Himmel, Hölle, Lauheit





Willkommen!

Kommunion:

Vorbereitung und Danksagung


vom Heiligen M.M. Loyola



Verfasser von „Erste Kommunion“, „Beichte und Kommunion“ und „Heim ins Vaterhaus“.
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Nach der Originalausgabe
des
Pater Thurston S. J.
übersetzt von M. Banska.
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Dritte Auflage
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1916
Regensburg und Rom
Druck und Verlag von Friedrich Pustet
New York und Cincinnati: Fr. Pustet und Co.

Imprimatur.
Ratisbonnae, die 18. Februarii 1916
Dr. Scheglmann
Vi. Gen.

Und der Geist und die Braut sagen:
Komme!
Und der es hört, soll sagen:
Komme!
Amen. Komm Herr Jesus!



Einführung

An gediegenen Kommunionbüchern ist kein Überfluss. Zumal solche, die auch außerhalb der Klöster auf Beifall rechnen dürfen, sind selten. Das vorliegende Büchlein mit dem trefflichen Titel „Willkommen“ fand im Ausland eine sehr freundliche Aufnahme. Seine Übersetzung ins Deutsche ist freudig zu begrüßen.
„Willkommen“ ist ganz eigenartig angelegt. Es geht keine gewöhnlichen Wege. Keine Überschwänglichkeiten, keine Phrase, alles ist gesunde Glaubensnahrung. Aus jeder Seite weht die erfrischende Luft des Wortes Gottes entgegen. Dass das Büchlein in überreicher Fülle gerade die Heilige Schrift ausschöpft, ist sein wertvollstes Vorzug. Die geschickte Anwendung derselben wirkt geradezu herzerquickend. Wie fein treffen die Anwendungen den rechten Ton, wie verständnisvoll schlagen sie oft die tiefsten Saiten des Seelenlebens an, wie überraschend lauschen sie der Seele ihre Regungen, ihre Anliegen ab, wie schlicht und schön kleiden sie dieselben in wenige Worte! Und wann die schönen Gebete ausgeklungen — und darin liegt wieder ein besonderer Vorzug — werden ihre Gedanken noch lange nachhallen und zu fruchtbarer Eigenarbeit die Seele wirksam anregen.
Möge das schöne Büchlein auch in der Übersetzung viele Freunde finden. Seine Benutzung wird die tief begründeten Absichten des Heiligen Vaters über den häufigen Empfang der heiligen Kommunion bei vielen mehr und mehr verwirklichen.

G. Rohr, Rektor in Godesberg



Einleitung

Viele Umstände pflegen die Art und Weise unserer Vorbereitung für den Besuch eines Gastes zu bestimmen — seine Stellung, seine Beziehungen zu uns, der Zweck seines Besuches, vielleicht auch unsere persönlichen Bedürfnisse. Für alle diese Fälle und für jeden einzelnen gibt es nur ein passendes Wort. Und dieses Wort heißt „Willkommen“. Ob der Gast dieses Wort von unseren Lippen hört, ob er es auf unserem Antlitz liest, gleichviel, er ist zufrieden. Ein „Willkommen“ in leuchtenden Buchstabe begrüßt den Herrscher. „Willkommen“ klingt schön von den Lippen des ärmsten Bauern, wir hören es gerne selbst von einem, den wir nicht näher kennen. „Willkommen“ passt für den vertrauten Freund wie für den Verwandten, es steht auch dem Kinde gut. Es ermüdet nicht, es wird nicht langweilig oder überflüssig. Denn je nach den Umständen ändert es seine Bedeutung, indem es bald den Gast, bald uns selbst erfreut. Ist jemand fröhlich oder traurig, ist ihm Unrecht geschehen, ist er müde, geängstigt, beunruhigt: „Willkommen“ passt für alle Fälle.
Unser Herr ist einer aus uns und in allem, die Sünde ausgenommen, ist er uns ähnlich geworden. Sein Herz erwidert, gleich unserem Herzen, den Gruß „Willkommen“. Schneller schlug Sein Herz, wenn Er, müde von der Arbeit des Tages, am Abend die Schwelle des Hauses zu Nazareth überschritt und ein „Willkommen“ im Antlitze Seiner Mutter las, wenn Er dieses „Willkommen“, hell und glänzend, dem ganzen Hause zu Bethanien aufgedrückt sah und Marthas ehrfurchtsvollen, doch herzlichen Gruß und das Lispeln ihrer Schwester vernahm, unhörbar für alle andern, nur nicht für Ihn. So süß ist dieses „Willkommen“ Seinem Ohr, dass Er sich herablässt, es zu erbitten: „Zachäus, steig eilends herab, denn heute muss Ich in deinem Hause Einkehr nehmen. Und Zachäus stieg herab und empfing ihn mit Freuden.“ „Und als die Jünger, die nach Emmaus gingen, sich dem Flecken, ihrem Ziele, näherten, da stellte Er sich, als wollte Er weitergehen. Aber sie drangen in Ihn und sprachen: Bleib bei uns, denn es wird Abend und der Tag hat sich schon geneigt. Und er ging mit ihnen hinein.“
Hören wir, wie der Heiland anderseits das Willkommen vermisst und wie schmerzlich Ihn die bloß äußerliche Form des Anstandes berührt: „Du gabst Mir keinen Kuss.“
Wir wissen also, was wir Ihm bieten sollen; das Hauptziel bei unseren Kommunionen muss Seine Freude sein. Allerdings gehen wir zu Ihm, um gesättigt, bereichert, getröstet zu werden; doch ein stärkerer Grund, ein dringenderes Bedürfnis muss für uns die Erwiderung Seiner Liebe sein; mit Freuden müssen wir den Gast in unser Herz aufnehmen, dessen Wonne es ist, bei uns zu sein.
Unser Willkommen pflegt, wie wir gesehen, verschieden zu sein, je nach der vorherrschenden Stimmung. Bald ist es frohlockend, bald demütig, bald ernst und voll der tiefsten Gefühle und dann wieder der Ausdruck des Dankes, je nachdem Lob oder Reue, Vertrauen und Sehnsucht oder Liebe das Zepter führen. Aber immer sind es nur Variationen über einen Akkord und jede derselben wird ihr Echo finden in seinem eigenen „Willkommen“ an der Schwelle unserer ewigen Heimat. Wenn wir herauskommen aus der Finsternis der Welt, werden wir Ihn dort erblicken, wie Er auf uns wartet. Unzählige Male ist er uns als Gast Willkommen gewesen, während der Zeit unserer Pilgerfahrt; nun ist unsere Stunde gekommen, nun sind wir Seine Gäste. „Kommet, ihr Gesegneten Meines Vaters, besitzet das Reich, das euch vom Anbeginn der Welt bereitet ist. ... Gehe ein in die Freude deines Herrn. ....“



27.05..2020 - 02.06.2020

Das Willkommen eines Gastfreundes
II.

„Komme!“ (Offb 22,20)


Vor der Kommunion

Ein herrlicher Sonnenaufgang zieht unser Auge nach dem Osten und lenkt unsere Gedanken auf die Pracht hin, die sich dort einmal entfalten wird. Wie groß wird der Glanz jener Himmel sein, deren Bestimmung ist, all die Pracht der Sonnenauf- und Niedergänge, die die Erde je gesehen, in einem letzten Leuchten zusammenzufassen, ja unermesslich zu übertreffen, jener Himmel, die erhellt werden durch die Gestalten von Myriaden seliger Wesen, Engeln und Menschen und durch die Gegenwart des Menschensohnes, der in großer Macht und Herrlichkeit kommen wird. Wie oft stellen wir uns bei Sonnenauf- und ihren Untergang jenes Schauspiel vor Augen. Die ganze Weltgeschichte ist hier zusammengefasst, es ist die Offenbarung und Rechtfertigung jeder Handlung Gottes gegenüber dem Menschengeschlecht, gegenüber jeder einzelnen Seele; Worte und Werke, und zwar von allen Menschen seit Adams Erschaffung im Paradiese.
Dieses Schauspiel wird sich aber in aller Einfachheit vollziehen. All seine Großartigkeit, alle Ordnung, in die Himmel und Erde gestellt werden, finden ihre Erklärung in zwei Worten: „Weichet und Kommet“. Um jene Worte zu hören, wird der Himmel sich leeren und das ganze Menschengeschlecht wird im Thale Josaphat versammelt werden. Wir zittern bei dem Gedanken, dass es der Worte nur zwei sind. Da gibt es keine Mittelstraße zwischen dem Pfade aufwärts zur Glorie und dem Wege abwärts in den Abgrund. „Wer nicht für Mich ist, ist gegen Mich“, das wird offenbar werden an jenem Tage. Wir denken an uns selbst und zittern. Oh hätten wir doch irgend eine Bürgschaft, dass es mit uns gut ausgehen wird, dass das vor Himmel und Erde zu unserer Seele im einzelnen gesprochene Wort die Einladung sein wird: „Komme!“ Ist uns eine solche Bürgschaft gewährt, und wenn dies der Fall ist, wo ist sie zu finden?
„Siehe, Ich lege vor euch den Segen und den Fluch.“ (Deut 11,26)
„Bedenke, dass Ich dir heute vorgelegt Leben und Gutes und anderseits Tod und Böses.“ (Deut 30, 15)
„Was du wählest und wohin zu ziehen dir’s gefällt, da ziehe hin!“ (Jer 40,4)
„Den Weg der Wahrheit habe ich erwählet.“ (Ps 118,30)
„Dein eigen Verderben bist du, Israel.“ (Os 13,9)
„Wir hatten bei uns selbst das Todesurteil gesprochen." (2. Kor 1,9)
Und das Urteil auf Leben auch.
Jene Worte: „Weichet und Kommet“, welche für jeden von uns ein Urteil auf Leben und Tod bedeuten, sind das Ergebnis freier Wahl während der Zeit unserer Prüfung. Manche möchten sich der Gegenwart Gottes und der Erinnerung an Ihn auf immer entledigen. Diese haben zu Gott gesprochen: „Geh’ weg von uns und die Erkenntnis Deiner Wege wollen wir nicht.“ (Job 21,14) „Und siehe, die ganze Stadt ging hinaus, Jesu entgegen; und da sie Ihn sahen, baten sie Ihn, dass er sich von ihren Grenzen entfernen möchte!“ (Mt 8,43)
Manche bringen ihr Leben damit zu, nach ihm zu forschen; „Sie suchen Gott und wollen Ihn finden.“ (Weish 13,6) „Habt ihr Ihn, den meine Seele liebt, gesehen?“ (Cant 3,3) „Meine Seele verlangt nach Dir in der Nacht, und auch mein Geist erwachet zu Dir am frühen Morgen.“ (Is 26, 9) „Zeige mir Dein Angesicht, lass Deine Stimme in meine Ohren klingen!“ (Cant 2,14) „Komm, mein Geliebter!“ (Cant 7,11) „Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20)
Lass mich, o mein Gott, zu denen gehören, die sich nach Dir sehnen! Gib, dass meine Seele nach Dir dürste wie der Hirsch nach den Wasserquellen und dass ich die Trennung von Dir mehr als alle Übel fürchte! Gib, dass ich, gleich den Schwestern von Bethanien, es als das größte Glück erachte, Dich oft unter meinem Dache zu haben! Wie Zachäus lass mich dich mit Freuden empfangen. Möge das Echo meiner vielen „Willkommen“ während meines Lebens jenes Wort sein, das Du, vom Sonnenaufgang kommend, an mich richtest: „Komme!“
Komme! Lass dieses Wort der Einladung an Dich, o mein Gott, oft auf meinen Lippen und immer in meinem Herzen sein!
Komme in Deinen Heimsuchungen der Gnade, ja selbst der Gerechtigkeit, denn immerhin bist Du es; Deine Verborgenheit verhüllt Dich nur schwach und der Glaube ist stets bereit, Dir mit dem Rufe entgegenzueilen: „Der Herr ist es!“
Komme in den geheimen Einsprechungen Deiner Gnade, in Deinen Warnungen, Deinem Tadel, Deinen Belohnungen und all den zahllosen Arten, deren die Liebe sich gewöhnlich bedient!
Komme in den Prüfungen der Losschälung, die das Herz früher oder später erfahren muss, wenn Enttäuschungen, Trennungen, in der Vereinsamung, die mit den Jahren kommt! Du Selbst nimm Besitz von jedem leeren Platz, bis zuletzt alles Dir gehört und Du alles in allem bist!
Komme in Deiner sakramentalen Gegenwart, um das zu fordern, was Dir gebührt, und aus Deiner Fülle zu geben, mein Gebet zu erhören, meine Furcht zu stillen, komme zu läutern und alle Gefühle meines Herzens an dich zu ziehen!
Komme, tägliches Brot, unterstütze mich auf meiner Pilgerfahrt, wie einst das Manna den Israeliten in der Wüste Stärkung brachte und Freude in der Einförmigkeit der täglichen Wanderung!
Komme, wenn Finsternis und Traurigkeit mich umringen, wenn die Seele, sich selbst überlassen, angstvoll im Tosen des Sturmes zeitweilig umhergetrieben wird!
Komme, wenn sie in der Finsternis Dich sucht und wie ein Kind nach seiner Mutter ruft!
Komme vor allem dann, wenn der Tod mit seinen Schrecknissen und seinen Gefahren naht! Wenn alles mich verlässt, bleibe Du bei mir, o Herr! Wenn kein Mensch mich trösten, noch mir helfen kann, dann schließe Du mich für immer in Deine Arme, gib mir Zuflucht in Deinem Herzen! Oh dass meine letzten Worte die des Lieblingsjüngers wären: „Komm, Herr Jesus!“ Und dass Deine Antwort lautete: „Siehe, ich komme schnell!“ Möge mein erster Anblick auf dem Ufer der Ewigkeit „das mildreiche und göttliche Antlitz Jesu Christi“ sein, Der Sich anschickt, mir entgegenzugehen; und der erste Laut, dein Wort, als Echo meines eigenen während meines Lebens, „komme, du Gesegneter Meines Vaters, — komme!“


Nach der Kommunion

„Dank sei Gott für Seine unaussprechliche Gabe!“ (2. Kor 9,15)
„Denn dies ist Gott, unser Gott in Ewigkeit und immer und ewig.“ (Ps 47,5)
„Lobe meine Seele den Herrn und vergiss nicht alle Seine Wohltaten!“ (Ps 102,2)
„Lobsinget unserm Gott alle Seine Knechte und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Denn das ist Gott, unser Gott, in Ewigkeit und immer und ewig.“
„Hochpreiset mit mir den Herrn, lasst uns erheben Seinen Namen zusammen!“ (Ps 33,4)
„Denn dies ist Gott, unser Gott, in Ewigkeit und immer und ewig.“
„Das ist eure Stunde.“ (Lk 22,53)
Christus: Als ich Mich Meinen Feinden überlieferte, die Sich Mir näherten, um Mich zum Leiden und zum Tode zu führen, sprach Ich zu ihnen: „Das ist eure Stunde.“ Zu dir, Meinem Freunde, der du Mich in dein Herz einladest, sage Ich ebenfalls und zwar voll Liebe: „Das ist deine Stunde.“
Alle Stunden deines Lebens gehören dir, um zu arbeiten, zu wirken; gebrauche sie zu Meiner Ehre, zur Rettung und Vervollkommnung deiner eigenen Seele und der Seelen deiner Mitmenschen! Alle gehören dir. Doch von der Zeit, die du bei Mir zubringst in Meiner innigen Vereinigung nach der Kommunion, von ihr gilt Mein Wort wie von keiner anderen: Dies ist deine Stunde.
Sie vergeht schnell; gib acht, dass sie nicht fruchtlos vorübergehe, dass die Gnaden derselben nicht verwirkt, ihre Vorzüge nicht vernachlässigt werden und die günstige Gelegenheit nicht verloren gehe! Dies ist deine Stunde — die Stunde, in der du Mir alles, was du an Anbetung, Danksagung und Sühne schuldest, bezahlen kannst, und zwar im vollsten Maße.
Deine Stunde, in welcher du so leicht Verzeihung all deiner Sünden von Mir erlangen kannst.
Deine Stunde, in der du dich aller Schätze Meines Herzens nach Belieben bedienen und allen Nöten deiner Seele gänzlich abhelfen kannst; in der ihre Flecken gereinigt, ihre Trockenheit erfrischt, ihre Wunden geheilt, ihr Widerstand besiegt, ihre Kälte erwärmt und ihre Widerspenstigkeit beherrscht werden kann. Ich bin dein Gast. Ich will dich entschädigen dafür, dass du Mich aufgenommen hast. Verlange, was du willst, das ist deine Stunde!
Deine Stunde, in der du Mir alle zu Füßen legen kannst, die du liebst, alle deine Angehörigen, um die du dich sorgst, mit ihrem Elend, ihren Nöten, ihren Leiden. Dass sie dir angehören, gibt ihnen einen erhöhten Anspruch auf Mein Herz. Scheue dich nicht, um Großes zu bitten; um die höchste Nachsicht, um ganz besonderes Eingreifen Meiner Gnade! Das Gefühl deiner Unwürdigkeit, das Bewusstsein der begangenen Sünden mag dich beklemmen und der Gedanke, dass Ich, dein Gast, dein Richter sein werde, deine Zunge fesseln. Doch fürchte nichts, du, der du Mich als Gast so gütig aufgenommen:
Das ist deine Stunde. Tue mit Mir, was du willst! Führe Mich durch die Reihen deiner Kranken! Bringe her die Blinden, die Lahmen, die Aussätzigen, die Fieberkranken, und Ich will sie heilen! Dies ist deine Stunde, in der du alles erlangen kannst, was dein Herz begehrt. Rede mit Mir, rede von ihnen, Ich will zuhören, bitte für sie, und Ich will deine Bitte erfüllen. Suche deine Wonne in deinem Gotte, solange Er bei dir ist, und Er wird die Wünsche deines Herzens erfüllen. Denn jeder, der bittet, empfängt. Bitte, suche, klopfe an, denn dies ist deine Stunde.


Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



20.05..2020 - 26.05.2020

Das Willkommen eines Gastfreundes
I.

„Er kam in sein Eigentum und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf.“ (Joh 1,11)



Vor der Kommunion

So beginnt der Jünger, den Jesus lieb hatte, sein Evangelium. Er, der das heilige Herz besser kannte als die anderen, der an der Brust seines Meisters gelegen und Seine Geheimnisse erfahren hatte, er ist es, der uns mitteilt, worin das Hauptleiden dieses liebenden Herzens bestand in jenen Tagen, wo es für Schmerz empfänglich war.
Wer kam? Er, der so lange vorher verheißen war. Er, Dessen die ganze Welt so dringend benötigte. Er, Der Gott war und daher die Macht besaß aller Not abzuhelfen. Er, Der sehnlichst wünschte, uns von unseren Feinden zu befreien, und zu erlösen, uns glücklich zu machen, — Er kam.
Wohin? „In Sein Eigentum.“ Zu dem Volke, das Er aus allen anderen auserwählt hatte, um in besonderer Weise ihm anzugehören; das Er mit Wohltaten überhäuft; das Er geführt, beschützt, genährt und belehrt hatte; für das Er Wunder gewirkt, das Er geliebt, gewarnt und dem Er sich selber verheißen hatte. Zu dem auserwählten Volke, das nach Ihm geseufzt hatte; zu dem Volke, das sich der Zugehörigkeit zu Seinem Stamme gerühmt hatte. Zu diesem Seinen Eigentum kam Er.
Wie kam Er? Nicht mit dem Prunk und der Unnahbarkeit eines Königs dieser Welt, schwere Lasten auferlegend, sondern demütig und sanft. Als der gute Hirte, Der die Lämmer auf Seinen Schultern trägt, Der Seine Herde auf fette Weiden führt, Der dem einen, verlorenen nachgeht, Der aufrichtet, was geknickt, stärkt, was schwach geworden; als Arzt, als Freund, als Mitpilger, als Bruder — so kam Er in Sein Eigentum. Er kam und nahm teil an ihrer Natur, damit sie teilnehmen könnten an der Seinigen. Er kam und gab ihnen so viel, als sie zu empfangen fähig waren — Frieden in diesem Leben, Freude sogar inmitten von Trauer, Sich Selbst unter Brotsgestalt. Und im künftigen Leben eine vollkommene, ewige Glückseligkeit, ausströmend aus Seiner unmittelbaren Anschauung, die jeden Wunsch erfüllt. So kam Er in Sein Eigentum.
Mit welchem Erfolg? „Die Seinigen nahmen Ihn nicht auf.“
Warum? Weil sie Unmögliches wünschten. Sie wollten geheilt werden, ohne sich dem Arzte zu unterwerfen. Sie wollten die Gunst Gottes genießen als Seine Kinder, ohne die Sünde zu verlassen, die sie zu Seinen Feinden machte.
Sie erwarteten einen Messias, der Reichtümer, Vergnügen und die Ehren dieser Welt auf sie häufen würde, der ihre Herzen an die zeitlichen Dinge heften, ohne dass er sich weiter für die ewigen bekümmern würde. Er aber liebte sie zu sehr, um ihnen das zu geben, was sie wünschten. Und so kam Er in Sein Eigentum, die Seinen aber nahmen Ihn nicht auf.
Was Er suchte, war ein Willkommen, was wir Ihm gaben, war ein Kreuz, was wir Ihm auch jetzt noch für das unaussprechliche Geschenk Seiner beständigen Gegenwart entgegenbringen, ist Gleichgültigkeit und Kälte. Er wandelt durch die Welt, ausgestoßen von vielen Herzen:
„Siehe, Ich stehe vor der Türe und klopfe an.“ (Offb 3,20)
O Herr, möchtest Du stets an meiner Schwelle „Willkommen“ lesen! Müde und mit wunden Füßen tritt ein und bleibe bei mir! Arm ist zwar mein Haus und schmucklos, aber es steht Dir immer offen. Wasser will ich Dir geben für Deine Füße, die Tränen der Zerknirschung; Nardenöl für Dein Haupt, den Wohlgeruch der Demut und der guten Wünsche. Vor allem aber will ich Dir den Kuss des Willkommens geben. Komm zu mir, alles, was mein ist, steht zu Deinen Diensten, über alles, was mir gehört, magst Du nach Gutdünken verfügen. Alles gebe ich Dir anheim, nimm es wohlgefällig an; ich bin bereit zu jedem Verlust, jedem Opfer, jedem Misserfolg, zu jeder Demütigung, jedem Schmerz des Leibes und der Seele, von jetzt an bis zur Todesstunde.
„So lange bin Ich bei euch und ihr kennt mich noch nicht.“ (Joh 14,9)
Dies ist im Laufe der Weltgeschichte Seine stete Klage über die Menschen jeder Zeit. Nicht an die unbelehrten Millionen des Heidentums, zu denen die frohe Botschaft der Menschwerdung und der wirklichen Gegenwart niemals gelangte, die leben und sterben, ohne etwas von ihrem Heiland gehört oder den Weg zu Seinen Füßen gefunden zu haben, richtet Er diese Klage, auch nicht an die Tausende, die in der Nähe Seiner Tabernakel wohnen, deren Augen aber durch die Vorurteile der Geburt und der Erziehung gebunden sind, sondern an diejenigen, die Er aus der Finsternis herausgerufen, die sehen, was Könige und Propheten zu sehen gewünscht, für die Er Seine Lehre und Seine Sakramente einsetzte, zu denen Er fortwährend spricht, die Er einladet, für die Er Sich jeden Morgen opfert und die Er zu Seinem Abendsegen ruft, die nur einen Steinwurf weit von Ihm entfernt wohnen. Diese sind es, zu denen Er Jahr um Jahr spricht: „Solange bin Ich bei euch und ihr kennt Mich noch nicht?“ An mich, Seinen Freund, Seinen Vertrauten, richtet sich Seine Klage.
„Solange bin Ich bei euch.“ Wie lange schon ist er mir nahe dadurch, dass Er mir Gelegenheit bietet zur täglichen Messe, zum häufigen Empfang der Kommunion?
„Und ihr kennt mich nicht.“ Das kann die einzige Erklärung meiner Nachlässigkeit ihm gegenüber sein. Wenn ich Ihn besser kennen würde, wenn ich die Zärtlichkeit Seiner Liebe für mich, Sein Verlangen bei mir zu sein, Seine Hingebung kennen würde, so könnte ich Ihm nicht ferne bleiben, wie ich es tatsächlich tue. Wenn ich die Teilnahme kennen würde, die Er an allen Dingen, die mich betreffen, nimmt, so würde ich in meinen Kümmernissen und Sorgen weit öfter den Weg zu ihm finden.
Willkommen, göttlicher Gast, willkommen am heutigen Tage! Erwecke in meinem Herzen eine bessere Übereinstimmung mit dem deinigen. Es geht nicht an, dass alle Liebe auf Seiten dessen sei, der kommt, dass der Gastfreund so wenig mit dem Gaste übereinstimme. Komm und bringe mein Herz in Einklang mit dem Deinigen!
Wenn wir den Besuch eines Freundes so recht innig wünschen, so begnügen wir uns nicht mit einer einzigen Einladung. Wir wiederholen sie immer wieder und geben zu erkennen, dass wir eine abschlägige Antwort nicht annehmen würden. Wir scheinen rücksichtslos und setzen uns der Gefahr aus, durch Zudringlichkeit lästig zu fallen. Wir lassen unserem Freunde keine Wahl. Er muss endlich unseren Willen erfüllen. Herr, ich wünsche, dass Du heute zu mir kommest. Ich bin Deiner nicht würdig, aber ich bitte, ich beschwöre Dich, ich wiederhole meine Einladung:
„Komm in meinen Garten!“ (Hohel 5,1)
„Komm, mein Geliebter! (Hohel 7,11)
„Komm, wir wollen uns einander gegenüber sehen!“ (2. Par 25,17)
„Komm mit mir ins Haus, so will ich Dich beschenken!“ (3. Reg 13,7)
„Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20)


Nach der Kommunion

„Hochpreiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heiland.“
„Denn Großes hat an mir getan, Der da mächtig ist und Dessen Name heilig ist.“ (Lk 1, 49)
„Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn, lobet und erhebet Ihn über alles in Ewigkeit!“ (Dan 3,58)
„Kommet, lasset uns frohlocken dem Herrn, jubeln Gott, unserem Heilande!“ (Ps 94,1)
„Lobet den Herrn, denn Er ist gut; denn in Ewigkeit währt Seine Barmherzigkeit. Wer kann aussprechen die Großtaten des Herrn, verkünden all Sein Lob?“ (Ps 105,1)
„Sie sollen danken dem Herrn für Seine Barmherzigkeit, für Seine Wunder unter den Menschenkindern.“ (Ps 106,8)
„Dich sollen preisen, o Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen dich rühmen.“ (Ps 144,10)
„Ich danke Dir, Herr, von meinem ganzen Herzen.“ (Ps 137,1)
„Ich will Dich erheben, Gott, mein König, und preisen Deinen Namen ewig, ja immer und ewig.“ (Ps 144,1)

Woher geschieht mir dies, dass mein Herr zu mir kommt?
Wir würden nicht wagen, einen König in eine elende Hütte einzuladen. Und würde er gleichwohl kommen, so würden wir die ganze Zeit seines Verweilens wie auf Dornen sein. Ist es Mangel an Glaube, lieber Gott, dass ich die Sache ganz anders nehme, wenn es sich um Deinen Besuch handelt? Dann und wann, wenn die Würde meines Gastes mehr als gewöhnlich auf mich eingewirkt, durchzuckt mich ein Staunen der Ehrfurcht oder der freudigen Überraschung. Aber in der Regel schätze ich Deinen Besuch nicht viel höher als den eines benachbarten Freundes. Ich lege seinem Besuch keinem besonderen Wert bei; heiße ihn zwar willkommen und er setzt meinen Gruß als selbstverständlich voraus. Kommt er Geschäfte halber, so setzen wir uns zusammen und ohne Zeitverlust beginnen wir das Gespräch. O bester aller Freunde, fehlt mir bei Deinem Besuche der Glaube, dass ich Dich mit so geringer Feierlichkeit empfange? Ohne Zweifel ist der Fehler teilweise auf meiner Seite. Aber — gestatte, dass ich es ohne Verletzung der Ehrfurcht sage — liegt er nicht auch auf Deiner Seite, ist er nicht die natürliche Folge Deiner Herablassung, Deines Vertrauens, womit Du Dich uns hingibst? Ohne den geringsten Widerwillen zu zeigen, besuchst Du mich in meiner Armut; ja Deine Liebe ist so zart, dass sie dies nicht als Herablassung erscheinen lässt. „Siehe, ich stehe an der Türe und klopfe an, wenn jemand Meine Stimme hört und mir öffnet, so will Ich eintreten und will mit ihm Abendmahl halten und er mit Mir.“ „Meine Wonne ist es, bei den Menschenkindern zu sein.“ (Hohel 5,2) „Öffne Mir, meine Schwester, Meine Geliebte!“ Ist es ein Wunder, wenn der durch diese Worte kundgegebene, aufrichtige Wunsch mich die unendliche Entfernung, die zwischen uns besteht, vergessen lässt? Wessen Schuld ist es, o mein Herr? Wenn Tadel gerechtfertigt ist, müssen wir Ihn nicht teilen?
Doch von einem anderen Gesichtspunkte aus ist der Fehler gänzlich auf meiner Seite. Wenn Dein liebreiches Verfahren das Gefühl der Verpflichtung einerseits abschwächt, so sollte es anderseits die Liebe entflammen. Und das ist Deine Absicht, deshalb erleichterst Du uns den Zutritt zu Dir. Dein liebreiches Sehnen, bei Deinen Freunden zu weilen, macht Dich zu jeder Stunde bereit, zu mir zu kommen. Wie aber erwidere ich dasselbe? Ist es mein Herzenswunsch, bei Dir zu verweilen? Deine Liebe zu mir kann ohne meine Mitwirkung nicht befriedigt werden. Vom Himmel herab auf dem Altar ist Dein täglicher Weg. Von meinem Zimmer zur Kirche, das ist der meine. Doch wie oft finde ich auch diesen Weg noch zu lange, das Opfer zu schwer; ich erscheine nicht und beraube Dich durch eine Gleichgültigkeit, die fast einer Beleidigung gleichkommt, der Vereinigung, nach der Dein Herz so sehr verlangt. Ist denn nichts in mir, das Deinem Entgegenkommen entspricht? Doch ja, das eine finde ich ihn mir — Scham und Reue über meine Kälte und den Wunsch, dir für die Vergangenheit Sühne zu leisten.
Ich habe in meiner Brust jenes Herz, das Mich während dreiunddreißig Jahren ununterbrochen geliebt hat. Als Kindlein auf Stroh in der Krippe liegend, als Knabe im Häuschen zu Nazareth nachts wachend, als Jüngling in der Dorfwerkstätte hart arbeitend, als Mann im Lande herumwandelnd, predigend, heilend, Wunder wirkend, immer schlug Sein Herz in Liebe zu mir. Immer schwächer schlug es am Kreuze während der drei langsam dahinschleichenden Stunden, bis es aussetzte und dann ganz still stand. Und so blieb es drei Tage lang. Doch bei der Dämmerung des Ostermorgens, als es zu einem unsterblichen Leben erwachte, begann es von neuem Seine Tätigkeit. Und seit neunzehn Jahrhunderten hat es nimmer aufgehört, für mich zu schlagen, bis dieser Morgen es mit treuer Liebe in mein Herz brachte.
Und für was schlägt mein Herz? Was ist seine Hauptangelegenheit, was nimmt sein ganzes Interesse in Anspruch? Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen. So hat der Herr, mein Gott, mich geliebt. Ist es zuviel, wenn ich Ihm mein ganzes Herz als Austausch für das seinige gebe?
O mein Gott, hilf mir, eile mir zu helfen! Hätte ich jene Gewalt über mein Herz, die Du über dasselbe hast, so würde ich in dasselbe eine Liebe gießen, die einigermaßen der deinigen entspräche. Ich würde alles entfernen, was der gegenseitigen Liebe hindernd im Wege steht. Ich würde nicht dulden, dass Hingabe und Großmut nur auf einer Seite wären. Wann, o Herr, wirst Du für mich tun, was ich nicht selbst für mich tun kann? Wann wirst du Deinen Gaben die Gnade beifügen, dass ich Dich liebe, so wie ich es wünsche?“
Judäa wollte Dich nicht als seinem König anerkennen, oh dass ich Dich ganz zu eigen haben könnte,“ ruft St. Gertraud in Liebe aus. „Mein König und mein Gott!“ (Ps 5,3) Ich erwähle und bekenne Dich jetzt, da Du inmitten meines Herzens bist. Gerade so, als wenn Du nicht König von Rechts wegen wärest, als ob ich frei wäre, Dich zu erwählen oder nicht, als ob ich Dich nicht schon oft und oft erwählt hätte, so erwähle ich Dich jetzt. Herrsche über alles, was ich bin und habe — über mein Gedächtnis und meine Phantasie, über meinen Verstand und meinen Willen, über alle meine Sinne! Herrsche über meine Gedanken, meine Wünsche, über alle meine Handlungen! Leite und führe jede Bewegung der Seele und des Leibes, jedes Wort meiner Lippen, jede Arbeit meiner Hände, jeden Schritt, den ich mache, damit alles zu Deiner Ehre und nach Deinem Willen geschehe.
Herrsche über alles, was mir lieb ist und mir nahesteht, über meine Familie und jedes Glied derselben! Ich weihe Dir jedes derselben und soweit es von mir abhängt, unterwerfe ich alle Deinem Zepter. Blicke auf dieselben herab wie auf einen besonders geliebten Teil Deines Reiches! Mache sie dir ergeben, gehorsam Deinen Gesetzen, eifrig in Vollbringung Deines Wohlgefallens und der Verbreitung deiner Ehre!


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das Seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Soich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. Meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all meine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, oh mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird. Blicke, o Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir Dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebte Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich Dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das öffnen erschweren, Deine Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Mögen Sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. O Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlöste Seelen, welche jetzt im 20. Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe jener Menge, die du mit deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühren, so musst Du wohl das Gebet der Sünde erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
O Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an Dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



13.05..2020 - 19.05.2020

Das Willkommen des Vertrauens
III.

„Wirf deine Sorgen auf den Herrn, Er wird dich erhalten.“ (Ps 54,23)



Vor der Kommunion

„Denn allzu unsicher stehet, wer nicht all seine Sorge auf dich wirft.“ (Nachfolge Christi, 3, 17)
Wie verschieden von diesem Grundsatze ist unsere Handlungsweise. Unsere ganze Sorge auf Gott werfen, das würden wir für ein Wagnis halten. Natürlich vertrauen wir vollständig auf Ihn, aber in unserer Klugheit können wir uns trotzdem, wenn ein Unglück droht, wenn Schwierigkeiten sich erheben oder wenn die Verhältnisse sich anders gestalten, als wir erwarteten, einer gewissen Unruhe nicht erwehren. Ein gewisser Grad von Sorge, hinreichend, um unsere Kümmernis und Unruhe zu rechtfertigen, ist unvermeidlich. Und so kehren wir, trotzigerweise, der Einladung und den Verheißungen Gottes den Rücken, als ob sie nichts zu bedeuten hätten, und als ob sie nicht dazu bestimmt wären, einen praktischen Einfluss auf unser Verhalten auszuüben. Und dennoch, wie kräftig sind die Worte unseres Herrn: „Darum sage Ich euch: Sorget nicht ängstlich für euer Leben, was ihr essen werdet, noch für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Betrachtet die Vögel des Himmels; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Und warum sorgt ihr ängstlich für die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht und spinnen nicht, und doch sage ich euch, dass Salomon in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.... Wenn nun Gott das Gras auf dem Felde, welches heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wie viel mehr euch, ihr Kleinengläubigen! Sorget also nicht ängstlich und saget nicht: Was werden wir essen, was werden wir trinken, oder womit werden wir uns bekleiden? Denn euer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Darum sorget nicht ängstlich für den folgenden Tag! Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit, so wird euch dies alles zugegeben werden.“ (Mt 6,25 ff.)
Wie eindringlich befiehlt der Herr! Nicht einmal um die notwendigsten Lebensbedürfnisse sollen wir bekümmert sein,. Er leitet Seinen Befehl mit den feierlichen Worten ein: „Ich sage euch.“ Ich, Der nicht betrügen kann, noch zu viel Vertrauen von euch fordere, Ich sage euch, sorget nicht ängstlich!
Es gibt Menschen, die Ihn beim Worte nehmen. Sie unterlassen nichts, was von ihnen abhängt; sie tun, was weder von den Lilien, noch von den Vögeln gefordert wird, sie arbeiten und spinnen. Wie „der kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzte“, um ihnen zur rechten Zeit den angemessenen Unterhalt zu reichen, wie das starke Weib, „das acht hat auf den Wandel ihres Hauses“, so tun auch sie, was in ihren Kräften liegt. Und dann, gehorsam dem göttlichen Worte und im Vertrauen auf die göttliche Verheißung, werfen sie all ihre Sorgen auf den Herrn: „Der Herr regiert mich und nichts wird mir mangeln.“ (Ps 22,1)
„Mein Gott ist mein Helfer, auf Ihn will ich hoffen.“ (Ps 17,3) Wer kann den Frieden solcher Seelen beschreiben? Wer kann schildern die wunderbaren Eingriffe, die Gott zu ihren Gunsten macht und die Wachsamkeit, mit welcher Er, Den sie durch ihr Vertrauen verherrlichen, für alle Ihre Bedürfnisse sorgt?
Ein Steuermann treibt sein Boot durch einen zweifachen Stoß: durch eine Bewegung nach vorwärts und eine nach rückwärts. Auf dieselbe Weise nähern wir uns Gott. Durch Sehnsucht und Liebe steuern wir Ihm entgegen, durch gänzliche Hingabe und Vertrauen fallen wir auf Ihn zurück. Und gerade in diesem letzteren liegt unser größter Fortschritt.
Oh mein Gott, gib mir ein so großes Vertrauen auf Dich, dass ich deine Worte „Sorget euch nicht“ buchstäblich nehme. Lasse die Sorgen dieses Lebens nicht in dem Maße auf mich drücken, dass sie meinen Frieden stören. Gib mir jenes kindliche Vertrauen, welches Paulus, dein heiliger Apostel, deinen ersten Jüngern zur Pflicht machte: „Seid nicht ängstlich besorgt, sondern in allen Dingen lasset euer Anliegen im Gebete und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden! Und der Friede Gottes, der allen Begriff übersteigt, beschirme eure Herzen und euren Sinn in Christo Jesu. (Philip 4, 7)
Gib mir das friederfüllte Herz deines Nährvaters, das ruhig blieb inmitten der Wechselfälle des Lebens, inmitten der Finsternis, in denen Gottes Pläne sich hüllten, inmitten der Gefahren, die den ihm anvertrauten Schätzen drohte. Ihm war der Wille Gottes alles in allem. Er war ihm Beweggrund zum Handeln, Beweggrund zur Ruhe; Er war der Grund und die Rechtfertigung für alles; Er war ihm Entschädigung in allen Leiden und eine Schranke, über die hinaus er keinen Wunsch hatte. Nichts kann ihm ungelegen. Jede Prüfung, mochte sie noch so überraschend, noch so schmerzlich und langwierig sein, nahm er so bereitwillig auf, als ob sie ein von ihm selbst ausgedachter, lang vorhergesehener, in allen Einzelheiten überlegter Plan gewesen wäre, und als ob sie ganz und gar mit seinen Wünschen übereingestimmt hätte. Und so war es in der Tat, da er in jeder Prüfung eine Anordnung oder Zulassung der göttlichen Vorsehung, eine neue Offenbarung des Göttlichen Planes sah. Oh Fürst des Friedens, Der Du der Erde einen Frieden gebracht hast, den keine Prüfung stören kann, komme in mein unruhiges Herz und sprich zu ihm: Friede, Ruhe!
„Ich vertraue auf den Herrn.“ (Ps 10,2)
„Mir ist Gott anhangen gut, auf Gott den Herrn meine Hoffnung setzen gut.“ (Ps 72,28)
„Der Herr regiert mich und nichts wird mir mangeln.“ (Ps 22,1)
„Denn wenn ich auch wandle mitten im Todesschatten, so will ich nichts fürchten, weil Du bei mir bist.“ (Ps 22,4)
„Ich aber rufe zu Gott, und der Herr wird mich erretten.“ (Ps 54,7)
„Auf dich, o Herr, hoffe ich, lass mich nimmermehr zuschanden werden!“ (Ps 30,2)


Nach der Kommunion

„Wohlan! jetzt preiset den Herrn, alle Diener des Herren!“ (Ps 133,1)
„Erhebet den Herrn, unsern Gott!“ (Ps 98,5)
„Lobet den Herren, ihr alle Seine Engel!“ (Ps 102, 20)
„Danket dem Herrn, denn Er ist gut!“ (Ps 106,1)
„Bete den Herrn, deinen Gott, an und danke Ihm!“ (Tob 11,7)
„Den Herrn, meinen Gott, bete ich an.“ (Dan 14,24)
„Gebenedeit sei der Herr, denn Er hat mir Seine Barmherzigkeit wunderbar erwiesen.“ (Ps 30,22)
„Er hat gesättigt die arme Seele, die hungernde Seele gesättigt mit Gütern.“ (Ps 106,9)
„Hochpreiset meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande.“ (Lk 1, 46)
„Denn Großes hat an mir getan, Der da mächtig ist und Dessen Name heilig ist.“ (Lk 1,49)
O Gott, Du selbst hast Dich mir gegeben mit allem, was Du bist und was Du hast, mit Recht erwartest Du, dass ich auf Dich vertraue. Du bist mein Vater und niemals darf ich Deine Liebe und Sorge in Zweifel ziehen. Oh unendliche Weisheit, Du hast den Plan zu meinem ganzen Leben entworfen und Deine unendliche Liebe leitet alle Einzelheiten desselben. Die Anordnung Deiner Vorsehung hat meine Wohlfahrt im Auge, und zwar so ausschließlich, als ob ich allein in Betracht käme. Ich werde nicht anderer wegen dem Untergange geweiht, wie das im Leben so oft der Fall ist, wenn Menschen Pläne entwerfen und ausführen. Die Pfade Deiner Kinder kreuzen sich in zahllosen Fällen, Ereignissen scheinen das unabhängige Resultat des Zufalles zu sein. Aber jede Begebenheit, jedes Ereignis, selbst das alltäglichste, sogar das Resultat des freien und des bösen Willens des Menschen wird dann dir angeordnet oder zugelassen.
Mächtig von einem Ende zum anderen reicht Deine liebende Vorsehung und in lieblicher Weise lenkt sie alles, was das Kind Deines Herzens betrifft, alles, alles ohne Ausnahme, sogar das, was meinem Wohle entgegen zu sein scheint. Lasse nicht zu, dass diese Dinge mich überraschen oder entmutigen. Sprich zu mir, wie du zu Petrus sprachst: „Gehe ohne Bedenken mit ihnen, denn Ich habe sie gesandt.“ (Apg 10,20) Lass mich meine Hand vertrauensvoll in die Deine legen, und lass uns also durch all die wechselvollen Jahre gehen, indem ich im Glauben festhalte, dass ich eines Tages schauen werde. „Er hat alles wohl gemacht.“ Werde ich frohlockend ausrufen: „Er hat alles wohl gemacht.“
„Mit welcher Verwunderung, mit welchem Entzücken werde ich in der Ewigkeit die göttliche Weisheit erkennen, welche, Deinen Plänen entsprechend, all die verschiedenen Elemente des Lebens — Talente, Mängel, Freuden, Leiden, Versuchungen, Misserfolg und Niederlage so anordnet, dass sie zu meinem ewigen Heile zusammenwirkten. „Er hat alles wohl gemacht,“ werde ich frohlockend ausrufen: „Er hat alles wohl gemacht.“
Könnte eine Wolke in jenem glücklichen Rückblicke sein, ein Ton der Traurigkeit in Seinem Lobgesang, sie würden sich dort zeigen, wo mir im Leben das Vertrauen mangelte, wo der bloße Schein die glänzende Wahrheit verdunkelte, die der Glaube das ganze Leben hindurch hätte sichtbar erhalten sollen.
Oh mein Vater, mein himmlischer Vater, gib mir dieses Erbrecht Deiner Kinder, diese überfließende Hoffnung, diese Gnade des Vertrauens. Sorge für mich wie für ein Kind, das unbekümmert in den Armen seines Vaters ruht. Sorge für mich, o Gott meines Lebens, bis ich zu Dir komme, um Dich zu erkennen, so wie Du bist, um Dich aus ganzem Herzen zu lieben und um die ganze Ewigkeit in Jubelgesang vor Deinem Antlitze zu weilen.
„O Vater und Herr meines Lebens“ (Sir 23,1) überall und in allen Dingen „Gott, hochgelobt in Ewigkeit.“ (Röm 9,5) Doch mir bist Du ganz besonders teuer und nahe als der Gott meines Herzens, Dessen Innerstes Wesen mir erschlossen ist, nicht durch eine von außen kommende Offenbarung, sondern durch die persönliche Erfahrung des täglichen Lebens — tägliche Prüfungen, tägliche Freuden und Leiden, unerwarteten Beistand, liebliche Überraschung und mitleidige Tröstung. Vater und Herr meines Lebens, gib, dass ich Dir jedes Vertrauen entgegenbringen, auf dass Du, wie ich weiß, besonderen Wert legst, das Vertrauen, wozu Dich die liebevolle Fürsorge, die Du seit vielen Jahren für mich hegst, berechtigt — das Vertrauen eines Kindes.


Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



06.05.2020 - 12.05.2020

Das Willkommen des Vertrauens
II.

„Wenn Er verweilet, so harre Sein.“ (Hab 2, 3)



Vor der Kommunion

Ich wollte, mein Herr wäre mir näher, so sprechen und denken wir oft. Und wo ist der Mensch, der das nicht wünschte? Gibt es einen, sagt Thomas von Kempis, der nicht gerne Trost empfinge, so er ihn haben könnte? Aber diese himmlischen Heimsuchungen kommen selten und in langen Zwischenräumen. Wir sind nicht fähig, mit denselben oft betraut zu werden. Gott gewährt es manchmal reichlich; zweimal im geistigen Leben — am Anfange, wenn die Seele beginnt, sich zu Ihm zu wenden und sie auf den engen Pfad der Selbstverleugnung geführt werden muss, und dann gegen das Ende des Tagewerkes, wenn sie ausgeharrt und gleichsam eine Belohnung verdient hat. Aber mit dem meisten von uns, wie mit unsern Vorfahren in der Wüste, „ist Gott nicht wohl zufrieden“. Es ist kein besonderer Grund vorhanden, warum Er uns als Günstlinge behandeln oder in besonderer Weise belohnen soll. Hat uns Gott auf den Weg des Heiles gebracht, so gewährt Er hinlänglich den nötigen Beistand, Er begnügt sich mit unserem kargen Dienste, weist unsere Versehen zurecht, vergibt uns unsere vielfachen Fehltritte und hat Geduld mit uns, wenn wir zu ihm um die Süßigkeiten des Trostes rufen.
„Ihr wisst nicht, um was ihr bittet,“ sagt er bisweilen zu uns, wie einst zu Jakobus und Johannes. „Könntet ihr eure Arbeit sehen, so wie Ich sie sehe, ihr würdet euch schämen, mehr zu verlangen, als den versprochenen Zehner. Ihr würdet überdies sehen, dass das, um was ihr bittet, nicht gut für euch ist, dass es sicherer und besser ist, euch Meinen Händen zu überlassen und gleich gutgearteten Kindern das anzunehmen, was euch geboten wird, ohne etwas anderes zu wünschen.“ In dem Gebete, das unser Herr uns in den Mund gelegt hat, befiehlt er uns, um alles zu bitten, was für die Seele oder den Leib notwendig ist, nicht aber um Süßigkeiten. „Gib uns heute unser tägliches Brot“ (— nicht Zuckerwerk).
Durch die Gnade der Adoption und Kraft der Verdienste unseres älteren Bruders, sind wir „Nachahmer Gottes, als die lieben Kinder“. (Eph 5, 1) Wenn wir murren wollen, so wird uns der Gedanke, was wir aus uns selbst sind und was unsere Sünden verdienen, darüber hinweghelfen. „Wir empfangen mit Recht, was unsere Taten verdient haben.“ sagte der gute Schächer. Wer von uns könnte nicht ebenso sprechen, wenn Trübsale hereinbrechen oder wenn wir, überwältigt von der Einförmigkeit des Alltagslebens, nach Demjenigen seufzen, dessen Gegenwart die dunkelsten und traurigsten Pfade erhellt! „Wenn Jesus gegenwärtig ist, so ist alles gut und nichts scheint schwer, ist aber Jesus nicht zugegen, dann ist alles schwer und drückend.“ (Nachfolge Christi II., 8) Wir können nichts tun, als uns mit Geduld bewaffnen. Es wird nicht immer so sein: mag nun unser gegenwärtiger Zustand eine Strafe oder eine einfache Prüfung sein, er wird nicht dauern; die Zeit der Prüfung geht dem Ende entgegen, und zwar bald; denn „nur noch eine kleine Weile, eine sehr kleine Weile, und es wird kommen, Der da kommen soll, und Er wird nicht zögern.“ (Hebr 10,37) Inzwischen fassen wir die Schwierigkeiten fest ins Auge.
Ich werde nicht müde, über die Schwierigkeiten im Gebete zu klagen. Ich stelle der Unterredung mit Gott die Unterredung mit einem Freunde gegenüber, mit dem ich von Angesicht zu Angesicht spreche, der ganz Aug’ und Ohr ist, mich anzuhören, wodurch die Unterredung so leicht und angenehm wird.
Und doch! Selbst der teilnehmende Freund kann nicht tief in meine Seele eindringen; er kann die Umstände des Lebens, von denen sie so sehr beunruhigt und belästigt wird, nicht ändern. Aber der Freund, mit dem ich im Gebete spreche, ergründet sie bis in ihre Tiefen; Er erforscht die innersten Falten, von deren Vorhandensein ich keine Ahnung hatte. Er sieht die Wirkung, die jeder noch so geringe Einfluss in ihr hervorbringt. Vor Ihm liegt klar jeder Kummer; Er kann die Ursache derselben entfernen oder deren Wirkung schwächen; Er kann Stärke geben, ihn zu tragen und Nutzen daraus zu ziehen. Er kann eine Änderung in meiner Lebensanschauung hervorbringen; Er kann bewirken, dass ich über Erfolg und Nichterfolg, über Stellung, Einfluss, über Familien- und Seelenleiden anders urteile als bisher. Er kann die Unvollständigkeit meines Charakters ergänzen und jede Sehnsucht des Geistes, jedes Bedürfnis des Herzens stillen. Wenn ich Ihm meinen Schmerz darlege, indem ich rufe: „Herr, Du weißt es“, so ziehe ich die ganze Allmacht und Allwissenheit Gottes, ja noch unendlich mehr — ich ziehe das Mitleid des treuesten aller irdischen Freunde auf diesen Schmerz herab. Wenn ich dieses betrachte, so wird meine Klage über die Unzulänglichkeit des Gebetes bald verstummen.
O Herr, dass ich es doch dahin brächte, mehr an die unschätzbare Gabe, die Du mir im Gebete gegeben, zu denken, als an das, was ich dem natürlichen Laufe der Dinge nach noch nicht besitzen kann, wie ganz würde mein Gebet beschaffen sein! Unaufhörlich würde sich mein Herz in Liebe und Vertrauen zu Dir erheben, demütig würde ich die Dunkelheit und die Schranken, die der Glaube hienieden setzt, hinnehmen. Ja, der Glaube würde zu hellem Lichte werden und das Vertrauen würde schon hienieden solch überfließenden Lohn von Dir erlangen, dass der Schleier halb gelüftet würde. Aus dem Gebete würde mir Hilfe kommen, es würde mir zur Wonne werden. Deine Einschärfung: „Betet allezeit!“ würde mir so natürlich wie nur etwas scheinen. Gleich Deinen ersten Jüngern würde mein Wandel im Himmel sein. Meine Seele muss sich stützen auf die durch den Glauben enthüllten Wahrheiten, bis der Tag anbricht und die Schatten weichen.
Du, der Herr des Himmels, kommst heute, um mit mir ein vertrauliches Gespräch zu halten. Du kommst mit dem nämlichen Leibe, der in der Krippe lag und am Kreuze hing, kommst mit Fleisch und Blut, mit Seele und Gottheit, mit Deiner ganz heiligen Menschheit. Aber das Unwesentliche, das Äußere, tritt zurück, mit dem Wesen allein muss ich mich zufriedengeben.
Gerade so verhält es sich mit mir. Ich komme zu Dir mit der erforderlichen Gesinnung; meine Seele ist in Freundschaft mit Dir; doch fehlt jene fühlbare Andacht, die ich, vielleicht mehr um meinet- als um deinetwillen, wünsche. Doch, was liegt daran? Gefühle sind nur nebensächliche Dinge. Ich muss mich gedulden, bis die Schleier fallen und ich den König in Seiner Herrlichkeit schaue. Dann werde ich mich freuen in überaus großer Freude. Dann wird meine Seele den Herrn preisen und mein Geist in Gott, meinem Heiland, frohlocken. Dann wird alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen preisen.
Wenn Deine Herrlichkeit erscheinen wird, dann werde ich vollkommen gesättigt sein. Doch ist es sicher nicht unrecht, wenn ich Dich jetzt schon anflehe, den Schleier dann und wann ein wenig zu lüften oder mir einige Krümchen von Deinem Tische zukommen zu lassen, o gütiger, mitleidsvoller Heiland. Ich könnte ein stummes Geschöpf — ein Hündlein, das mir ins Antlitz schaut, ein Vöglein, das auf meine Hand sich setzt und vertrauensvoll um Nahrung oder Liebkosung fleht — in seiner Erwartung nicht täuschen. Du aber hast mir gesagt, dass ich von weit größerem Werte bin als diese. Willst du die Hoffnung täuschen, mit der ich zu Dir komme, flehend um die Nahrung, die meine Seele braucht, um die Gnade, die ich haben muss, um in den Himmel zu kommen? Willst Du mir nicht dann und wann die Liebkosung geben, die ich erwarte, Du, Der Du gesagt hast: „Auf den Knien wird man euch liebkosen; wie einen, den seine Mutter liebkoset, so will Ich euch trösten.“ (Is 66,12 f.) Willst Du nicht zuweilen jenes geheimnisvolle Wort zu meiner Seele sprechen, dass ihr Innerstes durchdringt? „Meine Seele zerschmolz, als mein Geliebter sprach,“ sagt die Braut im Hohenliede. Sprich zu mir, mein Geliebter, und erweiche die Härte meines Herzens!
„Herr, erhöre mein Gebet und mein Flehen; nimm zu Ohren meine Tränen!“ (Ps 38,13)
„Er gibt Speise den jungen Raben, die zu Ihm rufen.“ (Ps 146,9)
„Du, o Herr, bist reich genug, mir viel mehr als dies zu geben.“ (2. Par 25,9)
„Kann die Binse grünen ohne Feuchtigkeit?“ (Job 8, 11)
„Gedenke meiner, mein Gott, zum Guten! Amen.“ (2. Esdr 13,31)


Nach der Kommunion

„Mein Herr und mein Gott!“
„Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!“
„Herr, vermehre meinen Glauben!“
„Herr, es ist nicht Deinesgleichen; es bleibe Dein Name und werde verherrlicht in Ewigkeit.“ (1. Par 17,20.24)
„Der Herr war mein Helfer und mein Beschirmer, auf Ihn hat vertraut mein Herz und es ist mir geholfen worden.“ (Ps 27,7)
„Lobsinget dem Herrn, ihr Seine Heiligen!“ (Ps 29, 5)
„Liebet den Herrn, ihr alle Seine Heiligen!“ (Ps 30, 24)
„Denn Er hat gesättigt die arme Seele, die hungernde Seele gesättigt mit Gütern.“ (Ps 106, 9)
„Gebenedeit sei der Herr, denn Er hat mir Seine Barmherzigkeit wunderbar erwiesen!“ (Ps 30, 22)
„Dank sei Gott für Seine unaussprechliche Gabe.“ (2 Kor 9,15)
„Einer ist gut, nämlich Gott.!“ (Mt 19,17)

Wie nahe, ja, wie eng verbunden bin ich jetzt mit der Quelle alles Guten! Ich kreuze meine Arme über meine Brust und weiß, dass darin verschlossen das höchste Gut sich findet. Denn „Einer ist gut, nämlich Gott!“ Und Er ist hier, um wie ein treuer Freund alles, was Er hat, alles was Er ist, mit mir zu teilen. In meiner Brust ist:
Seine ganze Allmacht, um mich zu beschützen. — „Wisse, dass der Herr, dein Gott, ein starker Gott ist.“ (Deut 7,9)
Seine ganze Weisheit, mich zu führen. — „Bleibe bei Mir, fürchte dich nicht!“ (1. Reg 22, 23)
Seine ganze erbarmende Güte, um mir zu helfen. — „Ich will dich nicht entlassen, noch dich verlassen.“ (Jos 1,5)
Seine ganze Liebe, mich zu erwärmen. — „Unser Gott ist ein zehrendes Feuer.“ (Hebr 12,29)
Sein ganzer Eifer, den meinigen zu entflammen. — „Die Liebe Christi drängt uns.“ (2 Kor 5,14)
All Seine Schätze, mich zu bereichern. — „Er, Der Selbst Seines eigenen Sohnes nicht geschont, .... wie sollte Er uns nicht alles mit Ihm geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
All Seine Verdienste, mich zu verteidigen. — „Er lebt allezeit, um für uns zu bitten.“ (Hebr 7,25)
Außer Dir, o mein Gott, ist nichts Gutes. Und in Dir ist nichts Gutes, das Du nicht Selbst bist. Alles, was Du hast, das bist Du. Wenn ich dich also um all das bitte, was ich für das Heil meiner Seele brauche, so bitte ich um Dich Selbst. Du selbst bist das Licht, die Stärke, die Liebe, die Geduld, die Heiligkeit, die ich brauche. Wie nahe ist mir dieses alles in dem höchst kostbaren Augenblick nach der heiligen Kommunion. Nicht an meiner Türe, nicht innerhalb meines Bereiches, nein, mitten in meinem Herzen. Öffne mir also Deine Hand, o Herr, erfülle Dein bedürftiges Geschöpf mit Segen, indem Du es mit Dir Selbst erfüllst!
O unendliche Schönheit, die Du mein Gott bist, ich preise Dich!
O unendliche Liebe, die Du mein Gott bist, ich liebe Dich!
O unendliche Geduld, die Du mein Gott bist, ich danke Dir!
O unendliche Güte, die Du mein Gott bist, ich bete Dich an, ich preise Dich, ich gebe mich Dir hin, jetzt und auf ewig!
Geliebter Meister, ich bin die Magdalena zu Deinen Füßen. O könnte ich ihr gleichen in ihrem glühenden Willkommen, in ihrer liebenden Zufriedenheit, in ihrem aufmerksamen Lauschen, wenn Du zu ihrem Herzen sprachst, in der Vereinigung all ihrer Seelenkräfte in Dir, solange Du ihr Gast warst, in ihrem Mitleid mit Deinen Schmerzen, in dem Troste, den sie Deinem Herzen brachte. Kann ich mit meinen herumirrenden Gedanken, mit meiner Kälte, wohl das sein, was Dir Magdalena war? Ja, denn Du hast uns gesagt, Du wolltest Wünsche für Handlungen annehmen. Als Du beim letzten Abendmahl für Deine Apostel betetest und nicht nur für sie allein, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an Dich glauben würden, wusstest Du, dass die späteren Jünger Schwierigkeiten haben würden, die jene nicht hatten, welche während Deines irdischen Wandels durch den Zauber Deiner göttlichen Person sich angezogen fühlten. Auf uns hat Dein Blick nicht geruht, der Ton Deiner Stimme ist nicht an unser Ohr gedrungen; wir haben nicht den Worten Desjenigen gelauscht, Der sprach, wie keiner je gesprochen. Es wird uns berichtet von dem Zauber, den Du auf das Volk und auf Deine Getreuen ausübtest, aber wir müssen diesen erst an uns erfahren. Einstweilen hast Du Geduld mit uns, da Du ja weißt, dass der Glaube zwar viel bewirkt, doch nicht alles tun kann. Überdies zieht sich der Glaube oft in unsere innerste Seele zurück. Er ist wie der Saft der Pflanze im Winter; keine Frucht, keine Blüte, keine Knospe verrät seine Gegenwart, und doch ist er vorhanden. Dein Auge kann ihn sehen und Du hast Geduld.
Welchen Rat hast Du für uns, bis die Sonne in ihrer Kraft erscheint, die Pflanzen belebt und ihre verborgenen Kräfte ans Tageslicht zieht, bis der Winter vorüber ist und die Blumen in unserem Lande erscheinen? Du willst, dass wir unsere Zuflucht zu unseren Brüdern nehmen, die besser stehen als wir; die mit heißen Wünschen Dir entgegenkommen, deren Herz in Deiner Gegenwart erglüht, deren ganzes Wesen sogar die ruhelosen Sinne durch Deine sakramentale Gegenwart überwältigt und gefesselt werden, die ihrem göttlichen Gast eine Aufnahme bereiten, allerdings Seiner unwürdig, doch so aufrichtig, dass es Seine Wonne ist, bei ihnen zu verweilen. Durch die Gemeinschaft der Heiligen sind diese unsere Brüder; ihr Reichtum ist Gemeingut für alle, und die ärmsten Glieder der Familie können sich nach Belieben desselben bedienen. Du fragst nicht, ob die Gaben, die wir dir anbieten, unser Eigentum oder fremdes Gut sind; Du nimmst sie gnädig an, schätzest sie hoch und legst ihnen großen Wert bei. Ich opfere Dir also auf, o mein Herr, die unbefleckte Reinheit Deiner Jungfrauen und aller unschuldigen Seelen; die Stärke Deiner Märtyrer, die inmitten der Qualen und des Todes ausharren, die Geduld Deiner Bekenner und all jener, die Dir treu dienen inmitten von Verfolgungen und Schmerzen, oder inmitten des eintönigen Kreislaufes der täglichen Pflichten und Prüfungen. Ich opfere Dir auf jenes unbefleckte Herz, in welchem Du jede Tugend in ihrer Vollkommenheit findest. Ich opfere Dir dein eigenes, heiliges, menschliches Herz auf, dessen Lob und Preis Deiner göttlichen Annahme würdig ist. Dank sei Dir für diesen reichen Schatz, zu welchem ich in allen meinen Nöten Zuflucht nehmen kann! Dank vor allem für das göttliche Herz, welches ganz allein und vollkommen mir genügt! Dank sei Gott für Seine unaussprechliche Gabe!


Bitte

Ich will dich zu einer Säule machen im Tempel meines Gottes. (Offb 3,12)
Ich wollte, ich könnte eine kleine Säule sein, mein Gott, die etwas für Dich stützte, gleichviel was. Eine Säule, rauh und ungeschliffen und im Hintergrund stehend, wenn es so Dein Wille wäre, aber dennoch von einigem Nutzen für Dich. In einer Hinsicht wenigstens kann ich eine solche Säule sein. Deine in der ganzen Welt zerstreuten Interessen sind uns anvertraut, dass wir sie alle stützen — durch das Gebet. Führe mir zu Gemüte, o Herr, die Verantwortlichkeit, die auf mir ruht, auf dass ich es ernst nehme mit meinem Gebete für jene, so Du mir anvertraut hast, oder die auf irgendeine Weise unter meinem Einflusse stehen, und nicht nur für diese, sondern für alle Mitchristen und Mitmenschen, für jede Seele auf der weiten Welt. Sie alle sind Deine Kinder und haben das Recht, Dich Vater zu nennen; sie haben einen Platz in Deinem Herzen; also müssen sie auch in meinem Herzen einen Platz haben.
„Ich bete für alles, was die Interessen Deines Reiches auf Erden betrifft: für den Heiligen Vater, für die Diözese, für die Kirche in jedem Lande. Für die weltliche Unabhängigkeit des Papstes, für die verfolgten Ordensleute fern von ihrer Heimat, für die Wohlfahrt der Schulen in unserm Vaterlande.
O Herr des Himmels, höre mein Gebet! „Sei Du Herrscher in jedem Herzen, brich und vernichte die Macht des Bösen, lasse Jesus Christus überall triumphieren, gib, dass Sein Gesetz, Seine Gebote und Seine Kirche die ganze Welt regieren! Möge es in Zukunft keinen Aufrührer, keinen Verräter und keinen Abtrünnigen mehr geben und mögen alle unter Seiner Herrschaft und in Deiner Gnade leben, bis sie das irdische Königreich vertauschen mit dem, was ihnen im Himmel bereitet ist.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“


29.04.2020 - 05.05.2020

Das Willkommen des Vertrauens
I.

Am Ufer des Sees Tiberias



Vor der Kommunion

Gibt es wohl ein schöneres Bild in den Evangelien als die Schlussszene bei St. Johannes? Die Jünger sind nach dem wunderbaren Fischfang um unseren Herrn versammelt. Es ist am Gestade des galiläischen Meeres, wo jede Stelle so reiche Erinnerungen an ihren Meister wach ruft. Weithin erstreckt sich das steinige Ufer, welches sie an ihrer vor drei Jahren an sie ergangene Berufung erinnert, als sie alles verließen, um Ihm nachzufolgen. Dort hinter den Bergen liegt die Ebene, wo Er die hungrige Menge gespeist hatte; hoch oben das Felsenriff, wo Er, vom Sturme umtost, in jener Wundernacht betete ... unten das Ufer, von wo aus Er durch die stürmischen Wogen wandelte und zu ihnen kam. Hier, vom Schiffe des Petrus aus, hatte Er das Volk gelehrt. Hier auch war es, wo Er schon früher einmal ihren Fischfang wunderbar gesegnet und ihnen versprochen hatte, dass sie in Zukunft Menschen fangen würden.
Es ist früh am Morgen. Kein Mensch ringsumher, nur in weiter Ferne einige Fischer, die, entmutigt durch die mühevolle und doch vergebliche Arbeit der Nacht, herankommen. Die Sieben haben Ihn ganz für sich allein, denn seit der Auferstehung kommt Er nur zu Seinen Freunden. Auferstehung, oh welche Erinnerung erweckt dieses Wort! Wieviel haben sie seitdem gelernt! Sie schauen zurück auf ihren dreijährigen Verkehr mit Jesus von Nazareth und staunen über Gottes Vorsehung. Der Pfad, der so offen zum Kalvarienberg führte, war vor ihnen verborgen geblieben, damit sie nicht Ärgernis nehmen und von Ihm abfallen möchten. Er hatte von den kommenden Ereignissen gesprochen, sie aber hatten Ihn nicht verstanden. Er hatte ihnen vorher gesagt, dass der Hirte geschlagen und die Herde sich zerstreuen würde und sie hatten Seine Warnungen mit ungestümen Beteuerungen erwidert. Dann war der Sturm über sie hereingebrochen und hatte sie von Seiner Seite gerissen, aber nur für eine kurze Zeit. Seine Liebe hatte sie wieder aufgesucht, Seine Hand hatte sie wieder gesammelt, hier am Ufer des Meeres waren sie wieder rings um Ihn geschart. Jetzt lag es klar vor ihren Augen, dass Christus litt, um in Seine Herrlichkeit einzugehen, und dass die Jünger, gleich ihrem Meister, nur durch viel Trübsale in das Reich Gottes gelangen sollten.
Betrachte sie, jene sieben — Petrus war ans Ufer geschwommen und seine raue Fischerkleidung ist vollständig durchnässt; doch Petrus kennt keine Unbehaglichkeit. Sein wettergebräuntes Angesicht glüht vor Liebe und Begeisterung, da er in das Antlitz seines Meisters blickt. Keine Spur von Misstrauen oder Niedergeschlagenheit. Wofür auch? Er hatte ja Verzeihung gefunden. Der Herr hatte die Vergangenheit wieder gutgemacht und ihm das wiedergegeben, was er verwirkt hatte. Warum also sollte er sich nicht mit den Schuldlosen freuen und wieder der erste im Dienste sein? Petrus war es, der sie zum Fischfang in jener Nacht hinausgeführt hatte; er war es, der auf die leise geflüsterten Worte des Johannes: „Der Herr ist es“ mit dem alten Eifer sich ins Meer gestürzt hatte, um ein geheimnisvolles Wort zu vernehmen, bevor die übrigen kamen. Er war es, der auf seines Meisters Befehl das Netz ausgeworfen und es voll großer Fische ans Land gezogen hatte; es waren einhundertunddreiundfünfzig. Als Lohn für die Kundgebung seiner Liebe und nicht seines Glaubens, wie in Cäsarea Philippi, soll er nun sogleich das Hirtenamt über die gesamte Herde erhalten und das Versprechen eines Todes, ähnlich dem seines Herrn, um Gott dadurch zu verherrlichen. Eifrige, vertrauensvolle Seele, wie teuer bist du Christus, dem Herrn!
In seiner Nähe ist Thomas. Er hat durch seine Trennung von Petrus zu viel verloren., als dass er sich je wieder von ihm trennen wollte. Schau hin, wie sein Auge und sein Herz sich ergötzt an seinem Herrn und Gott, für Den er in seiner Treue zu sterben gewünscht hatte! Und Bartholomäus, ohne falsch, war ein passender Gefährte für Johannes.
Und Johannes erst mit seinem Adlerblick, der das Geheimnis durchdrungen hatte, „vom Worte des Lebens, das vom Anfange war“, das er gehört, gesehen, berührt und mit dem er in der Vergangenheit so trauten Umgang gepflogen hatte. Wie staunt er über die Kühnheit, mit der er sein Haupt an jene Brust gelegt, über jene Liebe, die ihn unter den Geliebten „zum Jünger, den Jesus liebte“, gemacht hatte!
Fühle die Frische des Morgenwindes! Sieh den blauen See; das Feuer, das am Ufer flackert; die Menge der Fische, die in ihren Bewegungen wie Silber glänzen; unsern Herrn, wie Er in der ihm eigentümlichen liebreichen Weise die Jünger einladet: Kommet und esset; wie er Platz nimmt in ihrer Mitte und sie bedient! Sieh die Ehrfurcht und Verwirrung, die in der Freude liegt, mit welcher sie ihn anblicken und Speise aus seiner Hand annehmen!
Betrachte in Christus, unserm Herrn, die wunderbare Vereinigung der menschlichen und göttlichen Natur! Durch ein Wort hatte Er ihre Netze gefüllt und Feuer und Brot herbeigeschafft. Jetzt ladet Er sie mit gewinnender Freundlichkeit ein, Erfrischung zu nehmen: „Kommt und esset!“ „Kommt“, nicht „ Gehet“, und Jesus nimmt Brot, gibt es ihnen und in gleicher Weise auch die Fische. Ist es nicht Sein Wille, dass sie Ihn als Den anerkennen sollen, der Er vorher war? Kein Wunder also, dass sie trotz all ihrer Ungläubigkeit und Hartnäckigkeit Ihm das Vertrauen, das Er sucht, nicht länger vorenthalten können und dass hier am Meeresufer keiner von allen, die beim Mahle sitzen, Ihn zu fragen nötig hat: „Wer bist Du,“ da sie ja wissen, es ist der Herr.
Wann wird Seine Herablassung und Sanftmut die nämlichen Früchte in uns hervorbringen? Wann wird die dringende Einladung uns als eifrige Gäste an Seinen Tisch ziehen mit einem so starken Glauben und Vertrauen, dass wir, trotz unserer Unwürdigkeit, keine Besorgnis haben, da wir wissen, „das ist der Herr?“
Unser göttlicher Bruder ist „uns in allen Dingen gleich“ — aber dennoch wie ungleich! Vergessen und vergeben fällt uns so schwer; schauen wir nun auf Ihn, wie er hier beim Mahle mit den Sieben sitzt! Während drei Jahren hat Er diese Männer mit Sorgfalt zu Seinen Jüngern herangebildet. Sie haben Seine Wunder gesehen, ja es war ihnen sogar die Kraft, Wunder zu wirken, anvertraut worden. Sie waren Seine Vertrauten und Freunde gewesen. Sie hatten ihre Bereitwilligkeit, mit Ihm ins Gefängnis und in den Tod zu gehen, erklärt. Und in der Stunde der Not hatten sie alle Ihn verlassen und waren geflohen. Kein Wunder, dass sie, als Er, vom Tode zu einem unsterblichen Leben auferstanden, wieder zu ihnen kam, nur allmählich glauben konnten, Er könne je wieder mit ihnen so sein wie vorher, und dass sie zaghaft in Sein Antlitz schauten, um dort zu lesen, was sie erwarten durften. Wie begegnete Er diesem gedankenvollen Blicke? Wie behandelte Er diese schwachen, aber trotzdem so aufrichtigen Freunde? Mit der ganzen Zärtlichkeit Seines selbstlosen Herzens. Er brauchte die ganze liebevolle Art, ja noch mehr als die Zärtlichkeit der Vergangenheit, um ihnen die Furcht zu nehmen. Daher gab Er allen im Überfluss, ohne Vorwurf, gab umso freigebiger, je größer ihre Bedürfnisse waren. Mehr als je musste Er jetzt eins mit ihnen sein und alles, was Er hatte, mit ihnen teilen. Beim letzten Abendmahle hatte Er gesagt: „Ich nenne euch jetzt nicht mehr Knechte, sondern Ich habe euch Freunde genannt.“ (Joh 15, 16) Nach der Auferstehung sind sie nicht mehr Freunde, sondern „Brüder“. „Gehet zu Meinen Brüdern und saget ihnen: Ich fahre hinauf zu Meinem Vater und zu eurem Vater, zu Meinem Gotte und zu eurem Gotte.“ (Joh 20,17)
Er ist sich noch immer gleich; der gleiche mit uns, wie mit den Sieben am Meeresufer an jenem Tage. Jesus Christus gestern, heute und immerdar. Wenn die Angst über unsere vergangene oder gegenwärtige Untreue uns niederdrückt, so begeben wir uns hin zu jener gesegneten Gruppe am Meere, schauen Ihn, wie Er inmitten Seiner Brüder sitzt, den Männern, die Ihn verleugnet und verlassen hatten. Werfen wir einen Blick auf den Tabernakel, wo Er noch immer bei uns weilt, und hören wir, wie Er auch zu uns spricht: „Fürchtet euch nicht! Ich bin es.“


Nach der Kommunion

„Woher geschieht mir dieses, dass mein Herr zu mir kommt?
„Denn dieser ist Gott, unser Gott in Ewigkeit und immer und ewig.“ (Ps 47,15)
Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehest unter mein Dach.
„Dich sollen preisen, oh Herr, all Deine Werke und Deine Heiligen Dich rühmen!“ (Ps 144,10)
„Ich will mich freuen und frohlocken in Dir.“ (Ps 9, 3)
„Ich will Dich erheben, Gott, mein König, und preisen Deinen Namen ewig, ja immer und ewig.“ (Ps 144,1)
„Lobsinget unserem Gott all Seine Knechte und ihr, die ihr Ihn fürchtet, klein und groß! (Offb 19,5)
„Lobsinget dem Herrn, ihr Seine Heiligen!“ (Ps 29,5)
„Liebet den Herrn, ihr all Seine Heiligen!“ (Ps 30, 24)
„Lobet den Namen des Herrn, lobet Ihn, Diener des Herrn in den Vorhöfen des Hauses unseres Gottes!“ (Ps 134,1 f.)
„Lobe den Herrn, denn gut ist der Herr; lobsinget Seinen Namen, denn Er ist lieblich!“ (Ps 134,3)
Ich danke Dir, oh liebster Herr, für alles, was Du bist, was Du mir gewesen bist. Meine Schuld reicht weit zurück. Von Ewigkeit zu Ewigkeit bin ich bei Dir gewesen, bei Dir, Dem alles gegenwärtig ist. In Deinen Plänen hast Du Dich mit mir beschäftigt. All die Weisheit, all die Liebe des ewigen Gottes galt mir. Jede Lage in meinem Leben, bis in die kleinsten Einzelheiten war von Ewigkeit her von Ihm ausgewählt in Rücksicht auf die Stellung, die ich eines Tages in Seinem Reiche einnehmen soll, und mit Rücksicht auf jene, die ich jetzt in Seinem Herzen besitze.
Ich danke dir, oh Gott, für die Liebe, mit welcher Du Dich von Ewigkeit her entschlossen hast, für mich Mensch zu werden, ein demütiges Leben zu führen zu meinem Beispiele und zu meinem Troste, das grausame Leiden durchzumachen, die Kirche zu gründen, Deine Sakramente einzusetzen — für mich. Den Schoß des Vaters zu verlassen und ein Erdenbürger zu werden hat Dich wohl viel gekostet; aber Du konntest den Preis bezahlen — es geschah für mich. Die Kälte und Undankbarkeit der Menschen, die Geißelung, der Abfall Deiner Freunde, die Trostlosigkeit Deiner Mutter, die Verlassenheit am Kreuze — all das war wohl hart zu ertragen, aber nicht zu hart — es geschah — für mich. Oh was kostet es dich, „jene Quellen des Heilandes" zu schaffen, woraus ich mit Freude schöpfen, jenen Tisch zu bereiten, an welchen ich ein stets willkommener Gast sein soll? Nicht mit vergänglichen Dingen, sondern mit dem letzten Tropfen Deines Blutes wurde meine Erlösung erkauft. Mit einem großen Preis musste sie bezahlt werden, Du aber bezahltest ihn willig und gerne, denn Du tatest es für mich, um mich vor dem zukünftigen Grimme zu retten.
Und der Dank? Er sah ihn auf Gethsemane und war bis in den Tod betrübt. Er sah, was ich als hinreichende Anerkennung für das halten werde, was Er für mich getan. Er sah meine Teilnahme an dem unblutigen Opfer; er sah die Reue, mit der ich zum Sakrament der Buße trete; das Willkommen, dass ich Ihm im Sakramente der Liebe bereite. War es der Mühe wert, so viel zu tun, für so geringen Erfolg? Ja, er erachtete es für genug. Doch so soll es nicht immer bleiben. Endlich soll meine Seele Seiner Güte sich bewusst werden; ich soll dazu gelangen, auf irgendeine Weise den Wert Seiner unaussprechlichen Gabe zu erkennen; wenigstens soll ich wünschen, Ihm Liebe mit Liebe zu erwidern. Er konnte warten; Er hat bis zur Stunde gewartet.
Wie lange, oh Herr, wie lange? Ist die Zeit noch nicht gekommen, dass mein Herz die Liebe des deinigen nach bestem Vermögen erwidere? Oh Herr, lass mich Dich lieben und möge der Lohn Deiner Liebe darin bestehen, dass ich dich täglich mehr und mehr Liebe! (Heiliger Ignatius)


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das Seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Soich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. Meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all meine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, oh mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird. Blicke, o Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir Dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebte Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich Dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das öffnen erschweren, Deine Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Mögen Sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. O Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlöste Seelen, welche jetzt im 20. Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe jener Menge, die du mit deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühren, so musst Du wohl das Gebet der Sünde erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
O Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an Dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



22.04.2020 - 28.04.2020

Das Willkommen eines Kranken
III.

„Ist kein Arzt mehr da? Warum heilet denn die Wunde der Tochter meines Volkes nicht zu?“ (Jer 8, 22)


Vor der Kommunion

Warum? Vielleicht wegen Mangel an Gehorsam gegen die Vorschriften des göttlichen Arztes oder weil man sich unkluger- und unbesonnenerweise in gefährliche Gelegenheiten stürzt. Vielleicht weil Er eine langsame Heilung für besser findet. Es verhält sich mit der kranken Seele nicht immer so, wie mit der Mehrzahl der Kranken von Judäa und Galiläa in den Tagen Seiner Sendung. Ihre Heilung vollzog sich augenblicklich. Aber das ist gewöhnlich nicht Seine Art und Weise bei der Heilung geistiger Leiden. Die Heilung dieser geschieht nach und nach, wie jene des Blinden von Bethsaida. „Und Er legte ihm Seine Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe. Und er blickte auf und sprach: Ich sehe die Menschen einherwandeln wie Bäume. Danach legte Er die Hände noch einmal auf seine Augen; da fing er zu sehen an und sein Gesicht war hergestellt, so dass er alles deutlich sah.“ (Mk 8,25).
Wenn ich eine vollkommene Genesung wünsche, so muss ich oft in Verkehr mit Ihm treten. Ich muss immer wieder die Berührung Seiner heiligen Hände fühlen. Ich brauche nicht in die Ratschlüsse Gottes tief einzudringen, um den Gewinn zu sehen, der mir erwächst aus dieser seiner gewöhnlichen Art und Weise, die Seelen der Heiligung zuzuführen. Wenn ich eine Zeit, vielleicht eine lange Zeit im Kampf mit meinen schlechten Neigungen mir selbst überlassen bin, da lerne ich Demut und Geduld und finde fortwährend Gelegenheit zu Verdiensten. Inzwischen schreitet das Werk unter beständiger Abwechslung zwischen Sieg und Niederlage voran, besonders in jenen kostbaren Augenblicken, in denen der große Arzt bei mir weilt und durch Seine Gegenwart und Seine Berührung die Heilung vollendet.
Welch geringen Fortschritt schien der dreijährige vertraute Umgang mit dem Herrn bei den Zwölfen hervorzubringen? Sie nahmen keine auffallende Veränderung aneinander wahr, sie waren sich keiner solchen an sich selbst bewusst. Er aber sah, wie eine fortwährende Umwandlung in ihnen vorging und Er freute sich darüber. Er sah, wie die Liebe zu Ihm, die alles Gute mit sich bringt, allmählich ihnen zur Richtschnur diente, wie sie ihre Herzen erweiterte, reinigte, entflammte und den Stoff für jenes Feuer vorbereitete, das zu Pfingsten auf sie herabsteigen und sie zu neuen Menschen umgestalten sollte. Langsam und ruhig, wie Gottes Werke gewöhnlich wirken, gelangten sie zur Erkenntnis und Ähnlichkeit mit dem Sohne Gottes, bis jeder, je nach seiner Bestimmung und seinen Fähigkeiten und je nach den Absichten, die Gott mit ihm hatte, ein anderer Christus, ein zweiter Christus wurde. Gerade so ist es mit uns. Es mag geschehen, dass unsere Umgebung, ja wir selber, lange Zeit keine merkliche Umgestaltung in unserem Leben wahrnehmen. Unsere vielen Unvollkommenheiten und die uns anhaftende Selbstsucht scheinen fortwährend unsere Fortschritte zu hemmen. Indessen dürfen wir den Mut nicht verlieren: „Und Er tat seinen Mund auf des Knaben Mund und Seine Augen auf dessen Augen und Seine Hände auf dessen Hände und das Fleisch des Knaben wart warm....“ (4. Reg 4, 34) Zu einer noch weit innigeren Vereinigung lässt Sich unser Herr herab, mein eiskaltes Herz zu erwärmen. Nicht plötzlich, aber sicher wird Sein Herz, so nahe dem meinigen, dasselbe entflammen. Ich werde es erfahren, ich werde es fühlen. Ich werde gezwungen werden, mit demütiger Dankbarkeit zu dem Gott der Eucharistie zu sagen: „Er, der mächtig ist, hat Großes an mir getan.“
Ich darf jedoch nicht vergessen, dass es bei dieser Umgestaltung viel auf die Gemütsverfassung ankommt. Obgleich die heilige Eucharistie schon durch den bloßen Empfang im Zustande der Gnade hienieden die Verdienste der Seele und drüben die Seligkeit vermehrt, so ist ihre Frucht, ähnlich dem Samen, der in verschieden guten Boden gesät wird, bald dreißig-, bald sechzig-, bald hundertfältig. In einer einzigen Kommunion ist Gnade genug, um jede Krankheit zu heilen, jeder Not zu steuern. Aber unsere unvollkommene Gemütsverfassung hindert die Wirkung des Sakramentes und steht traurigerweise den liebenden Absichten unseres Herrn entgegen, Der mit heißem Verlangen zu uns kommt, um uns zu bereichern und glücklich zu machen.
Oh möchte Er diesen Seinen Wunsch befriedigend und um Seiner Selbst willen Sich den Weg bereiten und die Fähigkeiten unserer Seele vermehren! „Tue weit auf deinen Mund, so will Ich ihn füllen“ (Ps 80,11), spricht Er. „Alle, die ihr dürstet, kommet zu dem Wasser!“ (Js 55,1)
Oh mein Gott, es gibt so vieles in meiner Seele zu tun: So vieles zu reinigen, zu erleuchten, zu erwärmen, umzugestalten, wiederherzustellen; so viele verlorene Zeit hereinzubringen, für missbrauchte Gnaden Sühne zu leisten, versäumte Gelegenheiten, die, ach, niemals wiederkehren, durch eifrige Anstrengung zu ersetzen. Oh Herr, hilf mir, eile mir zu helfen! Sei eingedenk, dass Dir alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist: „Du bist der Herr von allem, und es ist keiner, der Deiner Herrlichkeit widersteht.“ (Esth 13,11) Du kannst schnell reife Früchte hervorbringen; spät kannst Du den Grund noch legen. Sprich nur ein Wort, und meine Seele wird gesund! Oh Herr, eile mir zu helfen: „Herr, so hilft doch um Deines Namens willen! (Jer 14,7)
„Ich schonte Meines heiligen Namens willen ...Nicht um euretwillen, Haus Israel, tue Ich es, sondern um Meines heiligen Namens willen.... Ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch legen, Ich will wegnehmen das steinerne Herz aus eurem Leibe und euch ein Herz von Fleisch geben. Ich will Meinen Geist in euch legen.“ (Ez 36, 21.... 27)


Nach der Kommunion

„Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn, lebet und erhebet Ihn über alles in Ewigkeit!“ (Dan 3,58)
„Denn dieser ist Gott, unser Gott, in Ewigkeit und immer und ewig.“ (Ps. 47,15)
„Lobet den Namen des Herrn, lobet Ihn, Diener des Herrn, die ihr stehet im Hause des Herrn, in den Vorhöfen des Hauses unseres Gottes! (Ps 134,1 f.)
„Preiset mit mir den Herrn; lasst uns erheben Seinen Namen mitsammen!“ (Ps 33,4)
„Er hat gesättigt die arme Seele, die hungernde Seele gesättigt mit Gütern.“ (Ps 106,9)
„Danket dem Herrn, denn Er ist gut, denn in Ewigkeit währet Seine Barmherzigkeit!“ (Ps 106,1)
„Lobe, meine Seele, den Herren und vergiss nicht alle Seine Wohltaten!“ (Ps 102,1)
„Er erhöht die Seele und erleuchtet die Augen und gibt Gesundheit, Leben und Segen.“ (Sir 34,20)
Hat Er uns nicht alles gegeben, da Er sich selbst und uns gab?
„Dank sei Gott für Seine unaussprechliche Gabe.“ (2. Kor 9,15)
„Herr, ich leide Gewalt, nimm Dich meiner an!“ (Is 38,14) Ich glaube fest, dass Du hier zugegen bist. Ich weiß, dass der Meister gekommen ist und nach mir fragt. Und ich bin unfähig, mich zu irgendeiner Antwort aufzuraffen. Der Glaube indessen mahnt mich unverdrossen an das, was ich sein und was ich tun soll. Doch das Fehlende ersetzt er nicht: er bringt mich nicht zur Anbetung, nicht zur Danksagung, nicht zur Liebe. Anstrengung ermüdet. Selbstvorwurf regt auf und macht die Sache schlechter. Was soll ich tun, oh Herr? Was kann ich tun?
Ruhig vor Dir liegen, wie der arme Lahme auf seinem Lager; erwartungsvoll auf Dich blicken; geduldig warten, froh, dass Dein Ruhm nicht von einer Bemühung oder einem Werke meinerseits abhängt. Trost schöpfen aus dem Gedanken, dass der Arzt keine Unterhaltung von seinem Patienten erwartet. Er kommt, um zu sehen, nicht wie die Dinge sein sollten, sondern wie sie sind. Oh Arzt meiner Seele, es ist überaus gut, dass Du mich in meinem schlimmsten Zustande siehst. Dein Besuch kommt zur rechten Zeit. Lass Dich an meinem Lager nieder; lege meine fieberkranke Hand in die Deine; sieh, wie schwach ich bin! Kaum kann ich mein Haupt wenden, Dich anzublicken; kaum vermag ich ein Wort zu sprechen oder ein Lächeln zum Gruße hervorzubringen. Herr, ich leide Gewalt, nimm Dich meiner an!
Der Arzt stellt Fragen. Herr, Du weißt alles und hast zu fragen nicht nötig. Meine Seele ist das Werk Deiner Hände. Du kennst ihre Schwäche, ihre Krankheit, ihr weh und ihren Schmerz besser als sie selbst. Du kennst die Quelle, woraus all diese kommt, denn Du kennst das ursprüngliche Elend, welches das Erbe des gefallenen Menschen ist; die verborgenen Triebfedern ihrer Handlungen; ihre Fähigkeiten und die enggezogenen Grenzen ihres Könnens — all das ist Dir bekannt. „ Es ist kein Geschöpf vor Ihm verborgen, sondern alles ist nackt und offenbar vor Seinen Augen.“ (Hebr 4,13) Wenn solch ein Mittler für uns spricht, wird dann nicht alles gut werden? Dass Er uns kennt, das ist unsere Hoffnung. Wir haben nicht etwa einen Arzt, der mit unseren Krankheiten kein Mitleid haben könnte. „Denn Er kennt, was wir für Geschöpfe sind; er gedenket, dass wir Staub sind.“ (Ps 102, 14)
Für einen anderen Bürge stehen, heißt nicht etwa dessen Fehler übersehen oder leicht nehmen, sondern sich seiner Sache annehmen. Handle so mit mir, oh erbarmungsvoller Mittler! Stehe gut für mich; nimm meine Verteidigung auf Dich; beuge allen Anklagen vor! Der elende Empfang, den ich Dir heute bereite, kann die Folge meiner Sünden sein, oder einen physischen Grund haben. In dem einen wie in dem anderen Falle bürge Du für mich! Du, der Du meine Beschaffenheit kennst, Der Du weißt, was in meinem Zustand Tadel und was Mitleid verdient, antworte für mich, verteidige mich! Mit der Sünderin Thais rufe ich zu Dir: Du, Der Du mich erschaffen hast, erbarme Dich meiner!
Was haben wir mit Dir zu schaffen, Jesus, Du Sohn Gottes, schrie der böse Geist in der Synagoge zu Kapharnaum. Es war eine Klage der Verzweiflung. Das arme, verlorene Geschöpf erkannte die Gegenwart des menschgewordenen Gottes, des versprochenen Erlösers, und wusste, dass Er nicht um seinetwillen gekommen war.
Oh Jesus, mein Heiland, unsertwillen, meinetwillen bist Du hier. In allem habe ich mit Dir zu schaffen. Du bist mir Vater, Mutter, Schwester, Bruder. Ich bin Dein Erlöster, Dein um hohen Preis Erkaufter, das verlorene Schäflein, das Du auf Deinen Schultern zu Hürde heimgebracht, Dein Freund, den Du zum Mahle geladen und mit Brot vom Himmel gespeist hast. Jesus, Der Du mich zu retten Mensch geworden bist und unter uns gewohnt hast. Jesus, Der Du mich bis zum Tode am Kreuze geliebt, — Jesus, Der Du mich vor dem zukünftigen Zorne gerettet — ich habe alles in allem mit Dir zu schaffen. Du bist mir alles in allem. Denn was habe ich im Himmel und was wünsche ich auf Erden außer Dir? Du bist der Gott meines Herzens und mein Heil in Ewigkeit.


Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, oh Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest Du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich Selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was Ich für meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke Dir, oh liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, oh Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle Dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, dass Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares Dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu Deinen Füßen niederlegen.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



15.04.2020 - 21.04.2020

Das Willkommen eines Kranken
II.

„Und Er legte einem jeden die Hände auf und machte sie gesund.“ (Lk 4,40)



Vor der Kommunion

Bei den Heilungen unseres Erlösers sind zwei Dinge auffällig: ihre große Zahl und dass sie fast in jedem Falle durch die Berührung mit Seiner heiligen Menschheit vollzogen wurden. „Er trat hinzu, nahm sie bei der Hand und richtete sie auf.“ (Mk 1,31) „Und Jesus streckte Seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will, sei rein!“ (Mk 1,41) „Da berührte Er ihre Augen ... und ihre Augen wurden aufgetan.“ (Mt 9,29 f.) „Und Er legte Seine Finger in seine Ohren und berührte seine Zunge ... und sogleich öffneten sich seine Ohren und das Band seiner Zunge war gelöst.“ (Mk 7,33 f.) Es war wohl bekannt, dass Leben und Heilkraft in Seiner einfachen Berührung lagen. „Komm und lege Deine Hand auf sie, so wird sie leben!“ (Mt 9,18) „Da brachte man einen Blinden zu Ihm und bat Ihn, dass Er ihn berühren möchte.“ (Mk 8,22) „Wenn ich nur Sein Kleid berühre, so werde ich gesund.“ (Mk 5,28)
„Alles Volk trachtete, Ihn anzurühren, denn es ging eine Kraft von Ihm aus und heilte alle.“ (Lk 16,19)
Bedenke wohl die Wiederholung des Wortes „alle“ im Bezug auf die Heilungen unseres Herrn. Jesus ging in ganz Galiläa umher und heilte alle Arten von Krankheiten und jedes Gebrechen unter dem Volke. „Und das Gerücht von Ihm verbreitete sich in ganz Syrien und sie brachten zu Ihm alle, die sich übel befanden und welche mit allerlei Krankheiten und Qualen behaftet waren, auch die vom Teufel Besessenen und die Mondsüchtigen und die Gichtbrüchigen, und Er heilte sie.“ (Mt 4,24) „Als die Sonne untergegangen war, brachten alle, welche Kranke mit verschiedenen Gebrechen hatten, dieselben zu Ihm und er legte einem jeden die Hände auf und machte sie gesund.“ (Lk 4,40)
In keinem Fall jedoch wird berichtet, dass Er einen vom Teufel Besessen berührt hätte. Er „befahl“ oder „drohte“ dem bösen Geiste und Er fuhr aus. Sobald aber das arme Opfer von seiner Sklaverei befreit war, wurde ihm gestattet, in die Nähe des Heilandes zu kommen. „Sie fanden die Menschen, von dem die Teufel ausgefahren waren, zu Jesu Füßen sitzen.“ (Lk 8,35) „Da schrie er, schüttelte ihn heftig und fuhr aus von ihm; und er ward wie tot, so dass viele sagten: Er ist gestorben! Jesus aber nahm ihn bei der Hand und richtete ihn auf; und er stand auf.“ (Mk 9, 42) Dasselbe gilt auch jetzt noch. Die Seele, die sich persönlich durch die schwere Sünde dem bösen Geiste übergeben hat, darf sich in diesem Zustande nicht zu der sakramentalen Vereinigung mit dem allerheiligsten Gott begeben. Aber sobald sie durch eine gute Beichte wieder in den Stand der Gnade eingesetzt ist, darf sie sich der innigsten Vereinigung mit dem erfreuen, durch welchen sie geheilt wurde.
Es ist eigentümlich, dass der Menschensohn die Heilung durch Berührung Seines heiligen Fleisches bewirken will. Während Seines Lebens hier auf Erden heilte er nur ausnahmsweise in der Entfernung. Aber die Heilung wurde durch Seine heiligen Hände bewirkt bei all denen, die sich in den Bereich Seiner Berührung stellten: „Er heilte sie, indem er jedem aus ihnen die Hände auflegte.“ Ob sie es verdient oder nicht, wird mit keinem Worte erwähnt. Sie kamen zu Ihm. Das war genug. Er heilte sie.
„Siehe, die Hand des Herrn ist nicht verkürzt.“ (Is 59,1) Er will, dass auch jetzt noch eine Kraft von Ihm ausgehe. Seine Klage lautet auch heute noch: „Aber ihr wollt nicht zu Mir kommen, um das Leben zu erhalten.“ (Joh 5,40) Sein Versprechen gilt für alle Zeiten. „Der, welcher Mich isst, wird durch Mich leben.“ (Joh 6,58) „Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben; und Ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.“ (Joh 6,55) Doch auch Seine Drohung gilt: „Wahrlich, wahrlich sage Ich euch: wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und Sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben.“ (Joh 6,54)
Gewisse Bedingungen werden allerdings gefordert. Wir müssen „uns selbst prüfen“, wie der Apostel sagt. Wir dürfen uns Ihm nicht nahen, um Ihm den Judaskuss zu geben und Ihn zu verraten. Ist das zu viel verlangt? Es ist alles, was Er verlangt. Wenigstens ist es alles, was er streng fordert. Der Mensch, der gestern Abend noch in der Todsünde sich befand, Sein Feind, der verdient hätte, auf ewig von Ihm getrennt zu werden, darf, nachdem er am Morgen die Gnade wiedererlangt hat, sich Ihm nahen, um Ihn zu umarmen und von Ihm den Friedenskuss und das einem Freunde gebührende Willkommen zu empfangen. Daraus erkennen wir, wie wenig Er verlangt. Nicht als ob wir mit diesem wenigen uns begnügen sollten, sondern dass wir, beruhigt über die Erfüllung Seiner leichten Bedingungen, uns Ihm nahen mit jener Liebe, die jede Furcht verbannt, wie er es so sehnlich wünscht.
Oh Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehest unter mein Dach. Ich bin nicht würdig — aber ich darf es erwarten. Die, welche dem Hungertode nahe sind, dürfen Nahrung nehmen, wo immer sie solche finden; ihre äußerste Not gibt ihnen das Recht dazu. Die armen Kranken dürfen zum Armenarzt kommen und ihre Leiden werden unentgeltlich geheilt. Gerade so nehme ich Dich in Anspruch, o Brot des Lebens, o Heilmittel gegen alle meine Übel; Du kennst meine Seele durch und durch, ihre Schwäche, ihre gefährlichen Krankheiten, ihr Bedürfnis nach Deiner heilenden Berührung. Und nie war das Heilmittel so nahe! Nicht Sein Kleid soll mich heilen, nein, Sein Fleisch und Blut, Seine Seele und Gottheit werden meiner Seele als Arznei gegeben. Wiederum wandelt Er, so wie in den Tagen Seines Erdenlebens, unter uns und heilt jede Art von Krankheit, jedes Gebrechen. Wiederum kommen die Blinden und Lahmen in den Tempel und die mit Plagen behafteten drängen sich mit Gewalt zu Ihm, um Ihn anzurühren. (Mk 3,10)
Oh gütiger Arzt, ich komme zu Dir; ich überlasse mich Deiner Hand; heile mich, Herr, so werde ich heil; hilf mir, so ist mir geholfen! (Jer 17, 14) Gib mir das Gut, in dem alles Gute enthalten ist, das da ist Leben, Kraft, Wachstum, Heilmittel für jede Krankheit, Hilfe für jedes Bedürfnis. Denn wie, hast Du uns mit dir nicht alles gegeben?


Nach der Kommunion

„Adoro Te devote, latens Deitas“
„In Demut bete ich Dich, verborgene Gottheit, an.“
„Betet Ihn an, ihr alle Seine Engel!“ (Ps 96,7)
„Erhebet den Herrn, unseren Gott!“ „Ps 98,5)
„Lobpreiset mit mir den Herrn, lasst uns erheben Seinen Namen mitsammen!“ (Ps 33,4)
„Denn Großes hat er an mir getan, Der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.“ (Lk 1,49)
„Lobe, meine Seele, den Herrn und alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen!“ (Ps 102,1)
„Lobe, meine Seele, den Herrn und vergiss nicht alle Seine Wohltaten! Der all deine Missetat vergibt, Der all deine Schwachheiten heilet.“ (Ps 102,1)
„Er erhöhet die Seele und erleuchtet die Augen, gib Gesundheit, Leben und Segen.“ (Sir 34,20)
„Heile mich, Herr, so werde ich heil; hilf mir, so ist mir geholfen!“ (Jer 17,14)
„Mache gesund meine Seele, denn ich habe gegen Dich gesündigt!“ (Ps 40,5)
„O Gott, ich bitte, heile sie!“ (Num 12,13)
In tiefer Demut bete ich dich an, oh heilige Menschheit meines Erlösers, Quelle alles Guten!
Oh Antlitz, in das die Engel zu schauen gelüstet, auf welches Maria fortwährend blickte, das sie verehrte mit der Anbetung eines Geschöpfes und der Wonne eines Mutterherzens. — Ich bete Dich an.
Oh Hände, die gebunden in der Krippe lagen und mit grausamen Nägeln an das Kreuz geheftet waren, die jede Krankheit, jedes Gebrechen geheilt, die die verzehrende Hitze des Fieberkranken gefühlt, die sich so zärtlich auf unsere Schmerzen gelegt, die den Blinden das Augenlicht gegeben und das Gehör den Tauben, den Gichtbrüchingen Stärke und Gnade — ich bete euch an, als wirklich gegenwärtig, ich übergebe mich euch, um Heil und Segen zu empfangen. Oh Füße, die sich müde gegangen auf der Suche nach dem verlorenen Schäflein, die von Magdalena gesalbt und geküsst und am Auferstehungsmorgen von den frommen Frauen andächtig verehrt wurden — ich biete euch an, ich preise euch und küsse die teuren Wunden, die ihr für mich empfangen habt.
Oh Herz, das Mitleid hatte mit dem Hungrigen und Heimatlosen, mit der Witwe und den Ausgestoßenen, mit dem armen, verstockten Jerusalem; das schneller schlug bei dem Gruße jener, die es liebten; oh Herz, bis in den Tod betrübt über die Flucht und den Verrat der Deinigen. Oh Herz, das mich liebte und sich für mich opferte, das jetzt mit Liebe an meinem eigenen armen Herzen schlägt, ich bete Dich an, ich preise Dich für alles, was Du für mein Heil getan und gelitten hast, für all die Wunder, die Du gewirkt, um Dich am heutigen Tage mit mir zu vereinigen!
In Deinem göttlichen Lichte lass mich die verborgenen Dinge in meinem eigenen Herzen sehen, jene Dinge, die mein Stolz vor mir verbirgt. Solange ich meine Augen von dem, was Abstoßendes in mir ist, wegwende, werde ich in Finsternis sein; ein Schleier wird sein zwischen Dir und mir. „Meister, gib, dass ich sehe!“ Der Ruf des Blinden von Jericho ist mein Ruf. Gib, dass ich Dich und mich erkenne; dass ich mich erkenne und dadurch zu Deiner Erkenntnis gelange! Dass Du mir nicht das bist, was Du Deinen Heiligen bist, rührt wohl daher, dass ich Dich nicht kenne, so wie sie Dich kennen. Deine Schönheit, Deine Güte, Deine Zärtlichkeit, Deine Liebe sehe ich nicht in dem Lichte, wie sie. Herr, gib, dass ich sehe! Dass ich sehe Deine Schönheit in all den Geheimnissen Deines heiligen Lebens, deine Güte in allem, was Du für mich gewirkt; Deine Zärtlichkeit in Deiner wahrhaften Gegenwart in meinem Herzen und in der Vergebung meiner vielen Sünden; Deine Liebe in allem, was mir zustößt. Herr, belebe Du mich und ich werde Dich in allen Dingen und überall sehen! Herr, mache mich sehend!
Mein Gott, ich glaube! Herr, ich bin kalt, hart und trocken, aber ich glaube fest an deine wirkliche Gegenwart in mir. Ich glaube, dass Du mir näher bist als den Freunden deines irdischen Lebens, die dich in ihr Haus aufnahmen, die mit Dir in Petri schwankendem Schiffe fuhren, die dich zu ihren Kranken und zu dem Grabe ihrer Toten führten, die ihre Kindlein zu Deinen Füßen brachten.
Mein Gott, ich hoffe auf Dich! Nicht zwar so, wie ich sollte in Anbetracht Deiner Gnaden und der mir gemachten Verheißungen. Aber ich vertraue auf Dich und übergebe mich Dir mit allem, was ich habe, was ich liebe, was ich unternehme und was ich zu meinem Glücke hienieden und drüben brauche. Gib mir Licht, dass ich Deine Güte in allen Dingen erkenne, und vermehre mein Vertrauen! Gib, dass ich mich auf Dich verlasse, wie Martha und Maria; dass ich all meine Sorgen auf dich werfe in dem Bewusstsein, dass jedes Gebet gehört wird und dass Du in der von dir bestimmten Zeit, die sicher der beste Augenblick ist, Hilfe bringen wirst.
Mein Gott, ich liebe Dich! Zwar nicht so, wie Deine Güte geliebt zu werden verdient, aber wenigstens soviel, als ich Dich jetzt lieben kann. Entzünde mein Herz mit der Liebe Deines eigenen Herzens, das mir jetzt so nah ist!
Mein Gott, ich sehne mich danach, meine Sünden Deinetwegen und aus reiner Liebe zu Dir zu bereuen. Wenn Du mir eine von den beiden Gnaden — vollkommene Reue oder endliche Beharrlichkeit — anbieten würdest, so würde ich die erste wählen. Und dennoch muss ich auch die letzte Gnade haben, damit ich in alle Ewigkeit Dich besitze. So gib mir also beide, damit ich ewig Dein Erbarmen preise, das gegen mich Sünder so gut, so unendlich gut gewesen!


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das Seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereit Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. Meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, oh mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionäre, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpf ist, der allerseligsten Jungfrau, der erhabensten würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir Dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! Oh Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebte Missionäre, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deine Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Mögen Sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlöste Seelen, welche jetzt im 20. Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühren, so musst Du wohl das Gebet der Sünde erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtstädte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
O Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an Dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



08.04.2020 - 14.04.2020

Das Willkommen eines Kranken
I.


Es ging eine Kraft von Ihm aus und heilte alle.“ (Lk 6,19)

„Und wo Er in die Flecken oder in die Dörfer oder in die Städte einzog, legten sie die Kranken auf die Gassen und baten Ihn, dass sie nur den Saum Seines Kleides berühren dürften, und alle, die Ihn berührten, wurden gesund.“ (Mk 6,56)


Vor der Kommunion

Wie groß muss die Aufregung gewesen sein, wenn Er in einer Stadt erwartet wurde, wie groß die Sehnsucht der Kranken, wie groß die Freude ihrer Angehörigen, als sie dieselben in Reihen längs der Gassen legten, um Sein Kommen zu erwarten! Hier eine Gruppe von Kindern, rings um den sterbenden Vater. Dort eine Mutter, schon seit Jahren an das Krankenlager gefesselt, von ihren Töchtern getragen. Hier in der Ecke ein Knabe mit seinem blinden Großvater. Und alle wachen und warten in atemloser Ungeduld. Sie alle hoffen nicht nur, nein, sie sind sicher, dass ihre Kranken geheilt nach Hause gehen werden — der Vater inmitten seiner erfreuten Familie, die Mutter mit ihren Töchtern wandelnd, der seit Jahren Blinde mit Wonne in das Antlitz seines kleinen Enkels und Führers schauend. Können wir uns in eine solche Lage versetzen, solch eine Erwartung, solch ein Jubel uns vorstellen? Schon vor dem Weggange ist ein Platz bei Tische bereitet worden, das Krankenlager hat man entfernt, weil es ja für die Zukunft unnötig sein wird. Die Kinder stehen am Wege; sie geben acht, um zuerst den Herrn zu erblicken, und brechen in Freudenrufe aus, wenn sie längs des weißen, staubigen Weges Zeichen des Nahens der Ihn begleitenden Menge gewahren.
Und Er kommt heute — zu mir!
Dein Besuch, oh Herr, wird Dich an die ehemaligen Tage von Galiläa und Judäa erinnern, als Dich eine Menge von Tauben, Stummen, Lahmen und Blinden umringte. Und ich werde an jene wenigen Tage erinnert werden, da Du durch Deine Handauflegung alle heiltest. Das Werk, das du in meiner Seele verbringen willst, war für Dich ein stärkerer Beweggrund, vom Himmel auf die Erde herabzukommen, als die Heilung von körperlicher Krankheit. Wenn es Dir gefiel, Dich so liebevoll bei geringeren Bedürfnissen zu zeigen, so geschah dies, um mich zu ermutigen, auf dass ich mich Dir nahe, Dich in der heiligen Kommunion mit Glaube und Vertrauen empfange und Dir, dem göttlichen Arzte, die Wunden meiner Seele, zum Zwecke der Heilung, offenbare. Das zu tun, bin ich jetzt gekommen. Siehe mich zu Deinen Füßen knien, habe Mitleid mit mir und hilf mir!
Ich bin aussätzig — bedeckt mit den hässlichen und gefährlichen Geschwüren meiner vielen Sünden. Herr, wenn Du willst, kannst Du mich rein machen. Sprich zu mir: „Ich will, sei rein!“
Ich bin krank und schwach — und bleibe oftmals stehen auf dem Wege zu meinem Ziele; gar bald bin ich ermüdet und leicht entmutigt; ernster und andauernder Anstrengung bin ich nicht gewachsen, nur zu gerne möchte ich Bequemlichkeit und Ruhe haben.
Ich bin blind. Was andere klar sehen, das ist für mich dunkel und verworren: dass die Ewigkeit herannaht, schnell herannaht; dass ich mich auf den Tod und das Gericht vorbereiten muss; dass ich mein Leben nur einmal durchlebe; an all dieses glaube ich, wie der Blinde an die Farben. Aber solch ein Glaube reicht nicht hin, um mein Leben demgemäß einzurichten. Die Augen meiner Seele müssen geöffnet werden, damit ich wahrnehme, was ich durch den Glauben festhalte. Mache mich sehend, oh Herr!
Ich bin blind für die Schönheiten der sichtbaren Schöpfung, die Dich, die ewige, unerschaffene Schönheit, widerspiegelt und die ihren Zweck verfehlt, wenn sie nicht meine Seele zu Dir in Lobpreis und Dank erhebt. Ich bin blind für die ungleich schöneren Schöpfungen der Gnade in den Seelen derer, die mich umgeben. Geringfügiges reicht hin, mein Licht zu verdunkeln. Ein dünner Schleier genügt, Dich mir zu verbergen. Wie oft würde ein stärkerer Glaube, eine aufrichtigere Wertschätzung mich die Schönheit des nach Gottes Ebenbild geschaffen den Geistes entdecken lassen, wenn sie hindurchleuchteten durch die menschlichen Schwächen, an denen ich Ärgernis nehme. Mache mich sehend, oh Herr! —
Ich bin blind gegen meine Fehler oder wenigstens schnell bereit, das bei mir zu entschuldigen, was ich bei andern so strenge beurteile. Ich bin nachlässig in der mir obliegenden Pflicht zu wachen; ich bin blind gegen das Böse, das rings um mich geschieht und dem ich Einhalt tun sollte und wofür ich einst zur Rechenschaft gezogen werde. Mein Gott, erleuchte meine Finsternis! Mache mich sehend, oh Herr!
Ich bin taub. Einsprechungen kommen und ich achte nicht darauf. Ich weiß, sie sind Deine Stimme, die mich aneifert oder tadelt, die mir einen guten Gedanken, ein gütiges Wort, eine liebreiche Handlung einflößt. Aber wenn mir die Befolgung derselben eine Arbeit, ein persönliches Opfer auferlegt, so tue ich, als hörte ich nicht. Mache mich aufrichtiger, großmütiger gegen Dich, mein Gott! Gib, dass ich mich freue, so oft Du mir Deinen Willen kundtust in großen Dingen, sowie in kleinen und in solchen, die mich Überwindung kosten! Lass es ein aufrichtiges Gebet sein, wenn ich sage: „Sprich, Herr, Dein Diener hört!“
Ich bin stumm. Nicht im Umgang mit jenen, die gleich mir hilfsbedürftig sind, die mir aber nicht helfen wollen oder können. Aber vor Dir, oh mein Vater, Der Du reich an Erbarmen bist, Der Du allen im Überflusse mitteilest und Der Du mit liebender Gewalt mich drängst, Deine Gaben anzunehmen. In der Gegenwart Deiner Schönheit und Deiner Güte bin ich stumm. Kein Lob quillt aus meinem Herzen; kein Ruf um Erbarmen kommt über meine Lippen. Ich habe keinen herzlichen Gruß für Dich, Der Du aus so weiter Ferne als Gast zu mir kommst. Oh Herr, öffne meine Lippen, und mein Mund wird Dein Lob verkünden! Befreie mein Herz von seinen Banden, damit es sich vor Dir ergieße! Lehre mich beten, auf dass ich durch das Gebet Hilfe in allen Nöten von Dir erlange!
Aussätzig, lahm, blind, taub, stumm — gewiss, ich bin des Besuches des Arztes bedürftig.
Sei getrost und fasse Mut! Siehe, Dein Gott Selbst will kommen und Dich heilen. „Dann öffnen sich der Blinden Augen, der Tauben Ohren tun sich auf: dann springet wie ein Hirsch der Lahme und die Zunge der Stummen löset sich.“ (Is 35,5 f.)
„Unsere Seele harret auf den Herrn, denn Er ist unser Helfer und Beschützer.“ (Ps 32,20)
„Alle Augen warten auf Dich, oh Herr; Du tust auf Deine Hand und erfüllst alles Lebendige mit Segen.“(Ps 144,15.f.)
Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner, Sohn Davids, erbarme Dich meiner!


Nach der Kommunion

„Den Herrn, meinen Gott, bete ich an, denn Er ist der lebendige Gott. „ (Dan 14,24)
„Betet Ihn an, ihr alle Seine Engel!“ (Ps 96,7)
„Erhebet den Herrn, unsern Gott!“ (Ps 98,5)
„Preiset mit mir den Herrn; lasst uns erheben Aeinen Namen, zusammen!“ (Ps 33,4)
„Ich will preisen den Herrn nach Seiner Gerechtigkeit und lobsingen den Namen des Herrn, des Allerhöchsten.“ (Ps 7,18)
„Ich will Dir danken, Herr, mein Gott, von meinem ganzen Herzen und will preisen Deinen Namen ewiglich.“ (Ps 85,12)
„Lobe, meine Seele, den Herrn, und alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen!“(Ps 102,1)
„Der all deine Missetaten vergibt, Der all deine Schwachheiten heilt.“ (Ps 102,3)
„Gebenedeit sei der Name Seiner Herrlichkeit in Ewigkeit! Armen, Amen.“ (Ps 71,19)
„Der Herr wird alle Krankheiten von dir hinwegnehmen und die überaus bösen Seuchen Ägyptens, die du kennest.“ (Deut 7,15)
„Ein größerer Freund als ein Bruder“ (Spr 18,24) warst Du, oh Herr, gegen die Betrübten und die Schwerbeladenen. Kein Geschwür war so ekelerregend, dass Du es nicht berührt hättest, keine Krankheit so hartnäckig, dass sie auf Dein Wort nicht gewichen wäre: „Alle, die irgendeine Krankheit hatten, wurden zu Ihm gebracht, und Er legte ihnen die Hand auf und heilte sie.“
Und Du — Der nämliche wie ehedem — bist nun bei mir. Mit demselben, ja mit noch größerem Mitleid, blickst Du auf die Wunden meiner Seele. Ich bin nur zu geneigt zu denken, dass, während die körperlichen Krankheiten Dein Mitleid hervorrufen, du nur Zorn und Entrüstung für jene der Seele hast. Und doch sollte Deine Güte gegen die Sünder und die Liebe, mit der Du ihre Wunden berührst, mir Vertrauen einflößen. Ich werfe mich Dir zu Füßen; lass Deine heilende Hand auf mir ruhen! Ich warte auf Dein Wort, das mir Heilung bringen wird — wenn auch nicht plötzlich, doch allmählich; Heilung meines Stolzes, meiner Heftigkeit, meiner Kälte beim Gebete, meiner lieblosen Zunge, meiner Nachlässigkeit in Erfüllung jener Pflichten, die mir missfallen. Herr, wenn Du willst, kannst Du mich heilen. Oh sprich doch dieses Wort!
Wenn der Arzt seinen Besuch macht, so erwartet er von der Pflegerin eine vollständige Darlegung des Zustandes ihres kranken Pfleglings. Sie muss ein genaues Verzeichnis halten über Pulsschlag, Atemholen und Temperatur. Sie muss imstande sein, einen Bericht zu geben über Schlaf oder Schlaflosigkeit, über jede Änderung in der Natur der Krankheit und über deren Krisen. In der Abwesenheit des Arztes ist sie ihm Aug’ und Ohr und der Erfolg deiner Behandlung hängt größtenteils von ihrer Wachsamkeit ab und von der wahrheitsgetreuen Schilderung dessen, was sie sieht und hört.
Ich bin die für meine kranke Seele bestimmte Pflegerin. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eine sehr gleichgültige, um nicht zu sagen sorglose Pflegerin bin. Ich entziehe mich der Arbeit und kümmere mich wenig um die Bedürfnisse meines Pfleglings. Ich setze ihn der Gefahr aus, Schaden zu nehmen. Ich bin nachlässig in der Darreichung von Nahrung und Arznei. Ich schlafe, wenn ich wachen sollte. Welche Rechenschaft kann ich geben, da meine Kenntnisse so oberflächlich sind und mir das richtige Verständnis zur Krankenpflege fehlt?
Glücklicherweise weiß der himmlische Arzt alles. Er weiß, wie der Mensch beschaffen ist, und bedarf keiner Erklärung. „Jedes Herz wird von Ihm begriffen.“ (Sir 16,20)
„An jedem Orte sind die Augen des Herrn, sie schauen auf die Guten und die Bösen.“ (Spr 15,3) „Alle Berge des Menschen liegen offen vor Seinen Augen, alle Wege des Menschen liegen offen vor Seinen Augen.“ (Spr 16,2)
Allweiser und mitleidiger Arzt, vergib meine Nachlässigkeit! Dir vertraue ich meine kranke Seele. „O Gott, ich bitte, heile sie!“ (Num 12,13) Habe Mitleid mit ihr, weil ich nur eine einzige besitze! Und gib mir das Verständnis und die Kraft, die mein Beruf als Seelenwärterin erfordert und die mir leider fehlen! Krankenpflege fordert unermüdliche Energie, Wachsamkeit, Heiterkeit und einen unerschöpflichen Vorrat von Geduld. Man muss sich der Mühe unterziehen, die Natur der Krankheit, ihre wahrscheinliche Ursache, die Zeit und die Art ihres Beginnes festzustellen — zum Zwecke einer richtigen Behandlung. Morgens und abends muss der Zustand festgestellt und Tag und Nacht gewacht werden. Unkluge Nachgiebigkeit muss standhaft vermieden und Arznei sowohl als Nahrung zur rechten Zeit gereicht werden. Und dennoch schreitet die Besserung nur langsam vorwärts. Die Temperatur steigt bei der geringsten Veranlassung. Der Kranke ist unklug und unbedacht, es treten Rückfälle ein und die ganze Behandlungsweise muss von vorne begonnen werden. Eine gar einförmige Arbeit, wenn sie Jahr für Jahr geschehen muss! Doppelt einförmig vielleicht, wenn der zu behandelnde Kranke meine eigene Seele ist! Nie müde werden der täglich wiederkehrenden Pflichten, der Wachsamkeit, der Vorsicht, bei Rückfällen die Geduld nicht verlieren und nie an meinem Pflegling verzweifeln, — o Herr, das ist hart. Wie würde es stehen um mich und meine Seele ohne die aufmunternden Besuche des Arztes? Er ist gütig und langmütig; er ist gefasst auf Unruhe, Launenhaftigkeit und Verderbtheit. Er bekundet weder Erstaunen noch Widerwillen, noch Enttäuschung, er erträgt alles, glaubt alles, hofft alles. Heute heißen wir Ihn willkommen mit freudig strahlendem Angesicht; morgen sind wir niedergeschlagen und entmutigt und haben kaum ein Wort des Dankes für Seinen Besuch. Er aber nimmt uns so, wie wir sind. Er kennt unser unvollkommenes Wesen. Wir haben es nicht zu tun mit einem, der mit unsern Krankheiten kein Mitleid haben könnte, wohl aber mit Ihm, der gesagt hat: „Nicht die gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“ (Lk 5,31)
Mut also, meine Seele! „Ist er nicht dein Vater, der dich erworben, der dich gemacht und erschaffen?“ (Deut 32,6) „Du aber, Gott, bist gnädig, gütig, barmherzig, langmütig und von großer Erbarmung.“ (2 Esdr 9,17 „Seine Barmherzigkeit währet ewig.“ (Ps 99, 5) „Er wird sich deiner Erbarmen mehr als eine Mutter.“ (Sir 4,11) „Der Herr wird alle Krankheiten von dir hinwegnehmen und die überaus bösen Seuchen Ägyptens, die du kennst.“ (Deut 7,15) „Er richtet die Seele auf und erleuchtet die Augen und gibt Gesundheit und Leben und Segen.“ (Sir 34,20) „Dafür sorget mit Eifer, dass ihr den Herrn, euren Gott, liebet!“ (Jos 23,11)
„Ich will Deine Wunden vernarben lassen, und von deinen Schäden dich heilen, spricht der Herr. (Jer 30,17) „Heile mich, Herr, so werde ich geheilt sein; hilf mir, so ist mir geholfen!“ (Jer 17,14)


Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“


01.04.2020 - 07.04.2020

Das Willkommen eines Freundes
III.

Stimmungen



Vor der Kommunion

Unter den Schätzen der Freundschaft, die wir in ausgedehntester Weise und fortwährend in Anspruch nehmen, steht an erster Stelle die Duldsamkeit. Nicht als ob unsere Bedürfnisse so mannigfaltig und so dringend wären, sondern vielmehr weil unsere Stimmung so veränderlich ist. Unsere Launen sind wie die Phasen des Mondes, regelmäßig wenigstens in ihrer Veränderlichkeit. Sie kommen und gehen und üben ihre Wirkung aus auf unser inneres und äußeres Leben. Wir aber können diese Unbeständigkeit ebenso wenig verhindern, als der Mond bewirken kann, dass er immerfort in seinem vollen Glanze leuchte. „Manchmal freudig, dann wieder traurig, jetzt ruhig, dann wieder unruhig; nun getröstet, dann wieder trostlos, das eine mal eifrig, das andere Mal träge, heute schwermütig, morgen leichten Sinnes,“ so schilderte die menschliche Natur einer, der sie wohl kannte; damit aber hat er nur ein Beispiel unserer Unbeständigkeit gegeben. Launenhaft, unentschlossen, stolz, verdrießlich, wunderlich, hartnäckig, widerspenstig, — ein Rätsel sind wir jedermann, nur nicht Ihm, der uns geschaffen. Was würde aus uns werden ohne die Freundschaft unseres Gottes, Der unsere Stütze ist? Unser Herr ist unsere Hilfe in jeder Lebenslage. Jedem aus uns passt Er sich an, und zwar mit einer Bereitwilligkeit und einem Wohlwollen, fern von jedem Vorwurf. Er wird nicht müde uns einzuladen: „Kommet zu Mir, ich will euch erquicken!“ Immerdar sind wir Ihm willkommen. Nie merken wir, dass unsere Wunderlichkeit oder Verkehrtheit Ihn beleidigt. Er empfängt uns mit einem Wohlwollen, das uns beruhigt und zugleich beschämt. Ohne Klage, ohne Vorwurf hört Er unsere einseitige Darlegung bis zum Schluss an. Und wenn das Bewusstsein Seines zärtlichen Mitleides unseren Kummer herausgelockt hat und wir durch diese Ergießung unseres Herzens in das Seinige beruhigt wurden, dann nimmt Er in Liebe Sich unser an und heilt unsere Wunden, indem Er Öl und Wein hineingießt; erleichtert und gestärkt sendet Er uns dann auf unseren Lebensweg weiter. „Geh’ und tue desgleichen,“ so spricht Er zu uns, denn Seine Freundschaft ist nicht nur unsere Zuflucht, sie ist auch unser Vorbild. Oh Herr, wie wenig habe ich gesucht, mich als Freund nach Deinem Beispiel zu bilden. Im Verkehr mit meiner Umgebung fordert Freundschaft einmal Festigkeit, ein andermal Nachgiebigkeit; Selbstverleugnung jedoch, Geduld und Hilfe werden zu jeder Zeit und von allen benötigt. Jesus, göttlicher Freund, mache mein Herz dem Deinigen gleich!
In Seinem Verkehr mit anderen bewundern wir die Selbstvergessenheit und die göttliche Liebe, womit unser Herr den Bedürfnissen des Augenblickes entgegenkommt. Will etwa St. Matthäus unsere Aufmerksamkeit auf diese Tatsache lenken, wenn er die Anforderungen herzählt, die an einem einzigen Tag an Seine Liebe und Freundschaft gestellt wurden?“
„Er lehrte, wo viele beisammen waren, so dass auch draußen vor der Tür kein Raum war, und siehe, sie brachten zu Ihm einen Gichtbrüchigen, der auf einem Bette lag. Und Jesus sprach zu dem Gichtbrüchigen „Steh’ auf, nimm dein Bett und geh’ in dein Haus!“ (Mt 9,6)
„Und als Jesus von da wegging, sah Er einen Menschen an dem Zollhaus sitzen, Matthäus mit Namen. Und Er sprach zu ihm: Folge Mir nach! ...“ (Mt 9,9)
„Alsdann traten die Jünger des Johannes zu Ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so oft, deine Jünger aber fasten nicht?...“ (Mt 9, 14)
„Und indem Er mit ihnen redete, siehe, da trat ein Vorsteher herzu, betete Ihn an und sprach: Herr, meine Tochter ist soeben gestorben; aber komm und lege Deine Hand auf sie, so wird sie leben! Und Jesus stand auf und folgte ihm samt Seinen Jüngern.“ (Mt 9,18 ff.)
„Und nachdem Er auf Seinem Wege die Frau geheilt hatte, die den Saum Seines Kleides berührt hatte, kam Er an den Ort, wo des Jairus Töchterlein tot lag. Und Er fasste das Mägdlein bei der Hand und es stand auf.“ (Mt 9,25) „Und Er befahl, dass man demselben zu essen gebe.“ (Mk 5,43)
„Als Jesus von da wegging, folgten Ihm zwei Blinde nach, welche schrien und sprachen: Sohn Davids, erbarme Dich unser! ... Und Er berührte ihre Augen und sie wurden geöffnet. ....“ (Mt 9, 27)
„Und als diese weggegangen waren, siehe, da brachten sie einen Menschen zu Ihm, der stumm und von einem bösen Geiste besessen war. Und da der böse Geist ausgetrieben war, redete der Stumme.“ (Mt 9,32)
Und das alles an einem einzigen Tage.
Nicht nur das Auflegen der Hände zog diese Menge an, „so dass sie einander drängten“, es waren vielmehr die Worte des Mitleids, die Seine segenspendenden Handlungen begleiteten. „Sei getrost, Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ „Fürchte nicht, glaube nur!“ „Tochter, sei getrost, geh’ hin in Frieden und sei geheilt von deiner Plage!“ „Tabitha, Kumi,“ „Mägdlein, stehe auf!“
In dem Ausdrucke Seines Antlitzes, in dem Tone Seiner Stimme lag keine Spur von der beschwerlichen Arbeit des Tages, an dem Er gelehrt und geheilt hatte, als Er die Kinder in Seine Arme schloss. Als Er sie segnete und ihnen die Hände auflegte, verriet keine Wolke auf Seiner Stirne die bittere Enttäuschung, die Ihm bevorstand über den von Ihm geliebten Jüngling, der auf Seine Einladung alles zu verkaufen und an den Armen zu geben, traurig von dannen gehen wird. (Mk 10,22) Wenn auch der Gedanke an Sünde und Elend beständig Ihn niederdrückte, so vergaß Er gleichwohl nicht, in zärtlicher Sorgfalt des Kummers anderer sich anzunehmen. Sein Herz war nahe daran vor Schmerz zu brechen, als Er zum letzten Mal auf Sein geliebtes Jerusalem blickte, das binnen kurzem, mitsamt Seinen Kindern, dem Untergang geweiht sein sollte. Aber dennoch bemerkte er voll Bewunderung und Mitleid, wie die Witwe ihre einzige Gabe, einen Heller, in den Opferkasten warf.
Furchtlos nahten sich Ihm alle und jedem stand er zu Diensten. Der schuldlose Nathanael, die berüchtigte Magdalena, der ernste Forscher nach Wahrheit, der Sorglose, der Selbstsüchtige, der Sophist, alle wurden mit der gleichen herablassenden Güte empfangen. Keiner kam ungelegen, gegen alle war Er freundlich, gütig, hilfsbereit. Das Mitgefühl, das aus Seinem Blicke sprach, Sein Lächeln und die Worte, die von Seinen Lippen kamen, konnten nicht missverstanden werden. Niemand misstraute Seinem freundlichen Gruße. Jeder Leidtragende, der zu Seinen Füßen kniete, war überzeugt, dass er gerade derjenige war, den Er am sehnlichsten zu sehen verlangt, Derjenige, auf den Er gewartet hatte. Wer hätte geahnt, dass Er jene langen Berichte besser wusste als diejenigen, die sie vortrugen; dass dieser Freund der Zöllner und Sünder Gott war, Der die Sünde verabscheut; dass Er, aus dessen Lippen das Lob so bereitwillig kam, der Allervollkommenste, der Erforscher der Herzen war? Er forderte nicht viel. Das Gute, und mochte es auch noch so gering sein, hieß Er willkommen, wo immer Er es fand. Das geknickte Rohr brach Er nicht, den glimmenden Docht löscht Er nicht aus. Seine Liebe veränderte sich nicht, sie wankte nicht. Und wenn der Abend kam, so verriet wohl Sein Angesicht Zeichen der Müdigkeit, dessen ungeachtet aber fand ihn der Letzte, der hilfesuchend zu Ihm kam, ebenso mitleidsvoll und so aufmerksam wie der Erste, der Ihn bei Tagesanbruch in Seinem Gebete gestört hatte.
Und so finde ich Ihn aus eigener Erfahrung — geduldig, zärtlich, hingebend, alles ertragend, alles hoffend, alles aufbietend, um mich für Sich zu gewinnen und meinen Geist und mein Herz dem Seinigen immer ähnlicher zu machen.
„Wirst du nicht Mitleid haben mit deinen Nebenmenschen, so wie Ich Mitleid habe mit dir? Ich habe euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr tuet, wie Ich euch getan habe.“
O Jesus, mein göttlicher Freund, meine Zuflucht in den stets wechselnden Lagen und Bedürfnissen des Lebens, habe Geduld mit mir, hilf mir! Komme heute zu mir und bewirke eine Umwandlung in meinem Herzen! Lass mich von Dir lernen, lass mich Dich nachahmen! Erwärme mein kaltes, selbstsüchtiges Herz! Erfülle mich mit der brennenden, Sich selbst aufopfernden Liebe Deines göttlichen Herzens! Mache mein Herz dem Deinigen gleich!



Nach der Kommunion

„Das ist Christus.“ (Apg 9,22)
„Dieser ist Gott, unser Gott in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Woher geschieht mir dieses, dass mein Gott zu mir kommt?“ (Lk 1,43)
„Adoro te devote, latens Deitas.“
„In Demut bete ich Dich, verborgene Gottheit, an.“
„Wahrlich, Du bist ein verborgener Gott.“ (Is 45, 15)
„Liebet den Herrn, denn Er ist gut; denn in Ewigkeit wäret Seine Barmherzigkeit!“ (Ps 105,1)
„Kommet, lasset uns frohlocken dem Herrn, jubeln Gott, unserm Heilande!“ (Ps 94,1)
„Sie sollen danken dem Herrn für Seine Barmherzigkeit, für Seine Wunder unter den Menschenkindern.“ (Ps 106,8)
Die Liebe gibt gern Geschenke. Was schenkt mir unser Herr heute am Morgen? Eine Gabe, so groß und gut, dass Er Größeres und Besseres nicht zu schenken vermag; eine Gabe, die nicht verdient werden kann, die nicht ihresgleichen hat; die alles in sich begreift, die an Würde und Wert unendlich ist — es ist der Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit des menschgewordenen Gottes.
Der Wert dieses Geschenkes wird noch erhöht durch die Art und Weise, mit welcher es verliehen wird. Er gibt Sich Selbst als Pfand Seiner Liebe, als ein Pfand des ewigen Lebens, ein Pfand, das wir täglich, wenn wir wollen, empfangen können. Ja, noch mehr: als eine Quelle lebendigen Wassers, die hier entspringt und hinüberquillt ins ewige Leben. Alles, was erforderlich ist zur Reinigung, zur Erleuchtung, zur Stärkung, zur Befriedigung meiner Seele, zur Sicherstellung meines ewigen Heiles und zu jener vollendeten Ähnlichkeit mit Christus, worin die Vollkommenheit besteht, alles das ist mir hier geboten. O hochheiliges Sakrament, wie, hat Er mit dir uns nicht alles gegeben!
Und das schenke ich als Gegengabe? O Herr, es ist nicht viel, aber es ist alles, was ich habe. Ich übergebe mich Dir mit Leib und Seele. Ich schenke Dir mein Leben, meine Kraft, meine Wünsche und Entschlüsse, meine Bemühungen, alle meine Liebe und mein Vertrauen, meine Freuden und meine Ängste, mein Streben nach Höherem, meine Arbeit für die Seelen, die du liebst.
Freigebig gabst Du mir, freigebig will ich andern mitteilen. Gib, dass das Bewusstsein meiner eigenen Schwäche und das Bedürfnis nach Mitleid und Aufmunterung mich empfänglich mache für die Hilfsbedürftigkeit anderer! Meine Stimmung wechselt; schwer bin ich zu behandeln — ein Stein des Anstoßes für meine Umgebung. Mache mich gütig und liebreich gegen jene, die gleich mir mit ihrer Natur kämpfen, und die von Zeit zu Zeit im Kampfe unterliegen! Mache mich nachsichtig gegen sie, so oft sie der Nachsicht bedürfen! Gib, dass ich nicht auf das schaue, was unvernünftig und herausfordernd ist, und dass ich ohne Bemerkung das vorübergehen lasse, was eine Folge von Verwirrung und Enttäuschung oder Übermüdung ist!
Lehre mich, o Herr, die Würde anderer erleichtern, lehre mich die Leidenden geduldig und teilnahmsvoll anhören! Zeige mir, wie ich ihnen wirksam beistehe, ohne überflüssige Reden, unnütze Ratschläge und fruchtloses Mitleiden! In schwierigen Fällen lehre mich klug und taktvoll handeln, damit ich nicht, anstatt den Stachel herauszuziehen, Gift in die Wunde bringe!
Ich bitte dich, o Herr, um den Geist der Sanftmut, um ein Herz, mitleidsvoll wie Deines, zärtlich gegen Kranke, Schwache, Irrende, Kinder, Trauernde, ein Herz voll Seeleneifer, unbekümmert um Arbeit, Ermüdung, Widerstand, ein Herz, bereit, in edelmütiger Weise den Notleidenden Zeit, Teilnahme und opferwillige Hilfe zu bringen.
Ich sehe Dich auf deinem Wege nach Kalvaria mit den Frauen von Jerusalem reden; weder die Peinen Deines dornengekrönten Hauptes, noch die Schmerzen Deines gegeißelten Leibes, noch die Angst der Seele halten Dich ab, an sie zu denken, sie zu trösten; möge dieser Anblick mich gewaltsam meinem „Ich“ entreißen, wenn ich körperlich und seelisch leide, auf dass ich, meine Schmerzen vergessend, anderen Mitleid und Hilfe gewähre. Ich denke nach über die ersten Worte am Kreuze, den lauten Ruf für die Kreuziger, das erbarmungsvolle Versprechen, das Du dem Schächer am Kreuze gabst, die kindliche Sorge für Deine trostlose Mutter; dabei aber vergesse ich die unerträgliche Qual des Leibes und der Seele, in welcher jene Worte gesprochen wurden. Es war die schrecklichste Todesqual, der heftigste Schmerz der Verlassenheit, die zurückgedrängt wurden, um fremdem Leid Platz zu machen. Ach, Herr, ein leichter Kopfschmerz, eine kleine Widerwärtigkeit, eine dringende Arbeit reichen hin, um mich vollständig einzunehmen, rücksichtslos und mürrisch gegen meine Umgebung zu machen.
Lieber Meister, habe Geduld mit mir! Lehre mich Opfer bringen; schon so viele hast Du darin unterwiesen. Lass es mich lernen von meinem Kruzifix, lernen von Deinem täglichen Opfer am Kreuze! Lass es mich lernen von dem Gast in meinem Herzen, Dessen höchstes Streben ist, Sich zu uns herabzulassen, Sich für uns hinzugeben, um uns zu beweisen, dass es Seine Wonne ist, bei den Menschenkindern zu sein!



Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, o Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, o Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, das Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares Dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu Deinen Füßen niederlegen.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine Gebeine gezählt.“



25.03.2020 - 31.03.2020

Das Willkommen eines Freundes
II.

„Ich nenne euch nun nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“ (Joh 15,15)



Vor der Kommunion

Das erste Vorrecht einer vollkommenen Freundschaft und des gegenseitigen Einverständnisses ist ungezwungener Verkehr zwischen uns und unserm Freunde. Was nur immer uns begegnet, er muss es erfahren. Wir meinen kein Ereignis richtig beurteilen zu können, wenn wir es nicht mit ihm besprochen haben. Der Eindruck, den dasselbe auf uns macht, hängt hauptsächlich von seinem Urteil ab. Durch seine Teilnahme wird der Schmerz gemildert, die Freude verdoppelt. Wenn eine Ungerechtigkeit, eine Enttäuschung uns außer Fassung gebracht hat, so übertreiben wir natürlich das Übel und erlauben uns manch leidenschaftliches Wort, das wir in Gegenwart eines jeden anderen unterdrücken würden. Er kennt uns ja durch und durch: unsere Gesinnung, unsere Anschauungsweise, unsere Charakterschwächen; er pflegt Nachsicht zu üben gegen alles, gleichviel was wir zu ihm sagen. Diese zwanglose Aussprache vor ihm wird verhindern, dass wir uns vor solchen aussprechen, vor denen unsere Rede unverantwortlich und gefährlich wäre. Oh welch unerschöpfliche Quelle von Hilfe bietet uns die Freundschaft unter den Menschen! Gott selbst erkennt ihren Wert und billigt sie, wenn er spricht: „Ein treuer Freund wird dir wie deinesgleichen sein.“ (Sir 6,11) Offenbare dein Herz nicht jedermann, sondern „einer aus Tausenden sei dein Ratgeber!“ (Sir 6,6) „Ein treuer Freund ist ein starker Schirm, und wer ihn gefunden, hat einen Schatz gefunden.“ (Sir 6,14) „Mache dich früh auf zu ihm und dein Fuß betrete oft die Schwelle seiner Türe!“ (Sir 6,36)
Doch es genügt dem Heilande nicht, uns Freunde zu geben, armselig und schwach, wie wir selber sind; es genügt Ihm auch nicht, uns die Tore des Himmels zu öffnen und uns zur Freundschaft jener wenigen zuzulassen, die Er selbst Freunde zu nennen sich würdigt. Er selbst will uns Freund sein. Alle Vorteile der Freundschaft, bis zu einem unbegreiflichen Grade, alle Hingebung, Treue, Hilfe, Nachsicht, welche die Annalen der Freundschaft oder die übertriebenste Einbildung aufweisen können, all das ist nur ein schwaches Bild dessen, was Er jedem von uns anbietet, ja anzunehmen drängt.
„Die Seele Jonathas verband sich mit der Seele Davids und es liebte ihn Jonathas wie sich selbst.“ (1. Sam 18,1) Was ist aber diese Verbindung im Vergleiche mit jener zwischen uns und dem göttlichen Heilande in der heiligen Kommunion? Wir werden Ihm eingepfropft, wie der Zweig dem Weinstock, ein Gleichnis, dass er selbst ausgesprochen hat und über das wir eingehend nachdenken sollten, und zwar so lange, bis es uns gelingt, seine wunderbare Bedeutung einigermaßen zu verstehen.
„Und Jonathas zog seinen Rock aus, den er anhatte, und gab ihn David; auch seine übrigen Kleider, sogar sein Schwert, seinen Bogen, seinen Gürtel.“ (1. Sam 18,4) Ein armseliges Geschenk in der Tat, im Vergleiche mit dem des Kreuzes und der Eucharistie.
In der Stunde der Not legte sich Jonathas zwischen seinen Freund und seines Vaters Zorn. „Ich will herausgehen mit meinem Vater und mich zu ihm stellen und will von dir zu meinem Vater reden. Und Jonathas redete Gutes von David zu Saul, seinem Vater. Und Saul war versöhnt durch Jonathas Stimme.“ (1. Reg 19,6) „Christus aber liebte uns und hat sich für uns als Gabe und Opfer hingegeben.“ (Eph 5,2) „Gott, Der uns mit Sich versöhnt hat durch Christum.“ (2 Kor 5,18) „Er hat uns geliebt und hat uns gewaschen von unsern Sünden mit Seinem Blute.“ (Offb 1,5) „Er lebt allezeit, um für uns zu bitten.“ (Hebr 7,25)
Die Freundschaft zwischen dem Hirten und dem Königssohne entzückt uns. Doch für jene Liebe, die Gott, der Herr des Himmels und der Erde, zu uns nichtigen Geschöpfen trägt, haben wir keine Bewunderung, keine Begeisterung. Die ganze Schönheit und Würde menschlicher Freundschaft findet sich in der göttlichen Liebe, Selbsterniedrigung, Großmut bis zu einem Grade, den der kühnste Gedanke nicht erreichen kann. Wir aber halten dies alles für etwas Selbstverständliches und setzen und sehen keinen besonderen Grund, warum uns die Pflicht der Dankbarkeit so sehr aufgedrängt wird.
Wie, sollten wir wirklich keinen Grund haben, o Herr? Sollte nicht der Anblick des Kruzifixes oder des Tabernakels, ja der bloße Gedanke an das eine oder andere unsere Herzen tief rühren, zur Bewunderung hinreißen und mit Dankbarkeit erfüllen? Wir preisen die weitgehende Liebe des heiligen Franz von Assisi. Seine Sympathie für die unschuldigen Dinge der vernunftlosen Schöpfung entzückt uns. Doch seine heftige Liebe zu Christus, dem Gekreuzigten, die innige Zärtlichkeit, mit welcher sein Herz Nächte hindurch ausruft: „Mein Gott und mein alles“, können wir nicht verstehen; diese Gefühle wecken kein Echo in unserem Herzen?
Wie lange, o Herr, wie lange? Du starbst für mich, wie für Franziskus. Ziehe mein Herz an Dich und ich werde Deine Liebe erwidern. Lass das Kreuz zu meinem Herzen sprechen, wie es zu dem seinigen sprach! Mein Gott und mein alles, gib, dass ich Dich mehr liebe! Es gab eine Zeit, da dieser Seraph der Erde irdischen Dingen anhing. Da erfasste ihn Deine Gnade und zog seine ganze Liebe hin zu Dir, und nun schaut ihn unser Geist inmitten der liebeflammenden Seraphinen an Deinem Throne. O gib auch mir Deine Gnade, mir, der ich so armselig, so elend bin. Kannst Du Deine Gnade verweigern, Du, der Du Dich selbst gibst? O könnte ich Dich lieben mit einer Liebe, die Deiner würdiger wäre! Hilf mir, gib, dass ich Dich liebe! Nimm hinweg von meinem Herzen alles, was Deiner Liebe hinderlich ist! Lass mich Dich lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus ganzem Gemüte, aus allen Kräften, bevor ich sterbe, damit ich Dich nach deinem Wunsche die ganze Ewigkeit hindurch liebe.


Nach der Kommunion

„Gepriesen sei Gott, der Herr, an diesem Tage!“ (3 Reg 5,7)
„Gebenedeit sei der Herr, denn Er hat mir Seine Barmherzigkeit wunderbar erwiesen!“ (Ps 30,22)
„Er hat gesättigt die arme Seele, die hungernde Seele gesättigt mit Gütern.“ (Ps 106,9)
„Lobe, meine Seele, den Herrn und alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen!“ (Ps 102,1)
„Lobe den Herrn, meine Seele, vergiss nicht all Seine Wohltaten!“ (Ps 102,2)
„Danket dem Herrn, denn Er ist gut; denn in Ewigkeit wäret Seine Barmherzigkeit!“ (Ps 106,1)
“Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115,3)
„Ich will Dich erheben, Gott, mein König, und preisen Deinen Namen ewig, ja immer und ewig.“ (Ps 144,1)
„Meine Seele lobe den Herrn!“ (Ps 103,1)
„Und da sie Gott angebetet und gedankt hatten, ließen sie sich nieder.“ (Tob 11,12)
Das ist die rechte Ordnung unserer Danksagung nach der Kommunion. Zuerst Gott geben, was Gottes ist, dann vertraulich mit unserem Herren verkehren, wobei wir Ihm unsere Nöte vortragen können. Wie aber soll dies zustande kommen? Ihm gebührt Unendliches, und was wir bieten können, selbst das Beste, ist endlich. O wie entsetzlich klein fühlen wir uns im Verkehre mit Gott! Aber Dank sei Gott gesagt für Seine unaussprechliche Gabe — was wir unmöglich vollbringen konnten, das ist durch die Menschwerdung und die Fortsetzung derselben in der Eucharistie auf die vollkommenste Weise geschehen.
Unser Gott selbst kommt auf den Altar herab und einem jeden von uns ist es leicht gemacht, zu Ihm zu gelangen. Er bietet uns die Schätze Seines Heiligsten Herzens an und ladet uns ein, mit denselben unsere Schuld bis auf den letzten Heller zu bezahlen. Und damit wir Ihn in würdiger Weise anbeten, loben und Ihm danken können, weilt Er unter uns auf dem Altare, opfert Sich täglich und kehrt, sooft wir wollen, in unser Herz ein. Durch Ihn, mit Ihm, in Ihm können wir, niedrige, vergängliche Geschöpfe, die wir aus uns selbst nichts, ja wegen unserer Sündhaftigkeit schlechter als nichts sind, dem höchsten Gott eine Anbetung bieten, die Er als hinreichend annimmt, durch welche jede Seiner Vollkommenheiten ihr volles, gerütteltes, überfließendes Maß an Anbetung und Verherrlichung erhält.
„Er, der mächtig ist, hat Großes an mir getan.“ (Lk 1,49), so können wir freudig ausrufen, wenn wir nach der Kommunion, die Hände über der Brust gefaltet, auf den Tabernakel blicken. Er empfängt vollkommenes Lob, sogar aus dem Munde eines Menschen, wie ich bin; denn ich bin nicht allein, Jesus ist bei mir. „Ich will mich freuen in dem Herrn und frohlocken in Gott, meinem Heilande.“ (Hab 3, 18)
„Und da sie Gott angebetet und gedankt hatten, ließen sie sich nieder.“ (Tob 11,12)
Und nun wünschte Er zu erfahren, wie es mit uns steht, welche Fortschritte wir seit der letzten Kommunion gemacht haben. Erstarken wir in der Vereinigung mit Ihm? Fließt der Saft ungehinderter, ununterbrochener vom Weinstock in die Rebe? Gelingt es uns allmählich, unser Leben nach dem Seinigen zu gestalten? Stimmen unsere Gefühle, Interessen, Freuden und Leiden mit den Seinigen überein? Erwidern wir Seine Liebe? Sind wir Seiner Sache in dem Maße ergeben, dass wir ihretwegen kein persönliches Opfer scheuen? Berühren uns Seine Angelegenheiten mehr als ehedem? Wird er allmählich das Hauptbedürfnis unseres Lebens? Und wie steht es mit unserem Wirken zu Seiner Ehre, um die uns gemeinsame Sorge für jene, die wir lieben, deren Namen Er auf unseren Lippen sieht, so oft wir zu Ihm kommen? Und dergleichen mehr. Welchen Verlauf nahm die Angelegenheit, die wir bereits mit Ihm besprochen? Und jene Wolken, die sich über unserem Haupte zusammengezogen haben, lichten sie sich? Alles wünscht Er zu erfahren. Sind wir gekommen, Ihn an unserer Freude teilnehmen zu lassen, oder rufen wir immer nur Sein Mitleid wach? Das Mitgefühl Seines heiligen, menschlichen Herzens ist immer frisch und dienstbereit — eine Unveränderlichkeit, die unmöglich bei anderen Freunden zu finden ist. Diese werden so leicht überdrüssig. Sie tun zwar ihr möglichstes, uns immer wieder geduldig anzuhören; sie versuchen Trost zu spenden aus der Quelle langjähriger Freundschaft, und fürwahr mehr können sie nicht tun. Aber sie fühlen es selbst, fast ebenso wie wir, wie schwach, wie mechanisch die Worte über ihre Lippen fließen. Ist dies ihre Schuld? Ist es nicht vielmehr die natürliche Folge davon, dass die Quelle schon so lange fließt?

Wenn voll das Herz, wenn bittere Gedanken
Wie wuchernd Unkraut um die Seele ranken;
Wenn Spott uns dünkt des Freundes Rede,
Dann ist uns wohl — nur im Gebete.

„Komme zu Mir, wenn es übel mit dir steht! (Nachfolge Christi) Seine Einladung, „kommet alle zu Mir, ihr alle, die ihr beladen seid, Ich will euch erquicken“, ist schon hundert- und tausendmal ergangen und immer mit der nämlichen Liebe wie das erste Mal. Sein Herz erkaltet nicht, wenn Er uns Sünder kommen sieht. O nein, mit Wonne bemerkt Er, wie wir unseren Platz vor Seinem Tabernakel nehmen, zu müde vielleicht, um zu beten, nur um in Seiner Gegenwart zu weilen, die Augen auf die Tabernakeltüre gerichtet und Erquickung erwartend. Die Liebe des Herzens, das dort schlägt, ist unendlich. Sie erlischt nie, sie kann nicht erlöschen. Haben einmal die Mühen ein Ende und ist die Zeit des Wartens vorüber, dann wird Er teilnehmen an unserer Freude, wie er teilgenommen hat an unserem Leide, dann wird auch er sich verändern, er, der so geduldig dort im Tabernakel unseren Worten lauschte.


Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, o Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, o Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, das Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares Dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu Deinen Füßen niederlegen.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine Gebeine gezählt.“



18.03.2020 - 24.03.2020

Das Willkommen eines Freundes
I.

„Wer bist du, Herr?“ (Apg 9,5)



Vor der Kommunion

Saulus war auf dem Wege nach Damaskus, um die Jünger Jesu Christi gebunden nach Jerusalem zu bringen, als ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umleuchtete. Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du Mich?“ Er sprach: „Wer bist Du, Herr?“
Welch ein Gegensatz zwischen Saulus, der wutschnaubend und mordgierig gegen die Jünger des Herren auszieht, und Paulus, der die Gefahren zu Wasser, die Gefahren unter den Räubern, die Geißelhiebe, Steinigung, Hunger und Durst, Kälte und Blöße, ja selbst den Tod um Jesu willen für nichts erachtete; zwischen dem Neubekehrten, der in seiner Unwissenheit fragte: „Wer bist du, Herr?“ und dem Apostel, der ausrief: „Ich weiß, an wen ich geglaubt habe.“ (2 Tim 1, 12)
Was nur hatte diese wunderbare Veränderung bewirkt? Wohl das eine: Paulus hatte den Herrn kennengelernt, er hatte ihn genau kennengelernt, wie ein Freund den anderen. Und durch diese Erkenntnis war er zu einer solch innigen Liebe gelangt, dass er sagen konnte: „Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal, Gefahr oder das Schwert? Ich bin sicher, dass weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch irgendein Geschöpf uns von der Liebe zu Gott zu trennen vermag, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn.“ (Röm 8,35 ff.) Auf welche Weise war Paulus zu dieser Erkenntnis gelangt? Er war keiner von den zwölf, auch war er nicht einer von jenen, die, angezogen durch die Wunder, den Reiz der Worte und der Person des Heilandes, Ihn auf Seiner irdischen Wanderschaft begleiteten. Er hatte allerdings übernatürliche Offenbarungen. Aber dennoch hat er „Christus kennenlernen müssen“, wie er selbst bezeugt, und zwar auf dieselbe Weise wie wir, indem er von Ihm hörte, über das Gehörte nachdachte und eingedenk war, dass unser göttlicher Erlöser alles, was Er getan und gelitten, für uns getan und gelitten hat. „Er hat mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben.“ (Gal 2,20) Das war der Gedanke, der alles edle in ihm weckte und der seine großmütige Natur antrieb, Liebe mit Liebe zu vergelten.
Wenn wir unsern Heiland innig lieben und Seine Liebe gegen uns erwidern wollen, so müssen wir uns bestreben, Ihn näher kennenzulernen, indem wir uns mit Seinem Leben vertraut machen. Wir müssen die Art und Weise, wie Er uns gegenüber ist, Sein Wohlwollen, Sein Mitleid erwägen; Seine Zärtlichkeit mit den Sündern, den Kranken, den Betrübten, den Kindern; Seine Treue gegen Seine Freunde, Seine Geduld, Seine Liebenswürdigkeit. Wie St. Paulus müssen auch wir uns zu überzeugen suchen, dass, mögen wir in den Augen der Mitmenschen noch so arm und unbedeutsam, noch so unwürdig und sündhaft sein, wir doch dem Herzen unseres göttlichen Heilandes unbegreiflich lieb und teuer sind. Wir müssen bedenken, dass Er aus Liebe zu jedem einzelnen lehrte, wirkte, litt; dass, wenn Er gekommen wäre, nur eine Seele zu retten, Er für eine einzige getan hätte, was Er für alle vollbrachte. Jedes aus uns, sei es noch so gering und unwürdig, kann mit dem großen Apostel sagen: „Er hat mich geliebt und Sich für mich hingegeben.“ Wenn wir allmählich zu dieser Überzeugung gelangen, dann wird sich unser Herz wohl in Liebe erwärmen. Wir werden fühlen, dass wir das gefunden, was wir so sehnsüchtig zu finden wünschen — einen aufrichtigen und treuen Freund, der unser nicht überdrüssig wird, einen Freund, der unsere Nachlässigkeiten und unsere Selbstsucht erträgt und immerdar bereit ist, uns anzugehören und uns zu helfen. Wir werden anfangen, Ihm unser Vertrauen zu schenken, wir werden gerne bei Ihm weilen und Ihn einladen, öfter zu uns zu kommen. Wir werden unser Herz immer besser zu Seinem Empfange bereithalten, so dass Seine Besucher reichlichere Früchte tragen. Obgleich die Sakramente ohne unser Zutun wirken, so wird doch ihr Nutzen gehemmt, wenn der Boden nicht bereitet ist. Der Heiland hätte das Wunder in der Wüste, wo Er die hungrige Menge speiste, auch ohne das Vorhandensein der Brote wirken können. Aber Seine Art ist es, denen zu helfen, die sich selber helfen. Er sandte nach den paar Broten, die ein Knabe aus der Menge mitgebracht hatte, segnete und vermehrte sie. So ist es auch mit unserer Gesinnung. Das Gute, das Er findet, vermehrt Er. Und warum sollten wir nicht unser Möglichstes tun, um Ihn willkommen zu heißen, sowohl um Seiner Selbst willen, als auch um der Gaben Willen, die Er mit Sich bringt? Er ist der beste unserer Freunde, mit denen wir, unserer Bestimmung gemäß, in Ewigkeit beisammen sein sollen. Müssen wir uns nicht bestreben, Ihn besser kennenzulernen, um Ihn besser zu lieben? Denn nicht nur um der Kranken willen, die zu Seiner Zeit lebten, sondern auch um unsertwillen, zeigte Er Sich so voll Liebe und Erbarmen. Er wusste, dass wir eines Tages erfahren würden, wie gütig Seine Worte, wie erbarmungsvoll Seine Werke waren, und es war Sein Wunsch, unsere Herzen durch diese Mittel an Sich zu ziehen. Wir müssen nachsinnen und versuchen, uns bald das eine, bald das andere Seiner Wunder zu vergegenwärtigen; wir müssen uns bemühen, die Gefühle jener in uns wach zu rufen, die Er geheilt hat; wir müssen bedenken, dass wir in der heiligen Kommunion den nämlichen liebevollen Heiland besitzen, Der da wünscht, dass wir mit Ihm verkehren und auf Ihn vertrauen, gerade so, wie wenn wir Ihn gekannt und geliebt hätten, als Er hier auf Erden weilte.
Ich glaube, o mein Heiland, ich glaube fest, dass Du, der Du kommst mich zu besuchen, der wahre Sohn Gottes bist, Den Maria empfing, Der in einer Krippe lag, Der durch die Städte von Judäa und an den Ufern von Galiläa wandelte. Ich glaube, dass Du derselbe Gott bist, Der am Ölberg Blut schwitzte und für mich am Kreuze hing. Alles dieses glaube ich. Und dennoch rufe ich mit Saulus auf seinem Wege nach Damaskus: „Wer bist Du, Herr?“ Lehre mich, Dich immer mehr und mehr erkennen! Zeige mir, was ich durch meinen Glauben festhalte! Wie ist es möglich, dass ich so viel Glauben und dabei so wenig Liebe besitze? O könnte ich Dich lieben, könnte ich Dir vertrauen wie diejenigen, die dich kannten, als Du auf Erden wandeltest, deren Herz schneller schlug bei dem Gedanken, dass sie Dein Antlitz schauen, Deine Stimme hören würden und dass diese Stimme sie bei ihrem Namen rufen werde.
Aber um Dich innig zu lieben, ist es nicht notwendig, Dich gesehen zu haben: „Weil du Mich gesehen, Thomas, hast du geglaubt; selig, die nicht sehen und dennoch glauben.“ (Joh 20, 29) Lasse diesen Segen, o Herr, über mich kommen. Komme zu mir, auf dass ich Dich besser erkenne und Dich zum einzigen Gegenstand meiner Liebe erwähle! Komm und lehre mich, wie ich mit Dir reden und Dir mein Herz eröffnen, wie ich Dir mein Elend, meine Schwäche, meine Sehnsucht nach Höherem anvertrauen soll!
Ich bin betrübt ob all der Sünden, die meinen Verstand für die göttliche Wahrheit verdunkelten, die ich im Glauben festhalte. Es ist mir leid, dass ich so oft mein Herz verhärtete, wenn ich Deine Stimme in meinem Innern vernahm. Vergib mir, o Herr, der Du stets zum Vergeben bereit bist, komme jetzt zu mir und hilf mir, dass ich in Zukunft Dir eifriger diene!


Nach der Kommunion

Heil unserm Gotte, Der auf dem Throne sitzt, auf dem Thron Seiner Herrlichkeit im Himmel, auf dem Throne meines armen Herzens hier auf Erden!
O ihr Engel des Herrn, rühmet den Herrn, preiset und erhebet Ihn über alles, immer und ewig!
O ihr Diener des Herrn, rühmet den Herrn, preiset und erhebet Ihn über alles, immer und ewig!
Lobet unsern Gott, ihr alle Seine Diener und ihr, die ihr Ihn fürchtet, klein und groß.
O danket dem Herrn, weil Er gut ist und Sein Erbarmen ewig währet!
Wer bist Du, Herr? Ich weiß es, ich bete Dich an. Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich beuge mich vor Dir. Ich bete deinen Heiligen Leib an, der Hunger und Durst, Kälte und Beschwerden und einen grausamen Tod für mich gelitten hat. Ich bete Dein kostbares Blut an, das für mich vergossen worden ist. Ich bete Deine heilige Seele an, die einst für mich bis in den Tod betrübt gewesen. Ich bete Deine Gottheit an, mit welcher Du eins bist mit dem Vater und dem Heiligen Geist.
Wie kann ich Dir danken, o Gott, dafür, dass Du Dich Selbst mir geschenkt hast. Wer wird mir helfen, Dich zu loben und zu preisen? Meine Seele preiset den Herrn und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande. Denn Er, Der mächtig ist, hat Großes an mir getan und heilig ist Sein Name. Mit der Danksagung Deiner heiligen Mutter, mit dem freudigen Lobe all Deiner Engel und Heiligen danke ich Dir, lobe und preise ich Dich. O gewähre mir, Dich in alle Ewigkeit zu preisen!
Großes hast Du an mir vollbracht, mein Gott, Großes zu vollbringen bist Du gekommen. Erst im Himmel werde ich auf meine Kommuniontage zurückschauen, erkennen, was Du in den kostbaren Viertelstunden der Danksagung unbemerkt und in aller Stille für mich getan hast. Trotz meiner Kälte und meiner Zerstreutheit schreitet das Werk Deiner Liebe voran. Die Vergebung meiner lässliche Sünden, die Beruhigung meiner Leidenschaften, das schwächer werden meiner schlechten Gewohnheiten, neue Freude am Dienste Gottes, Kraft für bevorstehende Kämpfe, Wachstum in der Liebe zu Christus und Ähnlichkeit mit Christus — alles Gute wird mir mit Dir, o Herr, zuteil. Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir erwiesen hat?
„Gib mir, mein Sohn, dein Herz!“ (Spr 23, 26) Gib es Mir, denn Ich habe es erschaffen und habe daher ein Recht darauf! Gib es Mir, denn Ich habe Mein Herzblut vergossen, um es vom Elend zu erlösen und um ihm ewige Freuden zu erkaufen! Gib es Mir, Ich allein kann es glücklich machen! Gib es Mir, damit es nicht etwa durch Selbstsucht und zu gieriges Haften nach den Dingen dieses Lebens verdorben werde. Gib es Mir, damit es nicht zuletzt enttäuscht werde! Gib es Mir, damit Ich all seine Wünsche erfülle und all sein Sehnen nach Liebe und Glück stille und damit Ich Selbst sein übergroßer Lohn sei!
Nimm es, o Herr, nimm es hin, ich gebe es Dir! Wer wird sich um dasselbe kümmern wenn nicht Du, o Herr? Wer müsste es nicht verachten, wenn er es so gut kennen würde wie Du, o mein Gott! Oh Allgütiger, Der Du die Herzen aller Heiligen besitzest und Der Du auch das meinige haben willst, ich biete es Dir an mit demütigem Danke für die Liebe, die Dich zu diesem Verlangen bewogen hat. O wäre es doch ein Geschenk, das Deiner weniger unwürdig wäre! Ich gebe es Dir; nimm es in Deine Obhut und möge all seine Liebe nur Dir gehören. Und mit demselben übergebe ich Dir alle, die ich liebe; erhalte sie in Deinem Dienste oder führe sie zu demselben zurück! Geleite uns durch die Gefahren dieses kurzen Lebens und mache uns würdig, Dich im zukünftigen Leben zu besitzen und uns auf ewig in Dir zu erfreuen! Amen.


Bitte

Ich will dich zu einer Säule machen im Tempel Meines Gottes. (Offb 3,12)
Ich wollte, ich könnte eine kleine Säule sein, mein Gott, die etwas für Dich stützte, gleichviel was. Eine Säule, rau und ungeschliffen und im Hintergrund stehend, wenn es so Dein Wille wäre, aber dennoch von einigem Nutzen für Dich. In einer Hinsicht wenigstens kann ich eine solche Säule sein. Deine in der ganzen Welt zerstreuten Interessen sind uns anvertraut, dass wir sie alle stützen — durch das Gebet. Führe mir zu Gemüte, o Herr, die Verantwortlichkeit, die auf mir ruht, auf dass ich es ernst nehme mit meinem Gebete für jene, so Du mir anvertraut hast, oder die auf irgendeine Weise unter meinem Einflusse stehen, und nicht nur für diese, sondern für alle Mitchristen und Mitmenschen, für jede Seele auf der weiten Welt. Sie alle sind Deine Kinder und haben das Recht, Dich Vater zu nennen; sie haben einen Platz in Deinem Herzen; also müssen sie auch in meinem Herzen einen Platz haben.
„Ich bete für alles, was die Interessen Deines Reiches auf Erden betrifft: für den Heiligen Vater, für die Diözese, für die Kirche in jedem Lande. Für die weltliche Unabhängigkeit des Papstes, für die verfolgten Ordensleute fern von ihrer Heimat, für die Wohlfahrt der Schulen in unserm Vaterlande.
O Herr des Himmels, höre mein Gebet! „Sei Du Herrscher in jedem Herzen, brich und vernichte die Macht des Bösen, lasse Jesus Christus überall triumphieren, gib, dass Sein Gesetz, Seine Gebote und Seine Kirche die ganze Welt regieren! Möge es in Zukunft keinen Aufrührer, keinen Verräter und keinen Abtrünnigen mehr geben und mögen alle unter Seiner Herrschaft und in Deiner Gnade leben, bis sie das irdische Königreich vertauschen mit dem, was ihnen im Himmel bereitet ist.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



11.03.2020 - 17.03.2020

Das Willkommen des Lobes
II.

„Lobe, meine Seele, den Herrn und alles, was in mir ist, Seinen heiligen Namen.“ (Ps 102,1)



Vor der Kommunion

„Lobet den Herren!“ So sollte es sein; wie aber ist es in Wirklichkeit? O Herr, Du weißt es. „Gleich Land ohne Wasser dürstet meine Seele nach Dir.“ (Ps 142,6) Hart und unbeweglich wie ein Fels, kalt wie Eis, schwer wie Blei, vermag ich nichts und fühle ich nichts; aber meine Unempfindlichkeit, mein Elend lastet schwer auf mir. Ich kann mich betrüben über die Sünde und Untreue, die wahrscheinlich Ursache dieser Unempfindsamkeit sind, aber ich kann nichts tun, um derselben loszuwerden. Anstrengung würde die Sache verschlimmern. Besser ist es, ruhig zu deinen Füßen zu liegen und zufrieden zu sein mit einem Zustand, der wohl der Prüfungen und Demütigungen genug in sich schließt, der aber keine Sünde ist und infolgedessen Dir nicht missfallen kann. Und da dem so ist, warum soll ich mich betrüben? Quare tristis est anima mea? Warum bist du traurig, meine Seele, und warum betrübst du mich? Hoffe auf Gott, denn ich will fortwährend Ihn lobpreisen. Gerade meine Ohnmacht preiset Ihn, sie preiset Seine Allmacht, die in solchem Gegensatz zu meiner Schwäche steht, sie preiset Seine Güte, die sich zu meinem Elend herablässt, sie preiset Seine Liebe, die meine Kälte erträgt und mich zu Seiner Umarmung zulässt, gerade so wie ich bin.
„Lobet Gott zu aller Zeit!“ (Tob 4,20) Ja, o Herr, das ist mein Wunsch, sogar dann, wenn die Worte des Lobes nur ungern und langsam über meine Lippen kommen. „Mit willigem Herzen will ich bekennen,“ sagt David. (Ps 27,7) Nichts erwähnt er von Gefühlen. Du forderst sie nicht; warum soll ich mich deshalb grämen?
Das sind Zeiten, die trotz aller Pein nicht ohne Trost sind. Es ist nichts Geringes, auf meine eigenen Kosten eine so erhabene Majestät gastlich aufzunehmen. Und wenn Du zufrieden bist, muss ich es wohl auch sein. Lasse nur nicht zu, dass mein Zustand Dir missfalle oder dich beleidige, und ich will ihn geduldig, ja freudig ertragen; denn all das geht vorüber. Du verbirgst Dein Angesicht; doch dieses Verbergen sowie auch der qualvolle Gedanke, dass ich Dir nicht voll entsprechen kann, endigt mit diesem Leben. Nur eine kleine Weile noch — und ich werde Dich von Angesicht zu Angesicht schauen; meine Seele wird Dich verherrlichen, so wie ich es wünsche. „Ich werde satt werden, wenn sichtbar wird Deine Herrlichkeit. (Ps 16,15)
O mein Gott, ich opfere Dir jenes Lob auf, das meine Seele anstimmen wird in dem Augenblick, wenn sie durch die Tore der Ewigkeit eingehen und sich mit der Schnelligkeit des Lichtes zu Deinem Throne hinschwingen wird. Wenn sie, durch den Anblick deines Wesens entfesselt, in den wonnevollen, nimmer endenden Jubelgesang einstimmen wird, wenn keine Schwermut, keine Traurigkeit den Flug ihrer Liebe hemmen, noch Selbstsucht das an sich reißen wird, was Dir mit Recht gebührt, wie die Lärche in der Höhe des Himmels der Sonne entgegentrillert, so wird dann mein ganzes Wesen Dir entgegenjubeln.
Was aber, oh mein Gott, habe ich einstweilen Dir anzubieten? Habe ich nichts, wirklich nichts, wodurch ich wenigstens meinen guten Willen beweisen könnte? Ein guter Wille ist reich an Erfindungen, alles ist ihm Mittel und Weg, ja sogar Hindernisse sind ihm dienlich. Was kann ich in meiner Armut finden, das zu Deinem Lobe tauglich wäre? Eine Unempfindlichkeit, die nichts bewegen, eine Starrheit und Härte, die nichts durchdringen kann, sind das die Gefühle, die zu Deinem Lobpreis dienen? Ja, denn auch sie können den Schöpfer verherrlichen, Der Sich würdigt, auf dieses Elend, auf diese Armut Seines Geschöpf herabzublicken. Sie können zu einem überaus angenehmen Opfer werden, wenn ich sie zerknirschten und gedemütigten Herzens, als Strafe für meine Sünden hinnehme. Sie können zur Verstärkung des Gegensatzes dienen, der zwischen dem allmächtigen, von Liebe brennenden Schöpfer und seinem armseligen, hilflosen Geschöpfe besteht, das sich weder zu Ihm erheben kann, noch Sein Entgegenkommen zu erwidern vermag. O mein Gott, diese Ehre, dieses Lob bringe ich Dir da, und zwar mit freudigem Herzen. Das ist mein Eigentum, meine persönliche Gabe, denn ohne mich könntest du sie nicht haben. Nimm diese Gabe an als Pfand dessen, was ich geben würde, wenn ich dazu imstande wäre, und dessen, was ich Dir eines Tages wirklich geben werde. Meine Seele ist jetzt wie ausgetrocknetes Erdreich vor dir, o Herr. Aber der Tag wird kommen, an dem „die öde Wüste sich freuen und die Einöde frohlocken und wie eine Lilie blühen wird. Sie wird sprossen und frohlocken, in Freude lobsingend.“ (Is 35,1)


Nach der Kommunion

Würdig bist Du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft. (Offb 4,11)
„Ihr Diener des Herrn, preiset den Herrn, lobet und erhebet Ihn über alles in alle Ewigkeit!“ (Dan 3,85)
„Jauchzet zu Gott, alle Lande; lobsinget Seinem Namen!“ (Ps 65,1)
„Dich sollen preisen, o Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen Dich rühmen!“ (Ps 144,10)
“Lobsinget unserm Gott, lobsinget! Lobsinget unserm König, lobsinget!“ (Ps 46,7)
„Gut ist es, den Herrn zu preisen und zu lobsingen Deinem Namen, Allerhöchster!“ (Ps 91,2)
„Lobe meine Seele den Herrn! Ich will loben den Herrn, solange ich lebe, will lobsingen meinem Gotte, solange ich bin.“ (Ps 145,2)
„Laudamus Te, bennedicimus Te, adoramus Te, glorificamus Te.“ "Wir loben Dich, wir benedeien Dich, wir beten Dich an, wir verherrlichen Dich.“
Laudamus Te. O mein Gott, ich lobe Dich um Deiner Selbst willen. Was sich mir in Deinen Vollkommenheiten zeigt, das ist in Wirklichkeit Deine Natur, Deine Wesenheit. Du bist nicht allmächtig, weise, wahr, schön, liebend, gut; Du bist die Allmacht, die Weisheit, die Wahrheit, die Schönheit, Du bist die Liebe und Güte selbst. Ich preise Dich also für das, was unendlichen Preises würdig ist. O, dass ich dazu fähig wäre, nichts Geringeres würde ich Dir bieten! Und, Dank sei Dir gesagt, jetzt, da Dein innig geliebter Sohn in mir ist, bin ich dazu fähig; Er preiset Dich aus aller Kraft und mit der ganzen Liebe Seiner heiligen, menschlichen Seele. Ich vereinige mein Lob mit dem Seinigen. Durch Ihn, mit Ihm und in Ihm, in Vereinigung mit allen Engeln und Heiligen, die Dich durch Ihn verherrlichen, erhebe ich lobpreisend meine Stimme zu Dir.
Benedicimus Te. Mein Gott, ich preise Dich für alles, was Du uns bist; für Deine ewige Liebe zu uns, für alles, was Du in der Zeit für uns gewirkt hast. Ich preise Dich für die Menschwerdung und das Leben, den Tod und die Auferstehung Deines vielgeliebten Sohnes. Ich preise Dich, dass Du uns Seine Mutter und Seine Kirche gegeben hast; für alle Sakramente, besonders das allerheiligste Sakrament des Altares, und für jene, ohne welches die Eucharistie ein für uns unerreichbares Geschenk wäre, für das Sakrament der Versöhnung und des Friedens.
O Gott, ich preise Dich für alles, was Du mir aus Deinem Gnadenschatz verliehen hast, Leben, Zeit und Gnade; für all die Gaben der Seele und des Leibes, die Du mir, je nach meiner Bedürftigkeit einerseits, und Deinen Absichten für meine ewige Glückseligkeit andererseits gegeben oder vorenthalten hast. Ich preise Dich für all die Gnaden und Vorteile, die Du mir durch das heilige Messopfer, die Sakramente und das Gebet gewährt hast. Ich preise Dich für Deine unerschütterliche Geduld mit mir und die Vergebung meiner vielen Sünden; ich preise Dich, dass Du so oft in der heiligen Kommunion zu mir gekommen bist und mir in meinem Elende Deine hilfreiche Hand geboten hast, für die Einsprechungen und Einladungen, durch welche Du mich an Dich zu ziehen gesucht hast. Ich preise Dich für die Freuden und Leiden meines Lebens, die nach Deiner weisen Vorsehung mein Bestes bewirken. Ich preise Dich für die Gnade der Beharrlichkeit in Deinem Dienste; für Dein gnädiges Gericht über mein armes, sündenvolles Leben; für den Platz in Deinem Reiche, auf den Du mich, nach Ablauf der Zeit meiner Läuterung, berufen wirst; für die Freude, auf immer und ewig in Deiner Gegenwart zu weilen und Dein unverhülltes Angesicht schauen zu dürfen.
„Alltäglich will ich Dich preisen und Deinen Namen loben ewig, ja immer und ewig.“ (Ps 144,2)
Adoramus Te. Mein Gott, ich bete Dich an. In diesem Leben habe ich nur eine ganz schwache Vorstellung von jener Anbetung, jener Selbstvernichtung, welche meine Seele bei dem Anblick Deiner Heiligkeit, Deiner Majestät, Deiner Schönheit und Macht empfinden wird. Aber in diesem Augenblicke ist Christi Seele in mir gegenwärtig, die Deine göttliche Majestät vollkommen erkennt und welche dir die gebührende Anbetung darbringen kann. Mit ihrer Anbetung vereinige ich die meinige. Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm sei dir, o Gott Vater, in Einheit des Heiligen Geistes Ehre und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Glorificamus Te. O mein Gott, ich verherrliche Dich für alles, was Du in Dir selbst bist, und für all die Offenbarungen Deiner selbst im Reiche der Natur, der Gnade und der Herrlichkeit. Die unvernünftigen Geschöpfe verherrlichen Dich dadurch, dass sie Deinen Willen erfüllen. Die Himmel verkünden Gottes Ruhm, Erde und Meer erheben lobpreisend ihre Stimme zu dir. O dass auch alle Menschen Dich verherrlichen! O dass sie alle der Aufforderung nachkommen möchten: „Lobsinget unserm Gott, alle Seine Diener und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Preiset den Herrn, so hoch ihr könnt, er ist doch noch höher, denn Seine Herrlichkeit ist wunderbar; lobet den Herrn, erhebet Ihn, soviel ihr könnt, denn Er ist größer als alles Lob!“ (Sir 43,32 f.) So armselig ich auch bin, nach der Kommunion kann ich nach Gebühr Ihn preisen. Seine unbegrenzten Vollkommenheiten übertreffen nicht mein Lob. Ich kann sie unendlich verehren. Ich kann sie erheben, soviel sie es verdienen. Denn alles vermag ich in Dem, Der mich stärkt. Nicht ich, sondern mein Herr und Gott, Der nun in mir ist. Durch Ihn, mit Ihm, in Ihm, sei Gott, dem Vater, in Einheit des Heiligen Geistes, Ehre und Ruhm von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, oh Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich Selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was Ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke Dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, oh Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, dass Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu deinen Füßen niederlegen.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



04.03.2020 - 10.03.2020

Das Willkommen des Lobes
I.

„Lobsinget unserm Gott, all aSeine Diener und die Ihn fürchten, klein und groß.“ (Offb 19,5)



Vor der Kommunion

Unsere Bedürfnisse sind so mannigfaltig und so dringend, dass sie beinahe alle unsere Gedanken und alle Kräfte unserer Seele in Anspruch nehmen, so oft wir uns zum Gebete begeben. Wir kommen noch so weit, dass wir das Gebet als eine bloße Bitte betrachten und dass wir das erhabenste, reinste Gebet, das Gebet, das durch die Ewigkeit fortdauert, — das Lobgebet vergessen. Wir wissen, dass es unsere Pflicht ist, Gott hienieden zu preisen, aber unser Lebenslauf und seine zahllosen Ansprüche auf unsere Mitwirkung und unsere Zeit lassen uns diese unsere Pflicht aus dem Auge verlieren. Wir finden es hart, uns emporzuschwingen über die täglichen Sorgen, über Irdisches und Vergängliches, hinauf zu jenen erfrischenden Höhen, wo wir reine, himmlische Luft einatmen und wo wir im Verein mit den Engeln und Erzengeln und mit dem ganzen himmlischen Heere singen dürfen: „Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott der Heerscharen; Himmel und Erde sind voll von Deinem Ruhme. Hosanna in der Höhe!“
Deswegen ruft uns die Kirche fortwährend zu: „Sursum corda!“ Empor die Herzen! Jeden Tag heißt sie die Priester und Ordensleute ihr Bittgebet eine Weile einstellen und ihre Stimmen in einem Chor des erhabensten Globus zum Himmel erheben. In dem Gloria in excelsis und dem Gloria Patri wünscht sie ein für allemal, dass wir das Lob Gottes singen und das ewige Alleluja einüben. Dieses Lob zu singen ist nicht so schwer, wie wir uns einbilden, sonst würde es uns Gott nicht als erste Pflicht auferlegt haben. Wir entschuldigen uns vielleicht, indem wir sagen, wir könnten das Lob Gottes unmöglich in dem Lande der Verbannung singen. Wären wir schuldlos, so käme es so leicht auf unsere Lippen, wie es bei Adam und Eva im Paradiese der Fall war. Aber seit die Erde ein Verbannungsort geworden und wir jeden Morgen zur Arbeit und zur Mühsal erwachen, haben wir keinen Grund zu Lobpreisungen; überdies fehlt uns der Mut dazu.
Aber dennoch haben sich Männer und Frauen, belastet wie wir, über diese Dinge emporgeschwungen. Ja, noch mehr, sie haben diese Herzenserhebungen gepflogen, die Gewohnheit hat sie ihnen wonnevolle und leicht gemacht, und in den Stürmen des Lebens fanden sie in ihnen Hilfe und Zuflucht. Warum sollten wir nicht das Gleiche tun? Zur Stärkung unserer Gesundheit gehen wir bei jedem Wetter aus, oft genug gegen unsere Neigung. Wohl bringt der Körper Ermüdung, Unwohlsein und Geschäfte als Entschuldigung vor. Aber gerade im Interesse der Gesundheit oder Arbeit treiben wir ihn weg vom Herde weit hinaus oder hinauf auf die Berge.
Wenn wir die gleiche Entschlossenheit gegenüber unserem beschränkten Geiste anwenden wollten, wenn wir ihn mit Gewalt in eine höhere und daher stärkere Atmosphäre erheben würden, so finden wir, dass Gott zu unserem Besten die Erhebung unseres Herzens zu Seinem Lobpreise und uns zur Pflicht gemacht hat.
Das Lobgebete ist nicht so schwer, wie wir meinen, denn unsere Seele ist ein Instrument — zum Lobe bestimmt. Zum Lobe wurde sie geschaffen. Freiwillig und leicht spendet sie vergänglichen Erdenschönheiten Bewunderung und bekundet dadurch ein vom Himmel gegebenes Geschenk, einen vom Schöpfer in sie hineingelegten Trieb. Wie groß muss ihre Bewunderung sein, wenn der Gegenstand ihrer Betrachtung der Schöpfer selbst ist! Was es nur immer Großes, Einnehmendes, Starkes, Zärtliches, Weises oder Liebliches in der Natur, in der Gnade oder der Glorie gibt, das ist Er selbst oder es stammt von Ihm. Alles führt uns hin zu Seinem Lobe. Die Offenbarung Seiner Vollkommenheiten ist so mannigfaltig und so wunderbar, dass sie sich allen zeigt, die Augen haben zu sehen und Ohren zu hören.
Werden wir ergriffen von der Macht, dem Ruhme, der Majestät? „Wer kann aussprechen die Großtaten des Herrn, verkünden all Sein Lob?“ (Ps 105,2)
Beugen wir uns vor der Schönheit und der Heiligkeit? „Der Herr hat Zierde Sich angetan.“ (Ps 92,1)
„Herr, mein Gott, Du bist überaus groß, hast angetan Lob und Zierde, angetan das Licht wie ein Kleid.“ (Ps 103,1 f.)
„Wer ist Dir gleich, so herrlich in Heiligkeit?“ (Exod 15,11)
Wenn wir Liebe, Güte, Treue, Gnade suchen, so finden wir sie in unserm Gott, als deren Quellen. „Gott ist die Liebe.“ (1 Joh 4,8)
„Einer ist gut, nämlich Gott.“ (Mt 19,17)
„Herr, Du Heiliger und Wahrhaftiger!“ (Offb 6,10)
„Wer kann Seine Barmherzigkeit schildern? (Sir 18, 4)
„Danket dem Herrn, denn Er ist gut; in Ewigkeit währet Seine Barmherzigkeit! So sollen sagen die Erlösten von dem Herrn, die Er erlöst hat aus der Hand des Feindes. (Ps 106,2) Sie sollen danken dem Herrn für seine Barmherzigkeit, für seine Wunder unter den Menschenkindern. (Ps 106,8)
Gibt es etwas denkbar Gutes, das nicht bei unserem Gott gefunden würde? Trägt nicht die geheimnisvolle Geschichte unseres eigenen Lebens den Stempel Seiner Barmherzigkeit, Seiner Treue, Seiner Liebe? Warum also soll das Herz nicht in Lobpreisungen gegen Ihn ausbrechen?
Wie groß muss Sein Verlangen nach unserem Lobe sein, da Er uns gestattet, dasselbe mit dem der seligen Geister vor Seinem Throne zu vereinen, und da Er uns hienieden schon die Geheimnisse jenes Reiches enthüllt, wo es Worte gibt, die kein Mensch aussprechen kann. Wir hören das anbetende Lob jener vier lebenden Wesen, die nicht ruhen Tag und Nacht, die stets rufen: „Heilig, heilig, heilig, heilig!“ Und jener vierundzwanzig Ältesten, die ihre Krone niederlegen vor dem Throne, indem sie sprechen: „Würdig bist Du, oh Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft.“ Und jenes der großen Menge, die niemand zählen kann, die mit starker Stimme rufen: „Heil unserm Gotte, Der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!“
Und nicht nur, dass wir diesen Lobpreis vernehmen, wir werden sogar eingeladen, in denselben einzustimmen. Die Gemeinsamkeit der Heiligen ist nicht etwa ein schöner Traum, nein, sie ist liebliche Wirklichkeit. Daher singen wir mit den Engeln und Erzengeln, mit den Thronen und Herrschaften, mit der ganzen himmlischen Heerschar Seinem Ruhme ein Lob, indem wir sprechen: „Heilig, heilig, heilig, Gott, der Herr der Heerscharen; Himmel und Erde sind voll von deinem Ruhme! Hosanna in der Höhe!“
Die Heiligen verachten unsere Gemeinschaft nicht. Warum auch sollten sie es? Unser Gott ist auch der ihre. Er, den sie mit verhülltem Antlitze anbeten, hat uns befohlen Ihn Vater zu nennen. Daher nimmt Er unser demütiges Lob an, wenn wir unsere Stimmen mit den ihrigen vereinen.
„Gott tut Großes und Unerforschliches und Wunderbares ohne Zahl.“ (Job 5,9)
Er ist wunderbar in Seinen Heiligen, in Seiner Kirche, in Seinen Sakramenten, in Seinen Geheimnissen. Aber vor allem in jenem Sakrament aller Sakramente, in jenem Geheimnis des Glaubens, „in welchem Er ein Gedächtnis all Seiner Wunder stiftete.“ (Ps 110,4)
Gerade vor und nach der Kommunion ist dieses Lob nicht nur billig und Recht, sondern auch überaus leicht und angenehm. Hier loben wir ja nicht allein. Durch Ihn und mit Ihm und in Ihm steigt unser Lob zum Vater empor. Nach der Kommunion wird das möglich, was fast unmöglich scheint: nämlich Gott eine Verehrung darzubringen, welche all die Forderungen erfüllt, die Er an uns stellt, eine Verehrung, so würdig, dass sie Seinen Vollkommenheiten ganz und gar entspricht. Wird nicht Bewunderung, Liebe und Dankbarkeit frohlockend triumphieren während der Viertelstunde unserer Danksagung? Und wenn dem nicht so wäre, was läge daran? Ist doch Er bei uns, dessen Lob allein genügt. Gott sei Dank gesagt für seine unaussprechlichen Gaben.


Nach der Kommunion

„Gepriesen sei Gott der Herr an diesem Tage!“ (3. Reg 5,7)
„Alle Tage will ich Dich preisen und Deinen Namen loben ewig, ja immer und ewig. Groß ist der Herr und sehr preiswürdig und Seiner Größe ist kein Ende.“ (Ps 144,2)
„Lobe, meine Seele, den Herrn! Ich will loben den Herrn, solange ich lebe, will lobsingen meinem Gotte, solange ich bin.“ (Ps 145,2)
„Dem, Der auf dem Throne sitzt und dem Lamme sei Lob und Ehre und Preis und Macht in alle Ewigkeit! Amen.“ (Offb 5,13)
„Heil unserm Gott, Der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme!“ (Offb 7,10)
„Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ (Offb 7,12)
„Lobsinget unserm Gott, alle Seine Diener und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Danket dem Herrn, denn Er ist gut; denn in Ewigkeit währet Seine Barmherzigkeit!“ (Ps 106, 1)
Gelobt sei Jesus Christus
für den ewigen Ratschluss, nach welchem das Wort Fleisch werden und unter uns wohnen sollte.
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der „Christus uns geliebt und Sich für uns als Gabe und Opfer hingegeben hat.“ (Eph 5,2)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der „Er mich geliebt und Sich Selbst für mich hingegeben hat.“ (Gal 2,20)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der „Er unser nächster Freund und Bruder wurde.“ (Ps 34,14)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Leiden und Entbehrungen Seiner Kindheit, für die Mühseligkeiten Seiner Jugend, für die Arbeiten und Wanderungen Seines Mannesalters.
Gelobt sei Jesus Christus
für Seine heilige und milde Lehre: „Niemals hat ein Mensch so geredet wie Er.“ (Joh 7,46)
Gelobt sei Jesus Christus
für Seine Wunder oder Gnade, als Er Sich zeigte „gnädig, gütig und barmherzig, langmütig und von großer Erbarmung.“ (2. Esdr 9,17)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, „mit der Er uns in allen Stücken, die Sünde ausgenommen, ähnlich geworden. (Hebr 4, 15)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der Er „um unserer Missetaten willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen worden ist.“ (Is 53,5)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der Er uns „um teuren Preis erkaufte.“ (1. Kor 6,20)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der Er uns mit Seinem eigenen Blute von unseren Sünden gewaschen hat. (Offb 1, 5)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der „Er uns erkauft hat mit Seinem Blute aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen.“ (Offb 5,9)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der Er „unserer Sünden wegen überantwortet und unserer Rechtfertigung willen auferstanden ist.“ (Röm 4,25)
Gelobt sei Jesus Christus
für die Liebe, mit der Er in den Himmel aufgestiegen ist, um uns einen Ort zu bereiten. (Joh 14,2)
Gelobt sei Jesus Christus
für die unaussprechliche Gabe Seiner fortwährenden Gegenwart, durch welche Er bei uns verweilt, alle Tage bis ans Ende der Welt. (Mt 28,20)
Gelobt sei Jesus Christus
dafür, dass Er heute zu mir gekommen, damit ich in Ihm lebe und ewig dauerndes Leben habe und von Ihm auferweckt werde am Jüngsten Tage.
Gelobt sei Jesus Christus
durch die Vollkommenheiten Seiner heiligen Menschheit und die unbegrenzte Würde Seiner göttlichen Person.
Gelobt sei Jesus Christus
durch Maria, die Magd des Herrn und Mutter Gottes, dem vollkommenen Werke Seiner Erlösung.
Gelobt sei Jesus Christus
durch die vierundzwanzig Ältesten und die vier lebenden Wesen, welche vor Dem, Der auf dem Throne sitzt, niederfallen. (Offb 4,10)
Gelobt sei Jesus Christus
durch die Engel und Erzengel und alle die Heerscharen des Himmels.
Gelobt sei Jesus Christus
durch die Hundertvierundvierzigtausend, welche dem Lamme folgen, wohin Es geht. (Offb 14,4)
Gelobt sei Jesus Christus
durch die Patriarchen und Propheten, durch die Apostel und Märtyrer, durch die Bekenner und Jungfrauen.
Gelobt sei Jesus Christus
durch die große Schar, die niemand zählen kann, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen, die da stehen vor dem Throne und vor dem Lamme. (Offb 7,9)
Gelobt sei Jesus Christus
durch meine Seele mit allen ihren Fähigkeiten, durch meinen Leib mit allen seinen Sinnen, durch jedes Streben meines Geistes, durch jede Regung meines Herzens durch jeden Gedanken, jedes Wort, jede Handlung in Zeit und Ewigkeit.
Gelobt sei Jesus Christus
durch alle, die mir lieb und teuer, und durch alle, die mir anvertraut sind, wie auch durch alle, mit denen ich durch die Bande des Blutes verbunden bin.
Gelobt sei Jesus Christus
durch alle, die in dem Schafstall des einen Hirten versammelt sind.
Gelobt sei Jesus Christus
durch Seine übrigen Schäflein, die Er erst in Seine Herde bringen muss.
Gelobt sei Jesus Christus
durch alle, die noch ferne von Ihm im Schatten des Todes wandeln.
Gelobt sei Jesus Christus
durch jedes Geschöpf, das Seine Hand geschaffen.


Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, oh Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich Selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was Ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke Dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, oh Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, dass Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu deinen Füßen niederlegen.


Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“

26.02.2020 - 03.03.2020

Das Willkommen eines Sünders
II.

„Dein Glaube hat dir geholfen.“ (Lk 7, 50)



Vor der Kommunion

Und siehe, ein Weib aus der Stadt, eine Sünderin, erfuhr, dass Er in dem Hause des Pharisäers zu Tische saß, und sie brachte ein Gefäß von Alabaster mit Salbe, stellte sich rückwärts zu Seinen Füßen und fing an, dieses mit ihren Tränen zu benetzen und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes, küsste sie und salbte sie mit der Salbe.
Sie kam ungeladen; sie kam, bevor die Einladung: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid,“ ausgesprochen war. Noch hatte sie nicht das Wort gehört: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.“ „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten, sondern die Sünder zu rufen. „Freude wird bei den Engeln Gottes sein über einen Sünder, der Buße tut.“
Könnte der Versuch, sich Ihm zu nahen und Seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, nicht als Kühnheit, ja als Unehrerbietigkeit ausgelegt werden? Würde ihre Gegenwart nicht eine Beleidigung für Ihn sein, wie sie es in der Tat für den Gastgeber und die Gäste war? Sollte sie nicht eine schicklichere Gelegenheit abwarten und vorerst einen Fürsprecher und Vermittler suchen? Sollte sie nicht wenigstens seine Billigung für ihr Eindringen sich sichern?
Nein, sie konnte nicht warten; sie konnte nicht überlegen. Unbekümmert um den Erfolg, eilte sie zu ihrer Rettung, wie sie ihrem Verderben zugeeilt war. Ihr Elend trieb sie zu Ihm. Ihr Elend war ihr Ratgeber und ihr Verteidiger. Sie hatte Ihn gesehen und bei seinem Anblick hatte sie sich selbst durchschaut. Sorglos und neugierig war sie eines Tages durch die Menge gedrungen, die ihm folgte. Sein Auge hatte sie getroffen und sie war in die Knie gesunken. Dieser Blick hatte ihrer Seele das Bewusstsein ihrer Sündhaftigkeit eingebrannt. Sie war sich selbst unerträglich geworden. Was erst musste sie in Seinen Augen sein. Doch dieser Blick stieß sie nicht zurück. Sie fühlte sich angetrieben — nicht etwa vor Seinem Auge sich zu verbergen —, sondern zu Ihm, dem Heiligsten der Heiligen, zu flüchten und sich Ihm anzuvertrauen. Keine Furcht hielt sie zurück, keine Demütigung erschreckte sie; sie hatte Ihn gesehen, Sein Auge hatte auf ihr geruht; was war ihr nun die ganze Welt? Und Er sprach zu ihr: „Deine Sünden sind dir vergeben. Dein Glaube hat dir geholfen, gehe hin in Frieden!“
Ich, ein Sünder, nahe mich jetzt dir. Oh hätte ich doch ihren Glauben, ihr Vertrauen, ihre Reue, ihre Tränen! Ich opfere Dir jene Gesinnungen auf, durch welche sie vor Deinen Augen Gnade fand. Gib mir Anteil an denselben, dass auch ich gereinigt von jeder Makel, in Deinen Augen teuer und kostbar werde.


Nach der Kommunion

Oh Gott, Allheiliger, ich beuge mich vor Dir. In meiner Sündhaftigkeit habe ich mich Dir genaht, ja noch näher als sie, da sie zu Deinen Füßen kniete. Ich habe keine Tränen für meine Sünden, keine Salbung, keinen Kuss. Mein Herz ist trocken und kalt, ohne Liebe, fast möchte es mir scheinen, ohne Glaube. Aber Wünsche habe ich, und die nimmst Du entgegen. Ich bringe Dir als mein Eigentum die Schätze dar, an welchen ich durch die Gemeinschaft der Heiligen Anteil habe. Ich danke Dir, lobe und preise Dich mit all den Engeln des Himmels, die sich über jeden Sünder freuen, der Buße tut. Ich opfere Dir auf die Anbetung und Liebe einer heiligen Magdalena; die Dankbarkeit, mit der sie des Tages gedenkt, an welchem sie, mit Sünden beladen, zu Deinen Füßen eilte. Ich opfere dir auf die Freude, welche du die ganze Ewigkeit hindurch an ihr haben wirst. Nun, o Herr, nimm auch mich sündigen Menschen auf. Gib mir, nachdem Du mir so viele Sünden verziehen, die Gnade, Dich viel zu lieben. Möge meine Liebe und mein Dank Dich ewiglich erfreuen.
Magdalena zweifelte nie an der Vergebung ihrer Sünden; so will auch ich nie an der Vergebung meiner Sünden zweifeln. Sie hörte die Lossprechung von Deinen eigenen Lippen. Ich höre von den Lippen der Diener Deiner heiligen Kirche die beglückende Worte: „Ich spreche dich los. Gehe hin in Frieden!“ Ich glaube an Dein Wort, dass das, was die Kirche auf Erden löset, auch im Himmel gelöset ist.
Magdalena vergaß nie, dass ihr viele Sünden vergeben wurden. Sie glaubte nicht, dass selbst eine solche Nachlassung, wie sie ihr zuteil geworden, sie von der Pflicht, Buße zu tun, befreit hatte. Von nun an war ihr Leben eine fortgesetzte Buße, aber eine Buße, durchdrungen von Freude und versüßt durch jene Liebesreue, die in der Buße sich offenbart. Magdalena war treu bis ans Ende. Sie stand fest, als selbst Apostel wankten. Sie hielt zu ihrem Herrn in der Zeit der Schmach und teilte sie mit ihm.
Und als Er sich vor ihr verbarg, da suchte sie Ihn mit Beharrlichkeit. Sie brachte Kunde den Schwachen und Betrübten. Sie stützte den Glauben der minder Eifrigen durch ihren eigenen. Als Er dann die Erde verlassen hatte, da ging ihr ganzes Verlangen nach Ihm und durch jahrelang fortgesetzte Buße bewahrte sie Ihm ihr Herz.
Gib, oh Herr, dass ich ihr gleiche! Lass mich erkennen, dass trotz der Sündenvergebung die Pflicht der Buße bleibt. Lass mich mein tägliches Kreuz, die Trübsale und Enttäuschungen des Lebens, den Kampf mit dem eigenen „Ich“, das Opfer meiner selbst, um des Nächsten, d. h. um Deinetwillen, oh mein Gott, so recht im Geiste der Buße, aus Deinen Händen hinnehmen! Lass mich, gleich Magdalena, ein Apostel meiner Umgebung sein, indem ich bewirke, dass sie dir leichter und ersprießlicher diene! Lass mich treu sein bis ans Ende und lass mich ewig, wie Magdalena, unter jene Glücklichen gezählt werden, die ihr Vertrauen auf dich gesetzt haben und nicht zuschanden geworden sind!


Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, oh Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich Selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was Ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke Dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, oh Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, dass Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu deinen Füßen niederlegen.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“




19.02.2020 - 25.02.2020

Das Willkommen eines Sünders
I.
„Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.“ (Mt 9, 15)



Vor der Kommunion

Warum ist euer Meister mit den Zöllnern und Sündern, so sprachen die Schriftgelehrten und Pharisäer zu den Zwölfen, als bei dem Gastmahl des Matthäus viele Zöllner und Sünder kamen und sich mit Jesus und Seinen Jüngern zu Tische setzten. Da aber Jesus es hörte, sprach Er: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. (Mt 9,12) „Ich bin nicht gekommen, die Gerechten zu berufen, sondern die Sünder.“ Merke, wie schnell unser Herr eine Antwort gibt! Er selbst antwortet, nicht nur, um Seine Jünger einer Schwierigkeit zu entheben, sondern weil er mit eigenen Lippen eine Frage beantworten wollte, die jeden von uns persönlich betrifft, eine Frage, die Ihm Gelegenheit bot, Seine Liebe zu den Ausgestoßenen, den Verachteten zu zeigen und sie an Sich zu ziehen, durch Worte, zärtlicher als der zärtlichste Seiner Diener sie hätte finden können.
Er wies diese Anschuldigung, ein Freund der Zöllner und Sünder zu sein, nicht zurück. Im Gegenteil, sie ist Ihm ganz willkommen. Die Tadler, die Ihm Seine Handlungsweise zum Vorwurf machten und weit und breit davon sprachen, erwiesen Ihm einen Gefallen. Es war keine Verleumdung, sondern eine segensvolle Wahrheit; nichts lag Ihm mehr am Herzen, als dass dieselbe von jedem Menschen, der sich auf Irrwegen befand, anerkannt werden möchte.
Weisest Du nicht, o Herr, den Grund, den wir für das Fernbleiben von der Kommunion vorbringen, nämlich unsere Unwürdigkeit, mit Vorliebe zurück? Du hast dich nicht geändert seit den Tagen Deines Erdenlebens. Noch immer ist es Deine Wonne, bei den Sündern und Schwachen Dich aufzuhalten. Sollten sie nicht jetzt, wie damals, in Scharen zu dir eilen und mit Freuden Dich aufnehmen?
Oh Gott, gar oft möchte ich an meinem Herzen verzweifeln. Oh dass Du doch nicht so viel für mich getan hättest; oder dass doch die Menschwerdung und die Eucharistie Wunder wären, die Du für die Menschheit im Allgemeinen und nicht mit besonderer Berücksichtigung meiner Nöte und aus besonderer Liebe zu mir gewirkt hättest! Oder, dass Du weniger geduldig und nachsichtig wärest! Wie aber ist es möglich, dass ich Dich beleidige und es überdies so wenig fühle, da ich doch aus Erfahrung weiß, wie Du bist! Nicht als ob ich Dich nicht liebte, oh mein Gott; Du weißt, dass ich Dich liebe. Doch welche Beweise gebe ich Dir? Kann Liebe neben Untreu bestehen? Mein Herz sollte brechen, wenn ich an meine Sünden denke. Es sollte überfluten von Lob und Dank beim Anblick dessen, was Du für mich getan und noch täglich tust. Es sollte trostlos sein beim Anblicke der Beleidigungen, die Dir zugefügt werden. Es sollte vor Sehnsucht pochen beim Gedanken an die Stunde, in der ich vor Dir erscheinen und Dich von Angesicht zu Angesicht sehen werde.
Mein Gott, besäße ich jene Macht über mein Herz, die Du besitzest, so würde die Sache, denke ich, anders stehen. Doch es muss in der Tat etwas Gutes sein um diesen demütigenden Zustand, da Du ihn ändern könntest, und es dennoch nicht tust. Vielleicht diene ich Dir aufrichtiger, wenn ich stumm und gefühllos zu Deinen Füßen knie, als wenn ich die gewünschte, fühlbare Andacht besäße. Nun denn, wenn dieser armselige Dienst Dir genügt und er sicherer für mich ist, so will ich zufrieden sein und in demselben verbleiben, solange es Dir gefällt, nur auf das Eine bedacht —, dass dieses Gefühl des Ferneseins von Dir nicht einem bewussten Fehler meinerseits zugeschrieben werden könne.




Nach der Kommunion

„Ich bin der Herr, dein Gott, der heilige Israels (Is 43, 3)
Oh großer, o heiliger Gott, ich werfe mich nieder in den Staub vor Dir. Mit den Seraphinen, die ihr Angesicht vor Dir verhüllen, bete ich Dich an. Heilig, heilig, heilig, Gott der Heerscharen! Oh Herr, mein Gott, mein Heiliger (Hab 1,12), wie kannst Du zu mir kommen? Wie kannst Du eine solche Vereinigung zulassen? Eine Vereinigung mit einer Seele, wie die meinige ist? Mit dem Hauptmann bekenne ich: „Oh Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehest unter mein Dach.“ Mit Petrus sollte ich ausrufen: „Gehe hinweg von mir, mein Herr, denn ich bin ein Sünder!“ Doch Du findest mehr Gefallen an mir, wenn ich mit den Jüngern von Emmaus Dich innig bitte: „Bleib’ bei mir, o Herr, bleibe bei mir!“ Auf deine Einladung hin: „Kommet zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid,“ habe ich mich Dir genahet. Ich darf kommen, denn ich habe eine Bürde Dir zu Füßen zu legen. Ich darf kommen, denn Deine Einladung ergeht an alle. Ich bin betrübt über alles, was Dir an meiner Seele missfällt; ich bin betrübt nicht so fast über einen Schmerz oder ein Leid, das die Sünde mir zugefügt, als vielmehr über die Beleidigung, die sich gegen Deine Heiligkeit richtet. Wasche mich von meinen Ungerechtigkeiten und reinige mich von meiner Sünde! „Denn Du, oh Herr, bist gütig und milde und von großer Erbarmung für alle, die Dich anrufen.“ (Ps 85,5) Du bist heute als meine Nahrung zu mir gekommen, damit ich koste und sehe, wie süß der Herr ist.
O gütigster Herr, erinnere Dich, dass Du gekommen bist, Sünder, wie ich einer bin, zu rufen und an Dich zu ziehen. Haben Deine Augen Sünden in meiner Seele entdeckt, so vergiss nicht, dass sie auch Reue gesehen haben. Sei eingedenk, dass Du ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz noch niemals zurückgewiesen hast!
„Ich irre wie ein verlorenes Schaf; suche Deinen Diener!" (Ps 118,176)
„Siehe, Ich selbst will nach Meinen Schafen sehen und sie heimsuchen.“ (Ezech 34,11)
„Wie ein Hirt seine Herde aussucht, also will auch Ich Meine Schafe aussuchen und sie erretten aus allen Orten, in welchen sie zerstreut worden am Tage des Gewölkes und der Finsternis. Ich will sie auf die beste Weide führen, daselbst sollen sie ruhen auf grünem Grase. Ich selbst will Meine Herde weiden, Ich selbst will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Was verloren, will Ich suchen, was vertrieben, zurückführen, was gebrochen, verbinden, was schwach, befestigen, was fett und stark, behüten. (Ezech 34,12 ff.)
Oh Hirte meiner Seele, der Du mich so lange, so unermüdlich gesucht hast, welchen Dank soll ich Dir erstatten?
Am Tage des Gewölkes und der Finsternis war ich irregegangen, Du hast mich zurückgebracht. Auf die süßeste Weide hast Du mich geführt. Du willst, dass ich Dir alle meine Angelegenheiten anvertraue, die geistigen sowohl als die zeitlichen, dass ich alle meine Sorge auf Dich werfe und mich ruhig Deiner Vorsehung überlasse. Und dennoch bin ich von Furcht erfüllt. Was irregegangen, hast Du zu Dir zurückgeführt. Oh guter Hirte, ich bin verwundet, ich bin schwach. Wie soll die Zukunft besser sein als die Vergangenheit? „Dein bin ich, hilf mir!“ (Ps 118, 94) Die Vorsätze, die ich so oft gebrochen, erneuere ich vertrauensvoll. Lehre mich durch Erfahrung, dass ich alles vermag, in dem, der mich stärkt. Lass mich in Dankbarkeit und Freude ausrufen: „Gut ist der Herr denen, die auf ihn hoffen.“ (Thren 3,25)
„Gut ist der Herr, Er stärket am Tage der Trübsal.“ (Nah 1,7)
„Wie groß ist die Barmherzigkeit des Herrn und Seine Versöhnlichkeit gegen die, so sich zu Ihm bekehren! (Sir 17,28)



Aufopferung und Bitte

Was gäbe es, oh Herr, dass Du um meinetwillen nicht geopfert hättest? Deinen Leib überließest du den Geißelknechten, Dein Antlitz denen, die darauf schlugen und es anspien; Dein Haupt den Dornen, Hände und Füße den Nägeln und Dein Herz der Lanze. Deine Ehre hast Du hingegeben. Du hast Verrat, Undank, Untreue von Freunden, selbst Gottverlassenheit erduldet. Du hast mir Deine Verdienste, Deine Mutter, Dein Reich hinterlassen, ja Dich Selbst im Sakramente. Wahrlich, Du kannst fragen: „Was gibt es, was Ich für Meinen Weinberg hätte tun können und habe es nicht getan?“
Ich danke Dir, o liebster Jesus, für alles, was Du für mich gelitten und für die Liebe, mit welcher Du es gelitten hast. Für alles, was Du mir gegeben, und für die Liebe, mit welcher Du es gegeben. Ich danke Dir für alles, was Du mir bist, für alles, was Du mir sein willst in der Ewigkeit. Glücklich diejenigen, welche während dieses kurzen Lebens Dir auf irgendeine Weise Deine Hingabe vergolten und Deine Liebe erwidert haben. Was habe ich Dir bis zur Stunde gegeben? Welchen Ersatz werde ich Dir in Zukunft leisten, nicht etwa durch einen anderen, sondern durch mich selbst, einen persönlichen Ersatz für eine persönliche Gabe?
Ich opfere Dir auf, oh Herr, die Freude, die Du heute in den Kommunionen mit jenen hast, die Dich am meisten lieben. Ich allerdings darf nicht hoffen, unter diese glücklichen Menschen gerechnet zu werden, aber durch die Gemeinschaft der Heiligen habe ich Anteil an jenen Schätzen, wodurch ihr Herz so angenehm vor Dir ist. Ich habe Anteil an ihrer Liebe, ihrem Danke, an dem Willkommen, das sie Dir bereiten. Alles dieses opfere ich Dir auf, als wäre es mein eigen. Und was in der Tat mein eigen ist, das opfere ich Dir auf — meine Armut, mein Elend, mein Nichts und die Demütigung, die aus all diesem Elend entspringt. Meine täglichen Arbeiten und Prüfungen, all die Sorgen meines Lebens opfere ich Dir auf. Ich empfehle dir alles, was unvorhergesehen kommen wird und wobei ich ganz besonders den Beistand Deiner Gnade brauchen werde, die Gelegenheiten, die sich mir zur Ausübung der Nächstenliebe bieten werden. Alles, was ich tun und leiden, denken oder sagen werde, vereinige ich mit dem, was Du während Deines Lebens hier auf Erden getan, gelitten, gedacht und gesprochen hast. Ich danke Dir für jede Freude, die Du für mich bereit hältst, und unterwerfe mich jeder Prüfung. Ich nehme den Tod an in der Art und Weise und zu der Stunde, die Du bestimmen wirst, sowie auch das Urteil, dass Du über mich fällen wirst, wenn ich vor Dir stehen werde, um Rechenschaft über mein armes, sündhaftes Leben und über die mir anvertraute Verwaltung abzulegen. Auch die Ewigkeit nehme ich an, die dann für mich beginnen wird. Wenn ich noch etwas anderes, noch etwas Kostbares dir anzubieten hätte, würde ich es hier zu deinen Füßen niederlegen.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



12.02.2020 - 18.02.2020

Das Willkommen eines Kindes
II.
„Wer den Willen Meines Vaters tut, Der im Himmel ist, der ist Mein Bruder, Schwester und Mutter.“ (Mt 12,50)


Vor der Kommunion

Die lieblichste unter allen Eigenschaften Gottes ist Seine Vaterschaft. Er kann es nun einmal nicht ändern, Er ist unser Vater. Ist Er nicht dein Vater, der dich erworben, der dich gemacht und erschaffen? (Deut 32,6) Zu Ihm, als unserem Vater, nehmen wir unsere Zuflucht. Er ist nicht bloß die Quelle des Lebens und der Kraft, ein fernstehender Herrscher, der Richter der Lebendigen und der Toten, unser Schöpfer, nein, Er ist unser wirklicher, liebender, treu besorgter Vater, Der uns an Kindes Statt angenommen und zu dem gemacht hat, was Sein eingeborener Sohn von Natur aus war: „Söhne Gottes und mit Ihm, dem Eingeborenen unter vielen Brüdern.“
Doch dieser liebliche Name Vater erschöpft nicht unsere Ansprüche auf Seine Liebe. Er befiehlt uns, an Ihn zu denken, wie an einen Geliebten, einen Bruder, eine Schwester, eine Mutter — Verhältnisse, die an und für sich unvereinbar sind. „Du hast Mein Herz verwundet, Meine Schwester, Meine Braut! (Cant 4,9 ) „Wer immer den Willen Meines Vaters tut, Der im Himmel ist, der ist Mir Mutter, Bruder, Schwester.“
Jedes dieser Verhältnisse schließt eine eigenartige, besondere Liebe in sich, die wir in Ihm vereinigt finden. Die Liebe eines Bruders, so opferwillig, so zärtlich, beschützend; die Liebe einer Mutter, so wachsam, selbstlos, nachsichtig, so voll von unbegrenztem Mitleid mit jeder Schwäche, jedem Unglück; die Liebe einer Schwester, einer Braut, mit ihren besonderen Merkmalen, mit ihrer Zärtlichkeit — alle Schönheit der menschlichen Liebe finden wir, in unbegreiflich hohem Grade, in Ihm vereinigt. Was aber ist in mir, das imstande wäre, eine solche Liebe auf mich zu lenken? Oder vielmehr, wie ist es möglich, dass eine Liebe, und wäre sie ebenso feurig wie die Deine, nicht erkaltet, wenn sie in Berührung mit meinem eisigen Herzen kommt? Die heilige Theresia rief eines Tages im Übermaße ihrer Liebe aus, dass, wenn sie sich auch freuen würde, jemanden im Himmel auf einer höheren Stufe der Herrlichkeit zu erblicken, als sich selbst, sie doch nicht wisse, ob sie sich darüber freuen könnte, wenn sie eine Seele sehen müsste, die Gott noch mehr liebte als sie. Für mich würde sich ein ganz entgegengesetzter Wunsch geziemen. Im Bewusstsein meiner armseligen Liebe, meines armseligen Dienstes sollte ich wünschen, dass jedes andere Geschöpfe dich mehr lieben möchte als ich. Und doch, o Herr, kann ich einen solchen Wunsch nicht hegen. Ich könnte es nicht ertragen, diejenigen, die weit weniger von Deiner Hand empfangen haben als ich, Dich mehr lieben würden als ich. Wenigstens möchte ich nicht zuletzt in der Reihe jener stehen, die Dich lieben. Daher will ich Dich, der Du alles vermagst, inständig bitten, mein empfindungsloses, kaltes Herz von deinem Herzen zu entflammen und es dem Herzen der heiligen Theresia ähnlich zu machen. Jetzt, da Du im Begriffe bist, zu mir zu kommen, nimm mein Herz, entflamme es durch die Berührung mit Deinem eigenen, oh mein Gott, Der Du ein verzehrendes Feuer bist!



Nach der Kommunion

„Heilig, heilig, heilig, ist der Herr, Gott der Heerscharen!“ (Is 6,3)
„Alles Land bete Dich an und singe Dir, lobsinge Deinem Namen! (Ps 65,4)
„Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn! und erhebet Ihn über alles in Ewigkeit!“ (Dan 3,58)
„Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115, 12)
„Dich sollen preisen, o Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen Dich rühmen! (Ps 144, 10)

Mein Gott, Du bist bei mir und mein Herz ist kalt, hart und trocken. Insofern als diese Kälte von
meinem Mangel an Glauben und von der Geringschätzung der mir erwiesenen Ehre und Liebe herrührt, schmerzt sie mich bitter. Aber insofern sie eine gerechte Strafe für meine Sünden ist, eine Buße, die ich für dieselben tun, ein Leiden, das ich für Dich tragen kann, unterwerfe ich mich von ganzem Herzen. Ich habe keinen Anspruch auf das Brot der Kinder, das kleinste Krümchen, ein Stückchen harter Rinde ist mehr, als ich verdiene.
Unendliche Liebe, die Du zu mir kommst, die Du trotz meiner Unwürdigkeit gerne kommst; weder Kälte, noch Härte, noch das Gefühl der Strafwürdigkeit, noch Schmerz soll mich daran hindern, mich Dir zu nahen und Dir mein armes Herz, das zu suchen Du aus weiter Ferne gekommen bist, gerade so anzubieten wie es ist.
Ich vertraue auf Dich, o mein Gott, Du wirst mir den Sieg verleihen über meine Schwachheit. Nach einem langen und ermüdenden Kampf wirst Du mir endlich den Frieden gewähren; trotz meiner Fehltritte und meiner Sündhaftigkeit wirst Du Deine Pläne an mir verwirklichen. Gibt es etwas, mein Vater und bester Freund, das mich mit Furcht erfüllen und vom Vertrauen auf Dich abhalten könnte?
Meine Vergangenheit? Herzlich bereue ich alles, was Dir aus jener Zeit missfallen oder Dich geschmerzt hat. Ich weiß, ich habe gesündigt gegen Dich. Aber Dein innig geliebter Sohn opfert Sich täglich in der heiligen Messe für mich, ein Opfer, das die Sünden von tausend Welten zu vernichten vermag, und in der heiligen Kommunion hilft Er mir immer und immer wieder, Akte der Reue zu erwecken.
Meine Gegenwart? Ich weiß, dass meine täglichen Sünden und meine Untreue gar wohl bewirken können, dass Du Dein Angesicht von mir wegwendest. Aber im heiligen Opfer und in meinen Kommunionen biete ich Dir vollkommene Genugtuung für alle meine Versäumnisse.
Meine Zukunft? Oh nein, mein Vater, wem könnte ich sie anvertrauen, wenn nicht Dir? Begründet ist allerdings meine Angst vor Deinen Urteilen und ich fürchte sie, damit ich gerettet werde. Aber größer als meine Furcht ist mein Vertrauen; denn meine Furcht hat ihren Grund in mir selbst, mein Vertrauen aber stützt sich auf Dich.
Blicke also, o Herr, auf das Antlitz Deines Gesalbten, Der Sich als Lösegeld für mich hingegeben und Der mir eine Wohnung in dem Hause meines Vaters bereitet hat! Schaue auf Deinen vielgeliebten Sohn, an Dem Du Dein Wohlgefallen hast, und um Seinetwillen wirf auch einen Blick der Liebe und Erbarmung auf mich! Vergib mir, was ich in der Vergangenheit und in der Gegenwart gesündigt, und gewähre mir für die Zukunft so reiche Gnaden, dass ich noch vor meinem Tode vollständige Genugtuung und Ersatz leisten könne!


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all Seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, o mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der Erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest Ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest Ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebten Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deiner Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du Selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Möge sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlösten Seelen, welche jetzt im 20 Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe an jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühmen, so musst du wohl das Gebet der Sünder erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du Selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtsstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
Oh Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



05.02.2020 - 11.02.2020

Das Willkommen eines Kindes
I.
„Ist Er nicht dein Vater, Der dich erworben, Der dich gemacht und erschaffen?“ (Deut 32, 6)


Vor der Kommunion

Dort im Tabernakel, den ich mit meinem Arm umschließen kann, ist alles enthalten; der Gott, von Dem, in Dem, durch Den alle Dinge gemacht sind. „Der Gott meines Lebens.“ (Sir 23,4) „Der Gott, Der meinen Odem in Seiner Hand hat.“ (Dan 5,23)
Und dieser Gott ist mein Vater. Zu dem Bande, das mich an Ihn bindet, als Sein Geschöpf und Seinen Diener, hat Er das der Kindschaft hinzugefügt. Diener Gottes ist ein so großer, edler Titel, dass Er Selbst ihn seinen besonderen Günstlingen beilegt: „Mein Diener Abraham (Gen 26,24); Mein Diener Jakob (Is 14); Mein Diener Moses (Num 12,7); Mein Diener Job.“ (Job 42,7) Immer und immer wieder gibt er wohlwollende Versprechungen „um meines Dieners David willen“. (3 Reg 11,13)
Im neuen Gesetze, dem Gesetze der Liebe, rühmen sich die Auserwählten Gefährten und Freunde unseres Herrn des Namens Diener. „Simon Petrus, Diener und Apostel Jesu Christi“; „Paulus, ein Diener Jesu Christi“.
Aber dieses Band war nicht fest genug für die Liebe Dessen, der uns Seinen eingeborenen Sohn als Bruder gab. „Sehet, welche Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Kinder Gottes heißen und sind“ (1 Joh 3,1), ruft Johannes, der Lieblingsjünger, aus, der einzige unter den Aposteln, der sich in seinen Episteln nicht den Namen Diener beilegt. „Geliebteste, jetzt sind wir Kinder Gottes,“ ruft er voll Entzücken aus! „Daher sind wir nicht Diener, sondern Söhne.“
„Vater“ ist der Name, den unser Herr selbst uns auf die Lippen legt, und dieser Name verleiht alles das, was er bedeutet: „Wenn aber Sohn, dann auch Erbe.“ (Gal 4,7) Er gibt uns das Recht, zu unserem himmlischen Vater zu treten als „die lieben Kinder“ (Eph 5,1) und in all unseren Nöten „Abba, Vater“ zu rufen. Der Vater ist der Ernährer der Familie. Wir rufen zu unserem himmlischen Vater um unser tägliches Brot, um die Nahrung der Seele nicht weniger als um die Nahrung des Leibes. Der Ruf unseres Herzens betrifft uns selbst: „Meine Seele dürstet nach Gott.“ (Ps 41, 3) „Gleich wie ein Hirsch verlangt nach Wasserquellen, also verlangt meine Seele nach dir, oh Gott!“ (Ps 41, 2) „Und Er erfüllte Ihnen Ihre Wünsche; es wurde ihnen das nicht entzogen, um was sie baten.... Er gab ihnen Himmelsbrot; Engelsbrot aß der Mensch.“ ( Ps 77,24 f.) „Du nährtest dein Volk mit Engelsspeise und gabst ihnen Brot vom Himmel, bereitet ohne Arbeit, das alle Annehmlichkeit und jeglichen Geschmackes Süßigkeit in sich hatte. Denn diese Deine Speise machte offenbar, wie gütig Du gegen deine Kinder bist.... Deine Kinder, oh Herr, die Du lieb hast!“ (Weish 16,20 ff.)
Ein Kind, das sich auf die erste Kommunion vorbereitete, sagte: „Ich finde es ganz wunderbar, dass Gott unsere Nahrung werden soll; denn, ich glaube“, fügte es zögernd hinzu, „das kann ihm doch nicht gefallen.“ Dann und wann kommt auch uns, gleich jenem Kinde, blitzartig aufleuchtend die Einsicht, in welche unbegreifliche Tiefe Gott in diesem Geheimnisse hinabsteigt; doch wie ein Blitz verschwindet sie auch wieder, und wir blicken auf zu Ihm in der Hostie und Er kommt zu uns an die Kommunionbank und der Schleier ist so dicht wie immer; wir können nichts tun, als „Credo“ rufen und jenen Tag erwarten, an welchem dieses Credo sich auflöst in das „Schauen von Angesicht zu Angesicht“.
„Das ist Gott, unser Gott.“ (Ps 47,15)
Doch die Liebe wird durch die Ehrfurcht nicht beeinträchtigt und unsere Ehrfurchtsbezeigungen halten die unendliche Majestät Gottes nicht ferne. Als Geschöpf liegen wir zu den Füßen unseres Schöpfers; als Kinder umringen wir die Knie des Vaters, verkehren vertraulich mit Ihm, tragen Ihm alle unsere Nöte vor, freuen uns in Seiner Gegenwart und schätzen uns glücklich, weil Sein Auge auf uns ruht und weil dieses Auge bis in das Innerste unserer Herzen blickt. Seine eigene unendliche Vollkommenheit ist Ihm hinlänglicher Ruhm. Er sieht ab von den Formalitäten irdischer Höfe und ist zufrieden mit der einfachen Huldigung des geringsten seiner Untertanen, des jüngsten seiner Kinder.
Mein Gott, ich bin nicht erstaunt über so manche Wunder, die mich mein Glaube, in Bezug auf Dich, lehrt: Dein absolutes Sein, Deine Ewigkeit, Deine Allmacht, Deine Unendlichkeit in jeder Vollkommenheit. Aber dass Du, der Inbegriff aller Seligkeit, in Liebe zu Deinem kleinen Geschöpfe entbrennst, das ist unbegreiflich, fast unglaublich. Welche Freude, dass mein Glaube unter anderen Geheimnissen mich lehrt, dass, wenn ich zitternd vor Dir erscheine, um mich mit Dir zu vereinigen, Du liebend zu mir sprichst: „Mit Sehnsucht habe ich verlangt.“
Komm also, Vater, lass Dich herab zu dem Willkommen, das ich zu geben imstande bin! Neige dich huldvoll und empfange meine Anbetung, meine Danksagung, meine Ehrfurchtsbezeigung und meine Liebe!



Nach der Kommunion
Gesegnet sei Gott, der Herr, heute!“ (3 Reg 5,7)
„Lobe, meine Seele, den Herrn und vergiss nicht alle Seine Wohltaten!“ (Ps 102, 2)
„Lobsinget unserm Gott, alle Seine Diener und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Lobet den Herrn, denn gut ist der Herr; lobsinget Seinem Namen, denn Er ist lieblich!“ (Ps 134, 3)
„Er hat gesättigt die arme Seele, die hungernde Seele gesättigt mit Gütern.“ (Ps 106,9)
„Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft.“ (Offb 4,11)
„Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in alle Ewigkeit. Amen!“ (Offb 7,12)
O könnte ich ganz und gar mir die furchtbare Wahrheit vergegenwärtigen, dass ich in meinem Herzen, als mein Eigentum, meinen Schöpfer und Vater besitze, Ihn, von Dem ich ausging, Ihn, zu Dem ich zurückkehre, der mein ewiges Geschick in Seinen Händen hält. Ihn, mit Dem ich viel enger verbunden bin als mit irgendeinem anderen Geschöpfe! Ein treuer Diener, ein Vertrauter, ein Freund, ein geliebtes Kind - all das bin ich meinem Gott, Der mich erschuf. Habe ich nicht Ursache zur Freude im Dienste Gottes, zur freiwilligen Hingabe alles dessen, was ich bin und habe, zur Anbietung von Diensten, die keine anderen Grenzen haben als meine Niedrigkeit und Schwachheit.

Mein Gott, Der Du willst, dass ich Dich Vater nenne, gib, dass ich Dich als Vater ehre, und Dir als meinem Vater diene! Lege in mein Herz all die Eigenschaften, die Du mit Recht von Deinen Kinder erwarten kannst! Gib mir jenen erhabenen Gedanken der Gotteskinder, die Deinen Ruhm und Deinen Dienst zum Ziel ihrer Wünsche machen, die sich als treue Diener, aber auch zugleich als „überaus liebe Kinder“ erweisen! Ernstlich wünsche ich das größte und erste all Deiner Gebote zu erfüllen, Dich aus meinem ganzen Herzen und aus meiner ganzen Seele zu lieben, aus meinem ganzen Gemüte und aus allen meinen Kräften. Lass mich Dich lieben aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele dadurch, dass ich Dir alle meine Gefühle weihe! Sei Du immerdar der Erste in meinem Herzen! Wenn ich Dich auch nicht mit jener Innigkeit lieben kann, mit welcher ich Dich in der Ewigkeit lieben werde, o gib, dass ich Dich wenigstens ehre durch jene Liebe, die Dich und deine Angelegenheiten allen Geschöpfen und allen Dingen vorzieht! Lass mich Dich lieben aus meinem ganzen Gemüte, indem ich alle meine Gedanken und Werke nicht auf ein selbstsüchtiges Ziel richte, sondern auf die Heiligung Deines Namens und die Erfüllung Deines Willens in allen meinen Standespflichten! Lass mich Dich lieben aus allen meinen Kräften durch ausdauernde Anstrengung, meinen Willen in Einklang mit dem Deinigen zu bringen, trotz aller Gebrechlichkeit und aller Fehltritte! Lass mich Dich lieben, nicht nur in Worten, sondern in der Tat und in Wahrheit! Lass mich Geschmack finden an harter Arbeit in Deinem Dienste und gib, dass ich für Dich, für Deine Kirche und zum Heile der Seelen bereitwillig Mühen und Opfer auf mich nehme!
O Vater, wenn ich heimkehre von meiner langen Lebensreise, nimm mich in Deine Arme; lege mein Haupt an Deine Brust als Ersatz für meine lange Trennung von Dir, für meine mühevolle Suche nach Dir, für die Furcht, D ich nie zu erreichen, die mich lebenslänglich verfolgte, für die durch meine Sündhaftigkeit zu oft hervorgerufene Trennung von Dir, für die Armseligkeit meines Dienstes, die ich teilweise selbst verschuldete und die teilweise, o Schöpfer, das Ergebnis der hinfälligen Natur ist, die Deine Hände geschaffen! Wenn ich mich dann an Deine Brust schmiege und Deine Arme mich umschlingen, so nimm meine ersten glücklichen Tränen hin als Anbetung, Danksagung, Sühne und kindliche Liebe, die ich Dir so lange vorenthalten habe und die Du in Deinem väterlichen Mitleid, wie ich hoffe, als Ersatz für die Vergangenheit annehmen wirst!


Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all Seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, o mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der Erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir dir mit Ihm nicht alles gegeben?


Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest Ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest Ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebten Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deiner Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du Selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Möge sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlösten Seelen, welche jetzt im 20 Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe an jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühmen, so musst du wohl das Gebet der Sünder erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du Selbst bist in mir.
O Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtsstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
Oh Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“


27.01.2020 - 04.02.2020

Das Willkommen eines Geschöpfes
II.

Aus der Tiefe


Vor der Kommunion

O mein Gott, ich wollte, ich könnte nach der Kommunion vor dir hinsinken, tief und immer tiefer, bis zu jenem Gerade der Selbsterniedrigung, der dem ursprünglichen Nichts des Geschöpfes entspricht. Aus dieser Tiefe Dich anzubeten, das wäre mein Wunsch. O möchte Deine göttliche Majestät meine Anerkennung des unendlichen Abstandes zwischen mir und Dir als würdige Anbetung und Verherrlichung annehmen! Ich vereinige mich mit all jenen, die, von Dir erleuchtet, diesen Abgrund der Selbsterniedrigung erreicht haben. Mit den himmlischen Hierarchien, die in Deiner Gegenwart sich umso tiefer beugen, je edler sie sind, je näher sie deinem Throne stehen, je mehr sie Dich lieben und je mehr sie von Dir geliebt werden; ich vereinige mich mit den erhabenen Geistern, die vor Deinem Antlitz sich verhüllen, mit den vierundzwanzig Ältesten, die ihre Kronen zu Deinen Füßen niederlegen, mit jener, die sich eine Magd des Herrn nannte, die Dich anbetet aus der Tiefe einer Erniedrigung, die wir nie ergründen, nie begreifen können; mit Deinem wesensgleichen Sohn, wahrer Gott vom wahren Gott, Der, als Mensch, sich tief vor Dir erniedrigt. Von jenem Abgrunde aus, der mir als Geschöpf gebührt, in Vereinigung mit allen Geschöpfen, bete ich Dich an, oh mein Gott. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr!
Gibt es einen tieferen Abgrund als diesen? Kann etwas über dem Nichts sein oder unter demselben? Ja, denn dieser Abgrund ist zwar tief, aber er ist nicht dunkel. Er bedeutet unermessliche Entfernung des Geschöpfes von seinem Schöpfer: diese Entfernung jedoch trennt nicht. Im Gegenteil, sie bahnt eine Annäherung, eine Verbindung an durch die gegenseitigen Beziehungen zwischen Überfluss und Dürftigkeit. Die Sünde aber ist schwarz und abstoßend, ihr Ende ist vollständige und ewige Trennung des Schöpfers von dem Werke seiner Hände.
Was ist Sünde? Sie ist die ins Werk gesetzte Leugnung der Ansprüche Gottes auf unsern Gehorsam. In überlegter Weise kehren wir gegen Ihn die Gaben, die wir aus Seiner Hand empfangen haben; zu gleicher Zeit klammern wir uns an diese Hand und erwarten von ihr Leben und alle Genüsse, die das Leben bringt. So habe auch ich gehandelt, als ich sündigte. Das ist der tiefere Abgrund. Weit über ihn erhebt sich die Oberfläche der Schöpfung, beleuchtet von dem Sonnenschein der Göttlichen Liebe. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr!
Außer diesen beiden Abgründen gibt es noch einen, nämlich den Abgrund des Mangels, entstanden aus den beiden andern. Der Mangel des Geschöpfes ist vollständig. Nichts besitzt es aus sich selbst. Bis in sein innerstes Wesen ist es auf ewig von des Schöpfers Willen abhängig. Das natürliche Leben seines unsterblichen Geistes ist zwar von ewiger Dauer und nur durch denselben Akt der Allmacht, der es ins Dasein rief, kann es zurückgenommen werden. Aber alles, was das wirkliche Leben ausmacht, ein Leben, das diesen Namen verdient, das Glück, das aus der vollen Tätigkeit und Befriedigung seiner Kräfte entspringt — all dies ist des Geschöpfes Not; das ist das unermessliche Bett des Ozeans, das einzig und allein Der ausfüllen kann, Der es geschaffen. Aus der Tiefe rufe ich zu Dir. Ein Abgrund ruft dem andern zu.
Wie aber kann ich bemessen die Not, in welche die Sünde mich gestürzt? Aus mir selbst besitze ich nichts, womit ich die Unerträglichkeit meiner unsterblichen Seele stillen könnte.
Gott ist das Ziel, für das ich geschaffen wurde, das ich erreichen muss, wenn ich nicht immer und ewig in fruchtlosen Wünschen mich verzehren will. Und von Ihm habe ich mich losgerissen! Mit welchen Worten kann ich beschreiben, wie notwendig mir die Gnade ist, die mich wieder mit ihm vereinigt? Abyssus abyssum invocat! Aus der Tiefe rufe ich zu dir, o Herr!



Nach der Kommunion

„Herr, Herr allmächtiger König! Du hast Himmel und Erde gemacht und was in des Himmels Umkreis enthalten; Du bist der Herr über alles und es ist keiner, der Deiner Majestät widersteht.“ (Esth 13,9) Woher kommt es, dass mein Herr zu mir kommt?
Niedersinke ich in Deiner Gegenwart, tief, immer tiefer; wie der Funke des fernsten Sternes vom Himmelsraum niederfällt, so sinke ich in Deiner Gegenwart weiter, immer weiter hinab, bis ich die dem Geschöpfe gebührende Stelle erreiche, den Punkt, auf welchem es durch des Schöpfers Wort aus Seinem Nichts entsprang. O, wenn es mit dieser Tiefe abgetan wäre! Aber tiefer und dunkler als der leere Raum des Nichts ist der Abgrund der Sünde. Und in diese Untiefe hat Deine Hand hinabgegriffen, um mich zu retten. In dieses Elend hat Ihn Sein Herz hinabgezogen, um mich zu lieben. Ja, zu dieser Verkommenheit hat Er sich herabgebeugt, um mich zu Ihm emporzuziehen.
„Lobsinget unserm Gott, alle Seine Diener, und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb 19,5)
„Denn Großes hat an mir getan, Der da mächtig und Dessen Namen heilig ist.“ (Lk 1,49)
„Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115/12)
Lobe, meine Seele, den Herrn und vergiss nicht alle Seine Wohltaten!“ (Ps 102,2)
„Lobet den Herrn vom Himmel her! Lobet Ihn in den Höhen! Lobet Ihn, alle Seine Engel, lobet Ihn, alle Seine Heere!“ (Ps 148,1 ff)
„Singet dem Herrn, lobsinget Ihm, erzählt alle Seine Wunder!“ (Ps 104,2)
„Lobet den Herrn, denn Er ist gut; denn in Ewigkeit währet Seine Barmherzigkeit!“ (Ps 105,1)
Aus der Tiefe. Schrecklich, o mein Gott, ist die Stimme der Sünde, die im grellen Missklang der Herausforderung zum Throne Deiner Majestät emporsteigt, zu jeder Stunde, im Geräusche des Tages und in der Stille der Nacht. Ich aber freue mich in dem Gedanken, dass sie nicht, ja bei weitem nicht jene ruhige Höhe erreichen kann, wo Du thronest in unzugänglichem Lichte, dessen Reinheit sie ebenso wenig trüben kann, wie das Feuer und der Donner unserer Kanonen die weit entlegenen Sterne stören. Ich rühme mich meiner Armseligkeit, durch welche die Möglichkeit, Dich zu beleidigen, eingeschränkt ist. Dank meiner endlichen Natur bin ich zu einem unendlichen Akte unfähig. Doch dadurch, dass Du selbst Dich mir hingabst, habe ich Gewalt über Unendliches. Daher kann ich meine Sünde größer machen, als meine Übeltat gewesen. Gesündigt habe ich vor Deinen Augen, doch nicht mit einer Bosheit, die unendlich ist. Mit Christus im Herzen kann ich Dir unendlichen Ruhm, unendliche Ehre erweisen. Dank sei Dir gesagt für Deine unaussprechliche Gabe. Zur Sühne für meine Undankbarkeit bringe ich Dir dar den Dank deines vielgeliebten Sohnes. Zum Ersatze für die Unwürdigkeit, mit der ich Dich behandelt habe, für alle meine Unehrerbietigkeit in Deiner heiligen Gegenwart, opfere ich Dir Ihn auf, Ihn, Der um Seiner Ehrerbietigkeit willen erhört wurde. Zum Ersatz des Dienstes, den ich Dir schulde, und den ich Dir so lange verweigert habe, opfere ich Dir den unendlichen Wert der Werke Dessen, Der stets alles tat, was Dir gefiel. Zur Genugtuung meiner Kälte, Unachtsamkeit und Herzlosigkeit gegen Dich, meinen Schöpfer und Vater, bringe ich Dir die unendliche Liebe Deines zärtlich geliebten Sohnes dar, all Seinen Eifer in Deinem Dienste, alle Arbeiten und Leiden Seines Erdenlebens, Seine Gleichförmigkeit mit Deinem Willen, der die Richtschnur all Seiner Gedanken, Worte und Werke war. Blicke auf das Angesicht Deines Sohnes und um Seinetwillen blicke auch auf mich mit Liebe und Erbarmen!



Aufopferung

„Was soll ich dem Herrn opfern, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor dem hohen Gott?! (Mich 6,6)
Ich habe nichts, das ich nicht von Ihm empfangen hätte. Aber auch Seine eigenen Gaben will Er aus meiner Hand annehmen, als ob sie nicht bereits Sein Eigen wären; als ob Er derselben bedürfe, und für deren Schenkung will Er Sich mir zum Schuldner machen. O liebevoller Erlöser, wie unendlich ist Deine Herablassung gegen mich, Dein armseliges Geschöpf; wie zärtlich ist Dein Mitleid gegen mich, Dein schwaches Kind!
Ich komme also zu Dir mit allem, was ich bin und habe. Ich opfere Dir meine Seele, mein Leid, alle Güter dieses Lebens, mit denen Du mich gesegnet — meine Familie, meine Freunde. meine Arbeit, meine Erholungen, meine Verantwortlichkeit, meine Ängste, meine Versuchungen und Gefahren, meine Wünsche und Enttäuschungen, alle Zustände und Wechselfälle des Lebens, all Seine Leiden und Freuden, alle meine Interessen für diese und die zukünftige Welt, mein Leben und meinen Tod, alles opfere ich Dir auf, o mein Gott!
Und da das alles doch nur eine wertlose Gabe ist, so fasse ich zusammen und bringe Dir dar die Ehre und den Ruhm, der Dir vom Anbeginne dargebracht wurde und der Dir in alle Ewigkeit dargebracht wird von allen Geschöpfen: die ununterbrochene Anbetung der Engel; die Arbeiten der Apostel und Missionare, um die Kenntnis Deines Namens auszubreiten; die Standhaftigkeit der Märtyrer und der Menge sanftmütiger Dulder, die Dir, ihr Kreuz tragend, nachgefolgt sind; die Geduld der Bekenner und all jener, die in dem steten Ringen mit sich selbst trotz Ermüdung und Niederlage, unermüdlich ausgeharrt haben; all die Reinheit der Jungfrauen; all die Tränen jener, die ihre Kleider weiß gewaschen haben im Blute des Lammes. Ich freue mich über die Liebe und Anhänglichkeit Deiner treuen Diener und opfere Dir dieselbe auf zur Sühne meiner Kälte und meiner Trägheit. Ich vereinige mich mit der vollkommenen Anbetung und dem Dienste Deines einzig vollkommenen Geschöpfes, der allerseligsten Jungfrau, der Erhabensten Würde, die sich am tiefsten vor Dir erniedrigte. Ich opfere Dir auf den Gottesdienst, der allein Deiner würdig und Deiner Hoheit entsprechend ist — das Lob, die Ehrerbietung, den Gehorsam Deines eingeborenen Sohnes; alle die Leiden Seiner Kindheit, die Entbehrungen Seiner Jugend, die Mühseligkeiten und Verfolgungen Seines Mannesalters, die Qualen Seines bitteren Leidens, die Herrlichkeit Seiner Auferstehung, Seine Fürbitte für uns im Himmel zu Deiner Rechten, das unaussprechliche Geschenk Seiner wirklichen Gegenwart unter uns bis zum Ende der Zeiten, das reine und immerwährende Opfer mit Seinen unendlichen Verdiensten, das Deinem Namen an jedem Orte, in der ganzen Welt, dargebracht wird,. Blicke, oh Gott, unser Beschützer, blicke auf das Angesicht Deines Gesalbten! Wie, haben wir dir mit Ihm nicht alles gegeben?



Bitte

O, dass du Gottes Geschenk erkennen möchtest! O Kind, wenn du wüsstest, welche Macht du über Mein Herz hast, du würdest Ihm eine heilige Gewalt antun, du würdest Ihm jene Gnaden entreißen, die diejenigen davontragen, die Gewalt gebrauchen! Du würdest Sünder retten, die im Begriffe stehen, ihre letzte Gnade zurückzuweisen. Du würdest Kinder retten, die von ihren Eltern verlassen und dem Tode preisgegeben sind. Du würdest unverzüglich den Seelen, die um dein Mitleid flehen, den Himmel öffnen. Du würdest die Hände Meiner vielgeliebten Missionare, die Meinen Namen zu jenen tragen, die Mich noch nicht kennen, stärken und ihre Herzen erfreuen. Du würdest das Licht des Glaubens für jene gewinnen, die es suchen, und Kraft für die, so den Schatz gefunden, denen es aber an Mut gebricht, alles hinzugeben, um ihn zu erwerben. Wenn du verkündest, was Ich für dich getan, dadurch, dass Ich Mich Selbst dir gab, „wenn dein Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkörnlein“ (Mt 17,19), so würdest du deine Hand zu großen Dingen ausstrecken. Bis zu den äußersten Grenzen der Erde und über die Erde hinaus, hinüber zu dem traurigen Orte der Reinigung, wo es Seelen zu erlösen gibt; würde die Frucht deiner Kommunion reichen.
O Herr, könnte ich dir den Weg zu jedem Herzen bahnen, könnte ich die Schlüssel zu jeder Festung auf der ganzen Welt in Deine Hände legen! Doch sie sind ja in Deinem Besitze. In Deiner Hand sind nicht nur die Schlüssel zum Himmel und zur Hölle, sondern auch die Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Mag die Handhabung auch noch so schwierig sein, mag der Rost der Jahre das Öffnen erschweren, Deiner Berührung weicht jedes Hindernis. Du hältst den Schlüssel, ja Du Selbst bist der Schlüssel. „O Schlüssel Davids, Du öffnest und niemand schließet, Du schließest und niemand öffnete; komme und befreie die Gefesselten, die in Dunkelheit und Todesschatten sitzen!“ Ich flehe Dich an für all die meinigen, für alle jene, die Du mir gegeben, damit ich in Liebe für sie Sorge. O möchte meine heutige Kommunion Schutz und Wachstum in der Gnade für sie sein!
Mögen sie Licht, Kraft und Trost sein unserem Heiligen Vater, dem Papste, allen Bischöfen und Priestern, allen, die Seelen zu gewinnen trachten, den Armen, den Leidenden, den Versuchten, den Kindern! Wie der Strom des lebendigen Wassers durch das himmlische Jerusalem fließt, so möge die Gnade dieser meiner Kommunion durch die Kirche fließen; ihre Frucht möge die Heilung der Völker sein! Möge sie zukommen jeder Seele, die außerhalb der sichtbaren Kirche ist, meinen Verwandten und Freunden, den armen Heiden, die außer dem Bereiche der Gnade der Sakramente stehen. Oh Jesus, mein Mut sinkt bei dem Gedanken an die 900 Millionen erlösten Seelen, welche jetzt im 20 Jahrhundert den Namen ihres Erlösers noch nicht gehört haben. Sende Arbeiter in Deinen Weinberg und erinnere Dich in Liebe an jene Menge, die Du mit Deinem Blut erkauft hast! Man sagt, die heilige Theresia hätte Dir ebenso viele Seelen gewonnen, als der heilige Franziskus Xaverius. Das Bedürfnis nach dem fürbittenden Gebete ist nicht geringer als in jenen Tagen, und da es nicht genug Heilige gibt, Deine Barmherzigkeit zu rühmen, so musst du wohl das Gebet der Sünder erhören. Höre mein Gebet; am heutigen Tage hat es mehr Kraft und Wirksamkeit — es ist Dein eigenes, denn Du Selbst bist in mir.
Oh Herz Jesu, Arche der zugrunde gehenden Welt, zu Dir fliehen all die Auserwählten, um sich vor dem Zorn Gottes und dem Sündenstrome zu schützen. Ziehe in diese Zufluchtsstätte nicht nur jene, die sie suchen, sondern auch jene, die sie nicht suchen und die derselben am meisten bedürfen! Dein Herz wurde auf Golgatha geöffnet, um uns einzulassen, und bleibt geöffnet immerdar, auf dass alle, welche wollen, durch Dich gerettet werden. Und wenn der letzte der Auserwählten durch Dich zum Heile gelangt sein wird, dann wird die Türe geschlossen und der hereinbrechende Zorn Gottes wird alles verzehren, was sich nicht darin befindet.
Oh Herz Jesu, Heil derer, die auf Dich hoffen, habe Erbarmen mit uns! Herz Jesu, das uns vor dem bevorstehenden Zorne gerettet hat, ziehe alle Menschen an dich, zwinge sie einzutreten, auf dass die Zahl der Geretteten vermehrt werde! Wo nur immer eine Versuchung zu überwinden, die Unschuld zu bewahren, der Tod zu Wasser oder zu Lande zu vermeiden, wo die Gnade der Beharrlichkeit zu sichern und das Gute zu unterstützen ist, wo es einen Schwachen zu stärken, einen Gefallenen zu erheben, einen traurigen zu trösten gibt — dorthin lasse die Frucht meiner Kommunion gelangen!



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



20.01.2020 - 26.01.2020

Das Willkommen eines Geschöpfes
I.
„So wisse also heute und nimm es zu Herzen, dass er, der Herr, Gott ist und kein anderer.“ (Deut 4,39)


Vor der Kommunion

Hierin liegt meine beste, meine fruchtbarste Vorbereitung für die Kommunion, eine Vorbereitung, die von Gott selbst empfohlen ist — nämlich in meinem Herzen die fruchtbare Wahrheit zu überlegen, dass Derjenige, Der zu mir kommt — Gott ist.
Du bist klein, mein Herz, sehr klein; es ist kein Raum in dir in diesem Augenblick für irgendeinen anderen Gedanken, wenn dieser so hohe, so tiefe, so weite Gedanke in dich eingehen und von dir Besitz ergreifen soll. Hinweg also mit allen irdischen Bildern; verschließe fest den Eingang in sein Heiligtum, dass kein Lärm von außen hierher gelange und dich störe. Lenke all deine Kräfte auf diesen Gedanken: Derjenige, welcher zu dir kommt, ist Gott, Der keinen Anfang hat, für Den die Zeit ein Punkt ist, der unzugängliches Licht bewohnt, Der gewissermaßen nicht Vollkommenheiten besitzt, sondern Selbst die eine vollendete Vollkommenheit ist.
„Schöpfer des Himmels und der Erde und aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.“ „Herr aller Geschöpfe.“ (Jud 9,17) Ursprung der Urbilder aller Geschaffenen, aber auch aller bloß möglichen Dinge. „Siehe, des Herrn, deines Gottes, ist der Himmel, und der Himmel der Himmel, die Erde, und alles, was darin ist.“ (Deut 10,14) Von Ihm ist jede Form und Farbe, jede Harmonie, jeder Wohlgeruch, alle Güte, Wahrheit und Schönheit, alle Majestät und Heiligkeit, alle Liebe und Treue, alle Zärtlichkeit und Süßigkeit, aller Friede und alle Ruhe, was immer ein Geschöpf an Schönheit, Fruchtbarkeit und Güte besitzt. „Der da ist über alles, Gott, hochgelobt in Ewigkeit.“ (Röm 9,5)
Derjenige, Der zu mir kommt, ist Jesus Christus, der Eingeborene des Vaters, Sohn Gottes, gezeugt vom Vater vor aller Zeit, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, gleichen Wesens mit dem Vater; durch Welchen alles erschaffen ist; Welcher wegen uns Menschen und wegen unseres Heiles vom Himmel herabgestiegen ist und Fleisch angenommen hat durch den Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau und Mensch geworden ist; Der für uns auch gekreuzigt wurde, Der unter Pontius Pilatus gelitten hat und begraben wurde; Der am dritten Tage wieder auferstanden nach der Schrift und aufgefahren ist in den Himmel, wo Er sitzet zur Rechten des Vaters und wiederkommen wird mit Herrlichkeit, zu richten die Lebendigen und die Toten; und Seines Reiches wird kein Ende sein.
Derjenige kommt zu mir, Der meine Natur annahm, um mich zu retten, zu gewinnen und in Sein Reich zu führen; Der in dieser Natur litt und Der in dieser Natur, zur Rechten des Vaters sitzend, mich erwartet. Für mich, als wäre ich allein, ist Er Mensch geworden, für mich, als ob sonst niemand wäre, gab Er Sein Leben am Kreuze hin. Für mich ist Er wieder auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Für mich bittet Er dort oben und bereitet mir einen Platz. „Siehe, dein Heiland kommt!“ (Is 62,11) „Amen, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20)
Derjenige, Der da kommt, ist Herr und Lebensspender, Der ausgeht vom Vater und dem Sohne; Der mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht wird. „Mein Geist wird in eurer Mitte sein; fürchtet euch nicht!“ (Apg 2,6) „Der Geist des Herrn wird über dich kommen und du wirst in einen neuen Menschen verwandelt werden.“ (1 Sam 10,6) „O, wie hast Du Deine Barmherzigkeit verherrlicht, o Gott!“ (Ps 35,8) „Was soll ich dem Herrn vergelten für alles, was Er mir gegeben hat?“ (Ps 115,12) „Dich sollen preisen, o Herr, alle Deine Werke und Deine Heiligen dich rühmen!“ (Ps 144,10)



Nach der Kommunion

„Ehre sei Gott in der Höhe!“
Ehre sei Gott für eine Herablassung, größer als die Erniedrigung zu Bethlehem und auf Kalvaria, denn in den engen Windeln und am Kreuze war Selbstbestimmung und Freiheit. Doch in der Hostie hat Er Sich Selbst verleugnet. Vor der Krippe lag anbetend seine Mutter; unter dem Kreuze standen vor Liebe und Anhänglichkeit einige treue Seelen. Aber hier! Herr, woher geschieht mir dies, dass Du zu mir kommst? Ehre Dir in der Höhe, in dem Schoße des Vaters von Ewigkeit! Ehre Dir in der tiefsten Erniedrigung, wozu Deine Liebe Dich drängt in Deiner heutigen Herabkunft zu mir!
„Und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!“
Friede dieser meiner Seele, zu welcher der Friedensfürst gekommen ist, Friede; denn trotz all meiner Armut, Schwäche, Unbeständigkeit hoffe ich, guten Willen zu haben. Darauf kannst Du bauen, o Herr, und wenn ich Dir guten Willen entgegenbringe, wirst Du zufrieden sein. Aber soll der gute Wille wahrhaft sein, da muss er der Leitung Deiner Gnade folgen, muss bereit sein zu Anstrengung und Selbstverleugnung. Und ich bin so schwach! Gib mir Kraft, o Herr! Du weißt, ich bin voll guter Wünsche, doch wenn die Zeit zum Handeln kommt, wenn sich die Gelegenheit bietet, Dir auf meine eigenen Kosten zu dienen, so sträube ich mich. Und so neige ich immer „nach zwei Seiten“ (3 Reg 18,21), bin immer unruhig, unzufrieden, denn wer hat Dir widerstanden und Frieden gehabt? Ich bitte um Stärke, o Herr! Du hast mir Wünsche gegeben; gib mir, was Du mir eben so leicht zu geben vermagst, die Kraft, sie auszuführen! Und so werde ich den Frieden verdienen, der den Menschen, die guten Willens sind, verheißen ist.
„Wir loben Dich, wir preisen Dich, wir beten Dich an, wir verherrlichen Dich!“
Ich und meine Seele werden sich erfreuen in Ihm, sagte Tobias, als wollte er in der Fülle seines Herzens sich vervielfältigen, um seinen Lobpreis zu verdoppeln, indem er Unmögliches wünscht, gleich Maria, als sie Gott verherrlichte. Ich und meine Seele wollen sich in Dir erfreuen, o Gott, mein Heiland, der Du in mir wahrhaft zugegen bist. Wir preisen Dich für alles, was Du in Dir selbst bist; wir preisen Dich für alles, was Du uns bist. Wir beten Dich an als unseren Schöpfer und unseren Gott, als den überaus starken Gott. (Gen 46,3) „Herr aller Geschöpfe!“ (Jud 9,17) „Du hast Himmel und Erde gemacht und was in des Himmels Umkreis enthalten ist.“ (Esth 13,10) Wir loben Dich als Kindlein in der Krippe und preisen Dich in jeder deiner äußersten Herablassung als Gast in unserer Seele.
„Wir sagen Dir Dank wegen Deiner großen Herrlichkeit!“
Wir sagen Dir Dank für Dein unendliches Mitleid mit Deinen Geschöpfen, dem Werke Deiner Hände, und für die Wunder, die Du für uns gewirkt hast in Deiner Erlösung, in Deiner Kirche und Deinen Sakramenten; in der Eucharistie, die Du zum Gedächtnis all Deiner wundervollen Tage eingesetzt hast. Aber vor allem für Deine große Herrlichkeit, o Herr, Gott, himmlischer König. Gott, allmächtiger Vater! O Herr Jesus Christus, eingeborener Sohn! „Gebenedeit bist Du, o Herr, Gott Israels, unsers Vaters, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Dein, o Herr, ist die Herrlichkeit und die Macht und die Ehre und der Sieg, und Dir das Lob; denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, ist Dein; dein, o Herr, ist das Reich und Du bist über alle Fürsten. Dein ist der Reichtum und Dein ist die Ehre: Du herrschest über alle; in Deiner Hand ist die Kraft und die Macht. In Deiner Hand ist die Größe und die Herrschaft über alles. Und nun, unser Gott, danken wir Dir und loben Deinen herrlichen Namen.“ (1. Par 29, 10 ff)



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“

13.01.2020 - 19.01.2020

Das Willkommen des Glaubens
II.
„Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!“
(Mk 9, 23)


Vor der Kommunion

Glaube, lebendiger Glaube würde alle unsere geistigen Übel heilen und all unserer Not abhelfen. Nichts als diesen lebendigen Glauben forderte der Herr von denen, die hilfeflehend zu Ihm kamen, als er auf Erden wandelte. Glaube fordert er auch von uns allen. „Er konnte dort nicht viel Wunder wirken wegen ihres Unglaubens“, so wird uns berichtet, als ob diese ungläubige Gesinnung Seine Hände gebunden und sogar Seine Allmacht beeinträchtigt hätte. Andererseits sagte Er zu dem Vater, der Ihn um die Heilung seines Sohnes anflehte: „Wenn du glauben kannst, alles ist dem möglich, der glaubt.“ Er spricht, als ob die Erhörung unserer Gebete viel mehr in unserer Hand als in der Seinigen läge. Dieser arme Vater hatte gesagt: „Wenn Du etwas vermagst, hilf uns, habe Mitleid mit uns!“ Jesus aber sprach zu ihm: „Wenn du glauben kannst, so ist alles möglich.“ Und sofort rief der Vater unter Tränen aus: „Ich glaube; Herr, hilf meinem Unglauben!“ Und von jener Stunde an war der Knabe geheilt. Aus den Worten unseres Herrn erkennen wir, dass Er weiß, wie schwer uns der Glaube fällt, ferner dass er uns zu einem lebendigen Glauben zu führen sucht, indem Er uns den Lohn dafür darbietet, und dass der Glaube alles, was er will, von Ihm erlangt. Er versteht die Schwierigkeit, die uns der Glaube macht. Umgeben von sichtbaren Dingen, fällt uns die Überzeugung schwer, dass das, was wir täglich sehen und mit Händen greifen und das uns so fest und dauernd scheint, doch nichts als ein Schatten ist, im Vergleich mit den unsichtbaren Dingen, in deren Mitte wir einst leben werden. Es fällt uns schwer, die Tatsache festzuhalten, dass wir bei Tag und Nacht, beim Wachen und Schlafen, unter dem Auge Desjenigen sind, Der uns näher ist, als wir selbst uns sein können; dass wir in Ihm leben, uns bewegen und sind, und in Ihm jede Fähigkeit der Seele und des Leibes gebrauchen; dass, unbeschadet unserer Willensfreiheit, Seine Vorsehung doch alle unsere Handlungen so leitet, dass sie zur Vollstreckung seiner Absichten dienen.
Wir sehen so schwer ein, dass diese Vorsehung, welche Schmerz, Kummer, sogar moralische Übel zulässt, doch alles zum Besten der Auserwählten wendet, und dass ohne ihr Wissen kein Haar von unserem Haupte fällt, dass wir, obgleich elend und klein in unseren Augen, doch in den Augen unseres himmlischen Vaters unaussprechlich teuer und kostbar sind, dass Er uns immer gut aufnimmt, wenn wir zu Ihm kommen, und am allerbesten dann, wenn wir kommen, um Vergebung unserer Sünden zu bitten. Schwer fällt uns die Überzeugung, dass dieselbe göttliche Person, die das Haus zu Nazareth heiligte, in jeder katholischen Kirche zugegen ist, nicht bildlich, sondern wirklich und wahrhaftig; dass Derjenige, der mit Seinen zwölf Aposteln längst des Sees dahinwandelte, Der mit ihnen aß und trank, Der schlief, wenn Er ermüdet war, betete, wenn, Kummer Ihn drückte, Der über den Verlust eines Freundes weinte, Der freudigen Herzens erschien, wo immer ein Willkommen Ihn erwartete, und Der trauerte, wenn die Seinigen Ihn nicht aufnahmen, — dass Er noch immer auf Erden weilt, mitten unter uns, mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit, unveränderten Wesens, mit derselben Zärtlichkeit und Liebe, die Ihn während Seines irdischen Lebens Seinen Freunden so teuer machten!
Diese Wahrheiten sind schwer mit so lebendigem Glauben festzuhalten, dass sie uns in Fleisch und Blut übergehen. Daher sagt der Herr: Wenn du glauben kannst. Welch andere Antwort hätten wir, als die Worte des jüdischen Vaters: Ich glaube; Herr, hilf meinem Unglauben!
Bereitwillig hilft Er uns; doch wie überall, so auch hier: Er hilft jenen, die sich selbst helfen. Und wie helfen wir uns? Durch die ruhige Erwägung dessen, was wir durch den Glauben besitzen. Er verlangt von uns keine Anstrengung, um andächtige Gefühle zu erwecken, Er verlangt nur den überlegten Akt des Glaubens. Ganz nahe meinem Herzen ist nach der Kommunion jenes Herz, das mich bis in den Tod geliebt, das sich erschöpft hat in allen Arten von Opfern und Arbeiten, das, um meine Liebe zu gewinnen, sich der lieblichsten Gleichnisse bediente; das Herz, das meinen Undank schmerzlich fühlte und das mich jetzt auffordert, Sühne zu leisten für die Vergangenheit und Liebe mit Liebe zu vergelten. Wie könnte ich, von diesem Beweggründen ausgehend, meinen Glauben beteuern, ohne wenigstens den Wunsch zu fühlen, die verlangte Gegenliebe entgegenzubringen?
Oh Gott, mein Gott, ich glaube fest und unerschütterlich, dass ich im Begriffe stehe, jenes Herz in mein Herz aufzunehmen, das mich bis zum Tode am Kreuze geliebt. Ich glaube an Seine Liebe zu mir. Obgleich ich schwach, unwürdig und wiederholt in Sünden gefallen bin, zweifle ich nicht an deiner Liebe zu mir. Gerade für Seelen wie die meine ist das Wunder des heiligen Sakramentes gewirkt worden — ein Heilmittel gegen jede Krankheit der Seele. Ich glaube, Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben! Du kennst die Schwierigkeiten, die sich mir entgegenstellen, besser als ich selbst. Du weißt, wie die Sorgen des Lebens, die ich jeden Morgen auf mich nehme, mich niederdrücken, meine Gedanken in Anspruch nehmen und mir wenig Zeit lassen für die Erinnerung an dich und die Angelegenheiten meiner Seele. Eben aus diesem Grunde komme ich zu dir und werfe alle meine Sorgen auf dich; aus diesem Grunde übergebe ich meine Seele in deine Hut; aus diesem Grunde vertraue ich dir an meine Leiden und Versuchungen, die arbeitende Hand, den geschäftigen Geist, das Gesamtwerk meines Lebens; richte du es empor, heilige es, mache es verdienstvoll für den Himmel! Mit Deinen Werken vereinige ich die meinigen; ich will sie einzig nur für Dich vollbringen. Ich glaube, dass du wirklich zugegen bist, weil du es gesagt hast. Erinnere dich an Dein Wort: Alles ist dem möglich, der glaubt, und zum Lohn für meinen Glauben heile meine Seele!



Nach der Kommunion

In tiefster Anbetung beuge ich mich vor Dir, o mein Gott und Heiland! Du bist Derselbe, der auf das Wort: „Herr, ich glaube“ das kranke Kind des israelitischen Vaters geheilt hat; Du bist Derselbe. Herr, ich glaube und vor Dir niederfallend bete ich Dich an.
„Betet Ihn an, ihr alle Seine Engel!“ (Ps 96, 7)
„Lobet den Herrn, alle Seine Auserwählten, und danket Ihm!“ (Tob 13,10)
„Lobsinget unserm Gott, Ihr alle Seine Diener, und die ihr Ihn fürchtet, klein und groß! (Offb 19,5)
„Lobsinget Seinem Namen, lasset herrlich erschallen Sein Lob!“ (Ps 65,2)
„Denn Dieser ist Gott, unser Gott in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Würdig bist du, Herr, unser Gott, zu empfangen Preis und Ehre und Kraft.“ (Offb 4,11)
„Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen!“ (Offb 7,12)

Durch Deine Berührung wurde jener arme, kranke Knabe geheilt; tue mir desgleichen; ich glaube fest, dass Du es kannst. Ich hoffe auf Dich, indem ich mein Vertrauen auf Deine Liebe und Dein Mitleid setze. Krank und verwirrt, wie ich bin, übergebe ich mich Deinen Händen. „Wenn Du etwas vermagst,“ so sprach der Vater des armen Knaben. Ich weiß, Herr, dass Du alles vermagst und dass Du mit einem einzigen Wort mir helfen kannst. Überdies weiß ich, dass Dein Wunsch, mir zu helfen, noch größer ist als mein Verlangen nach Hilfe. Ich liebe Dich und danke Dir für Deine Güte und überlasse mich ganz Dir. Dank sei Dir gesagt für die unverdiente Gabe des Glaubens, der mich lehrt, dass Du wirklich und wahrhaftig in mir zugegen bist. Herr, vermehre meinen Glauben, denn in dem Maße, als er wächst, werden Hoffnung und Liebe mit ihm zunehmen! Hilf, dass ich nach diesem Glauben lebe, gib, dass er alle meine Werke durchdringe! Gib, dass ich deine Hand in allen Vorkommnissen dieses Lebens erkenne, dass ich die Leiden mir zunutze mache, dass ich die vergänglichen Dinge der Zeit im Lichte der Ewigkeit betrachte, dass ich lebe für das zukünftige Leben!
„Herr, vermehre meinen Glauben!“ Das war das Gebet Deiner Apostel, das Flehen all Deiner Heiligen. Ihr ganzer Gottesdienst, all ihre Verdienste, die ganze Macht ihrer Gebete, ihr guter Einfluss, ihre Liebe zu Dir, ihre Freude in Dir die ganze Ewigkeit hindurch entspross jenem Keime, — der einst klein war wie das Senfkorn — dem Glauben ihrer Taufe, dem Glauben der einen wahren Kirche.
Auch ich bin ein Kind der Kirche; auch ich habe den Glauben, den die Heiligen haben. O mein Gott, lasse ihn in meinem Herzen Frucht bringen, wie in dem ihrigen! Vermehre meinen Glauben! Gib mir jenen Glauben, der Berge versetzt, der jedes Hindernis, das mich von Dir trennen könnte, aus dem Weg räumt und dem du einst das Lob erteilen wirst: Groß ist dein Glaube!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8, 32)
Was kann ich dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt.“




06.01.2020 - 12.01.2020

Das Willkommen des Glaubens
I.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Joh 20,29)


Vor der Kommunion

Gar viele unter uns können den sehnsüchtigen Wunsch, zur Zeit unseres Herrn gelebt zu haben, nicht unterdrücken. Man darf uns versichern, dass wir gegen die Zeitgenossen Jesu Vorteile genießen, wir verharren doch bei dem Gedanken, dass, wenn es uns vergönnt gewesen wäre, zu Seinen Füßen zu knien, Seinen Blicken zu begegnen, Seine Stimme zu hören, wir unwiderstehlich zu Ihm würden hingezogen worden sein, und dass wir Ihn geliebt hätten mit einer Hingebung, die uns, Gott sei es geklagt, ganz und gar fehlt.
Zwei Gedanken mögen diesen harmlosen, ja sogar nützlichen Wunsch zu unserem Vorteil wenden.
Versetzen wir uns im Geiste an irgendeinen Ort, wo der christliche Glaube noch nicht eingeführt ist, wohin aber immerhin einige Kenntnis von Christus gedrungen; stellen wir uns vor, welches unser Los wäre, wenn wir an diesem Ort geboren worden wären. Wir haben einige Bruchstücke von den Erzählungen des Evangeliums gehört, wir haben vernommen, dass Christus, nachdem er das Werk der Menschenerlösung vollbracht hat, in christlichen Ländern noch immer auf Erden wohnt, um der Trost und die Hilfe Seiner Nachfolger bis zum Ende der Zeiten zu sein, dass dort das Opfer auf Kalvaria alle Tage erneuert wird zur Tilgung der täglichen Sünden. Wir haben gehört, dass Er dort, obgleich Sein Antlitz nicht gesehen noch Seine Stimme gehört wird, Sein Heilswerk unter den Menschen durch Seine wirkliche Gegenwart fortsetzt; dass Er dort Tag und Nacht verweilt, um jeden, der sich naht, willkommen zu heißen, ihn anzuhören, zu trösten, ihm zu helfen, mit dem gleichen Erbarmen wie damals, als Er auf Erden wandelte. Wie groß wäre die Sehnsucht unseres Herzens, in solch einem gesegneten Land geboren und unter Seine Jünger gezählt worden zu sein, so wahrhaftig wie zur Lebenszeit unseres Herrn!
Ferner: Versetzen wir uns im Geiste an jenen Ort, wohin wir — wie wir zuversichtlich hoffen — mit Gottes Gnade eines Tages gelangen werden, an den Ort schmerzlicher Leiden, sehnsüchtigen Wartens, — den Reinigungsort. Während wir dort in unserer Hilflosigkeit schmachten, welche Gedanken werden uns beschleichen über den Tabernakel, über den Kommuniontisch, über jenen „Tag des Herrn“, wo wir ungehindert in Seine Gegenwart kommen und wieder gehen konnten, um unser Herz vor Ihm auszugießen und Hilfe für jede Not zu erflehen. Nie hat während der dreiunddreißig Jahre des Erdenwallens Jesu ein Herz sich so innig nach Seiner sichtbaren Gegenwart gesehnt, wie wir uns sehnen werden nach den Gnaden der heiligen Messe und der heiligen Kommunion jener Zeit, die dann für immer entschwunden sein wird.
Wollen wir diese Gnaden nicht benutzen, solange wir sie haben? „Siehe, jetzt ist die gnadenreiche Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heiles.“ (2 Kor 6,2) „O, dass du die Gabe Gottes kennetest,“ spricht unser Herr, „du würdest dich nicht nach den alten Zeiten, nach Judäa oder Galiläa zurücksehnen. Hier auf dem Altar ist Bethlehem, hier ist Kalvaria. Hier an der Kommunionbank können wir, sooft wir wollen, Jesus von Nazareth begrüßen, Ihn an unser Herz drücken und uns an Ihn schmiegen.
O dass ich meine eigenen Vorrechte mir so zu Gemüte führte, wie ich die meiner Mitmenschen schätze! Warum sollte ich das jüdische Volk oder den kleinen Haushalt zu Bethanien oder die Zwölfe beneiden? Ich habe Deine Worte, lieber Heiland; diese Worte belehren und erwärmen mein Herz; ja ich bin sogar glücklicher als das Volk deines Landes; mit Muße kann ich über Deine Worte nachdenken; in den heiligen Büchern sind sie für mich niedergeschrieben. Sogar den Ton Deiner Stimme kann ich dann und wann vernehmen: „Tabitha kumi”, “Eloi, Eloi lamma sabacthani“. Inmitten des Gewühles und der Hitze des Tages, inmitten der Stille der Nacht darf ich zu Dir kommen, um Dir die Nöte und Ängste meiner Seele und ihre brennenden Fragen vorzutragen. Gleich den heiligen Frauen kann ich Dir von Ort zu Ort folgen, in der Tat Dir meine Liebe beweisen, indem ich nach besten Kräften Dir und den Deinigen diene. Wie die Schwestern im Bethanien kann ich Dich unter meinem Dach aufnehmen und Deinen Worten der Liebe, der sanften Warnung oder des Vorwurfes lauschen. Ich kann Dir die Anliegen meiner Lieben und all jener, die mir und Dir teuer sind, anempfehlen; ich kann mit liebender Vertraulichkeit Dich drängen, wenn Du die Erhörung meines Gebetes verzögerst. Weinen kann ich mit Dir bei den Gräbern, die mir meine Liebsten und Besten geraubt, und mit Martha auf die Verheißung lauschen, dass sie eines Tages mir zurückgegeben werden. In der Stunde der Trostlosigkeit kann ich im Ölgarten an Deiner Seite niederknien und meine Bitte mit Deinem lauten Rufe und Deinen Tränen vereinen. Wenn Leiden mich umwogen, so kann ich zur Geißelsäule eilen oder zum Pfahl der Schmach und Deine Sanftmut in mein Herz einziehen lassen. In jeder Not nahmen Deine Anhänger Zuflucht zu Dir, während Du auf Erden wandeltest; ich kann das gleiche tun. Nur eines wird gefordert — der Glaube. O Herr, vermehre meinen Glauben!



Nach der Kommunion

Tantum ergo sacramentum
Veneremur cernui:
Et antiquum documentum
Novo cedat ritui:
Praestet fides supplementum
Sensuum defectui.

Adoro te devote, latens Deitas,
Quae sub his figuris vere latitas.

Plagas, sicut Thomas, non intueor,
Deum tamen meum te confiteor:
Fac me tibi semper magis credere,
In te spem habere, te diligere.

Tiefgebeugt lasst uns verehren
Dieses große Sakrament!
Dieser Bund wird ewig währen
Und der alte hat ein End.
Fester Glaube soll uns lehren,
Was das Auge nicht erkennt.

In Demut bet’ ich Dich, verborg’ne Gottheit an,
Die ich in Brotsgestalt verhüllt nur schauen kann.

Die Wunden seh’ ich nicht, wie Thomas einst sie sah,
Doch rufe ich gläubig aus: Mein Gott und Herr ist nah!
Gib, dass mein Glaub’ an Dich, die Hoffnung auf Dein Wort,
Und meiner Liebe Glut sich mehre fort und fort.


Selig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben. Und dennoch hast Du gesagt, o Herr: „Selig die Augen, welche die Dinge sehen, so ihr sehet.“ Wahrhaft selig waren die Augen, welche sahen, was Könige und Propheten zu sehen sich sehnten, das Antlitz, in das die Engel zu schauen gelüstet. Wie groß muss die Glückseligkeit sein, die ein solches Glück sogar noch übersteigt! Wie groß der Lohn, wenn nach überstandener Prüfung die Schleier fallen und der Glaube unverhüllt Dein Antlitz schaut!
Aber auch hienieden schon ist der Glaube glückselig; seine Geduld, sein Hoffen, sein Anklammern an Gott, trotz Schwierigkeiten und Finsternissen und trotz des menschlichen Stolzes, dem diese Dinge beschwerlich fallen — all das ist Gottesdienst, ein Gottesdienst von Gott selbst gewählt. Von Anbeginn, o Herr, hast Du den Glauben gewählt als einzigen Weg, um Zutritt zu Dir zu erlangen. Diesen Pfad entlang sind all Deine Heiligen gewandelt. Zum Lohn für ihren Glauben sahen die Blinden, hörten die Tauben, wurden die Aussätzigen rein; so war es, als Du auf Erden wandeltest. Zu allen Zeiten erlangten die Sünder Verzeihung durch den Glauben und die Gerechten Beharrlichkeit bis zum Ende. Wenn ich glaube, dann darf ich, und zwar in dem Maße als ich glaube, Großes von Dir hoffen.
Herr, vermehre meinen Glauben! Gib mir den Glauben jener Generationen von Heiligen, die hienieden nie dein Antlitz schauten: den Glauben einer Agnes, eines Augustinus, einer Theresia, eines Thomas von Aquin und eines Ignatius! Sie sind meine Brüder und Schwestern im Reiche Gottes, nicht getrennt durch eine unüberbrückbare Kluft, sondern enge mit mir verbunden als Wanderer auf dem nämlichen Wege, stets bereit, mich aufzuheben, wenn ich strauchle oder falle, mich zu stützen, wenn ich ermatte, und in den Stunden der Finsternis mit mir von jenem Lichte zu sprechen, das jenseits der fernen Hügel leuchtet. Auch sie wandelten einstmals so wie ich im Glauben. Auch sie hatten ihre Stunden der Prüfung und der Leiden, auch sie wurden auf ihrer irdischen Pilgerfahrt durch Deine sakramentale Gegenwart, die ich zur Stunde besitze, erquickt.
Herr, vermehre meinen Glauben! Mit Thomas falle ich Dir zu Füßen, mein Herr und mein Gott! Mit Petrus und mit Martha bekenne ich Dich als Christus, den Sohn des lebendigen Gottes. Nichts möge je meinen Glauben verdunkeln. O Herr, erleuchte ihn vielmehr, bis er mich zum vollkommenen Lichte führt! Möge jede Kniebeugung vor Deinem Tabernakel, jede Besuchung vor demselben, jede Kommunion Dich durch meinen Glauben verherrlichen. Mit Freuden, o mein Gott, gebe ich Dir meinen Verstand und die Liebe meines Herzens hin! Mit Freuden diene ich Dir ohne Vorbehalt während der kurzen Spanne meines irdischen Lebens. Nur bis zu den Toren der Ewigkeit hinan verlangst Du Glauben von mir. Bin ich einmal angelangt innerhalb jener Tore — welche Veränderung! Welche Enthüllung! Meine Augen werden den König in Seiner Herrlichkeit schauen. Ich werde Deinen Ruhm schauen und befriedigt sein. Wenn ich dann vor Deinem enthüllten Antlitz niederfalle, wie innig werde ich Dir für die Gabe des Glaubens auf Erden danken!


Jesu, quem velatum nunc aspicio,
Oro fiat illud quod tam sitio:
Ut te revelata cernens facie,
Visu sim beatus tuae gloriae.

Oh Jesus, Du bist hier dem Auge noch verhüllt,
Wann endlich wird des Herzens Durst nach Dir gestillt;
Dass ich Dich schaue unverhüllt von Angesicht,
Und ewig selig bin in Deiner Glorie Licht!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass Er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, der Du den Tod keines Menschen willst, der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“



30.12.2019. - 05.01.2020

Das „Willkommen“ Mariens

„Ich will mich erfreuen in Gott, meinem Heilande.“ (Hab 3,18)


Vor der Kommunion

Welch ein Beispiel haben wir in Mariens Willkommen! Wie schön vereint Sie Liebe mit Anbetung! In der Christnacht drückt Sie Ihr göttliches Kind an ihre Brust! O innige Umarmung der Mutter, verbunden mit der Ehrerbietung und der Hingabe des Geschöpfes. Wie vernichtet Sie Sich in Seiner Gegenwart; wie vereinigt Sie all Ihre Kräfte in Ihm; wie frohlocket Sie von ganzem Herzen; wie freudig bietet Sie Ihm Ihre Dienste an; wie glüht Sie vor Dankbarkeit, da Sie Ihn Willkommen heißt in der Menschwerdung, bei der Geburt, bei jeder Kommunion, die Sie zu Ephesus und Jerusalem aus den Händen des heiligen Johannes empfängt!
Mannigfaltig ist die Art der Aufnahme, je nachdem sie einem König, einem Vater, einem Eroberer, einem Wohltäter, einem Freunde, einem Bräutigam, einem Kinde gilt. Alles das war Christus für Maria, ja noch tausendmal mehr. Sie sollte Ihm das einem Gotte gebührende Willkommen entgegenbringen. War Sie hierzu fähig? Ihr Herz und Ihr Geist bewegten sich allerdings in Regionen, wohin der kühnste Flug der Seraphim und Cherubim niemals gelangt. Aber wenn Sie nach der Kommunion, die Hände über die Brust gekreuzt, in Anbetung niedersank, da fühlte Sie, wie kein anderes Geschöpf es je gefühlt, da bekannte Sie in tiefster Demut, von der wir keine Ahnung haben, die äußerste Unzulänglichkeit Ihrer Anbetung und Liebe.
Maria wusste, dass, Der da mächtig ist, Großes an Ihr getan hatte. Sie wusste, dass die Rückgabe all dessen, was Er Ihr gegeben, bei weitem nicht das erreichte, was Ihm gebührt, und dass eine unermessliche Schuld blieb. Rings um Sie erstreckte sich ein weiter Ozean von Vollkommenheit, den kein menschliches Lob ausfüllen konnte. Unaufhörlich versuchte Sie, Seinen Ansprüchen auf Ihre Huldigung gerecht zu werden, und unaufhörlich fiel Sie in Ihr Nichts als Geschöpft zurück. Doch nicht um darin zu verweilen. In dem Schatz, der Ihr in der Menschwerdung und in der Eucharistie anvertraut war, hatte Sie genug, ja mehr als genug, um das zu ersetzen, was Ihr mangelte. Sie hatte den wesensgleichen Sohn dem Vater als Anbetung, Preis und Dank anzubieten.
Derselbe Schatz ist auch uns anvertraut. Wie Maria, so bringen auch wir nach bestem Vermögen unsere Danksagung dar. Doch „eingedenk, dass wir unnütze Knechte sind, arm und verächtlich, elend und blind“, nehmen wir gleich Ihr unsere Zuflucht zu dem unendlichen Gott in unserer Seele und opfern Ihn Ihm selbst als ein „Willkommen“, das Seiner würdig ist.
Heilige Maria, zu dir komme ich in meiner großen Not. Ich bin im Begriffe, den Allerheiligsten in mein Herz aufzunehmen. Doch, o liebe Mutter, ich schrecke davor zurück. Ich weiß es, Sein Auge kann keine Unvollkommenheit ertragen. In Seinen Engeln fand er Sünde. Ich weiß auch, dass Er die Tiefe meiner sündhaften Seele durchschaut und erforscht. Und dennoch heißt er mich zu Ihm kommen und mich mit ihm auf die innigste Weise vereinigen, die hienieden denkbar ist. Wie, ich Sünder soll vor dem Allerhöchsten stehen, ich soll es wagen, mich demjenigen zu nahen, vor welchem die fleckenlosen Engel ihr Antlitz verhüllen und unaufhörlich „Heilig, heilig, heilig“ singen?
Gepriesen sei Seine Liebe und Sein Erbarmen. Er selbst hat mir den Weg bereitet. Er hat die Bedingungen so leicht gemacht, dass ich keine Entschuldigung habe, wenn ich mich fernhalte und die Einladung, an Seinem Abendmahle teilzunehmen, ablehne. Das hochzeitliche Kleid der Gnade ist — streng genommen — alles, was Er verlangt. Weniger konnte Er nicht fordern. Das übrige überlässt Er meiner Liebe. Deine unbefleckte Reinheit, o Mutter, Deine glorreiche Heiligkeit war nicht zu viel als Vorbereitung für Ihn — und Er ist zufrieden mit dem armseligen Empfang, den ich Ihm bereite.
Er selbst übergibt mir das hochzeitliche Kleid, und um den Schmuck der Gnade, der mir leider mangelt, zu ersetzen, heißt Er mich meine Zuflucht zu jenen nehmen, die mir von ihrem Überfluss mitteilen können: die Patriarchen, Propheten, Apostel, Märtyrer, Bekenner, Jungfrauen, Engel, Erzengel, Cherubim, Seraphim, — das ganze himmlische Heer — stehen mir kraft der Gemeinschaft der Heiligen zu Diensten; doch hilfsbereiter, gütiger, zugänglicher als alle ist Sie, die Heilige der Heiligen. Obgleich Mutter Gottes und Königin des Himmels ist Sie eingedenk, dass Sie meine Mutter ist, und hält es nicht unter ihrer Würde, von Ihrem Throne herabzusteigen, um mir in meiner Not zu Hilfe zu kommen. Wie eine Mutter ihr Kind mit ihren eigenen Juwelen schmückt, auf dass es schicklich am königlichen Hof erscheinen könne, so gewährt Sie mir alles, was ich wünsche, alles, um was ich bitte, damit ich Wohlgefallen vor den Augen des Königs der Könige finden möchte.
O liebe Mutter, Du siehst, was mir mangelt, o gib es mir! Ich bin so arm und unwissend, dass ich nicht einmal weiß, was mir abgeht. Teile mir von Deinen Schätzen mit. Du wirst nicht gleich den klugen Jungfrauen handeln und mich abweisen, auf dass ich das, was mir mangelt, anderswo erbitte. Du hast genug für Dich und mich. Du bist die Ausspenderin aller guten Gaben Gottes, die Mittlerin, durch welche alle Tugenden von Ihm, dem Haupte, uns, seinen Gliedern, zukommen. Gib mir Anteil an den Gnaden, die Deine Seele bereicherten und so wunderbar in den Augen Gottes machten. Gib mir Anteil an jenem Glauben, den keine Prüfung zum Wanken brachte; an jener Hoffnung, die bei jeder Heimsuchung sich nur um so inniger an Ihn anschloss; an jener Liebe, die vollkommen selbstlos und zu jedem Opfer bereit war. Gib mir vor allem die Demut, welche Dich mehr als alle anderen Tugenden Gnade vor dem Allerhöchsten finden ließ, eine Demut, die ich haben muss und um die ich mehr als um alles andere bitten sollte.
O Mutter, erfülle mein Verlangen! Mein Herz ist kalt und unbewegt trotz der Schönheit und der Reize Deines göttlichen Sohnes, trotz Seines Wunsches, bei mir zu sein. Zeige mir hier und jetzt die gesegnete Frucht Deines Leibes, Jesus, dass ich bewogen werde, Ihn zu lieben und Ihn bei Seiner Ankunft willkommen zu heißen.
Komm, Herr Jesus, komm! Komm und sieh, wie mich die Hand Deiner Mutter zu meiner Vereinigung mit Dir geschmückt hat. Blicke nicht auf meine Armut; blicke auf die Reichtümer, die Sie aus Ihrem Herzen genommen und womit sie das meinige geziert hat.



Nach der Kommunion.

„Hochpreiset meine Seele den Herrn, und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande.“
„Denn Großes hat an Mir getan, der da mächtig, und dessen Name heilig ist.“ (Lk 1,46 f.)
„Lobet den Herrn, all Seine Engel, die ihr gewaltig seid an Kraft!“ (Ps 102, 20)
„Preiset mit Mir die Größe des Herrn; gemeinsam lasset uns Seinen Namen erheben!“ (Ps 33, 4)
„Denn Er ist Gott, unser Gott auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Preiset unsern Gott, ihr alle seine Diener, und ihr alle, die ihr Ihn fürchtet, klein und groß!“ (Offb. 19, 5)
„Singet Lob unserm Gott, singet, singet Lob, unserm König, singet!“ (Ps 46,7)
„Denn dies ist Gott, unser Gott, in Ewigkeit, auf immer und ewig.“ (Ps 47,15)
„Gepriesen sei Gott, der Herr, an diesem Tage.“ (III. Reg. 5,7)
„Amen. Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Kraft sei unserm Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ (Offb 7,12)

O mein Gott, könnte ich Dir doch das beste aller Willkommen anbieten! Ich vereinige mein armseliges Willkommen mit dem Willkommen Mariens bei der Menschwerdung; mit Ihrem Willkommen, als Sie Dich in der Christnacht zum ersten Male an Ihre Brust gedrückt; mit Ihrem Willkommen, als Sie Dich nach dreitägigem Suchen wiedergefunden; mit Ihrem Willkommen an jedem Abend bei Deiner Heimkehr von der täglichen Arbeit. Mit Ihrem Willkommen, als Sie, die Arme ausbreitend, Dich vom Kreuze herab in Ihren Schoß aufgenommen; mit Ihrem Willkommen, als Sie am Ostermorgen, beim Aufgang der Sonne, Dich erblickt hat. Ich vereinige mein schwaches Willkommen mit dem Ihrigen, als Sie Dich in Brotsgestalt empfangen, in jenen Jahren nach Deiner Himmelfahrt, da Ihr Leben durch Deine sakramentale Gegenwart erhalten wurde. Ich vereinige mein Willkommen mit dem Ihrigen, das als Antwort dem Deinigen entgegentönte, als Du Sie, am Tage Ihrer Himmelfahrt, in Deine Arme schlossest.
O könnte ich doch, und wäre es auch in unermesslicher Ferne, Ihrem Beispiel in Anbetung, Lob, Sühne und Liebe folgen! O hätte ich jene Gleichförmigkeit des Willens, des Geistes und Herzens, welche Sie ganz mit Dir verband und welche Deinem gottmenschlichen Herzen so viel Trost und Freude bereitete!
Auch ich möchte dich schützen, o Herr, vor der Kälte der Winternacht, dadurch, dass ich Dich in mein Herz aufnehme, aber auch durch teilnehmende Sorge für Deine leidenden Glieder, indem ich sie speise, kleide und beherberge, denn von ihnen gilt das Wort: „Was ihr einem dieser Meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan.“ (Mt 25,40)
Auch ich will Dich suchen, wenn Du dich vor mir verbirgst, sei es in gerechter Strafe für meine begangenen Sünden oder für meine gegenwärtige Nachlässigkeit in Deinem Dienste. Ich will Dich suchen, so oft ich Dich durch meine Unachtsamkeit verloren habe. Ich will mich prüfen über den Empfang der heiligen Sakramente, über die Anhörung der Heiligen Messe, über die Pflichten meines Standes, über die Verantwortlichkeit denen gegenüber, die Du mir anvertraut hast und für welche Du Rechenschaft von mir verlangen wirst, über die Folgen meines Beispiels bei meinen Hausgenossen. Und habe ich gefunden, dass ich durch eigene Schuld Deine fühlbare Gegenwart eingebüßt habe, so will ich mich tief vor Dir verdemütigen. Kann ich aber keinen besonderen Grund für die Entziehung Deiner Gegenwart finden, so will ich mich meiner verborgenen Fehler wegen demütigen: „Denn ich bin mir zwar nicht bewusst, aber darum noch nicht gerechtfertigt: der mich richtet, ist der Herr.“ (1 Kor 4,4) In Deiner gebenedeiten Mutter war nichts, was Strafe oder Reinigung forderte. Nur zur Vermehrung Ihres Verdienstes diente der Schmerz des dreitägigen Verlustes. Was mich betrifft, so hat die Entziehung Deiner fühlbaren Gegenwart eine dreifache Ursache und Frucht. Gib, o Herr, dass ich sie Deinen Absichten entsprechend benutze. Ich nehme sie als Strafe für meine Sünden, als Läuterung meiner unvollkommenen Liebe und zur Vermehrung meines Verdienstes. Mühevoll suche ich Dich hienieden. Gib, dass ich dadurch verdiene, Dir dort oben näher zu kommen. Gleich Deiner gebenedeiten Mutter will ich Dich suchen, bis ich Dich finde. O Du, Den meine Seele liebt, lass Dich finden, wann der Tag anbricht und die Schatten verschwinden, und in alle Ewigkeit will ich Dich nicht lassen!



Aufopferung und Bitte

Als Gott der Liebe hast Du Dich mir geoffenbart, und da es in der Natur der Liebe liegt zu geben, so gibst Du verschwenderisch und unermüdlich, und zwar von Deinem Besten. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er Seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Alle anderen Gaben sind geringer als diese. Alle anderen sind in dieser enthalten. „Wie, sollte Er uns mit Ihm nicht alles geschenkt haben?“ (Röm 8,32)
Was kann ich Dir dafür geben? Ich habe nichts, das nicht Dein wäre. Doch Du willst das von meiner Hand annehmen, was ohnehin schon Dir gehört. Ich biete Dir also als Gegengeschenk all die Güter der Seele und des Leibes, alles, was die Liebe mir gegeben, alles, was sie mir vorenthalten hat: Leben, Kraft, Fähigkeiten, meine Leiden und Freuden, meine Gnaden und meine Verantwortlichkeit, meine Wünsche und meine Tauglichkeit zu Deinem Dienste. Weil aber alles, was ich besitze, Deiner unwürdig ist, so opfere ich Dir die Vollkommenheit Deiner Engel und all die Verdienste Deiner Heiligen auf; ich opfere Dir auf das überaus heilige Herz Mariens; Dein eigenes allerheiligstes Herz — ein Opfer von unendlichem Werte, das in der heiligen Kommunion mir geschenkt wurde, auf dass ich es hinwiederum Dir anbiete als überreichen Ersatz für alles, was ich bereits empfangen, und für das, was ich hienieden und drüben erwarte. Ich opfere Dir heute dieses Herz für jede Seele in der Welt; für die 500 Millionen Christen, von denen so viele Deinen Namen tragen, ohne Dich zu lieben, ohne Dir zu dienen; für die 900 Millionen, die niemals Deinen Namen gehört haben, denen die Schönheit Deines Lebens und die Zärtlichkeit Deines Herzens nie zur Erkenntnis gekommen ist. O Erlöser der Welt, Der Du den Tod keines Menschen willst, Der Du im Gegenteil wünschest, dass alle Menschen bekehrt werden und leben sollen, rette diese dem Verderben entgegeneilenden Seelen, von denen jede mit Deinem kostbaren Blute erkauft ist und einen Platz in Deinem Herzen hat. O Herr der Ernte, sende Arbeiter in Deinen Weinberg, gib, dass der Glaube sich schneller und weiter verbreite. Gib Gedeihen den auswärtigen Missionen, sichere den sterbenden Kindlein die Taufe; komme denen zur Hilfe, die am heutigen Tage ohne Priester, ohne Sakrament ihr Leben beschließen.
Ich opfere Dein allerheiligstes Herz auf für alle jene, die, im Dunkeln tastend, den Weg zur Wahrheit suchen. O Licht, das einen jeden erleuchtet, der in diese Welt kommt, hilf ihnen hinweg über die Schwierigkeiten, die Du allein bemessen und die Du allein aus dem Wege räumen kannst. Stärke jene, die zögernd an der Schwelle der Kirche stehen und die durch irdische Beweggründe vom Eintritt abgehalten werden. O welch ein Glück, könnte ich nur einer von diesen Seelen behilflich sein! O Herr, gib mir Gelegenheit hierzu und Deine Gnade! Wenn ich nicht „viel“ tun kann, so lass mich „Weniges“ vollbringen. Mache mich freigebig an Liebe, an Zeit, an allem, was ich ihnen zur Verfügung stellen kann. Du aber erachte jede Anstrengung, jeden Wunsch meinerseits als eine Danksagung für die mir so unverdient verliehene Gnade des Glaubens.



Gebet vor einem Kruzifix

Alle Gläubigen, welche dieses Gebet andächtig und mit reumütig zerknirschtem Herzen vor dem Bilde des Gekreuzigten verrichten und nach Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares eine Zeitlang (etwa fünf Vater unser und Gegrüßet seist du Maria) nach Meinung des Heiligen Vaters beten, gewinnen einen vollkommenen Ablass, der auch den Armen Seelen zugewendet werden kann. (Pius IX, 31. Juli 1858)
Siehe, o gütigster und süßester Jesus, vor Deinem Angesichte werfe ich mich auf die Knie nieder und bitte und beschwöre Dich mit der heißesten Inbrunst meiner Seele, durchdringe mein Herz mit den lebhaftesten Gefühlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe und verleihe mir eine wahre Reue über meine Sünden, verbunden mit dem unerschütterlichen Vorsatz, mich zu bessern; indem ich mit aller Liebe und allem Mitleid Deine heiligen fünf Wunden betrachte und dabei beherzige, was der heilige Prophet David von Dir gesagt hat: „Sie haben Meine Hände und Füße durchbohrt, sie haben alle Meine Gebeine gezählt.“