Tagesheiliger, Spruch des Tages





Märtyrer 2019





01.04.2019
Ares, Promus, Elias und einige fromme Christen, die ihre gefangenen Mitbrüder besuchen wollten
Zu Cäsaren gefangen und in die Metallbergwerke verwiesen; drei von denselben, nämlich, zu Ascalon getötet, im Jahre 308



Ungefähr im Anfang des Jahres unsers Herrn 308 sind einige gottesfürchtige Christen aus Ägypten abgereist, in der Absicht, nach Sicilien zu gehen, um die Bekenner des Glaubens, welche in die Metallbergwerke verbannt waren, mit einiger Notdurft in ihrem Elende und ihrer Armut zu versorgen.
Diese wurden zu Cäsaren von der Wache an den Stadtpforten gefangen, von welchen einige durch dasselbe Urteil zur Sklaverei ins Elend verwiesen wurden, welches darin bestand, dass ihre linke Kniescheibe ausgeschnitten und zugebrannt werden sollte, und so mit einem Auge und mit einem Beine die schwere Arbeit in der Sklaverei auszuführen.
Aus dieser Anzahl wurden drei zu Ascalon in Palästina gefangen, welche um der standhaften Bekenntnis ihres Glaubens willen auf verschiedene Weise gepeinigt wurden.
Einer derselben, Ares genannt, wurde lebendig verbrannt, die andern zwei, mit Namen Promus und Elias, wurden enthauptet, und haben also einen gottseligen Abschied aus dieser Welt genommen.



31.03.2019
Ennathas, eine christgläubige Jungfrau aus der Stadt Scythopolis in Palästina
Lebendig verbrannt, im Jahre 307



Nachdem einige Christen im Eifer für die Wahrheit den Firmilianus, Statthalter von Palästina, seiner großen Abgötterei halber bestraft hatten, und deshalb am 3. November des Jahres 307 nach Christi Geburt getötet wurden, so ist auf denselben Tag eine gewisse junge Tochter, mit Namen Ennathas aus der Stadt Scythopolis, dazu gekommen, doch nicht von selbst, sondern gezwungen, und hat für den Namen Jesu Christi mit den andern freimütig ihr Leben gelassen.
Zuerst wird sie sehr unbarmherzig und schändlich zugerichtet, dass es schrecklich zu beschreiben ist.
Zuletzt, als sie dennoch standhaft in dem Bekenntnis ihres Glaubens blieb, hat der Richter das Todesurteil über sie ausgesprochen, nämlich dass man sie lebendig verbrennen sollte.
So ist diese fromme Märtyrerin durch die enge Pforte gedrungen, dass ihr Fleisch an den Pfosten ist hängen geblieben, welches endlich der Herr mit Herrlichkeit und Majestät krönen und belohnen wird.



30.03.2019
Pamphilus, ein Ältester der Gemeinde zu Cäsaren in Palästina
Um des Namens Jesu willen schrecklich gemartert, im Jahre 306




Dieser Pamphilus war ein Ältester der Cäsarischen Gemeinde, ein wohlberedter, gelehrter und gottseliger Mann.
Von diesem wird berichtet, dass er nach vielen Leiden und Anfechtungen den Streit der Marter um des Namens Christi willen ausgestanden und so unter die Helden der Blutfahne Jesu Christi gerechnet worden sei.
Es scheint, dass er ein besonderer Freund von Eusebius Pamphilus gewesen, daher einige meinen, Eusebius habe seinen Zunamen Pamphilus von ihm entlehnt.
Wenigstens ist es gewiss, dass er diese Worte von ihm geschrieben, wie die Alten angemerkt haben:
Unter denjenigen, die von Urbanus, dem Statthalter von Palästina, zu Cäsarea mit allerlei Kreuz und Verdruss verwundet und in Ketten, Banden und Widerwärtigkeiten aller Art gehalten wurden, ist auch Pamphilus, mein allertreuester Freund, gewesen, welcher wohl der vornehmste Märtyrer unter den Märtyrern unserer Zeit, und der berühmteste an Tugend und Gottseligkeit gewesen ist.



29.03.2019
Theodosia, eine gottesfürchtige junge Tochter aus der Stadt Tyrus Kam, um die gebundenen Märtyrer zu trösten und wurde zu Cäsarea
in der See ertränkt
im Jahre 306




Im Anfange des fünften Jahres der zehnten Verfolgung ist Theodosia, eine gottesfürchtige junge Tochter aus der Stadt Tyrus, 18 Jahre alt, zu einigen gebundenen Märtyrern zu Cäsarea gekommen, als sie vor Gericht standen, ihr Todesurteil zu empfangen, welches den 2. April, des Sonntags, als den Auferstehungstag unseres Seligmachers, geschehen ist.
Die Ursache, warum sie solches tat, war, dieselben freundlich zu begrüßen und dieselben bis zum Äußersten zu trösten.
Hierauf wurde sie stehenden Fußes von den Kriegsknechten ergriffen und vor den Statthalter gebracht, welcher sie alsbald so übel zurichten ließ, als ob er unsinnig gewesen wäre, denn er ließ nicht allein ihre Seiten, wie sonst die Gewohnheit gewesen, mit allerlei erschrecklichen Peinigungen und schmerzhaften Tormenten öffnen, sondern auch ihre Brüste abschneiden.
Dieses alles hat sie mit einem fröhlichen Gesichte standhaft erlitten; als sie aber, von Schmerz überwältigt, kaum länger mehr leben konnte, ließ sie der Statthalter in die See werfen.
Also ist diese getreue Heldin Jesu Christi unter die Zahl ihrer Mitbrüder und Schwestern gerechnet worden.



28.03.2019
Sylvanus, Januaris, Sosius, Proculus, Pelagia, Theonas, Cyrenia, Juliana
haben alle um der evangelischen Wahrheit willen ihr Leben gelassen, im Jahre 305



Sylvanus, Bischof der Gemeinde von Emesse, einer Stadt in Apamea in Syrien, ist mit vielen andern den wilden Tieren vorgeworfen worden, um von ihnen verschlungen zu werden.
Januaris, Bischof der Gemeinde zu Beneventum, Sosius, ein Diakon der Gemeinde zu Misenum, Proculus, ein Diakon, und andere mehr sind sämtlich enthauptet worden.
Pelagia, eine junge Tochter, wurde in einem glühenden Ofen erstickt.
Theonas mit ihrer Gespielin Cyrenia, und Juliana, sind auf andere Weise ihres Lebens beraubt worden.



27.03.2019
Vierzig Jünglinge zu Antiochien
In eine kalte Pfütze geworfen und des andern Tages lebendig verbrannt, im Jahre 304


Da der Osten und Westen durch die Gewalt der Verfolgung über die Maßen beängstigt war, haben sich im Osten, nämlich zu Antiochien, vierzig fromme Jünglinge als tapfere Streiter Jesu Christi hervorgetan, welche öffentlich und mit Freimütigkeit den Sohn Gottes, Jesu Christus, ihren Seligmacher, bekannt haben.
Hierauf hat der Statthalter desselben Orts, nachdem sie gefänglich eingezogen worden, gewaltig dahin gearbeitet, sie von ihrem Glauben abzubringen; als aber solches alles umsonst war, ließ er sie in der kältesten Winterszeit nackend in einen sehr kalten Pfuhl werfen, da aber des andern Tages dieselben noch lebendig waren, ließ er sie alsbald zu Pulver verbrennen.
Einer von denselben, welcher noch sehr jung war und deshalb aus Mitleiden seiner Mutter geschenkt wurde, wird von derselben eigenhändig auf einen Wagen gesetzt, worauf die andern lagen und ermahnt, dass er doch seinen seligen Lauf mit seinen Mitbrüdern vollenden wolle. Dieses ist geschehen in dem dritten Jahre der Verfolgung, nach der Geburt Christi 304.



26.03.2019
Julitta von Iconien, eine ehrbare Witwe
ist zu Tharsus in Cicilien enthauptet worden, im Jahre 304



Als die Verfolgung Diocletianus am allerheftigsten entbrannte, suchte eine gewisse Witwe aus Iconien derselben zu entfliehen, weshalb sie mit ihrem Kinde von drei Jahren von Licaonia nach Seleucia ging, von da wiederum nach Tharsus in Cicilien; aber auch da konnte sie vor der heftigen Verfolgung nicht verborgen bleiben; denn der Statthalter derselben Herrschaft, Alexander genannt, nahm sie gefangen.
Als er sie nun mit vielem Schmeicheln vergeblich von dem christlichen Glauben abzubringen gesucht, hat er sie mit zähen Farrenschwänzen geißeln lassen.
Unterdessen suchte er ihr erschrockenes dreijähriges Kind, Quirius genannt, mit allerlei lieblichen und freundlichen Worten zu stillen; das Kind aber wehrte sich mit Händen und Füßen, und wollte von dem Tyrannen nicht geliebkost sein, und lief endlich zu der Mutter; wurde aber von dem Statthalter wieder ergriffen, wiewohl solches kein sanftmütiges und freundliches Ende genommen. Denn das Kind kratzte ihm in sein Angesicht und stieß ihn an seine Seiten, dass er vor Pein in Zorn geriet.
Darauf hat er das Kind bei den Beinen genommen, und dasselbe mit dem Haupte niederwärts die steinerne Treppe hinunter geworfen. Die Mutter, als sie solches sah, redete den Tyrannen also an:
Du darfst nicht denken, dass ich so kleinherzig sei, mich durch alle deine Grausamkeiten zu überwinden; denn das Zerreißen meines Leibes soll mich nicht abschrecken, vielweniger wird das Ausspannen meiner Glieder mein Gemüt berühren;
noch die Drohung des Feuers, noch der Tod selbst wird mich von der Liebe Christi scheiden können.
Je gewaltiger deine Tormente sind, womit du mir drohst, desto angenehmer sind sie mir; denn ich hoffe, dass ich desto eher zu meinem allerliebsten Sohne kommen und mit ihm die Krone der Gerechtigkeit von der Hand Christi empfangen werde.
Auf dieses Bekenntnis ließ sie der Statthalter an den Folterstock aufhängen, und ihr Fleisch mit eisernen Kämmen zerreißen, hernach brennendes oder siedendes Pech über ihren nackten Leib und das rohe verwundete Fleisch gießen, und zuletzt enthaupten.



25.03.2019
Agathopus, ein Diakon, und Theodulus, ein Vorleser der Thessalonischen Gemeinde
Welche um des Zeugnisses Jesu Christo willen bei Thessalonich ertränkt wurden
im Jahre 304



In demselben Jahre wurden zwei fromme Christen von Thessalonich mit Namen Agathopus, ein Diakon, und Theodulus, ein Vorleser der Thessalonischen Gemeinde, um des Zeugnisses Jesu Christi willen gefangen und vor Faustinus, den Statthalter der Stadt, gebracht.
Dieser hat zuerst Theodulus, als den Jüngsten von Jahren, vorgenommen zu peinigen, ihn entkleiden und anbinden lassen.
Unterdessen als Theodulus gepeinigt wurde, rief ihm der Ausschreier zu: Opfere, so wird man dich loslassen. Theodulus antwortete: Du kannst wohl meinen Leib entkleiden; aber mein Herz und Gemüt wirst du in Ewigkeit von dem Glauben an Gott nicht abbringen.
Als sie hingingen, um ihr Todesurteil anzuhören, weinten und klagten ihre Freunde sehr jämmerlich, sodass das Geschrei bis in den Himmel aufzusteigen schien; aber Theodulus sagte zu ihnen mit einem fröhlichen Angesichte: Wenn ihr um unserer alten Freundschaft willen weint, so sage ich euch, ihr solltet lieber fröhlich sein, weil wir in einem so ehrlichen Streit geprüft werden. Wenn ihr uns dieses Glück missgönnt und darüber betrübt seid, weil ihr dessen nicht mit teilhaftig seid, so steht euch die Türe der Gottseligkeit nicht weniger offen und die Verkündigung des Glaubens ruft: Kommet alle zu Christo; aber sie gibt denen allein die Krone des ewigen Lebens, welche weder durch Reichtum noch durch Wollust, noch durch Ehre dieser Welt sich haben zurückziehen lassen.
Zuletzt hat sie der Richter dahin verurteilt, dass ihnen die Hände auf den Rücken gebunden, schwere Steine an den Hals gehängt, und sie so ertränkt werden sollten; welches sie beide standhaft erlitten, und sind also unter die Zahl der heiligen Märtyrer gerechnet worden.



24.03.2019
Aedesius, der Bruder des genannten Apphianus
Um des Zeugnisses des Herrn willen zuerst in die Erzgrube von Palästina verwiesen, und hernach zu Alexandria in der See ertränkt, im Jahre 304




Kurz nach dem Tode der Märtyrer Apphianus und Ulpianus haben die Feinde der göttlichen und christlichen Wahrheit ihre Hände an den Bruder des Apphianus, mit Namen Aedesius gelegt. Als derselbe viele schöne Bekenntnisse getan hatte für den Namen des Herrn, wird er verurteilt, nach Palästina in die Bergwerke verwiesen zu werden.
Zuletzt, als in der Stadt Alexandria der Statthalter das Todesurteil gegen die Christen aussprach, und zu Zeiten alten Leuten mancherlei Schmach antun ließ, desgleichen auch mehrere andere Bosheiten von ihm ausgeübt wurden, trat er freimütig zu dem Statthalter auf dem Richtplatz und bestrafte ihn öffentlich wegen seines verkehrten und ungöttlichen Urteils, welches er über die unschuldigen Christen gefällt hatte.
Hierüber ward er gar unbarmherzig gepeinigt, welche Schmerzen er sanftmütig und nicht weniger standhaft ertragen, darnach hat man ihn in die See geworfen und ertränkt, gleichwie zuvor seinem Bruder geschehen war.



23.03.2019
Ulpianus
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen bei der Stadt Tyrus in den See geworfen und ertränkt
im Jahre 304


Zu derselben Zeit, ja fast in denselben Tagen, ward ein anderer Jüngling hervorgebracht, mit Namen Ulpianus, der in der Stadt Tyrus, nach langer und scharfer Peinigung, um des Zeugnisses Jesu Christi willen zum Tode verurteilt worden ist, mit einer ungewöhnlichen Strafe, nämlich, um in eine frisch abgezogene Ochsen- oder Kuhhaut mit einem Hunde und einer Otterschlange nackend eingewunden und also in die See geworfen zu werden.
Dieses Urteil ist an ihm vollzogen worden bei der Stadt Tyrus; die See aber wird zuletzt ihre Toten wieder herausgeben; alsdann wird dieser fromme Zeuge Christi nebst andern seiner Mitbrüder von dem Herrn mit der Krone der Unsterblichkeit belohnt und gekrönt werden.



22.03.2019
Apphianus, ein gottesfürchtiger Jüngling
Zu Cäsaren in Palästina im See ertränkt
im Jahre 304




Als das dritte Jahr der vorgemeldeten Verfolgung anging, hat sich auch die zweite Unterdrückung der Christen in Palästina durch Briefe angesponnen, die in des Kaisers Namen an den Statthalter Urbanus abgegangen sind, wodurch den Obrigkeiten in allen Städten befohlen worden ist, allen möglichen Fleiß anzuwenden, dass alle Christen, Männer und Weiber, alt und jung, den Götzen opfern sollten, und dass die Ausschreier durch die Stadt Cäsaren Männer, Weiber und Kinder zusammenrufen sollten, um sie in der Götzenkirche zu versammeln; auch sollten die Obersten aus jeglichem Vierteil der Stadt aus ihrer Rolle einen jeden Bürger mit Namen ablesen, damit sich niemand verbergen möge, wodurch ein großer Jammer und Betrübnis in der ganzen Stadt entstand.
Als es sich nun zutrug auf den Festtag der Abgöttin Hecate, dass der Statthalter von Palästina zu Cäsaren beschäftigt war, seine Opfer zu verrichten, so ist unterdessen Apphianus, welcher noch keine zwanzig Jahre alt war, unverzagt zu demselben gegangen, hat ihn wegen seiner ungöttlichen Abgötterei bestraft und ermahnt, davon abzustehen.
Hierüber ist dieser Jüngling Apphianus stehenden Fußes von den Trabanten des Statthalters, wie von wilden Tieren, jämmerlich zerrissen worden und hat von ihnen Schläge ohne Zahl empfangen, welche er alle sehr standhaft ertragen hat.
Hernach ward er eine Zeitlang in das Gefängnis gesteckt, zu Zeiten aber wieder hervorgebracht und sehr jämmerlich gepeinigt; in sein Angesicht und an seinen Hals ward so unmenschlich geschlagen und übel zugerichtet, dass diejenigen, welche ihn zuvor gekannt, ihn des geschwollenen Gesichtes und der Wunden halber jetzt nicht mehr erkennen konnten.
Auch nahmen sie auf Befehl des Statthalters leinene Tücher, steckten sie in Öl, um sie fett zu machen und banden sie um seine bloßen Beine; welche Tücher sie nachher in Brand steckten, sodass dieselben lichterloh aufflammten, wodurch nicht allein das Fleisch an seinen Beinen abgebrannt und verzehrt ward, sondern auch selbst das Mark in den Beinen dadurch zerschmolzen ist und abtropfte, welches eine Pein gewesen sein muss, die mit nichts zu vergleichen ist; doch hielt er sich in diesem allen sehr standhaft.
Drei Tage nachher wurde er wiederum vor den Richter gebracht und empfing das Todesurteil, nämlich in der See ertränkt zu werden, welches also an ihm vollzogen worden auf den zweiten Tag des Monats April im Jahre unseres Herrn 304.



21.03.2019
Primus und Felicianus, zwei Brüder, zu Numenta in Italien
Nach vieler Peinigung vor Löwen und Bären geworfen um zerrissen zu werden, zuletzt aber enthauptet
im Jahre 303




In demselben Jahre 303 wurden zwei Gebrüder, mit Namen Primus und Felicianus, vor den Blutrichter der Stadt Numenta in Italien gefänglich eingebracht.
Dieser hat Felicianus zuerst verhört und ausgefragt, ob er den Göttern opfern wollte, in Ehren leben und gute Tage haben; oder ob er mit allerlei Tormenten bis zum Tode gepeinigt werden wollte?
Felicianus antwortete: Was magst du mir noch von gemächlichen Tagen sagen? Ich bin nun achtzig Jahre alt, und schon dreißig Jahre mit der seligmachenden Erkenntnis Christi erleuchtet gewesen, und schöpfte noch immer die meiste Freude meines Herzens in seinem Dienste; willst du mich überreden, dass ich meinen Seligmacher verlassen soll, und dagegen die eitlen Wollüste dieser Welt annehmen? Das sei ferne, denn ich habe mir vorgenommen, Christo, meinem Herrn und meinem Gotte, bis an den letzten Atem meines Lebens anzuhängen.
Hierauf wurde dieser gute alte Mann in den Kerker gesteckt, und sein Bruder Primus hervorgebracht, welchen der Richter zu überreden suchte, dass Felicianus, sein lieber alter Bruder, abgefallen.
Aber Primus hatte ein ganz anderes Vertrauen, deshalb sagte er, solches sei erlogen.
Hierüber ward er mit Stöcken geschlagen und mit Lampen an seinen Lenden gebrannt; er aber hat mit dem Propheten David gesungen: O Herr, du hast uns mit Feuer versucht, eben wie das Silber geläutert wird.
Hernach wurden sie beide mit verschiedenen Tormenten versucht; dem Primus ward siedend Blei in die Kehle gegossen. Felicianus mit Geißeln von Blei geschlagen, seine Hände und Füße an einen Stock genagelt und unmenschlich gepeinigt.
Sie wurden den Löwen und Bären vorgeworfen, aber da sie von denselben nicht beschädigt wurden, ließ sie der Richter enthaupten und ihre toten Leiber vor die Hunde und Vögel des Himmels werfen; dennoch wurden sie unterdessen von den Christen begraben.



20.03.2019
Felix, Bischof der Gemeinde zu Thibaris in Afrika
Wird in genannter Stadt mit dem Schwerte getötet
im Jahre 303


Als Constantinus Chlorus und Gallerius Maximianus zum vierten Male Bürgermeister waren, ist von den Kaisern Diocletianus und Maximianus ein Gebot durch die ganze Welt ergangen, worin in allen Kolonien und Freistädten der Römer den Obrigkeiten befohlen wird, die göttlichen Bücher und Gesetze der Christen aus den Händen ihrer Bischöfe und Lehrer zu nehmen.
Die Abschrift dieses Plakates ward in der Stadt Thibaris in Afrika auf den fünften Tag des Monats Juni angeschlagen.
Als es sich nun zugetragen, dass der Procurator Fiscalis desselben Ortes die göttlichen und christlichen Schriften dem Felix abforderte, um dieselben zu verbrennen, antwortete er: Es wäre besser, dass ich selbst verbrannt würde, als die göttlichen Schriften, weil man Gott mehr gehorchen muss, als den Menschen.
Der Fiscal sagte: Nichtsdestoweniger gebührt es sich, dass des Kaisers Gebot deinem Worte vorgezogen werde. Felix antwortete: Gottes Gebot geht über der Menschen Gebot. Der Fiscal sagte: Bedenke dich wohl, was du tust.
Hier sollten wir nun überhaupt die Gerichtsverhandlungen, wie sie von dem Blutschreiber (wie man sicher glaubt) aufgezeichnet worden sind, mit beifügen; aber, um Weitläufigkeiten zu vermeiden, wollen wir nur den letzten und wichtigsten Teil derselben Gerichtsverhandlungen dem gutwilligen Leser von Wort zu Wort mitteilen:
Als sie nun daselbst ankamen, gebot der Statthalter oder Feldoberste Felix loszubinden und fragte ihn: Felix, warum willst du die Bücher des Herrn deines Gottes nicht übergeben, oder hast du vielleicht keine? Felix antwortete: Ich habe wohl, aber ich will sie dir nicht einhändigen. Der Statthalter antwortete: Tötet Felix mit dem Schwerte.
Als Felix das Todesurteil empfangen hatte, sagte er mit lauter Stimme: Ich danke dir, o Herr, dass du mich erlöst hast!, wurde auch sogleich nach dem Orte abgeführt, wo er sterben sollte. Zu welcher Zeit der Mond sich in blutrot verwandelte. Dieses ist geschehen am 30. August.
Felix, nachdem er auf den Richtplatz gekommen, erhob seine Augen gen Himmel und sagte mit lauter Stimme: O Herr Gott! Ich danke dir, dass ich 56 Jahre alt geworden bin; ich habe mich rein erhalten, die Evangelien oder evangelischen Bücher bewahrt; den Glauben und die Wahrheit unverfälscht gepredigt; o Herr des Himmels und der Erde, Jesu Christo, ich beuge meinen Hals unter das Schwert, dir zum Opfer, der du bleibst in Ewigkeit, und welchem zukommt Klarheit und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.
Soweit erstrecken sich die Verhandlungen des Martertums des Felix, die von Wort zu Wort aus den Akten, wie sie vor den heidnischen Richtern und Statthaltern niedergeschrieben, übersetzt und hier angeführt sind.



19.03.2019
Justus, ein frommer und gottesfürchtiger Jüngling von Auxerre in Burgund
um des Glaubens willen enthauptet
im Jahre 303




Als die Rottgesellen des Kaisers Diocletianus darauf aus waren, die Christen zu fangen, war ein gewisser Vater mit Namen Mattheus, mit seinen zwei Söhnen Justinanus und Justus auf der Reise nach Auxerre in Burgund begriffen, welches ihr Wohnort gewesen, sind aber unterdessen durch einige böse Kundschafter angeklagt worden.
Deshalb wurden sie von den vorgemeldeten Rottgesellen, nebst noch vier Reitern verfolgt, welche von des Kaisers Statthalter abgeschickt waren.
Der Jüngste von den zwei Söhnen, nämlich Justus, als er dieses merkte, gab es seinem Vater und ältesten Bruder zu verstehen, welche beide sich in einer Höhle versteckten; Justus aber hielt Wache davor.
Dieser, als er die Reiter sah, ging ihnen entgegen, welche ihn fragten, wer er sei, und wo seine Mitgesellen wären, worauf er geantwortet: Ich heiße Justus und bekenne freimütig, dass ich ein Christ bin, da ich euch aber als Verfolger der Christen ansehe, so ist es mir nicht erlaubt, meine Mitgesellen zu verraten.
Als sie nun ihre Schwerter auszogen und ihm damit drohten, antwortete Justus: In Wahrheit, ich werde mich glückselig achten, wenn ich um des Namens Christi willen allerlei Strafe, ja den Tod selbst erleide; denn ich bereite mich vor, meine Seele in dieser Welt zu verlieren, damit ich dieselbe zum ewigen Leben bewahren möge.
Hierauf zog einer der Kriegsknechte sein Schwert aus, und schlug ihm das Haupt ab. Sein Vater und sein Bruder haben seinen Leichnam zu Luperam begraben, welches im Jahre 303 nach der Geburt Christi geschehen.



18.03.2019
Pancratius, ein Jüngling von vierzehn Jahren
Um des Zeugnisses Jesu willen außerhalb der Stadt Rom enthauptet
im Jahre 303




Zu derselben Zeit war ein christlicher Jüngling von vierzehn Jahren, mit Namen Pancratius, welcher, als er vor den Kaiser Diocletianus gebracht wurde, von demselben so günstig aufgenommen ward, dass er ihm sagte, er wolle ihn als seinen Sohn annehmen, wenn er von Christo abweichen und den römischen Göttern Ehre erweisen würde.
Dieser Jüngling jedoch, welcher alt war in der Erkenntnis und Liebe seines Seligmachers, hat so standhaft seinen Glauben verteidigt und die Götter verachtet, dass auch der Kaiser, welcher in Zorn entbrannte, befahl, dass man ihm auf dem Wege Aurelia, gerade außer der Stadt Rom, das Haupt abschlagen sollte.
Also hat dieser Jüngling die Ehre seines Seligmachers lieber gehabt als sein eigenes Leben, darum er auch mit Recht unter die Zahl der frommen Märtyrer gerechnet worden ist.



17.03.2019
Euplius, ein frommer Christ
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet
im Jahre 302



Auf den 12. August des Jahres 302 nach Christi Geburt wird ein gewisser frommer Christ, mit Namen Euplius, in der Stadt Catana in Sizilien von den Kundschaftern der Römer ergriffen, da er eben beschäftigt war, das Evangelium zu lesen und andere Christen zu unterweisen.
Diese nahmen ihn gefangen und brachten ihn mit seinem Buche zu dem ausgespannten Segel oder dem Richterstuhl, worin der Blutschreiber und Richter saßen.
Unterdessen rief Euplius überlaut: Ich bin ein Christ, und wünsche für den Namen Christi zu sterben.
Calvisianus, der Statthalter, als er dieses hörte, sagte: Lasset den hereintreten, der so gerufen hat.
Als nun Euplius vor Gericht kam und die evangelischen Bücher bei sich hatte, sagte einer von des Statthalters Freunden, es gebühre ihm nicht, gegen des Kaisers Gebot, solche Papiere bei sich zu haben.
Der Statthalter fragte Euplius, woher er diese Schriften habe, oder ob er sie von Haus gebracht? Euplius antwortete: Ich habe kein Haus, mein Herr Jesus Christus weiß, dass ich kein Haus habe.
Da befahl ihm der Statthalter mit lauter Stimme, aus diesen Schriften etwas zu lesen. Euplius, als er das Buch aufgeschlagen, las diese Worte:
Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn das Himmelreich ist ihr. Item: Wer mir nachfolgen will, verleugne sich selbst.
Als er diese und dergleichen Sprüche gelesen hatte, sagte der Statthalter: Was hat dieses alles zu bedeuten? Euplius antwortete: Dieses ist das Gesetz meines Herrn Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes.
Nachdem der Statthalter dieses Bekenntnis Christi gehört hatte, sagte er: Übergebt ihn den Henkern, dass er zur Folterbank geführt und so verhört werde.
Hierauf wurde er sehr jämmerlich und unmenschlich gepeinigt, ihm anbefohlen, seine bei sich habenden Schriften zu übergeben und, gleichsam Jesu Christi zur Schmach, verbrennen zu lassen, dessen er sich sehr standhaft geweigert und darüber den Namen Christi öffentlich angerufen, weil er würdig erfunden worden, um seinetwillen zu leiden.
Hierauf wurde er wieder zur Folterbank geführt und nach der vorhergehenden Weise grausam gepeinigt; doch hat er solches getreulich gelitten, den Herrn angerufen und gesagt: Ich danke dir, o Christo! Helfe mir, o Christo, um deinetwillen leide ich dieses alles, o Christo!
Der Statthalter wurde hierdurch noch mehr erbittert, ging unter das ausgespannte Segel, oder auf den Gerichtsplatz, und übergab das Todesurteil dem Blutschreiber, um solches gegen den frommen Mann abzuschreiben.
Hernach, als er wieder unter dem Segel des Gerichtsplatzes hervortrat und die Todestafel mit sich brachte, hat er das Todesurteil laut gelesen und also gesagt: Ich gebiete, Euplius, den Christen, mit dem Schwerte zu schlagen, weil er die Götter der Kaiser verachtet, die andern Götter lästert und sich nicht bekehrt. Er sagte auch ferner: Führet ihn hinweg! Als dieses Urteil abgelesen, wurde ihm alsbald das Evangelium-Buch, mit welchem er gefangen worden, an den Hals gehängt, dabei ein Ausschreier, welcher vor ihm herging, also gerufen: Euplius, ein Feind der Kaiser, wird zum Tode geführt.
Euplius ging mit Freuden nach dem Orte, wo er getötet werden sollte, und dankte Christo beständig für seine Gnade.
Da er auf den Gerichtsplatz kam, hat er mit großer Ehrerbietigkeit seine Knie gebeugt und den Herrn, seinen Gott, angebetet.
Sobald er geendigt hatte, hat er seinen Hals unter das Schwert ausgestreckt, und sein Blut zum Trankopfer für den Herrn vergossen.
Sein toter Leib ward hernach von den Christen hinweggenommen und begraben. Dieses ist geschehen zu Catana in Sicilien, im Jahre Christi 303, nach dem zwölften Tage des Monates August.


16.03.2019
Eucratis, eine tugendsame Jungfrau
um des Zeugnisses Jesu Christi willen nach vielen Schlägen und Wunden im Gefängnisse gestorben zu Cäsar-Augusta
im Jahre 302


Es wird nach dem Tode der Eulalia, aus Prudentia, von einer andern ehrbaren christlichen Jungfrau gemeldet, genannt Eucratis, welche zu Cäsar-Augusta den Geist dieser Welt zu Schanden gemacht, durch die Standhaftigkeit in ihrem Leiden, und durch die Gewalt, welche sie dem Himmelreiche angetan hat.
Die Alten geben zu erkennen, wie und auf welche Weise diese Heldin Christi gemartert worden, nämlich, dass nicht allein ihre Seiten mit Ruten und andern Instrumenten gepeinigt, sondern auch ihre Brüste abgeschnitten worden, sodass man ihre Leber sehen konnte, worauf sie wiederum ins Gefängnis gesteckt wurde und ist, weil ihre Wunden verdarben und verfaulten, welche sie um des Namens Jesu Christi willen empfangen hatte, sehr jämmerlich, aber doch mit einer fröhlichen Hoffnung gestorben.



15.03.2019
Eulalia, eine christliche Jungfrau
Um des Glaubens willen an Jesum Christum mit Lampen und Fackeln gebrannt und erstickt zu Emerita in Lusitania, in dem Jahre 302




Zu dieser Zeit war eine junge christliche Jungfrau mit Namen Eulalia, welche ungefähr 12 oder 13 Jahre alt war. Diese ward mit so großer Begierde und Eifer des Geistes entzündet, um Christi Namen zu sterben, dass sie von ihren Eltern aus der Stadt Merida irgendwo aufs Land, fern von der Stadt auf einen Hof getan wurde, woselbst sie sehr gut bewahrt und eingeschlossen ward.
Aber dieser Ort konnte nicht das Feuer ihres Geistes auslöschen noch ihren Leib länger verborgen halten; denn als sie in einer gewissen Nacht von da fortgekommen, ging sie des folgenden Tages sehr frühe vor den Richterstuhl und sprach zu dem Richter und der Obrigkeit mit lauter Stimme:
Schämt ihr euch nicht, dass ihr eure und anderer Seelen zugleich in das ewige Verderben werft, weil ihr den einigen, wahren Gott, unser aller Vater und Schöpfer aller Dinge, verleugnet? O ihr elenden Menschen, sucht ihr die Christen darum, sie zu töten? Seht, hier bin ich, eine Widersacherin eurer satanischen Opfer. Ich bekenne mit Herz und Mund Gott allein, denn Apollo und Venus sind nichtige Abgötter.
Der Schultheiß, vor dessen Richterstuhl Eulalia so freimütig geredet, ward sehr ergrimmt, rief den Henker und befahl ihm, dass er sie schnell fortnehmen, entkleiden und mit allerlei Strafen überfallen sollte, auf dass sie die Götter ihrer Väter durch die Strafe empfinde und lerne, dass es ihr schwer fallen würde, das Gebot unseres Prinzen, das ist Maximilianus, zu verachten.
Aber ehe er es so weit mit ihr kommen ließ, hat er sie mit folgenden schönen Worten angeredet:
Wie gerne möchte ich deiner schonen, wenn es möglich wäre, dass du deine Bosheit, das ist, deine halsstarrige Meinung von der christlichen Religion, vor deinem Tode widerrufen wolltest; denke doch einmal zurück, welche große Freude über deinem Haupte schwebt, welche du in dem ehrlichen Ehestande zu erwarten hast. Siehe, alle deine Freunde weinen über dich, und die betrübten wohlgeborenen Leute deines Geschlechts seufzen, dass du in der zarten Blüte deines jungen Lebens solltest sterben müssen.
Siehe, es stehen die Diener fertig, um dich mit allerlei Tormenten bis auf den Tod zu peinigen; denn entweder sollst du mit dem Schwerte enthauptet, oder von wilden Tieren zerrissen, oder mit Fackeln und Lampen geflammt und geräuchert werden, welches dir viel Heulen und Schreien verursachen wird, weil du die Pein nicht wirst ertragen können, oder du sollst zuletzt noch gar mit Feuer verbrannt werden.
Aller dieser Marter kannst du mit geringer Mühe entfliehen, wenn du mit der äußersten Spitze deiner Finger nur einige wenige Körnlein Salz und Weihrauch nimmst, und so opferst. Tochter, stimme diesem bei, und du wirst dadurch allen schweren Strafen entgehen können.
Es war dieser getreuen Märtyrerin nicht der Mühe wert, auf diese schmeichelnden und drohenden Worte des Schultheißen zu antworten, aber (mit kurzen Worten zu sagen) sie stieß die Bilder, Altar, Weihrauchfass und Opferbuch über einen Haufen.
Sogleich kamen zwei Henker hervor, welche ihre zarten Glieder zerrissen und ihre Seiten mit schneidenden Hacken und Klauen bis auf die Rippen aufschlitzten.
Eulalia nun, als sie die Zeichen und Striemen an ihrem Leibe ansah und überzählte, sagte: Siehe, Herr Jesus Christus, dein Name wird an meinen Leib geschrieben; welch ein großes Vergnügen finde ich darin, diese Buchstaben zu lesen, weil sie Zeichen deines Sieges sind; siehe, mein Purpurblut bekennt selbst deinen heiligen Namen.
Dieses sagte sie mit einem unverzagten und freudigen Angesichte, ohne ein Zeichen der Betrübnis zu erkennen zu geben, obschon ihr Blut aus den Wunden ihres Leibes, wie aus einem Brunnen, herausfloss.
Nachdem sie also mit Beißzangen bis auf die Rippen durchgraben war, haben sie mit brennenden Lampen und Fackeln die Wunden ihrer Seiten und ihren Bauch geflammt und gebrannt.
Zuletzt geriet ihr Haupthaar von der Flamme in Brand, wodurch sie, weil sie solches in ihren Mund schöpfte, erstickte.
Dieses war das Ende dieser zwar jungen, aber in Christo alten Heldin, welche die Lehre ihres Seligmachers lieber hatte als ihr eigenes Leben.
Dieses ist in Lusitania zu Emerita geschehen, heutigen Tages Merida oder Medina del Ria Secco genannt, in den äußersten und entferntesten Gegenden von Spanien gelegen, unter dem Kaiser Maximianus und dem Statthalter Dacianus, wie aus den alten Schriften und aus vorgemeldeten Schreibern ersehen werden kann.



14.03.2019
Cassianus, ein christlicher Schulmeister und Bischof von Brixen
um des Zeugnisses Jesu Christi willen auf obrigkeitlichen Befehl von seinen heidnischen Schülern getötet, zu Forum Cornelius
im Jahre 302


Es wird berichtet, dass Cassianus, Bischof der Gemeinde zu Brixen in Italien, durch die Gewalt der Verfolgung genötigt worden, in die Stadt Forum Cornelius, jetzt Imola genannt, zu flüchten, allwo er sich niedergelassen und eine Kinderschule errichtet; doch hat die Not der Verfolgung, welche auch daselbst einriss, seiner nicht geschont.
Denn kurz darauf ist er als ein Christ angeklagt worden, und nachdem er gefangen genommen war, hat ihn der Richter verhört, wie er sich ernähre, und was seine Handtierung sei, worauf er geantwortet, dass er ein Schulmeister sei, der die Kinder im Lesen und Schreiben unterrichte; gleichfalls wurde er auch nach seinem Glauben gefragt.
Als er nun nicht von seinem Glauben abstehen wollte, noch den Abgöttern opfern, wird er von dem Richter auf eine ganz ungewöhnliche Weise zum Tode verurteilt. Folgendes war das Urteil:
Lasset den Geisseler, das ist den Schulmeister, von seinen eigenen Schulkindern mit Griffeln, Pfriemen, Federn, Federmessern und andern scharfen Instrumenten, welche die Kinder in der Schule brauchen, tot sticheln, schneiden und stechen.
Hierauf wird Cassianus ganz entkleidet, ihm die Hände auf den Rücken gebunden und seinen Schulknaben übergeben, um, wie zuvor gemeldet, so gepeinigt zu werden.
Von diesen haben einige mit Steinen geworfen, einige mit Schulbrettern und Wachstafeln geschlagen, andere mit Griffeln, Federn, Federmessern und anderen scharfen Schulgerätschaften gestochen, bis endlich nach unaussprechlichen Tormenten der Tod darauf erfolgt ist, und indem er seine Seele Gott befohlen, aus diesem Jammertale erlöset worden.



13.03.2019
Phileas, Bischof der Gemeinde Jesu Christi zu Thumis in Ägypten Um der evangelischen Wahrheit willen an demselben Orte enthauptet
im Jahre 302


Es wird berichtet, dass nach dem Tode vorgemeldeter Märtyrer, Phileas, Bischof der Gemeinde zu Thunis in Ägypten, um des Glaubens an Jesum Christum willen, und weil er den Abgöttern nicht Ehre erweisen wollte, noch opfern, nach des Kaisers Plakate zum Tode verurteilt und enthauptet worden sei.
Von diesem schreibt Hieronymus, dass er, da er Bischof geworden, ein sehr schönes Buch gemacht habe von dem Lobe der Märtyrer, in Cathalogo.
Der Autor der Einleitung über den Märtyrerspiegel hat von ihm die Worte zurückgelassen: Phileas, Bischof zu Thunis, schreibt er, welchen der Richter angefleht und ihn gebeten hat, seine Hausfrau und Kinder anzusehen, blieb standhaft und ward enthauptet.
Einleitung über den Spiegel, gedruckt 1631, Fol. 43, Vol. 1, verglichen mit Mellinus, in dem ersten Buche von der Geschichte der Verfolgung und Martertum, gedruckt 1619, Fol. 101, ex Eusebio.
Ein Auszug aus den Briefen, welche der vorgemeldete Märtyrer Phileas von der Verfolgung zu Alexandria an die Gemeinde Christi zu Thumis geschrieben, und zum Trost und Ermahnung aller Gläubigen nachgelassen, enthält, wie grausam die Gläubigen gemartert worden, und wie standhaft dieselben sich darin betragen haben. Dieser erste Teil des Briefes des Bischofs Phileas ist von Eusebius Pamph. von Cäsar. so übersetzt worden in Hist. Eccl., edit. 1588, Lib. 8, Cap. 10.
Die heiligen Märtyrer, schreibt Phileas, welche mit uns gestritten, haben uns gute Exempel zurückgelassen. Denn, wie sie aus der göttlichen Schrift gelehrt waren, so haben sie die Augen ihres Herzens in Gott befestigt, und den Tod freiwillig ohne einige Furcht um der Wahrheit willen erlitten.
Denn sie dachten allezeit ohne Aufhören, dass unser Herr Jesus Christus um unseretwillen Mensch geworden, und dass er uns gelehrt, wie wir gegen die Sünde bis zum Tode streiten sollen, denn obschon er Gott gleich war, hat er solches doch nicht als einen Raub geachtet, sondern hat sich selbst erniedrigt, hat die Gestalt eines Knechtes angenommen, ist als ein Mensch befunden worden, und hat sich selbst erniedrigt bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze, dessen Exempel die heiligen Märtyrer nachgefolgt, alle Pein und Tormente erlitten und aufgenommen haben, auf dass sie das Gewissen ihres Glaubens nicht beflecken möchten, denn die vollkommene Liebe, die in ihnen war, trieb die Furcht aus.
Es ist mir nicht möglich, die Kraft, Leidsamkeit und Standhaftigkeit dieser Märtyrer auszusprechen, ja es ist fast denjenigen unglaublich, die es mit ihren eigenen Augen gesehen haben; denn es war erlaubt, dass ein jeder nach seinem Willen und Lust den Märtyrern eine Schmach antun, und sie nach Belieben peinigen konnte. Wenn jemand eine neue Art des Peinigens erdenken konnte und herbeibrachte, so durfte er selbst damit peinigen.
So weit erstreckt sich die Übersetzung des Eusebius, gedruckt 1588, was aber nun hier nachfolgt, ist von Mellinus aus dem vorhergehenden Briefe des Phileas so übersetzt worden:
Als einem jeden, schreibt er, von den Heiden volle Macht über die Christen gegeben ward, um ihnen allerlei Verdruss, Spott und Schmach anzutun, ja auf allerlei Weise sie zum Tode zu bringen, da schlugen sie einige mit Stöcken, andere mit Ruten, Geißeln, Peitschen, Besen, Riemen, Stricken und allem, was ihnen in die Hände kam, und dieser Spektakel ist zu Zeiten verändert und erneuert worden durch neue Arten von Plagen und Schlägen, welche die Märtyrer ertragen mussten.
Denn einigen wurden zuerst die Hände auf dem Rücken zusammengebunden, an einen Geißelstoß aufgehängt und alle ihre Glieder durch des Scharfrichters Werkzeuge auseinander gespannt; hernach wurden sie von den Scharfrichtern auf obrigkeitlichen Befehl über ihren ganzen Leib, nicht allein an ihren Seiten, wie man den Mördern zu tun pflegte, sondern auch über ihren Bauch, Schienbeine, Hintern, etliche an allen empfindlichen Gliedern ihres Leibes mit eisernen Ruten gegeißelt.
Andere wurden mit der einen Hand an das Gewölbe einer Galerie aufgehängt und ihnen alle Glieder ausgespannt, welches jede andere Pein weit übersteigt.
Andere band man Rücken gegen Rücken zusammen und machte sie an Säulen fest, doch so, dass sie mit ihren Füßen den Boden nicht berühren konnten. Je stärker und je gewaltiger die Henker oder ihre Trabanten die Stricke und Seile anzogen, desto mehr wurden die Märtyrer durch das schwere Gewicht ihres Leibes gepeinigt.
Und diese grausame Peinigung dauerte nicht allein solange, als der Präsident sie verhörte, sondern er ließ sie auch zu Zeiten ganze Tage lang in solcher Marter hängen.
Indem nun der Präsident oder Blutrichter von dem einen zu den andern ging, um sie auf der Folterbank zu untersuchen, hat er seine Diener sehr genau auf die vorige Achtung geben lassen, ob jemand von den christlichen Märtyrern, durch die Gewalt der Tormente überwunden, in Ohnmacht fallen würde, gebot auch seinen Scharfrichtern, dass sie dieselben je länger je mehr mit Seilen ausspannen sollten.
Aber wenn sie sehen würden, dass die Märtyrer etwa den Geist aufgeben wollten, so sollten sie dieselben herunterlassen und über die Erde, Steine, Kieselsteine, Topfscherben und Fußangeln schleppen. Denn sie betrachteten die Christen nicht als Menschen, und wenn es ihnen möglich gewesen wäre, dieselben tausendmal zu töten, so würden sie es mit Vergnügen getan haben.
Trotz allen diesen vorgemeldeten Peinigungen haben die Feinde Christi gegen seine Gesalbten oder heiligen Märtyrer noch eine andere Art der Qual erdacht; denn nachdem sie zuerst gemartert worden, haben sie einige mit den Füßen in einen Block gelegt, und ihre Beine mit einer solchen Gewalt so weit auseinander gespannt, als sie nur immer konnten, sodass sie bis ins vierte Loch ausgespannt und festgeschlossen wurden, daher die Leiber der Märtyrer notwendig hinterwärts mit ihren Rücken über den Block liegen mussten, obgleich sie der schon erhaltenen vielen Wunden halber sich weder regen und bewegen konnten.
Andere, welche von den Folterbänken oder Folterstöcken abgenommen wurden, haben sie halbtot auf die bloße Erde geworfen, welches viel schrecklicher anzusehen war, als die Peinigungen selbst.
Unter diesen starben einige unter des Scharfrichters Händen während des Peinigens, andere, in welchen noch Leben war, wurden halbtot wieder in die Gefängnisse gesteckt, wo sie wenige Tage nachher vor Schmerz starben. Wieder andere genasen und wurden durch die Länge der Zeit, in welcher sie in den Gefängnissen verharren mussten, ganz gesund.
Diese wurden jetzt aber noch viel mehr im Glauben befestigt als zuvor, denn einem jeden wurde freie Wahl gelassen, nämlich entweder die schändlichen heidnischen Opfer anzurühren, um dadurch von aller Beschwernis, ja vom Tode selbst erlöst und in Freiheit gesetzt zu werden, oder, wenn sie nicht opfern wollten, das Todesurteil zu empfangen.
Ungeachtet dessen haben sie freimütig den Tod erwählt, in der festen Überzeugung dessen, was in Gottes Wort geschrieben steht: Wer fremden Göttern opfert, soll aus dem Volke ausgerottet werden. Item: Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben. In Epis. Phil.
So weit gehen die Worte des Märtyrers Phileas selbst, wie er dieselben in einem Briefe an die Brüder seiner Gemeinde geschrieben, nämlich die von Thumis, deren Hirte er gewesen, als er noch im Gefängnisse lag, und ehe er sein Todesurteil empfangen hatte, durch welchen Brief er seine Gemeinde zum Teil wissen lassen wollte, in welchem Stande er in dem
Gefängnisse gewesen; zugleich wollte er sie dadurch in der wahren Gottseligkeit in Christo ermahnen, um darin nach seinem Tode, der kurz darauf erfolgen würde, standhaft zu bleiben.



12.03.2019
Anthimus, Bischof der Gemeinde Christi zu Nicomedien
Gleichwie auch eine große Menge der Mitglieder derselben Gemeinde um des Zeugnisses Jesu Christi willen in der Stadt Nicomedien enthauptet
im Jahre 302




Unter die ersten der Märtyrer dieser zehnten Verfolgung wird Anthimus gerechnet, welcher ein Bischof der Gemeinde Christi zu Nicomedien gewesen ist, von welchem gemeldet wird, dass er damals, um des Zeugnisses Jesu Christi willen, in der Stadt Nicomedien enthauptet worden, gleichwie eine große Menge von der christlichen Gemeinde daselbst, welche mit ihm in großer Standhaftigkeit die Märtyrerkrone erlangt haben.
Umständlichere Nachricht von der Marter und dem Tode des Anthimus nach dem Berichte von Joh. Gysius:
Um dieselbe Zeit schreibt er, ist auch nach einem herrlichen Bekenntnis enthauptet worden Anthimus, Bischof von Nicomedien, und mit ihm eine große Zahl der Gläubigen.
Nicephorus schreibt, dass er erstlich auf das Grausamste geschlagen, mit brennenden Nägeln von Holz ihm die Fersen durchbohrt, auf zerbrochene Topfscherben geworfen, glühende Pantoffeln an seine Füße getan, Haut und Fleisch von seinen Leibe gerissen, mit Fackeln gebrannt, gesteinigt und endlich enthauptet.
Denselben Weg sind auch eingetreten Tyrannion, Bischof der Gemeinde zu Tyrus, Zenobius von Sidon, Sylvanus von Gaza, desgleichen auch Pamphilus, von welchem Eusebius insbesondere ein Buch geschrieben.



11.03.2019
Zenobius und seine Schwester Zenobia
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Aegen in Cicilien nach vielen Peinigen enthauptet
im Jahre 285



Nicht lange hernach, unter demselben Kaiser und Statthalter und in demselben Jahre, ward Zenobius, der Bischof der Gemeinde zu Aegea in Cicilien, mit seiner Schwester gefangen. Der Kaiser bot ihm große Ehre und Reichtümer an, wenn er seinen Geboten gehorchen und die Götter verehren wollte, im Weigerungsfälle aber würde er sich vieler Plage, Pein und Tormente aussetzen, worauf Zenobius antwortete:
Ich habe Jesus Christus lieber als alle Reichtümer und Ehre dieser Welt; der Tod und die Tormente, womit du mir drohest, ist kein Schaden für mich, sondern der höchste Gewinn.
Lysias, nachdem er diese Antwort von dem Märtyrer empfangen hatte, ließ ihn an den Folterstock aufhängen und unmenschlich über den ganzen Leib peinigen.
Indem nun die Scharfrichter mit Zenobius beschäftigt waren, ist seine Schwester Zenobia, nachdem sie solches vernommen, herzugekommen und hat überlaut gerufen: O Tyrann! Welches Schelmenstück hat mein Bruder begangen, dass du ihn so grausam peinigen lässt?
Als sie aber den Lysias also angesprochen hatte, und seine schmeichelnden und drohenden Worten in den Wind schlug, ward sie auch von den Dienern ergriffen, ganz entkleidet und neben ihren Bruder auf ein glühendes eisernes Brett oder Bratpfanne ausgespannt, geröstet und gebraten.
Der Tyrann verspottete die Märtyrer und sagte: Lasst nun Christus kommen und euch helfen, dieweil ihr diese Marter für ihn leidet.
Zenobius rief dagegen: Siehe, er ist bereits bei uns und kühlt die Flamme des Feuers an unserem Leibe mit seinem himmlischen Tau, obgleich du solches an uns nicht sehen kannst, weil du mit dichter Finsternis der Gottlosigkeit umgeben bist.
Lysias ward beinahe unsinnig und gebot, dass sie mit ihren nackten Leibern in siedende Kessel gelassen werden sollten; als er aber sah, dass sie das siedende Wasser nicht beschädigte, oder dass sie dadurch nicht zum Abfall bewegt werden konnten, ließ er sie zur Stadt hinaus bringen und ihnen das Haupt abschlagen.
Ihre toten Leiber wurden von Cajus und Hermogenes in der nächsten Höhle begraben.
Dieses ist geschehen im Jahre Christi 285, den 30. Oktober, in der Stadt Aegea, in Cicilien.


10.03.2019
Claudius, Asterius und Neon, drei Brüder
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen gekreuzigt
Donuina und Theonilla
Um desselben Zeugnisses willen tot gepeinigt, zu Aegea in Cicilien
in dem Jahre 289




In dem zweiten Jahre des Kaisertums des Diocletianus, welches mit dem Jahre 285 übereinstimmt, wird berichtet, dass drei fromme Christen, welches geistige und natürliche Christen gewesen, mit Namen Claudius, Asterius und Neon, durch ihre Stiefmutter, welche, wie es scheint, eine heidnische Frau gewesen, samt zwei christlichen Frauenspersonen, Donuina und Theonilla genannt, zu Aegea in Cicilien bei dem Richter derselben Stadt angeklagt worden, dass sie Christen seien.
Diese alle wurden in das Gefängnis gelegt, bis zur Ankunft des Statthalters Lysius, welcher in den Landschaften von Cicilien herumgereist, und auch nach Aegea gekommen, allwo er gegen die Christen Blutgericht gehalten.

Wie Claudius zuerst gerichtlich verhört worden
Als nun Claudius zuerst vor seinen Richterstuhl gestellt ward, fragte er ihn nach seinem Namen, und ermahnte ihn, die Blüte seiner Jugend nicht so ruchlos wegzuwerfen, sondern den Göttern zu opfern und also dem Gebote des Kaisers nachzukommen, auf dass er der verordneten Strafe entgehen möchte.
Claudius antwortete: Unser Gott bedarf dieser Opfer nicht, sondern hat mehr Wohlgefallen an den Werken der Liebe und Barmherzigkeit gegen unsere Nebenmenschen, und an der
Heiligkeit des Lebens; aber eure Götter sind unreine, böse Geister, und haben ihr Vergnügen an solchen Opfern, wodurch sie denjenigen, welche sie verrichteten, die ewige Strafe bereiten; deshalb werdet ihr mich nimmermehr bewegen, dass ich sie verehren soll.
Lysias sagte: Bindet ihn an und schlagt ihn mit Ruten, denn anders kann man seine Torheit nicht bezähmen.
Claudius sagte: Mit schweren Tormenten wirst du mir kein Leid antun, sondern dir selbst die ewige Strafe über den Hals ziehen.
Lysias sprach: Unsere Herren, die Kaiser, haben geboten, dass die Christen den Götzen opfern sollen, die Ungehorsamen wollen sie bestraft wissen, und verheißen Ehre und Ämter denjenigen, welche ihren Geboten Gehorsam leisten.
Claudius antwortete: Die Gaben und Wohltaten währen nur eine kurze Zeit, aber das Bekenntnis Christi gibt ewige Ehre und Herrlichkeit.
Lysias gebot, dass man ihn an den Folterstock aufhängen sollte, unter seine Füße flammendes Feuer legen, und Stücke von seinen Fersen schneiden.
Claudius sagte: Die Gott von Herzen fürchten, können weder durch Feuer noch andere Tormente überwunden werden, wissend, dass solche ihnen zum ewigen Leben gereichen.
Lysias gebot, peinigt ihn mit Beißzangen, zerkratzt oder durchschneidet ihn mit Topfscherben, und brennt ihn hernach mit brennenden Fackeln.
Claudius sagte: Gleichermaßen sage ich, dass du dieses alles für den Satan tust, und dass mir dies alles zum Guten, dir aber zum ewigen Verderben gereicht. Ja dein Feuer und alle deine Tormente befördern meine Seligkeit; so sind unsere Umstände beschaffen, dass diejenigen, welche um des Namens Christi willen so leiden, das ewige Leben erlangen.
Lysias befahl hierauf: Lasst von ihm ab, legt ihn wieder in das Gefängnis, und lasst einen andern hervorkommen.

Asterius wird gerichtlich verhört
Asterius, der zweite Bruder, als derselbe vor dem Statthalter Lysias stand, sagte Lysias: Willst du mir gehorsam sein, Asterius? Opfere den Göttern, und entgehe der Strafe.
Asterius antwortete: Ich will es nicht tun, denn ich ehre den einigen und wahren Gott, der den Himmel und die Erde gemacht hat, und der da kommen wird zu richten die Lebendigen und den Toten.
Lysias sagte: Werft ihn auf die Folterbank, reißt das Fleisch mit Beißzangen von seiner Seite, und sagt zu ihm: Glaube zum wenigsten jetzt und opfere den Göttern.
Asterius antwortete: Ich bin ein Bruder desjenigen, der eben zuvor gepeinigt worden ist, und wir haben einerlei Bekenntnis des Glaubens an Christum; tue was du kannst, meinen Leib hast du zwar in deiner Hand, nicht aber meine Seele.
Lysias gebot: Bindet ihm Hände und Füße, spannt ihn aus, nehmt Beißzangen, werft glühende Kohlen unter seine Füße, geißelt ihn mit Ruten und Farrenschwänzen.
Asterius sagte zu dem Statthalter: Du begehest eine törichte Tat, weil du nicht mir, sondern dir selbst schwere Tormente zubereitest; meinetwegen tust du am besten, denn ich mag wohl leiden, bis kein Glied an meinem Leibe ist, das nicht gepeinigt worden.
Lysias sagte: Löset ihn auf und bewahret ihn mit den anderen, und lasset den Dritten hervorbringen, welches auch geschehen.

Neon wird gerichtlich verhört
Als nun Neon vor dem Richterstuhle stand, sagte Lysias zu ihm: Sohn, gehorche mir und opfere den Göttern, damit du nicht nötig hast, solches alles zu leiden.
Neon sagte: Es sind keine Götter, auch haben sie gar keine Macht; du dienest den Götzen, aber ich ehre den Gott des Himmels.
Lysias sagte: Ergreift ihn bei dem Halse, und lasst ihm durch den Ausschreier ansagen, dass er aufhören sollte, die Götter zu lästern.
Neon antwortete: Der die Wahrheit redet, der lästert nicht.
Lysias gebot: Spannt ihn auf die Folterbank, streut Kohlen unter ihn, schlagt und schneidet ihn.
Neon sagte: Ich weiß, was mir nötig ist, deshalb werde ich tun, was meiner Seele ersprießlich ist; aber von meinem Glauben kann ich nicht abgebracht werden.
Nachdem nun Lysias hineingegangen war zu den übrigen Ratsherrn, die im Gerichte saßen, und das Segel über den Richterstuhl hatte ausspannen lassen, hat er mit den andern das Todesurteil über die drei Brüder beschlossen, und dasselbe, als er wieder herauskam, von einer Tafel abgelesen:
Claudius, Asterius und Neon, Gebrüder, die da Christen sind, lästern die Götter, und weigern sich zu opfern, sollen vor dem Saale gekreuzigt, und ihre Leichname den Vögeln des Himmels als Aas gelassen werden, dieses soll Eulalius, der Kerkermeister, und Archelaus, der Scharfrichter, ausführen.
Doch ehe sie zum Tode geführt wurden, brachte man sie wieder in das Gefängnis.

Hierauf ward vom Kerkermeister eine von den gefangenen Frauenspersonen, Donuina, hervorgebracht, zu welcher Lysias, der Statthalter, sagte: Siehe, Frau, dieses Feuer und diese Tormente stehen für dich bereit; willst du nun, dass man dich damit verschonen soll, so opfere den Göttern.
Donuina antwortete: Ich will es nicht tun, auf dass ich nicht in das ewige Feuer und in die höllische Pein verfalle; ich diene Gott und seinem Gesalbten, Christus, der den Himmel und die Erde, und alles, was darin ist, geschaffen hat, eure Götter sind von Holz, Stein und Menschenhänden gemacht.
Donuina wird auf der Folterbank verhört
Lysias sagte: Entkleidet sie mutternackend, spannt sie aus, und zerreißet alle ihre Glieder mit Ruten. Mittlerweile sie so geschlagen wurde, gab sie den Geist auf.
Hierauf sagte der Scharfrichter Archelaus zu dem Statthalter: Bei deiner Hohheit, Donuina ist gestorben. Lysias gebot, dass man ihren Leichnam in den Fluss werfen sollte.

Eulalius, der Kerkermeister, sagte: Hier ist Theonilla.
Lysias sagte zu ihr: Frau, du hast gesehen, welche Strafe die erlitten haben, und wie sie mit flammendem Feuer gepeinigt worden, welche ungehorsam waren; so ehre denn die Götter und opfere, auf dass du von diesen Strafen mögest erlöst werden.
Theonilla antwortete: Ich fürchte denjenigen, der die Macht hat, Leib und Seele ins höllische Feuer zu werfen und verbrennen wird alle diejenigen, welche von Gott abweichen und dem Satan Ehre antun.
Lysias sagte: Gebt ihr Backenstreiche in ihr Angesicht, werft sie nieder, bindet ihre Füße und peinigt sie gewaltig.
Theonilla antwortete: Dünkt es dich recht und gut zu sein, eine wohlgeborene Frau so zu misshandeln? Du weißt, dass du das nicht vor Gott verantworten kannst, was du an mir tust.
Lysias befahl: Hängt sie an ihrem Haarzopfe auf und gebt ihr Backenstreiche.
Theonilla wird scharf verhört
Nachdem Theonilla nackend dastand, sagte sie: Schämst du dich nicht, mich zu entblößen, indem du durch mich deiner Mutter und deiner eigenen Hausfrau, die auch weiblichen Geschlechts sind, gleiche Schande antust?
Lysias fragte, ob sie einen Mann habe, oder ob sie eine Witwe sei?
Sie antwortete: Ich bin nun schon über 23 Jahre Witwe und bin also allein geblieben, um Gott mit Fasten und Wachen zu bitten, und ihm desto feuriger zu dienen, welchen Gott ich erst gekannt habe, nachdem ich die Welt und die Abgötterei verleugnet habe.
Lysias gebot, dass man zu ihrer größeren Schande ihr Haupthaar mit einem Scheermesser abschneiden sollte, um ihren Leib Dornbüschlein legen und denselben an vier Pfählen ausspannen, alsdann soll man sie über den ganzen Leib schlagen und glühende Kohlen auf ihren Bauch legen, um sie also zu verzehren.
Welches alles durch Eulalius, den Kerkermeister, und Archelaus, den Scharfrichter, ausgeführt wurde, worauf ihr Tod erfolgte, und dann zu Lysias sagten: Herr, nun ist sie gestorben.
Lysias gebot, ihren toten Leib in einen ledernen Sack zu nähen, und ins Wasser zu werfen, welches auch geschehen ist. Und also haben diese heiligen Männer unter Lysias, dem Statthalter von Cicilien, in Aegea, gelitten, auf den 13. August, in dem zweiten Jahre des Diocletian, als er mit Aristobulus Bürgermeister war, im Jahre Christi 285.



09.03.2019
Symphorianus, ein frommer Christ zu Augustodunum, gegenwärtig genannt Autun
Um des Namens des Herrn Jesu willen enthauptet
um das Jahr 275




Man berichtet, dass, da die Heiden zu Augustodunum (gegenwärtig Autun genannt) in Burgundien das Bild der Abgöttin Cybele, welche sie die Mutter der Götter nannten, an ihrem Festtage auf einem Wagen in Prozession herumführten, ein gewisser frommer Christ, mit Namen Symphorianus, dem Bilde begegnet, sich geweigert, dasselbe zu verehren, weshalb er als ein Gottloser oder Gottesverächter gefangen genommen und vor den Statthalter Heraclius gebracht worden, welcher in derselben Stadt sehr genau auf die Christen Achtung geben ließ.
Als er vor Gericht stand, fragte der Statthalter nach seinem Namen. Symphorianus antwortete, dass er seiner Religion nach
ein Christ sei, und dass er, von christlichen Eltern geboren, den Namen Symphorianus empfangen habe.
Der Richter sagte: Warum hast du die Mutter der Götter nicht geehrt, noch ihr Bild angebetet? Symphorianus antwortete: Weil ich ein Christ bin und allein den lebendigen Gott anrufe, der im Himmel herrscht; aber das Bild des Satans bete ich nicht nur nicht an, sondern wenn ihr mir’s zulassen wollt, so will ich es mit Hämmern in Stücke schlagen.
Der Richter sagte: Dieser Mensch ist nicht allein ein Kirchenräuber seines Glaubens nach, sondern auch widerspenstig und ein Rebell; aber vielleicht weiß er nichts von den Verordnungen und Befehlen des Kaisers, deshalb lasst ihm durch den Amtmann die Plakate des Kaisers vorlesen.

Nachdem die Plakate abgelesen waren, antwortete Symphorianus: Ich werde gleichwohl nimmermehr bekennen, dass dies Bild etwas anderes sei, als ein unglückseliger Abgott des Satans, wodurch er dem Menschen eingibt, dass es ein Gott sei, da es doch ein offenbarer Beweis des ewigen Verderbens aller derer ist, die ihr Vertrauen darauf setzen.
Auf dieses Bekenntnis hat ihn der Richter geißeln und ins Gefängnis stecken lassen, um ihn in einer andern Zeit zu verhören.
Eine Zeit lang darnach ließ er ihn wieder vor seinen Richterstuhl bringen, begegnete ihm freundlich und sagte: Symphorianus, opfere den Götzen, damit du mögest zur höchsten Ehrenstelle bei Hofe gefördert werden; wo nicht, so nehme ich die Götter zu Zeugen, dass ich gezwungen bin, dich heute, nach vielen Martern, zum Tode zu verurteilen.
Symphorianus antwortete: Was ist daran gelegen, ob wir dieses Leben, welches wir doch Schulden halber an Christum bezahlen müssen, an ihn übergeben. Deine Geschenke und Gaben sind vermengt mit Süßigkeit von verfälschtem Honig, womit du die Gemüter der Ungläubigen vergiftest. Unsere Schätze aber und Reichtümer bestehen allezeit und allein in Christo, unserem Herrn; sie verderben auch nicht durch Alter und Länge der Zeit; eure Begierde aber ist unersättlich, und besitzt doch nichts, wenn ihr auch schon alles in Überfluß hättet. Die Freude und Ergötzlichkeit, die du in dieser Welt genießest, ist nur feines Glas, welches, wenn es an den Schein und die Hitze der Sonne gestellt wird, einen Bruch bekommt und voneinander berstet; Gott aber allein ist unsere höchste Glückseligkeit.

Nachdem Symphorianus diese und dergleichen Reden mehr vor dem Richter gesagt, hat der Statthalter Heraclius das Todesurteil gegen ihn ausgesprochen und gesagt:
Symphorianus soll mit dem Schwerte getötet werden, weil er in offenbaren Todschulden befunden und gegen die Altäre gelästert hat.
Als dieser gottselige Bekenner zum Tode geführt worden, um Christo geopfert zu werden, hat ihn seine Mutter von der Stadtmauer herab diese tröstliche Ermahnung zugerufen und gesagt:
Symphorianus, mein Sohn, mein Sohn, gedenke des lebendigen Gottes, behalte in deinem Herzen und Gemüte eine standhafte Tapferkeit; wir können ja den Tod nicht fürchten, der uns zweifelsohne zum wahren Leben führt.
Erhebe dein Herz aufwärts gen Himmel, mein Sohn, und siehe daselbst denjenigen, der im Himmel herrscht! Heute wird dein Leben dir nicht genommen, sondern in ein besseres verwandelt. Wenn du heute standhaft bleiben wirst, so hast du einen glückseligen Wechsel getan, und wenn du ausgehst aus diesem irdischem Hause, so wirst du wohnen in dem Tabernakel, der ohne Hände gemacht ist.
Als nun Symphorianus so von seiner Mutter gestärkt worden war, ist er zur Stadt hinausgebracht und daselbst enthauptet worden, nachdem er seine Seele in die Hände Gottes befohlen zur Zeit des Kaisers Aurelianus und des Statthalters Heraclius zu Autun, in Burgundien; sein Leichnam ist von einigen Christen zur Erde bestattet worden.



08.03.2019
Mamas, ein Schafhirte
um des Zeugnisses Jesu Christi willen nach grausamer Folter zu Cäsaren in Cappadocien mit einem dreispitzigen Speere durchstochen
um das Jahr 274




Mamas, ein Schafhirte, hütete die Schafe auf dem Gebirge in der Wüste von Cappadocien, lebte sehr ärmlich ohne Hütte unter dem blauen Himmel, und nährte sich von Milch und Käse von den Schafen, wie Bastlius bezeugt.
Nazianzenus setzt hinzu, dass sich die Hirsche oder Hindinnen täglich von ihm melken ließen, und er von denselben also ernährt worden sei.
Basilius sagt, dass er aus dem Himmelslaufe die Wunderwerke Gottes, seines Schöpfers, und also die ewige Allmacht und Weisheit Gottes kennen gelernt.
Die Geschichte bezeugt von ihm, dass er in der Wüste Gottes Wort stets bei sich gehabt, und täglich darin gelesen.
Es kann wohl sein, schreibt Mellinus, dass dieser Mamas um der Verfolgung zu entgehen, zur Zeit des Decius und Valerianus, sich in die Wüste begeben habe, und bis zu den Zeiten des Aurelianus darin verblieben, wo ihn dann dessen Statthalter in Cappadocien, Alexander, aus der Wüste holen und zu Cäsarea, der Hauptstadt von Cappadacien, vor sich bringen ließ.
Der Statthalter schalt ihn einen Zauberer und Beschwörer, weil unter seiner Beschickung die wilden Tiere in der Wüste so zahm waren.
Mamas antwortete: Ich bin ein Diener Christi und weiß von keiner Zauberei, sondern wohne lieber bei den wilden Tieren, als bei euch, welche die Kraft ihres Schöpfers an mir und durch mich empfinden; ihr aber wollt Gott gar nicht erkennen.
Ich kann mich gar nicht genug über dich wundern, dass du, der du zu deinem grauen Alter gekommen bist, noch in der dichten Finsternis der Unwissenheit steckst, den wahren, lebendigen Gott verlassest, und tauben und stummen Götzenbildern göttliche Ehre erweisest.
Als man verlangte, dass er wenigstens sagen sollte, dass er den Götzen opfern wollte, um der Strafe zu entgehen, antwortete Mamas:
Ich werde nimmermehr, weder mit meinen Lippen, noch mit meinem Herzen, den wahren Gott und König Jesum Christum verleugnen; so weit bin ich davon entfernt, dass ich eher alle Leiden um des Namens Christi willen ertrage, als dass ich tue, was du verlangst, und im Gegenteil es für eine hohe Ehre, den größten Gewinn, ja sogar als besondere Wohltat erachte, welche du mir erweisen kannst.
Um welcher Bekenntnis willen ihn der Statthalter auf die Folterbank legen ließ, grausam geißeln, mit Beißzangen peinigen, mit Lampen und Fackeln in seine Seite brennen, und durch verschiedene Marter versuchen.
Als er aber sah, dass er in allen diesen und mehreren anderen Tormenten standhaft blieb, so hat er ihn zuletzt mit einem dreispitzigen Speere durchstechen lassen, und ist also unter dem Kaiser Aurelianus zu Cäsaren und Cappadocien ein treuer Märtyrer für seinen Seligmacher geworden.



07.03.2019
Privatus, Bischof der Gemeinde Jesu Christi
Zu Gevauldan, um des wahren Glaubens willen totgeschlagen
um das Jahr 274



Als Chorus König unter den Hochdeutschen, zur Zeit des Valerianus und Aurelianus, ja bis zu den Zeiten des Probus gewesen, wurde unter anderen Märtyrern, die sich in der Wüste und auf Gebirgen, von Menschen abgeschieden, auch ein gewisser Mann gefunden, mit Namen Privatus, Bischof der Gemeinde zu Gevauldan.
Dieser, als er sich in dem Gebirge aufhielt, fastete und betete, ward von den Hochdeutschen gefangen, und weil er sich weigerte, wie es einem guten Hirten zusteht, seine Schafe in die Hände der Wölfe zu übergeben und mit ihnen dem Teufel zu opfern, welches er keineswegs tun wollte, ward er von ihnen mit Prügeln so lange geschlagen, bis sie ihn für tot hielten, in Folge dessen er auch wenige Tage hernach gestorben.
Einige meinen, dieses sei unter Valerianus und Gallienus geschehen, wiewohl es sich unter Aurelianus zugetragen hat.



06.03.2019
Philippus, Privatus, Florentinus, Pontius und viele andere mehr
um des Zeugnisses Jesu Christi willen auf verschiedenen Plätzen während der Verfolgung getötet
bis ums Jahr 270


Über die vorgemeldeten Märtyrer, welche in dieser Verfolgung getötet worden sind, werden von einigen Schreibern noch verschiedene fromme Zeugen Jesu Christi angeführt, welche die Ehre Gottes lieber hatten, als ihr eigenes Leben und zu der Zeit durch denselben Kaiser gerettet worden sind, wovon wir bald Nachricht geben werden.
Ausgenommen die dreihundert Christen, welche P. I. Twisck in das Jahr 264 setzt, die in brennenden Kalköfen verbrannt wurden, weil sie dem Jupiter zu Ehren nicht Rauchwerk zum Opfer auf die Kohlen werfen wollten, wie im dritten Buche von dem Untergange zu ersehen ist, gedruckt 1617, Pag. 76, Col. 1, aus Hist. Andr., Fol. 30.
So werden noch einige Namen genannt als Philippus, Bischof der Gemeinde zu Alexandria, der unter dieser Verfolgung um des Zeugnisses Jesu Christi willen mit dem Schwerte getötet worden ist.
Florentinus und Pontius, beides fromme Männer, wurden in Frankreich um des Namens Jesu willen getötet, nebst andern, welche schon früher genannt worden sind.



05.03.2019
Drei fromme Hausleute, Priscus, Malchus und Alexander
Zu Cäsaren in Palästina von wilden Tieren zerrissen
um das Jahr 263



Unter der Verfolgung des Valerianus sind drei sehr berühmte und gottesfürchtige Märtyrer zu Cäsaren in Palästina gewesen, welche aber schlichte Landleute waren, der erste Priscus, der zweite Malchus und der dritte Alexander genannt.
Als diese, schreibt Eusebius Pamphilus Cäsariensis, bei der Vorstadt zu Cäsaren wohnten, sind sie mit einem göttlichen Eifer des Glaubens entzündet worden, haben sie untereinander (und ein jeder sich selbst, sagt Mellinus) der Trägheit beschuldigt, nachdem in der Stadt himmlische Marterkronen ausgeteilt, oder wenigstens vorgelegt wurden, sie aber nicht Lust zeigten, dieselben zu erhalten, da doch unser Herr und Seligmacher gesagt, dass man das Himmelreich mit Gewalt einnehmen müsse, und dass es ihnen nicht gebührte, so irdisch und träge zu verbleiben.
Da sie nun einander mit solchen Worten ermahnt hatten, sind sie in die Stadt gegangen und haben den grausamen Tyrannen, nämlich den Blutrichter, angesprochen und gefragt, warum er so viel Christenblut vergösse?
Der Tyrann antwortete sogleich und sagte, man solle sie vor die wilden Tiere werfen, um von ihnen verschlungen zu werden, weil es sich nicht gezieme Christenblut zu vergießen, was sogleich an ihnen vollzogen worden.

Abr. Mellinus schreibt zur Entschuldigung der drei vorgemeldeten Hausleute gegen diejenigen, welche glaubten, dass dieselben allzu freimütig gewesen und sagt unter anderen Worten also:
Wer seid ihr, dass ihr eure Brüder verurteilt? Was wisst ihr, von welchem Geiste sie gewesen sind? Niemand hat diese Tapferkeit durch sich selbst, sondern es ist Gottes Gabe, nicht allein an Christum zu glauben, sondern auch um seines Namens willen zu leiden; keines von beiden nun ist von ihm selbst, auch haben sie keinen eigennützigen Zweck dabei gehabt, sondern wollten den Namen Jesu durch ihren Tod verherrlichen, wozu sie ohne Zweifel durch göttlichen Eifer getrieben worden sind, auch ist ihr Eifer nicht ohne Erkenntnis gewesen, sondern aus der Kraft des Glaubens hervorgegangen, daher sie durch den Geist Gottes geleitet, um die Ehre Gottes durch ihren Tod zu verherrlichen, denn dieses ist allein ihr Augenmerk gewesen.


04.03.2019
Marinus, von ritterlicher Herkunft
Hat aber das Evangelium dem Schwerte vorgezogen und ist um des Zeugnisses Jesu willen zu Jerusalem enthauptet worden
um das Jahr 262

In den alten Geschichten der frommen Zeugen Jesu Christi wird von einem frommen Bürger zu Jerusalem, mit Namen Marinus, von ritterlicher Herkunft, erzählt, welcher, obwohl er unter die Ritterschaft gehörte, dennoch eine herzliche Geneigtheit zu den wahren Christen hatte, die zu derselben Zeit über alle Maßen verfolgt wurden.
Deshalb ward er von seinen Beneidern, die ihm die Ehre der Ritterschaft missgönnten, beschuldigt und hart verklagt, dass er ein Christ sei, welches er auch, als er von dem Richter gefragt wurde, bekannt hat, ja mit klarer Stimme ausgerufen, dass er wahrlich ein Christ sei.
Da hat ihm der Richter drei Stunden Bedenkzeit gegeben, ob er als ein Christ sterben, oder den Göttern und dem Kaiser opfern wolle.
Als er nun von dem Gerichte ging, hat ihn Theotecnes, der Bischof der Gemeinde in derselben Stadt, bei der Hand genommen, ihn nach dem Versammlungsplatze in die Versammlung geführt und ihn mit vielen Worten in dem Glauben gestärkt, ihm auch das Schwert vorgelegt, welches er an seiner Seite zu tragen pflegte, nebst dem Evangelium und gefragt, welches von beiden er erwählen wolle.
Als Marinus seine Hand mit einem festen Glauben nach dem Evangelium ausstreckte und solches statt des Schwertes erwählte, so sagte Theotecnes zu ihm:
O mein Sohn! Behalte, was du erwählt hast, verschmähe dieses gegenwärtige Leben und hoffe auf das ewige; gehe hin mit gutem Vertrauen und empfange die Krone, welche dir der Herr bereitet hat.
Also ist er wieder vor Gericht zurückgekehrt, und alsbald von des Herrn Diener gerufen worden, denn die gesetzte Zeit war da.
Da hat er nicht gewartet, bis man ihn gefragt, sondern hat selbst gesagt: Er habe sich bedacht und glaube, dass es vermöge des väterlichen Gesetzes ausgemacht sei, dass man Gott mehr als Menschen untertänig sein müsse.
Als er auf diese Weise geantwortet, schreibt Eusebius Pamphilus von Cäsarien, so hat der Richter alsbald das Urteil gesprochen, dass man ihn enthaupten solle.




03.03.2019
Fructuosus, Bischof der Gemeinde von Tarragona
nebst Augurius und Eulogius, seinen Diakonen
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Tarragona lebendig verbrannt um das Jahr 261



Man berichtet, dass zu dieser Zeit Fructuosus, Bischof der Gemeinde zu Tarragona, in Hispanien, nebst Augurius und Eulogius, seinen Diakonen, durch den Befehl des Statthalters Aemilianus gefangen worden sind und dass sie sechs Tage in dem Gefängnisse gehalten wurden, ehe man sie vor Gericht gebracht.
Als er vor Gericht stand, gebot ihm Aemilianus, vor den Altar zu knien und den Götzen, die darauf standen, Ehre und Opfer zu tun, und sprach unterdessen zu Fructuosus:
Ich verstehe, dass du ein Lehrer einer neulich erdichteten Religion bist, und die leichtsinnigen jungen Mägdlein ermahnst, nicht mehr nach den Wäldern zu gehen, wo man den Göttern dient, ja den Jupiter selbst zu verlassen.
Fahret nur fort, unsere Religion zu verachten, aber wisset, dass der Kaiser Gallienus mit seinem eigenen Munde ein Gebot hat ergehen lassen, womit er alle seine Untertanen verbindet, denselben Göttern zu dienen, welchen der Prinz, das ist der Kaiser, dient oder verehrt.
Hierauf antwortete der Bischof Fructuosus: Ich bete den ewigen Prinzen an, der die Tage und die
Götter selbst geschaffen hat, und der ein Herr über den Kaiser Gallienus selbst ist; und Christus, der von dem ewigen Vater selbst gezeugt ist, dessen Diener und Hirte seiner Herde ich bin.
Der Statthalter verspottete ihn und sagte: Ja, bis hierher bist du es gewesen, aber nun bist du es nicht mehr.
Unterdessen verurteilte er Fructuosus mit seinen beiden Diakonen, Augurius und Eulogius, dass sie alle drei lebendig verbrannt werden sollten.
Die getreuen Männer, nachdem sie um des Namens Christi willen das Todesurteil empfangen hatten, freuten sich über ihr bevorstehendes Martertum; und da sie das Volk weinen sahen, als sie zum Tode geführt wurden, verboten sie demselben zu weinen.
Als einige unterwegs dem Bischof Fructuosus zu trinken angeboten, um sein Herz zu laben, weigerte er sich dessen nach dem Exempel Christi und sagte: Es ist gegenwärtig unser Fasttag, ich begehre nicht zu trinken, es ist noch nicht die neunte Stunde des Tages (das ist die dritte Stunde des Nachmittags, denn eher pflegten die Fastenden nicht zu essen), der Tod selbst soll meinen Fasttag nicht brechen.
Als sie nun auf den runden Schauplatz oder Kampfbahn gekommen, wo der Nachrichter Befehl hatte, ein großes Holzfeuer zu machen, um diese frommen Märtyrer zu verbrennen, sind die gläubigen Christen, wiewohl aus herzlicher Liebe, in Uneinigkeit geraten, wer zuerst dem Bischof ihrem geliebten Hirten und Lehrer, die Schuhriemen auslösen sollte.
Fructuosus aber wollte solches nicht zulassen, sagend: Ich werde meine Füße selbst entblößen, um ungehindert in das Feuer zu gehen.
Und als er sah, dass sie weinten, sagte er: Warum weint ihr? Und warum ersucht ihr mich, euer eingedenk zu sein? Ich werde für alles Volk Christi bitten.
Da er mit bloßen Füßen an dem Feuer stand, sagte er zu dem ganzen Volke: Glaubt mir; es ist keine Strafe, welche ihr vor Augen seht, welche in einem Augenblick vorbei geht und das Leben nicht benimmt, sondern herstellt. O glückselige Seelen, welche durch dieses Zeitliche in den Himmel zu Gott aufsteigen, welche um jüngsten Tage von dem ewigen Feuer sollen erlöst werden.
Hierauf gingen sie schnell nach dem brennenden Feuer, welches alsbald die Banden, womit ihre Hände auf den Rücken gebunden waren, abbrannten, sodass ihre Hände frei wurden, aber ihre Leiber blieben in dieser heißen Glut als verbrannt stehen, indem sie Gott mit ausgestreckten Händen baten, er wolle zulassen, dass die Flamme sie doch aus der Angst des Todes schnell erlösen wolle.
Da sie nun in ihrem Gebete erhört wurden, haben sie ihre zerbrechlichen Leichname zum Pfande zurückgelassen und ihre Seelen Gott übergeben, und so sind diese drei Männer ruhig in dem Herrn entschlafen, von welchem sie zur Belohnung ihrer treuen Dienste und standhaften Zeugnisse die Märtyrerkrone und weißen Kleider, zum Zeichen ihrer Überwindung, am Tage des Urteils empfangen werden.



02.03.2019
Dionysius, Bischof der Gemeinde zu Alexandria
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen, mit zweien seiner Glaubensgenossen, Gajus und Petrus, nach vielem Leiden an einen wüsten Platz in Lybien, drei Tagereisen von Parretonius, verwiesen
um das Jahr 260




Unter verschiedenen Briefen von Dionysius, Bischof zu Alexandria, welche Abr. Mellinus aus Eusebius anführt, seine erlittene Verfolgung betreffend, wird zuletzt auch einer gefunden, welchen derselbe an Dydimus und Domitius geschrieben, von der Verfolgung der Christen unter Valerianus, unter welchen er damals auch mit ist verfolgt worden, und lautet unter anderm so:
Es ist unnötig, alle Namen der christlichen Märtyrer zu erwähnen, weil deren sehr viele und auch unbekannt sind; wisset aber von dieser Verfolgung im Allgemeinen, dass ihrer eine unzählbare Menge Männer und Weiber, alte und junge Leute, alte Frauen und junge Töchter von jedem Stand gewesen, wovon einige gegeißelt, verbrannt, andere enthauptet oder auf andere Weise Märtyrer geworden sind, und der Statthalter hörte noch nicht auf mit seiner Grausamkeit.
Die zu ihm gebracht wurden, ließ er töten, einige mit allerlei Tormenten zerreißen; andere hielt er in Banden und strengen Gefängnissen und ließ sie von Hunger und Durst aufzehren und verschmachten, gebot auch, dass niemand zu ihnen kommen sollte, ja er ließ genau auf diejenigen Acht geben, welche nur dahin zu gehen trachteten.
Nichtsdestoweniger hat der Herr der Brüder Herz also gestärkt, dass sie die geängstigten Gefangenen um des Namens Christi willen beständig besucht haben, unerachtet es bei Lebensstrafe verboten war.
Obschon diese Verfolgung eine geraume Zeit angehalten hat, so waren nichtsdestoweniger immer noch einige, welche Gott nicht gut genug gewesen, um sie als Märtyrer zu sich zu nehmen.
Unter welchen, spricht Dionysius, ich selbst bin, bis es der Herr anders mit mir machen wird; denn ohne Zweifel hat er für mich eine andere Zeit bestimmt, welche ihm am bequemsten und gelegensten sein wird.
Gegenwärtig bin ich, nebst Gajus und Petrus, allein, von allen andern Brüdern abgeschieden, in einem wüsten Platze in Lybien geschlossen, drei Tagereisen von Parretonius.
Vergleiche A. Mellin., in der Hist. der Verfolgung, gedr. 1619, 1. Buch, Fol. 79, Col. 2, mit dem Sendbriefe des Dionysius aus seiner Landesverweisung, geschrieben an Domitius und Didymus ex. Euseb. in Hist. Eccl., Lib. 7.
Diesen Brief des Dionysius haben wir vor allen andern auserwählt, weil einesteils darin die schwere Verfolgung im Allgemeinen ausgedrückt wird, andernteils die Unterdrückung, welche dieser fromme Freund Gottes selbst erlitten hat; in Betrachtung derselben, nachdem er hin und wieder vertrieben ward, mit seinen zwei lieben Freunden Gajus und Petrus, von allen seinen übrigen Brüdern abgeschieden, und in einen wüsten Platz
von Lybien geschlossen wurde; und erwartet daselbst den Tod um des Herrn Namens willen.
Es bezeugt P. I. Twisck von Dionysius, dass Tertullian von dem Abendmahle einen figürlichen und geistigen Verstand gehabt habe, dass die Worte Christi: Das ist mein Leib, so viel bedeuten, als dies eine Figur meines Leibes ist.
In dem 2. Buche von dem Untergang der Tyrannen und jährlichen Geschichten, auf das Jahr 200, Pag. 53, Col. 1, super Tertullianum.
Derselbe Autor, indem er von Origenes redet, sagt unter anderem von Dionysius, dass er nach Origenes und Heracles, der Schule der Catechumenen, das ist derjenigen, die in der christlichen Lehre von der Taufe unterwiesen wurden, zu Alexandria vorgestanden.
In dem 3. Buche von dem Untergange, gedr. im Jahre 1617, über das Jahr 231, Pag. 61.
An einem andern Orte meldet der obige Autor, dass Dionysius, welchen er einen Catechismusprediger nennt, mit Pancratius in Gesellschaft gewesen, als derselbe an dem Berge Celinus getauft wurde.
In demselben Buch über das Jahr 253, Pag. 71, Col. 1, aus Wicelio in Choro, Sanctorum Grund. Bek. Lit. B, Leonh., Lib. 1.
In dem 2. Buche, Cap. 13, führt D. Vicecomes den Dionysius aus Eusebius an, dass er sagt: Des Apostels Johannes Namen haben viele Heiden bei ihrer Taufe aus besonderer Liebe und Bewunderung für ihn angenommen, desgleichen auch um des Eifers willen, womit sie entzündet waren, um ihm nachzufolgen und weil sie wünschten, von dem Herrn geliebt zu werden, gleichwie er geliebt worden; so sind auch die Namen Petrus und Paulus den gläubigen Kindern Gottes gemein geworden.
Dieses alles, meldet der Schreiber, sind schöne Erinnerungen, welche an die Catechumenen sowohl vor als nach ihrer Taufe geschahen, welche wahrlich bei unmündigen Kindern keinen Platz haben mögen.
Bapt. Hist., gedruckt zu Dortr. im Jahre 1646 und 1647, in dem zweiten Teil, über das dritte Jahrhundert, Pag. 320.



01.03.2019
Origenes, ein Sohn des Märtyrers Leonides
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Alexandria sehr gepeinigt und nach Cäsaria Stratonis ins Elend verwiesen
um das Jahr 254




Wir haben in unserer Beschreibung der Taufe, über das dritte Jahrhundert, als über das Jahr 231, von der Meinung des Origenes gemeldet und berichtet, dass er sehr gute und heilsame Lehren, die Taufe nach dem Glauben betreffend, hinterlassen habe.
Desgleichen auch, dass er gegen das Eidschwören gelehrt, so wie gegen den Krieg oder das Kriegführen, gegen das Eheverbot, gegen die buchstäbliche Auffassung des Abendmahls, sowie gegen diejenigen, die da lehrten, aber selbst nicht darnach handelten, gegen den Antichrist.
Ebenso haben wir auch daselbst gemeldet, dass ihm Sachen als seine Meinung unterschoben wurden, wovon ihn die vornehmsten alten Schreiber, sowie spätere Autoren, freisprechen. Dieses alles kann in den angeführten Stellen nachgesehen und mit christlicher Bescheidenheit erwogen werden. Wir überlassen es daher den Verständigen zur Beurteilung.
Deshalb fahren wir fort und sprechen von seinem Martertum, und wie viel er um den Namen des Herrn Jesu hat leiden müssen.
Er hat sich, vom Anfang seiner Erkenntnis an, in große Gefahr gesetzt, wegen des Zeugnisses des Sohnes Gottes gefangen und getötet zu werden.
Denn als er erst 17 Jahre alt war und sein Vater Leonides, welchen er von Herzen liebte, um der christlichen Religion willen gefangen wurde, der nichts anderes als den Tod zu erwarten hatte, wie wir über das Jahr 202 berichtet haben, hat er denselben nicht allein durch sein Schreiben getröstet, sondern begehrte auch, wie andere Schreiber bezeugen, ihm bis ins Gefängnis, ja bis in den Tod zu folgen, welches er auch getan haben würde, wenn er nicht von seiner Mutter davon verhindert worden wäre, dass sie ihm seine Kleider wegnahm.
Einleitung Ausgabe von 1631, Fol. 38, Col. 2 aus Euseb.
Überhaupt setzte er sich öfters in Gefahr, um der christlichen Märtyrer willen, zu welchen er eine besondere Liebe hatte. Denn er hielt sich um die Richterstühle auf, als die gefangenen Christen ihre letzte Verantwortung vorbrachten, und ihr Todesurteil empfingen. Alsdann stärkte er sie, wenn sie schwach wurden, und sprach ihnen Mut ein; er ging mit ihnen zum Tode und bis zum Gerichtsplatze; er gab ihnen den letzten Kuss des Friedens zum brüderlichen und freundlichen Abschiede, sodass er oft ums Leben gekommen wäre, wenn ihn Gott nicht merklich und wunderbar bewahrt hätte.
Es wurde seinem Leben hinterlistig nachgestellt, so wie auch dem Hause, wo er wohnte, durch Soldaten, welche die Feinde der Wahrheit dazu gemietet hatten, ihn zu fangen oder zu töten. Er konnte daher, der heftigen Verfolgung wegen, nicht länger zu Alexandria, wo er auferzogen war, wohnen bleiben, umso mehr, da ihn die Gläubigen daselbst, da er so sehr bekannt war, nicht länger verbergen konnten.
Seine lieben Jünger, welchen er die Wege Gottes getreulich gelehrt hatte, waren um des Namens Jesu Christi willen meist alle getötet, nämlich, Plutarchus, Heraclides, Hero, die zwei frommen Männer, Serenus genannt, wie auch Rhais, Marcella und andere, von welchen über das Jahr 203 und 204 nach Christi Geburt Meldung geschehen ist.
Also, dass es für ein Wunder angesehen werden kann, dass dieser Mann Origenes so lange gelebt hat in der Mitte tödlicher Verfolgungen, von seinem siebzehnten Jahre an bis zu seinem siebzigsten, welches über fünfzig Jahre beträgt.
Zuletzt hat sich das Maß der Leiden so über ihn zusammengehäuft, dass er nicht nur im tiefsten Gefängnisse, mit eisernen Ketten um den Hals gebunden, bewahrt, sondern auch noch die Füße in den Stock gelegt und so weit auseinander gezogen wurden, dass dadurch vier Löcher an demselben entstanden; außerdem noch mit Feuer und Flamme und allerlei andern Tormenten gepeinigt, welches alles er mit der größten Geduld ertrug.
Gleichwohl melden die alten Schreiber, dass er nicht auf gerichtliche Weise zu Tode gebracht, sondern, wie Epiphanius schreibt, nach Cäsaria Stratonis ins Elend verwiesen worden. Doch ist er endlich nach Tyrus gezogen, woselbst er unter Gallus und Bolsianus gestorben und begraben worden.

Es sind einige, welche Origenes des Abfalls beschuldigen, es haben ihn aber verschiedene treffliche Schreiber davon freigesprochen, wiewohl er in Ansehung seiner Erkenntnis nicht ohne Schwachheiten und Gebrechen gewesen.
Eusebius Pamphilus Cäsariensis preiset seine Tugend über die Maßen und sagt, dass er keine Gemeinschaft mit Paulus Antiochenus zu haben begehrte, weil derselbe mit Irrtümern befleckt war. Von ihm gebrauchte man das Sprichwort: Dieser ist es, der da lebt, wie er lehrt, und lehrt, wie er lebt.
Er verkaufte seine Bücher von der heidnischen Weisheit, unter der Bedingung, dass ihm des Tages seiner Notdurft vier Pfennig davon gegeben werden sollten, damit er niemand zur Last falle.
Er gab allen seinen Jüngern ein Beispiel der Armut, damit sie allen Besitz verleugnen möchten; daher wurde er auch von einem jeden geliebt, denn er hatte mit niemand Streit um zeitliche Güter. Nur einige waren unzufrieden mit ihm, weil er sich weigerte, dasjenige anzunehmen, was ihm zu seines Leibes Unterhalt angeboten wurde.
Man sagt, schreibt Eusebius, dass er viele Jahre mit bloßen Füßen gegangen, weder Wein noch dergleichen getrunken, ausgenommen, was des Lebens Notdurft erforderte, so lange, bis ihn die Brustkrankheit, welche ihn in Lebensgefahr setzte, dazu genötigt.
Abr. Mellinus hat diejenigen widerlegt, welche Origenes des Abfalls beschuldigten, obwohl er seinem Missverstand, seine Irrungen, wie er sich ausdrückt, nicht das Wort reden will. Wenn die Geschichte von dem Abfall Qrigenes, schreibt er,
Wahrheit wäre, so würde Porphyrius, welcher um diese Zeit gegen die Christen geschrieben und dem Origenes am meisten aufsässig gewesen, in seinen Schriften davon berichtet haben, umso mehr, weil er Origenes Lehrmeister, Ammonius, unrechtmäßiger Weise des Abfalls wohl beschuldigen durfte; wie viel mehr Recht hätte er gegen Origenes gehabt, wenn er in der Tat abgefallen wäre! Aber er bekennt im Gegenteil, dass er bis an sein Ende christlich gelebt habe. Später schreibt er also: Was sein christliches Leben und standhafte Erkenntnis des Namens Christi angeht, so geben selbst seine Beneider und Feinde ein gutes Zeugnis davon, und wir haben daran nicht zu zweifeln.




28.02.2019
Maximus, ein frommer Christ zu Ephesus
Nach vielem Peinigen mit Steinen totgeworfen
um das Jahr 255




Kurz nach dem Tode des Pionius und vorgemeldeter Märtyrer hat, dem Berichte nach, ein gewisser frommer Christ gelitten, mit Namen Maximus, ein Bürger von Ephesus.
Von welchem wir, um die Sache aufs kürzeste, klarste und einfachste vorzustellen (anstatt des Zeugnisses der Väter), die Verhandlung selbst, wie sie vor dem Statthalter sich zugetragen und von den Schreibern im Gerichte beschrieben worden, ausschreiben oder abkopieren wollen und lautet also:
Maximus, ein Bürger zu Ephesus, gefangen, und vor den Statthalter von Asien, Optimus genannt, gebracht, wird gefragt, wie er heißt. Er antwortete: Ich heiße Maximus. Der Statthalter fragte: Wes Standes bist du, das ist, frei oder dienstbar geboren? Maximus sagte: Ich bin meiner selbst und frei geboren, bin aber doch ein Diener Christi, und besorge meine eigenen Sachen. Der Statthalter sprach: Bist du denn ein Christ? Maximus antwortete: Obgleich ich ein Sünder bin, so bin ich nichtsdestoweniger doch ein Diener Christi.
Der Statthalter fragte: Kennst du nicht die Plakate der unüberwindlichen Prinzen, welche hierher gesandt sind? Maximus fragte wiederum: Welches sind die? Der Statthalter antwortete, dass alle Christen ihren Aberglauben verlassen und den wahren Prinzen erkennen sollen, dessen Macht alles unterworfen ist, und dass sie keine Götter anbeten sollen. Maximus sagte: Ja, ich habe das unbillige Gebot des Prinzen oder Kaisers wohl verstanden, und daher komme ich, mich selbst hiergegen öffentlich zu erklären. Der Statthalter sprach: So opfere dann den Göttern. Marimus sagte: Ich opfere für niemand, als für Gott allein und freue mich, dass ich von Kindesbeinen an mich selbst Gott allein aufgeopfert habe. Der Statthalter sprach wiederum: Opfere, auf dass ich dich nicht auf verschiedene Weise peinigen lasse. Maximus sagte: Dieses ist’s, welches ich jederzeit gewünscht habe, dass, wenn ich dieses zeitlichen und hinfälligen Leibes beraubt werden sollte, ich zu dem ewigen Leben gelangen möge.
Deshalb gebot der Statthalter seinen Kriegsknechten, dass sie Maximus mit Stöcken schlagen sollten. Mittlerweile nun, als er geschlagen wurde, sagte der Statthalter zu ihm: Opfere, Maximus, damit du von diesen Tormenten befreit werden mögest! Maximus sagte: Was ich um des Namens meines Herrn Jesu Christi willen gern und willig aufnehme, solches sind keine Tormente, aber wenn ich von Christo abweiche, so habe ich die wahren und ewig dauernden Tormente zu erwarten.
Deshalb ließ ihn der Statthalter an den Folterstock aufhängen und erschrecklich peinigen, und sagte zu ihm: Siehe nun, wozu du durch deine Torheit gekommen bist, und opfere, damit du dein Leben gewinnen und erhalten mögest. Maximus antwortete: Wenn ich nicht opfere, so werde ich mein Leben gewinnen, aber wenn ich opfere, so werde ich dasselbe verlieren. Denn weder Pfähle, noch schneidende Hacken, deine Klauen oder Beißzangen, noch dein Feuer und deine Flammen tun mir weh, und ich fühle auch keine Pein davon, weil die Gnade Christi in mir bleibt.
Hierauf hat der Statthalter das Todesurteil gefällt, welches also lautet: Ich gebiete, dass Maximus totgesteinigt werde, den andern Christen zu einem Spiegel und Schrecken, weil er seinen Sinn nicht unter die Gesetze hat beugen wollen, dass er nämlich der großen Diana von Ephesus geopfert hätte.
Soweit erstrecken sich die Worte, wie sie von dem Blutschreiber in dem Gerichte selbst geschrieben sind.
Der Christ, welcher diese Verhandlungen ausgeschrieben, setzt noch nachfolgendes hinzu, indem er sagt: So ward denn dieser fromme Kämpfer Christi von den Dienern des Satans hinweggeschleppt, außerhalb der Stadtmauer gebracht und gesteinigt.
Mittlerweile, als er hinweggeführt und gesteinigt wurde, dankte er Gott von ganzem Herzen, der ihn würdig gemacht hatte, den Teufel im Streite zu überwinden. Er übergab also seine Seele in die Hände seines Herrn Jesu Christi. Also hat dieser fromme Zeuge unter dem Werfen vieler Steine sein Leben zu Ehren Jesu übergeben, und ist in das Register der heiligen und standhaften Märtyrer aufgezeichnet worden.
A. Mellinus in dem ersten Buche der Verfolgungen, gedruckt im Jahre 1619, Fol. 72, Col. 3–4, ex actis Procons. Item Aug., Lib. de Doctrina Christ., Cap. 26. Item contra Donatist. super alia Acta Cita.




27.02.2019
Pionius, Bischof der Gemeinde zu Smyrna
In der Stadt Smyrna um des Zeugnisses Jesu Christi willen an ein Holz genagelt und lebendig verbrannt
im Jahre 254




In dieser Zeit wird auch von einem gewissen frommen Christen, mit Namen Pionius, gemeldet, der ein sehr berühmter und tugendhafter Mann gewesen sei, der auch allezeit ohne Furcht vor den Richtern stand, und wie Eusebius erklärt, immer standhaft auf alle ihre Fragen antwortete; ja er lehrte und disputierte vor den Richterstühlen, sodass diejenigen, welche durch die Verfolgung wankten, dadurch gestärkt und aufgerichtet wurden.
Im Gefängnisse stärkte er die Brüder und machte ihnen Mut, um standhaft bis ans Ende in dem Glauben für den Herrn zu streiten, worin er ihnen immer ein guter Vorgänger gewesen ist.
Zuletzt ist er, nach dem Zeugnisse des Eusebius, auf ein Holz genagelt und ins Feuer geworfen worden, und hat also ein seliges Ende seines Lebens genommen.
Euseb. Pamph. Caesarien, Hist. Eccles., gedr. 1588, Lib. 4, Cap. 15, genommen aus dem Briefe an die von Smyrna, betreffend den Tod des Polycarpus und einiger Märtyrer, welche ihm nachgefolgt sind.
Näherer Bericht von den Umständen des Todes von Pionius, nach Anweisung verschiedener Autoren:
Wir wollen uns der kürzesten Weise befleißigen, und anstatt alles zu erzählen, was sie zugetragen, nur die letzten Umstände seines Todes erwähnen.
Als der Statthalter nach sehr langem Wortstreit zu Pionius sagte: Warum eilest du so sehr zum Tode?, antwortete Pionius: Ich eile nicht nach dem Tode sondern nach dem Leben.
Der Statthalter sagte: Du tust nicht wohl, dass du so sehr nach dem Tode eilest. Du eilest denjenigen nach, welche um eines kleinen Gewinns willen den Tod verachten, und sich selbst anbieten, mit den wilden Tieren zu kämpfen; aber weil du den Tod so sehr verachtest, sollst du lebendig verbrannt werden.
Dieses Urteil wurde ihm von einer Tafel, mit römischen Buchstaben beschrieben, vorgelesen: Wir haben Pionius verurteilt, lebendig verbrannt zu werden, weil er bekannt hat, dass er ein Christ sei.
Nachdem nun Pionius also zum Tode verurteilt worden, ward er nach dem Orte gebracht, wo er verbrannt werden sollte. Dort angekommen, entkleidete er sich selbst, und als er seinen nackten Leib ansah, hob er seine Hände gen Himmel aus, und lobte und dankte Gott, dass er ihn sauber und unbefleckt von den Abgöttern bis auf diese Stunde bewahrt habe.
Unterdessen hat er sich auf das Brandholz gelegt, sich selbst darüber ausgestreckt und an die Kriegsknechte übergeben, um an das Holz genagelt zu werden.
Als er nun auf das Holz geheftet ward, sagte zu ihm der Diener: Bekehre dich und verändere deine Meinung, so wollen wir die Nägel wegnehmen.
Pionius antwortete: Ich meine ja, sie wären alle darin, und nachdem er sich ein wenig bedacht hatte, sprach er zu Gott: Darum eile ich, o Herr, zu dem Tode, um desto eher (oder herrlicher) aufzustehen. Nachdem er auf das Holz genagelt war, ward er aufgerichtet und mit dem Angesichte gen Osten gekehrt.
Da nun ein großer Haufen Holz zusammengebracht ward, womit er verbrannt werden sollte, schloss er eine Zeitlang seine Augen, sodass das Volk meinte, er sei bereits gestorben; aber er betete in seinem Herzen.
Denn, nachdem er sein Gebet geendigt hatte, tat er die Augen wieder auf; da loderte auf einmal die Flamme sehr hoch empor, und er sagte mit freudigem Gesichte diese letzten Worte seines Vertrauens: Amen, o Herr, nimm meine Seele auf!, und übergab seinen Geist in die Hände Gottes, ganz ruhig, ohne ein Zeichen einer Pein von sich zu geben.
Dieses ist geschehen, als Julius Proculus Quintilianus Statthalter in Asien war, als der Kaiser M. Q. T. Decius zum dritten, und Gratus zum zweiten Male Bürgermeister zu Rom waren, in dem 254. Jahre unseres Seligmachers, aus Kraft der siebten Verfolgung unter dem Kaiser Decius, zu Smyrna in Kleinasien.



26.02.2019
Babylas, Bischof der Gemeinde zu Antiochien
Nebst drei Jünglingen Urbanus, Philidianus und Epolonius, um des Namens Jesu Christi willen zu Antiochien enthauptet
um das Jahr 254




Babylas, Bischof der Gemeinde zu Antiochien, der Hauptstadt von Syrien, an dem Flusse Orontes gelegen, war ein sehr gottseliger und getreuer Hirte der Herde Christi. Welcher, als er zuvor wusste, dass der Gemeinde Christi eine schwere Verfolgung über dem Haupte hing, nicht allein Männer und Frauen, sondern auch Kinder sehr fleißig in den Anfängen des christlichen Glaubens unterwiesen hat, und in seinen Predigten beständig ermahnt, nicht allein an Christum zu glauben, sondern auch für seinen Namen zu leiden.
Die Ursache der Gefangenschaft Babylas wird von den Alten in der Kürze so beschrieben, nämlich, dass der Kaiser Decius zu einer von den Christenversammlungen gekommen und eingelassen zu werden begehrt habe; doch habe der Hirt derselben Versammlung oder Gemeinde, nämlich Babylas, ihm, um die Versammlung zu verschonen, sich freimütig widersetzt und gesagt, es gebühre sich nicht, auf eine solch ruchlose Weise in das Haus des lebendigen Gottes zu kommen und die Geheimnisse des Herrn mit unreinen Augen anzuschauen, oder mit seinen mörderischen Händen, die noch voll Bluts wären, anzutasten.
Der Kaiser konnte dieses nicht ertragen und ließ Babylas
nebst einigen andern ergreifen, mit eisernen Ketten binden und in schwere Gefängnisse legen.
Die Namen derer, welche mit ihm gefangen und endlich getötet worden, wie aus den aufgezeichneten Verhandlungen (Akten) hervorleuchtet, sind drei Jünglinge, die Gebrüder Urbanus, Philidianus und Epolonius gewesen, welche, wie einige meinen, seine leiblichen, andere sagen, seine geistlichen Kinder gewesen sind, weil er sie durch die Lehre der Weisheit Christo gezeugt hatte.
Als nun die Zeit seines Abschieds herannahte, dass er sollte geopfert werden und seine Jünger oder andere gute Freunde zu ihm in das Gefängnis kamen, hat er zuletzt sie ersucht und ernstlich von ihnen begehrt, dass sie ihn doch mit seinen Banden, Ketten und Fesseln begraben möchten.
Was sein Ende und Tod anbetrifft, so schreibt Eusebius Pamphilus von Cäsarien also:
Zu Antiochien ist der Bischof Babylas nach seinem Bekenntnisse, gleich Alexander, in dem Gefängnisse in dem Herrn entschlafen.
Hist. Eccles., edit. Anno 1588, Lib. 6, Cap. 2, Fol. 121, Lit. F,G.
Dieweil aber alle andern Altväter, die von Babylas geschrieben haben, von ihm melden, als von einem Märtyrer, so berichten sie auch dabei, dass er mit dem Schwerte hingerichtet worden sei.
Die Verhandlungen von seinem Tode, welche Suidas und andere getreulich aus den ältesten Skribenten zusammengetragen, lauten also:
Als Babylas von dem Kaiser Decius mit den zuvor gemeldeten drei Jünglingen zum Schwerte verurteilt ward, sang er auf dem Weg zum Richtplatz die tröstlichen Worte aus dem 116. Psalm:
Kehre wieder, meine Seele, zu deiner Ruhe, denn Gott, der Herr, hat dir Gutes getan; er hat meine Seele aus dem Tode gerückt, die Tränen von meinen Augen abgewischt, meine Füße vor dem Fallen bewahrt, hinfort werde ich vor dem Herrn wandeln im Lande der Lebendigen.
Als nun Babylas und die drei Jünglinge an den Ort gekommen, wo sie sollten enthauptet werden, begehrte Babylas, dass man zuerst die drei Jünglinge, es sei, dass sie seine körperlichen oder geistigen Kinder gewesen, vor seinen Augen töten sollte, auf dass sie nicht möchten durch seinen Tod abgeschreckt werden, noch den Mut aufgegeben, für den Namen Christi zu sterben.
Als aber die Scharfrichter beschäftigt waren, die Kinder hinzurichten, rief er den Herrn an und sprach: Siehe, hier bin ich, Herr, und die Kinder, die du mir gegeben hast. Also sprach er den Kindern einen guten Mut ins Herz, um standhaft für den Herrn zu leiden.
Nach diesem ist Babylas sehr getrost in dem Herrn entschlafen und hat seine Seele, wie gemeldet, in die Hände des Herrn übergeben, um dieselbe in die ewige Ruhe zu bringen, wovon er vor seinem Tode geredet hatte.
Die Mutter von diesen Kindern und die Brüder der Gemeinde von Antiochien haben die Leichname dieser Märtyrer ehrlich zur Erde bestattet mit Ketten und Fesseln, womit Babylas gebunden gewesen. Also hat dieser gute Vater mit seinen lieben Kindern auf einen Tag einen ehrlichen Abschied aus dieser Welt genommen, und erwarten also die selige Hoffnung und die Offenbarung des großen Gottes und ihres Seligmachers Jesu Christi, um dessen Ehre und Verherrlichung sie gelitten haben



25.02.2019
Nemesius, ein frommer Christ zu Alexandria
Um des Glaubens an Jesum Christum willen verbrannt
um das Jahr 253


Die Bosheit der Tyrannen war so hoch gestiegen, dass sie die sanftmütigen und wehrlosen Lämmer Christi als Mörder schalten und unter solchem Namen vom Leben zum Tode zu bringen suchten.
Unter diesen Beschuldigten war ein frommer Nachfolger Christi mit Namen Nemesius (sonst Nemesis genannt), welcher, da er auch mit denselben Flecken besudelt war, sich vor allen Dingen durch eine offenherzige, freimütige und klare Verantwortung gereinigt hat.
Darüber ward er aber von seinen Anklägern beschuldigt, dass er ein Christ und ebenso wohl des Todes schuldig sei.
Wie Eusebius schreibt, so ist in diesem Artikel von dem Richter kein Maß gehalten worden. Denn er ließ ihn zuerst mit doppelten Tormenten peinigen und gebot hernach, dass man ihn mit den Mördern verbrennen sollte, doch unwissend, um seiner Grausamkeit willen, dass dieser heilige Märtyrer hierin unserem Seligmacher gleich war, der um der Seligkeit des menschlichen Geschlechtes willen, unter den Mördern gekreuzigt worden.
Hierauf sagt Abr. Mellinus: Er, nämlich der Blutrichter, hat ihn, den Märtyrer, seinem Herrn Christo gleichförmig gemacht und ihn nach seinem Exempel zwischen die Straßenräuber gesetzt, hernach aber mit glühendem Feuer lebendig verbrannt.



24.02.2019
Heron, Ater und Isidorus
um des Glaubens willen verbrannt und
Dioscorus, ein Jüngling von fünfzehn Jahren
nach vielen Peinigungen frei gelassen zu Alexandria
um das Jahr 253

Heron, Ater und Isidorus waren von Geburt Ägypter, als auch nebst ihnen ein Jüngling von 15 Jahren, Dioscorus genannt, diese wurden gleichfalls dem Richter von Alexandria überliefert.
Der Richter nahm zuerst den Jüngling vor, in der Hoffnung, ihn am leichtesten zu überreden und mit süßen Worten zu betrügen, oder sonst durch Tormente, deren er, wie Eusebius meldet, viele erlitten, zur Verleugnung des christlichen Glaubens zu bringen.
Aber Dioscorus, der vortreffliche Jüngling, hat sich nicht bewegen lassen, weder durch schöne Worte noch durch Gewalt der Pein, um dem Richter gehorsam zu sein.
Die drei andern Männer, nämlich Heran, Ater und Isidorus, ließ er grausam geißeln und setzte an sie mit vielen Schlägen, in der Meinung, sie vom Glauben abzubringen.
Nachdem aber der Richter bemerkte, dass sie alle diese Marter tapfer ertrugen, um des Glaubens willen an Jesum Christum, hat er sie den Schergen übergeben, um lebendig verbrannt zu werden.
Ausgenommen den Jüngling, Dioscorus genannt, hat der Richter teils um seiner Tapferkeit, teils um seiner vorsichtigen Antworten willen, die er zur Verwunderung ihm auf jede Frage zu geben wusste, freigelassen und sagte, er wolle in Betracht seiner Jugend ihm noch eine Zeitlang durch die Finger sehen, auf dass er unterdessen sich selbst möchte bedenken und Reue fühlen.
Die andern Schreiber aber berichten, dass, da er zu der Gemeinde Jesu Christi gekommen, er von Gott zu einer Befestigung und Trost seines Volkes sei gesetzt worden und erwartet einen langwierigen und schwereren Streit und eine größere und vollkommenere Belohnung. Deshalb er um derselben Ursache, als auch um seiner vorhergehenden Leiden willen, unter die frommen Märtyrer ist gerechnet worden.



23.02.2019
Vier gottesfürchtige Frauen, nämlich zwei mit Namen Ammonaria, als auch Mercuria und Dionysia
Um des Bekenntnisses Jesu Christi willen zu Alexandria enthauptet um das Jahr 253

Auch hat Gott in dieser Zeit seine Kraft wunderbar erwiesen an einigen Frauen, unter welchen ihrer vier
namhaft gemacht werden, zwei mit Namen Ammonaria, und Mercuria samt Dionysia.
Diese zwei letzten, nämlich Mercuria und Dionysia, waren betagte Frauen, von welchen eine Mutter vieler Kinder war, die sie gleichwohl alle um Christi willen verlassen hat.
Die andern zwei waren, wie es scheint, ungetraute Personen oder junge Töchter, welche ihren himmlischen Bräutigam Jesum Christum lieber hatten, als dass sie auf etwas Irdisches gehofft haben sollten.
Von diesen allen wird gemeldet, dass sie so standhaft bei dem Bekenntnis Jesu Christi geblieben, dass sich auch der Richter darüber geschämt, weshalb er sie, um ein Ende damit zu machen, enthaupten ließ.



22.02.2019
Macar, Epimachus und Alexander,
Nachdem sie viel gepeinigt worden, werden zu Alexandria lebendig verbrannt, um das Jahr 253

Es war noch ein anderer frommer Christ, mit Namen Macar oder Macarius, von Geburt aus Lybien. Diesem ward von dem Richter mit vielen Worten angeraten, er solle Christus verleugnen, aber er hat um so viel mehr seinen Glauben allezeit standhaft bekannt.
Zuletzt hat der Richter befohlen, dass man ihn lebendig verbrennen solle, was auch geschehen ist.
Epimachus und Alexander sind nach dem Tode Macars nicht lange gefangen gewesen, sondern nachdem sie viel Pein und Schmerzen erlitten haben, nämlich mit Schermessern beschnitten, durch Geißeln zerrissen, an den empfindlichsten Gliedern ihres Leibes zerkratzt, sind sie endlich mit flammendem Feuer lebendig verbrannt worden.



21.02.2019
Julianus, ein alter Mann
Mit seinem Freunde Eunus auf einem Kamele sitzend herumgeführt, scharf gegeißelt und zuletzt lebendig verbrannt, um das Jahr 253

Es war an gemeldetem Orte zu derselben Zeit ein alter Mann, welcher wegen großer Gichtschmerzen nicht gehen konnte, sondern getragen werden musste, mit Namen Julianus, der von den Alten wegen seiner Tugend für einen sehr ehrwürdigen Mann begrüßt ward.
Dieser wird, laut des kaiserlichen Plakats, welches gegen die Christen herausgegeben war, von zweien, die ihn trugen, vor den Richter gebracht, um von seinem Glauben Rechenschaft zu geben.
Alsbald ist einer von denen, die ihn trugen, sich vor dem Verhör oder der Folterbank fürchtend, von dem Glauben abgefallen, weshalb wir seinen Namen nicht würdig achten, hierher zu setzen; aber der andere, mit Namen Eunus, ist sehr beständig, nebst dem alten Manne Julianus, der sein lieber Freund war, bei dem Glauben geblieben, daher beide, ungeachtet vieler schwerer Tormente, ein gutes Bekenntnis von selbst getan haben.
Hernach hat man beide nackend auf Kamele gesetzt und durch die ganze Stadt Alexandria, welche sehr groß ist, geführt, mit schweren Schlägen gegeißelt, und zuletzt vor ein großes und hoch brennendes Feuer gebracht, wo sie beide hineingeworfen und Angesichts einer großen Menge Volkes, welches rund herum stand, lebendig verbrannt wurden.



20.02.2019
Serapion von Ephesus
Ein frommer Mann zu Alexandria, um des Zeugnisses Jesu Christi willen zergliedert, hernach zum Fenster hinausgeworfen und getötet
im Jahre 252


Als die vorhergehende Blutdürstigkeit der Heiden zu Alexandria nicht aufhörte, sondern nur größer ward gegen diejenigen, welche den Namen Jesu Christi bekannten, so ist es geschehen, dass sie ihre Hände an einen frommen Christen mit Namen Serapion gelegt, welcher in Ephesus geboren war.
Diesen haben sie in seinem Hause zerrissen, ihm fast alle Glieder abgenommen, und zuletzt zum Fenster hinausgeworfen, worüber er nach vielen Tormenten, nachdem er seine Seele Gott befohlen, den Tod erlitten hat, und ist also unter die Zahl der beständigen und seligen Märtyrer gerechnet worden.



19.02.2019
Apollonia, eine betagte Tochter
Um der evangelischen Wahrheit willen nach vielen Tormenten lebendig verbrannt, zu Alexandria
im Jahre 252


Apollonia war eine betagte Jungfrau; diese haben die Feinde der Wahrheit gefangen genommen und ihr mit Fäusten und Backenschlägen alle Zähne aus dem Munde geschlagen.
Unterdessen haben andere ein großes Feuer mit Holz angemacht und ihr gedroht, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie nicht die Götzen ehren und Christum verleugnen würde.
Aber dieser jämmerliche Tod hat sie nicht abgeschreckt und sie wollte lieber in das Feuer gehen (wie Gysius angeführt) und ihr zeitliches Leben verlieren, als von Christus abfallen und ihr zeitliches Leben mit Verlust ihrer Seele erhalten.
Angehend die Art ihres Todes und ihre große Festigkeit zu demselben, gibt Abr. Mellinus davon folgenden Bericht, indem er sagt:
Diese Jungfrau war verurteilt, verbrannt zu werden, oder den Namen Christi zu lästern; weil sie aber vor dem letzteren einen Abscheu hatte, wollte sie bezeugen, dass sie gern und willig für Christum sterben wollte.
Siehe Eusebius, Mellinus und Gysius in dem Buche und Bogen, wie über die Marter der Metrea und Cointha angemerkt ist.


18.02.2019
Cointha, eine gläubige Frau
Um des Zeugnisses des Sohnes Gottes willen zu Alexandria über die Straßen geschleift, an Mühlsteinen gerieben, mit Steinen beworfen
im Jahre 252


Darnach wurde eine ehrbare gläubige Frau mit Namen Cointha (oder Quinta, wie sie von andern genannt wird) ergriffen. Diese wird in einen Götzentempel gebracht, vor die Götzen gestellt und mit Gewalt genötigt, dieselben zu ehren.
Als sie aber die Götzen verabscheute und ihnen den Rücken kehrte, banden sie ihr die Beine zusammen und schleppten sie durch alle Straßen der Stadt Alexandria, schlugen sie mit Ruten und rieben ihren nackten Leichnam, wie etliche Schreiber angezeigt haben, an Mühlsteinen.
Da sie nun diese Frau lange genug geschleppt, geschlagen und gerieben hatten, sodass ihr Leichnam ganz zerrieben und zerrissen war, haben sie dieselbe zuletzt in die Vorstadt gezogen und daselbst mit einer Menge Steinen beworfen, sodass sie damit ganz bedeckt ward.



17.02.2019
Metras, ein gottesfürchtiger alter Mann
Um Christi willen zu Alexandria mit Rohr durchstochen und gesteinigt
im Jahre 252

Metras, sonst Metranus genannt, ein gottesfürchtiger alter Mann, wird von dem aufrührerischen Volke in Alexandria gefangen und ihm anbefohlen, lästerliche Worte gegen Gott zu sprechen, nämlich den Namen Gottes zu lästern, und den Seligmacher Jesum zu verleugnen.
Als er aber solches zu tun sich weigerte, haben sie ihn über seinen ganzen Leib mit Prügeln geschlagen, sein Angesicht und Augen mit scharfem Rohr zerritzt und durchstochen, und ihn also gemartert, zur Stadt hinausgeführt in die Vorstadt, wo sie ihn mit Steinen totgeworfen haben.



16.02.2019
Alexander von Jerusalem und Andere
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Jerusalem getötet
im Jahre 247



Alexander von Jerusalem, welcher daselbst ein Bischof der Gemeinde Christi gewesen, hat gleichfalls viel um der Wahrheit Christi willen gelitten.
Eusebius Pamphilus von Cäsarien schreibt, dass er um der Bekenntnis Christi willen vor den Richter gebracht, mit Ketten gebunden und in den Kerker geworfen worden.
Desgleichen schreibt er: Als sie diesen ehrwürdigen alten Mann öfters aus dem Kerker vor Gericht gebracht und wieder vor dem Richterstuhl in Ketten geschlossen, hat er allezeit in seinem Leiden und Pein Gott gedankt und zuletzt, wegen der unaussprechlichen Pein, seinen Geist aufgegeben.
Hist. Eccl., edit. 1588, Lib. 6, Cap. 29.
Diese Geschichte wird von P. I. Twisck auf das Jahr 247 gesetzt, wozu er dann nachfolgende Worte fügt: Es sind um diese Zeit viele Märtyrer gewesen in Alexandria, Judäa, zu Cäsarien, Antiochien und anderswo, welche mit ihrem Blute und Tode den christlichen Glauben bezeugt haben.



15.02.2019
Einige tausend Personen
Um der evangelischen Wahrheit willen an den Orten, wo sie versammelt, zu verschiedenen Zeiten auf Befehl Maximinus verbrannt
im Jahre 237


Die neue Kaisers Chronik erzählt eine grausame und schändliche Geschichte, welche dieser Kaiser Maximinus an den Christen begangen. Die Christen, sagt der Autor, wären in der Kirche oder ihren Versammlungsplätzen versammelt, ihren Seligmacher lobend. Sogleich schickte der Kaiser seine Kriegsknechte aus und ließ die Kirche oder die Versammlungsplätze schließen, darnach Holz darum legen und dasselbe mit Feuer anstecken, um alle Christen, die darin waren, zu verbrennen.
Ehe er aber das Holz anstecken ließ, zeigte er ihnen an, dass, wer herausgehen wollte und dem Abgotte Jupiter opfern, der sollte seines Leibes und Lebens Versicherung haben, und überdies noch von dem Kaiser begabt werden. Sie antworteten hierauf, sie wüssten nichts von dem Jupiter; Christus sei ihr Herr und Gott, bei dessen Namens Ehre und Anrufung sie leben und sterben wollten.
Es ist für ein besonderes Wunder zu achten, dass unter so vielen tausend Christen nicht einer gefunden worden, der da hätte begehrt draußen zu sein, um durch die Verleugnung Christi das Leben zu retten. Denn sie blieben alle einmütig beieinander; sie sangen und lobten Christus, solange als sie vor Rauch und Dampf die Zunge gebrauchen konnten.



14.02.2019
Irenäus, ein alter Lehrer
Um des Namens Jesu Christi willen nach vielen Martern getötet zu Lyon, in Frankreich
ungefähr im Jahre 210


Ireneus war seiner Herkunft nach ein Asianer, geboren bei Smyrna. In seiner Jugend begab er sich auf die Schulen und war ein Jünger von Polycarpus, welcher von dem Apostel Johannes zum Bischof der Gemeinde zu Smyrna eingesetzt war, und später auch ein Märtyrer geworden, wie wir bereits an seinem Orte gemeldet haben.
Nachher ward er, um seiner sonderlichen Geschicklichkeit willen, Bischof der Gemeinde zu Lyon in Frankreich, an Photoni Statt.
Seine Gelehrtheit war so beschaffen, dass ihn Eusebius unter allen Gelehrten vor und in seiner Zeit das meiste Lob beilegt.
Tertullianus nennt ihn den ausgezeichnetsten Untersucher der Gelehrtheit.
Hieronymus sagt, dass er ein apostolischer Mann gewesen, der nahe bei der Apostel Zeiten gelebt habe.
Epiphanius gibt ihm den Titel eines heiligen und alten Gottesgelehrten, ja eines Nachfolgers der Apostel.
In dem Hause des Herrn war er so getreu in seinem Dienste, dass er nicht allein über die Gemeinden zu Lyon, woselbst er Bischof gewesen, und andere Gemeinden in Frankreich, sondern auch selbst über etliche Gemeinden in Asien und Phrygien, der oberste Sorgeträger gewesen.
Von seinem Tode haben uns die alten Geschichtsschreiber nicht viel Bescheid mitgeteilt, noch von der Zeit, in welcher er starb, viel weniger von der Art seines Martertums. Doch fanden wir gleichwohl hiervon folgende Worte:
Als unter Severus die Verfolgung gegen die Christen in allen römischen Landschaften ins Leben trat, da ward durch des Kaisers Befehl die Stadt Lyon mit Soldaten umringt, und alle Christen, welche darin waren, mit dem Schwerte getötet oder enthauptet; doch ist besonders ihr alter Hirte, Irenäus, fleißig aufgesucht worden, und als man ihn gefunden, ist er durch mancherlei Marter hingerichtet, und durch Zacharia, seinem Ältesten, begraben worden.
Ex Actis Procon. perditis hoc tantum exat. Adr. Martyrol.
28. Jun. A. Mellin., Hist. der Verfolg. und Mart., gedruckt 1619, Fol. 59, Col. 3, und Fol. 60, Col. 1. Item Hieron. Epist. 84, ad Magnum, et 29, ad Theodorum Eused., Lib. 4, Cap. 20. Tertull., Lib. contra Valent., Cap. 5. Hieron., Epist. 29, ad Theodorum et in Cat. Epiph., Haere., 24 et 31. Item Joh. Gys., Hist. Mart., gedruckt im Jahre 1657, Fol. 18, Col. 3–4. Ferner P. I. Twisck, Chron., das 3. Buch über das Jahr 210, den 28. Juni, Pag. 56, Col. 1, woselbst er folgende Worte hinzufügt und sagt:
Den 28. Juni im Jahre 210 ist der Bischof Irenus (er willen sagen Irenäus) in der fünften Verfolgung mit vielen Brüdern um des Bekenntnisses Christi willen getötet worden.
Er sagt von des Herrn Abendmahl: Daselbst ist etwas Himmlisches und Irdisches; das Irdische ist Brot, welches dem Leibe zur Nahrung dient, und weiset uns auf das Himmlische an, d. i. Christus mit seinen Verdiensten, welches ist die Speise der Seelen.
Er schreibt über die Offenbarung Johannis, dass der Antichrist in der lateinischen, d. i. in der römischen Kirche aufkommen, und dass er ein Römer sein soll.
Der Antichrist ist nämlich ein Dieb und Abgefallener, welcher als Gott angebetet sein will; und obschon er ein Dienstknecht ist, will er doch als König bekannt gemacht sein.


13.02.2019
Basilides, welcher aus einem Scharfrichter ein Christgläubiger wird Um des Namens Jesu Christi willen zu Alexandria enthauptet
ungefähr im Jahre 204



Nicht lange nach dem Tode Potamienä, welche mit der obengenannten Rhais und Marcella getötet worden, hat sich einer von den Scharfrichtern, welche sie zu Tode gebracht, mit Namen Basilides, zum christlichen Glauben bekehrt.
Denn, schreibt Eusebius, als er unter seinen Mitgesellen war, und man ihm um einer sonderlichen Sache willen einen Eid abforderte, so sagte er, dass er nicht schwören dürfe, weil er ein Christ sei, und bekannte solches öffentlich vor ihnen.
Da sie solches hörten, meinten sie anfangs, dass er solches nur scherz- und spottweise sagte; da er aber standhaft blieb und zeugte, dass es sein Ernst war, ward er gefangen und in das Gefängnis gelegt.
Als nun einige der Brüder kamen, ihn zu besuchen und fragten, woher es komme, dass er so schnell verändert sei, so hat er sie nach besten Kräften hierüber beruhigt.
Als sie solches gehört, gaben sie ihm des Herrn Zeichen, er wird in Christi Namen getauft. Am andern Tage aber ward er um des Bekenntnisses des Herrn willen enthauptet.



12.02.2019
Zwei Jüngerinnen Origenis, Rhais und Marcella
Um des Glaubens an Jesum Christum willen zu Alexandria
lebendig verbrannt
ungefähr im Jahre 204


Unter Origenes Jüngern, welche Märtyrer geworden, werden auch einige Frauenspersonen als getreue Märtyrerinnen gemeldet. Von solchen wollen wir nur zwei anführen. Die eine hieß Rhais, die andere Marcella, welche ihren Glauben und ihr Leben, als geläutertes Gold, im Feuer probieren ließen.
Rhais war noch eine Catechismus-Schülerin, d. i. eine solche, welche unterwiesen wurde, um getauft zu werden, und hatte deshalb ihren Glauben noch nicht mit Wasser versiegelt; doch wird sie, wie Origenes selbst bezeugt, mit Feuer getauft, d. h. lebendig verbrannt.
Marcella war Potamienä Mutter, welche bei den Alten sehr gerühmt worden, dass sie um des Glaubens willen ihr Leben auch mit gelassen habe; aber um gewisser Reden willen, welche sie zu Basilides, dem Scharfrichter, gesprochen, lassen wir sie unberührt.
Diese wird, nachdem sie mit großer Standhaftigkeit unerträgliche und schreckliche Marter ausgestanden, mit Feuer und Flamme allmählich verzehrt und zu Asche verbrannt, und hat also das zeitliche Leben mit dem ewigen verwechselt.



11.02.2019
Fünf Jünger des Origenes, nämlich Plutarchus, Heraclides, Hero, nebst zwei Männern, beide Serenus genannt
Zu Alexandria in Ägypten um des Glaubens willen getötet, ungefähr im Jahre 203

Zu dieser Zeit war Origenes, obwohl er erst achtzehn Jahre alt war, ein Lehrer des Glaubens zu Alexandria in Ägypten, wo er mit solchem Nachdruck gelehrt, nicht allein mit Christo anzufangen, sondern auch mit ihm zu sterben, dass viele seiner Jünger ihr Leben für die Wahrheit Christi gelassen haben.
Unter denselben werden mit Namen genannt: Plutarchus, Heraclides, Hero, nebst zwei Männern, beide Serenus genannt. In Betrachtung ihres Leidens und Todes, so hat sich’s also zugetragen: Origenes, der Lehrmeister dieser frommen Leute, hatte die Gewohnheit zu den Märtyrern, welche um des Namens Jesu willen litten, in die Gefängnisse zu gehen, um dieselben in dem Glauben zu stärken. Ja, er stand auch bei ihnen, wenn sie ihre letzte Verantwortung taten und das Todesurteil empfingen, und gab ihnen zum Abschiede den Kuss des Friedens, zum Zeichen seiner herzlichen Liebe.
Als es sich nun zutrug, dass Plutarchus, sein lieber Jünger, zum Tode geführt wurde, hat er (nach seiner Gewohnheit) ihn getröstet, worüber er von der wütenden Menge totgeschlagen worden wäre, wenn ihn die göttliche Vorsehung nicht beschirmt hätte. Als dieses geschehen war, wurde vorerwähnter Plutarchus um des Namens Christi willen getötet und starb als ein Märtyrer.
Nach dem Tode des Plutarchus wurde der erste von den zwei Männern, Serenus genannt, hervorgebracht und mit Feuer verbrannt; sein Glaube ward, wie bezeugt wird, durch Feuer geläutert, obwohl er noch ein Katechismus-Schüler, das ist, ein solcher
gewesen, welcher, obwohl er unterwiesen worden, dennoch die Taufe noch nicht empfangen hatte.
Der dritte von diesen Märtyrern ward Heraclides genannt, von welchem eben dasselbe bezeugt wird, was von Serenus
gemeldet worden, betreffend seinen Glauben, nämlich, dass er noch unterwiesen wurde, und noch nicht getauft war, sondern in der Zubereitung stand, hat also seinen Glauben nicht mit Wasser, sondern mit seinem Blute bezeugt, und ist mit einem Beile enthauptet worden.
Der vierte, welcher um denselben Glauben getötet worden, war Hero, welcher ein Neuling im Glauben genannt wird, das ist, nämlich ein solcher, der den Glauben durch die Taufe angenommen; dieser ward gleicher Weise mit dem Beile enthauptet, und hat seine Seele in die Hände Gottes befohlen.
Nebst den vorhergehenden Märtyrern wird noch der fünfte genannt, welches der zweite von oben genannten Märtyrern ist, mit Namen Serenus. Dieser wird, nach vielen und schweren Peinigungen, als er nicht abweichen wollte, ebenso wie die zwei vorhergehenden enthauptet; und hat also mit seinen getöteten Mitbrüdern ein seliges Ende genommen.



10.02.2019
Leonides, der Vater des Origenes
Zu Alexandrien in Ägypten um des Zeugnisses Jesu Christi willen enthauptet
ungefähr im Jahre 202



Leonides, der Vater des Origenes, ist, nach dem Zeugnisse Suida, ein Bischof der Gemeinde Christi gewesen, und ist mit ein Märtyrer geworden zu Alexandria in Ägypten.
Angehend sein Gefängnis, Leiden und Tod, solches hat sich so zugetragen: Als meistens aus allen Städten und Dörfern in Ägypten und Thebais christliche Streiter, das ist Märtyrer, gebracht wurden, um für den Namen Christi zu leiden und zu streiten, so ist Leonides auch einer von denselben gewesen, welche nach Alexandrien, der Hauptstadt von Ägypten, gefänglich eingebracht wurden.
Als er eine Zeitlang im Gefängnisse gehalten wurde, hat ihm sein Sohn Origenes, welcher damals erst siebzehn Jahre alt war, einen tröstlichen Brief gesandt, worin er ihn zur Standhaftigkeit ermahnt, und schreibt unter anderem also:
Sei stark, mein Vater, in dem Herrn, ertrage tapfer das dir bevorstehende Leiden und wollest ja um unseretwillen dir nichts anderes vornehmen zu tun.
Er wollte sagen: O Vater, wollest doch um deine Hausfrau, unsere liebe Mutter, und deine sieben geliebten Kindlein, wovon ich der älteste bin, nicht allzu sehr betrübt oder wankelmütig sein, dass du aus Geneigtheit zu uns solltest deinen getreuen Seligmacher verlassen.
Dieses war der kurze Sinn desselben Briefes, welchen Origenes an seinen Vater geschrieben, welcher eine so heilsame Arznei dem betrübten Gemüte seines Vaters gewesen ist, dass er sich vornahm, seinem Seligmacher zu Ehren den Tod geduldig zu leiden.
Endlich ward er verurteilt, um enthauptet zu werden, und alle seine Güter wurden der Schatzkammer des römischen Reiches heimgeschlagen, welches auch geschehen ist zur Zeit des Kaisers Severus, ungefähr im Jahre 201.


09.02.2019
Perpetua und Felicitas von Tuburbi in Mauritanien und andere mehr
Um des Glaubens des Sohnes Gottes willen mit Gewalt getötet
ungefähr im Jahre 201



Perpetua und Felicitas sind zwei sehr gottselige, ehrbare und christliche Frauen zu Tuburbi, einer Stadt in Mauretanien, einer Landschaft in Afrika, gewesen.
Diese beiden sind ganz zur Unzeit gefangen worden, um für den Namen Christi zu leiden. Denn Felicitas war hoch schwanger und Perpetua hatte unlängst geboren, sodass sie ihr junges Kindlein säugte; doch sind sie um deswillen nicht erschrocken noch kleinmütig geworden, dass sie Christum hätten verleugnet, viel weniger in dem Wege der Gottseligkeit fortzugehen verhindert worden, sondern ebenso wohl getreue Jüngerinnen Christi geblieben und standhafte Märtyrerinnen geworden.
Mit der schwangern Frau hat man (zufolge der römischen Gesetze) gewartet, ehe man sie verurteilt und getötet, bis sie geboren hatte.
Als ihr nun in dem Gefängnis ihre Geburtswehen ankamen und sie vor Bangigkeit und Beängstigung schrie, sagte der Kerkermeister zu ihr: Du bist nun so bange und beängstigt, und schreiest so sehr vor Pein, wie wirst du dich da gehaben, wenn du morgen oder übermorgen den Tod erleiden sollst?
Felicitas antwortete darauf also: Nun leide ich als eine arme Frau die Strafe, die Gott der Sünde wegen dem weiblichen Geschlechte auferlegt hat; aber morgen werde ich als eine christliche Frau leiden um des Glaubens und Bekenntnisses Jesu Christi willen.
Mit welchen Worten sie genugsam zu erkennen gab, dass sie ihren Glauben fest und unbeweglich auf Christum gegründet habe, welcher die Seinen nimmermehr verlässt, auch wenn sie mitten im Feuer stehen und verbrannt werden.
Auch ward sie sonderlich von Gott gestärkt, um das Leiden zu ertragen. Hiervon sagt Tertullian also: Perpetua, die starke und standhafte Märtyrerin, hat auf den Tag ihres Leidens eine Offenbarung oder Gesicht gehabt von dem himmlischen Paradies, in welchem sie sonst niemand gesehen, als diejenigen, welche aus gleiche Weise gemartert worden sind; und warum doch keine anderen? Nämlich darum, weil das feurige Schwert, welches die Türe des Paradieses bewahrt, keinem andern weichet als denen, welche um Christi willen sterben.
Unterdessen sind diese zwei frommen Heldinnen Jesu Christi für den Namen ihres Seligmachers gemartert, das ist, mit einem gewaltsamen Tode hingerichtet worden; um welcher Ursache willen ihnen auch zu seiner Zeit der unverwelkliche Kranz der Unsterblichkeit wird aufgesetzt werden, als ein Siegeszeichen über den Streit, darin sie hier überwunden haben, nämlich über des Todes Pein und Grausamkeit.
Die übrigen, welche mit ihnen sind gemartert worden, heißen Revocatus, Satyrus, Saturninus und Serandulus. Es wird dafür gehalten, dass der Letzte in dem Gefängnisse von allzugroßer Beschwernis gestorben sei, sonst sind die andern alle vor die wilden Tiere geworfen worden, nämlich vor die Stiere, Löwen, Bären, Leoparden, um von denselben zerrissen zu werden. Also haben denn auch diese ihr liebes Leben um Christi willen mit dem Tode verwechselt.
Idem, Fol. 56, Col. 3–4, ex August. in Ps. 74, et de Tempore Barbarica Cap. 5. Beda Usuard., Ado Martirol. Rom. 7. Martin Item L. Pregnatis de Pen. Item, in antiquo Lectionario. Item, Tertull. de Anima, Cap. 5. Dass die toten Leichname der vorgemeldeten zwei Frauen nach Carthago gebracht und allda begraben, bezeugt Victor Uticencis Pers. Vand. Lib. 1.



08.02.2019
Mavilus
Ein frommer Christ von Adrumetum, zu Carthago von wilden Tieren zerrissen
ungefähr im Jahre 201


Tertullianus schreibt eine sehr offenherzige Vermahnung und Warnung wegen des bevorstehenden Zornes Gottes über alle Verfolger der Christen an den Statthalter von Carthago, namens Scapula, welcher an Vigellius Saturninus (der um der Verfolgung willen, welche er gegen die Christen ausgeübt hatte, durch Gottes gerechtes Urteil mit Blindheit geschlagen ward) Stelle getreten, auch mit eins den Fußstapfen seiner Grausamkeit nachgefolgt ist.
Denn er hat zur Stunde gleich beim Eintritt und Huldigung seiner Landpflegerschaft einen sehr frommen Christen von Adrumetum, einer Stadt in Afrika, Mavilus genannt, sehr grausam zu den wilden Tieren verurteilt. Dieser hat, obwohl durch einen harten Tod, doch ein seliges Ende genommen.
Auf dessen Tod sind zur Stunde große Plagen von dem Herrn über die Stadt Carthago, woselbst der Statthalter Hof hielt, ausgesandt worden, nämlich: Schwere Schlagregen, hohe Wasserfluten, schreckliche Donnerschläge, Feuerzeichen in der Luft.



07.02.2019
Rutulius
Nachdem er lange geflüchtet, wird er um des Zeugnisses Jesu willen auseinander gerissen und darnach mit Feuer verbrannt,
ungefähr im Jahre 201


Rutulius, der sehr heilige Märtyrer, sagt Tertullianus, welcher so manches Mal von einem Ort an den andern um der Verfolgung willen geflohen, ja die Todesgefahr, wie er meinte, selbst mit Geld abgekauft hatte, nachdem er sich genugsam mit Freibriefen versehen hatte und nun getrost und ohne Sorge war, wird nichtsdestoweniger unvermutet ergriffen und vor den Präsidenten gebracht, mit allerlei Tormenten auseinander gedehnt und zerrissen und hernach dem Feuer übergeben, also hat er das Leiden, welchem er zu entgehen gesucht, der Barmherzigkeit Gottes dankend, bezahlt.
Dieser Rutulius, schreibt Abr. Mellin., ist irgendwo in Afrika gemartert worden, in dem 1. Buche der Historie der Verfolgung, gedruckt im Jahre 1619, Fol. 55, Col. 1, aus Tertull. de Fuga in Persecutione, Cap. 5 in Fine.



06.02.2019
Alexander von Phrygien
Erstlich um des Bekenntnisses des Sohnes Gottes willen erschrecklich gepeinigt und hernach mit dem Schwert getötet an dem Wasserstrome Rhone
ungefähr 172


Von den alten Schreibern wird auch ein gewisser frommer Mann mit Namen Alexander erwähnt, ein Arzt, aus Phrygien von Geburt, welcher auf denselben Tag, als der zuvor erwähnte Attalus sein Leben ließ, an demselben Orte auch ist getötet worden.
Von der Ursache seiner Gefangenschaft und seines Todes wird bezeugt, nämlich: Als Attalus, nebst mehreren anderen Christen, verhört wurde, stand dieser Alexander aus Phrygien um den Richterstuhl, hat mit Winken und anderen Zeichen die Christen, welche ihre Verantwortung und Bekenntnis vor dem Richter ablegten, sonderlich gestärkt und ihnen einen Mut gemacht, zu dem Ende, dass sie sollten bei der angenommenen Wahrheit Stand halten.
Als nun das umstehende Volk hierüber murrte, wird berichtet, dass er gefangen worden sei und auf Befragen, wie er gesinnt sei, geantwortet hat: Ich bin ein Christ, und machte eben dasselbe Bekenntnis, welches auch Attalus und die übrigen Gefangenen, die vor dem Gericht standen, getan hatten. Hierüber wird er stehenden Fußes nach dem runden Schauplatz verwiesen, um alsbald, nebst den andern, von den wilden Tieren zerrissen zu werden, dahin er denn gebracht wird; aber die Vollziehung des Urteils auf diesen Tag wird noch verschoben und bis auf den nächstkommenden festgestellt.
Des andern Tages wird er hervorgebracht, um mit den Bestien zu kämpfen; doch wird er zuvor über alle Maßen mit allerlei Scharfrichtergerätschaften gepeinigt, wobei er sich so tapfer verhielt, dass man ihn nicht einmal seufzen oder das geringste Wörtchen klagen gehört, ja man konnte an ihm nicht ein einziges Zeichen der Betrübnis oder des Schmerzes bemerken, ohne dass er in seinem Herzen zu Gott redete.
Zuletzt, anstatt mit den wilden Tieren zu kämpfen, wird er mit dem Schwerte hingerichtet und hat also die Wahrheit des Sohnes Gottes, welche er verteidigte, mit seinem Blute versiegelt.



05.02.2019
Attalus
An dem Wasserstrome Rhone in einem eisernen Stuhle gebraten, vor die wilden Tiere geworfen, hernach ihm die Kehle abgestochen und enthauptet
ungefähr im Jahre 172

Zur Zeit, als der grausame Gewissenszwang unter den Kaisern Marcus Aurelius und Lucius Verus fortgesetzt ward und nicht aufhörte, um welcher Ursache willen diejenigen, welche nach ihrem Glauben suchten christlich zu leben, mit viel Pein und Tormenten ihr Leben gelassen, so ist es geschehen, dass ein gewisser frommer Christ, genannt Attalus, um des Namens Jesu, seines Seligmachers willen, gefangen genommen, sehr unmenschlich gepeinigt, sogar dass er in einem eisernen Stuhle über das Feuer gesetzt und gebraten ward.
Als er gefragt wurde, was der Christen Gott für einen Namen habe, antwortete er: Wo viele Götter sind, da werden sie mit Namen unterschieden; wo aber nur ein Gott ist, da bedarf es keines Namens.
Zuletzt wird er auf den Tierplatz gebracht, um zerrissen zu werden. Als aber die wilden Tiere (es sei durch Gottes Schickung, oder weil sie genugsam gesättigt waren) ihn nicht anrührten, also dass sie weder Klauen noch Zahn an ihn schlugen, wird ihm daselbst nebst andern frommen Märtyrern die Kehle abgestochen. Einige schreiben, er sei daselbst enthauptet worden.



04.02.2019
Betius
Mit dem Zunamen Pagatus, an dem Wasserstrome Rhone in Frankreich getötet
ungefähr im Jahre 172

Nota – Der Anfang dieser Verfolgung der Christen zu Lyon und Vienne an dem Wasserstrome Rhone, wird von Joh. Gysius auf das Jahr 179 gesetzt, andere bewährte Schreiber aber stellen denselben auf das Jahr 172; dieses mag bemerkt werden.
Damals hat auch an dem Wasserstrome Rhone, zu Lyon und Vienne in Frankreich, die Verfolgung gegen die Christen nicht aufgehört, sondern je länger, je mehr zugenommen, sodass man denjenigen, die den Namen Christi bekannten, zuerst ihre Häuser verbot, darnach ihre Badestuben und alsdann alle öffentlichen Plätze, dass sie sich weder in ihren Häusern, noch in der Stadt oder draußen mehr aufhalten konnten, welches ihnen eine Ursache zu vielem Leiden gewesen.
Also ist es geschehen, dass, als einige Brüder der Gemeinde Gottes daselbst gefangen und vor den Präsidenten zum Verhör gebracht wurden, ein gewisser Bruder, Vetius genannt, mit dem Zunamen Pagatus, jung von Jahren, aber alt und stark in dem Glauben, mit Freimütigkeit hingegangen ist und sich vor dem Richter offenbart hat, zur Rechtfertigung der gefangenen Christen, welcher Sache er sich unterstand und annahm zu verteidigen.
Als der Richter seine Vorsprache gehört, gab er ihm eine abschlägige Antwort und fragte ihn, ob er auch ein Christ (oder Christgläubiger) wäre, worauf er offenherzig bekannte, dass dem also wäre. Hierauf wurde er gleich unter die christlichen Märtyrer aufgeschrieben und der Christen-Vorsprecher genannt.
Er war so fromm und tugendhaft in seinem Leben, dass ihn Eusebius Pamphilus nennt: Erfüllt mit feuriger und göttlicher Liebe des Geistes, ja bezeugt, dass er eine vollkommene Liebe zu Gott hatte, und gegen alle Menschen aufrichtig gewesen, dass auch sein Leben, obwohl er ein Jüngling war, also bewährt und angenehm gewesen, dass er’s vielen Alten zuvor täte, angesehen er gerecht und unsträflich nach Gottes Geboten lebte, und allezeit bereit war zum Dienste der Diener Gottes.
Endlich wird bezeugt, dass er dem heiligen Lehrer Zacharias nachgefolgt, welcher an den heiligen Märtyrern vollkommene Liebe bewiesen, denselben beigestanden und sie unterhalten hat; desgleichen auch, dass er nach dem Exempel Jesu, seines Seligmachers, sein Leben für seine Schafe und Freunde dahin gegeben, das ist, dass er aus Liebe zur Gemeinde Gottes und um derselben ein gutes Vorbild zu sein, mit Standhaftigkeit sein Leben für die Wahrheit gelassen.



03.02.2019
Germanicus
Ein sehr frommer Mann
Um des Zeugnisses Jesu Christi willen zu Smyrna in Kleinasien von den wilden Tieren zerrissen im Jahre 170


In P. J. Twisck’s Jahresgeschichten wird auf das Jahr nach der Geburt Christi 170 diese Beschreibung gefunden.
Germanicus, samt mehreren anderen lieben Freunden Gottes, hat um des Namens Christi willen schwere Verfolgungen und Marter ausstehen müssen und ist zuletzt den wilden Tieren vorgeworfen worden, da er also sein Leben freiwillig geendigt.
P. J. Twisck’s Chronik, das 2. Buch von dem Unterg., gedruckt im Jahre 1617, Pag. 46, Col. 1, aus Eusebius, Buch 4.
In Betreff der Ursache seiner Bekehrung, Leiden und Tod, melden andere Geschichtsschreiber folgendes: Nachdem die Umstehenden, als die Christen sehr jämmerlich getötet wurden, vor Augen sahen, dass das Fleisch der Blutzeugen Christi durch vieles Geißeln und Schlagen bis auf die innersten Adern und allertiefsten Nerven zerkratzt und abgerissen, sodass man das Eingeweide und die allerverborgensten Glieder sich bewegen sehen konnte, und dass die Peiniger alsdann zerbrochene Topfscherben, Seemuscheln, ja Fußangeln ausstreuten, worauf sie die Christen, welche also gemartert waren, mit ihren nackten Leibern herumwälzten, schleppten und darauf drückten, zuletzt aber die nackten Menschen, die von den vorhergehenden Tormenten kaum länger leben und Atem holen konnten, noch den wilden Tieren vorwarfen, um zerrissen zu werden, als nun die Zuschauer dieser betrübten Schauspiele sahen, dass man so unmenschlich mit den Menschen umging, und im Gegenteile die leidenden Christen die Marter so geduldig ertrugen, verwunderten sie sich sehr und erschraken darüber.
Unter diesen ist der vorgemeldete Germanicus gewesen, welcher durch die Gnade Gottes dermaßen gestärkt wurde, dass er die natürliche und angeborene Schwachheit seines Gemüts, welches den leiblichen Tod sehr zu fürchten pflegte, so kräftig überwunden hat, dass er wegen seiner sonderbaren Standhaftigkeit wohl für einen der vornehmsten Märtyrer konnte gehalten werden.
Denn als der Statthalter ihn zu überreden und durch süße Worte zu bewegen suchte, dass er doch die Blüte seines jungen Lebens verschonen möchte und sich über sich selbst erbarmen, so hat er diesen Rat verachtet und sein junges Leben nicht zu teuer angesehen, um seines Herrn Jesu Christi willen.
Hernach wird von den alten Schreibern gemeldet, wie die wilden Bestien auf ihn losgelassen wurden und wie er mit großer Begierde von ihnen verschlungen zu werden verlangte, auf dass er möchte von dem Leibe des Todes und der Sünde erlöset werden. Daher sich auch sowohl Juden wie Heiden, welche dabei standen, sehr über ihn verwunderten.
Also ist denn dieser fromme Zeuge des Sohnes Gottes mit standhaftem Gemüt durch den Tod aus diesem Leben geschieden, und mit Christo, seinem Blut-Bräutigam und Seligmacher, vereinigt worden



02.02.2019
Polycarp
Ein Jünger des Apostels Johannes, Bischof der Gemeinde zu Smyrna Durch Feuer und Schwert getötet wegen seinem Glauben an den Sohn Gottes
im Jahre 168




Man liest in der Offenbarung Johannes, dass der Herr seinem Diener Johannes befahl, dass er sollte etliche Dinge an
den Engel schreiben (das ist an den Bischof oder Lehrer) der Gemeinde zu Smyrna, beides zur Ermahnung für den Lehrer, als auch zum Dienste der Gemeinde, wenn er sagt:
»Schreibe dem Engel der Gemeinde zu Smyrna: Dieses sagt der Erste und der Letzte, der tot gewesen und der lebt. Ich weiß deine Werke, deine Trübsal, deine Armut. Fürchte dich vor derer keinem, das du leiden wirst; siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf dass ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.« (Offb 2,8–10)
Diese Worte des Herrn Jesum drücken aus, dass die Gläubigen zu Smyrna samt ihren Lehrern in Trübsal und Armut gewesen, und dass noch mehr Leiden auf sie gewartet; deshalb ermahnt er sie zur Standhaftigkeit, und verheißt ihnen die Krone des Lebens zu geben.
Was nun den Lehrer derselben Gemeinde angeht, so wird er meistens von den alten Schreibern Polycarp genannt und dabei gemeldet, dass er ein Jünger des Apostels Johannes gewesen sei, welchermaßen er Johannes hatte gehört das Wort Gottes predigen und mit denjenigen Umgang gehabt, welche den Herrn Jesum Christum persönlich gesehen und mit ihm Umgang gehabt; desgleichen auch, dass ihn Johannes zu einem Bischof oder Aufseher der Gemeinde zu Smyrna eingesetzt habe.
Das Leiden ferner, wovon der Herr sagt, dass es ihn und die Gemeinde betreffen würde, hat eine Zeitlang hernach seinen Anfang genommen, also dass dieser gute Hirte ist vorangegangen, welchem viele Schafe, von seiner Herde getreulich nachgefolgt sind. Wiewohl unser Vorhaben ist, hier nur von dem Hirten, nämlich Polycarp, zu sprechen.
Drei Tage zuvor, ehe er gefänglich eingezogen und zum Tode verurteilt wurde, wird gemeldet, dass er mitten im Gebete vom Schlaf überfallen worden, er im Traume ein Gesicht gesehen, als ob das Hauptkissen, worauf er mit seinem Haupte schlief, schnell von der Flamme des Feuers angesteckt und verbrannt sei; worauf er sehr schnell aufgewacht und geurteilt, dass er um des Namens Christi willen noch mit flammendem Feuer verbrannt werden würde.
Als nun diejenigen, welche ihn zu fangen suchten, nahe zu ihm gekommen waren, haben seine Freunde ihn zu verbergen gesucht und ihn in einen andern Hof gebracht, er ist aber doch kurz darnach von seinen Verfolgern daselbst gefunden worden.
Denn sie ergriffen zwei Knaben, welche sie durch Geißeln nötigten zu sagen, wo Polycarp wäre; und obwohl er leicht aus der Kammer, worin er war, in ein anderes Haus hätte entrinnen können, welches nahe dabei stand, so hat er dies doch nicht gewollt, sondern gesagt: Der Wille des Herrn geschehe.
Unterdessen ging er die Treppe hinunter, seinen Verfolgern entgegen, welche er so freundlich empfing, dass diejenigen, welche ihn vorher nicht gekannt hatten, mit Jammer des Herzens sagten: Ist es nötig, dass wir so eilen, einen solch alten Mann zu fangen.
Alsdann hat Polycarp die Tafel zurichten lassen und diejenigen, welche ihn fingen, herzlich genötigt zu essen und ersuchte sie, dieweil sie aßen, ihm eine Stunde Zeit zu gönnen, um ungehindert in der Stille beten zu können, welches ihm auch von denen, die ihn gefangen hatten, bewilligt wurde.
Als er nun sein Gebet geendigt und die Stunde verflossen, in welcher er seinen Stand erwogen, auch die Gemeinde, darüber er zum Lehrer gesetzt war, Gott und seinem Seligmacher anbefohlen hatte, so haben ihn die Trabanten auf einen Esel gesetzt und auf den Sabbattag des großen Festes nach der Stadt geführt.
Nicetas samt seinem Sohne Herodes, genannt der Friedefürst, ritten ihm entgegen, nahmen ihn vom Esel ab, ließen ihn zu sich auf ihren Kutschwagen setzen, und suchten auf solche Weise ihn von Christo abfällig zu machen, sagend: Was ist daran gelegen, wenn du nur sagst: Herr Kaiser, und dass du für ihn opferst oder räucherst, um dein Leben zu erhalten.
Hierauf hat Polycarp zuerst gar keine Antwort gegeben; als sie aber auf ihrer Frage bestanden und eine Antwort begehrten, sagte er endlich: Ich werde dasjenige nimmermehr tun, wie ihr von mir begehrt und mir ratet.
Da sie nun sahen, dass er in seinem Glauben unbeweglich war, fingen sie an, ihn zu lästern, und stießen ihn sobald vom Wagen, dass er durch diesen Fall sein Bein schwer verwundete; doch ließ er’s nicht merken, dass er durch diesen Fall verletzt wurde, denn als er aufstand, übergab er sich den Trabanten ganz willig, ließ sich nach dem Gerichtsplatz führen, und eilte selbst so schnell davon, als ob ihm nichts mangelte.
Sobald nun, als Polycarp in die Laufbahn oder den Schauplatz gekommen, wo er sollte hingerichtet werden, kam eine Stimme zu ihm, die sagte: O Polycarp, sei stark und tapfer in deiner Bekenntnis und bevorstehendem Leiden. Es hat niemand denjenigen gesehen, der diese Stimme geredet hat, wiewohl sie viele von den umherstehenden Christen gehört haben; doch konnten die meisten von der Menge um des großen Aufruhrs willen, dieselbe nicht hören, wiewohl solches zur Stärkung Polycarps und derer, die sie gehört, gedient hat.
Der Statthalter ermahnte ihn, mit seinem hohen Alter Mitleiden zu haben, bei des Kaisers Glück zu schwören und Christum zu verleugnen.
Hierauf gab Polycarpus die freimütige Antwort: Ich habe nun meinem Herrn Christo 86 Jahre lang gedient, und er hat mir bisher kein Übels bewiesen, wie sollte ich meinen König, der mich bis jetzt vor allem Übel bewahrt und so treulich erlöst hat, verleugnen können?
Hierauf drohte ihm der Statthalter, ihn von wilden Tieren zerreißen zu lassen, sofern er nicht von seinem Vornehmen abstehen würde und sagte: Die Bestien sind hier bereit, welchen ich dich vorwerfen lassen, es sei denn, dass du dich in Zeiten bekehrest.
Polycarp antwortete unerschrocken: Lasset sie herkommen, denn mein Sinn ist unveränderlich; durch Leidwesen können wir uns nicht bekehren (oder verkehren) von dem Guten zu dem Argen; aber es wäre besser, dass sie, die nämlich Böses tun, sich zu dem Guten bekehren, die doch in ihrer Bosheit verharren.
Hierauf sagte der Statthalter abermals: Ist es dir noch nicht leid? Verachtest du die wilden Tiere, so will ich dich mit Feuer verbrennen.
Polycarpus antwortete noch einmal und sagte: Ihr droht mir mit dem Feuer, welches etwa eine Stunde lang brennt aber kurz darauf erlöscht; aber ihr kennt nicht das Feuer des ankommenden Urteils Gottes, welches zu ewig dauernder Strafe und Peinigung der Gottlosen bereitet ist, und bewahret wird.
Aber was zaudert ihr, bringt schlechterdings die Bestien her, oder das Feuer, oder sonst etwas, was euch beliebt, und ihr sollt durch keines von allen mich bewegen, dass ich Christum meinen Herrn und Seligmacher verleugnen sollte.
Als ihn endlich das Volk zum Tode forderte, ist er, um verbrannt zu werden, von dem Statthalter überliefert worden. Hierauf ward alsbald ein großer Haufen Holz, Wellen und Hobelspäne zusammengebracht, und als solches Polycarp sah, hat er sich selbst entkleidet, auch seine Schuhe ausgezogen, um also außer einigen Kleidern auf das Holz gelegt zu werden.
Da nun dieses getan ward, sollten die Schergen auch Hand an ihn legen, und ihn also auf das Holz festnageln; er aber sprach: Lasset es also sein, derjenige, welcher mir Kraft gegeben, des Feuers Pein zu ertragen, wird mich auch stärken, dass ich in dem Feuer kann stille halten, obschon ich von euch nicht auf das Brandholz festgenagelt werde.
Hierauf haben sie ihn nicht mit Nägeln auf das Holz festgemacht, sondern ihm allein die Hände übereinander auf den Nacken gebunden.
Nachdem er also zum Brandopfer, und gleichwie ein Osterlämmlein auf das Holz niedergelegt ward, hat er sein Gebet zu Gott gesprochen auf folgende Weise und gesagt: O Vater deines geliebten und gesegneten Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, durch welchen wir die seligmachende Erkenntnis deines heiligen Namens empfangen haben: Du Gott der Engel und Macht und aller Kreaturen; aber insonderheit aller Gerechten, die vor deinem Angesicht leben! Ich danke dir, dass du mich zu diesem Tag und diese Stunde berufen, und würdig erkannt hast, dass ich auch mit einen Teil und Platz unter der Zahl der Märtyrer haben mag, und an dem Trinkbecher des Leidens Christi, auf dass ich mit ihm leide und also seiner Schmerzen teilhaftig werde: Ich bitte dich, dass du mich heute wollest vor deinem Angesicht aufnehmen als ein fettes Opfer unter die Zahl deiner heiligen Blutzeugen und Märtyrer, gleichwie du allein, o wahrhaftiger Gott, welcher nicht lügen kann, mich davor dazu bereitet, und mir solches hast zu erkennen gegeben, ja auch solches endlich erfüllt. Deshalb danke ich dir und lobe dich vor andern Menschen, und ehre deinen Namen durch Jesum Christum, deinen sehr geliebten Sohn, den ewigen und obersten Priester, welchen samt dir und dem Heiligen Geiste sei Herrlichkeit nun und in alle Ewigkeit. Amen.
Sobald als er das letzte Wort seines Gebets, nämlich das Wort Amen ausgesprochen hatte, haben die Schergen das Holz, worauf er gelegt oder gesetzt ward, angesteckt; und als nun die Flamme rund um Polycarps Körper sich sehr hoch ausbreitete, hat man zu allgemeiner Verwunderung gefunden, dass ihn der Brand wenig oder gar nicht berührt oder beschädigt; deshalb ward dem Scharfrichter befohlen, ihn mit einem Schwerte zu durchstechen, welches auch alsbald geschehen.
Darauf ist das Blut so häufig aus der Wunde gelaufen, sei es um der Hitze des Brandes oder anderer Ursache willen, dass das Feuer meistenteils durch dasselbe ausgelöscht ward, und ist also dieser treue Zeuge Christi durch Feuer und Schwert aus diesem Leben geschieden, und zu der Ruhe der Heiligen gekommen, ungefähr im Jahre nach der Geburt Christi 168.



01.02.2019
Justinus
Erst gegeißelt, hernach mit dem Beil enthauptet um des Zeugnisses Jesu Christi willen
im Jahre 168




Justinus ward genannt ein Sohn Prisci Bachi, geboren von griechischen Eltern zu Neapolis in Palästina. Wir wollen hier Nachricht geben von seiner geistlichen Geburt, von seinem himmlischen Vaterlande und wie nachdrücklich er es erwiesen, dass er ein Kind Gottes sei, ein Bürger der himmlischen Stadt, welche reich ist an allen Gütern, welches nicht allein in dem Anfang und Fortgang seines Glaubens sich dartut, sondern hauptsächlich in dem Ausgang, als da er die Kraft desselben mit seinem Tode bezeuget und mit seinem Blute versiegelt. In den Tagen seiner Jugend ward er unterwiesen in der platonischen Philosophie, worin er sich so tapfer gehalten hat, dass er den Namen eines Philosophen davon trug.
Ja es ward ihm durch seine Kraft ein solcher Verstand eingedrückt, dass er durch dieselbe bald Gott sehen sollte, welches das Ende von der platonischen Philosophie war.
Als es sich aber zutrug, dass er einmal nach der See wandelte, um allein zu sein und dasjenige, welches er gelernt hatte, bei sich selbst zu überlegen, so folgte ihm, wie er selbst bekennt, ein ansehnlicher und sanftmütiger alter Mann, welcher, da er sich mit ihm in ein Gespräch wegen der platonischen Philosophie einließ, ihn lehrte, worin die wahre Philosophie und Gottseligkeit bestehe, nämlich in der seligmachenden Erkenntnis des einigen, ewigen und allein unsterblichen Gottes.
Nachdem aber nun Justinus nach den Lehrern fragte, von welchen er diese göttliche Philosophie lernen möchte, so wies ihn dieser alte Mann auf die Schriften der Propheten, die nicht durch Beweis menschlichen Verstandes geschrieben, sondern als gewisse und unfehlbare Zeugnisse von denjenigen nachgelassen worden sind, so da gesehen und gehöret haben von den Worten der Wahrheit, wunderlichen Kräften und Werken Gottes bei seinem Volke, dass auch alle ihre Weissagungen von dem verheißenen Messias und Sohne Gottes in der Zukunft Jesu Christi, welcher zur Zeit des Kaisers Augustus geboren, erfüllet seien.
Indessen ermahnte er ihn, Gott zu bitten, dass er ihm zu dieser seiner seligmachenden Lehre wolle das Herz erleuchten durch Jesum Christum, ohne welche er nicht möchte zu dieser seligmachenden Erkenntnis gelangen.
Diese und dergleichen Vorschläge mehr, schreibt Justinus, gab mir der alte Mann und wies mich an, wie ich ferner sollte zunehmen und die Dinge, welche zur Seligkeit nötig seien, erlangen möchte; hernach ging er von mir und ich habe ihn nicht mehr gesehen. Alsbald, schreibt er, hat sich eine feurige Begierde in meinem Herzen entzündet, und eine Liebe zu den Schriften der Propheten und derjenigen, welche Christi angenehme Freunde waren, nämlich der Apostel, alsdann bin ich erst ein rechtsinniger Philosoph geworden.
Anlangend nun, durch wen und wie er sei zuerst im Glauben unterwiesen und getauft worden, ausgenommen den Unterricht, welchen er von dem vorgemeldeten alten Manne empfangen, oder durch welche Gelegenheit er aus Syrien, Palästina oder Samaria, aus seinem Vaterlande nach Rom gekommen sei, solches findet man nicht beschrieben.
Hernach hat er ein Gespräch gehalten mit Tryphon, einem Juden, welche Verhandlungen er selbst beschrieben hat, woraus ersehen werden mag sein richtiger Verstand in verschiedenen Glaubenssachen, und insonderheit in dem Punkte von der Taufe. Hiervon haben wir an einem andern Ort gesprochen.
Endlich aber, als er sich in einen Wortstreit mit Crescenz einließ, welcher ein cynischer Philosoph war, und denselben durch die Kraft seiner göttlichen Beweisgründe überwunden und beschämt gemacht hatte, begann sein unsicheres Leben zu Ende zu eilen und sein gewisser Tod heranzunahen.
Denn dieser cynische (das ist hundische) Philosoph schöpfte daraus einen tätlichen Hass gegen Justinus, sodass er ihm den Tod schwur und von der Zeit an ihm Fallstricke legte, ihn auch als einen Christen anklagte, bis er endlich mit Justinus Blut seine Blutdürstigkeit gestillt. Dieses gibt Tatianus, Justinus Jünger, in seiner Rede gegen die Griechen nicht undeutlich zu erkennen, nämlich, dass oben gemeldeter Crescenz nicht allein Justinus, sondern auch ihm selbst nach dem Leben getrachtet habe.
Außerdem meldet Phocius, dass er von Crescenz Cynicus (das ist dieselbe Person, welche wir zuvor genannt haben,) einen fröhlichen und würdigen Tod um Christi willen gelitten habe.
Anlangend die Art seines Todes, so ist Justinus auf Crescenz Anklage gefangen worden, und als er sich tapfer weigerte von seinem Glauben abzugehen oder den Götzen zu opfern, ist er endlich von dem Präsidenten Rusticus zum Tode verurteilt und, nachdem er gegeißelt, mit dem Beile enthauptet worden, ungefähr in dem Jahre des Herrn 168, zur Zeit der Regierung Marcus Aurelius und Lucius Verus, und des Präsidenten Rusticus, wie solches aus Epiphanio angezeichnet ist.



31.01.2019
Felicitas mit ihren sieben Söhnen Januarius, Felix, Philippus, Silvanus, Alexander, Vitalis und Martialis

Zu Rom um des Glaubens willen getötet
im Jahre 164



Felicitas war eine christliche gläubige Witwe zu Rom und hatte sieben Söhne, nämlich Januarius, Felix, Philippus, Sylvanus, Alexander, Vitalis und Martialis, diese haben, samt ihrer Mutter, in ihrem Hause beisammen gewohnt, als eine christliche Gemeinde.
Von der Mutter wird bezeugt, dass sie durch ihre christliche Gemeinschaft, welche sie mit den römischen Frauen unterhielt, viele zu Christo bekehrt habe. Desgleichen haben auch ihre Söhne auf ihrer Seite ihre Schuldigkeit erwiesen und viele Mannspersonen Christo gewonnen.
Als nun die heidnischen Priester sich hierüber beklagten bei dem Kaiser Antonius, welcher die Verfolgung, welche unter Trajanus sich erhob und jetzt etwas nachgelassen hatte, wieder aufs neue vor die Hand nahm und sagten, dass nicht allein Mannspersonen, sondern auch Weiber die Götter gelästert, ihre Bilder verachtet, den Gottesdienst des Kaisers mit Füßen getreten, ja dass viele von der alten Religion der Römer abgefallen seien, welches vornehmlich geschah durch eine gewisse Witwe Felicitas und ihre sieben Söhne. Deswegen, um diesem vorzukommen, müsse man sie zwingen, von Christo abzulassen und den Göttern zu opfern, oder sie, wenn sie sich dessen würden weigern, mit dem Tode strafen.
Der Kaiser, welcher hierdurch bewogen und aufgereizt wurde, hat Publius, dem Profos oder Blutrichter von Rom, volle Macht über dieselben gegeben.
Publius war willens, Felicitas, als eine sehr ansehnliche Frau, zu verschonen, darum hat er sie samt ihren Söhnen zuerst heimlich in sein Haus beschieden und mit schönen Worten und Verheißungen angeredet, hernach auch ihnen gedroht, sie mit schweren Tormenten zu strafen, es sei denn, dass sie die christliche Religion verließen und den alten römischen Gottesdienst wieder annehmen.
Felicitas, eingedenk der Worte Christi (wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinen himmlischen Vater), suchte keine Ausflüchte, Verstellungen oder eingewickelte Worte, sondern antwortete kurz also:
Ich werde weder durch dein Schmeicheln oder Flehen bewogen, oder durch deine Drohungen kleinmütig gemacht, denn ich empfinde in meinem Herzen die Wirkung des Heiligen Geistes, die mir lebendige Kraft gibt und mich zu dem Streite des Leidens bereit macht, um alles zu ertragen, was ihr mir werdet auferlegen, um der Bekenntnis meines Glaubens willen.
Als nun Publius die Mutter von ihrem standhaften Vornehmen nicht abbringen konnte, so sagte er zu ihr: Wohlan denn, weil es dich lieblich dünkt zu sterben, so sterbe allein, habe aber doch Mitleiden und eine mütterliche Barmherzigkeit gegen deine Söhne und gebiete ihnen, dass sie zum wenigsten ihr Leben dadurch freikaufen, dass sie den Göttern opfern.
Worauf Felicitas dem Blutrichter Publius antwortete: Deine Barmherzigkeit ist lauter Gottlosigkeit und deine Ermahnung ist lauter Grausamkeit; denn wenn meine Söhne den Götzen opferten, so würden sie ihr Leben nicht freikaufen, sondern verkaufen an den höllischen Feind, dessen Sklaven,
ja Leib- und Seeleigen sie werden sollten, und von ihm zum ewigen Feuer mit Ketten der Finsternis bewahrt werden.
Darnach wandte sie sich von dem Richter zu ihren Söhnen und sprach: Meine lieben Kinder, bleibt doch standhaft in dem Glauben und der Bekenntnis Christi; denn Christus mit seinen Heiligen erwartet eurer. Sehet da, der Himmel steht euch offen, deshalb kämpft tapfer für eure Seelen und bezeugt, dass ihr getreu seid in der Liebe Christi, damit ihr ihn und er euch lieb hat.
Hierüber entbrannte der Richter im Zorn gegen sie und befahl, dass man ihr Backenstreiche geben sollte. Unterdessen bestrafte er sie heftig und sagte: Darfst du dich also vermessen und unterstehen, deine Söhne in meiner Gegenwart zu ermahnen und halsstarrig zu machen, um des Kaisers Befehlen ungehorsam zu sein, da es dir viel eher gebührte, sie anzuspornen zur Untertänigkeit.
Felicitas antwortete mit einer mehr als männlichen Tapferkeit, unerachtet sie mit dem Tode bedroht war, und sagte: Wenn du, o Richter, unsern Seligmacher Jesus Christus und die Kraft seiner Gottheit und Herrlichkeit würdest erkennen, du würdest zweifelsohne aufhören die Christen zu verfolgen, und du würdest uns durch Lästern nicht suchen von seinem heiligen Namen und also von der christlichen Religion abzuziehen. Denn wer Christo und seinen Gläubigen flucht oder lästert, der flucht oder lästert Gott selbst, welcher in ihren Herzen wohnt durch den Glauben.
Hierauf wird sie mit Fäusten in das Angesicht geschlagen, um zu schweigen; hat aber dennoch nicht aufgehört, ihre Kinder zur Standhaftigkeit zu ermahnen, um keine Tormente, noch Folterbank, ja den Tod selbst nicht zu achten oder zu fürchten, sondern um des Namens Christi willen willig zu sterben.
Deshalb hat Publius, der Blutrichter, einen jeden von ihren Söhnen, einen zuerst, den andern hernach, vorgenommen, hoffend, durch dieses letzte Hilfsmittel, wo nicht alle, doch zum wenigsten einige, sowohl durch Verheißungen als Bedrohungen von dem Glauben abzuziehen.
Als er ihnen aber nichts abgewinnen konnte, hat er Botschaft an den Kaiser gesandt, dass sie alle in ihrer Hartnäckigkeit verharrten, und dass sie keineswegs könnten dazu gebracht werden, den Göttern zu opfern.
Hierauf hat der Kaiser zur Stunde die Mutter samt ihren sieben Söhnen verurteilt, dass man sie sollte verschiedenen Scharfrichtern in die Hände geben, um sie durch allerlei Tormente zu töten; doch sollte die Mutter zuerst alle ihre Söhne sterben sehen, und hernach selbst auch getötet werden.
Auf dieses Urteil haben sie zuerst und vor allen Januarius, den Erstgeborenen, vor den Augen seiner Mutter mit bleiernen Geißeln totgegeißelt; welche Geißeln von Peitschen oder Stricken gemacht waren, mit welchen diejenigen, welche man also peinigte, an den Hals, an den Nacken, auf den Rückstrang, an die Seiten und andere Stellen des Leibes, wo es weh zu tun pflegt, geschlagen werden, entweder um sie zu peinigen, oder aber sie gar tot zu martern, wie hier geschehen ist.
Felix und Philippus, die nächsten nach ihm, werden mit Prügeln totgeschlagen, Sylvanus, sonst genannt Syllanus, von einer Höhe herunter gestürzt. Alexander, Vitalis und Martialis enthauptet.
Zu allerletzt ist die Mutter auch enthauptet oder mit dem Schwerte getötet worden, welches unter dem Kaiser Antonius Pius geschehen ist.



30.01.2019
Ptolomäus
Ein gottesfürchtiger Mann
Zu Alexandrien in Ägypten, um des Glaubens willen an Christum getötet ungefähr um das Jahr Christi 144


Es wird bezeugt, dass Ptolomäus ein frommer und gottesfürchtiger Mann gewesen, welcher seine Hausfrau auch aus der Blindheit des Heidentums zu dem Glauben gebracht. Dieser ist um der Wahrheit Christi willen gefangen genommen worden; und als er gefragt ward, ob er ein Christ sei, hat er solches alsbald als ein Liebhaber der Wahrheit bekannt. Nachdem er solches bekannt, hat man ihn in das Gefängnis geworfen, worin er so lange gelitten, bis er ganz verfallen und ausgezehrt war. Endlich ist er dem Richter Urbicius überliefert worden, welcher ihn, kurz nachdem er ihm eingehändigt worden, töten ließ. Und ist dieser Ptolomäus ein getreuer Blutzeuge Jesu Christi geworden.



29.01.2019
Phocas
Bischof zu Pontus
Um des Namens Jesu Christi willen zu Synope
in einem Kalkofen und in siedendem Wasser getötet
ungefähr im Jahre 118

Phocas, ein Sohn Pamphilii, der erste Bischof der Gemeinde in der Stadt Synope, ward zur Zeit des Trajanus vor Africanus, den Statthalter in Pontus, gebracht. Als dieser ihn zwingen wollte, auf dem Altar des Neptunus zu opfern, hat er sich dessen standhaft geweigert, daher ward er von ihm verurteilt, um des Namens Christi willen zu sterben, und hat nach viel Pein und Tormenten endlich den Tod erlitten, ist also zu der Zahl seiner getöteten Mitbrüder gerechnet worden
Angehend die Art seines Todes gibt P. I. Twisck davon diese Beschreibung:
Als Phocas in Pantus den Götzen nicht opfern wollte, ward er durch Befehl des Kaisers Trajanus um des Namens Christi willen in einen Kalkofen voll glühender Kohlen gestoßen, hernach aber in siedendes Wasser geworfen und also getötet. P. I. Twisck Chron., das 2. Buch über das Jahr 118, Pag. 37, Col. 2, aus Adon. Vinens. Lib. 6, Fol. 166, Vine. Fol. 519.



28.01.2019
Dionysius Areopagita
Durch Paulus bekehrt
Um das Bekenntnis Jesu Christi gemartert worden
ungefähr im Jahre 112



Man liest in den Geschichten der Apostel (Apg 17,34), dass unter denjenigen, welche der Lehre Pauli anhingen, Dyonysius, einer aus dem Rate zu Athen, desgleichen auch eine Frau, Damaris genannt, waren.
Von diesem Dionysius, mit dem Zunamen Areopagita, wird bezeugt, wie er in der christlichen Religion dermaßen zugenommen, dass er auch später von Paulus zu einem Bischof zu Athen eingesetzt worden sein soll, doch aber endlich, nachdem er sein herrliches Glaubensbekenntnis abgelegt, nach vielen schweren Tormenten als ein siegreicher Held Jesu Christi mit der Märtyrerkrone gekrönt worden ist, und in einem sehr hohen Alter seinen Geist in die Hände seines himmlischen Vaters befohlen hat.
Da hatte er denn erfüllt, was er bei seinem Leben sehr oft zu erzählen pflegte: Das letzte Wort meines Herrn Jesu am Kreuze soll auch mein letztes in diesem zeitlichen Leben sein, nämlich: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist! Worauf er getötet wurde und selig in dem Herrn entschlafen ist.
Nota – Die Art des Todes Dionysii Areopagita betreffend, oder durch welche Marter er zu seinem Ende gekommen, wird von den alten glaubwürdigen Schreibern nicht angegeben, darum haben wir auch davon keine Meldung getan, und wiewohl einige angemerkt, dass er zu Paris enthauptet worden sei, so lassen wir sie selbst solches verantworten. Denn sowohl in der Art als auch in der Zeit, in welcher solches geschehen sein soll, sind sich die Schreiber selbst miteinander nicht einig. Siehe Apophtheg. Baudarti oben angeführt.



27.01.2019
Onesimus
Ein Freund des Apostels Paulus
Von Ephesus nach Rom geführt und daselbst zu Tode gesteinigt
im Jahre 111




Onesimus, Philemonis Dienstknecht, seiner Herkunft nach Kolosser, war von seinem Herrn weggelaufen und nach Rom gekommen; daselbst ward er mit dem Apostel Paulus bekannt, welcher allda gefangen lag, von dem er mit einem Bittschreiben, seine Versöhnung mit seinem Meister betreffend, zurückgesandt wird, wie aus dem Briefe Pauli an Philemon zu sehen ist, worin Paulus Onesimus seinen Sohn nennt, welchen er in seinen Banden gezeugt hatte (Phlm 10). Auch hat er einen gewissen Brief Pauli aus dem Gefängnisse zu Rom an die Gemeinde zu Kolossä überbracht, denn in dem Schlusse des Briefes an die Kolosser stehet also: Gesandt von Rom durch Tychicus und Onesimus.
Demnach ist zu ersehen, dass er ein lieber Freund und getreuer Diener des Apostels Paulus gewesen ist, wiewohl er zuvor seinen äußerlichen Dienst in dem Hause des Philemon verlassen hatte.
Dieser, nachdem er von Herzen bekehrt war, mochte seinen Lauf ohne Verfolgung, Leiden und gewaltsamen Tod nicht endigen, sondern musste, nach dem Vorbilde seines Seligmachers, die Presse der Leiden auch treten, und ist, nach dem Zeugnisse der alten Geschichte, von Ephesus gebunden nach Rom geführt, und daselbst unter Trajanus und dem Richter Tertullus tot gesteinigt und begraben worden, kurz nach Ignatii Tode in dem Jahre unseres Herrn 111.



26.01.2019
Ignatius von Antiochien
Ein Jünger des Apostels Johannes
Von zwei losgelassen hungrigen Löwen zerrissen und verschlungen
Im Jahr des Herrn 111




Ignatius, ein Jünger des Apostels Johannes und ein Nachfolger Petri und Evodii, war im Dienste der Gemeinde Christi zu Antiochien in Syrien, ein sehr gottesfürchtiger Mann, getreu und emsig in seinen Bedienungen.
Ihm ward der Zunamen Theophorus gegeben, als ob man sagte: Gottesträger, vermutlich, weil er den Namen Gottes und seines Seligmachers oft im Munde trug und dabei ein göttliches Leben führte.
Er pflegte öfters also zu sprechen: Das Leben der Menschen ist ein beständiger Tod, es sei denn, dass Christus in uns lebe. Desgleichen: Der gekreuzigte Christus ist allein und alle meine Liebe, und wer sich nach jemand anders als nach Christo nennen lässt, der gehört Gott nicht zu. Desgleichen: Gleich wie die Welt die Christen hasst, also werden sie von Gott geliebt. A. Mellinus, Fol. 25, Col. 1, aus Ignatio in Epist ad Rom. et alibi.
Dieser Ignatius nun, als er verstanden, dass der Kaiser Trajanus, nachdem er die Dacier, Armenier, Assyrier und andere morgenländische Völker besiegt hatte, den Götzen zu Antiochien dankte und ihnen große Opfer brachte, eben als ob von ihnen der Sieg hergekommen wäre, hat er den Kaiser darüber bestraft, und das zwar öffentlich in dem Tempel, wie Nicephorus berichtet.
Hierüber ward der Kaiser sehr entrüstet und ließ Ignatius fangen; aber aus Furcht vor einem Aufruhr ließ er ihn in Antiochien nicht strafen, denn er (Ignatius) stand daselbst in großem Ansehen, sondern hat ihn zehn Kriegsknechten in die Hände gegeben, und ihn gebunden nach Rom gesandt, um daselbst Strafe an ihm auszuüben.
Unterdessen ist ihm aber doch sein Todesurteil angekündigt worden, auf welche Weise und an welchem Orte er sterben sollte, nämlich, dass er zu Rom von wilden Tieren zerrissen werden sollte.
Auf seiner Reise hat er verschiedene Trostbriefe an seine Freunde, die Gläubigen in Christo Jesu, geschrieben, desgleichen auch an verschiedene Gemeinden, als an die von Smyrna, Ephesus, Philadelphia, Thrallis, Magnesia, Tharsen, Philippis und insbesondere an die Gemeinde Christi zu Rom, welchen Brief er vor seiner Ankunft dahin gesandt.
Es scheint, dass das Zerreißen durch die Zähne der wilden Tiere ihm auf der Reise beständig im Gedächtnis gelegen, wiewohl nicht auf eine furchtsame Weise, sondern mehr mit einem herzlichen Verlangen, wovon er in seinem Brief an die römische Gemeinde also schreibt:
Auf meiner Reise von Syrien nach Rom, zu Wasser und zu Lande, bei Tag und bei Nacht, kämpfe ich mit den wilden Tieren, zwischen zehn Leoparden sehr genau gebunden, welche, je mehr ich sie liebkose, desto grausamer und frevelhafter werden. Doch werde ich durch die Grausamkeit und Tormente, die sie mir täglich antun, mehr und mehr geübt und unterrichtet, wiewohl ich dadurch nicht gerechtfertigt bin.
O wäre ich bereits bei den wilden Bestien, die da fertig sind, mich zu zerreißen! Ich hoffe sie bald zu finden, wie ich sie wünsche, nämlich grausam genug, mich schnell zu vernichten. Wollen sie mich nicht antasten und zerreißen, so werde ich sie freundlich dazu anlocken, dass sie meiner nicht schonen, gleichwie
sie allbereits einige Christen geschont haben, sondern mich schnell in Stücke zerreißen und auffressen. Vergebet mir, dass ich also rede, denn ich weiß, was mir nötig ist.
Nun fange ich erst an, ein Jünger Christi zu werden; ich achte weder sichtbare, noch unsichtbare Dinge, über welche sich die Welt verwundert; es ist mir genug, wenn ich nur Jesu Christi kann teilhaftig werden.
Lasset den Teufel und die bösen Menschen mir allerlei Pein und Tormente antun mit Feuer, mit Kreuz, mit Kämpfen gegen die wilden Tiere, mit Zerstreuung meiner Gliedmaßen und der Rippen meines Leibes; ich achte dieses alles sehr gering, dass ich nur Jesum Christum genieße.
Bittet nur für mich, auf dass mir innerliche und äußerliche Kraft gegeben werde, nicht allein dieses zu sprechen oder zu schreiben, sondern ihm auch nachkommen und zu leiden, auf dass ich nicht allein einen christlichen Namen haben möge, sondern auch wahrhaftig erfunden werde (Ignatius in Epist. ad Rom).
Als sie zu Rom ankamen, haben ihn die Kriegsknechte dem Stadthalter überliefert, samt des Kaisers Briefen, worin sein Todesurteil geschrieben stand. Darauf ward er einige Tage in einem Gefängnisse verwahrt, bis auf einen gewissen Festtag der Römer, auf welchen Tag der Statthalter ihn nach dem Befehle des Kaisers auf den Schauplatz oder Tierpferch brachte.
Erstlich aber und vor allen Dingen ward er mit vielen Tormenten und Peinigungen versucht, um den Namen Christi zu lästern und den Götzen zu opfern. Aber als Ignatius in seinem Glauben nicht schwach war, sondern je länger, je mehr darin gestärkt wurde, dass er sich weigerte, auf heidnische Weise zu opfern, ward er zur Stunde von dem römischen Rate, gleichwie auch zuvor der Kaiser Trajanus getan, verurteilt, den Löwen vorgeworfen zu werden.
Als Ignatius nun vor des Rates Angesicht an den innersten Bezirk des Tierpferchs zur Löwengrube geführt ward, so hat er öfter in seinen Unterredungen, welche er mit den Gläubigen unterwegs hielt, als auch in seinen geheimen Gebeten zu Gott den Namen Jesus genannt, und auf Befragen, warum er solches tue, hat er folgendermaßen geantwortet:
Mein lieber Herr Jesus, mein Seligmacher, ist mir so tief in das Herz geschrieben, dass ich versichert bin, dass wenn man mein Herz öffnen und in Stücke zerschneiden sollte, man in einem jeden Stückchen den Namen Jesus geschrieben finden würde.
Hiermit gab dieser fromme Mann zu erkennen, dass nicht allein sein Mund, sondern auch selbst die innersten Teile seines Herzens mit der Liebe Jesu erfüllt seien, denn wessen das Herz voll ist, davon redet der Mund. Also hat auch Paulus, wie angemerkt wird, erfüllt mit der Liebe Christi, wohl dreihundert Mal in seinen Briefen diese Worte gebraucht, Jesus Christus, und den Namen Jesus nennt er wohl fünfhundert Mal.
Als nun die ganze Menge des Volks versammelt war, um Ignatius Tod anzuschauen (denn es war durch die ganze Stadt ruchbar geworden, dass ein Bischof aus Syrien gebracht worden, welcher in Folge des Kaisers Urteil gegen die wilden Tiere kämpfen sollte), wurde Ignatius zum Vorschein gebracht und mitten auf den Schauplatz gestellt.
Hierauf hat Ignatius mit einem freimütigen Herzen das umstehende Volk also angeredet und gesagt:
O ihr Römer! Alle, die ihr gekommen seid, diesen Streit mit euren Augen anzuschauen, ihr sollt wissen, dass mir diese Strafe nicht auferlegt ist, um einiger Missetaten oder Schelmenstücke willen, welche ich keineswegs begangen habe, sondern um zu Gott zu kommen, nach welchem mich verlangt, und den ich unersättlich begehre zu genießen. Denn ich bin das Brotkorn Gottes, ich werde mit den Zähnen der wilden Tiere vermahlen, auf dass ich als ein reines Brot Christi erkannt werde, welcher mir das Brot des Lebens ist.
Diese Worte redete Ignatius, als er mitten auf dem runden Schauplatz stand und die Löwen brüllen hörte, welches die Brüder der Gemeinde, die da mitten unter dem Volke standen, gehört und bezeugt haben.
Er hatte kaum diese Worte geredet, so wurden zwei grausame hungrige Löwen aus ihrer Grube auf ihn losgelassen, welche ihn alsbald zerrissen und verschlungen haben, sodass fast nichts oder doch sehr wenig von seinen Gebeinen übrig blieb. Also ist dieser getreue Blutzeuge Jesu Christi selig in dem Herrn entschlafen, in dem Jahre unseres Herrn 111, in dem 12. Jahre des Kaisers Trajanus.



25.01.2019
Rufus und Zosimus
Zwei fromme Christen, zu Philippi in Mazedonien um den Glauben an Jesum Christum enthauptet
im Jahre 109




Insbesondere erhellt von Rufus, aus dem Gruß des Apostels Paulus an die römische Gemeinde, unter welchen Gruß er auch diesen Rufus begreift, dass er nicht allein ein Gemeindeglied derselben, sondern eine besondere und auserkorene Person gewesen sei, wenn er sagt: »Grüßet Rufus, den Auserkorenen in dem Herrn und seine und meine Mutter.« (Röm 16,13)
Dieser Rufus und der vorgemeldete Zosimus, welche beide fromm und aufrichtige Christen gewesen, sind nebst vielen andern ihrer Mitgenossen zu Philippi, der Hauptstadt Mazedoniens, um des Glaubens willen getötet worden. Etliche schreiben, dass sie beide enthauptet worden zur Zeit des Kaisers Trajanus im Jahre Christi 109. Vergleiche A. Mellin. in dem großen Marter. Fol. 19, Col. 4, aus Polycarpo ad Philippens, mit dem was Joh. Gys. angemerkt in Hist. Mart., Fol. 15, Col. 3.



24.01.2019
Simon Cleophas
Einer von den siebzig Jüngern Christi
durch Attacus unter Trajanus gekreuzigt
im Jahre 109



Simon Cleophas war Cleophas und Maria Sohn, ein Neffe unseres Herrn Jesu, weil er Josephs, Christi vermeinten Vaters Bruders Sohn gewesen. Dieses ward nach dem Tode des Apostels Jakobus zum Bischof der Gemeinde zu Jerusalem erwählt und das durch allgemeine Bewilligung. Deshalb muss er wohl unterschieden werden von Simon mit dem Zunamen Zelotes, welcher einer von den Aposteln gewesen, und in Persien gekreuzigt worden ist. Denn dieser war ein Sohn Alphäi, jener aber ein Sohn Cleophä, nicht einer von den Zwölfen, sondern einer von den siebzig Jüngern Christi, gleichwie auch Eusebius gesteht, wenn er sagt:
Wenn jemand sagen wollte, dass dieser Simon mit seinen Augen Christum gesehen, und mit seinen Ohren seine Predigten gehört, derselbe hat Grund und Wahrheit in seiner Meinung, und dieses nicht allein seines hohen Alters wegen, welches sich bis auf 120 Jahre erstreckte, sondern vielmehr um des Zeugnisses des Evangeliums willen, worin geschrieben steht, dass er der Sohn von Maria, Cleophä Hausfrau, gewesen ist, nach dem Zeugnis Egisippi, welcher nach den Zeiten der Apostel der erste Geschichtsschreiber gewesen ist (Euseb. Hist. Eccles. Lib. 3, Cap. 11).
Dieses ist der Simon, von welchem bezeugt wird, dass er Jacobus, den heiligen Apostel des Herrn, habe steinigen gesehen (Epiph. Supra in Symb. Alph.).
Dieser ward angeklagt von einigen bösen Buben bei
Atticus, des Kaisers Trajanus Landpfleger, dass er ein Christ sei, ja ein Blutsfreund Christi von dem Geschlechte Davids.
Deshalb ward er viele Tage lang mit Geißeln und scharfen Ruten jämmerlich geschlagen, sodass ein jeder, welcher es ansah, sich musste darüber wundern und ihn bejammern. Ja, der Richter selbst verwunderte sich, dass ein alter Greis von 120 Jahren eine solche grausame Marter so lange hatte ausstehen können.
Zuletzt, als er in seinem Bekenntnis beständig verharrte, ist er seinem Herrn, welchen er bekannte, in dem Leiden gleichförmig geworden, und von Atticus zu dem Tode des Kreuzes verurteilt, welchen Tod er auch in dem zehnten Jahre des Kaisers Trajanus erlitten, als im Jahre Christi 109. Vergleiche das erste Buch A. Mellin., gedruckt im Jahre 1617, Fol. 24, Col. 1,2, mit Joh. Gys. Hist. Mart., neulich gedruckt bei L. Braat, im Jahre 1657, Fol. 15, Col. 1.



23.01.2019
Vitalius
Um des Namens Jesu Christi willen, zu Ravenna lebendig begraben
und seine Hausfrau zu Mailand mit Stöcken totgeschlagen
im Jahre Christi 100




Vitalius war vor seiner Bekehrung ein römischer Ritter und ein Bürger von Mailand, welcher mit Paulino, dem Blutrichter, nach Ravenna gekommen, da er aber die Blutgierigkeit seines Herrn bemerkte, welchem er bis zu der Zeit nach weltlicher Weise getreulich gedient hatte, hat er ihn tapfer verlassen, und sich selbst auf einmal unter die Fahne Christi begeben, ist aber durch die Feinde der Wahrheit schnell ergriffen worden.
Denn Paulinus, sein Herr, nicht wissend, warum er von ihm entwichen, hat verstanden, dass er Urticino, welcher eben vorher um des Glaubens willen mit dem Beile enthauptet ward, einen Mut zugesprochen, als derselbe sehr wankte, und ihn von dem Götzenopfer zurückgehalten, desgleichen, dass er denselben nach seinem Tode begraben hatte, fasste dadurch den Verdacht auf ihn, er müsste auch ein Christ sein; worauf er diesen frommen Vitalius fangen ließ, teils um seiner Vermutung willen, teils auf Angabe anderer; und da er aus seiner Bekenntnis, dass er wahrlich ein Christ sei, solches bestätigt gefunden, ließ er ihn auf die Folterbank legen, um zu versuchen, ob er würde von Christo abfallen.
Hierauf hat Vitalius diesen Blutrichter Paulinus also angesprochen:
Gewisslich, du musst deiner Sinne beraubt sein, weil du meinst, ich könnte von dir betrogen, und mit einer ewigen Pest an Seele und Leib besudelt werden, der ich doch andere von der Gefahr der Verführung habe abzubringen gesucht.
Ein gottloser heidnischer Priester, welcher merkte, dass derselbe sich fest an Christum hielt, und den Götzen keineswegs würde Ehre erweisen, hat dem Blutrichter Paulino geraten, Vitalium lebendig zu begraben.
Hierauf hat Paulinus dem bösen Eingeben dieses Priesters gefolgt, und ließ an dem Ort, wo man gemeiniglich die Christen zu richten pflegte (auch Palmam genannt, weil daselbst ein Palmbaum stand), eine tiefe Grube ins Wasser graben, und Vitalium bis in die Mitte hinein vergraben, und mit Steinen und Erde zudecken und überstülpen.
Als nun Valeria, die Hausfrau Vitalii, nach dem Tode und lebendiger Begrabung ihres Mannes, von Ravenna nach Haus nach Mailand reiste, woselbst sie wohnte und ihre Kinder hatte, konnte sie sich nicht länger verborgen halten, sondern hat sich selbst angegeben, dass sie eine christgläubige Frau sei. Dann als man sie zwingen wollte, von demjenigen zu essen,
was den Abgöttern geopfert ward, hat sie sich dessen mit Standhaftigkeit geweigert und widerstanden, auch darüber die Götzendiener öffentlich bestraft, sagend:
Ich bin eine Christin, darum mag ich keineswegs essen, was Silvano, eurem Gott, geopfert ist.
Hierauf ist sie von den heidnischen Götzendienern überfallen, mit Stöcken totgeschlagen und zu Mailand von den Christen begraben worden. Dieses ist noch geschehen durch Kraft der ersten Verfolgung, oder des Befehls Neros, von welchem (Befehl) gemeldet wird, dass er noch unter Vespasiano und Domitiano seine Kraft behalten habe.



22.01.2019
Urticinus
Ein frommer Christ
Zu Ravenna mit dem Beil enthauptet
im Jahre Christi 99




Nach Timotheus ward eingesetzt Urticinus oder Ursinus, der Arznei-Doktor zu Ravenna in Italien. Dieser, nachdem er bei dem Richter Paulinus ist angegeben worden, dass er ein Christi sei, ist mit viel Tormenten um des Namens Christi willen gepeinigt worden. Da er es alles mit Standhaftigkeit ertragen, und sich noch dabei weigerte, den heidnischen Götzen zu opfern, ist er endlich von dem Richter dahin verurteilt worden, dass er mit dem Beile gerichtet werden sollte. Da Urticinus das Todesurteil empfangen, fing er an zu zittern und zu beben wegen des bevorstehenden Todes, und überlegte bei sich selbst, ob er Christum verleugnen sollte, oder wie er dem Tode am füglichsten entgehen möchte. Aber indem er sich also mit Fleisch und Blut beratschlagte, ist einer von des Richters Paulini Gesellschaft, genannt Vitalii, von hinten her zu ihm getreten, und hat ihn mit nachfolgenden Worten gestärkt, sagend: Mein lieber Bruder in Christo, Urticine, der du als ein getreuer Arznei-Doktor dein Getränk so manchmal und so glücklich zu genesen pflegtest, nimm dich doch in Acht, dass du nicht durch deine Verleugnung dich in den ewigen Tod und Verdammnis stürzest. Durch diese Ermahnung hat Urticinus wieder einen solchen Mut gefasst, dass er sich mit Freuden zum Tode bereitete, und da er freiwillig den Hals dem Beile dargehalten, hat er also, nachdem sein Haupt von seinem Körper ist geschieden worden, ein gottseliges und ehrliches Ende genommen.



21.01.2019
Timotheus
Geistlicher Sohn des Apostels Paulus
Von heidnischen Götzendienern zu Ephesus mit Steinen totgeworfen
im Jahre Christi 98



Timotheus war gebürtig aus Lystra in Lycaonien. Sein Vater war ein Grieche, aber seine Mutter und Großmutter, ob sie wohl von jüdischen Geschlechte waren, so waren sie doch christliche Frauen, von welchen die eine Eunice, die andere Lois hieß, durch welche er von seiner Jugend an in der Heiligen Schrift unterrichtet worden ist.
Diesem Timotheus gaben die Brüder, die zu Lystra und Ikonien waren, ein gutes Zeugnis, darum hat ihn Paulus zum Mitgesellen in dem Dienste des heiligen Evangeliums unter den Heiden aufgenommen.
Paulus liebte ihn mit einer göttlichen Liebe, und nannte ihn seinen liebsten Sohn in dem Herrn. Hernach setzte er ihn zum Bischof oder Lehrer der Gemeinde ein, und befahl ihm, die Herde Jesu, seines Seligmachers, und ermahnte ihn, dieselbe getreulich zu weiden und zu regieren, zu welchem Ende er zwei besondere Briefe an denselben geschrieben.
»O Timotheus (schreibt er), bewahre wohl, was dir anvertraut ist, und meide die ungeistlichen unnützen Worte und Streitigkeiten der falsch berühmten Kunst.« (1Tim 6,20)
Ferner: »Dieses Gebot befehle ich dir, o Timotheus, mein Sohn, nach den vorigen Weissagungen über dir, durch den Glauben und ein gut Gewissen.« (1Tim 1,18)
Und an einem andern Ort: »So sei nun stark, mein Sohn, durch die Gnade, die in Christo Jesu ist, und was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind, auch andere zu lehren.« (2Tim 2,1–2)
In diesem Dienste hat Timotheus als ein treuer evangelischer Lehrer seinen Fleiß erwiesen, bis es Gott gefiel, ihn seinen Lauf ans Ende bringen zu lassen, aber nicht durch einen gemeinen Tod, sondern durch das Märtyrertum, damit er also mit seinem geistlichen Vater Paulus, welcher ihm standhaft vorangegangen ist, und vornehmlich mit seinem Herrn Jesu Christo, der sich bereits viele Jahre zuvor durchgestritten hatte, die unverwelkliche Krone der Ehren in jenem seligen Leben genießen möchte.
Diesem nach ist es also geschehen, dass er nach dem Zeugnisse der Geschichte, als er 15 Jahre zu Ephesus Bischof gewesen, von den Heiden daselbst, deren Abgötterei er bestrafte, mit Steinen zu Tode geworfen worden ist.
Dem Berichte nach ist solches unter der Regierung Domitiani geschehen, oder ungefähr im Jahre Christi 98, obgleich einige behaupten, es sei in den Zeiten Neros gewesen.



20.01.2019

Johannes
Apostel und Evangelist
Auf das Eiland Patmos ins Elend verwiesen durch Kaiser Domitianus
um das Jahr Christi 97




Johannes der Apostel und Evangelist war ein Sohn Zebedäi, und Bruder Jakobi des Größeren, geboren zu Nazareth, von Hantierung ein Fischer.
Dieser wird von Christo berufen, da er eben beschäftigt war, mit seinem Vater und Bruder ihre Fischernetze zu flicken, welcher, als er solches aus dem Munde Christi vernahm, alsbald seinen Vater samt dem Netze und Schiffe verlassen, und mit Jakobus, seinem lieben Bruder, Christo nachgefolgt ist. Hernach ward er von einem Jünger ein Apostel Christi, und ward unter die Zahl der Zwölfen gerechnet, welche der Herr zu seinem Dienste sonderlich auserkoren hatte.
Er ward von dem Herrn in hohem Werte gehalten, sodass er bei dem Abendmahle an dem Schoße Christi saß, an seine Brust sich lehnte oder ruhte.
Über das hatte ihn der Herr zu einem von seinen drei
vornehmsten Freunden angenommen, um ein Zeuge seiner Werke zu sein, nicht allein in seinem Streite und Leiden in dem Garten Gethsemane, sondern auch in seiner Herrlichkeit, als da die Tochter Jairi auferweckt wurde, nicht weniger, da er seine Herrlichkeit zeigte, da sein Angesicht als die Sonne glänzte auf dem heiligen Berge, und seine Kleider so hell als ein Licht wurden.
Er folgte dem Herrn aus innerlicher Liebe, nicht allein bis in den Palast des Priesters Kaiphas, sondern auch bis auf den Richtplatz außer Jerusalem, woselbst der Herr getötet ward. Daselbst hat ihn auch der Herr, am Kreuze hängend, angesprochen und gesagt: »Sohn, siehe deine Mutter!«
Er war so begierig nach der Auferstehung Christi, dass als er mit seinem Mit-Apostel Petrus nach dem Grabe Christi eilte, er demselben zuvor kam, und hat also damit seine Geneigtheit zu seinem Herrn erwiesen, als welcher eines verächtlichen Todes gestorben und von seinen übrigen Freunden gänzlich verlassen worden.
Nach einigen Jahren schreibt er gegen die Irrtümer Ebionis und Cerinthi, welche die Gottheit Christi verleugneten, sein Evangelium zur Ehre und Verherrlichung seines Seligmachers, wovon der Anfang also lautet:
»Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, dasselbe war im Anfange bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist; und das Wort ist Fleisch geworden.« (Joh 1,1–3,14)
Mit welchen Worten er die wahre Menschwerdung des Sohnes Gottes zu erkennen gibt, welcher hoch gepriesen und gelobet sei in Ewigkeit. Amen.
Dieser Johannes wird durchgehend in dem heiligen Evangelio der Geliebte des Herrn genannt, oder der Jünger, den der Herr lieb hatte, weil der Herr eine besondere Liebe für ihn hegte.
Weil Gott aber seine Kinder durch viel Widerwärtigkeit und Elend zu seiner Herrlichkeit bringen will, darum konnte und mochte der liebe Freund Gottes, Johannes, auch nicht frei ausgehen, sondern ist durchgehend in seinem Leben durch vielerlei Anfechtungen gesichtet worden, vermöge dessen, was der Herr zu ihm und seinem Bruder Jakobus gesagt hatte :»Wahrlich, ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinken soll, und mit der Taufe getauft werden, womit auch ich getauft werde,« das ist, ihr sollt meinem Jammer und Leiden mit unterworfen sein.
Dieses ist später vielfältig an ihm erfüllt worden; denn über dasjenige, welches die alten Schreiber davon gesagt, nämlich, dass er zu Rom in ein Fass voll siedenden Öls sollte gesetzt worden sein, aber wunderbar daraus erlöset worden sei, welches wir unberührt in seinem Werte stehen lassen, ist doch dieses nach der Heiligen Schrift gewiss, dass er in das wüste Eiland Patmos gebracht und daselbst eine lange Zeit um das Zeugnis Jesu willen ins Elend verwiesen ward.
Hierüber erklärt er sich selbst so: »Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenoss in Trübsal und in dem Reiche und in der Geduld Jesu Christi, war in dem Eiland Patmos um des Wortes Gottes willen und um das Zeugnis Jesu Christi willen.« (Offb 1,9)
Wie aber und auf welche Weise er in dasselbe wüste Eiland verwiesen worden, solches wird in der Heiligen Schrift nicht ausgedrückt, nur allein, dass er dahin verwiesen war um des Wortes Gottes willen.
Dennoch berichten einige der alten Schreiber, dass er dahin durch den Kaiser Domitianus im Jahre 97 verbannt worden sei, welcher ihn in seinem Zorn und Ungnade, weil er das Wort Gottes predigte und Christum als den Sohn Gottes bekannte, verurteilt und dahin gesandt hatte.
Auf welchem Eiland (welches in der mittelländischen See gelegen, zwischen Kleinasien und Griechenland, 125 Meilen von Jerusalem gegen Nordwesten) er ganz von Menschen verlassen war, und fast nichts in seiner Umgebung hatte, als giftige und böse Tiere, welche dort hausten; aber nachgehend hat ihm Gott der Herr mit seinem himmlischen Trost beigewohnt, und während der Zeit seiner Verweisung ihm daselbst sehr schöne Offenbarungen und herrliche Gesichte vorgestellt, und den Stand der Kirche Gottes bis an der Welt Ende ihm zu erkennen gegeben. Allhier schrieb er seine Apocalypsis oder Offenbarung, welches ein treffliches Buch ist, voll göttlicher und wahrhafter Weissagungen, genommen aus den vorhergehenden Erscheinungen und himmlischen Offenbarungen, von denen einige bereits erfüllt sind, andere aber noch erfüllt werden müssen.
Als nun die Zeit seiner Befreiung herannahte, hat ihn der Herr auf dem Eilande angesprochen und gesagt: »Siehe, ich komme bald! Amen.« Worauf Johannes sehr wohlgemut geantwortet: »Ja, komme, Herr Jesu!« (Offb 22,20)
Da aber nun der Kaiser Domitianus, welcher ihn auf vorgemeldetes Eiland verbannt hatte, gestorben war, und Nerva an seiner Statt regierte, ist er befreit und wiederum nach Ephesus gebracht worden, woselbst er zuvor Bischof gewesen über die Gemeinde, welches nach dem Berichte der Geschichte im Jahre Christi 99 geschehen ist, sodass seine Gefangenschaft daselbst zwei Jahre gedauert hat.
Die Alten schreiben, dass er noch vieles erlitten um des Namens Christi willen, und musste auch Gift trinken, doch blieb er unbeschädigt, nach Christi Verheißung, und ist endlich zur Zeit des Kaisers Trajani zu Ephesus in Frieden gestorben, als er 51 Jahre dem heiligen Evangelium gedient hatte, und nun 80 Jahre alt war. Also ruht dieses große Licht in Asien.



19.01.2019

Antipas
Treuer Zeuge Jesu Christi, zu Pergamus in einem glühenden kupfernen Stier verbrannt
im Jahre Christi 95




Antipas war ein aufrichtiger Mann und ein frommer und getreuer Zeuge des Sohnes Gottes, welcher zur Probe seines Glaubens lieber den Tod erlitten hätte, als seinem Erlöser durch Verleugnung oder andere Umstände Unehre gemacht, welches alles zur Zeit geschehen ist, als Johannes noch am Leben war. Daher kann er zu den Erstlingen gezählt werden, welche zur Zeit Domitiani um des Zeugnisses Jesu willen gelitten haben.
Von diesem Helden und Ritter Gottes hat der Herr selbst Nachricht gegeben an seinen Diener Johannes, ja er befahl ihm, von demselben an den Lehrer von Pergamus zu schreiben, und spricht also:
»Schreibe dem Engel der Gemeinde zu Pergamus: Dieses sagt, der das scharfe zweischneidige Schwert hat; ich weiß deine Werke und wo du wohnst, wo des Satans Thron ist; aber du hast festgehalten an meinem Namen und hast meinen Glauben nicht verleugnet auch in den Tagen, als Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet ist, wo der Satan wohnt.« (Offb 2,12–13)
Von der Zeit und Art seines Todes wird in der Heiligen Schrift nichts gesagt; aber einige der alten Schreiber behaupten, dass er in der Stadt Pergamus in einen glühenden kupfernen Stier eingeschlossen worden, und daselbst mit großer Pein, doch in Standhaftigkeit, lebendig verbrannt worden ist.
Aus der Heiligen Schrift ist jedoch zu ersehen, dass er noch bei Lebzeiten des Johannes getötet worden ist, welches einige auf die Zeiten Domitiani feststellen, oder ungefähr im Jahre Christi 95.



18.01.2019
Lukas
Evangelist
In Griechenland von Gottlosen an einen grünen Olivenbaum aufgehängt
im Jahre Christi 93




Lukas, der dritte unter den heiligen Evangelisten, ist nach dem Zeugnis der Alten ein Syrer gewesen von Antiochien, und hatte die Arzneiwissenschaft erlernt.
Diesen hat der Herr brauchen wollen, den Menschen mit seiner Arznei zu dienen, zu welchem Ende er zwei treffliche geistliche Arzneibücher an das menschliche Geschlecht zurückgelassen, nämlich erstens sein heiliges Evangelium, zweitens die Geschichte der heiligen Apostel.
Wir vernehmen nirgendwo etwas von seinen Eltern, deswegen kann von seiner natürlichen Herkunft wenig oder gar keine Nachricht gegeben werden, außer von seiner Geburtsstadt und dass er von den Syrern entsprossen.
Es wird dafür gehalten, er habe keine Hausfrau gehabt, obwohl die andern Apostel und Evangelisten meistens alle getraut gewesen.
Nach dem Zeugnis Hieronymi war er vor seiner Bekehrung ein Judengenosse, wiewohl von heidnischer Herkunft, welches auch wahrscheinlich nach dem Urteil der Sprachkundigen, da seine Schreibart in der griechischen Sprache viel trefflicher und vollständiger ist, als in der hebräischen.
Später ist er durch die Predigt Pauli zum Christentum gebracht worden im Jahre Christi 38, nachdem er von Theben nach Antiochien kam.
Er war ein Jünger der Apostel, aber besonders ein Reisegefährte des Apostels Paulus, mit welchem er in viel Gefahr und Schwierigkeiten zu Wasser und zu Land gewesen ist.
Er war sehr vertraut mit Paulus und ein besonderer Freund von ihm, dass er, wie die Alten berichten, sein Evangelium aus des Apostels Munde und Unterricht geschrieben; auch hat er die vornehmsten Reisen Pauli bis zu seiner ersten Gefangenschaft zu Rom getreulich aufgezeichnet.
Auch erwähnt Paulus von ihm öfters in seinen Briefen, wenn er an die Kolosser schreibt: »Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas.« (Kol 4,13) Und an Philemon: »Es grüßt euch Epaphras, mein Mitgefangener, in Christo Jesu, Markus, Aristarchus, Demas, und Lukas, meine Mitgehilfen.« (Phlm 23–24) Desgleichen an Timotheus: »Lukas ist allein bei mir.«(2Tim 4,11)
Daher, wie es scheint, ist Lukas nicht allein ein Reisegefährte Pauli gewesen, sondern war auch mit ihm zu Rom in Gefangenschaft.
In Bezug auf sein Ende melden einige, dass er, als er in Griechenland lehrte, von den Gottlosen daselbst an einen grünen Ölbaum aufgehängt worden sei. Andere berichten, dass er zur Zeit seines Todes in dem vierundachtzigsten Jahre seines Alters gewesen.




17.01.2019
Matthias
Apostel
Auf einem Felsen an ein Kreuz gebunden, gesteinigt und enthauptet
im Jahre Christi 70




Matthias stammt, wie einige glauben, aus dem königlichen Hause Davids, welcher zu Bethlehem von Jugend auf in dem Gesetz Gottes wohl unterrichtet worden ist.
Er ist einer von den siebzig Jüngern Christi gewesen, aber kurz nach des Herrn Himmelfahrt, als Judas Ischariot treulos von seinem Apostelamt abgewichen war, und sich selbst umgebracht hatte, ward er von den elf übriggebliebenen Aposteln, und von einer Schaar von 120 Männern durch ihr Gebet zu Gott, und durch’s Los einstimmig erwählt anstatt des oben gemeldeten treulosen Judas zu einem Apostel und Gesandten Jesu Christi, um das Evangelium, folgend dem Befehle des Herrn, allen Völkern zu verkündigen und die Gläubigen zu taufen.
Hernach ward er nebst den übrigen elf Aposteln von dem jüdischen Rat gegeißelt, und ihnen befohlen, dass weder er noch die Übrigen im Namen Jesu Christi predigen sollten.
Sie aber gingen fröhlich von dem Rat, weil sie würdig waren, um ihres Seligmachers willen Schmach zu leiden, und sie unterließen nicht, alle Tage in dem Tempel und hin und her in Häusern zu lehren, und Jesum Christum zu verkündigen.
Nachdem sich die Apostel um des Lehrens willen zerteilt hatten, ist nach Hieronymi Meinung dieser Matthias sehr weit in Äthiopien gereist, woselbst niemals jemand von den Aposteln gewesen ist, nämlich am allertiefsten im Lande, ja an den äußersten Enden, wo der Einfluss des Hafens oder des Stromes Asphar und Hyssus (in die See) ist, woselbst die allerunwissendsten und rohesten Menschen wohnen.
Diesen Menschen nun, welche in der allertiefsten Finsternis der Unwissenheit saßen, ist das wahre Licht des Evangeliums durch den Dienst dieses Apostels aufgegangen.
Aber wie die Geschichte meldet, so ist er, nachdem er viele Seelen für Christum gewonnen, nach Judäam, Galiläam und Samariam zurückgekehrt, als nämlich durch die Zerstreuung der Apostel die Juden, welche dort herum wohnten, den Dienst des heiligen Evangeliums zu ihrer Bekehrung nicht genießen konnten.
Was den Ausgang und das Martertum Matthiä betrifft, so schreiben einige, dass er von den Heiden getötet worden sei, weil er sich geweigert dem Götzen Jupiter zu opfern.
Doch andere berichten, dass er um der Lästerung willen, dessen ihn die Juden beschuldigten, nämlich gegen Gott, gegen das Gesetz und gegen Mose, von ihren Hohepriestern dahin sei verurteilt worden, dass er sollte an ein Kreuz gehängt, gesteinigt und hernach mit dem Beil enthauptet werden.
Aber sein Urteil war also beschaffen (weil er Jesum seinen Seligmacher nicht wollte verleugnen, sondern standhaft bekannte): Dein Blut sei auf deinem Haupte, denn dein Mund hat gegen dich selbst geredet.
Worauf er, wie einige schreiben, an ein Kreuz gebunden, andere sagen auf einen Felsen geführt, gesteinigt und vermöge des Todesurteils enthauptet worden.



16.01.2019
Simon Zelotes und sein Bruder Judas Thaddäus
Apostel
Beide um der Wahrheit Christi willen getötet; der eine gekreuzigt, der andere mit Stöcken totgeschlagen
ungefähr im Jahre Christi 70



Simon der Kanaaniter, mit dem Zunamen Zelotes, das ist Eiferer, ein Sohn Alphäi und Bruder Jakobi, Josä und Judä, einer von den Verwandten in der Freundschaft Christi, dieser ward von Christo unter die Zahl seiner zwölf Apostel aufgenommen, um das Evangelium zu lehren erstlich unter den Juden, hernach auch unter den Heiden, um welcher Ursache willen er mit den andern, welche mit ihm in gleichem Dienste standen, am Pfingsttag den heiligen Geist empfing.
Er reiste in Ägypten, Cyrenen, Afrika, Mauritania, durch ganz Lybien, und in die Eiländer von Großbritannien, woselbst er das Evangelium lehrte. Später, nachdem er aller Orten gepredigt (schreibt N. D. C.) kam er auch in England an die Westsee und ihre angrenzenden Orte.
Endlich ist er (wie andere berichten) nach Persien abgereist, woselbst er seinen Bruder Judas gefunden, welche zusammen in der Bedienung des Apostelamts verharrten und beständig blieben, auch die göttliche Wahrheit mit ihrem Blute versiegelt haben.
Von Simon Zelotes wird ferner besonders gesagt, dass er von einem gewissen Landpfleger in Syrien auf eine grausame Weise gekreuzigt worden sei.
Von seinem Bruder Judas, mit dem Zunamen Lebbäus oder auch Thaddäus, welcher auch ein Apostel Jesu Christi gewesen, wird in den evangelischen Geschichten nichts gemeldet, nur wird gesagt, dass er dem Herrn Jesu die Frage stellte: »Herr, was ist es, dass du dich uns und nicht der Welt willst offenbaren?«
Dieser ist es, welcher auch einen trostreichen Brief an die Gläubigen geschrieben, in welchem er sie vermahnt, zu verharren in dem einmal angenommenen, allerheiligsten Glauben, dabei er den Ungläubigen mit dem schweren Urteil Gottes droht.
Vermöge der Abteilung der Welt, welche unter den Aposteln geschehen zur Ausbreitung des Evangeliums, ist er gereist in Mesopotamien, Syrien, Arabien, als auch nach Edessa.
Zuletzt aber, als er in Persien reiste, hat er sich daselbst der heidnischen Abgötterei widersetzt, und sie bestraft, weshalb er
von den Götzenpriestern, welche ihren Gewinn dabei verloren, totgeschlagen ward.
Simon der Kanaaniter oder Zelotes (ein Sohn Alphäi) wird von etlichen nicht unterschieden von Simon dem Bischof zu Jerusalem, welcher ein Sohn Cleopha war, woraus der Irrtum entstanden, dass gesagt wird, Simon Zelotes sei getötet worden im Jahre 108 (siehe biblisches Namenbuch, Fol. 870, Kol. 1), welches eigentlich von Simon, dem Bischof zu Jerusalem, dem Sohn Cleophä, zu verstehen ist. Denn Simon Zelotes und sein Bruder Judas Thaddäus sind, dem Berichte nach, getötet worden in dem Ausgange der Verfolgung Neros im Jahre Christi 70.



15.01.2019
Matthäus
Evangelist
In Nadavar unter König Hyrtacus an die Erde genagelt und enthauptet ungefähr im Jahre Christi 70




Matthäus, sonst genannt Levi, ein Sohn Alphäi, ist ein Zöllner in Kapernaum gewesen, welcher bei den Juden verachtet gewesen, die sich nicht für schuldig hielten, Zoll oder Schätzung an einen fremden Fürsten zu bezahlen.
Was den Zustand der Zöllner in derselben Zeit betrifft, so bestand derselbe darin, dass sie insgemein mehr von dem Volke nahmen, als gesetzlich erlaubt war, weswegen sie von den Frommen gemieden wurden, sodass auch die offenbaren Sünder, welche von der Gemeinde abgesondert waren, mit den Zöllnern verglichen wurden.
Da nun Matthäus (oder Levi) vor seiner Bekehrung sich auch mit solchem unrechtmäßigen Handel ernährte, so ist ihm doch Christus mit seiner Gnade zuvorgekommen, und hat demselben befohlen, ihm nachzufolgen als ein Jünger, welchem Befehle er aus innerlichem Antriebe nachkam, hat das Zollhaus verlassen, und als er eine große Mahlzeit zugerichtet zum Abschiede von seinen Mitgenossen, hat er seine Mit-Zöllner nebst dem Herrn Jesu dazu eingeladen, vermutlich damit sie durch die Reden Christi möchten Gelegenheit zu ihrer Bekehrung finden.
Hernach hat Matthäus alsbald alles verlassen, und ist seinem Herrn, der ihn berufen, eifrig nachgefolgt, der ihn auch nachgehend unterwiesen, und unter die Zahl der Apostel gesetzt, welches Amt er mit unter den Juden bis an den Tod Christi bediente.
Da er aber ausgesandt ward, um unter den Heiden zu lehren, ist ihm Äthiopien oder Mohrenland zum Teil zugefallen.
Ehe er das jüdische Land verließ, hat er, durch Erleuchtung des heiligen Geistes, sein Evangelium in hebräischer Sprache geschrieben und ihnen solches mitgeteilt.
In Äthiopien hat er große Frucht geschafft, sowohl mit Lehren als auch mit Wunderwerken, woselbst auch nach seinem Tode eine Abschrift seines Evangeliums für die Nachkömmlinge zurückgeblieben ist, aus welchem leicht zu ersehen ist, welchen Glauben er verteidigt, nämlich den Glauben an Jesum Christum, den Sohn Gottes, und dass er ein wahrhaftiger Mensch geworden durch die Kraft des heiligen Geistes in seiner Mutter Maria.
Es melden die Geschichtsschreiber, dass bald nach dem Tode des Königs Agilippi, welcher den Christen zugetan gewesen, dieser Apostel von seinem Nachfolger Hyrtacus, einem ungläubigen heidnischen Menschen verfolgt worden, welcher diesen frommen Apostel Christi zu einer gewissen Zeit, als er in der Gemeinde Gottes lehrte, festnehmen, und ihn, wie einige schreiben, in der Hauptstadt von Äthiopien, Navadar genannt, an die Erde festnageln und enthaupten ließ.
Woselbst er auch, (wie Benantius Forturatus bezeugt) begraben ist.
Denn er meldet (schon lange vor tausend Jahren), die hohe Stadt Navadar soll uns an dem jüngsten Tage diesen teuren Apostel Matthäus wiedergeben.



14.01.2019
Thomas
Apostel
in Calamina von den wilden (Menschen) mit glühenden Platten gepeinigt, in einen Ofen geworfen und mit Spießen in die Seite gestochen
ungefähr im Jahre 70



Thomas mit dem Zunamen Dydimus, das ist Zwilling, ward geboren in Galiläa, seiner Hantierung nach, wie es scheint, ein Fischer.
Man findet nichts beschrieben bei den Evangelisten von seinen Eltern und von der Zeit seiner Bekehrung, sondern nur allein von seiner Berufung zum Apostelamt.
Seine Liebe und innige Zuneigung, welche er zu Christo hatte, beweist er dadurch, dass er seine Mitbrüder ermahnte, mit hinauf nach Jerusalem zu gehen, um daselbst mit Christo zu sterben.
Aber weil er noch nie bis aufs Blut gestritten, und auch in Ansehung des Todes Christi noch in einem gewissen Unverstand war, so hat er, gleichwie auch die andern, als ihn die Not überfiel, den Herrn verlassen.
Nachdem der Herr auferstanden war, und sich in seiner Abwesenheit den übrigen Aposteln offenbart, so konnte er solches, wie er selbst meldet, nicht glauben; es sei denn, dass er seine Finger stecke in das Mal der Nagel, womit der Herr ans Kreuz genagelt war, und lege seine Hand in des Herrn Seite, welche ein Kriegsknecht mit einem Speer geöffnet hatte. Als es sich nun zutrug, dass der Herr wiederum erschien, und sich ihm offenbarte, sagend: »Bring her deine Finger und sieh meine Hände, und lege deine Hand in meine Seite.« Da ward er überzeugt und fing an, Christum mit göttlichen Ehrentiteln zu begrüßen, ausrufend: »Mein Herr und mein Gott!«
Hernach hat er nebst den übrigen Aposteln Befehl empfangen, das Evangelium auf dem ganzen Erdkreis zu verkündigen, und alle Gläubigen zu taufen, zu welchem Ende er zehn Tage hernach, nämlich am Pfingstfeste, mit seinen übrigen Mitknechten den heiligen Geist in reichem Maße empfing.
Wie die Geschichte meldet, so hat er Thaddäus kurz nach der Auferstehung Christi an den König Abgarus abgesandt.
Als ihm aber Parthien in Indien und Äthiopien nebst vielen andern Landschaften zuerkannt wurden, hat er dieselben durchreist, doch hat er, wie es scheint, sich gescheut nach Mohrenland und zu andern wilden indianischen Völkern zu gehen; nichtsdestoweniger, als er von Gott gestärkt ward, hat er daselbst viele Menschen zu Gott bekehrt.
Von dem Ausgang Thoma ist dieses die wahrscheinlichste Beschreibung, welche bei den Alten gefunden wird, nämlich, dass er zu Calamina, einer Stadt in Ostindien, die gräuliche Abgötterei der Heiden, welche daselbst das Bild der Sonne anbeteten, hat aufhören machen, sodass er durch die Kraft Gottes den bösen Feind gezwungen, das Bild zu zerstören.
Hierüber ist er von den Götzenpriestern bei ihrem König verklagt worden, welcher ihn dahin verurteilte, dass er zuerst mit glühenden Platten gepeinigt, hernach in einen glühenden Ofen geworfen und verbrannt werden sollte.
Aber die Götzenpriester, die da vor dem Ofen standen und sahen, dass ihn das Feuer nicht verzehrte, haben seine Seite, als er in dem Ofen lag, mit Spießen und Wurfpfeilen durchstochen,
und ist also seinem Herrn Jesu Christo in der Standhaftigkeit gleichförmig geworden, welchen er auch bis an seinen Tod bekannt hat. Hieronymus meldet, dass sein Leichnam, welcher wie zu ersehen war, aus dem Feuer ist gerissen worden, an demselben Ort, wo er entschlafen ist, auch begraben wurde.



13.01.2019
Bartholomäus
Apostel
in Armenien, von dem König Astiages zuerst sehr gepeinigt, darauf ihm lebendig die Haut abgezogen und zuletzt enthauptet
ungefähr im Jahre Christi 70




Bartholomäus (welches so viel gesagt ist, als ein Sohn Tholomäi) war ein Galiläer, gleichwie auch die übrigen Apostel, und nach Theodoreti Bericht gleichfalls ein Fischer. Etliche aber glauben, er sei von fürstlichem Stamm gewesen, und ein Neffe des Königs von Syrien.
Man liest von ihm nicht viel in der heiligen Schrift, ohne von seiner Berufung zum Apostelamt, das Evangelium mit den andern zu verkündigen durch Judäa und Galiläa, den verlorenen Schafen des Hauses Israel. Nach der Auferstehung Christi ward er in seinem Apostelamt befestigt, und hat nebst den andern, welche in gleichem Dienste mit ihm standen, die Gabe des heiligen Geistes empfangen.
Nachdem sich die Apostel zerteilt, hat er zuerst sein Amt in Licaonien bedient, desgleichen auch in Syrien und in den oberen Teilen von Asien, hernach in Indien. Die Jahrbücher melden, dass Panthenus, Lehrer von Alexandrien, als er ungefähr hundert Jahre darnach an selbigen Ort gekommen, das Evangelium Matthäi, welches Bartholomäus dahingebracht, und die Indianer in ihrer Muttersprache gelehrt hatte, gefunden, und solches mit sich genommen habe.
Zuletzt hat er das Evangelium in Groß-Armenien ausgebreitet, und hat daselbst in Albana oder Albanopolis, der Hauptstadt des Königreichs Oteno oder Alemonio, des Königs Astiagis Bruder samt seiner Hausfrau, zwei Söhnen und einer Tochter, zu dem Glauben gebracht.
Außerdem bezeugen andere, dass er zwölf Städte in derselben Landschaft, in welchen dem Teufel durch den Abgott Astharoth gedient ward, von der Abgötterei erlöst, und mit der Erkenntnis Christi erleuchtet.
Da aber dieses die Priester Astharoths sehr verdross, haben sie ihre Klagen bei dem König Astiages angebracht, welcher Bartholomäus, den heiligen Apostel Christi, gefangen nehmen und vor sich bringen ließ.
Als nun Bartholomäus vor dem König stand, ward er von ihm gescholten, dass er seinen Bruder verführt und den Gottesdienst im Lande wankend gemacht habe. Deshalb drohte er ihm mit dem Tode, wenn er nicht aufhören würde, Christum zu predigen und sich weigerte, seinen Göttern zu opfern.
Als nun Bartholomäus auf diese Beschuldigungen geantwortet und gesagt, dass er seinen Bruder nicht verführt, sondern bekehrt, und in seinem Lande den wahren Gottesdienst gepredigt habe, so sei er deshalb bereit, lieber sein Zeugnis mit seinem Blute zu versiegeln, als den geringsten Schiffbruch seines Glaubens oder Gewissens zu leiden.
Deshalb ward er von dem König verurteilt, erst viel gepeinigt und mit Stöcken geschlagen zu werden, und ihn dann mit dem Kopfe niederwärts an ein Kreuz aufzuhängen, lebendig die Haut abzuziehen, und endlich mit dem Beil das Haupt abzuschlagen. Nachdem solches an ihm vollzogen worden, ist er mit Christo, seinem Herrn, vereinigt worden.
Andere erzählen, dass sich das Todesurteil über Bartholomäus nicht weiter erstreckte, als dass ihm am Kreuz die Haut abgezogen werden sollte, ohne zu enthaupten. Aber als er davon nicht gestorben, sondern das Volk ermahnte, sei ihm, um solches zu verhindern, das Haupt abgeschlagen worden mit einem Beil, und habe also seinen Geist in die Hände Gottes befohlen.



12.01.2019
Andreas
Apostel
in Patras in Achaia, am Kreuz getötet
ungefähr im Jahre Christi 70



Andreas, ein Sohn Jona und ein Bruder Petri, gebürtig zu Bethsaida in Galiläa, war zuerst ein Jünger Johannes des Täufers; und da er älter war als Petrus und zuerst Christum kannte, so hat er seinen Bruder zu Christo, als dem wahren Messias gebracht. Und weil er eben, wie auch Petrus, ein Fischer gewesen, so hat ihn der Herr berufen und verheißen, ihn zum Menschenfischer zu machen.
Dieweil er aber dem Herrn eifrig nachfolgte, und sich in der Lehre des Evangeliums unterrichten ließ, sodass er auch gewürdigt ward, mit dem Geist der Wundertaten erfüllt zu werden, darum hat ihn der Herr unter die Zahl seiner zwölf Apostel aufgenommen, welchen Dienst er auch mit den andern unter den Juden getreulich ausgerichtet hat.
Er war bei dem Herrn in einem nicht geringen Ansehen; denn, wie es scheint, so hatte er einen freimütigeren Zutritt zu ihm, als wohl Philippus selbst.
Weiteres, obwohl er in eine Schwachheit gefallen, wie alle andern Apostel, in dem er seinen Meister verließ, so hat er sich doch wiederum aufgemacht und zu Christo und seinen übrigen Mitbrüdern verfügt.
Später hat er nebst allen seinen übrigen Mitknechten Befehl erhalten, das Evangelium allen Völkern auf dem ganzen Erdboden zu predigen, zu welchem Ende er am heiligen Pfingstfeste mit dem heiligen Geist begabt wurde, welchen er in aller Fülle empfangen hatte.
Nachdem ging er auf Reisen, um dem Befehl Christi zu gehorchen, und hat in vielen Ländern gelehrt, als in Pontus, Galatien, Bithynien, wie auch zu Antropophages und in Scytia.
Desgleichen reiste er auch in die Nord- und Südländer, wie auch in das Land von Bizanz. Er durchreiste Thracien, Mazedonien, Thessalien und Achaia, und predigte aller Orten Christum, wodurch er viele Menschen zum christlichen Glauben gebracht hat.
Auch bekräftigte er die Lehre seines Meisters Christi durch viele Wunderzeichen, nach dem, was der Herr gesagt hatte: Euch sollen diese Zeichen folgen. Weil aber andere Schreiber nicht aufrichtig davon handeln, wollen auch wir nachlassen von den besonderen Begebenheiten derselben Zeichen.
Zuletzt, als er seinen Lauf vollendet hatte, nach dem Willen des ewigen Gottes, hat ihn Aegeas, der Landpfleger der Edessenen, auf Befehl des Römischen Rates in der Stadt Patris in Achaia kreuzigen lassen.
Was die Ursache und Weise seines Todes ist, davon wird also geschrieben (In Apophtegm. Christian Baudart. Pag. 3):
Zu Patris, einer Stadt in Achaia, hat er nebst vielen anderen Personen auch Maximillam, die Hausfrau Aegei des Landpflegers, zu dem christlichen Glauben bekehrt, daher ist der Landpfleger sehr erbost über den Apostel Andreas, der ihm auch mit dem Tode des Kreuzes drohte. Hierauf hat der Apostel zu dem Landpfleger gesprochen:
Hätte ich den Kreuzestod gefürchtet, ich würde die Majestät und Herrlichkeit des Kreuzes Christi nicht gepredigt haben.
Nachdem nun die Feinde der Wahrheit den Apostel Andreas gefangen und zum Kreuzestod verurteilt hatten, ist er
nach dem Orte, wo man ihn kreuzigen wollte, mit Freuden und gleichsam lächelnd gegangen. Und als er nahe zum Kreuze kam, sprach er:
O du liebes Kreuz! Mich hat sehr nach dir verlangt, ich freue mich, dich hier aufgerichtet zu sehen, ich komme zu dir ganz wohlgemut mit einem getrosten Gewissen und begehre, als ein Jünger desjenigen, welcher am Kreuze hing, dass ich auch möchte gekreuzigt werden.
Ferner sprach der Apostel: Je näher ich dem Kreuze komme, desto mehr ich mich zu Gott nahe, und je mehr ich mich von dem Kreuz entferne, desto mehr entferne ich mich auch von Gott.
Der heilige Apostel Andreas hat drei Tage lang an dem Kreuze gehängt; hat aber nicht stille geschwiegen, sondern so lang als er den Mund und die Zunge regen konnte, hat er das Volk, das bei dem Kreuze stand, unterwiesen in dem Wege der Wahrheit, und hat nebst andern auch diese Worte gebraucht: Ich danke meinem Herrn Jesu Christo, der mich eine Zeit lang als einen Gesandten gebraucht, und nun mich lässt aus diesem Körper wandern, dass ich möge durch ein gutes Bekenntnis die Barmherzigkeit und Gnade erkennen, die da ewig währt. Bleibt standhaft in dem Wort der Lehre, welches ihr empfangen habt, und unterweiset euch untereinander, dass ihr auch dort in der Ewigkeit bei Gott wohnen möget, zu empfangen die Frucht seiner Verheißungen.
Die Christen und andere fromme Leute baten den Landpfleger, dass er Andreas von dem Kreuze abnehmen und ihnen schenken wolle. (Denn es scheint, dass er nicht an das Kreuz genagelt, wie Christus, sondern gebunden gewesen.) Da solches der Apostel vernommen, hat er zu Gott gerufen und gesprochen:
O Herr Jesu Christi! Laß doch nicht zu, dass dein Diener, der um deines Namens willen hier an dem Holze hängt, losgelassen werde, um wiederum bei den Menschen zu wohnen, sondern du wollest mich aufnehmen, o du mein Herr, mein Gott, den ich gekannt habe und den ich geliebt habe, an welchen ich mich halte, welchen ich begehre zu sehen, und in welchem ich bin, was ich bin.
Da der heilige Apostel diese Worte geredet hatte, hat er seinen Geist aufgegeben in die Hände seines himmlischen Vaters.



11.01.2019
Onesiphorus
Freund von Paulus
in Hellesponte an wilde Pferde gebunden und totgeschleift oder zerrissen auf Befehl Neros
ungefähr im Jahre Christi 70



Onesiphorus war aus Asien, ein Bürger von Ephesus, in Kleinasien, sehr tugendhaft und gottselig in seinem Leben, sodass er den Apostel Paulus zu Rom in seinen Banden oft besuchte, ansprach und tröstete, worüber sich der Apostel Paulus von Herzen freute und Gott gebeten, dass ihm diese Wohltat an dem großen Tage der Vergeltung möge vergolten werden.
Hierüber schreibt Paulus an Timotheus also: »Der Herr gebe Barmherzigkeit dem Hause Onesiphori, denn er hat mich oft erquickt und hat sich meiner Ketten nicht geschämt, sondern als er nach Rom kam, suchte er mich mit Fleiß und fand mich. Der Herr gebe, dass er Barmherzigkeit finde bei dem Herrn an jenem Tage; und wie viel er mir zu Ephesus gedient hat, solches weißt du ambesten.« (2Tim 1,16–18)
Am Schluss desselben Briefes lässt er Onesiphori Hausgesinde herzlich grüßen, sagend: »Grüßt mir das Hausgesinde Onesiphori. Die Gnade sei mit euch, Amen.« (2Tim 4,19,22)
Einige schreiben, dass dieser fromme Mann Bischof der Gemeinde zu Kolophon gewesen, andere melden zu Koronia. Ob aber zu derselben Zeit Kolophon und Koronia eine Stadt gewesen mit zwei verschiedenen Namen, oder ob es zwei besondere Städte gewesen, sodass er täglich die Aufsicht über beide Gemeinden hatte, daran ist uns wenig gelegen zu untersuchen.
Es ist uns genug, dass die Geschichtsschreiber darin übereinstimmen, dass er und Porphyrius, sein Mitknecht in dem Dienst Jesu Christi, an dem Hellespont zuerst sind, nach dem Befehl des Landpflegers Adriani, mit vielen harten Schlägen gegeißelt, und hernach beide zugleich an wilde Pferde gebunden und todgeschleift oder zerrissen worden, vermöge des blutigen Gebots Neros.



10.01.2019
Silas oder Silvanus
zu Philippi, in Mazedonien, gegeißelt und als ein Märtyrer gestorben
ungefähr im Jahre Christi 70




Silas, sonst genannt Silvanus, war dem Apostel Paulus und Barnabas zugesellt, nebst Juda, welcher genannt ward Barsabas, welche Männer Vorgänger waren unter den Brüdern, um Zeuge der Sachen zu sein, die unter den Aposteln zu Jerusalem zum Wohlstand der Gemeinde Gottes überlegt und beschlossen wurden.
Dieser Silas nun, nachdem er einst zu Philippi in Mazedonien das Werk des heiligen Evangeliums befördert hatte, so wird er nebst Paulus gefangen, vor die Obersten geführt, öffentlich, wiewohl unverhört, gegeißelt, und nachdem er so misshandelt ward gegen alles Recht und Ursache, in den Kerker geworfen, mit den Füßen in den Stock gelegt; doch durch die Beschickung Gottes, auf eine wunderbare Weise um Mitternacht, als ein Erdbeben entstand, wodurch sich die Türen des Gefängnisses öffneten, wiederum befreiet.
Es haben einige gesagt, dass er nachgehend Bischof der Korinthischen Gemeinde geworden, und nach vielem Predigen in Mazedonien als ein Märtyrer gestorben sei. Indessen ist es doch gewiss, dass er, nach dem Zeugnis der heiligen Schrift, um des Evangeliums willen nicht allein ist gefangen und gegeißelt worden, sondern auch viele Verschmähungen vor seinem Ende erlitten hat.



09.01.2019
Paulus
Apostel
Hart verfolgt und zuletzt von Kaiser Nero enthauptet
im Jahre Christi 69




Saulus, (welcher nach der Hand Paulus genannt ward) war von Abkunft ein Jude, aus den Hebräern von dem Stamm Benjamin; wer aber eigentlich sein Vater und seine Mutter gewesen, solches findet man nicht in der heiligen Schrift (Phil 3,5).
Betreffs seiner Geburtsstadt lässt es sich annehmen, dass seine Eltern entweder aus Not der Verfolgung oder des Römischen Kriegs oder anderer Ursachen halber ihre Wohnstatt, gelegen in dem Erbteil Benjamin, verlassen, und sich in eine römische Freistadt in Cicilien, mit Namen Tarsus, begeben haben, woselbst dieser Paulus geboren, welcher durch die Privilegien derselben Stadt, obgleich er ein Jude war, ein römischer Bürger wurde(Apg 22,3).
Während seiner Erziehung ist er sehr sorgfältig durch den weisen Gamaliel in dem väterlichen Gesetz unterrichtet worden, sodass er dermaßen zugenommen, dass ihm wenig aus dem ganzen alten Testamente unbekannt gewesen ist (Apg 22,3; Gal 1,14).
Er lebte untadelhaft nach dem Gesetze Moses und der heiligen Propheten, und in dem allereingezogensten und strengsten Orden des Judentums; weil er aber von der Lehre des heiligen Evangeliums noch nicht genugsam benachrichtigt war, hat er (wiewohl nach dem Gesetz) verkehrt geeifert, und die Gemeinde Christi verfolgt, ja zur Zeit des Todes Stephani bewahrte er die Kleider derer, die ihn töteten (Apg 7,58).
Aber hernach, da er Briefe empfing von den Priestern zu Jerusalem, an die Schulen zu Damaskus, um gefänglich einzubringen Männer und Weiber, die den Namen Christi bekannten, so hat ihm der Herr vom Himmel solches verwiesen, rufend: »Saul! Saul! Warum verfolgst du mich? Er antwortet: Herr, wer bist du? Der Herr sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst; es wird dir schwer fallen wider den Stachel löcken. Da antwortete er zitternd und verzagt: Herr!Was willst du, dass ich tun soll? Der Herr sprach, gehe in die Stadt, da wird man dir sagen, was du tun sollst.« (Apg 9,4–6)
Die Männer, welche mit ihm reisten, standen ganz bestürzt, denn sie hörten eine Stimme und sahen doch niemand. Da stand er auf von der Erde, denn die Furcht hatte ihn darnieder geschlagen, und als er seine Augen aufhob, sah er nichts, also dass sie ihn bei der Hand leiteten und nach Damaskus brachten (Apg 9,8).
In der Stadt Damaskus war ein Jünger, genannt Ananias, zu demselben sprach der Herr durch eine Erscheinung: »Stehe auf und gehe in die Straße, welche heißt die Gerade, und frage in dem Hause Juda nach einem mit Namen Saulus von Tarsus, denn siehe, er betet.« (Apg 9,11)
Ananias antwortete: »Herr! Ich habe von vielen gehört von diesem Mann, wie viel Böses er deinen Heiligen zu Jerusalem getan.« (Apg 9,13)
»Da sprach der Herr zu ihm: Gehe hin, denn er ist mir ein auserwähltes Gefäß, dass er meinem Namen trage vor die Heiden, vor Könige und vor die Kinder Israel, und ich will ihm zeigen, wie er leiden soll um meines Namens willen.« (Apg 9,15–16)
Also ging Ananias hin, kam in das Haus, legte die Hände auf ihn und sagte: »Saul, lieber Bruder, der Herr hat mich zu dir gesandt, damit du dein Gesicht wieder empfangest, und mit dem heiligen Geiste erfüllet werdest; und zur Stund’ fiel es von seinen Augen gleichwie Fischschuppen, und da er sehend geworden war, stand er auf und ließ sich taufen.« (Apg 9,17–18)
Auf solche Weise ist Saulus, später Paulus genannt, bekehrt worden, welcher einer der vornehmsten Apostel unseres Herrn Jesu Christi gewesen; ja der da mehr gearbeitet als die übrigen alle (1Kor 15,10).
Alsbald nach seiner Bekehrung predigte er Christus in den Schulen, bezeugend, dass er der Sohn Gottes sei (Apg 9,20).
Einige Zeit hernach sagte der heilige Geist zu den Propheten und Lehrern von Antiochien, nachdem sie dem Herrn mit Fasten und Beten gedient hatten: »Sondert mir aus Barnabas und Saulus zu dem Werke, wozu ich sie berufen habe!« Also wurden sie von dem heiligen Geiste ausgesandt (Apg 13,23).
Unterdessen wird Paulus, zuvor Saulus genannt, mit sonderlichen Gaben des heiligen Geistes ausgerüstet; denn er hatte den Geist des Unterschiedes, der Weissagung, der Zungen, der Kräfte (Apg 13,9–10; 1Tim 4,1; 1Kor 14,18; Apg 19,11).
Auch hatte er außerordentliche Offenbarungen, sodass er zu einer gewissen Zeit bis in den dritten Himmel, ja bis in das himmlische Paradies entzückt wurde, woselbst er unaussprechliche Worte gehört, die kein Mensch sagen kann (2Kor 12,1).
Außerdem war er geziert mit vielen christlichen Tugenden, welche er mit einem guten Gewissen ausübte. Desgleichen war er treu in seinem Dienste, hatte eine väterliche Sorge über alle Gemeinden, und eine herzliche Liebe bis in den Tod zu ihnen; sodass er sagte: »Unsres Herzens Lust zu euch war, euch mitzuteilen nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch unser Leben, weil wir euch lieb gewonnen hatten.« (1Th 2,8)
Er war vom Geiz entfernt und von Herzen mild, und wollte lieber mit seinen eigenen Händen arbeiten, als die Gemeinde belästigen, auf dass dem heiligen Evangelio kein Hindernis zuwachse (Apg 20,34).
Den Irrgeistern, Zauberern, Epicurischen Philosophen und falschen Aposteln hat er kräftigen Widerstand getan, und durch Gottes Wort überwunden.
Er scheute weder Groß noch Klein, noch Edel oder Unedel, noch Jude oder Grieche; sondern lehrte die Wahrheit Gottes aufrichtig. Was er erlitten auf sieben großen Land- und Seereisen, in einer Zeit von dreißig Jahren, in welcher er Judäa, Syrien, Asien, Mazedonien, Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland, ja beinahe die ganze alte bewohnte Welt durchwanderte, ist genugsam bekannt, sowohl in der heiligen Schrift, als aus den Geschichten.
Es wird angenommen, dass er bis zu seiner ersten Gefangenschaft in Rom über dreitausend deutsche Meilen zu Wasser und zu Land gereist habe, nur allein des Evangeliums willen; ausgenommen die andern beschwerlichen Reisen, welche er zur Stärkung, Aufweckung und Tröstung der neugepflanzten Gemeinden unternommen hat, auf welchen er viel Verdruss, Jammer und Herzeleid von den Ungläubigen erdulden musste.
Die Worte, die der Herr gesprochen in der Zeit seiner Bekehrung, wurden durchgehend erfüllt: »Ich will ihm zeigen, wie viel er um meines Namens willen leiden soll.« (Apg 9,16)
Kurz nach seiner Taufe, da sein Eifer für die Wahrheit Christi zu Damaskus Früchte zu tragen anfing, indem er den Juden bewies, dass Christus gekommen, hielten sie einen Rat, um ihn zu töten; um auf diese Weise ihren Händen zu entgehen, wurde er in einem Korb über die Mauer gelassen (Apg 9,24–25).
Später, als er nach Ikonien mit seinem Mitgehilfen Barnabas kam, erweckten die Juden die Heiden gegen ihn und seinen Freund, des Vorhabens, sie zu steinigen.
Da sie aber nach Lystra flüchteten, und einen Krüppel gehend gemacht, kamen etliche Juden von Antiochien und Ikonien, und erweckten das Volk, sodass sie Paulus steinigten, den sie doch zuvor als einen Gott geehrt, und schleppten ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er wäre gestorben; nachdem ihn aber seine Jünger umringten, stand er wieder auf (Apg 14,18–19).
Nachmals, als er mit Sylas reiste, und zu Philippen in Mazedonien ein Mägdlein von einem Wahrsagegeist gesund gemacht hatte, wird er mit Sylas deshalb angeklagt, gegeißelt, in den Kerker geworfen, mit den Füßen in den Stock geschlossen, und ganz genau verwahrt. Des Nachts aber ließ Gott ein Erdbeben kommen, sodass die Fundamente des Kerkers bewegt wurden, die Türen sich öffneten, und die Bande an dem Stock sich selbst auflösten. Durch welches Mittel Paulus und Sylas mit Wissen des Kerkermeisters aus dem Gefängnis entkommen sind, welcher auch ihren Glauben annahm und getauft wurde (Apg 16,22–36).
Nach diesem, als sie nach Thessalonien kamen, und an drei Sabbattagen das Wort Gottes gepredigt, hat eine große Menge gottesfürchtiger Griechen und nicht wenig vornehme Frauen den Glauben angenommen. Deshalb wurden die ungläubigen Juden durch Hass und Neid zum Aufruhr bewegt, nahmen noch einige boshafte Männer zu sich, welches Marktbuben waren, und nachdem sie viel Volk versammelt, setzten sie die Stadt in Aufruhr. Unterdessen überfielen sie das Haus eines mit Namen Jason, in der Meinung Paulus und Sylas seien darin, und suchten sie unter das Volk zu bringen; da sie sie aber nicht fanden, schleppten sie Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt, und riefen: Diese, die den ganzen Weltkreis in Aufruhr setzen, sind hierher gekommen, die hat Jason heimlich aufgenommen(Apg 17,1–7).
Von hier ließen die Brüder sie beide des Nachts nach Beroen reisen wegen der Verfolgung.
Nachdem, als Gallio Landpfleger in Achaia war, empörten sich die Juden einträchtig gegen Paulus, und brachten ihn vor den Richterstuhl, sagend: Diese überreden die Menschen gegen das Gesetz Gott zu dienen, und als Paulus seinen Mund auftun wollte, um sich zu verantworten, sprach Gallio zu den Juden, um sie von ihrer unbegründeten Beschuldigung zu überzeugen, wäre es ein Betrug oder Übeltat, liebe Juden, so würde ich euch mit Recht hören, weil es aber eine Frage ist von Wörtern und Namen, und von eurem Gesetz, so seht ihr zu, denn ich will hierüber kein Richter sein. Und also trieb er sie von dem Richterstuhl (Apg 18,12–16).
Nach diesem kam ein Prophet aus dem jüdischen Lande, Agabus genannt, und nahm den Gürtel Pauli’s und band sich selbst damit, ausrufend: Dieses sagt der heilige Geist; den Mann, dem dieser Gürtel ist, werden die Juden zu Jerusalem also binden, und ihn in der Heiden Hände überantworten. Daher haben die Brüder Paulus gebeten, seine Reise nach Jerusalem einzustellen. Aber er antwortete: Was macht ihr, dass ihr weint und mein Herz betrübt? Denn ich bin bereit, nicht allein mich binden zu lassen zu Jerusalem, sondern auch zu sterben um des Namens Jesu willen (Apg 21,10–13).
O ein wichtiger Vorsatz des Apostels Pauli.
Da er aber auf den Staffeln zu Jerusalem stand und sich
verantwortete gegen diejenigen, welche ihn beschuldigten, geschah es, dass ihn die Juden eine Zeitlang anhörten, aber hernach ihre Kleider von sich warfen, den Staub in die Luft streuten und riefen: Tut diesen Menschen weg von der Erde, denn es gebühret ihm nicht zu leben (Apg 22,22–23).
Unterdessen haben sie ihn, um ihn zu geißeln, gebunden, wovon er nicht wäre befreit worden, wenn er nicht erklärt hätte, dass er ein Römer sei (Apg 22,25–29).
Paulus sah den Rat an und sagte: »Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe mit einem guten Gewissen vor Gott gewandelt bis auf diesen Tag. Da befahl der Hohepriester Ananias denen, die um ihn standen, ihn aufs Maul zu schlagen.« (Apg 23,1–2)
In der darauffolgenden Nacht stand der Herr bei ihm und sagte: »Paulus, sei getrost! Denn wie du zu Jerusalem von mir gezeugt hast, also sollst du auch zu Rom zeugen.« (Apg 23,11)
Als es nun Tag ward, machten sich etliche Juden zusammen und verbanden sich weder zu essen noch zu trinken, sie hätten dann Paulus getötet. Es waren aber der Personen mehr als 40, welche diese Verbindung gemacht hatten (Apg 23,12).
Es hat aber Pauli Schwester Sohn ihn vor solchen betrüglichen Nachstellungen gewarnt, und da er solches an den Hauptmann der Römer gelangen ließ, wurde Rat geschafft, demselben zu entgehen; deswegen ward er in der dritten Stunde der Nacht nach Cäsarien geführt zu dem Landpfleger Felix (Apg 23,16–24).
Felix aber verwahrte ihn in dem Richthaus Herodis bis zur Ankunft seiner Ankläger (Apg 23,35).
Nach fünf Tagen kam der Hohepriester Ananias hinab mit den Ältesten der Juden samt dem Redner Tertullo. Diese kamen vor den Landpfleger gegen Paulus, und als nun Paulus gerufen ward, fing Tertullus, nachdem er dem Felix viele Redensarten und Schmeicheleien gemacht, an zu klagen und sagte; Diesen Mann haben wir schädlich befunden, denn er erweckt Auflauf unter allen Juden auf dem ganzen Erdreich, und ist der Vornehmste unter der Sekte der Nazaräer, welcher darauf ausgeht, den Tempel zu entheiligen. Deshalb griffen wir ihn und wollten ihn richten nach unserem Gesetz, aber Lysias der Hauptmann kam uns zuvor und nahm ihn mit Gewalt aus unsern Händen. Dieses haben die Juden bekräftigt und gesagt, dass dem also sei(Apg 24,1–9).
Es ist aber offenbar aus den vorhergehenden Geschichten, welche in den Werken der Apostel ausgedrückt stehen, und aus nachfolgender Verantwortung Pauli von Vers 10–21, dass solches nicht wahr gewesen, wie sie auch suchten durch ihre Anklagen ihn zum Tode zu bringen.
Nachdem nun zwei Jahre verflossen, kam Porcius Festus an Felix Statt, welcher Felix, weil er den Juden günstig war, ihnen eine Wohltat erweisen wollte, und ließ Paulus gebunden zurück (Apg 24,27).
Als aber Festus ins Land kam, reiste er nach drei Tagen von Cäsaren nach Jerusalem; da begegneten ihm die Hohepriester und Vornehmsten der Juden und begehrten von ihm, dass er ihnen die Gunst erwiese, Paulus nach Jerusalem zu rufen; aber sie stellten ihm nach, um ihn unterwegs zu töten. Festus antwortete den Juden, es sollte Paulus zu Cäsaren verwahrt werden, dahin möchten seine Ankläger kommen (Apg 25,1–5).
Als sie nun kamen, brachten sie viele schwere Sachen vor, welche sie doch nicht beweisen konnten, welches Paulus mit einer zierlichen kurzen Rede widerlegte, und sich also erklärte, dass er weder gegen das Gesetz der Juden, noch gegen den Tempel oder den Kaiser gesündigt habe. Da er nun auf eine betrügerische Weise von Festo gefragt ward, ob er nach Jerusalem reisen wollte, um daselbst gerichtet zu werden, allwo seine Todfeinde wohnten, hat er freimütig geantwortet: Ich stehe vor des Kaisers Gericht, daselbst soll ich gerichtet werden; ich habe den Juden kein Leid getan, welches du selbst besser weißt; habe ich aber etwas getan, das des Todes wert ist, so weigere ich mich nicht zu sterben (Apg 25,9–11).
Hernach ward Paulus verhört von dem König Agrippa in Gegenwart Festi, über welche Verantwortung Festus, welcher ein Freund der Juden war, ausrief: Paulus, du rasest. Agrippa aber bezeugte, es fehlte wenig, dass er nicht ein Christ würde, urteilte auch, dass an ihm keine Schuld des Todes zu finden, darum er auch zu Festo sprach: Dieser Mensch hätte mögen losgelassen werden, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte(Apg 26,1–32).
Unterdessen hat man den Entschluss gefasst, dass er nach Italien fahren sollte, um von dem Kaiser verhört zu werden, darum haben sie ihn und noch einige andere Gefangene Julio, dem Hauptmann von der kaiserlichen Rotte, überantwortet.
Diese alle gingen zur See auf einem Adramitischen Schiffe, mit welchem sie an Cypern, Cicilien, Pamphilien und anderen Landschaften hinfuhren bis nach Myra in Licien, daselbst setzten sie sich auf ein Schiff von Alexandrien, das nach Italien fahren sollte. Mit diesem fuhren sie gegen Guidon unter Kreta hin, nahe bei der Stadt Salamin, von da an einen Ort, welcher Gut-Port genannt ward, nahe bei Lasea (Apg 27,1–8).
Als sie hier ankamen, sagte Paulus voraus, dass sie diese Reise nicht ohne großen Schaden machen würden, auch sei Gefahr des Schiffbruchs und ihres eigenen Lebens; der Unterhauptmann aber glaubte mehr dem Schiffer und Steuermann, als demjenigen, was von Paulo gesagt ward (Apg 27,10-11).
Da sie nun fortfuhren, hofften sie zu überwintern in einem Hafen an Kreta um Phönizien her, aber sie stießen auf Asson und fuhren bei Kreta hin (Apg 27,12–13).
Da ward das Schiff von einem starken Nordostwind ergriffen, welcher es trotz aller Anstrengungen durch die Wellen dahintrieb, sodass sie sich dem Winde übergeben mussten; sie kamen aber an die Insel Claudia, gleichwohl fürchtend, sie möchten auf das Trockene verfallen (Apg 27,16–17).
Weil aber ein gewaltiges Ungewitter entstand, sahen sie weder Sonne noch Sterne in vielen Tagen und Nächten, sodass alle Hoffnung ihres Lebens dahin war (Apg 27,20).
Unterdessen sandte Gott in einer gewissen Nacht seinen Engel zu Paulo, sagend: Fürchte dich nicht, du musst vor den Kaiser gestellt werden, und siehe, Gott hat dir alle gegeben, die mit dir im Schiffe sind (Apg 27,23–24).
Hierauf hat sie Paulus ermahnt, Speise zu gebrauchen zum Unterhalt ihres Lebens, denn um der tödlichen Angst willen hatten sie in vierzehn Tagen nichts gegessen. Und da er das Brot brach, um zu essen, dankte er Gott vor ihnen allen (Apg 27,33–36).
Als es nun Tag war, erkannten sie das Land nicht, davor
sie waren; doch sahen sie einen Hafen, konnten ihn aber nicht erreichen, sondern stießen an einen Ort an der Insel Melite (gegenwärtig Malta genannt) wo der vordere Teil des Schiffes fest stehen blieb, aber das Hinterteil ward von den Wellen in Stücken geschlagen (Apg 27,39–41).
Da hielten die Kriegsknechte einen Rat, die Gefangenen, und folglich auch Paulus zu töten, damit ihnen niemand, wenn er auch sollte hinausschwimmen, entlaufen möchte.
Aber der Unterhauptmann wollte Paulus erhalten, deshalb verbot er ihnen ihren Rat und sagte, welche schwimmen könnten, die sollten sich zuerst in die See begeben und ans Land kommen, welches auch geschah, andere aber wurden ans Land getrieben, etliche auf Brettern, andere auf Stücken von dem Schiffe, sodass sie alle, nämlich hundertsiebzig Seelen, ans Land kamen (Apg 27,42–44).
Also ist erfüllt worden was Paulus vorhersagt hatte, nämlich, dass sie würden Schiffbruch leiden und doch das Leben davonbringen.
An diesem Ort ward Paulus zuerst als ein Mörder, hernach aber als ein Gott ausgeschrien von denen die auf dem Eiland wohnten, und darum, weil sie merkten, dass ihm eine Otter an die Hand kam, welche er aber, ohne davon Schaden zu leiden, ins Feuer warf (Apg 28,4–6).
Nach drei Monaten setzten sie ihre Reise wieder fort nach Italien mit einem Schiffe, welches daselbst überwintert hatte, kamen zuerst nach Syracuse in Cicilien, hernach nach der Stadt Puteolen auf der italienischen Grenze, wo Paulus Brüder antraf, welche ihn sieben Tage beherbergten, andere gingen ihm entgegen bis an den Markt Apii und an die drei Tabernen.
Da er aber seine Reise fortsetzte, kam er nach Rom, wo ihn der Unterhauptmann dem Oberhauptmann überlieferte, um vor den Kaiser gebracht zu werden, inzwischen aber ward er gebunden mit einer Kette und von einem Kriegsknecht bewacht (Apg 28,11–16,20).
Dieses alles haben wir desto weitläufiger nach Anleitung der heiligen Schrift erzählt, damit man sehen möge, wie viel dieser fromme Mann auf seinen Reisen zu Wasser und zu Land um des heiligen Evangeliums willen erlitten.
Von welchem allem er einen kurzen Bericht abstattet in seinem zweiten Sendbriefe an die Korinthische Gemeinde und also schreibt:
»Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger einen. Ich bin dreimal gestäupt, einmal gesteinigt, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht auf der Tiefe des Meeres. Ich habe oft gereist; ich bin in Gefahr gewesen zu Wasser, in Gefahr unter den Mördern, in Gefahr unter den Juden, in Gefahr unter den Heiden, in Gefahr in den Städten, in Gefahr in der Wüste, in Gefahr unter den falschen Brüdern. In Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße.« (2Kor 11,24–27)
Ja es erscheint aus dem ersten Briefe an die Korinther, dass er zu Ephesus auf einem Schauplatze vor die wilden Tiere geworfen worden, um zerrissen zu werden, oder auf Leib und Leben mit ihnen zu kämpfen, wovon ihn Gott damals erlöste. Hiernach mögen Rechtsinnige urteilen: »Dass ich, nach Menschen Weise (schreibt er) mit den wilden Tieren zu Ephesus gefochten habe, was hilft es mir, wenn die Toten nicht auferstehen?« (1Kor 15,32)
In Bezug seiner Gefangenschaft zu Rom berichten die meisten alten Schreiber, dass, als er vor den Kaiser gestellt war, seine meisten Freunde ihn zu der Zeit verließen, als er sich verantworten sollte, er aber nichtsdestoweniger sich so trefflich gegen die Anklagen der Juden verteidigte, dass er für dieses Mal freigelassen wurde.
Was nun dieses betrifft, solches lassen wir in seinem Wert, und dem allwissenden Gott anbefohlen sein.
Inmittelst ist es doch so, dass, als er in dem Gefängnis zu Rom gewesen, er an seinen geistlichen Sohn Timotheus geschrieben, dass er nun als ein Trankopfer sollte geopfert werden, und dass die Zeit seines Abschiedes nahe sei, wiewohl er sich dessen tröstete, dass er einen guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, Glauben gehalten, und dass ihm nun beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche ihm der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage geben werde (2Tim 4,6–8).
Wie die alten Chroniken nachweisen, so ist er von dem Kaiser Nero außerhalb der Stadt Rom, auf der Straße die nach Ostia führt, Via Ostiensis, wo die Römer ihren Gerichtsplatz zu halten pflegten, durch das Schwert enthauptet worden, in dem letzten Jahre Neros, ungefähr im Jahre Christi 69



08.01.2019
Simon Petrus
Apostel
unter Kaiser Nero mit dem Haupte niederwärts gekreuzigt
im Jahre Christi 69




Simon Jonas (nachmals Kephas im Syrischen, das ist auf Griechisch Petros oder Petrus genannt) war ein Bruder Andreas, gebürtig zu Bethsaida in Galiläa, seiner Handtierung nach ein Fischer. Er hatte seine Wohnung zu Kapernaum bei seines Weibes Mutter. Sein Bruder Andreas, welcher ein Jünger Johannes gewesen, brachte ihn zuerst zu Christo, kurz darnach wurden sie beide von dem Fischen abberufen, und zu Menschenfischern gemacht.
Er ward von Christo, seinem Seligmacher, fleißig unterrichtet, und machte solche Fortschritte, dass er der Sprecher oder Wortführer aller Apostel geworden ist. Durchgehend war er der Freimütigste in Fragen und Antworten; auch eiferte er am meisten für Christum, um ihm seine Liebe und Treue zu erweisen, wiewohl er auch zu Zeiten einige Unbedachtsamkeiten beging, worin ihn dann der Herr, wie ein Vater mit seinem Kinde zu tun pflegte, getreulich unterwies, und ihn, so viel es nötig war, freundlicher Weise bestrafte.
Der Herr hat ihn auf eine sonderliche Weise geliebt, und ließ ihn, samt Jakobus und Johannes, seine Herrlichkeit anschauen auf dem Berge Tabor, wovon er später Meldung machte an die auserwählten zerstreuten Fremdlinge, indem er sagte: Wir haben seine Herrlichkeit gesehen.
Er war wohl unter allen der Freimütigste in seinem Anerbieten, um mit Christo zu leiden, aber der Schwächste, als der Streit anging. Der Herr hat ihn nebst den zwei Söhnen Zebbedäi erwählt, um in dem Garten mit ihm zu beten und zu wachen; aber seine Augen, gleichwie auch der übrigen, waren schwer und schläfrig geworden; welches zu erkennen gab, dass er auch nicht mehr als ein schwacher Mensch gewesen, obgleich er besonders von Christo geliebt wurde. Wir wollen jetzt nicht melden, wie er Christum verleugnet, denn solches gehört nicht an diesen Ort, weil wir uns nichts anderes vorgenommen haben, als von seiner Treue und Standhaftigkeit bis an seinen Tod zu sprechen.
Nachdem ihm der Herr die zuvor gemeldete Entsagung seiner verziehen hatte, hat er ihm dreimal befohlen seine Schafe und Lämmer zu weiden, welches er auch nach der Hand aufrichtig und nach allem Vermögen vollbracht.
Es sind durch seine Predigt an einem Tage bei dreitausend Seelen zum Glauben gekommen, welche sich sämtlich taufen ließen und standhaft blieben in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, in dem Brotbrechen und in den Gebeten.
Er bekräftigte seine Lehre mit der Macht Gottes, durch Zeichen, in Folge der Verheißung Christi, wie zu ersehen an einem Krüppel, Anania, Saphira, Eneas, Tabitha und andern mehr.
Es ward ihm die Berufung der Heiden in einem Gesicht vom Himmel geoffenbart; weil er aber eigentlich ein Apostel der Juden war, so ist auch sein Dienst meistens unter der Beschneidung kräftig gewesen.
Da er aber solch ein trefflicher und würdiger Mann war in seinem Dienst, so gefiel es dem Herrn, dass er einer mit von seinen Blutzeugen sein sollte, um die Wahrheit seiner Lehre nicht allein mit dem Munde, sondern auch mit seinem Blute und Tode zu versiegeln.
Welches ihm auch der Herr kurz vor seinem Abschiede aus dieser Welt vorhergesagt hat, indem er zu Petro sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: »Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wohin du wolltest, aber wenn du alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich binden und führen, wo du nicht hin willst. Dieses sagte er(meldet Johannes), um zu anzudeuten, mit welchem Tode er Gott verehren würde.« (Joh 21,18–19)
Dieses ist auch an ihm erfüllt worden; denn kurz nachher ward er in Jerusalem mit seinem Mithelfer Johanni vor den jüdischen Rat gestellt, und scharf bedroht, um im Namen Jesu nicht mehr zu predigen, welches sie beide mit großer Freimütigkeit verantwortet haben, sagend: »Richtet ihr selbst, ob es recht vor Gott sei, dass wir euch mehr denn Gott gehorchen.«(Apg 4,19)
Hernach ward er wiederum gefangen mit den andern Aposteln, ist aber in der Nacht wunderbarer Weise durch einen Engel aus dem Gefängnis erlöst worden (Apg 5,19).
Aber hernach ward er nicht allein gefangen, sondern auch nebst andern Aposteln gegeißelt und ihnen befohlen, gar nicht mehr im Namen des Herrn Jesu zu predigen; aber sie gingen
fröhlich von dem Rat, weil sie würdig waren um seines Namens willen Schmach zu leiden (Apg 5,40–42).
Hernach legte der König Herodes die Hände an etliche von der Gemeinde und tötete Jakobus, Johannis Bruder, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden wohlgefiel, fuhr er fort, fing Petrus auch, und legte ihn ins Gefängnis, und überlieferte ihn vier Vierteil Kriegsknechten, um ihn zu verwahren, und gedachte ihn nach dem Osterfeste dem Volke vorzustellen und ihn zu töten; aber in der Nacht hat ihn des Herrn Engel ausgeführt, mitten durch alle Kriegsknechte, sodass er wiederum bei den Gläubigen ankam, welche sehr über ihn erfreut wurden (Apg 12).
Wie es die Geschichte bezeugt, so ist auch an ihm endlich erfüllt worden, was Christus vorhergesagt, dass er Gott mit seinem Tode verherrlichen würde. Daher, als er in Rom war, ist er durch den Kaiser Nero zum Kreuz verurteilt worden. Weil er sich aber unwürdig achtete mit dem Haupte aufwärts, wie sein Erlöser gekreuzigt zu werden, begehrte er mit dem Haupte niederwärts gekreuzigt zu werden, welches ihm auch gleich bewilligt wurde, denn die Tyrannen waren bald willig und bereit, seine Pein zu vermehren. Dieses ist geschehen (wie bezeugt wird) nachdem Petrus siebenunddreißig Jahre das Evangelium gepredigt hatte, im siebzigsten Jahre seines Alters.



07.01.2019
Markus
Evangelist
Zu Tode geschleift in Alexandria
im Jahre Christi 64



Der heilige Evangelist Markus wird insgemein dafür gehalten, derselbe gewesen zu sein, dessen Zunamen Johannes genannt wird. Er war ein Mann aus der Beschneidung, ein Neffe des Barnabas, dessen Mutter Maria hieß, eine sehr gottselige Frau, welche ihr Haus zu Jerusalem der Versammlung der Christen widmete.
Erstlich wird er verordnet zu einem Diener Pauli und Barnaba, aber auf einer Reise nach Pamphylien kehrte er wieder nach Jerusalem.
Hernach hat der Apostel Paulus ihn der Gemeinde zu Kolossä rekommandiert, und sie ersucht, ihn aufzunehmen als einen Mitarbeiter in der Kirche Gottes; auch gebot er Timotheus, er sollte Markus zu ihm bringen, weil er ihm sehr nützlich zu seinem Dienst sei.
Dieser Markus ist bei Paulus in dem Gefängnis gewesen und hat ihm in seinen Banden alle getreue Hilfe und Beistand bewiesen.
Der Apostel Petrus (in seinem Briefe an die auserwählten zerstreuten Fremdlinge) nennt Markus auch seinen Sohn, ungezweifelt, weil er ihn in Christo durch das Evangelium hatte wiedergeboren; oder weil er sein Jünger, Dolmetscher und Beschreiber des Evangeliums war, welches er gelehrt hatte, von welchem letzteren Hieronymus also zeugt:

Markus (sagt er), ein Jünger Petri, hat auf Ansuchen der Brüder zu Rom ein kurzes Evangelium geschrieben nach der Erzählung, welche er von Petro gehört hatte, hat er selbige für gut erkannt und der Gemeinde auf sein Wort zu lesen gegeben.
Später, als Markus von Petrus nach Ägypten gesandt wurde, ist er durch Aquilea, die Hauptstadt von Friol, gereist, wo er viele Menschen zum Glauben gebracht, und Hermogenes zum Hirten über die Gemeinden zurückgelassen.
Darnach hat er seine Reise nach Afrika gerichtet, und Libia, Marmorica, Ammonica und Pentapolis mit der Lehre des heiligen Evangeliums erfüllt. Zuletzt hat er sich einige Jahre zu Alexandria aufgehalten.
Von dem Ausgang und Ende seines Lebens bezeugt Gelasius, dass er daselbst als ein Märtyrer gestorben sei.
Markus (spricht er), als er von Petrus nach Ägypten gesandt wurde, hat daselbst das Wort der Wahrheit treulich gepredigt, und das Zeugnis freimütig mit seinem Blut versiegelt. Diesem stimmen auch alle älteren und neueren griechischen und lateinischen Märtyrerbücher bei.
Die Geschichten melden wie folgt von der Art seines Todes: Dass, da er in dem achten Jahre Kaisers Neros in der Versammlung zu Alexandrien am Osterfest das selige Gedächtnis des Leidens und Sterbens Christi predigte, ihn die heidnischen Priester mit der Menge des Volkes überfallen, mit Haken und Seilen, welche sie um seinen Leib schlugen, aus der Versammlung geschleppt, und durch die Straßen bis außer der Stadt geschleift, sodass sein Fleisch allenthalben an den Steinen hängen blieb, und sein Blut auf der Erde floss, bis er mit den letzten Worten unseres Seligmachers seinen Geist in die Hände des Herrn übergab und starb.
Ein anderer alter Schreiber erzählt, dass, da sie ihn unmenschlich durch die Straßen geschleift, er überall aufgeborsten, sodass kein Teil an seinem ganzen Körper war, der nicht blutete, und dass sie ihn (als er noch lebte) wieder in den Kerker geworfen, wo er des Nachts von dem Herrn gestärkt und getröstet und des Morgens (wie er meldet)
wieder herausgezogen wurde, und dass sie ihn nach dem Ort, genannt Buculi, geschleppt, scherzweis sagend: Lasst uns den Büffel in den Ochsenstall bringen.
Als er hierauf starb, begehrten die Vornehmsten der Heiden ihn noch zu verbrennen; da sie aber durch ein Ungewitter verhindert wurden, haben die Christen ihn begraben.
Dieses ist geschehen nach der gemeinen Rechnung im achten Jahre der Regierung Neros, im Jahre Christi 64 und am 21. Tage des Monats April.



06.01.2019
Barnabas
Mithelfer des Apostels Paulus
Zur Stadt hinausgeschleift und verbrannt in Salamina in Cypern
im Jahre Christi 64



Barnabas, sonst genannt Barsabas, mit dem Zunamen Joseph, oder Joses oder Justus, war ein Levit aus Cypern, erfüllt mit dem heiligen Geist. Er ward ein Sohn des Trostes genannt, gleichwie er solches auch mit der Tat an den armen Heiligen bewiesen.
Es wird angenommen, dass er einer von den siebzig Jüngern Christi gewesen. Aus seinen vielen Namen mögen wir seine Vortrefflichkeit und Ansehen erkennen, welches Ansehen er sich aneignete durch seinen Eifer und Gottesfurcht. Denn er hat Paulus nach seiner Bekehrung zu den Aposteln gebracht. Und als das Wort Gottes zu Antiochien durch etliche Männer aus Cypern und Kyrene den Griechen verkündet ward, ward er von den Aposteln dahin abgefertigt, die Sache zu untersuchen, und nachdem er es also befand, hat er sie in der Wahrheit befestigt und gestärkt.
Hernach ging er nach Tarsen, um Paulus zu suchen, und brachte ihn nach Antiochien, woselbst sie ein ganzes Jahr sich aufhielten und lehrten. Desgleichen, als die Hungersnot entstand unter dem Kaiser Claudius, hat er mit Paulus eine ziemliche Handreichung überbracht zum Dienst der Brüder, die in Judäa wohnten.
Nachdem er aber wiederkehrte nach Antiochien, ward er durch Befehl des heiligen Geistes ausgesandt, in vielen Landschaften zu predigen, weil er um seiner Beredsamkeit willen öfters das Wort geführt hat. Ja er hatte solch ein großes Ansehen und Gottseligkeit, dass die Heiden zu Lystra in Licaonischer Sprache riefen, dass er ein Gott sei und vom Himmel herniedergekommen sei, und nannten ihn Jupiter, welches auch dabei nicht geblieben ist, sondern es kamen die Priester desselben Ortes, und brachten Ochsen mit Kränzen, und begehrten ihm und Paulus zu opfern.
Dieses aber hat er und sein Mithelfer Paulus gänzlich abgewiesen, sagend: Ihr Männer! Warum tut ihr das? Denn wir sind auch sterbliche Menschen gleichwie ihr, und verkündigen euch das Evangelium, dass ihr euch bekehrt von diesen falschen Dingen zu dem lebendigen Gott.
Hernach, nachdem etliche aus dem jüdischen Lande kamen, und einen Aufruhr unter den Brüdern erregten, sagend: Wenn ihr euch nicht beschneiden lasst nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht selig werden; so hat er sich mit seinem vorgemeldeten Mithelfer der Lehre des heiligen Evangeliums folgend, kräftig dagegen gesetzt; weshalb er nebst noch einigen frommen Männern verordnet ward, nach Jerusalem zu reisen, zu den Aposteln und Ältesten, um vorgemeldete Sache zu einem guten Ende zu bringen.
Da sie zu Jerusalem ankamen, ward er nebst den andern, von den Aposteln und der Gemeinde freudig aufgenommen, ja, was noch mehr ist, sie bezeugten von ihm und seinem Mitarbeiter Paulo, dass sie Menschen wären, die ihre Seele gegeben hätten für die Wahrheit, welches auch mit der Tat sich erwiesen.
Denn als sie nach Salamina kamen, welches eine große Stadt gewesen auf der Insel Cypern, von den Heiden Famagusta genannt, die Gemeinde daselbst im Glauben zu stärken, ist ihnen von einem jüdischen Zauberer (wie die alte Geschichte meldet) sehr bös begegnet worden, welcher alle andern Juden und das ganze Volk gegen ihn aufwiegelte, also dass sie ihn in einem Aufruhr griffen, und vor den Richter bringen wollten.
Weil sie aber befürchteten, es möchte der Richter seine Unschuld erkennen, ihn loslassen und auf freien Fuß setzen, so haben sie (nachdem sie jämmerlich mit ihm umgegangen) ihm ein Seil um den Hals geworfen, zur Stadt hinausgeschleift und daselbst verbrannt.
Also ist dieser fromme Diener Christi in seinem Vaterlande mit der Märtyrerkrone beehrt worden, und ist selig in dem Herrn entschlafen, ungefähr um die Zeit, als Jakobus Justus zu Jerusalem getötet ward, zur Zeit des Kaisers Neros, doch ehe noch die erste heidnische Verfolgung bekannt gemacht wurde, die kurz nach dem Brand zu Rom ihren Anfang nahm.



05.01.2019
Jakobus
Sohn des Alphäus
Apostel
Vom Tempel gestoßen, gesteinigt und mit einem Stock totgeschlagen im Jahre Christi 63



Jakobus Minor oder der geringere war ein Sohn Alphäi, und Maria Cleophä, der Schwester der Mutter Christi, dieser wird genannt der Bruder des Herrn.
Er ward von Christo nach genügsamer Unterweisung eingesetzt zu einem Apostel, und ausgesandt zum Dienst der Juden, worin sich bis an den Tod Christi sehr wohl betragen.
Darnach ward er nebst andern ausgesandt, um das Evangelium zu predigen, welches er verrichtete, unter der jüdischen Kirche bis an den Tod Johannes.
Und obschon Petrus, Jakobus und Johannes, sein Bruder, welche zwei letzte Söhne des Zebedäus waren, als die besondern Apostel geachtet wurden, so ist doch dieser nach dem Tode Jakobi Zebedäi für eine von den drei Säulen der Kirche gehalten worden.
Dieser ward von den Aposteln zu dem ersten Aufseher der Kirche zu Jerusalem gesetzt, und das kurz nach dem Tode Christi, welchen Dienst er getreulich hat wahrgenommen dreißig Jahre lang, und brachte viel Volk zu dem wahrhaftigen Glauben, nicht allein durch die reine Lehre Christi (obschon vornehmlich), sondern auch durch sein heiliges Leben, weswegen er der Gerechte genannt ward.
Er war sehr standhaft und heilig, ein rechter Nazarener sowohl in Kleidern, als Speise und Trank, und bat täglich für die Kirche Gottes und allgemeine Wohlfahrt.
Dieser Apostel hat einen Sendbrief geschrieben zum Trost der zwölf Geschlechter, welche in der Zerstreuung waren, sagend: »Jakobus, ein Dienstknecht Gottes und des Herrn Jesu Christi, Seligkeit sei den zwölf Geschlechtern, die hin und her zerstreut sind. Meine lieben Brüder, achtet es vor lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet.«
Aber ob er schon mit vielen trefflichen Gründen die Seinen welche an den Namen Jesu glaubten, tröstete, so haben doch die ungläubigen Juden seine Lehre nicht vertragen können; also, dass Ananias, ein vermessener und grausamer Mensch, welcher unter ihnen Hohepriester war, ihn vor Gericht brachte, in der Absicht, ihn zum Leugnen zu nötigen, dass Jesus der Christ sei, und sowohl seine göttliche Herkunft zu versagen, als auch die Kraft seiner Auferstehung.
Um welcher Ursache die Hohepriester, Schriftgelehrten und Pharisäer ihn auf die Zinne des Tempels gestellt, zur Zeit des Osterfestes, um vor dem ganzen Volke seinen Glauben zu verleugnen.
Aber als er daselbst vor dem Volke stand, bekannte er mit mehr Freimütigkeit, dass Jesus Christus der verheißene Messias, der Sohn Gottes, unser Seligmacher, sei, und dass Er, sitzend zu der rechten Hand Gottes, wieder kommen soll in den

Wolken des Himmels, um zu richten die Lebendigen und die Toten.
Um welches Zeugnisses Jakobi willen die Menge des Volkes Gott gepriesen, und den Namen Christi groß gemacht. Da schrien die Feinde der Wahrheit: O dieser Gerechte hat auch geirrt! Lasset uns ihn aus dem Wege räumen, denn er ist nichts nutz.
Also haben sie ihn von oben herunter geworfen, und gesteinigt. Doch nachdem er von dem Fall und dem Steinigen noch nicht getötet, sondern seine Beine nur gebrochen waren, hat er auf seinen Knien liegend Gott gebeten für diejenigen, welche ihn steinigten, sagend: Herr! Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.
Deswegen einer von den Priestern für sein Leben bat, sagend: Was macht ihr? Dieser Gerechte bittet für uns, höret auf ihn zu steinigen; aber ein anderer von denjenigen, welche zugegen waren, hatte einen Walkerstock in seiner Hand, womit er ihm die Hirnschale eingeschlagen, worauf er starb und in dem Herrn entschlief, daselbst ist er auch begraben worden, ungefähr an dem Ort, da er vom Tempel herunter geworfen ward.
Dieses ist geschehen im Jahre unseres Herrn, dreiundsechzig, im sechsundneunzigsten Jahre seines Alters in dem siebten Jahre der Regierung Neros, als die Landpflegerstelle ledig stand, zwischen dem Tode Festi und der Ankunft Albini an seiner Stadt, als Ananias Hohepriester war, welcher diesen jämmerlichen Tod an Jakobi vollbracht hat.



04.01.2019
Philippus
Apostel
Gesteinigt in Hierapolis in Phrygien im Jahre Christi 54



Phillipus, geboren zu Bethsaida in Galiläa, hatte eine Hausfrau und Tochter eines aufrichtigen Wandels. Es fand ihn Christus und berief ihn zu seinem Jünger, um ihm nachzufolgen, welches er auch so treulich getan, dass, da er Nathanael fand, er ihn auch zu Christo brachte, ihm bezeugend, dass er denjenigen gefunden habe, von welchem Mose und die Propheten geschrieben, nämlich Jesus von Nazareth den wahren Messias.
Von der Zeit an folgte Philippus Christo beständig nach, hörte seine Ermahnungen und sah seine Wunder zum Dienst des Wortes Gottes. Deshalb ward er von Christo zu einem Apostel eingesetzt, und ausgesandt um das Evangelium zu predigen, erstlich den verlorenen Schafen des Hauses Israel, welches er auch, wie seine übrigen Mit-Apostel getan.
Der Herr hatte solche Hochachtung für ihn gleichwie für seinen größten Freund. Denn als das herrliche Wunderwerk geschah, da viertausend Menschen gespeist wurden, hat Christus ihn auf die Probe gesetzt und sich mit ihm beratschlagt, sagend, woher sollen wir Brot kaufen, dass diese essen mögen?
Auch ward er freundlich von dem Herrn unterrichtet, als er ihn ersuchte, den Vater zu sehen. Denn Christus sagte zu ihm: Philippe, wer mich sieht, der hat den Vater gesehen.
Da es sich nun einmal zutrug, dass etliche Griechen Jesum gerne gesehen hätten, und ihn baten, er wolle ihnen einen Zutritt zu dem Herrn auswirken, so kam er, nebst Andreas, und sagte es dem Herrn, welcher darauf antwortete: Die Zeit ist gekommen, da des Menschen Sohn soll verklärt werden.
Dieser fromme und gottselige Apostel ist bei dem Herrn geblieben bis zu seinem Leiden; nachgehends aber, als Christus auferstanden war und die Zerstreuung vorging, hat er sich zu seinen Mitbrüdern gehalten, bis sie, der Verheißung Christi folgend, nach seiner Himmelfahrt den heiligen Geist empfingen.
Nach der Austeilung der Länder hat er einige Jahre gelehrt in Scytia, wo er viele Gemeinden gestiftet, und da ihm besonders Syrien und der obere Teil von Asien zu Teil fiel, hat er den Grund des Glaubens in vielen Städten gelegt.
Als er aber endlich in Phrygiam kam nach Hierapolis, wo er etliche Zeichen tat, haben die Ebioniten, die nicht allein die Gottheit Christi verleugneten, sondern auch den Abgöttern dienten, und in ihrer lästerlichen Meinung und Abgötterei hartnäckig fortgingen, diesem frommen Apostel Christi kein Gehör gegeben, sondern ihn gefangen genommen, und da sie ihn mit dem Haupt an eine Säule festgemacht, steinigten sie ihn, worauf er gestorben und in dem Herrn entschlafen ist; hernach ist sein Leichnam in vorgemeldeter Stadt Hierapolis begraben worden.


03.01.2019
Jakobus
Sohn des Zebedäus
Apostel
Mit dem Schwert getötet durch Herodes Agrippa in Jerusalem
im Jahre Christi 45



Jakobus mit dem Zunamen der Größere, war der Sohn Zebedäi und Salome. Dieser pflegte sich mit Fischen zu ernähren; nachdem er aber von Christo zu einem Jünger ist berufen worden, hat er seine Fischerei verlassen und ist ihm nachgefolgt.
Er ist nächst den andern Aposteln eine geraume Zeit in dem Apostelamt unterwiesen worden, bis er endlich ordentlich dazu ausgesandt wurde.
Er war ausgerüstet mit Gaben, Zeichen und Kräften zu wirken. Von wegen dieser sonderlichen Gaben war er einer von den Dreien, welche Boanerges, das ist Donnerkinder, genannt wurden. Er war in allen außerordentlichen Begebenheiten Christi gegenwärtig; gleichwie ihn dann der Herr selbst dazu erwählt hatte, um auf dem heiligen Berge seine Herrlichkeit anzuschauen, und darnach in dem Garten Gethsemane sein Leiden zu sehen.
Nicht weniger hat Christus von ihm geweissagt, dass er aus dem Kelch, woraus er (Christus selbst) trinken würde, auch trinken müsste, und dass er auch getauft werden müsste mit der Taufe, womit er selbst getauft worden, das ist, er sollte beides, seines Leidens und seines Todes, teilhaftig werden.
Nach dem Tode Christi hat er sich zu den übrigen Aposteln gehalten, um mit ein Zeuge zu sein seines Leidens, Todes und seiner Auferstehung, um auch in den vierzig Tagen nach seiner Auferstehung von seinem Reich unterwiesen zu werden.
Nach der Himmelfahrt Christi blieb er auch zu Jerusalem, und nachdem er daselbst nebst den andern Aposteln den heiligen Geist empfangen, hat er das Evangelium gelehrt in Judäa und Samaria.
Wie einige melden, ist er von da nach Hispanien gereist; weil er aber daselbst wenig Frucht schaffen konnte, ist er wieder zurück in das jüdische Land gekehrt, wo er Hermogenes zum Gegner gehabt haben soll, welcher ein Zauberer gewesen. Wir übergehen jetzt viele Dinge mit Stillschweigen, welche erdichtet zu sein scheinen, und von Abdias, Bischof von Babylonien und andern erzählt werden.
Dieses Apostels Lebenslauf hat sich nicht weiter erstreckt, als ungefähr bis in das vierte Jahr des Kaisers Claudii, als von Agapus eine Teuerung verkündigt ward, welche über den ganzen Weltkreis kommen sollte. Denn damals hatte Claudius Herodes Agrippa befohlen, die Kirche Christi zu unterdrücken; welcher auch seine blutigen Hände an diesen Apostel gelegt, und ihn ungefähr um das Osterfest gefangen setzen lassen. Kurz darauf ist er zum Tode verurteilt, und in Jerusalem mit dem Schwerte getötet worden, welches geschah in dem fünfundvierzigsten Jahr nach der Geburt Christi.
Clemens meldet, der Scharfrichter, nachdem er seine Unschuld erkannt, sei auch zum christlichen Glauben bekehrt und mit ihm getötet worden.
Wie Eusebius Pamphilius aus Clemens Alexandrinus berichtet, so ist der Richter selbst über den Tod Jakobi bewegt worden, also dass er sich für einen Christen bekannte, und demnach (wie er schreibt) beide miteinander zum Tode geführt wurden. Und als man sie hinausgeleitete, hat er (nämlich der Richter) Jakobum gebeten, er wolle ihm vergeben; als sich aber Jakobus ein wenig bei sich beratschlagte, sagte er: Friede sei
mit Dir, und küsste ihn, und also sind sie beide miteinander enthauptet worden.
Euseb. Lib. 2, Cap. 9, aus Clemens Alexandrinus. Item W. Baudart. Apophtkegm. Lib. 1, Pag. 4, aus Joach. Camerario in Vita Christi, Pag. 24. Niceph. Lib. 2, Cap. 3. Strac. in Festo Jacobi, Pag. 209, Clem. circa. Cap. 45.
Jakobus ist der erste Märtyrer unter den Aposteln gewesen. Aus dieser Geschichte erhellt, welche Freude die Gläubigen damals hatten.



02.01.2019
Stephanus
Einer der sieben Dienern der Gemeinde in Jerusalem
Gesteinigt durch die Libertiner
im Jahre Christi 34, kurz nach dem Tode Christi



Stephanus, welches im Griechischen eine Krone bedeutet, war einer der sieben Diener zu Jerusalem, und war ein Mann voll Glaube und Weisheit an Gott.
Er war ein wohlberedter und in den heiligen Schriften des alten Testamentes sehr erfahrener Mann. Unterdessen geschah es, dass etliche aufstanden von der Sekte der Libertiner, der Cyrener, der Alexandriner, und die von Sizilien und Asien waren, und disputierten mit Stephanus, und sie konnten nicht der Weisheit und dem Geist widerstehen, welcher durch ihn redete. Darum bestellten sie etliche Männer, die da sagen sollten: Wir haben ihn lästerliche Worte sprechen hören gegen Moses und gegen Gott. Und sie erweckten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten, und griffen ihn und stellten ihn vor ihren Rat, und brachten falsche Zeugen auf, die da sagen sollten: Dieser Mensch hört nicht auf Lästerworte zu reden gegen diese heilige Stätte, und gegen das Gesetz; denn wir haben ihn sagen hören, dass Jesus von Nazareth diese Stätte zerstören werde, und verändern werde die Satzungen, welche uns Moses gegeben hat. Und sie sahen alle auf ihn, welche in dem Rat saßen, und sahen sein Angesicht als eines Engels Angesicht.
Da sagte der Hohepriester zu ihm: Ist dem also? Worauf dieser gottesfürchtige Mann mit vielen Gründen sich erklärte und antwortete, dabei er mit einer himmlischen Sprache und unwidersprechlichen Gründen viele Schriftstellen des alten Testamentes anführte, um zu beweisen, Christus sei der wahre Messias, und dass das Evangelium wahrhaftig sei.
Nachdem er aber in seiner Verantwortung sehr zu eifern begann, und denjenigen, welche ihn beschuldigten, ihre Blutdürstigkeit vor die Augen stellte, ward ihr Zorn nur desto mehr gegen ihn entzündet, denn solches durchschnitt ihre Herzen und sie knirschten mit ihren Zähnen über ihn.
Dieweil er aber voll heiligen Geistes war, blickte er auf gen Himmel und sah die Herrlichkeit Gottes, und Jesum stehen zu der rechten Hand Gottes, und sprach: Siehe ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn stehen zur Rechten Gottes.
Aber sie riefen laut und stürmten einstimmig auf ihn los, und stießen ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn, und die Zeugen legten ihre Kleider ab zu den Füßen eines Jünglings, welcher Saulus hieß.
Inzwischen rief er und sprach: Herr Jesu! Nimm meinen Geist auf. Er kniete aber nieder und sprach: O Herr! Rechne ihnen diese Sünde nicht zu, und als er dieses gesagt hatte, entschlief er.
Ein solches Ende hat dieser aufrichtige Mann Stephanus genommen, welcher die Ehre Jesu lieber hatte als sein Leben. Dem Berichte nach ist solches geschehen in dem vierunddreißigsten Jahre nach der Geburt Christi, in dem neunzehnten Jahre des Kaisertums Tiberii, welches war das achtunddreißigste Jahr seines Alters.
Als dieses sich zugetragen, nahmen einige fromme Männer sich des Leichnams an, trugen denselben zu Grabe, und beklagten den frommen Märtyrer sehr.



01.01.2019
Johannes der Täufer
Sohn von Zacharias und Elisabeth
Auf Befehl Herodis Antipa auf der Festung Macherus enthauptet
Anno Christi 32



Dieser Johannes mit dem Zunamen der Täufer, dieweil er von Gott dem Herrn eingesetzt war die Bußfertigen zu taufen, ist ein Sohn Zacharias gewesen und seiner Hausfrau Elisabeth, dessen Name auch schon, ehe er geboren ward, durch den Engel Gottes seinen Eltern bekannt gemacht wurde.
Dieser, als er ungefähr dreißig Jahre alt war, (etwa ein halbes Jahr eher als der Herr Jesus zu predigen anfing) in dem fünfzehnten Jahre des Kaisertum Tiberii, als Pontius Pilatus Landpfleger war unter den Hohenpriestern Annas und Kaiphas, ist von Gott gerufen und gesandt worden, zu predigen die Taufe der Bekehrung zur Vergebung der Sünden und den Weg zu bereiten dem Messias, als ein Engel oder Gesandter vor dem Angesicht Christi, um das Herz der Väter zu den Kindern zu bekehren.
Von der Herrlichkeit dieses Mannes sagte der Engel des Herrn, dass sich viele über seine Geburt freuen würden, dass er sollte groß sein vor dem Herrn, und ihm ein wohlgeschicktes Volk zubereiten (wie nicht allein die Propheten, sondern auch Zacharias durch den Geist des Allerhöchsten von ihm geweissagt hatte) zu geben dem Volke des Herrn die Erkenntnis der Seligkeit zur Vergebung der Sünden.
Als nun Johannes von Gott also ward ausgesandt um von Christo Zeugnis zu geben, dass er das wahre Licht sei, so kam er an den Jordan nach Salim, und in denselben Gegenden lehrte und taufte er.
Unterdessen aber, als er die Bußfertigen taufte, ist auch Christus selbst zu ihm gekommen, um dasselbe heilige Werk zu bestätigen, und begehrte von ihm getauft zu werden. Aber nach dem er (Johannes) aus Demut und guter Meinung sich dessen weigerte, so hat ihn Christus in der Notwendigkeit der Sache unterrichtet und gesagt: Lass es also geschehen, denn also gebühret uns alle Gerechtigkeit zu erfüllen, worauf er dann den Herrn getauft.
Er hielt den Herrn Jesum in großer Würde und nannte ihn das Lamm Gottes, den Bräutigam seiner Kirche, den wahren Messias, dessen Schuhe zu tragen er nicht würdig sei.
Er war selbst von solchem großen Ansehen (doch in Niedrigkeit), dass viele zweifelten, ob er nicht der Messias wäre; daher fertigten die Pharisäer ihre Gesandten an ihn ab, um sich bei ihm zu befragen wegen seinem Ruf, Gesandtschaft und Vollmacht; solches hat er offenherzig mit einer gedemütigten Seele beantwortet, sagend: Ich bin nicht Christus.
Als nun der Lauf seiner Pilgrimschaft sein Ende erreicht hatte, hat sich eine gewisse Sache zugetragen, welche Ursache seines Todes gewesen. Der König Herodes Antipas hatte eine gottlose Tat begangen, nämlich er hatte seines Bruders Philippi Weib geehelicht, nachdem er sein eigenes, als des Königs von Arabien Areta Tochter, hatte verstoßen, welches Johannes der Täufer von Amtswegen nicht konnte ungestraft lassen; sondern hatte Herodi solches nach dem Gesetz verwiesen und gesagt, es geziemet dir nicht, solche zu haben.
Doch gleich wie die Gottlosen keine Strafe annehmen, also ging es auch mit Herodes. Denn er fasste einen Hass auf Johannes, und suchte Gelegenheit ihn zu töten.
Aber nachdem viele sehr Großes von diesem frommen Mann hielten, und er einen großen Zulauf vom Volk hatte, so durfte Herodes vorerst die Hände nicht an ihn legen, ihn zu töten; doch ließ er ihn ebenso wohl nicht frei gehen, sondern setzte ihn auf die Festung Macherus gefangen. Unterdessen ist Johannes in seinem Beruf nicht müßig gewesen; sondern hat auch aus dem Gefängnisse etliche seiner Jünger zu Christo abgefertigt, auf dass hernach auch die andern durch die Lehre und Wunderwerke, welche sie daselbst hören und sehen würden, möchten Versicherung bekommen, dass Christus und niemand anders der wahre Messias sei.
Worauf Christus, als die Gesandten ankamen, gleichwie auch zuvor bei andern Gelegenheiten von der Größe und Würde Johannes des Täufers zeugte, nämlich, dass er der wahre geistliche Elia sei, ein brennend und scheinend Licht, der größte Prophet unter allen, die von Weiber geboren waren. Unterdessen verfloss die Zeit und die Stunde seines Abschieds nahte herbei. Angehend die Umstände seines Todes, die uns von dem heiligen Evangelisten Matthäus also beschrieben werden (Mt 14,3–12).
Herodes hatte Johannes gefangen, gebunden und in das Gefängnis gelegt; von wegen der Herodias, seines Bruders Philippi Weib. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht erlaubt, dass du sie habest. Und er (Herodes) hätte ihn gerne getötet, fürchtete sich aber wegen des gemeinen Volkes, denn sie hielten ihn für einen Propheten. Da aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte die Tochter Herodias vor ihm, das gefiel Herodes wohl, darum verhieß er ihr mit einem Eide, er wolle ihr geben, was sie begehren würde. Und als sie zuvor von ihrer Mutter unterwiesen war, sprach sie: Gib mir her auf einer Schüssel das Haupt Johannes des Täufers.
Und der König war traurig; doch um des Eides willen und derer, die mit ihm zu Tische saßen, befahl er, es ihr zu geben. Und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Haupt ward hergebracht in einer Schüssel, und dem Mägdlein gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter. Da kamen seine Jünger, nahmen seinen Leichnam und begruben ihn, und kamen und verkündeten das Jesu.
Josephus, der jüdische Geschichtsschreiber, meldet auch von dem Tode Johannes des Täufers in dem achtzehnten Buche der jüdischen Geschichte, im siebten Kapitel, in folgender Weise:
Es ging eine gemeine Sage unter den Juden, Herodis Heer sei durch das gerechte Urteil Gottes, um Johannes willen, welchen man den Täufer nennt, zu Grunde gegangen.
Denn Herodes der Vierfürst hatte diesen frommen Mann töten lassen, welcher die Juden zu allerlei Tugend und Gerechtigkeit ermahnte, sie getauft und gesagt, alsdann würde ihre Taufe erst angenehm sein, wenn sie sich nicht allein von einer oder zwei Sünden enthielten, sondern ernstlich ihre Herzen durch Gerechtigkeit, und darnach auch ihren Leib reinigten.
Nachdem aber ein großer Zulauf zu ihm geschah, und das Volk solcher Lehre sehr begierig war, besorgte Herodes, er möchte das Volk, bei welchem er in großem Ansehen stand, zum Abfall bewegen, denn es schien, als wollten sie nach seinem Rat und Willen handeln, darum dünkte es ihm besser, ihn töten zu lassen; darum hat er ihn in gemeldetem Flecken Macherus gefangen legen und daselbst umbringen lassen.
Dieses geschah nach unserer Rechnung ungefähr zweiunddreißig Jahre nach der Geburt Christi, in dem siebzehnten Jahre des Kaisertums Tiberii. Und ist also dies große Licht der Kirche Gottes, zur Betrübnis vieler frommen Herzen, in der Mitte seines hellen Scheins ausgeblasen worden.
Es wird berichtet, dass sein Leichnam geruht zu Sebasta in Palästina bis auf die Zeiten Juliana, da seine Gebeine durch die Feinde der Wahrheit verbrannt, und die Asche in den Wind zerstreuet worden.
Diese Beschreibung wird sowohl mit der Heiligen Schrift als andern bewährten Schreibern also befestigt:
Lk 1,5; Lk 1,13; Lk 3,1–2; Mk 1,2; Lk 1,17; Lk 1,14–15; Lk 1,77; Joh 3,23; Mt 3,13–16; Joh 1,29; Joh 3,29; Mt 3,11; Joh 1,19–20; Mt 14,4; Eus. Hist. eccl. Lib. 1., Cap. 16; Mt 11,2; Lk 7,18; Mt 11,14; Joh 5,35; Lk 7,28; Hist. tripart. Lib. 1, Cap. 15; Theod. Lib. 3, Cap. 6.