göttliche Wort zu vernehmen, und selbst die ergreifendsten Offenbarungen des Evangeliums lassen das hochmütige Herz kalt.
Mache dir auch den unversöhnlichen Gegensatz der weltlichen Weisheit und menschlichen Klugheit zur Weisheit Gottes bewusst. Die Welt hat Grundsätze, die dem Evangelium ganz entgegengesetzt sind, und wer von ihnen durchdrungen ist, kann das Licht der himmlischen Lehre Christi nicht wahrnehmen. Widersage dieser verkehrten Weltweisheit, und Gott wird dich mit Seiner erhabenen Wahrheit erleuchten.
Wie Christus betont, verbirgt Gott Seine Geheimnisse den Weltweisen. Er tut dies, weil jene sich ihrer Erkenntnisse rühmen, und Er will nicht, dass das Göttliche Licht entweiht werde und der Vermehrung des menschlichen Hochmuts diene. Bemühe du dich, die Größe Gottes zu erkennen, um Ihn mehr zu lieben. Diese Erkenntnis soll in dir die göttliche Liebe nähren, nicht aber den Hochmut.
Gott offenbart Sich den Kleinen und Demütigen, weil sie alles, was sie von Seiner Güte empfangen, zu Seiner Verherrlichung benützen. Sie erkennen sich als unwürdig, von Gott übernatürliches Licht und Erkenntnis zu empfangen. Wenn du von dieser Gesinnung beseelt bist, wird Gott dir viele Gnaden schenken.
Bemühe dich also, recht klein und demütig zu werden, und du wirst das Glück, zu den Auserwählten Gottes zu gehören, recht erkennen und schätzen. Dann gehörst du zu jenen, für die der Erlöser dem Himmlischen Vater mit großer Freude Dank sagt.



01.02.2020
177. Die Rückkehr der Jünger
(Lk 10, Mt 11)

I Jesus belehrt Seine Jünger über die wahre Freude
Voll Freude kehrten die zweiundsiebzig Jünger zurück und berichteten: «Herr, selbst die bösen Geister sind uns in Deinem Namen unteran.» Er entgegnete ihnen: «Doch nicht darüber sollt ihr euch freuen, dass die Geister euch Untertan sind, freut euch vielmehr, dass eure Namen im Himmel aufgezeichnet sind.»
Sei Zeuge des Empfangs, den der göttliche Meister den zurückkehrenden Jüngern bereitet! Mit welcher Freude rufen sie Ihm zu: «Wir haben Erfolg gehabt! Die Hölle ist besiegt und die Teufel mussten weichen!» Jesus verurteilt gewiss nicht die Freude Seiner Jünger, denn sie schreiben alle Ehre Ihm zu. Dennoch unterbricht Er sie mit den mahnenden Worten: «Freut euch nicht darüber! Freut euch nicht so sehr über den Erfolg eurer Tätigkeit, auch nicht über die außergewöhnliche Macht, die Ich euch übertragen habe! Nicht darin liegt das wahre Glück.» — Hat dein Erlöser nicht recht? Er weiß, dass dieses Wohlgefallen leicht die eitle Ehrsucht wecken kann. Er erinnert sie daran, dass Luzifer durch den Hochmut von der Höhe des Himmels herabgestürzt ist. Beachte mehr das, was Gott für dein Seelenheil in dir wirkt, als jenes, was Gottes Gnade durch dich für andere Seelen wirkt. Beim Erfolg in den guten Werken fürchte den Hochmut, der in einem Augenblick aus einem Apostel einen Teufel machen kann. Betrachte, wie der Heiland hinzufügt, dass der Gegenstand der wahren Freude nicht darin liegt, den Dämonen befehlen zu können, sondern berufen zu sein, einen Platz im Himmel einnehmen zu dürfen, den ein Teufel verloren hat. «Freut euch, dass eure Namen im Himmel aufgezeichnet sind!» Wir sollen uns freuen, dass der Herr uns erlöst hat, und wir die ewige Glückseligkeit erhoffen dürfen. Richte auch du deinen Blick auf dein letztes Ziel und Ende und suche nicht auf Erden, was Gott dem Himmel vorbehalten hat! Sei dir deiner hohen Bestimmung bewusst und verzichte im Hinblick darauf auf alles Scheinglück, das die Geschöpfe dir bieten könnten.


31.01.2020
176. Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Lk 10)

III Jesus rüstet die Jünger mit Seiner Vollmacht aus
«Wer euch hört, der hört Mich; wer euch verwirft, der verwirft Mich; wer aber Mich verwirft, der verwirft Den, Der Mich gesandt hat.»
Der Heiland spricht wiederum von Seinen Jüngern und Mitarbeitern. Sie sind Träger der göttlichen Autorität. Warum stößt du dich so oft, wenn du an ihnen menschliche Schwächen bemerkst? Nur deshalb, weil du das Göttliche, das der Herr ihnen verliehen hat, übersiehst. Du solltest die Autorität verehren, mit der Gott Selbst sie bekleidet. Die Unterwerfung wird dir leichter fallen, wenn du in dem Menschen, der zu dir spricht, den Stellvertreter Gottes erblickst.
Sei also zuvorkommend gegen die Priester und Apostel des Heilands, denn sie sind die Vorläufer des Herrn, die alles für Seine Ankunft bereiten. Der Heiland selbst folgt ihnen, da ja die eigentliche Aufgabe der Priester darin liegt, dem Herrn die Seelen zu bereiten. Jedes Wort und jedes Werk des Priesters wird für dich gleichsam zum Vorspiel göttlicher Wohltaten. Wo der Priester geht, folgt Gott, wo er Aufnahme findet, tritt Gott ein, und wo er verweilt, wirkt Gott.
Aber es genügt nicht, die Gesandten Gottes freudig zu empfangen, du musst sie soviel als möglich in der Ausübung ihres schweren Amtes unterstützen. Unter ihrer Anleitung kannst auch du am Heil der Seelen arbeiten, biete dich ihnen zur Mitarbeit an! Überlege ernstlich, wo sich dir ein Arbeitsfeld eröffnet. Sollte sich dir jedoch einstweilen keine Gelegenheit bieten, deinen apostolischen Eifer im Dienst des Herrn zu betätigen, so benütze wenigstens alle Mittel, um das Verlangen danach in dir lebendig zu erhalten!



30.01.2020
176. Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Lk 10)

II Jesus gibt den Jüngern Seine Unterweisungen
« Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt zuerst: Friede sei diesem Haus! — Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so verkündet: Das Reich Gottes hat sich euch genaht.»
Wer sind jene, die Jesus zur apostolischen Arbeit aussendet? Sie sind Arbeiter Gottes. Der Heiland selbst nennt sie so. Der himmlische Vater bedient sich ihrer, um Seine Felder zu bebauen. Wie könnten sonst die Früchte des Lebens gedeihen? Sie sind ferner Vermittler des Friedens. Der göttliche Heiland kennt die Drangsale, die die Menschen beängstigen, die Versuchungen, die sie bestürmen, und die Zwistigkeiten, die sie entzweien. Er erbarmt sich ihrer und schickt ihnen Seine Apostel. «Geht», sagt Er, «und bringt allen gequälten Herzen und bekümmerten, mit Sünden beladenen Seelen den Frieden des Himmels!»
Preise die Güte Jesu, deines Erlösers! Im Beichtstuhl, wo Seine Priester dich erwarten, am Altar, wo sie das heilige Opfer darbringen, und auf der Kanzel, wo sie das Wort Gottes verkünden, wird der Auftrag Jesu erfüllt.
Die Gesandten Jesu sind vor allem Verkünder der göttlichen Wahrheit. Sie verkünden uns, dass das Reich Gottes nahe, dass es auch unseren geringen Kräften erreichbar ist. Ist das nicht die tröstlichste Botschaft? Das Wort der Priester gibt den Kranken Vertrauen, den Betrübten Trost, den Sterbenden Hoffnung und den Kindern Freude. Heiße auch du die Abgesandten des Herrn immer von Herzen willkommen!



29.01.2020
176. Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger
(Lk 10)

I Jesus sendet Seine Jünger zur Ernte
Danach bestimmte der Herr noch zweiundsiebzig andere und sandte sie zu zweien vor Sich her in alle Städte und Ortschaften, wohin Er selbst zu kommen gedachte. Er sagte zu ihnen: «Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet darum den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte sende.»
Höre voll Liebe und Teilnahme die Klage deines Heilands, die Er auch an dich richtet. Im Gedanken an all die Seelen, die Seiner bedürfen, ruft Er aus: «Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige», und Er fügt hinzu: «Bittet daher den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende!» Beherzige dieses Wort und belebe deinen Eifer!
Das Gebet der Gläubigen ist die Quelle, durch die die Ströme des göttlichen Erbarmens fließen. Uns fällt die Aufgabe zu, vom himmlischen Vater genügend Arbeitskräfte und eine reiche Ernte zu erbitten. Zweifle nicht daran, daß Christus deine Hilfe verlangt; Er setzt große Hoffnungen auf dich. Durch eifriges Gebet und reiche Unterstützung apostolischer Werke wirst du Seinen Erwartungen entsprechen können.
Hüte dich, dass dich nicht einst der Vorwurf treffe, nichts getan zu haben, um die Zahl der apostolischen Arbeiter zu vermehren und ihnen ihre Mühen zu erleichtern.



28.01.2020
175. Jesus, der gute Hirt (II)
(Joh 10)

III Jesus scheut kein Opfer für das Heil der Menschen
«Deshalb liebt Mich der Vater, weil Ich Mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen. Niemand vermag es Mir zu nehmen, Ich gebe es freiwillig hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Das ist der Auftrag, den Ich von Meinem Vater erhalten habe.»
Jesus fährt fort, denn Er hat noch nicht alles gesagt, was du wissen musst. Danke Ihm für jedes Seiner Worte! Er gibt dir zu verstehen, daß Er durch die Hingabe Seines Lebens dem Vater unendlich wohlgefällig ist. Einerseits hat Er durch Sein Leiden und Sterben den Vater verherrlicht, weil Er Seine Gerechtigkeit vollkommen zufriedengestellt und Ihm die Ehre und Liebe wieder geschenkt hat, welche die Geschöpfe durch die Sünde Ihm verweigert hatten. Andererseits hat unser Heiland gerade durch Sein Leiden den Menschen die göttliche Liebe und unendliche Güte geoffenbart, die der Vater von Ewigkeit her zu ihnen hat.
Lerne daraus, den himmlischen Vater ebenso zu verherrlichen, indem du Ihm deine Liebe im geduldigen Ertragen der Leiden und im eifrigen und selbstlosen Üben der Nächstenliebe beweist. Besonders heute, wo die Unwissenden Ihn schmähen, die Ungläubigen Ihm widersprechen und die Kleinmütigen im Glauben wanken, sollst du zu dieser Liebe des Opfers und des Leidens angespornt werden. Stelle alle deine Kräfte in seinen Dienst und scheue Seinetwegen keine Mühe und kein Opfer!



27.01.2020
175. Jesus, der gute Hirt (II)
(Joh 10)

II Jesus will Seine Schafe bis in den Tod verteidigen
«Ich bin der gute Hirt. Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen Mich, wie Mich der Vater kennt und Ich den Vater kenne. Ich gebe Mein Leben für Meine Schafe.»
Denke über diese ergreifenden Worte nach; sie werden deinen Mut neu beleben, denn du bist ein Schäflein dieses Hirten! Dieses Kennen ist nicht nur äußerlich, Jesus kennt die Ihm treuen Seelen, indem Er von ihnen alles weiß und dauernd an sie denkt, um ihnen in jedem Augenblick alles zu schenken, was sie benötigen. Er liebt die Seinen, Er liebt dich; du brauchst dich also nicht zu fürchten. Du hast zwar viele Feinde, die Wölfe umschleichen beutegierig den Schafstall. Die ewigen Güter, die für dich bestimmt sind, erregen Eifersucht und versetzen die Hölle in Wut. Der Teufel will dich ins Verderben stürzen, und es fehlt ihm nicht an Gehilfen. Seine Angriffe werden immer häufiger, und du bedarfst eines Verteidigers. Der gute Hirt Selbst kommt dir zu Hilfe. Er ist bereit, sich für dich aufzuopfern.
Erinnere dich, mit welcher Entschiedenheit Er einst die Angriffe der Hölle zurückgeschlagen hat! Um dich zu retten, hat Er alle erdenklichen Qualen erduldet und alle Schmach auf Sich genommen. Er wollte dich der Knechtschaft der Hölle entreißen und dich vor dem ewigen Verderben bewahren. Danke Ihm dafür und bete auch für Seine Kirche! Bitte den himmlischen Vater, dass Er die glühende Liebe des Herzens Jesu in den Herzen jener entzünden wolle, die Er zu Hirten Seiner Herde gemacht hat, so dass der Sieg des Guten über das Böse verwirklicht werde.



26.01.2020
175. Jesus, der gute Hirt (II)
(Joh 10)

I Jesus nennt Sich Selbst den guten Hirten
Jesus sprach: «Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt Sein leben für die Schafe.»
Freue dich, einem so guten Hirten anzugehören! Die Güte offenbart sich im Geben. Was wird Jesus den Seinigen geben? «Der gute Hirt gibt Sein Leben für die Schafe.» Er will für die Menschen Sein Blut vergießen und bietet Sein Leben an als Lösegeld, um sie durch dieses Opfer vom ewigen Tod zu befreien. Er hat in Seinem Herzen beschlossen, für sie zu sterben, um ihre gefallene Natur wieder herzustellen und sie für Seine Lehre zu gewinnen. Versuche den Wert dieser Wohltat zu erfassen und gib Ihm Liebe für Liebe! Geh auf die Herzenswünsche des Heilands ein! Viele Schafe kennen ihren Hirten noch nicht, und diese müssen Ihm zugeführt werden. Andere widerstehen Seinem liebevollen Entgegenkommen, auch sie sollen Seiner Herrschaft unterworfen werden. Jesus verlangt sehnlichst, in Seinem Schafstall alle zu versammeln, für die Er Sein Blut vergossen hat. Er selbst sagt: «Ich habe noch andere Schafe, welche nicht aus diesem Schafstall sind. Auch sie muss Ich herbeiführen.» — Kannst du Ihm dabei nicht helfen? Stelle deine Gebete, deine Zeit und deine Kräfte dem guten Hirten großmütig zur Verfügung!



25.01.2020
174. Jesus, der gute Hirt (I)
(Joh 10)

III In Jesus allein finden wir das wahre Leben
Jesus fuhr fort: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor Mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür. Wer durch Mich eintritt, wird gerettet. Er wird ein und aus gehen und Weide finden.»
Verfolge die Worte des göttlichen Hirten mit großer Aufmerksamkeit! Unter Seinen Hirtenstab will Gott Seine Auserwählten versammeln. «Ich bin die Türe zu den Schafen», sagt Jesus. «Ich allein habe das Recht, den Zutritt in den Schafstall zu gewähren und die Bedingungen des ewigen Heiles zu stellen.»
Nur wenn dein Leben mit den Lehren und dem Beispiel Jesu übereinstimmt, darfst du in Seinen Schafstall eintreten und dort die tröstliche Gewissheit genießen, dass du Ihn eines Tages mit dem Himmel vertauschen wirst. Das ist der Sinn der Worte des Heilands. Weise also mit Entschiedenheit alles von dir, was dich vom rechten Weg abbringen will! Jesus allein ist die Wahrheit. Willst du Ihm nicht folgen wie das Schäflein seinem Hirten und dabei bedenken, daß es eine ganz unverdiente Ehre ist, zu der auserwählten Herde des göttlichen Hirten zu gehören? Nur in Seiner Nähe und in Seiner Obhut wirst du wahre Freuden und die Erfüllung all deiner Hoffnungen finden. Jesus fügt hinzu: «Ich bin gekommen, damit Meine Schafe das Leben haben und es in Fülle haben.» Er spricht von dem ewigen Leben im Besitz der Güter und der Seligkeit Gottes. Könnte bei einem solchen Übermaß der Güte dein Herz kalt und dein Wille schwankend bleiben? Schäme dich deiner bisherigen Gleichgültigkeit und strebe fortan beharrlich nach den ewigen Gütern, die Gott dir so großmütig anbietet!



24.01.2020
174. Jesus, der gute Hirt (I)
(Joh 10)

II Jesus ist der Herr des Schafstalles
«Einem Fremden aber folgen sie nicht. Sie fliehen vielmehr vor ihm, weil sie die Stimme des Fremden nicht kennen.» Dieses Gleichnis trug Jesus ihnen vor. Aber sie verstanden nicht, was Er ihnen damit sagen wollte.
Denke über den Sinn der Worte Jesu nach! Er ist kein Fremdling für dich, denn du gehörst Ihm rückhaltlos, und Er hat sich dir ganz geschenkt. Dein himmlischer Vater hat dich Ihm anvertraut, und Er weiß diese Gabe zu schätzen. Sein Glück besteht darin, für dich zu sorgen. Er kannte dich, ehe du geboren warst; Er weiß deinen Namen und liebt dich trotz deiner Fehler und Schwächen. Für deine Zukunft wird Er Sorge tragen, und Er verlangt von dir kein anderes Entgelt als die Freude, dich Seiner Lehre und Seinem Beispiel folgsam und treu zu sehen.
Öffne Ihm dein Herz! Gedenke Seiner Wohltaten: der Wahrheiten, die Er lehrte, der Gnadenschätze, die Er für dich erwarb, und der Hoffnung, mit der Er dich bereicherte! Erinnere dich, wie Er dir folgte, wenn du vom rechten Weg abgewichen warst, wie viele Mühen und Beschwerden Er für dich ertrug! Falle Ihm zu Füßen und rufe aus: «Du warst bis jetzt und wirst auch fernerhin der wahre, einzige Hirt meiner Seele sein!»



23.01.2020
174. Jesus, der gute Hirt (I)
(Joh 10)

I Jesus ist wahrhaft der rechtmäßige Hirt
« Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, wer nicht durch die Tür in den Schafstall eintritt, sondern anderswo einsteigt, ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür eintritt, der ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf Seine Stimme.»
Wie können wir erkennen, dass Jesus wahrhaft unser Erlöser ist? Als Seine Schafe werden wir Ihn an Seiner Stimme erkennen. Aus Seinen Worten tönt die Stimme des himmlischen Vaters, die uns ruft. In Seinem Namen verkündet der Heiland alles, wozu Er von Ihm beauftragt ist.
Die wahren Schafe Jesu Christi werden ihren Hirten auch an Seinen göttlichen Zügen erkennen. Betrachte Ihn aus der Nähe! Er wird dich liebreich aufnehmen und dir sagen: «Ich bin die unendliche Güte, die Mensch geworden ist und immer bei dir weilt.» Huldige Ihm und beuge dich freudig unter Seine segnende Hand!
Um deinen Glauben zu stärken, lässt Er sich herab, dir Seine Machtvollkommenheit und die Erhabenheit Seiner Sendung zu beweisen. Er ist nicht widerrechtlich in den Schafstall eingedrungen und hat keineswegs im Dunkeln die Mauer überstiegen. Die Richtergewalt, die Er sich beilegt, beruht nicht auf Anmaßung. Als Beweis dafür dienen Seine zahlreichen Wunder. Beseitige also alle Bedenken und folge treu deinem guten Hirten!



22.01.2020
173. Das Glaubensbekenntnis des Blindgeborenen
(Joh 9)

III Der Heiland nimmt die Huldigung des Geheilten entgegen
Und er warf sich vor Ihm nieder und betete Ihn an. Jesus fuhr fort: «Zum Gericht bin Ich in diese Welt gekommen: Die Blinden sollen sehend, die Sehenden blind werden.»
Vor diese furchtbare Entscheidung stellt uns also die Menschwerdung des Sohnes Gottes: Entweder nehmen wir das Evangelium zur Richtschnur unseres Lebens oder wir ziehen uns die ewige Verdammnis zu. Denke ernstlich über diese Wahrheit nach! Dem Glauben müssen unsere Werke entsprechen, und das Licht der Erkenntnis soll zur Tat anregen. Die verblendeten Pharisäer wollen nichts vom Evangelium wissen, der neue Jünger aber nimmt es rückhaltlos an. Er hat das wahre Licht gefunden, das der Sohn Gottes in die Welt gebracht hat.
Sieh ihn zu Füßen seines Meisters, in Dem er fortan den Herrn erblickt. Er hat begriffen, dass das Geschöpf es sich zur höchsten Ehre anrechnen muss, sich dem Willen des Schöpfers zu unterwerfen. Die Gebote sind der Ausdruck des göttlichen Willens, und Gott übt Seine Macht nur aus, um Seine Kinder glücklich zu machen. Der neue Jünger hat diese Wahrheit begriffen und sein «ich glaube» drückt den Entschluss aus, ein neues, besseres Leben zu beginnen.
Strebe auch du danach, zum Verständnis der göttlichen Lehre zu gelangen. Fasse den Entschluss, ein neues Leben zu beginnen und fortan auf allen Eigenwillen zu verzichten, um nur noch den Willen Gottes zu erfüllen!



21.01.2020
173. Das Glaubensbekenntnis des Blindgeborenen
(Joh 9)

II Jesus führt den Blindgeborenen zum wahren Glauben
Jesus erfuhr, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Als Er ihn traf, fragte Er ihn: «Glaubst du an den Menschensohn?» Jener antwortete: «Herr, wer ist es denn, damit ich an Ihn glaube?» Jesus erwiderte ihm: «Du hast Ihn vor Augen. Der mit dir redet, Der ist es.» Da sagte er: «Ich glaube, Herr.»
«Glaubst du an den Sohn Gottes?» fragt der Heiland den Blindgeborenen. Er will Sich vergewissern, ob das Gefäß, in das Er Seine göttlichen Schätze ergießen will, dazu geeignet ist. Die kostbarste aller Gaben ist Gott selbst, und wenn der Sohn Gottes Sich einem Menschen offenbart, dann ist Er auch gewillt, Sich ihm ganz zu schenken, falls Er Bereitwilligkeit zum Glauben findet. Glücklich, wer das versteht!
Vernimm die Antwort des Geheilten: «Wer ist es Herr? Wo ist Er? Ich bin fest entschlossen, an Ihn zu glauben, nenne mir Seinen Namen und sage mir, wo ich Ihn finde. Wann werde ich mit Ihm zusammentreffen, Sein Wort hören und Ihn kennenlernen?» — «Ich bin es.»
Versuche dir vorzustellen, welch tiefen Eindruck dieses einfache Wort auf die Seele des Geheilten machte! «Ja, Meister, ich erkenne Dich, Du hast mich gesegnet, Du hast mich geheilt und getröstet, Du bist wahrhaft der Sohn Gottes. Aus Deiner Güte und Barmherzigkeit leuchtet Deine Gottheit hervor. Ist Gott nicht der Vater der Unglücklichen, die Stütze der Armen und die Zuflucht der Verlassenen? Ich glaube!» Vereinige dich mit dem Geheitlen, und bekenne dem Heiland deinen Glauben an Seine Gottheit, an Seinen Erlöserberuf, an Seine Richtergewalt und an deine Bestimmung!


20.01.2020
173. Das Glaubensbekenntnis des Blindgeborenen
(Joh 9)

I Jesus begegnet dem Blindgeborenen
Jesus erfuhr, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Als Er ihn traf, fragte Er ihn: «Glaubst du an den Menschensohn?»
Sei Zeuge der Begegnung des Meisters mit Seinem neuen Jünger! Der Heiland wacht über die Seinigen. Er steht ihnen bei im Kampf gegen Seine Feinde, flößt ihnen Mut ein und lehrt sie, treffend zu antworten. Er wird dich niemals verlassen in den Kämpfen, die du um Seines Namens willen bestehen musst. Und wenn der Sieg errungen und die Ungerechtigkeit unterlegen ist, dann zeigt Sich der Heiland wieder zum Lohn für die Treue und Standhaftigkeit. Siehe, wie liebreich Er Sich dem Jünger offenbart, der lieber Misshandlungen erdulden wollte, als den Heiland zu verleugnen. Es ist, als ob Jesus ihm sagen wollte: «Du hast für Mich gekämpft und gelitten, was willst du, dass Ich dir tun soll? Ich habe dir etwas zu geben, was besser ist als Reichtümer und Ehren.» Worin wird das Geschenk des Heilands bestehen? Offenbare Ihm deinen Wunsch, dich gleichfalls Seiner Freigebigkeit würdig zu erzeigen und Anteil an derselben zu haben.



19.01.2020
172. Der Blindgeborene als Verteidiger Jesu
(Joh 9)

II Der Geheilte wird von den Pharisäern ausgestoßen
«Wollt ihr etwa auch Seine Jünger werden?» Da schmähten sie ihn und sagten: «Du bist ganz in Sünden geboren und du willst uns belehren?» Und sie stießen ihn hinaus.
Der neue Jünger lässt sich von heiliger Kühnheit hinreißen und widerspricht offen den Feinden Jesu Christi: «Wollt auch ihr Seine Jünger werden? Ich bin Sein Jünger. Wollt ihr meinem Beispiel folgen?»
Vergleiche die beiden Menschenklassen, die sich da gegenüber stehen, und sieh, wie den einen der Glaube leicht ist, während er den anderen so schwer fällt! Nichts war dem Geheilten leichter als der Anschluss an Jesus und nichts den Pharisäern schwieriger. Der Grund dazu liegt in der Tatsache, dass man sich selbst verlassen muß, um Jesus anzuhängen. Die Pharisäer werden von mancherlei Fesseln zurückgehalten: vom Stolz, von der Selbstsucht, von der Menschenfurcht und vom Vorurteil; der Blindgeborene hingegen ist davon frei.
Höre die Verwünschungen, die die Pharisäer gegen den Geheilten ausstoßen! Er hat die Interessen Jesu siegreich vertreten, Gott lässt seinem Mut den Lohn zuteil werden. Man flucht ihm, doch ist er deshalb nicht beklagenswerter. Nachdem er für Jesus gesprochen, darf er jetzt für Ihn leiden.



18.01.2020
172. Der Blindgeborene als Verteidiger Jesu
(Joh

I Der Geheilte bekennt laut seinen Glauben an die göttliche Sendung des Heilands
Nun ließen sie den Mann, der blind gewesen war, nochmals rufen und sagten zu ihm: «Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.» Er erwiderte: «Ob Er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur eines: Ich war blind und kann jetzt sehen.»
Stelle dich in die Nähe dieses tapferen Verteidigers Jesu Christi! Er gehört nicht zu jenen, die leicht im Kampf ermüden. Die Feinde Jesu sind entschlossen, den Streit zum Abschluss zu bringen. «Wir wissen, dass dieser Mensch ein Betrüger ist», sagen sie. Ihre selbstsichere Sprache ist wohl imstande, die Menschen zu betören. Wer würde es wagen zu widersprechen, wenn die Schriftgelehrten eine Entscheidung gefällt haben?
In der ganzen Versammlung ist niemand, der zu Jesus hält. Seine Verteidigung ruht in den Händen eines armen, verachteten Bettlers. Aber der himmlische Vater lässt sich angelegen sein, die Armen und Verachteten zu Verteidigern Seines göttlichen Sohnes zu berufen. Höre, wie der Blindgeborene für die Ehre des Heilands eintritt! Allen spitzfindigen Erörterungen der Pharisäer stellt er die Tatsache entgegen: «Ich war blind, und jetzt sehe ich.» Das genügt ihm.
In der Annahme, dass ein Betrug durch Wunder bestätigt werden könne, liegt eine Leugnung der göttlichen Vorsehung. Ein Betrüger nimmt eine Vollmacht für sich in Anspruch, auf die er kein Recht hat. Welches ist die Sendung, die Jesus sich beilegt? Er hat feierlich erklärt, dass Er gekommen sei, die Seelen neu zu beleben und von aller Schuld zu reinigen, allen Unglücklichen beizustehen und die Menschen wahre Gottes- und Nächstenliebe zu lehren. Wodurch beweist Er die Echtheit Seiner Sendung? Er wirkt Wunder zum Zeichen Seiner Güte und Macht. Ich war blind und bin geheilt worden. Ich war unwissend, und Er hat mich belehrt. Ich befand mich im äußersten Elend, und Er hat für mich gesorgt. Was Er mir sagte, hat Er durch die Tat bewiesen. Ich glaube! Bewundere diese einfache Art der Verteidigung sowie den Mut und die Klugheit des Geheilten! Befindest du dich nicht auch bisweilen in Gesellschaften, in denen du der einzige Getreue des Heilands bist? Wie hast du dich bei solchen Gelegenheiten zu verhalten?



17.01.2020
171. Das Zeugnis des Geheilten
(Joh 9)

II Der Geheilte übernimmt die Verteidigung seines Wohltäters
Da fragten sie den Blinden aufs neue: « Was hältst denn du von Ihm? Er hat dir ja die Augen geöffnet.» Er sagte: «Er ist ein Prophet.»
«Dieser Mensch ist nicht von Gott gesandt», sagen die Richter, und mit dieser Behauptung beginnt der Wortwechsel. Fürchte nicht die Spitzfindigkeit dieser eitlen Gesetzausleger! Der Geheilte versteht nichts von den Einwänden, die sie erheben können. Er hat niemals eine Schule besucht, er hat sein Leben auf der Straße zugebracht und von den Vorübergehenden sein Brot erbettelt. Doch nicht das Licht der stolzen Wissenschaft erleuchtet, sondern der Geist Gottes. Durch den Beistand der göttlichen Gnade gestärkt, wird der Geheilte die gerechte Sache seines Wohltäters vertreten.
Beachte, wie einfach er dabei vorgeht! Er erfasst die Wahrheit mit dem Herzen. «Was hältst du von diesem Menschen?» fragt man ihn. Er aber spricht: «Er ist ein Prophet.» Der Begriff «Prophet» ist für ihn das Höchste, zu dem sich seine Fassungskraft erheben kann, und deshalb legt er dem Heiland diesen Titel bei!
Nimm dir diesen Menschen zum Vorbild! Die Ehre des Heilands bedarf auch jetzt noch der Verteidigung. Lässt du es dir angelegen sein, für Ihn einzutreten, wenn man Ihn angreift? Hält dich nicht die Furcht vor Widerspruch zurück? Erinnere dich der Wohltaten, die du vom Heiland empfangen hast, und die Dankbarkeit wird dir die Pflicht, Ihn zu verteidigen, leicht und lieb machen.
Verdankst du Ihm etwa weniger als der Blindgeborene? Jesus gibt dir das Licht der Wahrheit, die Hoffnung auf die ewige Glückseligkeit und die Gewissheit, dass deine Sünden getilgt sind. Wie kannst du deine Schuld abtragen? Beobachtest du vielleicht aus Feigheit Stillschweigen, wenn man Seine göttliche Sendung leugnet und Seine Lehre entstellt? Ein solches Verhalten ist eines Christen unwürdig. Bekenne dich mutig als Jünger des Heilands!



16.01.2020
171. Das Zeugnis des Geheilten
(Joh 9)

I Der Blindgeborene wird den Pharisäern vorgeführt
Man führte den bisher Blinden zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, da Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte. Die Pharisäer fragten ihn nun ebenfalls, wie er sehend geworden sei.
Begleite den Geheilten vor den Richterstuhl der Pharisäer! Er ist glücklich, dort zu erscheinen, weil sich ihm dadurch Gelegenheit bietet, von seinem Wohltäter zu sprechen und Seine Wunderwerke zu verkünden. Er kennt keine Menschenfurcht. Er fühlt tief die Barmherzigkeit, die Jesus ihm erwiesen hat, und betrachtet es als eine Ehre, öffentlich für Ihn zu zeugen.
Welch herrliche Lehre erteilt dir dieser neue Jünger Jesu! Er ist kaum bekehrt, und schon bewährt sich sein Glaube in der Verfolgung. Diese Glaubenskraft entspringt seiner Demut und ist die Frucht vorangegangener Leiden. Die Pharisäer fragen ihn nun ebenfalls, wie er sehend geworden sei. Er sagte zu ihnen: «Er strich mir einen Teig auf die Augen, ich wusch mich und kann nun sehen.» Diese einfache Antwort enthüllt die Allmacht dessen, Der das Wunder gewirkt hat. Sie enthält ein ebenso glänzendes wie kurzes Glaubensbekenntnis. Dieser Mensch hat in der wunderbaren Handlung des Heilands Seine Gottesmacht erkannt, er hat deren Wirkung an sich erfahren, und sein Glaube wird fortan unerschütterlich sein.



15.01.2020
170. Die Heilung des Blindgeborenen
(Joh 9)

III Jesus wird durch den Geheilten verherrlicht
Die Nachbarn und die ihn vordem stets als Bettler gesehen hatten, sagten: «Ist das nicht der Mann, der da saß und bettelte?» Die einen sagten: «Ja, er ist es!» Andere sagten: «Nein, er sieht ihm nur ähnlich.» Er selber sagte: «Ich bin es.»
Höre, wie man den wunderbar Geheilten nach seiner Rückkehr vom Teich Siloe empfängt. Er hat sich in seinem Aussehen und in seiner Haltung derart verändert, dass man ihn nicht wiedererkennt.
Kehrst auch du so von den Gnadenquellen zurück, die für dich in den heiligen Sakramenten fließen? Man sollte von dir sagen können: «Er ist nicht mehr derselbe. Es ist nicht mehr die schwache Seele, die beständig klagte und um menschlichen Trost bettelte, nicht mehr dieser launenhafte Charakter, in dessen Nähe man sich unbehaglich und bedrückt fühlte. Gott sei gepriesen, Der durch Seine Allmacht diese glückliche Umwandlung bewirkt hat.»
Der Geheilte verkündet laut den Namen seines Wohltäters. Da sprachen sie zu ihm: «Wie sind dir die Augen aufgetan worden?» Er antwortete: «Jener Mann, welcher Jesus genannt wird, hat es getan.» Seine Dankbarkeit entspricht der Größe der vorangegangenen Leiden. Die Leidensschule, durch die er hindurchgegangen, hat ihn befähigt, einen ausgezeichneten Gebrauch von der göttlichen Gnade zu machen. Nichts macht uns so fähig, die Absichten Gottes zu erfüllen, wie das Leiden. Es tötet die Eigenliebe ab und unterstützt die Wirkung der Gnade. Nimm daher das Leiden willig an, wenn es dir auf deinem Lebensweg begegnet, und sei gewiss, dass Gott sich seiner nur bedient, um Seine Ehre und dein Seelenheil zu fördern. Der Lohn wird nicht ausbleiben.



14.01.2020
170. Die Heilung des Blindgeborenen
(Joh 9)

II Der Heiland heilt den Blindgeborenen
Nach diesen Worten spuckte Er auf die Erde, machte mit dem Speichel einen Teig, strich dem Blinden den Teig auf die Augen und sprach zu ihm: «Geh und wasche dich im Teich Siloe», das heißt soviel wie Gesandter. Er ging hin, wusch sich und kam sehend zurück.
Jesus hatte gesagt: «Die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden», und sogleich begibt Er sich ans Werk.
Glaube auch du, geprüfte Seele, bei allem Leid fest, dass Gott in liebevoller Absicht handelt. Alle Wesen müssen Ihn verherrlichen, und du wirst mehr als andere zu Seiner Verherrlichung beitragen. Du nimmst in Seinen Gedanken eine bevorzugte Stelle ein, und nicht ohne Grund hat Er dich des irdischen Glückes beraubt. Seine Güte, Weisheit und Barmherzigkeit werden einst zutage treten. Sieh, wie der Blinde sich dem Heiland überlässt; auf den ersten Ruf eilt er herbei. Durch langes Leiden wird man empfänglich für die Gnade. Mit welcher Ehrfurcht und mit welch heiliger Freude fühlt der Kranke die Berührung der heiligen Hände Jesu. Durch seine Schmerzen und seine Verlassenheit war seine Sehnsucht nach göttlicher Hilfe groß geworden, und jetzt verkostet er die unaussprechliche Süßigkeit dieser Hilfe. An welche Bedingungen knüpft der Heiland die Heilung des Blindgeborenen? «Gehe hin und wasche dich im Teich Siloe», sagt Er. Der Kranke zögert nicht und macht keinerlei Einwendungen; das Leid hat ihn fügsam gemacht. Mit vollkommener Treue führt er den Befehl aus und erhält das Augenlicht wieder. Nimm teil an seiner Freude!



13.01.2020
170. Die Heilung des Blindgeborenen
(Joh 9)

I Jesus belehrt die Jünger über den Grund dieser Krankheit
Als Jesus Seines Weges ging, sah Er einen Mann, der von Geburt an blind war. Seine Jünger fragten Ihn: «Meister, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?» Jesus antwortete: «Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, vielmehr sollen die Werke Gottes an ihm offenbar werden.»
Wende dich an den Heiland mit der Bitte, dich über den geheimen Grund der Leiden dieses Blindgeborenen aufzuklären! «Um welcher Sünden willen leidet dieser Mensch?» fragen die Jünger, und Jesus antwortet: «Er leidet nicht seiner Sünden willen.» Prüfungen sind also nicht immer Strafen. Das Wort des Herrn kann dir zur Beruhigung dienen. Wenn dein Herz von irgendeinem Leid gequält wird, so ist dies keineswegs die Wirkung der erzürnten göttlichen Gerechtigkeit. Dein himmlischer Vater entzieht dir Seine Liebe nicht, wenn Er Schmerzen über dich kommen lässt. Hat Er nicht aus Erbarmen mit unserem Elend die Menschwerdung gewirkt? Er hat uns Seinen eingeborenen Sohn gesandt, um all unseren Nöten abzuhelfen, und dieser verlangt einzig, die Werke desjenigen zu wirken, der Ihn gesandt hat. Setze also dein ganzes Vertrauen in Ihn und bete für alle Unglücklichen.



12.01.2020
169. Von dem wahren Leben
(Joh 8)

II Jesus verkündet laut Seine göttliche Würde
Jesus sprach: «Wollte Ich Mich selbst ehren, so wäre Meine Ehre nichts. Mein Vater ist es, der Mich ehrt. Ihr nennt Ihn unsern Gott, und doch kennt ihr Ihn nicht. Ich aber kenne Ihn, wollte Ich sagen, Ich kenne Ihn nicht, so wäre ich ein Lügner ähnlich wie ihr. Aber Ich kenne Ihn und bewahre Sein Wort. Abraham, euer Vater, frohlockte, dass er Meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich.»
«Zu wem machst Du Dich selbst?» riefen die Feinde Jesu. Antworte du ihnen und bezeuge mit der ganzen Kraft der Wahrheit die Größe dessen, den sie schmähen!
Jesus ist der Allmächtige. Wenn Er sich die Allmacht zuschreibt, so liegt darin keine Anmaßung. «Meine Ehre ist nichts», sagt Jesus, «Ich überlasse Meinem Vater alle Sorge dafür. Wie ihr Mich auch immer beurteilen mögt, Ich werde die Wahrheit sagen. Ich bin der Herr über Leben und Tod und über die ganze Natur.» Jesus ist entschlossen, durch Seine Allmacht den zu verherrlichen, der sie Ihm mitgeteilt, und Seine Wunder zugunsten der Menschen zu wirken. Das größte aller Wunder wird unsere Auferstehung sein.
Jesus ist der Ewige. «Ehe Abraham ward, bin Ich.» Der Heiland spricht von der Ewigkeit, denn Er kommt vom Himmel, dessen ewige Wonnen Er mit Seinen Jüngern teilen will. Das irdische Leben der Seinigen ist nach dem Ratschluss Gottes nur eine Prüfungszeit. Ihr Herz wird erst dann befriedigt sein, wenn Er im Jenseits ihren Freuden ewige Dauer verleihen kann. Du gehörst zu Seinen Jüngern; freue dich dessen, und preise Ihn dafür! Zum Dank für Seine Güte weihe dich Seiner Ehre und zeichne dich in den Reihen Seiner getreuesten Diener aus.
Da hoben sie Steine auf, um sie auf Ihn zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging hinweg aus dem Tempel. Die Juden antworteten dem Heiland mit Steinwürfen. Erforsche dich, ob nicht bisweilen auch du Seine Wohltaten mit Beleidigungen vergolten hast? Bereue von Herzen deine Undankbarkeit und bemühe dich, der erkannten Wahrheit zum Sieg zu verhelfen!



11.01.2020
169. Von dem wahren Leben
(Joh 8)

I Jesus verheißt Seinen Jüngern das ewige Leben
Jesus sprach: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand Mein Wort bewahrt, wird er den Tod in Ewigkeit nicht schauen. »
Komme, um dem Heiland mit großer Aufmerksamkeit und gutem Willen zuzuhören, so wirst du aus Seinen Belehrungen Nutzen ziehen.
Er beginnt mit dem feierlichen Versprechen, Seine Jünger zum ewigen Leben aufzuerwecken. Wenn wir dem Heiland treu sind, wird Er dem Tod seine Bitterkeit und seine Schrecken nehmen. Den wahren Jüngern Jesu wird der Tod zum Engel der Barmherzigkeit, der sie zum Himmel führt. Den Verdiensten und dem Tod deines Erlösers verdankst du es, dass es keine ewige Trennung und keine hoffnungslosen Leiden mehr gibt.
Bete Ihn an als den Erlöser, dessen Tod uns das Leben verleiht! Empfiehl Ihm die Verstorbenen, die du beweinst! Danke Ihm von Herzensgrund, dass die Leiden der Todesstunde für uns der Eingang sind zu den himmlischen Freuden!
Dem Heiland trug dieses liebevolle Versprechen nur neue Beschimpfungen ein. Da sprachen die Juden: «Nun wissen wir, dass Du einen bösen Geist hast. Abraham und die Propheten sind gestorben, und Du sprichst: Wenn jemand Mein Wort bewahrt, wird er den Tod nicht kosten in Ewigkeit. — Zu wem machst Du Dich selbst?» Jesus widerspricht nicht. Er lässt sich diese Schmach gefallen, weil Er hofft, dass du Ihm eines Tages durch deine Liebe und dein Vertrauen dafür Ersatz leisten wirst.



10.01.2020
168. Von der wahren Freiheit
(Joh 8)

II Jesus beweist den Juden, dass sie Seiner bedürfen
Sie hielten Ihm entgegen: «Wir sind Kinder Abrahams und sind nie jemandes Sklaven gewesen. Wie kannst Du sagen: Ihr werdet frei werden?» Jesus erwiderte ihnen: «Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer Sünde tut, ist der Sünde Sklave.»
Dagegen sträubt sich der Stolz der Juden. Die Wahrheit ist jenen, die von ihren Leidenschaften beherrscht werden, unerträglich. «Wir sind keine Knechte», rufen sie aus. «Wir brauchen Dich nicht, wir genügen uns selbst.» Sie sind sich ihres elenden Zustands nicht bewusst. Der Heiland will sie ihren Täuschungen entreißen. Folge seinem Gedankengang und wende seine Worte auf dich an! Der Menschensohn muss dich befreien, denn du bist unfrei als Mensch und als Sünder.
Der Mensch bedarf eines Mittlers. Wie könnte er ohne die Vermittlung des Heilands an der Kindschaft Gottes teilnehmen? Gott gibt den Himmel nur Seinen Kindern, und niemand darf hoffen, dorthin zu gelangen, wenn er nicht ein Kind des himmlischen Vaters ist.
Der Sünder bedarf des Erlösers. «Ihr tut die Werke eures Vaters», sagt Jesus. Die Sünde stammt vom Teufel, und der Sünder verfällt der Macht Satans. Nur der Erlöser, der stärker ist als alle Macht der Hölle, kann ihr die Beute entreißen.
Der Jünger bedarf des Meisters. Der Irrtum bedroht uns von allen Seiten, da der Teufel und die Welt sich einen, um Lüge und Täuschung zu verbreiten. Das Gute vermischt sich mit dem Bösen und das Wahre mit dem Falschen. Da müssen wir uns von dem Sohn Gottes unterweisen lassen, der allein uns die Wahrheit lehren kann.
Die Wahrheit erhebt sich in ihrer Kraft, um unsere Ketten zu brechen, das göttliche Strafgericht von uns abzuhalten und uns den Himmel zu eröffnen. Der Heiland ruft uns zu ewigen Festen, aber die Juden wollen Seinem Ruf nicht folgen. Jesus zeigt uns, worin ihr Widerstand begründet liegt: «Ihr könnt Mein Joch nicht tragen, weil ihr Mich nicht liebt.» Wenn du also Jesus liebst, so wirst du auch Seine Lehre lieben und das Joch Seiner Gebote wird dir leicht und süß erscheinen. Entferne aus deinem Herzen alle Eigenliebe und durchdringe es mit opferfreudiger Gottesliebe!



09.01.2020
168. Von der wahren Freiheit
(Joh 8)

I Jesus verlangt von Seinen Jüngern, dass sie das wahre Leben in der genauen Beobachtung der Gebote suchen
Da sprach Jesus zu den Juden, die an Ihn glaubten: «Wenn ihr in Meiner Lehre verharrt, seid ihr wahrhaft Meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.»
Jesus erteilt Seinen neuen Anhängern eine notwendige Belehrung. «Wenn ihr in Meinen Worten verharrt, werdet ihr wahrhaft Meine Jünger sein.» In der Tat werden wir erst durch die treue Beobachtung der Gebote zu wahren Jüngern Jesu Christi.
Der Heiland sagt: «Wenn ihr euch im Guten befestigen wollt, müsst ihr euch von der Knechtschaft des Bösen befreien.» Wer in die Sünde einwilligt, beugt sich unter ihr Joch. Bringe dir zum Bewusstsein, wie schwer dieses Joch ist, wie entwürdigend die Knechtschaft des Gewohnheitssünders, der von Vorurteilen befangen und durch Gewissensbisse gequält, zum Sklaven seiner Launen und Leidenschaften wird. Wer wird ihn befreien? «Die Wahrheit!» sagt Jesus.
Die Wahrheit zeigt dem Sünder das Schmähliche seiner Dienstbarkeit, sie gibt ihm den Mut, die Fesseln der Sünde zu brechen, und lässt ihn im Sonnenschein der unendlichen Erbarmung Gottes wieder neu aufleben. Lausche der Wahrheit, die aus dem Mund des Heilands kommt! Bedarfst nicht auch du der Befreiung?



08.01.2020
167. Die Erlösung durch das Kreuz
(Joh 8)

III Jesus versichert, dass Er in allem nur den Willen Seines himmlischen Vaters tut
«Und Der Mich gesandt hat, ist mit Mir. Er hat Mich nicht allein gelassen, weil ich allzeit tue, was Ihm wohlgefällt.» Als Er dies sagte, glaubten viele an Ihn.
In diesen Worten liegt die ganze Lebensweisheit des Heilands, und wir müssen sie uns aneignen. Ist es nicht recht und billig, dass der Mensch, der dem lieben Gott alles verdankt, auch in gänzlicher Abhängigkeit von Ihm lebt? Jesus bekennt offen diese Abhängigkeit, und sie erstreckt sich auf alle Seine Entschlüsse und auf alle Seine Werke. Er befragt bei Seinen Handlungen nicht Sein Missbehagen oder Wohlgefallen, sondern richtet sich immer nach dem Willen des Vaters. «Was verlangt Mein himmlischer Vater von Mir? Ich sage nur das, was Er mir eingibt, Ich verkünde nur, was Er Mir mitteilt, und Ich tue, was Er verlangt.»
In dieser Gesinnung besteht das wahre Leben. Diese vollständige Abhängigkeit von Gott befreit den Menschen von aller Knechtschaft und gibt ihm die Freiheit der Kinder Gottes. Anstatt von tausend Tyrannen gequält zu werden, hat man dann nur noch einen Herrn, und dieser Herr ist der beste aller Väter, der mit unendlicher Weisheit und Macht alles zum Heil seiner Kinder zu lenken weiß. Wirst du auch noch länger zögern, dich seinem Willen ganz zu überlassen und Ihm blindlings zu folgen?



07.01.2020
167. Die Erlösung durch das Kreuz
(Joh 8)

II Jesus prophezeit, dass Sein Kreuzestod ihren Widerstand besiegen wird
Jesus fuhr fort: «Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr erkennen, dass Ich es bin und dass Ich nichts aus Mir selbst tue, dass Ich vielmehr so rede, wie der Vater Mich gelehrt hat.»
Komm zum Kreuz, um im Glauben befestigt zu werden! Warum spricht der Heiland zu Seinen Zuhörern von Seiner künftigen Schmach und Erniedrigung? Er will zeigen, wie nutzlos alle Erörterungen sind, wenn es sich um die Bekehrung einer Seele handelt.
«Ich hätte euch vieles zu sagen, aber ihr könnt und wollt Mich nicht verstehen. Ich werde besser daran tun, für euch zu leiden. Was euch Meine Worte und Meine Werke nicht verständlich machen konnten, das werdet ihr vielleicht begreifen, wenn ihr die Qualen seht, die euer Undank Mir bereitet. Das Kreuz wird euch belehren.»
Schätze nach Gebühr diese rührende Belehrung des Heilands! Knie nieder und erkenne dankbar an, dass sich alle Bekehrungen zu Füßen des Kreuzes entscheiden. Auch zu dir sprechen die Schmerzen des Heilands. Lass dich durch sie bestimmen, ein Jünger der Wahrheit und ein Apostel der Ehre Gottes zu werden!




06.01.2020
167. Die Erlösung durch das Kreuz
(Joh 8)

I Jesus bestätigt den Juden, dass Er das Wort Gottes ist
Da fragten sie Ihn: «Wer bist Du denn?» Jesus antwortete ihnen: «Warum spreche Ich überhaupt zu euch? Ich hätte viel über euch zu reden und zu richten. Der Mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und Ich verkünde der Welt das, was Ich von Ihm gehört habe.»
Die Juden fragen den Erlöser wiederum: «Wer bist Du?» Wieviel geheuchelte Unwissenheit umschließt diese Frage! Sie haben Seine Wirksamkeit gesehen, sie haben mehr als einmal die Schönheit Seiner Lehre bewundert und Seine Wohltaten genossen, und trotzdem geben sie vor, Ihn nicht zu kennen. Darin liegt ein Mangel an gutem Willen, und sie tragen die volle Verantwortung für diese schuldhafte Unwissenheit.
Jesus belehrt sie wiederum und bietet diesen freiwillig Blinden abermals das Licht der Wahrheit an. — «Ich bin das Wort des Vaters. Ich tue euch die Gedanken eures himmlischen Vaters kund, indem Ich euch verkünde, was Er Mir gesagt hat.» Woher kommt also das Licht, welches Jesus um Sich verbreitet, und die Lehre, die Er verkündet? Beantworte jenen, die das nicht wissen oder nicht wissen wollen, diese Frage! Schätze dich glücklich, zu den Rechtgläubigen zu gehören, und da du mit Hilfe der Gnade Jesus erkannt hast, so bemühe dich, Seine Lehre praktisch zu verwerten!



05.01.2020
166. Der Erlöser und sein Werk
(Joh 8)

II Jesus erklärt, dass Er allein sie ins Himmelreich einführen kann
Er entgegnete ihnen: «Ihr stammt von unten, ich stamme von oben. Ihr seid von dieser Welt, Ich bin nicht von dieser Welt. Ich habe euch gesagt: Ihr werdet in euren Sünden sterben. Denn wenn ihr nicht glaubt, dass Ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.»
Welches ist das vorzüglichste Mittel, das Heil zu erlangen? Der Abstand zwischen Gott und den Geschöpfen ist unermesslich, aber dein Erlöser steigt nieder von den Höhen, denen du zustrebst. «Ich bin von oben», sagt Er und erklärt Sich bereit, dich dorthin zu führen. Die Niedrigkeit deines Ursprungs schwindet im Glanz Seiner Gottheit.
Wenn dein Weg dunkel ist, dann erinnere dich der Worte Jesu: «Ich bin das Licht der Welt. Ich leuchte allen, die zum Himmelreich gelangen wollen. Ich lehre die Wahrheit, die man glauben, und die Gebote, die man halten muss. Ich bin euer Führer und werde euch von allem Irrtum befreien. Ich werde euch der Ungewissheit entreißen und euch vor aller Täuschung bewahren.» — Vertraue auf Ihn, nimm Ihn auf, und bringe Ihm die Huldigung deines Glaubens dar. Aber um Ihm wirklich anzugehören, musst du dich mutig von der Sklaverei der Welt und deiner Leidenschaften befreien. Nur unter dieser Bedingung kannst du dein Heil wirken. «Wenn ihr nicht glaubt, dass Ich es bin, so werdet ihr in eurer Sünde sterben.» Er droht also jenen, die Seiner Gnade widerstehen, mit der Verwerfung. Bemitleide die Unglücklichen, die sich einer solchen Gefahr aussetzen! Gibt es nicht auch in deiner Umgebung solche, deren Widerstand du vielleicht besiegen und die du dem wahren Glauben zuführen kannst? Ist es nicht deine Pflicht, dass du dich apostolisch betätigst und anderen von dem himmlischen Licht mitteilst, womit du vor vielen begnadet worden bist?



04.01.2020
166. Der Erlöser und sein Werk
(Joh 8)

I Jesus droht den Juden, sie im Unglauben sterben zu lassen
Weiter sprach Er zu ihnen: «Ich gehe weg. Ihr werdet Mich suchen und in eurer Sünde sterben. Wohin Ich gehe, dahin könnt Ihr nicht kommen.» Da sagten die Juden: «Will Er sich etwa das Leben nehmen, weil Er sagt: Wohin Ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen?»
Sieh den Meister inmitten jener, die Er retten möchte! In Seiner Güte beunruhigt Er sich wegen der Gefahren, denen sie sich freiwillig aussetzen, und Er warnt sie. «Wo Ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen. Aus eigener Kraft könnt ihr nicht in das Himmelreich eingehen.»
Jesus lässt Seine Zuhörer die Ohnmacht ihrer menschlichen Natur erkennen. Wer sind wir, und woher stammen wir? «Ihr seid von unten, ihr seid Staubgeborene», sagt der Erlöser, «aber eure Bestimmung steht in keinem Verhältnis zu eurem niedrigen Ursprung. Gott hat euch an Kindesstatt angenommen und euch in Seinem Reich eine Wohnung bereitet, Er will euch zu Sich emporheben.» Da gilt es einen unermesslichen Abstand zu durcheilen, und wir bedürfen eines starken Armes, auf den wir uns stützen können, um so hoch zu gelangen. Jesus sagt mit Recht: «Wo Ich hingehe, dahin könnt ihr nicht kommen.»
Aber das ist nicht das einzige Hindernis. Der Heiland weist uns auf ein zweites hin: unsere Sünden. «Eure Sünden erschweren euren Fortschritt auf dem Weg der Tugend. Wenn ihr euch nicht von eurer Sündenschuld reinigt, wenn ihr den Täuschungen, die euch irreführen, nicht entsagt, werdet ihr nicht in den Himmel eingehen. Euer gegenwärtiges Verhalten macht euch der göttlichen Gnade, die ihr so notwendig habt, unwürdig.» Betrachte jene, an die der Erlöser sich wendet! Beachte, was ihnen zum Hemmnis wird auf dem Weg zum wahren Leben und ihnen jeden Fortschritt unmöglich macht: Stolz, Menschenfurcht, zeitliche Sorgen, Weichlichkeit und Vergnügungssucht! Drückt nicht auch dich vielleicht mehr als eine dieser Fesseln? Und glaubst du zum Ziel zu gelangen, wenn es dir nicht gelingt, dich davon zu befreien?



03.01.2020
165. Jesus, das Licht der Welt
(Joh 8)

II Jesus bemüht sich vergeblich, den hartnäckigen Unglauben der Juden zu besiegen
Da sagten die Pharisäer zu Ihm: «Du gibst Zeugnis von Dir selbst. Dein Zeugnis ist nicht wahr.» Jesus erwiderte ihnen: «Auch wenn Ich von Mir selbst Zeugnis gebe, ist Mein Zeugnis wahr. Denn Ich weiß, woher Ich gekommen bin und wohin ich gehe.» Diese Worte redete Jesus bei der Schatzkammer, als Er im Tempel lehrte.
Er erinnert Seine Zuhörer an die Göttlichkeit Seines Ursprungs und Seiner Bestimmung und warnt sie vor oberflächlicher Beurteilung seiner Person. Dabei beruft Er sich auf das Zeugnis Seines himmlischen Vaters. «Mein Vater, Der Mich gesandt hat, gibt Zeugnis von Mir.» Endlich ermahnt Er sie, nicht bei dem stehenzubleiben, was ins Auge fällt, sondern sich zu dem zu erheben, was der Glaube lehrt. Das ist der einzige Weg, auf dem eine Seele zum vollen Besitz der Wahrheit gelangt.
Nimm dir diese Belehrungen zu Herzen! Sie zeigen dir, wie du die Menschheit Jesu, Seine Worte und Handlungen auffassen sollst. Durch den Sohn sollst du zur Kenntnis des Vaters gelangen. In der Tätigkeit des Gottmenschen offenbart sich die Tätigkeit Gottes. Nur dann hast du Nutzen aus den Unterweisungen des Sohnes gezogen, wenn du durch sie zur Kenntnis des Vaters gelangst.



02.01.2020
165. Jesus, das Licht der Welt
(Joh 8)

I Jesus erklärt, dass nur jene, die Ihm nachfolgen, das Himmelreich besitzen werden
Jesus sprach weiter zu ihnen: «Ich bin das Licht der Welt. Wer Mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.»
Der Heiland predigt abermals im Tempel. «Ich bin das Licht der Welt!» ruft Er aus. Auch du bedarfst des Lichtes. Dein Mangel an Eifer im Dienst Gottes kommt vor allem daher, dass dein verdunkelter Verstand nicht den rechten Begriff von der unendlichen Vollkommenheit Gottes hat. Nur weil du auf dem Gebiet des geistigen Lebens so kurzsichtig bist, bleibst du selbst angesichts deiner hohen Bestimmung oft noch so unentschlossen.
Du brauchst das klarste, von keinem Irrtum verdunkelte Licht, um den Weg zur Ewigkeit sicher zu wandeln und um die Abscheulichkeit der Sünde und die Schönheit der Tugend recht zu erkennen. Jesus ist dieses Licht, das wahre Licht, das einzige Licht. Sei auf der Hut vor dem, was der Weltgeist dir einredet, was die Sinne dir vorspiegeln oder die Leidenschaften gut heißen! Traue deinem schwachen Verstand sowie den Ergebnissen der Wissenschaft und rein menschlichen Erfahrungen nicht! Du wirst im Dunkeln bleiben, solange du bei deinen Entscheidungen nicht Erleuchtung von oben erbittest.
Das bedeutet die Erklärung Jesu. Aber diese Sprache ist dem menschlichen Stolz unerträglich; viele widersprechen dem Heiland. Kümmere dich nicht um ihren Widerspruch, sondern schließe dich jenen an, die in dem Licht des Gottessohnes leben wollen!



01.01.2020
164. Die Ehebrecherin
(Joh 8)

III Jesus spricht die Sünderin los und warnt sie vor dem Rückfall in die Sünde
Er blieb allein mit der Frau zurück, die in der Mitte stand. Jesus richtete sich auf und fragte: «Frau, wo sind ,die dich anklagten? Hat keiner dich verurteilt?» Sie antwortete: «Keiner, Herr.» Da sprach Jesus: «So will auch Ich dich nicht verurteilen. Geh hin, und sündige fortan nicht mehr.»
Beobachte aus der Nähe diese ergreifende Szene, dieses gnadenreiche Zwiegespräch! Die schuldbeladene Frau hat das Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit besser verstanden als ihre Ankläger; sie denkt nicht daran zu fliehen. Wo könnte sie auch eine bessere Zuflucht finden als in der Güte ihres Heilandes?
Der Richter wird nun das Urteil fällen. In den Adern dieser Sünderin fließt das Blut Adams, das der Heiland selbst von Seiner heiligen Mutter angenommen hat. Er soll als unser Bruder das gefallene Menschengeschlecht wieder herstellen. Wie könnte Er da zugeben, dass einer der Seinigen Ihn demütig um Hilfe anflehte und dennoch verloren ginge? Was würde Seine heiligste Mutter sagen? Wie würden Sein himmlischer Vater und die Heiligen des Himmels darüber urteilen? «Frau, auch Ich werde dich nicht verdammen; ich spreche dich los!» Glückliche Sünderin! Deine Ankläger haben sich entfernt, das Schuldbuch ist geschlossen und die Angelegenheit ist zu deinen Gunsten entschieden. Meine Seele! Wirst du jemals wieder diesen unendlich gütigen Richter fürchten können?
Aber der Heiland verzeiht nicht bedingungslos. «Gehe hin, und sündige fortan nicht mehr!» sagt Er. Wie leicht erscheint der Begnadigten diese Bedingung! Sie weiß den hohen Wert der empfangenen Lossprechung zu schätzen. Ihr Glück hat seinen Höhepunkt erreicht, und nichts wird sie in ihrem Entschlüsse, fortan ein besseres Leben zu führen, wankend machen. Ahme diese Sünderin nach, und wie beschwerlich dir der Weg der Besserung auch scheinen mag, weiche niemals wieder von ihm ab! Vertraue deinen Entschluss dem Herzen des Heilands an, und erwarte voll Vertrauen von Ihm die Kraft, Ihm treu zu bleiben!
Küsse unter Tränen die Hände deines Erlösers und überlasse dich ganz den Gefühlen der Freude und Dankbarkeit!